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Full text of "Mitteilungen des Österreichischen Vereins für Bibliothekswesen 10.1906 - 13.1909"

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MITTEILUNGEN 


Österreichischen Vereins 
Bibliothekswesen. 


Herausgegeben vom 


Vereins-Ausschusse, 


redigiert von 


Dr. G. A. Crüwell. 


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In Kommission bei Gerold & Komp. 
1906. 


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PUBLIC LIBRARY | 
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ASTOR, LENOX AND 
TILDEN FOUNDATIONS. 











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Inhaltsverzeichnis. 


Aufsätze. 
Seite 
Ahn, F. Der erste bekannte Kalender aus Johann Mannels Druckerpresse 
i Laibach Ze X e V ee a 128 
Crüwell, G. A. Zur Geschichte des evangelischen Bücherschmuggels . . 157 
Dvořák, M. liluminierte Handschriften in OÓsterreich . ... ..... 69 
Eichler, F. Aus steirischen Missalien des 14. und 15. Jahrhuuderts . . 63 
— Moderne Bibliotheksbauten . . 2 2 2 00 0 0 m m nr re. 1, 132 
— Zur Umgestaltung unserer Studignbibliotheken . . . .. ...... 140 
Goldmann, A. Aus dem Leben eines Beamten der Universitüts-Bibliothek 
IN Prag e e E mecht der e ee E ge ft AE ek, od 122 
Haas, W. Weitere Aufgaben des (Österreichischen) Vereins (für Bibliotheks- 
weseD) ... 2 0000. Dune Ba Are s 102 
Himmelbaur, J. Die ersten zelın Jahre des österreichischen Vereins 
für Bibliothekswesen . . . .......... l 93 
Kotula, R. Die k. k. UniversitAts-Bibliothek zu Leiberg Hi dde ren ss 115 
Luschin v, Ebengreuth, A. Aus steirischen Missalien des 14. und 
15. Jahrhunderts (Urkundlicher Anhang): u. 0 wa a ee 63 
Menéik, F. H. G. Bretschnoider und G. van Swieten, Ein Beitrag zur 
Geschichte der Univergitite-Bibliothek in Lemberg ........-. 11 
Mitis, O. Freiherr v., Hof- und Staatshandbücher ......2.... 151 
Schissel v. Fleschenberg, O. Zur Bibliographie der tirolischen 
Literatur des 18, Jahrhunderts. J. . . . . ....... BE e 80 
Seuffert, B. Zwei Beiträge sur Wieland-Biographie......... 76 
Tobolka, Z. V. Ósterreichische Bibliographie . . .. ...... . . 155. 
Besprechungen. 
Adler, E. N. Abont Hebrew Manuskripts (C—1) . .......... 85 
Ex-libris-Gesellschaft, Ósterreichische,. III, Publikation 
(HI. € 39.5. E Ra ET 42 
— IV. Paoblikgtion (Rött.) . .......... rer nen. 161 


G 0tze, A. Die hochdeutschen Drucker der Reformationszeit (H. Rottinger) 133 
G atenb erg-Gesellschaft. Veröffentlichung I bis IV (Hübl). . . 37 


Hayn, H. Vier neue Kuriosit&ten-Bibliographien (G—g) . ...... . 43 
Holzmann, M.u. Bohatta, H. Deutsches Anonymen-Lexikon UL 
(GIOI) Xx aue cd ans SUE Wesce Ge Se e RO nig GTP We 161 
— Deutsches Pseudonymen-Lexikon (Dr. Moyse Pund) . . . . . . . ... 185 
Jakob, G. Erwähnungen des Schattentheaters in der Weltliteratur (Dr. H. 
BOhallay:. ou ss dox cob a er Ue I OE ee de tn . 88 
Krackowizer, Die Sammelbünde aus der Reformationszeit im Landes- 
Archiv zu Linz (Heinrich Röttinger) . . .. ............ 80 


Kristeller, P. Kupferstich und Holzschnitt in vier Jahrhunderten . . 163 
Kroll, W. Catalogus codicum astrologorum Graecorum VI. Codices 

— (Wilheim Weinberger) . .. .. .......... 140 
Reproduktionen von Handschrift en (Wilh. Weinberger) . . 160 
Sepp, H. Bibliographie der bayerischen Kunstgeschichte bis Ende 1905 


(Heinrich Röttinger) . 2: 2 2:20 or ne 133 
Slater, J. H. How to colleet books . . ............... 42 
Aus Osterrejichiscuen Bibliotheken . . . . . . ........ 44, 89, 140, 
Vereinsnachrichten . . .. .......... t.e. ns 47, 93, 145, 163 
Personalnachrichten ... ........ we ww et 48, 112, 145, 173 
Vermischte Nachrichten © 2 2 2 2 0 er re rn 50, 113, 147, 176 


Buchdruckerei E. Kaiuz vorm. Wallishausser, Wien. 


MITTEILUNGEN 


* 


Österr. Vereins für Bibliothekswesen. 





X. Jahrgang. Jänner-März 1906. Nr. 1. 





Moderne Bibliotheksbanten !). 


Mehr als fünfhundert Jahre ist es her, seitdem der gelehrte englische 
Bücherfreund Richard de Bury die schónen Worte geprägt hat, daß man 
in den Büchern die Grenzen von Raum und Zeit, Unsichtbares und 
Sichtbares gleichsam wie in einem Spiegel der Ewigkeit betrachten könne. 
Er empfiehlt dann auch, die Bücher diesem ihren Werte entsprechend zu 
behandeln. Und in der Tat, wenn wir die Bücherreihen einer großen 
Bibliothek durchwandeln, so finden wir in dieser Masse von Pergament 
und Papier die geistige Arbeit, die die bereits Toten auf allen Gebieten 
geleistet haben, die Lebenden noch leisten, nach menschlicher Berechnung 
dauernd niedergelegt. Schon das Altertum hat es daher als eine schóne Pflicht 
erkannt, diesen sichtbaren Zeugen geistiger Kultur würdige Aufbewahrungs- 
räume zu errichten. Die Erforschung der Altertümer hat uns auch mit 
diesen Bauwerken wieder näher bekanntgemacht und gerade die Aus- 
grabungen, die von österreichischen Gelehrten in Kleinasien unternommen 
worden sind, führen uns ein lehrreiches Stück antiker Bibliotheksban- 
tecbnik vor Augen. Zunächst natürlich vom Standpunkte der klassischen 
Altertumsforschung aus ins Werk gesetzt, sind diese Ausgrabungen in 
ihren Ergebnissen doch vielleicht geeignet, auch nach anderer Richtung 
befruchtend und neubelebend auf die Gegenwart zu wirken. Denn die 
Steine der Bibliothek von Ephesus reden eine sehr beredte Sprache, sie 
besagen vom bibliothekarischen Standpunkte aus vor allem das Eine, dab 
wir weder eine neue, noch eine unerhórte Forderung 
aufstellen, wenn wir für die Sammelstátten der geistigen Erzeugnisse aller 
Zeiten und Völker den Bau von Bibliotbekspalästen verlangen. ?) 

Bibliothekspalast! Das Wort mag den Ohren Unkundiger vielleicht 
etwas sonderbar klingen. Es soll damit natürlich auch nicht gesagt sein, 


1) Vortrag gehalten im Österreichischen Verein für Bibliothekswesen in 
Wien am 25. November 1905. 


2) Uber die Bibliothek von Ephesus vergl. u. S. 47 f. 


daß: man für jede Bücherei einen Prachtraum schaffen kann oder soll, 
sondern es soll damit nur ausgedrückt werden, daß man für jede Bibliothek 
ihrem Werte und ihrer Bedeutung entsprechende Räume errichten soll, 
wie man sie für Museen und andere Bildungsanstalten als etwas ganz 
Natürliches- erachtet. Schon in früheren Zeiten hat man Architektur und 
Malerei in ihren entwickeltsten Formen herangezogen, um wirkliche 
Monumentalbauten für Büchersammlungen zu schaffen. Drei Renaissance- 
Baudenkmäler Italiens üben noch heute einen unwiderstehlichen Zauber auf 
den Besücher aus: die Bibliothek des Sansovino in Venedig, dìe Laurenziana 
in Florenz, in deren Baugeschichte der Name des Michelangelo glänzt, 
die Libreria del Duomo -in Siena mit den einzigartigen Fresken des 
Pinturicchio. Auch auf die deutsche Bibliotheksbautechnik älterer Zeit hat 
Italien herübergewirkt, für das heute nicht mehr bestehende Gebäude der 
Bibliothek in Wolfenbüttel ist die Villa rotonda des Palladio bei Vicenza 
Vorbild gewesen. Aus der Barockzeit haben wir ein klassisches Beispiel 
monumentaler Bibliotheksbautechnik hier in Wien an der Hofbibliothek. 
Manche wertvolle Klosterbibliothek hat in prächtigen Sälen ihre Schätze 
stimmungsvoll aufgereiht. So findet also eine ganz natürliche Entwicklungs- 
reihe ihre ‚natürliche Fortsetzung, wenn in der Gegenwart nicht bloß 
Maurer und Schlosser ihre Hände zur Herstellung von Bücherräumen regen, 
sondern Architekt, Künstler und Kunsthandwerker nicht nur in willkom- 
menen, sondern in berechtigten Mitbewerb eintreten. Eines freilich dürfen 
wir nicht übersehen: der Bibliotheksbetrieb ist in der Gegenwart ein ganz 
anderer geworden. Wenn man früher im allgemeinen mehr Gewicht auf das 
Sammeln und Erhalten der Bücher legte und auch legen konnte, ist jetzt 
das Benutzen der Bücher in den Vordergrund gerückt, wir stehen im Zeit- 
alter des allseitigen Erschließens der literarischen Schätze. Während man 
früher prächtige Säle baute, um ihre Wände mit schön gebundenen Büchern 
zu schmücken, baut man heute große, luftige und lichte Säle, um darin 
geistige Arbeit verrichten zu lassen. Die praktischen Fragen der 
Benutzung stehen heute im Vordergrunde, die Fragen der Schönheit 
treten zurück, aber doch so, daß die Zweckmäßigkeit die 
Schönheit nicht ausschließt. 


Es ist heute nicht meine Aufgabe, die — Fragen älterer und 
neuerer Bibliotheksbautechnik aufzurollen und zu zeigen, wie System aus 
System sich entwickelt hat, und in zahlreichen Bildern vorzuführen, welche 
mannigfaltigen Einrichtungen die Bibliothekstechnik ersonnen hat. ?) Diese 
Aufgabe — wenn auch mit gewissen Beschränkungen — einmal durch- 


3) Ich darf vielleicht auf meinen Aufsatz. „Bibliothekstechnisches* im 
Zentralblatt für Bibliothekswesen, 11. Jg. (1894), S. 308—319 verweisen, 


zuführen, scheint mir freilich sehr nützlich und wertvoll. Für heute sind 
mir engere Grenzen gesteckt. Jch habe die- Absicht, - über- die neuen 
Bibliotheken in Heidelberg, Gießen, Marburg i. H. und Kassel zu sprechen, 
und zwar als Bibliothekar vom bibliothekstechnischen Standpunkte aus. 
Dieser Standpunkt bringt es freilich mit sich, daß ich auch einige all- 
gemeine bibliothekstechnische Fragen berühren muß, denn: die genannten 
Büchereien haben ‘ältere Schwestern und wenn man diese ‘älteren zur 
Vergleichung heranzieht, se wird sich dann zeigen, ob und wie gut die 
jüngeren geartet sind. : 


Wenn ich gerade ‘die vier genannten Bibliotheken ` in das Bereich 
meiner Betrachtungen ziehe, 80 ist das kein Zufall. Ich habe diese vier 
im September des Jahres 1905 besichtigt, und zwar mit gutém Grunde : 
ich wollte die neueste deutsche Bibliotheksbautechnik 
kennen lernen. Die Universitäts-Bibliothek in Heidelberg und die 
Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel sind erst im Jahre 1905 
bezogen worden, ich konnte noch bemerken, wie da und dort plastischer 
Schmuck oder andere Ergänzungen angebracht wurden. So war eben an 
dem Tage, da ich die Kasseler Bibliothek besuchte, ein in Stein gehauener 
lesender Knabe beim Eingang aufgestellt worden. Die Universitäts-Bibliothek 
in Gießen ist im August 1904 bezogen worden, die in Marburg 
schon etwas früher, zu Ostern 1900. Über letztere war mir so viel Vor- 
treffliches berichtet worden, daß sie als ein besonders gelungenes Muster 
eines Bibliotheksneubaues: anzusehen war und daher besonders berück- 
sichtigt werden mufte.!) Daß fär die ehrwürdige Palatina in Heidelberg ein 
neuer Prachtbau geschaffen werde, war mir schon seit zwei Jahren aus 
eigener Anschauung. bekannt. 


Der Zweck meiner Bibliotheksbesichtigung lief also 
darauf hinaus, mir durch eigene Anschauung tine Vorstellung davon zu 
verschaffen, was man als dieneuesten Errungensch aften deutscher 
Bibliotheksbautechnik anzusehen hat, wieweit ältere Systeme noch nach- 
wirken, wieweit sie durch neue Erfindungen umgewandelt und verbessert 
worden sind. Der Zweck meines heutigen Vortrages gipfelt daher 
darin, Fachgenossen über meine Erfahrungen bei diesen Bibliotheksbau- 
studien zu berichten und das Wesentliche an neuer Erkenntnis auf diesem 
Gebiete in knapper Formulierung vorzuführen. Ich möchte da gleich fest- 
stellen, daß sich die deutsche Bibliotheksbautechnik in einem ständigen 
Fluß befindet, daß man nicht einfach nach der Schablone baut, daß tat- 


t) Ich bin Herrn Kustos Dr. J. Peisker in Graz zu besonderem Danke 
dafür verpflichtet, daB er mir die Besichtigung der Marburger —— so 
angelegentlich empfahl. F 


1* 


— — 


sächlich neue und wichtige technische Errungenschaften zu verzeichnen 
sind, daß manches, was man noch in den Neunzigerjahren des vorigen 
Jahrhunderts als musterhaft ansah, heute als überholt gilt und nicht mehr 
angewendet wird. Ich muß gestehen, daß es mich mit großer Freude er- 
füllt hat, zu sehen, wie in der jüngsten Vergangenheit eine schönere 
Bibliothek nach der andern aus dem Boden gewachsen ist. Welche Burgen 
geistigen Besitzes sind nicht in der letzten Zeit in den neugebauten 
Bibliotheken an der Westgrenza deutscher Kultur entstanden, nicht nur 
im Deutschen Reiche, sondern auch in der Schweiz. Ich nenne nur einige 
Orte, deren Bibliotheken ich kenne : Bern, Basel, Freiburg i. B., Straßburg, 
Heidelberg, Köln, Gießen, Marburg, Kassel, Bremen. Einzelne Teile des 
europäischen Festlandes sind jetzt tatsächlich in regen Wettbewerb mit 
der Bibliotheksbautechnik der Vereinigten Staaten Amerikas getreten, deren 
Fortschritte uns das Library Journal jabraus jahrein vorführt. Mit dem 
Gefühle aufrichtigen Dankes muß ich auch erwähnen, da ich heute über 
einige von mir besichtigte Bibliotheken spreche, mit welchem bereitwilligen 
Entgegenkommen ich von den Direktoren der betreffenden Bibliotheken 
oder deren Stellvertreter durch alle Räume vom Dachgeschoß bis zum 
Keller geführt wurde. ?) 

Wenn auf irgend einem technischen Gebiete Errungenschaften, seien 
es ältere oder neuere, zu einem Gesamtbilde vereinigt werden sollen, so 
strebt man in der Regel darnach, etwas zu erreichen, was als Muster 
gelten kann. Wenn also jemand eine neue Bibliothek baut, so will 
er eine Musterbibliothek bauen. Das ist aber nicht so leicht wie 
bei manchen anderen Gebäuden, z. B. bei Theatern. Bei einem Theater 
ist der Grundriß durch die ein für allemal bestimmte Lage des Zuschauer- 
raumes zur Bühne im allgemeinen gegeben. Bei einem Bibliotheksbaue 
müssen aber mancherlei örtliche Verhältnisse berücksichtigt werden, deren 
geschickte Ausnutzung im einzelnen Falle den Musterbau schafft. So hat 
z. B. das Hineinbauen einer Bibliothek in einen Winkel, der durch die 
Kreuzung zweier Straßen gebildet wird, bereits seine glückliche Lösung 
gefunden. Ich werde bei der Gießener Bibliothek darauf zurückkommen. 

Einige allgemeine Grundsätze gelten aber für jede Bibliothek, 
in welcher Form immer sie gebaut wird, so de Trennung der Verwaltungs- 
räume von den Benutzungsräumen, eine möglichst zentrale Lage des 
Lesesaales innerhalb des Gebäudes, aber so, daß er keinesfalls als 
Durchgangsraum oder als Raum für die Abwicklung anderer Bibliotheks- 
geschäfte, sondern nur als Studiersaal benutzt werden darf, in allen 


3) Ich dauke insbesondere noch herzlichst den Herren: Professor Dr. Jakob 
Wille in Heidelberg, Ober-Bibliothekar Dr. Emil Heuser in Gießen, Geheinrat 
Dr. Johannes Roediger in Marburg, Professor Dr. Georg Steinhausen in Kassel. 


EXE qe 


Ráumen ausreichendes Tageslicht, in allen Räumen außerdem künst- 
liches Licht mit den nötigen Sicherungen, in allen Räumen aus- 
reichende, leicht regulierbare Heizung undVentilation, in den Bücher- 
räumen eine solche Höhe der Geschosse, daß die Bücher in der 
obersten Reihe bequem mit der Hand erreicht werden können, in den 
Büchergestellen leicht verstellbare Bücherbretter, in allen 
Benutzungsräumen Linoleumbelag auf dem Fußboden zur Dämpfung des 
Schalles und zum Zweck leichterer Reinigung, eine Kleiderablage 
für die Benutzer der Bibliothek und nicht: zuletzt die Möglichkeit, 
einen Erweiterungsbau anzugliedern. 

Eine kritische Übersicht über die neuesten Bibliotheksgebäude unter 
besonderer Berücksichtigung und Hervorkehrung der 
allgemeinen bautechnischen Grundsätze und ihrer 
Anwendung besitzen wir eigentlich nicht. Am besten unterrichten das 
„Handbuch der Architektur*, in dem Albert Kortüm und 
Eduard Schmitt 1893 (4. Th., 6. Halbbd., 4. Heft, S. 41—172) eine 
zusammenfassende Darstellung der Bibliotheksbautechnik gegeben haben, 
und besonders das bekannte „Handbuch der Bibliothekslehre“ 
von Arnim @raesel (Leipzig, 1902), in dem eine reiche Fülle von 
Abbildungen und Grundrissen nebst Beschreibung der betreffenden Bibliotheks- 
gebäude enthalten ist. 

Bei den vier von mir genannten Bibliotheken möchte ich zunächst 
vier besonders bemerkenswerte technische Einrichtungen her- 
vorheben, die mir an allen oder mehreren aufgefallen sind: 

l. die festen Zwischenbóden in den Büchergeschossen, 

2. die durchgehende Verwendung von Seitenlicht mit 
Ausschluß des Oberlichtes, 

9. die an der Außenseite des Bücherhauses zum Teil in 
turmartigen Ansätzen angebrachten Nottreppen, 

4. die Anwendung des Lipmannschen Büchergestelles 
{Heidelberg ausgenommen). 

Als einen besonders gelungenen Fortschritt in der neueren Bibliotheks- 
bautechnik hatte man es angesehen, die Zwischenböden in den Bücher- 
räumen, die nach dem sogenannten Magazinsystem und nicht nach dem 
Galeriesystem im eigentlichen Sinne gebaut waren, aus eisernen Rosten 
herzustellen, weil dadurch der Lichtdurchfall namentlich des Oberlichtes, 
das man ebenfalls als eine besonders glückliche Einrichtung in den 
Bibliotheken ansah, sich als wirksamer erwies. Noch in der Mitte 
der Neunzigerjahre hat man in dieser Art Bibliotheken gebaut, wenn 
auch in der 1888—1891 erbauten neuen Universitäts-Bibliothek in Leipzig 
bereits nicht durchbrochene Zwischenböden eingeführt worden waren. Das 


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u 6 ——— 


Zeitalter. des Oberlichtes, und der Roste ist für die 
modernen Bibliotheksbauten vorüber und wie ich glaube 
mit Recht.. In den Lesesälen entsteht bei Anwendung des Oberlichtes eine 
grelle, den Augen‘ schädliche Beleuchtung, außerdem im Sommer eine oft 
unertrágliche: Hitze, ferner ist die Gefahr des Durchgeschlagenwerdens bei. 
den Glasdächern nicht ausgeschlossen. In den: Bücherräumen werden in 
den oberen Teilen Hitzegrade erreicht, die den Büchern unbedingt schädlich. 
sind. Die Boste in den .Bücherräumen lassen beim Hin- und Hergehen 
Staubmengen durchfallen, außerdem ist der Verkehr auf nicht durch- 
brochenen Zwischenböden natürlich ein viel besserer als, auf den Rosten. 
Man  baüt "daher gegenwärtig feste Zwis chend eċken nach dem 
Mouier- oder einem ähnlichen Systeme. E ex Ä 


Die Nottreppen haben zunächst abgesehen von ihrem — 
den praktischen Wert, dab Handwerker, die auf dem Dachboden Aus- 
besserungen vorzunehmen haben, von SE bequem dorthin gelangen 
können. | 


Vielfach hat in den Neunzigerjahren die E die Frage 
nach der besten Verstellbarkeit der Bücherbretter beschäftigt 
und es ist gerade zehn Jahre her, daß uns Paul Jürges mit einem Büchlein 
beschenkt hat, in dem „die modernen Systeme von Büchergestellen mit ver- 
stellbaren Legebóden* behandelt werden. Auch diese Frage kann heute 
als, gelöst betrachtet werden. Es ist nicht zu bezweifeln, daß das 
System von Lipman, einem Straßburger Kunstschlosser, das schon in 
viele Bibliotheken Eingang gefunden hat, als das beste anzusehen ist. Es 
beruht auf der Anwendung von Zahnstangen, in denen verschiebbare Bleche 
sitzen, die die Bücherbretter tragen. Man kann die Bretter um 1 cm ver- 
stellen. Dazu kommt, daß die Seitenwände, da sie eben aus Blech sind, 
fast gar keinen Raum einnehmen und der seitliche Lichteinfall fast gar 
nicht behindert ist. Also Raschheit, Sicherheit, Raum- und Lichtgewinn, 
mehr kann man von einem Büchergestell nicht verlangen. Wenn in Heidel- 
berg die. Stellstifte beibehalten wurden, so beruht dies auf einer Vorliebe 
des früheren Bibliotheks-Direktors für diese Einrichtung. 


Als besonders beachtenswert möchte ich die Anwendung von 
Kathedralglas an der Sonnenseite der Bücherräume bezeichnen, durch. 
das die Bücher vor der Einwirkung der Sonnenstrahlen geschützt werden, 
ohne daß es nötig ist, an den sehr großen Fenstern Vorhänge anzubringen, 
die ja oft gerade zur richtigen Zeit nicht herabgelassen sind. 

In Gießen und Marburg ist neben der elektrischen Beleuchtung 
auch Gasbeleuchtung vorhanden. Natürlich können auch die. Bücherräume 
beleuchtet werden. | 


In Marburg ist für das Auflegen der Zeitschriften ein 
sehr praktisch gebautes Gestell eingeführt worden. : Man kann infolge 
der größeren Neigung der höher gelegenen Bretter alle Titel der Zeit- 
schriften gut ablesen. 

In Kassel ist mir — ‚daß auf die anderenorts streng durch- 
geführte Trennung der Verwaltungs- und der Aufstellungsräume ver- 
zichtet wurde, wofür wohl örtliche Verhältnisse maßgebend gewesen sind. 
Natürlich muß an dem Grundsatz, Verwaltungs- und Aufstellungsräume 
zu trennen, im allgemeinen streng festgehalten werden. Der Lesesaal’ soll 
aber so gelegen sein, daß von ihm aus unmittelbar die Bücherräume zu- 
gánglich sind. In' dieser Hinsicht entsprechen. die von mir besuchten; Neu- 
bauten nicht den wünschenswerten strengen Anforderungen. .Freilich ist in 
den reichsdeutschen Bibliotheken die Vorausbestellung der Bücher üblich, 
während sie in unseren Bibliotheken so gut wie gar keine Rolle spielt. 

In der Regel wird jetzt darauf gesehen, daß die Bibliothek einen 
Ausstellungs- und einen Vortragssaal besitzt. In besonders großem Umfange 
ist ein solcher Saal in der Murhardschen Bibliothek in Kassel ausgeführt, er 
hat eine Größe von 250 m? und da die Decke des Saales wölbungsartig 
in die Dachkonstruktion. hineingebaut ist, gewinnt man den Eindruck, als 
ob man sich in einer Kirchenhalle befände. 

Für die Baukosten dieser neuen Bibliotheken sind ganz ansehn- 
liche Summen verwendet- worden. Die Kasseler Bibliothek erforderte 
400.000 Mark, dazu werden jedenfalls noch weitere Ausgaben für innere 
Einrichtung treten, Für die Universitäts-Bibliothek in Marburg wurden rund 
435.000 Mark Kosten veranschlagt. Die Gesamtbaukosten in Gießen be- 
tragen 526.000 Mark. Die Kosten der Heidelberger Bibliothek sollen sich 
auf 1'/, Millionen Mark belaufen. Zum Vergleiche sei erwähnt, daß sich 
die Kosten der Universitäts-Bibliothek in Graz, die im Herbst 1895 be- 
zogen . wurde, auf 890.000 Kronen beliefen. 

Nach diesen Einzelheiten, die ich besonders herausheben zu müssen 
glaubte, möchte ich nun noch eine allgemeine Schilderung der 
vier Bibliotheksgebäude anreihen. Die Bibliotheken in Marburg und Gießen 
gehören, was innere Einrichtung anlangt, eng zusammen, sie bilden einen 
Typus, der sich durch sorgfältige Erwägung aller Einzelheiten, durch 
Zweckmäßigkeit und Licht auszeichnet. Die Marburger Bibliothek hat der 
Gießener jedenfalls mehrfach als Vorbild und Muster gedient. Die Geschichte 
der deutschen Bibliotheksbautechnik wird feststellen müssen, daß mit dem 
Bau der Marburger Bibliothek ein neuer Abschnitt beginnt, hier ist 
ein neuer vollwertiger Musterbau errichtet worden, dessen Ge- 
lingen vor allem dem sachkundigen und tatkräftigen Direktor der Bibliothek 
Geheimrat Ródiger zu danken ist, der seine Anschauungen auch den 


Technikern gegenüber durchzusetzen wußte und so dem Einfluß der 
Bibliothekare auf die Bibliotheksbautechnik zu einem erfreulichen Siege 
verholfen hat. Daß in Marburg wirklich alles vom Dach bis zum Keller 
gründlichst erwogen wurde, dafür führe ich als Beispiele an, daß die 
Dachträger, um das Gebäude vor starken Erschütterungen bei Sturm 
zu bewahren, nicht vollständig fest verankert sind, sondern auf Rollen 
ruhen. Die Kellerräume sind ebenfalls hell genug und enthalten unter 
anderem auch eine Waschküche. In dem Packraume ist absichtlich Holz- 
stöckelpflaster verwendet worden mit Rücksicht darauf, daß dort schwerere | 
Kisten niederzustelen sind. Für das Fortschaffen dieser schweren Kisten 
stehen hier kleine Dreiecke, die auf je drei Rädchen leicht beweglich sind, 
zur Verfügung. 


Die neue Marburger Universitäts-Bibliothek, ein gelber Backstein- 
bau in gotischem Stile, breitet sich entlang der Straßenfront aus, links 
befinden sich die Bücherräume, rechts die Verwaltungsabteilung mit dem 
Lesesaal. Der gotische Stil wurde wohl gewählt mit Rücksicht auf die 
in Marburg bereits vorhandenen gotischen Baudenkmäler aus alter und 
neuer Zeit, Elisabeth-Kirche, Schloß, Universität. Aufarchitektonischen Schmuck 
ist außen verzichtet, im Innern ebenfalls fast ganz. In dieser Hinsicht 
wurde gespart. 9) 


Wie anders wirkt dies System auf mich ein, kónnte man in An- 
lehnung an ,Faust* sagen, wenn man die Bibliothek in Gießen betritt. 
Diese steht ganz im Zeichen der modernen Kunst und Kunstanschauung. 
überall grüßt aus Form und Farbe den Beschauer ein anheimelnder Ton. 
Jch glaube, man kann den Geist, der hier wirkte, um einige Jahre im 
Kunstleben Hessens zurückverfolgen. Ich fühlte mich wenigstens lebhaft an 
die Ausstellung der Künstler-Kolonie in Darmstadt vom Jahre 1901 
erinnert, die Farbenabtönung der Villa Behrens, die dort so angenehm 
wirkte, glaube ich in der Gießener Bibliothek wiederzufinden. Hier in 
Gießen wurde versucht, die Kunst mit den Bedürfnissen der Praxis in 
Einklang zu bringen. Vom Giebel des Gebäudes herab blickt die Eule als 
Symbol der Gelehrsamkeit, auch im Innern kehrt die Eule wieder. Im 
Treppenhause fesseln Menschenköpfe in den Kapitälen die Aufmerksamkeit 
des Beschauers. Die Formen der architektonischen Ornamentik sind von 
einander abweichend, ohne daf der Gesamteindruck dadurch gestórt würde. 


6) Ich skizziere die Bauart der Bibliotheken hier nur kurz. Im Vortrag 
wurde darüber mehr gesagt und das Vorgebrachte durch Zeichnungen auf der 
Tafel erläutert. Man vergleiche das Zentralblatt der Bauverwaltung, Berlin. 
20. Jg., 1900, S. 224—226 und den Aufsatz von Roediger ,Das neue Bibliotheks- 
gebäude zu Marburg“ im Zentralblatt für Bihliothekswesen, 17. Jg., 1900. 
S. 868—372; A. Graesel. Handbuch der Bibliothekslehre, S. 111—115. 


Lc d ze 


In allen Räumen ist auf ruhige Farbenakkorde Gewicht gelegt, das bezieht 
sich nicht bloß auf die Wände, sondern auch auf die Einrichtungsgegen- 
stände, sogar bis auf die Vorhänge im Lesesaale. Vorherrschend ist ein 
gedämpftes Grün, dann Blau im Zimmer des Direktors, das Rot ist im 
Zeitschriftenzimmer angewendet. Jm Lesesaal bezeichnet ein Idealkopf den 
Genius der Wissenschaft und der Spruch „Fugit irreparabile tempus“ 
mahnt schweigend zu ernster Tätigkeit. Das Kunsthandwerk kommt auch 
in kleineren Dingen zur Geltung, so in den Beschlägen der Türen. Die 
ganze Einrichtung macht einen außerordentlich stimmungsvollen Eindruck, 
man atmet förmlich leichter vor Wohlgefallen. Die Farbenwahl in Gießen . 
halte ich für sehr glücklich. Jch glaube, daß man in den Arbeitsräumen 
einer Bibliothek überhaupt mehr Gewicht auf die Farben, namentlich auf 
die Anwendung des Blau legen sollte. Die Wände in den Bücherräumen 
sind der leichteren Reinigung wegen mit Stofftapeten überzogen. Im 
Bücherspeicher sind Abstaubvorrichtungen bei den Fenstern in der Art 
angebracht, daß Auflegebretter durch die geöffneten Fenster hinausgeklappt 
werden können. Das Zurückfallen des Staubes in den Bücherraum wird 
durch Vorhänge verhindert. 


Das Gießener Bibliotheksgebäude ist in einem modernisierten Barock- 
stil aufgeführt, als Material wurde hauptsächlich grauer Kalkstein ver- 
wendet. Was die Gesamtanlage betrifft, so bildet die Gießener Bibliothek 
wieder eine neue glückliche Lösung der Frage, wie man einen solchen Bau 
geschickt in einem Straßenwinkel unterbringen kann. Schon in dem Neubau 
der Universitäts-Bibliothek zu Basel war diese Frage in schöner Weise 
gelöst worden. Während man jedoch in Basel den Lesesaal in der Richtung 
der Teilungslinie des Winkels nach rückwärts verlegte, hat man ihn in 
Gießen nach vorn in den abgestutzten Winkel hineingebaut. 7) 

Einen Praehtbau, der schon durch sein Äußeres wirkt, hat Josef 
Durm in der neuen Universitäts-Bibliotthek in Heidelberg geschaffen. 
Der in rotem: Kalkstein ausgeführte Renaissancebau fügt sich seinem Stil- 
charakter nach glücklich fein in die Reihe der historischen Bauwerke 
Heidelbergs. Als eine Prachtleistung der Außenarchitektur möchte ich das 
Hauptportal bezeichnen, das links von einer männlichen Figur mit einem 
Adler — es soll wohl Prometheus sein — rechts von einer in ein leichtes 
schleierartiges Gewand gehällten weiblichen Figur, zu deren Füßen ein 
Knabe kniet, flankiert wird. Verfehlt und kunstgeschichtlich nicht gerecht- 
fertigt erscheint mir dagegen das viel zu hoch geratene Dach des Eck- 


..*) Man vergl. A. Becker, Die neue Universitäts-Bibliothek in Gießen, im 
Zentralblatt der Bauverwaltung, Berlin, 25. Jg., 1905, S. 394—396, 407—410; 
Hermann Haupt, Der Neubau der Universitäts-Bibliothek zu Gießen, im Zentral- 
blatt für Bibliothekswesen, 22. Jg. 1905, S. 161—170. l 


uq vens 


turmes. Vorbild hätten ja die alten Abbildungen des Schlosses aus dem 
17. Jahrhundert abgeben kónnen. Wenn man diesen zuckerhutartigen 
Aufsatz um ein Drittel kürzen würde, so gewänne das Äußere des 
Bibliotheksbaues gewiß an Gesamtharmonie. Das Gebäude hat Fronten gegen 
drei Straßen, die Rückseite lehnt sich an den benachbarten Häuserblock 
an. Der Lesesaal, einer der stimmungsvollsten Belle die ich Kenne 
ist gegen den geräumigen Hof zu verlegt.) 

‚Der Neubau der Murhardschen Bibliothek der Stadt Kassel 
zeichnet sich vor allem durch seine herrliche Lage aus. Der gegenwärtige 
Direktor der Bibliothek Professor Steinhausen hat Recht, wenn er meint, 
daB „wohl kaum eine andere Bibliothek in ‘dieser Beziehung mit ihm 
konkurrieren kann“. Der schloßartige, in deutscher Renaissance aufgeführte 
Bau liegt auf einer Anhöhe im fürstlich Hanauischen Park in un- 
mittelbarer Nähe jener Gemäldesammlung, die einige der herrlichsten 
Meisterwerke Rembrandts in sich schließt. Auch die Bibliothek besitzt 
zahlreiche Bilder, darunter einige ältere Niederländer. Daß. die Bücher- und 
die Verwaltungsräume hier nicht streng getrennt sind, entspricht 
allerdings nicht den grundsätzlichen Anforderungen der Bibliotheksbautechnik. 
Die Murhardsche Bibliothek —. BO benannt nach ihren Stiftern, den 
Gebrüdern Murhard — pflegt. hauptsächlich Staatswissenschaften. Kassel, 
eine Stadt von etwa 110.000 Einwohnern, besitzt übrigens noch eine 
zweite noch etwas größere Bibliothek, die Landesbibliothek. 

| Die Wanderung durch einige der neuesten reichsdeutschen. Bibliotheks- 

bauten hat, glaube ich, gezeigt, daß auf diesem Gebiete sehr erfreuliche 
Fortschritte gemacht und schöne Ergebnisse erzielt worden sind. Auch in 
Ö sterreich sollen neue Bibliotheken gebaut werden, zunächst wohl in 
Innsbruck. 


Es ist dringend zu wünschen und muß von Seite der Bibliothekare 
mit allem Nachdruck betont werden, daß man sich die neuesten Erfahrungen 
dabei zunutze mache und daß Bauwerke geschaffen werden, die sowohl 
in ihrer Anlage, das ist bei uns besonders hervorzuheben, 
wie. auch in ihrer inneren Einrichtung allen Anforderungen, die 
man von bibliothekarischer Seite zu stellen hat, entsprechen. 


Eine große Aufgabe hat aber der Staat in Wien zu erfüllen. 
Wenn wir die Straßen Wiens durchwandern, so erfreut sich unser Auge 
n dem Anblick vieler prächtiger neuer Gebäude. Theater und Museen, 


— Mee 


8) Sehr gute photographische Aufnahmen der Bibliothek besitzt der Kunst- 
verlag von Edmund von König in Heidelberg. Der Bau. selbst soll in einem 
eigenen. Werke von Josef Durm beschrieben werden. Den Umzug der Bibliothek 
di Gustav Wahl im Zentralblatt für Bibliothekswesen, 22. Jg., 1905, 

. 582—585. 


"u. JE um 


Parlament und Rathaus, Universität und Dom ragen in herrlichen Formen 
um Himmel empor, aber. das große, von Grund auf neu errichtete moderne. 
Bibliotheksgebäude, wie es anderwärts kleine und kleinste Städte: bereits 
besitzen, das suchen wir vergebens. e 

Ich glaube, daß sich hier wieder einmal den österreichischen 
Bibliothekaren Gelegenheit: bietet, in. den Vordergrund. zu treten, ihren 
Einfluß zu entfalten und ihr Ansehen zu stärken. Sie werden, wie mich 
dünkt, hilfreiche : Bundesgenossen: an den Architekten finden. Zunächst 
schiene es mir angezeigt, einmal einen großen Projektions-Abend, zu dem 
die verschiedenen beteiligten Kreise einzuladen wären, zu veranstalten und 
hauptsächlich durch das, Skioptikon im Bilde zu zeigen, was. die Neuzeit 
an n Bibliotheksbauipy, fhereits geschaffen | hat. Dadurch. Würde, die Teilnahme 
ausgeschrieben werden ‚nit ee für die besten | Entwürfe, Die 
nächste schwierige Frage: ist natürlich: die Platzfrage.- Aber je länger man 
deren Lösung hinausschiebt, . desto schwieriger. wird sie. Wir hatten in der 
neuesten Zeit das erfreuliche Ereignis. zu verzeichnen,. daB ein Fünfund- 
zwanzig-Millionen-Kredit für Hochschulzwecke anfgenommen wurde.. Warum 
soll nicht einmal auch, ein besonderer Kredit für Hochschul- 
bibliotheken aufgenommen werden, in erster Linie für den grohen 
modernen Bibliothekspalast m Wien. . 

Das eine müssen wir. Bibliothekare jedenfalls wünschen, daß die 
Reichslauptstadt in absehbarer Zeit jenen Bibliotheksbau erhält, wie er 
für sie nicht nur nou. ‘sondern ihrer auch würdig ist. 

Graz.. z rr, Ferdinand Eichler. 

H. 6. Bretschneider und G. van Swieten. 

Ein Beitrag zur Geschichte ‘der Universitäts-Bibliothek in Lemberg. 


Vor einigen Monaten übersiedelte die Universitäts-Bibliothek in 
Lemberg in ihr neues Heim, aus welchem Anlasse in Gegenwart des k. k. 
Ministers eine öffentliche Feier abgehalten wurde. Dieser wichtige, die 
Geschichte fast eines ganzen Jahrhunderts abschließende Augenblick wurde 
auch gleichzeitig in einigen literarischen Zeitschriften gewürdigt.!) Es wird 
wohl auch hier am Platze sein, auf die ersten Jahre dieser Anstalt zurück- 
zuschauen und mit einigen Worten des ersten Lemberger Bibliothekars zu 
gedenken, umsomehr, als derselbe neulich nicht in das beste Licht gestellt 


1) M. d. 09. V. f. B. IX. 185 ff. 182 f. — Tydzień. Dodatek literacko naukowy 
,Kurjera Lavowskiego", 1905. 21. Mai. Nr. 21. (Dr. Eug. Barwinski:, Bibljoteka 
uniwersytecka.) hu | 


— 10 = 


wurde. Man vergaß dabei, daB Heinrich Gottfried Bretsehneider?), der von Kaiser 
Josef Il. ernannte Bibliothekar, aus wüsten, ungeordneten Bücherhaufen 
eine Bücherei in ziemlich kurzer Frist zusammengestellt hatte und daß auf 
seinem Rücken die ungeheuere Arbeit ruhte, welche die innere Einrichtung 
erforderte. 

Bretschneider war anfangs der Neunzigerjahre bei der Universitäts- 
Bibliothek in Pest angestellt. Die dortigen gesellschaftlichen Verhältnisse 
führten es mit sich, daß er sich dort nicht heimisch fühlte und sich nach 
einer Verwendung anderswo sehnte. Bei seinen Reisen nach Wien sah er 
sich um eine andere Anstellung um und wandte sich schließlich im 
Dezember 1782 in einer Audienz an den Kaiser. Dieser wies ihn an 
Gerhard van Swieten, den Präsidenten der Hofschulkommission. Seine 
Bekanntschaft mit dem aufgeklärten kaiserlichen Minister war für das 
weitere Schicksal Bretschneider's von Bedeutung, und von dieser Zeit an 
datiert seine amtliche Korrespondenz?) mit van Swieten, welche uns über 
viele Einzelheiten aus dem Leben dieses ersten Bibliothekars belehrt. 

Mit der Gründung der Universität in Lemberg (1784) hängt die 
Errichtung der Universitäts-Bibliothek zusammen. Nach der Bestimmung 
des Kaisers sollte den Grundstock davon die ehemalige Garelli’sche 
Bibliothek bilden, welche noch damals der Theresianischen Akademie ein- 
verleibt war.*) Sie zählte an 11.000 Bände, meistens medizinischen Inhaltes, 
und verfügte überdies über ein Kapital, von dessen Zinsen, jährlich 
400 Gulden, sie komplettiert wurde. Die Anstalt sollte durch die Bestände 
der aufgehobenen Klöster in Galizien vermehrt werden. Auf Befehl erschien 
Bretschneider im Jahre 1783 in Wien, wo er mit dem Auftrage betraut 
wurde, die Garelli'sche Sammlung samt der dazu gehörigen Münzenkollektion 
von Wien nach Lemberg zu überführen. Als er dann schließlich im folgenden 
Jahre zum Bibliothekar ernannt wurde, verfügte er sich im Dezember auf 
seinen neuen Wirkungsort, wo er anfangs Jänner 1785 ankam. 


Für die neue Bibliothek wurde die auf dem Platze Castrum befind- 
liche Trinitarierkirche ausersehen, die wohl nicht sehr dazu geeignet war 
und erst für den bestimmten Zweck eingerichtet werden mußte. Bei seiner 
Ankunft in Lemberg waren nicht einmal noch die Pläne fertig, und auch 
die innere Einrichtung wurde erst bei dem Guberinum besprochen. Während 
dieser ungeordneten Zustände war Bretschneider damit beschäftigt, die auf- 
gehäuften Bücher, welche in dieses provisorische Lokal von den Jesuiten, 








2) Linger, Denkwürdigkeiten aus dem Leben des k. k. Hofrats Bret- 
scbneider 1892. 
3) Dieselbe ist entbalten in- den Handschriften der k. k. Hofbibliothek 
9717—9719. 
4) Gundakar von PE Die Garelli. 1888 s. 125. 


sr JS. a 


Trinitariern, Karmelitern und den Barmherzigen Brüdern hieher gebracht 
wurden und deren Zahl auf 40.000 Bände geschätzt wurde, durchzusuchen 
und diejenigen Werke, welche zum wissenschaftlichen Studium nützlich sein 
konnten, auszuscheiden und zu verzeichnen ; die unbrauchbaren Bücher 
sollten infolge der kaiserlichen Verordnung veräußert oder auch vernichtet 
werden. Der Bibliothekar hoffte wenigstens die Hälfte des Büchermateriales 
zu retten. Fleißig sammelte er wertvolle Ausgaben und beabsichtigte, die 
Polonica, wenn auch: darunter minderwertige Sachen sich befanden, als 
eigene Sammlung aufzustellen in der Voraussicht,” daß sie für eine 
polnische Gelehrtengeschichte zweckdienlich sein werde. 


Diese aufregende Arbeit besorgte er fast allein. Wohl war ihm 
als Kustos der Schriftsteller Kuralt beigegeben und auch ein Skriptor von 
der Regierung bewilligt worden. Aber dieser war noch nicht ernannt. Er 
beantragte für diese Stelle den ehemaligen Sekretär des Grafen Pronay, 
Hoxa, und verlangte vom Freiherrn van Swieten die Anstellung von vier 
Schreibern, welche die zurückbehaltenen Bücher nach seiner Anleitung 
beschreiben und katalogisieren sollten. Die erste Hauptaufgabe war nämlich, 
den ganzen Büchervorrat alphabetisch zu ordnen. Jn dem fertigen Kataloge 
sollten dann diejenigen Werke angemerkt werden, welche für die Universitäts- 
Bibliothek zurückbleiben, worauf dann derselbe nach Wien geschickt werden 
sollte, um der Verwaltung der Hofbibliothek die Gelegenheit zu bieten, 
davon die für sie passenden Bücher auszuwählen. Bretschneider berichtet 
auch van Swieten über vorgefundene Inkunabeln und wertvolle Editionen, 
über die er ein Verzeichnis angelegt hatte. Das am Schlusse der Korrespondenz 
veröffentlichte Verzeichnis gibt auch den näheren Aufschluß über alle 
Werke, welche von Lemberg in die Hofbibliothek übertragen worden sind. 


Trotz mancher Hindernisse war Bretschneider eifrig bemüht, die 
äußerst schwere Arbeit in kurzer Zeit auszuführen, und hatte auch die 
Gelegenheit, den Kaiser Josef II. während seines Besuches in Lemberg 
(1786) in der Bibliothek zu empfangen. 5) Nichisdestoweniger mußte er 
doch manche Unannehmlichkeiten verkosten. Zuerst war es Kustos Kuralt, 
von dem in der Stadt ausgestreut wurde, er wäre von van Swieten beauf-. 
tragt worden, Bretschneider heimlich zu überwachen. Auch wurden Klagen 
über ihn laut, daß er bei der Entlehnung der Bücher nicht die nötige 
Bereitwilligkeit zeige, eine Beschuldigung, welche er aber zu entkräften 
suchte. Im Laufe des Jahres 1785 war Bretschneider mit den Bücher- 
verzeichnissen fertig. Der Katalog der lateinischen Werke war 233 Bogen 
stark und enthielt an 80.000 Werke. Aus dieser Masse erhielt die Universitäts- 
Bibliothek ungefähr 10.000 Bände. Der Rest, meistens ascetischen ]nhaltes 


*) Linger 279, 


s Ja 


und sehr. viele Doubletten, wurde versteigert, wie es auch bei anderen 
Bibliotheken der Fall war. Daß bei dieser Anzahl der ausgeschiedenen 
Bücher man nicht immer den Wert eines jeden Werkes genau bestimmen 
konnte, ist leicht erklärlich. Auch Bretschneider wurde dann vorgeworfen, 
daß dabei Unordnungen vorgekommen seien, was es aber mit dem Hinweis 
auf. die vorhandenen Rechnungen zu entkräften wußte. (1791.) — Bret- 
‘schneider, der mit dem Titel eines k. k. Hofrats in den Ruhestand ver- 
setzt wurde, starb am 1.- November 1810 in Kfimic bei Pilsen in Böhmen. 
Die Berichte Bretschneider's an den Präsidenten der Hofschul- 
Kommission und die gelegentlichen Erwiderungen van Swieten's seien nun 
aus den unten bezeichneten handschriftlichen Bestánden der Hofbibliothek 
im Wortlaute veröffentlicht. Sie sind geeignet, die beiden in diesen Blättern 
erschienenen Aufsätze über die Universitäts-Bibliothek in Lemberg und die 
Bibliographie Bretschneider’s nicht unwesentlich zu ergänzen. 


I. 
Hochwohlgebohrner Freyherr 
Gnädiger Herr! 


Euer Excellenz geruhen aus der Anlage zu ersehen, was ich nach einem 
kurzen Aufenthalte von meinen hiesigen Geschäften berichten kann. Des Herrn 
Grafen von Brigido Exc., welcher nach Wien abgereist ist, wird Euer Excellenz 
mehr von der künftigen &usserlichen Einrichtung der Bibliothek sagen; ich will 
mit allen Fleiss arbeiten, die innere Ordnung bald herzustellen, wenn ich nur 
mit Schreibern versehen werde, und mit noch mehrerem Vergnügen würde ich 
meiner Pflicht Gnüge leiston, wenn nicht hier die Theurung des Quartiers und 
anderer Nothwendigkeiten mein Leben mit Nahrungssorgen verbitterten. Ich 
bin nicht gewohnt zu klagen, nur die Hofnung durch Euer Excellens Gnade 
vielleicht ein Stipendium für meine zwey Söhne zu erhalten, presst mir diesen 
Seufzer ab. Mein ältester Sobn ') ist 18, der zweite ist 11 Jabre alt, ich empfehle 
sie und ihren Vater in Euer Excellenz Gnade und Fürsorge in der tiefsten Ehr- 
furcht, worinnen ich lebenslang beharre 

Euer Excellenz 
unterthäniger Diener 


| v. Bretschneider. 
Lemberg den 18. Jenner 1785. 


| Anlage zu I. 

l. Die Garelli'sche Bibliothek ist nebst den Münzen zu seiner Zeit hier 
richtig und durchgehends unbeschädigt eingetroffen, muss aber noch so lange 
in den Küsten eingepackt liegen bleiben, bis der Platz zum Aufstellen eingerichtet 
ist und die Bücherschränke fertig sind. An beiden ist noch nicht angefangen. 

2. Es ist nicht wohl möglich schriftlich einen deutlichen Begrif von der 
inneren Beschaffenheit der zur Bibliothek bestimmten Kirche zu geben; nachdem 
sie durch einige Zwischenwände, sowohl in der Symetrie als Bequemlichkeit 


') Friedrich Freiberr von Bretschneider, k. k. Feldmarschalleutnant 
t 1846. WW 


—— 


- -verhuzt ist; sehr schicklich ist’. sie überhaupt nicht zu einer Bibliothek, sie ist 


hoch, bekomt ihr Licht von oben durch eine Art Kupelfenster und hat sehr 
starke Pfeiler. Auf der einen Seite sind die Zwischenráume vermauert ; :macht 
man es auf der andern auch so, so können die Bücherschränke recht schicklich 
‘zwischen den Pfeilern angebracht werden, allein es wird finster bleiben; selbst 
wenn alle Vermauerungen wieder ausgebrochen und der durch eine Scheidewand 
von dem Schiffe der Kirche abgesondeter Hochaltar wieder dazu genommen, 
ausgeräumt und so mit der Bibliothek ein ganz prächtiges Ansehen gegeben 
wird, ist noch immer zu befürchten, dass man in den Wintermonaten die aus- 
wendigen Büchertitel: nicht wird lesen können. Das Gubernium, besonders des 
Herrn Grafen von Brigido Exc. und der Herr von Kortum lassen sich die 
Bibliothek sehr angelegen sein und werden den zierlichsten und nützlichsten 
Plan zur Ausführung wählen; die Schränke können nicht eher bestellt werden, 
bis die Einteilung bestimmt ist und man das Maas darnach nehmen kann. 


8. Die Zahl der Bände von den: hier befindlichen Jesuiten. Trinitarier. 
Barmherzigen, Karmeliter und mehrern Büchern schätzt man auf 40.000. Einige 
habe ich schon übernommen, und die andern wird mir der Exjesuit P., Vogler 
noch übergeben. Mich dünkt, man kann unter dem grossen Wuste von Predigern, 
Moralisten, Kaauisten, Asceten nnd andern unbedeutenden Büchern, immer die 
Hälfte rechnen, so den Untergang. nicht schlechterdings verdienen und von 
diesen wieder die Helfte, so die Bibliothek brauchen. kann. Es würe gnt, wenn 
eine Vorschrifft gegeben würde, welche Gattungen von Büchern. eigentlich ver- 
nichtet werden, und welches Gericht über sie ergehen soll? 


In der Trinitarier-Bibliothek, die meistens aus den slavischen Casuisten 
und Predigern besteht, fand ich einige schöne Bücher und unter andern die 
1642 in Paris auf Befehl des Hofs edirte Vulgata aus verschiedenen Winkeln 
zusammen; sie ist in 8 Folio Ran velletandig und zum Wunder noch gut 
erhalten. 


4, Den vielen Pohlnischen, nicht nur allein in pohlnischer, "sondern auch 
in andern Sprachen in Pohlen gedruckten Büchern, könnte ein eignes Fach in 
der Universitäts-Bibliothek gewidmet werden, so wie auch hoffentlich ein ganzer 
Schranck pohlnische Geschichtschreiber 'zusammengebracht wird. Von der 
großen Anzahl der zu Krakau, Warschau, Lemberg, Czenstochow. Zamoáé und 
in mehrern Orten gedruckten Bücher sind außerhalb wenig bekant. Freilich 
sind es mehrentheils Prediger, Geschichte der Heiligen und Gnadenbilder, 
schlechte Nachdrucke guter Bücher‘ und dergl., sie machen aber doch immer 
eine redende Litterarhistorie von Pohlen, und wenn man überflüssigen Raum 
hat, könnte man doch wenigstens von jeden ein Exemplar erhalten. 


5. Ueber alle hier liegenden Bücher ein Verzeichniss zu machen, ist die 
erste nothwendigste Arbeit, weil die Garelli'sche Bibliothek noch nicht auf- 
gestellt werden kann. Da in allem nur ein Scriptor genehmigt ist, muss ich 
um Erlaubniss bitten, wenigstens 4 Tagschreiber aufnebmen zu dürfen, zumahl 
da in der Folge auch ein neuer Katalog der Garelli'schen Bibliothek wegen 
dem versehiednen Abgang und Zuwachs verfertigt werden muss; dergleichen 
Leute sind hier schwer aufzutreiben, doch weiss ich schon zwey, wovon nur 
der eine als ein'gebohrner Pohle zu den pohlnischen Büchern sehr brauchbar 
ist, ich werde sie aber unter täglichen 45 Kr. nicht bekommen und nebst dem 
Custos alle Mühe haben, sie abzurichten. 


— 14 — 


6. Noch sind der Seriptor und die zwey Bibliotbekdiener nicht ernannt. 
Unter der grossen Anzahl der Competenten um die Scriptorstelle iat ein gewisser 
Hoxa, der Sekretär beym Baron Pronay war, der Geschickteste. Auch sind zwey 
taugliche Männer zu famulis vorhanden, wovon der eine schon Meriten um die 
Bibliothek bat, weil er die Garelli'schen Bücher von Wien bis J,emberg begleitete, 
der andere aber, ein sehr williger und brauchbarer Mann, ist ein verabschiedeter 
Unter-Offizier. 

Dieses ist alles, was ich nach meinem 14-tüágigen Aufenthalt zu Lemberg 
gehorsamster melden kann und soll. 


Lemberg den 18, Jenner 1785, 


G. von Bretachneider. . 


II. 


Hochwohlgebobrner Freyherr! 
Gnädiger Herr! 


Nachdem ich nun seit acht Tagen alle die Bücher, so aus den Klöster- 
bibliotheken vorräthig sind, übernommen habe, so folge ich meiner Pflicht, 
Euer Excellenz vorläufig eine kurze Beschreibung davon gehorsamst einzu- 
senden, - 
Es können 20—30000, auch wohl mehr Volumina seyn und darunter die 
Hälfte Prediger und Asceten. — Aus dem l5ten Jahrhundert mögen 8- bis 400 
da seyn, wovon mir .aber noch kein älteres als von 1469 vorgekommen ist; von 
den Jahren 1470 bis 80, viele von Peter Schörffer, Eggestein, Koburger und von 
letzterm drey lateinische Bibeln aus diesem Zeitraum, meistens noch gut er- 
halten. Von den Klassikern liegen etliche schöne Aldinische Ausgaben von 
Griechen, noch zur Zeit in einzelnen Theilen verstreut herum, so dass ich nicht 
wissen kann, ob sie vollständig sind? — Wenig gute historische Bücher ohne 
was in die Pohlnische Geschichte einschlägig. Vielen Wust alter Juristen und 
darunter das Jus polonicum am vollständigsten. Es scheint, die Mönche haben 
Prozesse gehabt, denn diese Bücher sind am meisten abgegriffen. Gar keine 
Manuscripte; eine einzige Vulgata etwa aus dem 14 Jahrhunderte in 8% auf 
Pergarment fein geschrieben, dass man sie kaum lesen kann, dürfte allein des 
Aufhebens werth seyn. Von Philösophen, besonders Mathematikern sind gute 
Bücher da, was nur vor 1760 edirt ist. 

Über alle diese Bücher mache ich nun ein alphabetisches Verzeichnis 
nach dem Schema, welches ich hier beilege; wenn Euer Excellenz die Gnade 
haben wollten, sich dieses Verzeichnis, so wie es fertig wird, Buchstabenweis 
nach Wien senden zu lassen, und das Wenige, was etwa der kayseri, Bibliothek 
einzuverleiben würe, anzustreichen, was ich für die Universitüte-Bibliothek be- 
gehre, zu prüfen, und den übrigen ihr Urtheil zu sprechen, so würde so viel 
Zeit gewonnen, dass ich mit Endigung der Arbeit gleich zur Execution schreiten 
könnte. Ich habe beym Gubernio um Tagschreiber gebeten und hoffe, dass sie 
mir verwilligt werden, weil es ohne sie unmöglich ist. Den Hoxa, der nun vom 
Gubernio zum Scriptor resolvirt ist, und seine Beihülfe erwarte ich schuldigst. 


Wegen dem Bauwesen der Bibliothek ist noch nichts beschlossen. Mein 
schriftlich eingegebener Vorschlag, welcher dahin geht, durch die ganze Kirche 
einen Fussboden zu legen, so dass die Bibliothek um 20 Schuh von dem Erd- 
boden in die Höbe kommt, scheint wegen der Kusten bey der Baudirection 
wenig Beifall zu finden; allein des Uebelstandes nicht zu gedenken, wenn in 


= 17 — 


einer so hohen Maschine die Bücherkästen unten nur wie ein Lambril an der 
Wand oder stiefelfürmig an den Pfeilern hangen, so dünckt es mir auch gegen 
alle Erfabrung, eine Bibliothek zu ebener Erde anzulegen und die Bücher der 
Fäulnis und Verstockung auszusetzen. 

Ich beharre in tiefstem Respect 


Euer Excellenz 
unterthäniger Diener 


Lemberg, den 13. Febr. 1785. von Bretschneider. 


III. 


Hochwohlgebohrner Freyherr! 
Gnädiger Herr! 


Euer Excellenz melde ich unterthänig, dass die Aufzeichnung der hier aus 
den Klöstern gesammelten Bücher nun seit vier Wochen würklich vcn statten 
geht; nur sehr langsam, weil fast kein Schreiber so viel Fähigkeit besitzt, die 
deutlichen Regeln nach Euer Excellenz Vorschrift zu verstehen und es wäre fast 
nöthig, einem jeden vorher Jahr und Tag ein praktisches Kollegium darüber 
zu lesen. 

So viel kann ich indessen unterthänig versichern, dass unter diesen Büchern 
viele von entschiedenem Werte sind, dass wenigstens die Helfte der Garellischen 
Bibliothek in Wien geblieben wäre, wenn man die Kataloge vorher hätte ver- 
‚gleichen können, und dass auch eine merkliche Anzahl daraus für die Kaiserliche 
Hofbibliothek gewählt werden dürfte, besonders Ausgaben des l5ten Jahrhunderts, 
aus dem, wie ich finde, wenigstens 800 Stück und dabey schöne Klassiker vor- 
handen sind. Ein prächtig Exemplar: Commune Polonie Regni Privilegium. 
Cracovie. 1506. fol auf Pergament gedruckt, welches Werck Janozky in der 
Nachricht der raren Bücher in der Zaluskischen Bibliothek S. 32. recensirt, habe 
ich zu dem Ende schon auf die Seite gelegt. 

Wären diese Bücher nicht vor meiner Ankunft duich einen unkundigen 
Mann in eine Art von Klassen vertheilt worden, so würde ich eher fertig werden; 
so aber muss ich die Wercke von mehrern Theilen aus eben so viel Klassen als 
Volumina da sind zusammen suchen, und sehne mich daher selır nach der 
Ankunft des Scriptors Hoxa, der, wie ich höre. noch in Pest auf eine andre 
Anstellung wartet. 

Euer Excellenz würde ich nun noch mit vielen Zeilen voll Empfindung und 
Dankbarkeit wegen gnädiger Veiwilligung eines Stipendiums fiir meinen Sohn 
aufwarten, wenn ich nicht wüsste, dass grosse Seelen ebenso wenig Worte ver- 
langen, als sie bey schönen Handlungen geben; dieser mein ältester Sohn hat 
immer die Öffentlichen Schulen besucht und seine Zeugnisse aus Ofen beigebracht. 
Anstat alles dankenden Wortgeprüngs weyhe ich die tiefe Ehrfurcht und Ver- 
ehrung, worinnen ich lebenslang beharre 


Euer Excellenz 
unterthäniger Diener 


Lemberg, den 8. April 1785. von Bretschneider. 


Antwort. 
Hochedelgebohrner, sonders geehrter Herr Rath. 


Euer Hochedelgebohren Schreiben vom 18. Jänner, 13, Febr, und 8. dieses 
hab ich zur rechten Zeit empfangen. Es war mir angenehm zu lesen, dass Sie 
9 


— 18 — 


unter dem Klostervorrathe so viel nützliches und gutes finden, und ich danke, 
dass sie bey den alten und seltenen Werken auf die K. Bibliothek denken. Mit 
Ungeduld erwarte ich das Verzeichnis von dem, was sie für uns bestimmen, 
doch aber nicht eher, als die Beschreibung des ganzen wird vollendet seyn. 
Dass es ihren Arbeitern an Geschicklichkeit mangle, wundert mich gar nicht, 
da ich das nämliche hier erfahre. Indessen, was Einsicht nicht gleich thut, leistet 
am Ende doch Übung. Was ist das für ein Werk vor 1469, wovon sie mir 
Meldung gemacht haben ? 

Es ist nun ein System festgesetzt, wornach alle Bibliotheken bey öffent- 
lichen Lehranstalten sollen eingerichlet werden, und dem zufolge ein erstes 
Verzeichniss von dem Nothwendigsten in Rücksicht auf das Lehrfach an die 
Länderstellen abgegangen. Dieses soll nun jeder Bibliothekar mit seinem Vor- 
rathe vergleichen, da sie aber den ihrigen noch nicht kennen, dürfte ihnen das 
für jetzt schwer zu befolgen. In diesem Falle belieben sie nur dem Gubernium. 
die Anzeige zu machen. 

In Ansehung des Stipendiums für ihren Sohn, da ich nicht zweifle, dass 
es an der ersten Bedingung, den guten Studien und Sittenzeugnissen nicht 
manglen wird, können sie versichert sein, dass ich meinerseits zur Erfüllung 
ihres Wunsches, was von mir abhanget, gerne beytragen werde. 

Ich verharre mit vieler Achtung 

Euer Hochedelgeboren 

Wien den 20. April 1785. 

Dem hochedelgebohrnen Herrn von Bretschneider, k. k. Rath und Bibliothekar 
an der Universität in Lemberg. 


IV. 


Hoch- und wohlgebohrner Freyherr! 
Gnädiger Herr! 


Je weniger ich hoffen konnte von Euer Excellenz mit einem Antwort- 
schreiben beehrt zu werden, um so inniger rührte mich eine solche Herablassung, 
der ich nur durch strenge Befolgung meiner Pflichten und Euer Excellenz 
Befehle würdig werden kann, da mir meine Lage nicht erlaubt, die tiefe Ver- 
ehrung und ganze Ergebenheit meiner Seele mit andern Thathandlungen zu 
bestátigeu. 

Das Verzeichnungs Geschäfte verzieht sich durch täglich neuen Zuwachs. 
Die Lemberger Bernhardiner Bibliothek, die wir eben jetzt übernehmen, ist eine 
der besten und hat gute alte Sachen. Aus dem vorigen Jahrhunderte ist eine 
Sammlung der pohlnischen Unitarier Schriften dabey und unter den neueren der 
ganze Voltaire, Rousseau und selbst Compere Matthieu, und zwar in einer 
Franziskaner Bibliothek: denn das sind eigentlich die hiesigen Bernhardiner. 

Ein Umstand, den ich bey der ersten Uebersicht nicht vermuthet, ver- 
riugert sebr die Summe meines Ueberschlags. Es finden sich nemlich viele von 
Jesuiten verlegte oder nachgedruckte Bücher in 100 und mehr Exemplaren, die 
zerstreut herum lagen und nun im Aufschreiben erst zusammen kamen. Auch 
erwarten schon itzt über 80 Stück Busenbaum ?) in verschiedenen Ausgaben, das 
Schicksal, das Euer Excellenz bestimmen. 


2) Herman Busenbaum, Jesuit; seine Medulla theologiae erlebte viele 
Ausgaben. 








— 19 — 


Auf dem vorliegenden halben Bogen stehen die ältesten Bücher, so ich 
zur Zeit gefunden habe, ohne die von 1480 bis 1500, welche ein starkes Ver- 
zeichnis ausmachen. 

Ich habe Freude an Ausgrabung dieser Schätze, werde in meinen Geschäften 
nicht gestört, finde beym Gubernio rechtschaffene Männer, die den Wissen- 
schaften hold sind, und würde ruhig fort arbeiten, wenn nicht ein einziger Um- 
stand meine Ruhe störte. 

Nur die Folgen, die ich voraus sehe, zwingen mich zu diesem Gestündnisse, 
und da ich gewiss weiss, dass Euer Excellenz die feinern Empfindungen eines 
ehrlichen Mannes aus sich selbst beurtheilen wissen, so unterdrücke ich Furcht 
und Widerwillen bey dieser Erwähnung. Herr Curalt erzählt hier öffentlich, dass Euer 
Excellenz ihm in Wien aufgetragen haben, mich genau zu beobachten und meinen 
Handlungen nachzuspähen. — Die Sache selbst ohne Geschwäze ist mir nicht 
zuwider, ób ich gleich wegen des Zutrauens, dessen Euer Excellenz mich in Wien 
würdigten, daran zweifeln und vermuthen künnte, dass Herr Curalt vielmehr der 
Anleitung eines Exjesuiten seines Freundes folgt. Wäre es aber auch wahr, was 
könnte mir es schaden? — aber er kränkt meine Ehre und versteht den Ent- 
zweck seines Auftrages, wenn er ihn aller Welt entdeckt. 

Wir sind indessen ganz einig und' ich lasse mich nichts merken, damit 
der Dienst nicht durch Privatzanck leidet; aber ich wende mich an Euer 'Excellenz 
mit der unterthänigen Bitte, nach geendigter richtiger Aufzeichnung, wenn- der 
klare Buchstabe allem Verdachte vorbeugt, dem Herrn Curalt bey Gelegenheit 
anderwüits besser zu versorgen, denn unser wechselseitiges Misstrauen möchte 
keine guten Früchte tragen. Es hat sich ein gewisser Fenzl, Bibliothekar in 
Krakau (wo mir recht) beyın Domkapitel, ein Mann, der in der gelehrten Welt 
durch seine Uebersetzungen des Strabo und Dio Cassius einen ^ entschiedenen 
Ruhm hat, bey dem Herrn von Kortum um eine Stelle bey der Universität ge- 
meldet, und H. von Kortum kennt ihn persönlich — dieser oder jeder andere 
ehrliche Mann würde mir angenehmer seyn, wenn Euer Excellenz nötbig finden 
sollten, den Herrn Curalt anderwärts unterzubringen. Der Scriptor Hoxa wird 
nun, nach fehlgeschlagener Hofnung in Pest, auch nächstens hier eintreffen. 

Ich bitte mit wahrer Beklemmung um Nachsicht und Verzeyhung meiner 
Künheit, empfehle mich zu Gnaden und beharre in tiefer Ehrfurcht 

Euer Excellenz 


Lomi daii: i unterthäniger Diener 
— SS v. Bretschneider, 
Antwort. 

Hochedelgebohrner 
sonders geehrter Herr Rath. 


Ich danke für das mit ihrem Briefe vom 11. May überschickte Verzeichnis 
alter Ausgaben. Es sind mehrere darunter, welche für die Sammlung der kays. 
Bibliothek dienen, und ich werde sie durch das Gubernium abfordern lassen, 

Euer Hochedelgebohren können versichert seyn, dass sie niemahls jemand 
anderen ale dem Gubernium in ihrer Verwaltung werden Rechenschaft zu geben 
baben; Sie darfen sich also weiter um nichts bekümmern, als ihren Amts- 
pflichten mit dem Eifer, wie sie angefangen haben, immerfort zu erfüllen und 
damit hoffe ich werden sie wegen ihrer Beschwehrde yollkommen beruhiget seyn. 
Ich verharre mit vieler Achtung 

Euer Hochedelgebohren 


ox 


Wien, den 11. Junius 1785. 


— 90 — 


(Beilage: Verzeiohnis der Lemberger seltenen 


1465. 


1469. 


1470. 


1471. 


1472. 


1478. 


Inkunabeln). 
Decretalium liber VI** Bonifacii VIII. fol. maj. in membrana 
impressus et pulchre conservatus, sed ex defectu ultimi folii 
mancus, attamen certissime officina Fausti et Schófferi de 
anno supradicto. 
Astexani: Summa de casibus — fol. maj. sine indicio 
quidem anni et loci, sed secundum Schoepflinum in Vind ic. 
cap. IV. § 6 et 7. Argentorati 1469 per Joh. Mentel 
impressus. 
Jeronimianus liber. S. Epistole St. Hieronymi. Mogunt. Peter 
Schoiffer de Gernzheym. MCCCCLXX Insign. Schöfferi. 
fol. maj. 
Clementis V. Opus constitutionum clarissimum. Alma 
in urbe Moguntina artificiosa quadam adinventione impri- 
mendi seu caracterizandi absque ulla calami exaratione sic 
effigiarum et ad eusebiam Dei gloriam consummatum per 
Petr. Schoiffer de Gernsheim A. D. MCCCCLXXI fol. m. 
Ins. Schoifferi. 
Gratiani Decretum. A9, Incarnationis MDCCCCLXXII 
non atramentali penna cannave, sed arte quadam ingeniosa 
imprimendi cunctipotente adspiranti Deo Petrus Schoiffer 
de Gernsheim suis consignando scutis consummavit. fol. 

Francisci de Platea. Opus restitutionum, usu- 
rarum et excommunicationum. 

N. B. Quem legis: impressus dum stabit in aere caracter, 
dum non longa dies vel fera fata prement, 

candida perpetuae non deerit fama Cremonae, 

Phidiacum hinc superat Bartholomeus ebur, 

cedite chaloographi: millesima vestra figura est 

archetypas fingit solusatistenotas. 

MCCCCLXXII. Nicolao Truno Duce Venetiarum reg- 
nante impressum fuit hoc opus feliciter, 49. 

Gratiani decretum artificiosa ad inventionem im- 
primendi absque ulla calami exaratione sic effigiatum et 
ad laudem omnipotentis Dei est consummatum per Hen- 
ricum Eggensteyn. memb. aa. Ll. May. Argentin. MCCCCLXXTI 
— etc. fol. maj. 

Plinii (Caji Secundi) historia natur. Venetiis per 
Nicol. Jenson Gallicum. MCCCCLXXIIL fol. maj. 
Augustinus, de Civitate Dei, cum Thom. Valois et 
Nicol. Triveth commentariis Moguntiae per Petrum Schoiffer 
de Gernsheim. MCCCCLXXIII. Insignia Schofferi fol. 

Decretales cum glossa. A9. Incarn. MCCCCLXXIII. 
— Petrus Schoiffer de Gernsheim suis consignando scutis 
feliciter consummavit. fol. max. 

Durantini(Guilliemi) Speculum judiciale. Consum- 
matum in celebri Argentinorum urbe fantoribus Icorio 


(Hain. 8586) 


(H. 1888) 


(H. 8558) 


(H. 5412) 


(7885) 


(13035) 


(7884) 
(13089) 


(18089) 


(2057) 


(8590) 


(6506) 


1474. 


1475. 


1476. 


1477. 


21 


A*. Dei MCCCCLXXIII. fol. maj. 


Leonardi de Utino Sermones, s. 1. MCCCCLXXIUI. 


fol. min. 


Juvenalis cum comm. Calderini. Roma Kal. Sept. 


MCCCCLXXIV. fol. min. 


Ludolphi Carthusiensis: vita Christi. Impress. a°. 


1474. s. l. et nom. typogr. fol. maj. 


Biblia sacra vulgatae editionis. In regia civitate Nurn- 
berg. per Anthon. Coberger A'. MCCCCLKXXV. fol. maj. 


Meffret Sermones. s. ]. anno Dni LXXVI fol. 
Thomae (Beat.) de Aquino Glossa continua super 
quatuor Evangelistas. A. D. MCCCCLXXVI. 


Antonini episcopi Florentin. Summe pars 1I* Nurenberge 
per Ant. Koburger. 1477. 

Dionysii Alexandrini de situ orbis liber. — Im- 
pressus Venetiis per Bernard. Pictorem et Erhardum Ratdolt 
de Augusta una cum Petro Loslein de Langencen eorum 
correctore ac socio. Laus Deo. MCCCCLAXVII 4°. 


Raynerii de Pisis pantheologia. Nuremb. p. Ant. 
Coburger MCCCCLXXVIII fol. min. 1478. 

Antonini Episcopi Fiorentini Samme pars I* opera 
ac impensis Anthonii Coburger Numb. impressae. AN, 
MCCCCLXXVII. fol. maj. 

Antonini Episcopi Florentini Summae pars. II * 
per Anth. Coberger. MCCCCLXXVII!. 

F asciculus temporum a Carchusiense compilatum 
in forma Cronicis figuratum in annum 1478. a me Nicolao 
Gotz de Seltzstat impressum. fol. maj. 

Biblia sacra veteris novique testamenti. Nurmberg, 
Anth. Cobarger. MCCCCLXXVIII. 

Leonardi de Utino, Sermones quadragesimales. 
Ulme per Joan. Zainer. 1478. fol. maj. 

Leutolphi de Saxonia: vita Christi. P. I. et II. 
Nurmb. per Anth. Koburger. 1478. fol. maj. 

Pomponius Mela. Impressum est hoc opusculum 
Venetiis per Bern. Pictorem et Echar. Ratdolt de Augusta 
una cum Petro Loslein de Langencen correctore ac socio. 
Laus Deo. MCCCCLXXVIII. 4^. 

Postille morales Nicolai de Lyra super omnes libros 
8. scripturae, Impressum est hoc opus per Johaunem 
Koelhof de Lubek, Colonie civem a*. Dni MCCCCLXXVIII 
fol. 1479. 

Joannis Tortelli Arretini: Commentariorum 
grammaticorum de orthographia dictionum Graecis tractarum 
opus per Stephanum Koblinger Viennensem Vicentiae ac- 
curatissime impressum Idibus Januariis millesimo quadrin- 
gentesimo septuagesimo nono. fol. 


(16129) 


(9690) 


(10291) 


(8056) 


(10999) 
(1332) 


(1242) 


(6226) 


(18018) 


(1942) 


(6922) 
(8068) 
(16119) 


(10292) 


(11016) 


(10374) 


(15566) 


— 99 — 


Antonini episc. Florent. Summae para. IV. Industria (1442) 
A. Koburger. Nurenb. MCCCCLXXIX. fol. maj. 

Leonardi deUtino: quadrag. Sermones. Venetorum 
nec noi Ulmensium post impressionem compluribus in locis 
emendati per Petr. Drach civem Spirensem impressi anno (16120) 
1479. fol. maj. 

Patrum progressus. Colonie. (Heinr. Quentel) 
1479. f. 


VI. 


Hoch- und wohlgebohrner Freyherr, 
Gnádiger Herr! 


Euer Excellenz geruhen meinen Schlussbericht über das Geschüfte der 
Aufzeichnung der hier gefundenen Klosterbücher gnädig anzunehmen. Das an- 
liegende Blatt zeigt die Anzahl der Werke, welche nach Bänden gerechnet wohl 
70—80000 Stück betragen können; hierunter sind ausser den alten, verschiedene 
kostbare, schöne Klassiker, die Kirchenväter in guten Ausgaben, ein schöner 
Vorrath Bibeln, worunter die Complutensische Polyglotte und die Radsziwilische 
und viele mehrere pohlnische und andre rare Bücher. 

Die Verzeichnisse der alten Klassiker, die französischen, spanischen, 
englischen u. d. g. ingleichen die in pohlnischer Sprache geschriebenen Bücher 
musste ich abgesondert schreiben lassen, weil die Abschreiber nicht zugleich die 
Sprachen oder andre Litterarkentnisse einer wie der andre inne halten, ich 
also jedem nur sein Fach zutheilen könte; sie sind alle alphabetisch, nur das 
einzige der Bücher aus dem 15. Jahrhunderte ist chronologisch eingetheilt; das 
Verzeichnis der lateinischen Bücher ist auf 233 Royal Bogen kompakt geschrieben 
Ich bemerke nun die Bücher, so hier sind und in der Garellischen fehlen, und 
hoffe für diese einen Zuwachs von 9 bis 10000 Werken; das Schicksal des 
übrigen hängt von höherer Entscheidung ab, da ich die Katalogen mittelst 
Ueberlieferung an das Gubernium unterlege. 

Es ist noch keine Bibliothek gebaut und keine Bücherstellaschen sind 
vorhanden; die Garellischen Bücher sind noch in den Wiener Verschlägen, weil 
kein Platz zum Auspacken da ist, die Klosterbücher liegen in der Kirche auf 
dem Erdboden und in verschiedenen Gemächern stossweiss nach dem Alphabet 
über einander ; — dem ungeachtet verlangen die Professoren täglich und zwar 
viele Bücher in ihre Wohnungen; ich kann mit dem Ausleylungs-Protokoll be- 
weisen, dass ich gedient habe, soweit ich konte, es ist mir aber in der Folge 
von dem Gubernio verwiesen worden, dass ich Bücher während der Aufzehlung 
ausgeleyht habe, und ich selbst kann auch bey diesen Lokalumständen nicht oft 
eines Oktavbandes willen ganze Stösse durcheinander werfen und die Ordnung 
stören lassen, indessen wird es nun doch als ein Eigensinn und Mangel an 
Dienstfertigkeit ausgelegt, obschon das Gubernium selbst die Sache gründlich 
einsieht und beurtheilt. Ich wünschte daner für itzt und künftig genaue In- 
struction, wie es überhaupt mit Ausleyhung der Bücher gehalten werden soll? 
Da ich mich zu Gnaden empfehle und in tiefster Ehrfurcht beharre 

Euer Excellenz 
unterthäniger Diener 
- v. Bretschneider. 
Lemberg den 28. Febr. 1786. 


Summarisohes Verzeichnis 
der in Lemberg befindlichen aus den eingezogenen Klöstern eingelieferten Bücher. 
1. Lateinische und einige wenige Deutsche, mancherley Inhalts . . 24600 Werke 
2. Classici in Originalien und Uebersetzungen . . . . . . . . . . 1841 
3. Französische, Spanische, Italienische, Englische und — . . 2274 
4. In Pohlnischer Sprache geschriebene Bücher . . . .... . . 4524 „ 
5. Alte im 15. Jalırhunderte gedruckte nebst einigen Manuskripten 927 „ 


88666 Werke* 


Bei den alten des 15. Jahrhundertes sind 


Vom Jahre 1465. .1 1478. . 9 1487. .19 1497. . 24 
E » 1469. .1 1479. . 11 1488. .16 1498. . 31 
»  „ 1470. .1 1470-80 ohne Anzeige 19 1489. .20 1499. . 35 
o » 1471. .1 1480. .12 1490. .14 1500. „18 
= „ 1472. .5 1481. .14 1491. .14 1501. . 27 
z „.1473..7 1482.. 9 1492. . 25 1502. . 30 
= » 1474. .8 1483. . 16 1493. .22 1503. . 21 
~ . M5..5 M8.. 7 1494 . . 19 
„ >» M76..5 1485. .12 1495. . 20 
5 » 1477. .5 1486. .15 1496 . . 30 

Von 1480 - 1500 — — mae CE o 128 
= 101112: 3 2. 22 2. a ae 233 
Manuskripte ..... Sf Na A ae Sa 26 
927 

VII. 


Hochwohlgebohrner Freyherr, 
Gnädiger Herr! 


Euer Excellenz sage ich für den ausgewürkten Urlaub in tiefster Ehr, 
erbietung Danck und melde unterthänig, dass ich bey den itzigen Umständen 
Bedenekeu trage, sogleich Gebrauch davon zu machen. Es ist inzwischen der 
Befehl zum Bibliothekbau eingelangt, unà der ohnehin nicht recht schickliche 
Platz erfordert eine zweckmüssige Eintheilung, wobey meine Gegenwart vielleicbt 
nicht überflüssig seyn möchte. Ausserdem soll ich Eurer Excellenz unterthànig 
anzeigen, dass nach Absendnug der Katalogen noeh 2000 Bünde verschiedener 
Klosterbücher eingebracht worden sind, worunter sich viele Russische, zum Theil 
alte, befinden, die zwar um ilıres Inhalt willen eben nicht sehr merckwürdig 
sind und mehrentheils aus Ritualien, Leben der Heiligen, Basilii und Chrysostomi 
Predigten und von den neuern aus der Uebersetzung des Baronii des Freyers 
Universal-Historie und Nettelblats juristischen Schriften bestehen, es könnte aber 
doch seyn, dass eins oder das andre um der Sprache willen zur Hofbibliothek 
gewählt werden möchte. In diesem Falle würde ich auf den ersten Winck ein 
besonderes Verzeichnis der hier befindlichen Russischen Bücher nach Schuldigkeit 
einsenden, 

Meine Pflicht in allen Stücken zu erfüllen, ist mein Hauptaugenmerck 
am so mehr, da kein anderes Mittel in meinem Vermögen ist, Euer Excellenz 
Schutz und Gnade zu verdienen, | 

Ich beharre in tiefer Ehrfurcht 

Euer Excellenz 
unterthüniger Diener 
Lemberg den 5. Juni 1786. l G. Bretschneider. 


Antwort. 


Hochedelgebohrner, sonders geehrter Herr Bibliothekar. 


Ich habe um so weniger Bedenken gehabt, Euer Hochedelgebohren den 
verlangten Urlaub 2u ertheilen, als ich wohl überzeugt war, dass Sie zum Ab- 
bruch des Dienstes davon keinen Gebrauch machen würden, und davon geben 
Sie mir nun den Beweis durch Ihren Brief von 8ten Juni. Ohne Zweifel ist Ihre 
Gegenwart bey der Zurichtung des Gebäudes sehr nöthig und die Erwartung, 
"dass die Arbeit so zweckmässig als möglich ausfalle, gründet sich bey mir ganz 
auf ihre thätige Sorgfalt, wovon ich von H. von Kortum sehr vergnügliche 
Nachrichten mündlich erhalten habe. Ich werde Ihnen verbunden seyn, wenn Sie 
mir nach Musse das Verzeichnis der russischen Bücher, wovon Sie sprechen, 
überschicken wollen. Ich rerharre mit vieler Achtung 


Euer Hochedelgebohren 
Wien den 1. Juli 1786. 


Dem hochedelgebohrnen Herrn von Bretschneider, k. k. Rath und Univeraitats- 
bibliothekar in Lemberg. 


Verzeichniss der Manuskripten und Bücher, 


welche aus den Bibliotheken der aufgehobenen Klöster in Gallizien für die k. k. 
Hofbibliotheck verlangt wurden. 
Manuscripta. 
1. Biblia ex versione S. Hieronymi. 8? membr. 
2. Alcoran transcriptus a quodam Osmanne Agha anno Hegirae 1142 
turcice fol. 
. Humajum Name seu historia Imperatorum. turcice. fol. 


oo 


4. Sunna, codex turcicus membranac. 2 vol. f. 

5. Conformitas vitae beati Francisci ad vitam Christi in membr. fol. 
(Nr. 1437). 

6. Manuscriptum germanicum. Ene kroneke und dat hilige Land. 4° 
(Nov. 563 =) 


7. Pontificalis liber. Codex membran. fol. (1799*). 
8. Stanislai Orichovii Annales Poloniae. 4?. (Cod. Nov. 404 =). 
9. Jo. Longini Annales Poloniae. 49. (Cod. Nov. 403 —). 
0. Thomae Josefowiz Annales Revolutionum segni Poloniae fol. (Cod. 
Nov. 518 = 8554). 
11. Dictionariuin Armeno-Turcicum 40. (das Türkische soll mit armenischen 
Buchstaben geschrieben seyn. 
Ausgaben aus dem XV. Jahrhundert. 
1469. 12. Astesani Summa de casibus. fol. Argent. Mentelin. s. l. e. a. 
1471. 13. Clementis V. opus Constitutionum. Moguntiae. Schoeffer. in folio. 
1472. 14. Gratiani Decretum. Mogunt. Schoeffer. Argent. Eggestein. fol. acced.. 
Joha. Theutonici Apparatus in Gratiani Decretum fol. 
15. Plinii Historia naturalis. Venetiis. Jerson. fol. 
16. Bartholom. Brixiensis: Apparatus Decretorum. Mogunt. Schoeffer fol. 
1473. 17. Gulielm. Durantini Speculum judiciale. Argentor. Hussner et Bekenhut.. 
fol. (Ist sehr zerrissen und vermodert, aber darum beigelegt, weil die 
Schlussformel ganz da ist). 


1474. 
1475. 


1476. 


1477. 


1478. 


1479. 


1480. 


1481. 


18. 
19. 
20. 
21. 


22. 


23. 
24. 
25. 
26. 
27. 


28. 
29. 
30. 


31. 
82. 
93. 
34. 
35. 
36. 


37. 
38. 
39. 


41. 
42. 
43. 
44. 
45. 
46. 
47. 
48. 


49. 


50. 
51. 
52. 


58. 
54. 


99. 
96. 
91. 
98. 


99. 


— 25 — 


Leonardi de Utino Sermones. fol. 

Jacobi Januensis: Legendae Sanctorum. Nürnberg. Koberger. fol. 
Decretales cum glossa Bernardi. Mogunt. Schöffer. fol. 

Nicolai de Ausmo: Supplementum Sumnae Pisanellae. Venetiis. fol. 
Roberti de Licio: quadragesimale de poenitentia. Colon. Ulr. Zell. fol. 
Iuvenalis et Persius cum. cominent. Calderini. Romae. fol. 

Biblia S. latina. Nürnberg. Koberger. fol. 

Francisci de Platea opus restitutionum etc. fol. 

Io. de Turrecremata explanatio in Psalterium. fol. 

Nicolai de Ausmo: Supplementum alphabeticum.:. Nürnberg. Sensen- 
schmidt. fol. 

lo. Nyder expositio Decalogi. Argent. Hussner. fol. 

Meffret, Sermones. fol. (Die Jahrzahl scheint verdruckt zu seyn.) 
Gulielmi de Salaceto: Chirurgia. Placentiae. fol. (Hat diesmal nicht 
können gefunden und wird nachgeschickt werden.) 

Raynerii de Pisis: Pantheologia. Nürnb. Koburger. fol. 

Dionys Alexandrinus de situ orbis. Venet. Pictor et Ratdolt. 4°. 
Pomponius Mela de situ orbis. Venet. Pictor et Ratdolt. 49. 

Nicol. de Lyra Postillae morales. Colon. Koelhof. fol. 

Fasciculus temporum. Colon. Quentel. fol. 

Rob. de Licio: Sermones. quadragesimales. Getr. Drach. fol. Sine- 
anno, intra 1470—1480. (lst verschrieben; die Ausgabe ist von Renner 
zu Venedig und steht auch so im Katalog.) 

Raynerii de Pisis: Pantheologia. fol. 

Petri Blasen, Sermones dominicales. fol. 

Jacobi Voraginis, Sermones anrei acced. 


. Bernardi Epistolae fol. 


Hieronymi Vitae patrum. Ulm. Zainer. fol, 

Augustinus super Johannem. fol. (Scheint jünger zu seyn.) 

Roberti de Licio: opus quadragesimale. fol. . 

S. Pomp. Festus de verborum significatione. fol. 

Gregorii Papae moralia fol. 

Henrici de Hassia: Vocabularius biblicus, fol. 

Virgilii Opera: Daventriae in platea Episcopi. (Scheint auch jünger.) 
Aesopi fabulae selectae. 49. 

Hugonis de Prato sermones dominicales. fol. 

Gregorii Expositio in Job. fol. 

Nonius Marcellus de proprietate sermonum. Parmae. fol. 

Priscianus de octo partibus orationis. Venet. Pinzius. fol. (ist 1492 
gedruckt). 

Petr. de Argellata Chyrurgia, Venet. Bened. Gennensis. fol. 

Petri de Palude Sermones dominicales. Argent. fol. (ist das nemliche 
wie Nr. 58 und also zurück geblieben). 

Alberti de Padua expositio evangeliorum. Ulm. Zainer. fol. 

Iv. Herolt discipulus de tempore. Nürnb. Koberger. fol. 

Iv. Nider Manuale confessorum. Mediolani. 4° (hat keine Jahrzahl). 
Thesaurus novus. fol. (ist von 1484). 


Vincentius a Castronovo, de immaculata conceptione. Bonon. de 
Rugeriis. 49. 


1482. 


1488. 


1484. 


1485. 


1486. 


1487. 


60. 
61. 
. Henrici Herp, Speculum aureum. Nürnb. fol. 
63. 
64. 
65. 


66. 
67. 
68. 
69. 


70. 
71. 
72. 


78. 


74, 
75. 
76. 
77. 
78. 
79. 


80. 
8l. 
82. 
83. 
. Thom. Kempis, de imitatione Christi. Bonon. Dionys. et 


85. 
86. 
87. 
88. 


89. 
90. 
91. 


92. 
93. 


94. 
95. 
96. 


. 97. 
98. 


de 


Commentarii in Scoti libros sententiarum. Nürnb. fol. 
de Rostingo ordo missalis romanae curiae. Venet. 89. 


Liber Decreti. Venet. Herbort de Seligenstadt. fol. 

Lombardica historia fol. 

Nicolaus de Ausmo: Supplementum summae Pisanellae. Venet. fol. 
(Ist in 8° und aus Versehen in fol. angegeben.) 

Biblia Sacra. fol. 

Livius. Tarvisii. J. Vercellis. fol. 

Biblia S. vulgata. Venet. Herbort. de Seligenstat. fol. 

Petri de Albano: differentia philosophorum. Venet. Herbort de 
Seligenstat. fol. 

Antonini: Summula confessionis. Venet. 49, 

Alberti M. Compendium theologicae veritatis. Venet, 49. 

Thom. Dornberg, Compendium theolog. veritatis. Argent. fol. (Ist 
ohne Druckort.) 

Eugebii. Chronicon. Venetiis. Ratdolt. fol. (Ist in 4% und auch so 
angegeben gewesen.) 

Historia scholastica. Argent. Guenninger. fol. 

Robertus Holkot. Argent. Drach. fol. 

Justiniani opus Pandectarum. Nürnberg. Koberger. fol. 

Petri de Palude Sermones de tempore. Argent. fol. 

Vorabularius utriusque juris s. ]. fol. 

Thom. Aquinatis Summa de quodlibetis. Nürnberg. Sensenschmid. fol. 
(ist von 1474). 

Herbarius. Moguntiae. 4". 

Persius cum commentariis Fontii. Venet. Bertochis. fol. 

Vincentii Ferrerji sermones festivales. Colon. fol. (aestivales). 

Cicero de fato cum. comment. Vallae. Venet. Anton de Strata. fol. 


Peregrinus, 49 (steht Gerson und nicht Kempis, der Fehler ist hier 
geschehen) i 

Petri de Palude Sermones de Sanctis. Argent. fol. 

Bapt. Tronamalae Rosella casuum. Venet. Arrivaben. Si. 

Compilatio Decretalium Gregorii. Venet. Gesard. de Tridino. fol. 
Discipuli liber de conditione fidelium. Argent. fol. (hat keine 
Jahrzahl). 

Historia Alexandri M. Argent. ful. 

Legenda Sanctorum. Basil. Kessler. fol. 

Carol. Menigken formulae Epistolarum. Colon. fol. (ist in f und so 
im Katalog angegeben). 

Petri de Palude Sermones de Sanctis. — fol. 

Lucanus cum comment. Brixiae. Jac. Britannicus fol. 


Summa Angelica. Venet. Nic. Francfort. 4^. 

'lractatns de Sacramentis, Argent. fol. 

Thom. a Kempis de imitatione Christi. Argent. 8^. (steht wieder 
Gerson und nicht Kempis auf dem Titel). 

Goschalci Hollen praeceptorium novum. Argent. fol. (ist von 1489). 
Viola Sanctorum. Argent. 4°, 


1488. 


1489. 


1490. 


1491. 
1492. 
1493. 
1494. 
1496. 


1497. 
1498. 


114. 
115. 
116. 
117. 
118. 
119. 
120. 
121. 
122. 
123. 
124. 
. Senecae Opera. Venet. Bernardin de Cremona. fol. 
126. 
127. 

. acced. 
128. 
129. 
130. 
131. 
182. 
133. 
134. 


135. 
136. 
137. 
. Statuta provincialia prov. Gneznensi valentia. 49. 
139. 


140. 
141. 


= 27 — 


. Flores Poetarum. Delff. 4°. 
. Plinii historia naturalis. Venet. Marin. Saracenus. fol. 


. Antonini -confessionale Argent. Flach. fol. (ist in 4% und im Katalog 


so angezeigt). 


. Guillermi Postilla Basil. Kessler. fol. 

. Tractatus sacerdotalis de sacramentis. Árgent. 4°. 

. Johann Jacob de modo in jure studenti. Brunae. 4*. 

. Jacob de Erfurdia de moribus et erroribus Christianorum. Lubec. 4*. 
. Guarini Vocabularius breviloquus Argent. fol. 

. Io. Gritseh Alphabetum quadragesimale. Argent. fol. (ist von 1490 


und der angebundene fasciculus temporum von 1488). 


. Hieronymi epistolae. Basil. Kessler. fol. 

. Avicennae quarti canonis expositio. Ferrar. Andreas Gallus. fol. 
. Pelbarti Sermones de sanctis. 49. 

. Praecordiale devotorum etc. Argent. 4°. 

. lo. Herolt Sermones discipuli. Argent. 4°, 

113. 


Io. Versoris quaestiones super octo libros physicoram. Colon. 
Quentel. fol. 

Roberti Carazoli Sermones Sanctorum. Basil. Kessler. 4°. 
Bonaventurae: Biblia Pauperum. 4^. 

Doctrinale clericorum. Lubec. 4°. 

Almansoris liber novus. Venet. Octavianus Scottus. fol. 

Valesci de Tharanta Practica. Lugd. Husz. fol. 

Hostiensis Summa. Venet. Thom. de Blavis. fol. 

Terentius cum directorio etc. Argent. Gruningen fol. (ist von 1499) 
Angeli de Clavasio Summa Angelica. Argent. Flach. fol. 

Anton Gazius de conservatione sanitatis. Venet. Io. de Forlivio. fol. 
Plinii, Historia naturalis. Venet. Thom. de Blavis. fol. 
Prognosticatio latina. Mogunt. fol. 


— Tragoediae cum comment. Venet. Lazar. Isvarda. fol. 
Catullus Tibullus Propertius cum comment. Beroaldi. Venet. fol. 


Ovidii opera. Venet. Christ. de Pensis. fol. (ist von 1498). 
Privilegia clericorum. Lips. Bótticher. 4?. 

Augustinus de civitate Dei. Friburg. fol. 

Seneca de beata vita Lips. 4". 

Boccacii Genalogia deorum. Venet. fol. 

Juvenulis cum comment. Venet. de Cereto. fol, 

Polybius de bello Punico. Bririae. fol. 

Sine anno, intra 1480 —1500. 

Plautus cum interpretatione. Venet. fol. 

Ant. Panthei Annot. de trium dierum confabulat. Veronae. fol. 
Iv. Sacrani elucidarius errorum ritus ruthenici. 4^. 


Seb. Fulstinensis opusculum musices etc. 4^. 

Libri polonicoidiomateediti. 

Grodzicki Norma fidei haereticae. Wilnae. 1992. 40. 

Herberti responsio christianorum fratribus bohemicis data. 4°. (ist in 8°). 


142. 
143. 
144. 
145. 


146. 


147. 
148. 


149. 


150. 


151. 
152. 


153. 
154. 
155. 
156. 


157. 
158. 
159. 
160. 
161. 
162. 


168. 
164. 
165. 
166. 


167. 
168. 
169. 


170. 


171. 


172. 


: 173. 


= 98 Ze 


Hymni et Psalmi Davidis. 89, 
Kleczewski: de origine et perfectione dialecti Polon. Leopoli. 1767. 49." 
Kochanowski, Psalterium Davidis. Cracov. 1610. 
Lubienski Geographia 1740. fol. (war kein besseres Exemplar da). 
Origenes nonnullarum gentium in Polonia (hat nech nicht gefunden 
werden kónuen und soll noch folgen). 
Psalterium Davidis Cracow. 1641. 4°, 
Strykowski (Matth.) Annales Lithuaniae Varsav. 1766. fol. (auch 
dieses Buch war noch nicht aus der Menge herauszufinden). 
Epusdem Compendium historicorum Polonorum. (Ist nur der zweite 
Theil da und auch nur im Katalog so angezeigt). 
Tabulae monetae Polonae et Lithuanae. Cracov. 
Wuyko Biblia Polona. fol. 
— — novum testamentum. (ist in folio nicht vorhanden und auch. 
nur in 4° angegeben). 
Libri latini. | 
Anthologia sacra. neograece. 1738. 8 vol. 
Beughem Catalogus sui bibliop. Gedan. 1731. 89. 
Biblia hebraica. Cracov. 4 vol. fol. 
Testamentum novum. hebraic. gr. lat. Stud. Fabr. Broderiani. 
Paris 1584. 
Biblia anglica. Genev. 1560. 49. 
— London. 1590. 8". 
— Dort. 1601. 89. 
— London. 1617. 8". 
Biblia Polonica er versione Io. Leopolien. Cracov. 1577. fol. 
— Jacob. Wuyka. Cracov. 1599. 89 (ist schon unter 151 in fol. und 
nur das N. Test. in 89 vorhanden). 
Duditii orationes duae in concilio Trident. habitae. Venet. 1572. 49.. 
Hevelii epistolae de Luna. Gedani. 1654. fol. 
— Historia cometae 1664. exorti Gedani. 1665. fol. 
Picturae antiquae cryptarum Romanarum et sepuleri Nasonum deline- 
atae a Petro St. Bartholo et descriptae a Bellorio. Romae. 1738. fol. 
Libri gallici, hispanici, italici. 
Alcibiade fanciullo, a scuola. Oranges. 1652. 1929. 
Collection de plusieurs pieces fugitives sous le Regne Louis XIII. 1— 42. 
Collection Idem. 

Zugelegt. 
Decretalium liber VI. Bonifacii VIII. fol. membr. (ist von Faust und 
Schöffer und ein Zweifel ob von 1465 oder 1470). *) 
Nisiecki Korona Polska w Lwowie. 1721. fol. 
Okolski orbis Polonus Crac. 164. fol. 
Statuta provincialia prov. Gnesnensis et 49. 


Lemberg, den 1. May 1787. Bretschneider. 


[Aus den Akten der k. k. Hofbibliothek.] 


*) In der Hofbibliothek ist unter der Signatur 4B 7 ein Exemplar auf 


Pergament, 


scheint. 


welches jedoch aus der Sammlung De La Valliere gekommen zu sein 


ie “OQ ie 


VIII. 


Hochwohlgebohrner Freyherr, 
Gnädiger Herr! 

Euer Excellenz versichre ich bey Ehre und Gewissen, dass es mir in der 
-dermaligen Lage meines Gemüthes eine ganz gleichgültige Sache ist, was der 
grösste Haufe von mir denkt, aber es ist mir nicht gleichgültig, was Euer 
Excellenz und vielleicht noch ein paar Menschen von mir denken. Daher bewegt 
mich eine Nachricht, die mir heut Graf Gallenberg gab, Euer Excellenz mit 
Gegenwärtigem beschwerlich zu werden. Der Herr Gubernialrath Thoren hat 
erzählt, er wisse von sicherer Hand, dass Euer Excellenz mir bey meiner An- 
wesenheit in Wien die Vernachlässigung meiner Pflichten und nahmentlich die 
Unordnung in den Lizitazions-Rechnungen scharf verwiesen hätten. Ob nun 
gleich dieses nicht wahr ist, so lassen mich doch andre Umstände und besonders 
die geflissentliche Zurückhaltung meiner Rechnung die doppelte Urgirung zu 
zu einer Zeit, wo ich mündlich und schriftliche Anzeigen darüber gemacht hatte, 
die unbeantwortet blieben, vermnthen, dass der Herr Referent nicht den besten 
Willen für mich hat und dass vielleicht Dinge von mir nach Wien berichtet 
werden, die sich nicht so verhalten. 

Die anliegende Abschrift, davon ich das Or:ginal meiner letzten Rechnung 
an das Gubernium beigefügt habe, rechtfertigt mich in dem einen Punkt, und 
ich unterwerfe mich wegen der Ordnung der mir anvertrauten Bibliothek und 
allem andern, was mir irgend jemand zur Last legen will, der strengsten Unter- 
suchung, sowohl ich auch versichert bin, dass Euer Excellenz ohne dieser keine 
Beschuldigung Glauben beymessen werden. 

Es ist mir bey meinen übrigen Schicksalen ein wichtiger Trost, wenn 
mich Euer Excellenz ferner Hochdero Gnade würdigen, obzwar ich gleich kein 
anderes Verdienst aufweisen kann, als die ungeheuchelte tiefe Ehrfurcht in der 


ich lebenslang beharre 
Euer Excellenz 
unterthäniger Diener 


v. Bretschneider. 
Lemberg den 19. Oktober 1791. 


^ 


Hochlóbliches Landes-Gubernium. 


Da es nicht ohne besondere Veranlassung seyn kann, dass Unterzeichneter 
in Zeit von 4 Tagen zweymahl durch die Verordnungen vom 14. laufenden 
Monaths Nr. 21739 und vom 17. desselben Nr. 21983 zu Legung der Licitations- 
Rechnung urgirt wird, so muss er daraus schliessen, dass ihm nicht Zeit zur 
Schlussrechnung gelassen werden soll, und er verzieht keinen Augenblick eine 
fernere Stück Rechnung, so wie sie dermalen liegt, nebst 16 Dokumenten ein- 
zureichen. Wenn aber eine hohe Landesstelle sich zu erinnern geruht, dass 
Unterzeichneter bereits den 14. November 1790 seine erste Stückrechnung gelegt 
und die Restanten angezeigt, das nehmliche den 28. April d. J. und den 
3. September wiederholt, endlich den 12ten dieses Monaths ein Verzeichnisse 
angekaufter Bücher zur Einbegleitung an die k. k. Studien-Commission eingegeben 
und die Ursachen, warum er nicht die Schlussrechnung ziehen kann, angezeigt 
hat, so kann die Verzögerung wohl keinem Gedächtnisfehler, den das Urgens 
vom 17. Sept. vorraussetzt, beygemessen werden, sondern der Saumseligkeit der 
Restanten und der nicht erfolgten Erledigung seiner vorigen Rechnungen. 


— 30 — 


Unterzeichneter kann also auf die wiederholten Weisungen nichts anders 
thun als die anliegende Stiickrechnung einreichen zu einer Zeit, da er noch mit 
63 fl. 58 kr. im Vorschusse ist. 

v. Bretschneider. 

Lemberg den 26. Sept. 1791. 


1X. 


Hochwohlgebohrner Freyherr, 
Gnädiger Herr! 


Da£ Euer Excellenz das Studien-Präsidium mit Vergnügen niedergelegt 
haben, davon bin ich überzeugt, und da ich ohnehin von meinem Amte loszu- 
kommen trachte, so hat diese Veränderung auf mich keine andre Würkung als, 
dass sie ınich lebhaft an den Danck erinnert, den ich Euer Excellenz 
schuldig bin. 

Ich werde so lange ich noch lebe mit Worten und Wercken beweisen, 
dass ich wahre Grösse des Geistes und Herzens nicht nur an meinem Chef 
verehre, sondern dass ich in jedem Verhältniss Euer Excellenz ganz eigen ver- 
bleibe. Hat auch diese Äusserung keinen Werth für Euer Excellenz, so will ich 
doch lieber etwas Unschicksames sagen, als den Trieb meines Herzens unter- 
drücken, dem zu folgen ich noch einmahl bekennen musste, dass ich die mir 
erzeugten Gnaden mit tiefstem Dancke anerkenne und mit gleicher Ehrfurcht 


lebenslang beharre 
Euer Excellenz 
unterthäniger Diener 


Lemberg den 22. Dec. 1791. v. Bretschneider. 
Wien. F. Menéiík. 


Zur Bibliographie der tirolischen Literatur des 
18. Jahrhunderts. 1.') 


J. Rohrer schreibt 17962): „Noch zur Stunde habe ich kein deutsches 
von einem Tiroler verfaßtes Gedicht nicht einmal in einem unserer vielen 
Musenalmanache gefunden.“ Gerade in diesem Jahre trieb der erbitterte Kampf 
gegen die Franzosen und die begeisterte Vaterlandsliebe die schönsten 
Blüten der deutsch-tirolischen Lyrik des ganzen Jahrhunderts. Deshalb 
mußte auch die angeführte Bemerkung anhaltenden Widerspruch des 
literarischen Innsbruck hervorrufen, der noch 1800 durch den Versuch der 
Innsbr. Wöchentl. Nachrichten (Nr. 43) Rohrer durch die Namen eines 
Joh. Friedr. Primisser und Max Anton Pontifeser ad absurdum zu führen, 


1) Vgl. im allgemeinen die übersichtliche, die germanistisch - tirolische 
Fachliteratur von 1892—1905 verzeichnende Bibliographie S. M. Prems, Literatur- 
bericht aus Tirol. Euphorion 1, 829—831; 3, 159—161; 4, 600—602; 13, 
277—288. 

2) „Uiber die Tiroler. Ein Beytrag zur Oesterreichischen Völkerkunde. 
Wien, 1796, im Verlage der Dollischen Buchhandlung.“ 80. p. 71. 


EE Sa 


deutlich zum Ausdrucke gelangte. Diese durch die Kriegslyrik bedeutsam. 
beeinflußten Dichter eröffneten mit dem Klassizisten Aloys Weissenbach,. 
der übrigens auch in die letzten Phasen der kriegerischen Dichtung mit 
einem Jugendwerke eingriff, in der Tat eine neue tirolische Dichtung. 

]hre meist anonymen Werke waren, wie aus Rohrers Bemerkung her- 
vorgeht, schon zur Zeit ihres ersteu Erscheinens ziemlich unbekannt und daher 
MiBdeutungen ausgesetzt, die bei unseren neuesten bibliographischen Werken 
als zahlreiche Lücken und Fehler fortleben und eine vollständige, die Zahl 
der Anonyma beträchtlich verminderde bibliographische Zusammenstellung 
schon lange zur Notwendigkeit machten. Einen Beitrag hierzu soll die 
folgende Darstellung liefern, die sich auf Joh. Friedr. Primisser, Max 
Anton Pontifeser, Joseph Kowald und Aloys Weissenbach beschränkt. Für 
die Auswahl war, abgesehen von der Bedeutung der Genannten für ihre 
Zeit, auch ihre soziale Stellung maßgebend, die ihnen so z. B. dem Inns- 
brucker Archivsdirektor Joh. Friedr. Primisser, gewiß das Interesse der 
Leser dieser Blätter sichert. 

Bei seltenen Drucken und Handschriften konnte von der Angabe 
ihres Aufbewahrungsortes nicht abgesehen werden, was zu folgenden Ab- 
kürzungen veranlafte: Dip. — Biblivtheca Tirolensis Dipauliana; F. B. = 
Bibliothek des Museums Ferdinandeum: beide im Museum Ferdinandeum 
zu Innsbruck. S. St. = k. k. Studien-Bibliothek in Salzburg. U. == Uni- 
versitätsbibliothek. St. L. = Steierm. Landesbibliothek des Johanneums 
in Graz. 

Zu Danke verpflichtet ist der Verfasser den Verwaltungen der im 
Laufe der Abhandlung namhaft gemachten Bibliotheken oder Archiven und 
besonders den Herren Hofrat R. v. Wieser, kais. Rat Dr. A. Schlossar, 
Studienbibliothekar R. v. Streele und J. Hammerle, Prof. Dr. S. M. Prem, 
Kustos C. Fischnaler und Dr. L. Schuch für die ihm erwiesene namhafte 
Unterstützung bei seiner Arbeit. 


L Joh. Friedr. Primisser. 


Geboren: Prad i. Vintschgau 21. 8. 1757, k. k. Gubernial-Regi- 
straturs- und Archivs-Offizial: 9. 5. 1785, Gubernial-Sekretär u. wirkl. 
Archivar u. Registraturs-Direktor beim tirol. Landes-Gubernium: 14. 12. 
1802, von der bair. Regierung bestätigt: 14. 11. 1806, in Innsbr. gest.: 
1. 3. 1812. A. A. Dipauli vereinigte einen Teil der Gedichte Primissers, 
von denen die gedruckten fast durchwegs o. O. u. J. erschienen, in dem 
Folianten Dip. 1037, V. unter dem Titel: „Gelegenheitsgedichte von Joh. 
Friedrich Primisser, k. k. Archivar zu Innsbrunk. Untermischt sind ein Paar 
Gedichte vom Gubernial-Sekretär Max. Ant. Pontifeser.* Außerdem ist ein 
im obigen Titel nicht berücksichtigtes Gedicht vom Archivar Franz Gaßler 


— 32 — 


beigebunden: ,Rundgesang / bey Vermahlung / des / Herrn Sekretars Ponti- 

fesers.* unterzeichnet: ,Von seinem Freunde G*** o. O. u. J. 1 S. Fol. 

(Dip. 1087, V, 32/2). Von den übrigen meist anonymen Gedichten konnten 
folgende nicht mit Sicherheit ein em der zwei im Sammeltitel genannten 
Verfasser zugewiesen werden. 

1. „An dem Vermählungstage / des Wohledlen Herrn / 
Michael Aloys Wagner / Hof und Universitäts-Buchdrucker, / und 
-der Wohledlen Jungfrau / Maria Kunigund Oponia. / Gesungen 
von sámmtlichen Offizins-Verwandten / A. A., F. W., J. P., F.í-riedr.) 
P.(-rimisser ?) J.(-oseph) K.(-owald?) / den 6ten Junius 1791*. (Das Ge- 
sperrte im Rothdruck). 1 S. Imp.-Fol. (Dip. 1037, V. 4.) 

2. ,Der Tyroler / zur / Nahmensfeyer seines Kaisers. / Den 4. October 
1798.* 1 S. Fol. o. O. (Dip. 1037, V, 16.) 

3. „Prolog / gesprochen im Kaiserl. Königl. Hof-Theater zu Inns- 
bruck / zur / Siegesfeyer / am 2ten Junius 1799.* 1 S. Fol. o. O. (Dip. 
1037, V, 23.) 

4. „Der / Komödien-Zettelträger / an seine / Hohe und enädige 
:Gönner / zum / neuen Jahr 1806.^ 1 S. Fol. o. O. unterzeichnet ,Unter- 
thänigst gehorsamster Joseph Kefler.* (Dip. 1087, V, 32.) 

5. ,Neujahrs-Wunsch / an alle / hohe, gnádige Gónner und Theater- 
freunde / in Innsbruck / 1807.“ 1 S. Fol. o. O. unterz.: ,Unterthánigster 
Diener / Joseph Kößler, Zettelträger / beym K. National-Theater.* (Dip. 
1037, V. 30.) 

6. „Neujahrswunsch.* unterz.: „Untertbänigst gehorsamster / Joseph 
Kófler.^ 1 S. Fol. (Dip. 1037, V, 31.) 

7. „Prolog / zur / Hóchsten Nahmensfeyer / Ihrer Königl. Hoheit / 
‚der / Durchlauchtigsten Frau, Frau / Maria Elisabeth / Erzherzoginn zu 
Oesterreich etc. etc.“ 1 S. Fol. o. O. u. J. (Dip. 1037, V, 7.) 

Schließlich erübrigen noch einige Worte über Primissers verschollenes 
Drama ,Friedrich mit der leeren Tasche*, das Meusel ganz haltlos 
„Innsbruck 1782* gedruckt sein läßt: im Gegenteile scheint das Drama, 
von dem nur bekannt ist, daß es auf den „vaterländischen® Bühnen Glück 
hatte, nie gedruckt worden und das Ms. verloren gegangen zu sein. 
Vielleicht bezieht sich der auch mit einem Szenarium versehene Theater- 
zettel Dip. 1245, II, 50 f. auf unser „Neues vaterländisches Ritter- 
schauspiel.^ Demzufolge wäre es am 4. 3. 1799 von der „Hof-National- 
Schauspieler-Gesellschaft* zugunsten Joh. Tily's zum erstenmale aufgeführt 
worden, und zwar unter dem Titel: ,Bürgertreue, oder Friedrich mit der 
leeren Tasche, Erzherzog von Oesterreich, Graf zu Tyrol. Ein ganz neues hier 
noch nie gesehenes grofles heroisches Sittengemáhlde in fünf Aufzügen, nach 
den vaterländischen Jahrbüchern getreu bearbeitet. (Noch im Manuskript.) “ 


PS Eo MEER 


A. Biographisches. 


1. Goedeke, Grundrisz? 88 259, 191 — V, 345; 298 E 4 — VI, 
658 f; 298 E 31 = VI, 669. 

2. J. G. Meusel, Das gelehrte Teutschland oder Lexicon der jetzt 
lebenden teutschen Schriftsteller. *Lemgo 18283. XIX [VII], 206. 

3. Raßmann, Litt. Handwörterbuch 315. 

4. Joseph Kehrein, Biographisch-literarisches Lexikon der katholischen 
deutschen Dichter, Volks- und Jugendschriftsteller im 19. Jahrhundert. 
1871. II, 21. 

5. C. v. Wurzbach, Biographisches Lexikon (1872) XXIII. 306 ff. D 

6. P. Vincenz Gasser O. S. B., Erstes biographisch-liter. Schrift- 
steller-Lexikon von Tirol (Ms.), III, 111 f. 

7. Joseph Bergmann, Die fünf gelehrten Primisser; Berichte und 
Mittheilungen des Alterthums-Vereines zu Wien. Wien 1860. IV, 240 ff. 
8. id., Wiener Sitzungsberichte (phil.-hist. Cl.) XXVIII, 574. 

9. Joseph Freiherr v. Hormayr, Taschenbuch für die vaterländische 
Geschichte. Berlin, G. Reimer 1846. XXV [XVII], 377 f. 

10. (A. A. Dipauli), Neue Zeitschrift des Ferdinandeums für Tirol 
und Vorarlberg, [Innsbruck 1837; III, 82 ff. 

11. Konzept des Pensionsgesuches von J. F. Primissers Wwe. an 
die kgl. bair. Finanzdirektion in Innsbruck, v. 6. 4. 1812. (Ms. Fol. 
Dip. 1087, V, 37). 

12. Biographie von Dr. Gottfried Primisser, k. Reichsarchivs-A djuncten 
zu München. pp. 1, 40. (Ms. fol. Dip. 601, 8). 


B. Werke. 


1. „Martin / Sterzinger / oder / Der bayrische Einfall / ins Tyrol. / 
Ein / vaterländisches / Schauspiel /in fünf Aufzügen, / von / Johann Friedrich 
Primisser. / (vign.) / Innsbruck, / Gedruckt mit Wagnerschen Schriften. 
1782. 1 Bl. u. 91 SS. 8°. vgl. A. Pichler, Verschollene Dichter. Ein Beitrag 
zur deutschen Literatur-Geschichte. Neue Tiroler Stimmen (20., 21. II, 
1890) 30, nro. 42 f. 

2. ,An Herrn Franz von Gafler / meinen Lehrer und würdigsten 
Oberbeamten. / 1786.* 4 SS. Ms. Fractur. 4". (Dip. 1037, V, 1 f.) 

„An / dem Namensfeste Ihrer königlichen / Hoheit der durch- 

lauchtigsten / Erzherzogin Elisabeth. / 1792.“ Ms. Fractur. 1 S. 8° (Dip. 
1037, V 5.) © 

4. ,Zur Namensfeyer / des Herrn Professors Thomas Hamer. 1798." 
Rückseite verk, ` ,Zur Feyer / des 21. Dezembers 1798*. 18S. Ms. Fractur. 
4°. (Dip. 1037, V 6.) 


1) beruht ganz auf 7. 


— 34 — 


5. „Für die / Tyroler- / Scharfschützenregimenter / den 27ten May 
1796.“ kl. 8°. 2. Bl. vgl. Feder p. 9, Emmerts Al. Nro. 14 (= p.. 
143—145), Bauer 1796 Nro. 16 (— p. 89— 42), Goedeke? 8 298 E 4, 
2 (Ladet eure Röhre).?, (Dip. 134, V, 3). 

6. „A Lied / im / Franzosen-Rummel 1796. / Vom sellen der s’ Liedl 
gmacht hat: / Ladet eure Róhre.* kl. 8". 2 Bl. vgl. Feder 10, Emmerts 
Al. Nr. 15 (— p. 145—147), Bauer 1796, Nr. 18 (— p. 47—49), 
Goedeke? 8 298 E 4, 3. (Dip. 184, V. 4). Erste Niederschrift 3 Bl. 
Ms. Fractur 8? (2 Bl) u. 16? (1 Bl); (Den Stutzen hear) (Dip. 1087, 
V, 8—9). -- Schissel v. Fleschenberg, Die erste handschriftliche Fassung 
von J. F. Primissers Kriegslied ,'N Stutzen hear bam Sokara* 1796. Zs. 
des Ferdinandeums [IJ]. 49; pp. 447 — 451. 

7. ,Auf die Rettung / Tyrols / den 19ten November 1796.“ 2 Bl. 
kl. 8°. vgl. Feder 20 f. Emmerts Al. Nr. 26 (— p. 167 f.), Bauer 
1796, Nr. 26 (— p. 65—67), Goedeke? 8 298 -E 4. 4. (Dip. 184, 
V, 22.) 

8. ,A Siegslied / am / heil. sant Isidoritag Onna 1797. / Im 
Weisl: / den Stutzen hear, beym Soggara.^ 2 Bl. kl. 8° vgl. Feder 32 ff., 
Bauer 1797. Nr. 8 (— p. 107 —110), Goedeke? § 298 E 4, 5. (Dip. 134, 
V, 25.) | 

9. „Prolog / bey der hóchsterfreulichen Zurückkunft Ihrer König- 
lichen / Hochheit, der durchlauchtigsten Frau, Frau Maria / Elisabeth, 
Erzherzogin zu Östreich etc. etc.^ 1797. 2 SS. Fol. Ms. Fractur. (Dip. 1037, 
V, 15). 

10. ,Gesungen / vor der Abreise / Seiner Exzellenz / des / K. K. 
Hof-Commissárs / Grafen / von und zu Lehrbach / etc. etc. / Gedruckt 
mit Wagner'schen Schriften. / 1797.* 2 Bl. kl. 8". vgl. Feder 43, Bauer 
1797, Nr. 20 (— p. 144 f.), Goedeke? 8 298 E 4, 6. (Dip. 134, V, 84.) 


2) Zu diesen sogenannten Kriegsliedern vgl.: Johann Engensteiner, 
Zur mundartlichen Dichtung in Tirol Eine Skizze. Programm der städtischen. 
Volks- und Birgerschule in der Angerzell zu Innsbruck, veröffentlicht am 
Schlusse des Schuljahres 1872/73. Innsbruck 1873. p. 5.— L. v. Hörmann 
Die tirolischen Kriegslieder aus den Jahren 1796, 1797 und 1809. Extra-Beilage 
des „Boten für Tirol und Vorarlberg* 1879 Nro 76 (p. 597), Nro 81 (p. 637). — 
Almanach für Geschichte, Kunst und Literatur von Tirol und Vorarlberg heraus- 
gegeben von Anton Em mert. I. Innsbruck 1836. p. 117 ff. (= Nro. 14, 15. 
260) — J. E. Bauer, Tiroler Kriegslieder aus den Jahren 1796 und 1797. 
Gesammelt und zur Jahrhundertfeier herausgegeben. Innsbruck. A. Edlingers 
Verlag. 1896. — Josef Feder, Über die Tirolischen Kriegslieder der Jahre 
1796 und 1797. Ein Beitrag zur Heimatkunde. Separatabdruck aus dem Programm 
des k, k. Staatsgymnasiums zu Teschen fiir das Schuljahr 1881/82. Tescheu 1882. 
p. 46 ff. = Exkurs. Johann Friedrich, Dichter sämtlicher „Primisser* Kriegs- 
lieder. 


11. „Ein / Tyroler Schütze / an des / Erzherzogs Johann / Königl. 
Hoheit. / Scharnitz den 28. Sept. 1800. / Gedruckt mit Wagner’schen 
Schriften.* 4 SS. kl. 89. vgl. Goedeke?* § 298 E 4, 7, Innsbrucker 
Wöchentliche Nachrichten 1800, Nr. 43 (27. X). (Dip. 134, V, 47). 

12. „Zur / hohen Nahmens-Feyer / Seiner des bevollmächtigten Herrn / 
Hof-Commissárs und Landes-Chefs / Grafen von Bissingen Excellenz. / 
Den 19. October 1800.* 1 S. Fol. vgl. Goedeke? 8 298 E. 4, 8; Inns- 
brucker Wöchentliche Nachrichten 1800, Nr. 43, 44 (27, X.; 3, XL) 
Innsbruck, Wagner. (Dip. 1037, V, 26.) 

13. „Prolog / zur Höchsten Nahmens-Feyer / Ihrer Königlichen 
Hoheit / der Durchlauchtigsten Frau Frau / Maria Elisabeth / Erzherzoginn 
zu Oesterreich etc. etc.^ (Ein froher Tag! dem so viel Hundert Tausend 
Herzen) 1 S. Fol. vgl. Goedeke? $ 298 E, 4, 9; Innsbrucker Wochen- 
blatt 1801, Nr. 47 (23. Xt.) (Dip. 1037, V, 8). 

14. „Bey der Abreise Sr. Exzellenz [== v. Bissingen] / den 20. May 
1802.“ 1 S. Fol. Ms. Fractur. (Dip. 1087, V, 27.) 

15. „Ho! Vater Max! viel Tausendmal  wilkum—* 1808. 
{== Maximilian v. Baiern] 1 S. 4° Ms. Fractur. (Dip. 1037, V, 28.) 

16. „So manchfältig auch die Früchte unsrer Fluren* 2 SS. Fol. 
Ms. Fractur. (Dip. 1037; V, 17.) 

17. ,Hier liegt gehüllt in schwarze Bahre* 1 S. 4? Ms. Fractur. 
(Dip. 1037, V, 10). 

18. „Der Tiroler Bauer zu seinem König“ 2 SS. Fol. Ms. Fractur. 
(Dip. 1037, V, 29.) 

19. „Apollo lohnte oft die Tugend begliickter Sterblichen* 1 S. Fol. 
Ms. Fractur. (Dip. 1037, V, 18.) 


ll. Maximilian Anton Potifeser. 


1784—1786 Koncipist beim tirol. Gubernium. 1787—1803 k. k. 
Gubernial-Sekretär ebenda. 


l}. „Auf die Vermählung / des / Herrn Grafen / von Enzenberg etc. 
etc. / Gesungen / von / M. A. P. / Innsbruck, / gedruckt bey Joh. Thom. 
Edlen v. Trattnern, / k. k. Hofbuchdr. und Buchhändler. / 1771.* 4 Bl. 
8°. (Dip. 580, 11, 15) 

2. „Auf die Vermählung / des / hoch- und wohlgebohrnen / HERRN / 
Franz Heinrich / des heil. röm. Reichs Grafen von / Blümegen, / Herrn 
auf Lettowitz, und Slatinka, k. k. wirk- / lichen Kammerer, etc. etc. / mit 
der / hoch- und wohlgebohrnen / Fräule / Marie Luise / des heil. röm. 
Reichs Gräfinn / von / Heister, / k. k. Stiftsdame zu Innsbruck etc etc. / 
von / Maximilian Anton Pontifeser. / Innsbruck, / gedruckt bey Johann 

8* 


—— 


Thomas Edlen v. Trattnern, k. k. / Hofbuchdrucker und Buchhändler, 
1776.* 4 Bl. 8°. (Dip. 208, I.) 

8. „Die / Aehnlichkeit. / Innsbruck, im Herstmonde / 1781.* 3 Bl. 
8°. Enthält: „Der Kärntner.“ und von Pontifeser das „M. A. P.* unter- 
zeichnete „Der Tiroler.“ (Dip. 580, II, 13.) 

4. „Bey der Zurückekunft / I. K. H. / der Erzherzogin Maria 
Elisabeth / etc. etc. etc. / von / Max. Anton Pontifeser / kaiserl. königl. 
O. Oe. Gubernial-Sekretär. / Nach der Melodie: / Freut euch des Lebens 
etc. / Innsbruck, / 1797.“ 2 Bl. 8". vgl. Goedeke? § 298 E 50 == VI ‚670; 
Bauer 1797 Nr. 24 (— p. 152—154.) (Dip. 134. V, 38.) 

5. „Epithalum / an / Herrn Ferdinand Ernest / D. H. R. R. 
Grafen v. Bissingen-Nipppenburg, ete. etc. / K. K. K. Käm. Geh. 
Rath. / und / Gouverneur von Tyrol / Excellenz etc. / Und an / 
Fraeulein Marie Theresie / Graefin v. Thurn, Valle Sassina, und 
Taxis etc. / Hochgeborn etc. / Von / Max. Ant. v. Pontifeser /K. K. 
Tyrol. Gub. Secret. / Innsbruck. CIOIDCCXCITX.“ (= 1798) 4 Bl. 
49. (Dip. 1245, U, 12.) 

6. „Eine Uebersetzung. / Martialis. L. I. Ep. XL. / Innsbruck 
am 19. October 1800.* 2 Bl. 4". vgl. Innsbrucker Wöchentliche Nachr. 
1800, Nr. 43 (27. X.) (Dip. 1245, II, 15.) !) 


Ill. Joseph Kowald, 
k. k. Gubernial-Officiant beim tirol. Gubernium. 

1. „Empfindung / der / Freude ./ bey / allerhöchster Durchreise / 
Josephs / des Zweyten, / durch Innsbruck. / von / J. K. k. k. O. Oe. / 
Gub. Prot. Acc. / gesungen / im / Heumonate / und / Jahre 1777. / 
Gedruckt mit wagnerischen Schriften.“ 4 Bl. 4°. (Dip. 580, IJ, 14.) 

2. ,Patriotische / Schauer, und Empfindungen / bey der schmerz- 
vollen Todesfeyer / unserer allerhöchsten / Monarchinn, / und allergnädig- 
sten / Landesmutter / Maria Theresia. / von / Joseph Kowald, kaiserl. 
kónigl. / O. Oe. Gubernial Protokollsofficianten. / Gesungen im Christ- 
monde. / 1780. / (Motto aus Klopstock) / Innsbruck, / gedruckt bey 
Wagners sel. Wittwe und Erben.“ 4. Bl. 4°. (F. B. 8098, 5.) 

9. ,Pot-Pourri / eines / Teutschen. / Herausgegeben / von / Joseph 
Kowald kaiserl. königl. / O. Oen. Gubernial-Officianten. / Innsbruck, / 
gedruckt mit Wagnerischen Schriften, / 1781.* (= Einleitung u. Ankün- 
digung einer Wochenschrift.) 4 Bl. 8°. (Dip. 580, JI, 17.) 

4. „Die Feyerstunden / der / Inns-Teutaten / bey / Pius des VI 
Durchreise / ihrer Vaterstadt. / Gesungen / von / Joseph Kowald, kaiserl. 
königl. Gubernial Officianten.* 2. Bl. 4°. 1782. (Dip. 580, II, 11.) 


Graz. Otmar Scbisselv. Fleschenberg. 


!) Das cursiv Gedruckte entspricht der Antiqua der Originale. 


xc. WE nl 


LITERARISCHE BESPRECHUNGEN. 


Veröffentlichungen der Gutenberg-Gesellschaft: T. G. Zedler, Die 
älteste Gutenbergtype. 1902. — II. P. Schwenk e: Die Donat- und Kalender- 
Type. Nachtrag und Übersicht. 1908. — II. 1. E. Schröder, G. Zedler. 
H. Wallau, Das Mainzer Fragment vom Weltgericht. 2. F. Falk, H. Wallau, 
Der Canon Missae vom Jahre 1458. 1904. — IV. G. Zedler, Das Mainzer 
Catholicon. 1905. Mainz, Verlag der Gutenberg-Gesellschaft. 


Die Jahrespublikationen der Mainzer Gutenberggesellschaft legen das 
Hauptgewicht auf möglichst genaue und künstlerisch vollendete Reproduktionen, 
die nicht nur der Orientierung über den Text dienen, sondern zugleich ein 
grundlegendes Material für die weitere Forschung darstellen, so daß die Einsicht 
in die weit verstreuten Originale der Hauptsache nach entbehrlich wird. Aber 
auch dem Inhalte nach sind die vornehm ausgestatteten Hefte bedeutend und 
wertvoll. Es kommen äußerst diffizile Themen zur Behandlung. Da nur wenige, 
noch dazu meist vieldeutige äußere Bezeugungen zu Gebote stehen, und die 
Hauptsache auf den schwierigen Beobachtungen der Type, des Satzes u. a. be- 
ruht, ist trotz weiser Beschränkung viel Raum für den Widerstreit der Meinungen, 
damit aber auch Gelegenheit zu vielfältiger Anregung gegeben. Manches muß 
angesichts neuer Funde zurückgezogen werden, anderes wieder tritt aus dem 
Bereiche subjektiven Erfassens heraus in das Gebiet sicherer Erkenntnis. Die 
Veröffentlichungen der Gutenberggesellschaft erweisen sich darnach als sicht- 
liche Förderung der Gutenbergforschung. Ein wenig Glück kam auch zu Hilfe. 
Zwei Entdeckungen, wie sie seit Gotth. Fischer’s Tagen nicht erlebt wurden, 
machte sich die Gesellschaft dienstbar; Zedler fand in einer aus dem nassau- 
ischen Kloster Schönau stammenden Handschrift den Druck eines für das 
Jahr 1448 bestimmten astronomischen Kalenders. Und im Jahre 1903 erhielt das 
Gutenbergmuseum als Geschenk einen unscheinbaren Einblattdruck unbedeutenden 
Inhalts, das Fragment eines deutschen Gedichtes über das Weltgericht. Es 
eıwies sich als das älteste bisher bekannte Erzeugnis der Erfindung Gutenbergs. 


Das erste und zweite Heft wie der erste Teil des dritten gehören inhalt- 
lich enge zusammen. In der Untersuchung über die älteste Gutenbergtype weist 
Z. gegenüber Schwenke nach, daß die Type der 36zeiligen Bibel (B3) in 
Gutenberg ihren Urbeber hat. Eine weitere Frage gilt der Entstehung der 
Gutenbergischen Urtype und endlich sucht der Verfasser das Verhältnis Gutenbergs 
zu den mit dieser Type hergestellten Drucken zu bestimmen. Den Ausgangspunkt 
der außerordentlich gründlich und fein geführten Untersuchung bildet der 
Fund Zedlers. Die astronomischen Berechnungen, die Prof. Bauschinger in Berlin 
zur Verfügung stellte, erweisen mit absoluter Sicherheit den Kalender für 1448 
bestimmt, daher 1447 gedruckt. Nun ist der Druck so hervorragend in seiner 
Ausführung, daB er nur einer Meisterhand, wie sie in der 42zeiligen Bibel zu- 
tage tritt, gelingen konnte. Die frisch gegossene Type, deren Umrisse scharf 
zum Ausdrucke kommen, ist jene von B'* auf früherer Stufe, es ist die Kalender- 
type, die im Türkenkalender, dem Cisianus, dem AderlaBkalender und in einer 
Reibe kleiner Donatdrucke gebraucht wurde. Nicht nur aus der frühen Ent- 
stehungszeit ergibt sich, daß ein Druck Gutenberg's vorliegt, auch der Fundort 
weist auf Mainz hin, und aus der Sprache ergibt sich nichts, was gegen diesen 
Druckort spräche. Im weiteren Verlaufe untersucht Z. das Verhältnis des astro- 
nomischen Kalenders zum 27zeiligen Pariser Donat (D*”). Dieser zeigt die gleiche 


— E 


Type wie die Kalenderdrucke, doch auf niederer Stufe, da das Gießverfahren ein 
noch unvollkommeneres war. Wenn der Satz nicht dem späteren Gutenbergischen 
‘Verfahren entspricht, erklärt dies Z. damit, daß Gutenberg zu jener Zeit zu 
sehr mit der Ausbildung seiner Erfindung in Anspruch genommen war, als daß 
er sekundären Fragen wie dem Satze hätte Aufmerksamkeit widmen können. 
Trotzdem sei auch er der Drucker. Von dieser Ansicht ist seitdem der Verfasser 
selbst zurückgekommen, aber selbstverständlich werden dadurch die wesentlichen 
Resultate nicht berührt, sodaß namentlich in Hinsicht auf die Chronologie der 
Erfindung eine äußerst wertvolle Bereicherung gewonnen ist. Wir wissen jetzt, 
daß Gutenberg von Straßburg, wo er 1444 zuletzt bezeugt ist, in seine Vater- 
stadt zurückkehrte und hier seine früheren Versuche wieder aufnahm. 1447 hand- 
habt er seine Erfindung bereits wahrhaft künstlerisch und in einer Form, die 
nicht mehr die älteste ist. Sehr anziehend sind die Versuche, im Anschlusse an 
Enschedé, aber unter Wahrung vollkommener Selbstándigkeit, die Herstellung der 
Urtype zu erklären, wenn sie auch namentlich durch Wallau Ablehnung erfahren 
haben. Das Verdienst Z. bleibt immerhin, durch seine Anregungen für diese 
Art der Forschungsmethode Bahn gebrochen zu haben. Ebenso scheint er in der 
Frage der Hollàndischen Donate Enschedé zu sehr entgegengekommen zu sein. 
Indem er eine vielbezweifelte Nachricht der Kölner Chronik herbeizieht, kommt 
er zur Annahme, daß die Holländer zwar den Letternguß erfunden hätten, da- 
gegen Gutenberg die bewegliche gegossene Letter. Der 3. Abschnitt gilt den 
Beziehungen Gutenberg’s zu den kleinen Mainzer Drucken. Nach einigen wichtigen 
chronologischen Feststellungen bringt Z. die bereits in seinen Gutenberg- 
forschungen geäußerte Hypothese vor, daß, abgesehen von D*’und dem neuen 
Funde, die Drucke Pfister zugesprochen werden müssten, für den Gutenberg die 
3. Stufe derselben Type, B*', neu gegossen hat. Angesichts des Fundes vom 
Mainzer Weltgerichtsfragment hat Z. auch diese Ansicht zurückgezogen (Vgl. 
Heft UL 20). 

Dus 2. Heft der Veröffentlichungen gibt von berufenster Hand eine mit 
wichtigen erweiternden Erörterungen verbundene übersichtliche Darstellung über 
den durch Zedlers Fund und Untersuchung veränderten Stand der Erkenntnis 
der Donat-Kalender-Type (D K). Für ihre Form wurde die damals in Deutschland 
allgemein verbreitete eckige Missalschrift maßgebend, die der Erfinder möglichst 
genau wiederzugeben trachtete. Es ist ihm dies selbstverständlich mehr in den 
Haupt- als in den Anschlußformen gelungen, bei denen der Typenguß nicht 
allen Freiheiten der Schreiberhand folgen konnte. Im 2. Abschnitte werden die 
sämtlichen init der D K-Type hergestellten Druckdenkmäler durch Angabe der 
Literatur, der Geschichte des Druckwerkes und Bemerkungen über 'ype und 
Satz beschrieben, und zwar so, daß sich jede einzelne Beschreibung als Er- 
làuterung der betreffenden Reproduktion darstellt. Selbstverstándlich kommen 
dabei auch die Reproduktionen des 1. Heftes in Betracht, die durch jene des 
2. ergánzt werden. Demnach handelt es sich um folgende Druckwerke: 27 zeiliger 
Pariser Donat (Zedler Taf. I1—1II), astronomischer Kalender für 1448 (Z. Taf. J), 
Ablaßbrief von 1454/55 (Schwenke Taf. I), Türkenkalender für 1455 (Leider fehlt 
bier das Fascimile; der Vollständigkeit und Bequenilichkeit halber wäre es doch 
hübsch gewesen, das Bild aus der Mainzer Festschrift zu wiederholen.), AderlaD- 
kalender für 1457 (Z. Taf. V). Cisianus deutsch (Sch. Taf. II) 27zeiliger 
Londoner Donat (Z. Taf. VI— VIII), 27 zeiliger Münchner Donat (Scb. Taf. IlI), 
27 zeiliger Oxforder und Bamberger Donat (Z. Taf. XI, Sch. Taf. IV), 30 zeiliger 


— 39 — 


Donat der Bodleiana und des Britischen Museums, von Proktor als zwei ver- 
schiedene Drucke (62 u. 195) verzeichnet, von Schwenke als zusammengehdrig 
erkannt (Z. Taf. X, XI, Sch. Taf. V. V1), 28 (?) zeiliger Donat in Type B**, wahr- 
scheinlich ein Pfisterdruck aus dem Besitze Rosenthals. Am auffallendsten treten 
die Ergebnisse im 3. Abschnitte „Zur Geschichte der Donat- und Kalendertype* 
zutage. Das Verhältnis ven Dn zum astronomischen Kalender wird dahin 
formuliert, daß letzterer auf Grund eines neuen Gusses der besser gelungenen 
Typen von D' mit Hinweglassung der minder gelungenen geschaffen wurde. 
Besonders bemerkenswert ist, daß auch der Verfasser nunmehr an Gutenberg als 
den. Schöpfer der D K-Type glaubt. Die Type B** erweist sich als ihre folge- 
richtige Fortbildung und ist demselben nach der Vollendung ringenden Meister 
zuzuschreiben. Den Umstand, daß die Verschiedenheit einzelner Formen zwei 
verschiedenen Urhebern zuzuschreiben sei, versucht Sch. damit zu erklären, daß 
Gutenberg seine Stempel nicht selbst schnitt, sondern nach seinen Angaben von 
andern schneiden ließ. In einem längeren Exkurse findet sich der Verfasser mit 
der Hypothese Hupps ab, der dem Rosenthal’schen Missale die Priorität vor der 
D K-Type zuspricht. Er gelangt zum Ergebnisse, daß das Missale das Gutenberg’sche 
Schriftsystem und B** zur Vorraussetzung hat. Die Frage ist übrigens noch 
nicht abgeschlossen. In der Frage der holländischen Donate verhält sich Schwenke 
den Meinungen Enschedés und Zedlers vollkommen ablehnend. Eine Abhängigkeit 
von den Mainzer Texten der Donate oder umgekehrt läßt sich nicht erweisen. 
Dagegen stimme der Text merkwürdig mit den Donatausgaben in B®. Der 
Verfasser erhofft weitere Klärung aus Untersuchungen über die Überlieferung der 
Donattexte und gibt deshalb im Anhange eine dankenswerte Donatausgabe nach 
19 alten Drucken. Die Einwendung Zedlers (C. f. B. XX. 523) scheint mir da- 
gegen zu Recht zu bestehen, daß sich aus der Überlieferung Donats keineswegs 
das Gehoffte ergeben wird, da jeder Drucker sich nach dem lokalgebräuchlichen 
Schultexte halten mußte. Über die weiteren Schicksale der Kalendertype ist 
vorläufig nach dem vorliegenden Materia] unmöglich ins Klare zu kommen. Sch. 
läßt die Frage offen, obwohl er Anhaltspunkte dafür gewonnen zu haben glaubt, daß 
Gutenberg seinen Typenvorrat geteilt und an zwei verschiedene Personen ab- 
gegeben hat. 


In der eben besprochenen Arbeit meint Sch,, man müße immer mit der 
Möglichkeit rechnen, „daß ein neuer Fund Tatsachen ans Licht bringt, die auch 
die vorsichtigste Kombination über den Haufen werfen oder mindestens die alten 
Beobachtungen in veränderte Beleuchtung rücken.“ In der Tat gilt dies von der 
Entdeckung des Mainzer Fragments vom Weltgericht, dessen Besprechung den 
1. Teil des 3. Heftes füllt. Es ist ein literarisch wertloses Gedicht, wie die 
schöne philologische Untersuchung Prof. Schröders ergibt, ursprünglich vielleicht 
50 Druckzeilen füllend, von denen 22 erhalten sind. Die Entstehungszeit dürfte 
um 1400 fallen; die Heimat ist in der Nähe von Mainz zu suchen. Seinen Wert 
erhält das Fragment erst dadurch, daß es, wie die Untersuchung Zedlers erweist, 
der älteste jetzt bekannte mit der ältesten Gutenbergtype hergestellte Druck ist. 
Die schlechte Linienhaltung und die entweder zu breit oder zu schmal gegossenen 
Buchstaben und anderes schließen die Zugehörigkeit zur K-Type aus und lassen 
die Verwandtschaft mit D*’ deutlich erkennen. Die weitere ebenso feinsinnige als 
überzeugende Untersuchung der Type bestimmt das Verhältnis zu Di. Der neu- 
gefundene Druck ist der ältere, wenn auch nur wenige Jahre hinter D”? zurück- 
liegend; er muß in die Jahre 1444—1447 fallen. Als weitere Folge ergibt sich 


zs ret 


für uns eine veränderte Vorstellung der Gutenberg-Druckerei. Während für den 
astronomischen Kalender die Urheberschaft Gutenberg gewalırt bleibt, sind 
zahlreiche andere kleine Drucke aus seiner Offizin hervorgegangen, ohne daß er 
schwerlich mehr anderes dazu gab als seine Type. Er selbst war zu sehr mit der 
Entwicklung seiner neuen Kunst in Anspruch genommen. Die gute Erhaltung 
des kleinen Druckwerkes leistete den technischen Untersuchungen Wallaus 
wesentliche Dienste. Wir werden in die Arbeit des Setzers und Druckers ein- 
geführt, deren Leistungen recht bescheiden sind. Sehr hübsch sind die Erörterung 
über das Gießverfahren, aus dem sich manche Unregelmäßigkeiten des Satzes 
ableiten lassen, und über die Bearbeitung der Lettern nach dem Guße. Im 
Gegensatze zu Zedler entscheidet sich Wallau dafür, daß wahrscheinlich Stahl- 
stempel und Kupfermatrize zur Herstellung der ältesten Gutenbergtype dienten. 
Das wichtigste Resultat aber der ganzen Untersuchung ist folgendes: eine Reihe 
von Typen, die nur dein Fragment und dem D"' eigentümlich sind und der 
K-Type vollständig fehlen, gehören einem früheren Versuche des Erfinders an, 
die Umwandlung der Handschrift in Gußschrift auf einem anderen erheblich 
einfacheren Weg durchzuführen, als es später geschehen ist; damit kommt man 
auf die Straßburger Tätigkeit Gutenbergs zurück. 


Der 2. Teil des 3. Heftes bringt in herrlicher photozinkographischer 
Wiedergabe 10 Seiten aus dem Fust-Schöffer'schen Canon missae von 1458. Das 
einzige bekannte Exemplar befindet sich, wie aus den vorausgeschickten Mit- 
teilungen Schwenkes zu ersehen ist, in der Bodleiana, wohin sie mit der Bibliothek 
von Francis Douce kam. 1886 wurde es vom Bibliothekar Nicholson aufgefunden. 
Es sind 12 Pergamentblätter mit der Blattgröße von 404x283 mm. Bl. 6® ist 
tür die Aufnahme des Canonbildes leergelassen. Fust und Schöffer hatten jeden- 
falls keinen geeigneten Metallschnitt auftreiben können. Falk bespricht den 
Canon in liturgischer Beziehung. Die typographischen und druckästhetischen 
Erläuterungen übernahm wieder Wallau. Das Druckwerk steht auf der gleichen 
Höhe wie die Psalterien von 1457 und 1459. Es kann nicht vor dem ersteren 
gedruckt worden sein, da die Initiale F die gleichen Verletzungen wie im 
Pa. 1459 zeigt, die im Ps. 1457 noch nicht erscheinen. Er kann aber auch nicht 
nach dem Ps. 1459 entstanden sein, denn die Initiale C ist unverletzt, wührend 
sie gegen Ende des Ps. 1459 so beschädigt wurde, daß sie ausgeschieden werden 
mußte. Der Farbenstimmung nach nähern sich die Initialen denen des Ps. 1459. 
Der Druck ist also am besten für 1458 anzusetzen. Es kam die große und kleine 
Psaltertype mit ihren herrlichen Initialen zur Verwendung. Von besonderem 
Interesse ist der Nachweis über die Herstellung des gleichzeitigen Druckes in 
drei Farben, für den die Initialen in der Weise hergerichtet waren, daß sie aus 
zwei auseinandernehmbaren Druckstöcken bestanden, deren jeder für sich gefärbt 
wurde. Dadurch wurde ein vollkommenes Ineinanderpassen der Farben erreicht. 
Wallau kommt in Hinblick auf die technische und ästhetische Würdigung der 
Psaltertype zu dem Schlusse, daß als ihr geistiger und wohl auch persönlicher 
Urheber nur Gutenberg in Betracht kommen könne. Seine diesbezüglichen Aus- 
führungen in der Mainzer Festschrift seien durch die neuen Funde bestätigt 
worden. 


Die verbreitete Meinung, daß Gutenberg der Drucker des Mainzer Catholicon 
sei, hat neuerdings durch Schwenke einen argen Stoß erlitten. Deshalb unter- 
nimmt es Zedler im 4. Hefte der Verdffentlichungen Gutenberg wieder zu geben, 


—— 


was ihm gebührt. Es macht Freude, den feinsinnigen Beobachtungen des Verf. 
zu folgen, durch die er aus dem Wechsel gewißer Typen heraus die typo- 
graphische Einteilung des Werkes feststellt und uns zeigt, daß zwei Setzer an 
der Arbeit waren, von denen der erste mit dem Wörterbuch begann, es bis zum 
Buchstaben H vorwärtsführte und dann erst die dem Lexikon vorausgehende 
Grammatik erledigte, während der zweite gleichzeitig mit dem Reste des Wörter- 
buches sich beschäftigte. Ist dieses Ergebnis besonders wertvoll für einzelne 
chronologische Feststellungen, so ist das, was der Verf. über die Schrift des 
Catholicon sagt, von äußerster Wichtigkeit für die Hauptfrage nach dem Drucker. 
An beigegebenen Beispielen wird nämlich gelehrt, daß die Schrift der einen 
damals in der Mainzer Gegend verbreiteten Schreibschrift, der runden, folgt, 
während die Durandustype die zweite dort übliche, die den steifen gotischen 
Duktus bewahrt, zum Muster nimmt. Der Gesamteindruck der letzteren ist zwar 
infolge besseren LetiernguBes ein angenehmerer, doch zeigt die Catholicontype 
in gleicher Weise wie die Gutenberg'sche Bibelschrift und wie keine andere des 
15. Jahrhunderts die vollkommenste Nachahmung der Gebundenheit der Schreib- 
schrift. Die Reichhaltigkeit der wie nicht leicht anderswo wechselnden Formen 
läßt uns den Meister auf dem Wege seines Strebens verfolgen. Merkwürdig und 
von unserem Standpunkt aus unbegreiflich war der Vorgang beim Drucken. 
Indessen muß man sich zwar widerstrebend den diesbezüglich weitausgreifenden und 
tief eindringenden Beweisen des Verf. gefangen geben. Auf Grund der Untersuchung 
der Wasserzeichen und Punkturen ergibt sich nämlich die Verwendung von vier 
Pressen, deren jede nicht, wie zu erwarten wäre, einen Teil, sondern das ganze 
Exemplar druckte. Eine Presse war für den bogenweisen Druck ausgerüstet, 
während die anderen nur Seite für Seite vornahmen. Die Arbeit kann bis zu 
8 Monaten in Auspruch genommen haben. Der Versuch die Stärke der Auflage 
auf 80 zu berechnen, bewegt sich doch wohl nicht über das Gebiet der Hypothese 
hinaus. Aus einer Bücheranzeige von 1467/70 scheint hervorzugehen, daß Schöffer 
den ganzen Vorrat samt den kleinen Drucken der Catholicontype aufgehäuft und, 
wie die Fundorte zeigen, emsig vertrieben hat. Das Nächste ist, daß Z. 
die mit der Catholicontype hergestellten kleineren Drucke untersucht. Es steht 
nunmehr die Priorität der Summa de articulis fidei des Thomas, deren zwei 
Ausgaben auf demselben, nur verschiedenen gebrochenen Satze beruhen, vor dem 
Tractatus rationis et scientiae des Matthaeus de Cracovia fest und ebenso die 
Druckzeit des Tractatus zu einem Termine, da der Catholicondruck bis zur 
Hälfte vorgerückt war. Schwierig gestaltete sich die Untersuchung des Neu- 
häuser Ablaßbriefes, da dessen beide einst bekannt gewesenen Originale nur 
in älteren Reproduktionen auf uns kamen. Sonderbarerweise taucht ein 
Jahr nach dem Drucke, also 1462, derselbe Ablaßbrief wieder handschriftlich 
überliefert auf, was der Verf. damit erklärt, daß wegen der Bistumsfehde die 
Catholicondruckerei sich mittlerweile aufgelöst hatte. Obwohl nach dem allgemeinen 
Eindrucke die Type dem Eltviller Vocabular von 1467 sich enger anschließt als 
dem Catholicon, so stammt der Brief doch aus Mainz, da zwei Kürzungen aus 
dem 31 zeiligen Ablaßbrief heräbergenommen sind. Und auf keinen Fall darf eine 
Einheitlichkeit der Mainzer und Eitviller Drucke schon wegen des schlechten 
fehlerhaften Satzes der letzteren angenommen werden. Wer hat also das Catholicon 
gedruckt? Nicht nur die Schlußschrift in ihrer einfachen und bescheidenen Größe 
spricht für Gutenberg, sondern namentlich auch der Umstand, daß wir außer der 
Bibelschrift im ganzen 15. Jahrhunderte keine andere finden, welche solch 


— 49 — 


‚genauen Anschluß an die Eigenheiten der Schreibschrift sucht und findet. Wenn Z. 
die Unvollkommenheit der Catholicontype gegenüber der Durandustype aus der 
Verschiedenart der Herstellung erklärt, wird man nach den Ausführungen 
Wallaus doch erst des Verf. versprochene Abhandlung erwarten müssen. Z. meint 
schlieBlich, Gutenberg sei es durch den Verkauf der Druckerei an Humery 
müglich geworden, die Catholicontype herzustellen und mit ihr die Summa, den 
Tractatus und das Catholicon zu drucken. Für den Neuhàuser AblaBbrief stellte 
er einen Neuguß her, den Humery später samt dem Reste der Catholicontype 
an die Eltviller Druckerei verkaufte. Selbstverstündlich nimmt wie bei den 
früheren Publikationen auch hier die Wiedergabe der Drucke einen besonderen 
Anteil an dem Werte der Veröffentlichung. Hübl. 


IIl. Publikation der österreichischen Exlibris-Gesellschaft. Wien, 
1905. 8.0. Die „österreichischen Meister im Dienste der Exlibris-Kleinkunst“, 
welche im vorliegenden Hefte den Mitgliedern der Gesellschaft vorgeführt 
werden, sind Eınst Krahl, William Unger und Alois Kolb. Die drei 
Exlibris Unger’s — mehr hat der vortreffliche Künstler nicht radiert — werden 
auch von Nicht-Sammlern als wertvoller Beitrag zur Kenntnis des Werkes des 
Meisters begrüßt werden. Daß Alois Kolb ein talentvoller und ideenreicher 
Radierer ist, hätte man seinem Panegyriker auch ohne das Fortissimo, in dem 
der Aufsatz gehalten ist, geglaubt. Neben Unger’s und Kolb's Proben erscheinen 
Krahl’s Leistungen dürftig. Historische Exlibris behandeln, aufs beste durch zahl- 
reiche und gute Abbildungen unterstützt, GräfinE.Coudenhove, K.Mandl, 
R. Neumann und Graf Leiningen-Westerburg. Der illustrative 
Teil bildet überhaupt die Glanzseite der Publikation; neben zahlreichen schwarzen 
und farbigen Zinkätzungen enthält sie nicht weniger als sieben Originalradierungen: 
drei Blätter Ungers, doppelt wertvoll geinacht durch die eifersüchtige Hut, in 
der sie die Besitzer bisher hielten, zwei schöne Blätter Kolb's, ein sehr liebens- 
würdiges Blättchen von Louis Uhl und ein künstlerisch bescheideneres von Emil 
Orlik. H. R. 


J. Herbert Slater. How to collect Books. London, Bell 1905. 

Der Titel lieB ein anderes Werk erwarten, als es Slater schrieb: ein 
Buch, daß den Büchersammler oder besser den, der es werden will, mit allen 
den Feinheiten vertraut macht, die den Marktwert eines Buches bestimmen, ein 
Verfahren, das durch gelegentliche Exkurse in die Grenzgebiete der Buch-, 
Kunst- und Literargeschichte an wissenschaftlichem Wert gewonnen hätte. 
Mr. Slater hat den umgekehrten Weg eingeschlagen. Sein Buch ist eine sum- 
marische Darlegung der Rolle, die das Buclı als Kunstwerk oder Literaturdenk- 
mal im kulturellen Leben der Völker, vorzüglich Englands, gespielt hat und ent- 
bält nur zu Beginn und am Schluß einige Aufsätze aus dem sammeltechnischen 
Gebiet. Der Ehrgeiz des Verfassers ist begreiflich. Ihm schwebte als Ziel vor, 
eine Art Seitenstück zur wissenschaftlichen Literaturgeschichte zu schreiben. 
Behandelt diese den inneren Wert des Buches für die Geistesgeschichte, so sollte 
Slater's Buch eine Darstellung des àuBeren Kunst- oder Sammelwertes des 
Buches darstellen. Man kann bezweifeln, ob der Verfasser berufen war, dieses 
Ziel mit Aussicht auf Erfolg anzustreben. In den nicht allzuweit umgrenzten 
Bezirken der Bücherliebhaberei hat Mr. Slater durch ,Book Prices Current* sich 
einen Namen gemacht, ein Jahrbuch, das in rein annalistischer Form von den 


aai 


besonders wertvollen Garben berichtet, die Sammler und Händler während eines 
Jahres auf dem englischen Büchermarkte einheimsten. DaB Mr. Slater es ver- 
steht, aus der reichen Fülle seiner Erfahrung auf diesem Gebiet Gesetze abzu- 
leiten, oder in dürren Worten gesprochen, die Ursachen und Erscheinungen von 
Hausse und Baisse der Bücherbörse aufzudecken, zeigen seine alljährlichen 
synoptischen Aufsätze in der Zeitschrift „Athenaeum“. Aber weder Ergebnisse 
noch Methode seiner schriftstellerischen Tätigkeit erlauben, ihn höher einzu- 
schätzen, denn als Chronisten des englischen Büchermarktes. In England nennt man 
antiquarische Bücher „Bücher von zweiter Hand“. Das ist auch Slater's Gelehr- 
samkeit; man braucht nur seine umstündliche und dabei fehlerhafte Darstellung 
der Formatbestimmungen zu lesen (p. 18 ff), um seine antiquarischen Kennt- 
nisse gelinde gesagt antiquiert zu finden. Aber auch vom sammeltechnischen 
Standpunkte aus betrachtet, befremden einige Ansichten des auf diesen Stecken- 
pferden sonst sehr sattelfesten Verfassers. So scheint der Rat, Bücher mit be- 
schränkter Auflage nicht zu sammeln, weil sie, wenn sie etwas taugten, in 
größerer Auflage gedruckt worden wären, doch auf einer zu freundlichen Be- 
urteilung des Geschmacks der Menge und auf einen etwas banausisch anmutenden 
Urteil über die sogenannten Luxuspublikationen zu beruhen, die sich aus sehr 
einfachen Gründen nur an ein kleines Publikum wenden können. Diese und 
andere Bedenken werden aber nicht hindern, das Urteil und die Kenntnisse des 
Verfassers mit umso größerer Bereitwilligkeit anzuerkennen, als die Abfassung 
eines derartigen Handbuches für Büchersammler schon lange zu den Desideraten 
der Sammler gehörte. Ein sehr deutliches Symptom des Beifalles, den Mr. Slater 
auch außerhalb Englands gefunden hat, ist die Tatsache, daB dem englischen 
Original sehr rasch eine deutsche Übersetzung gefolgt ist, die auch die zahl- 
zeichen hübschen Illustrationen des Urtextes wiederholt. Und wenn an dieser 
Stelle auf die Schwächen in Slater's Buch hingewiesen wurde, geschah das haupt- 
sächlich in der Empfindung des Bedauerns, die vortreffliche Schrift durch minder- 
wertige Teile entstellt zu finden. 


Hugo Hayn, vier neue Kuriositüten-Bibliographien. Jena, Tauscher, 
1905. Da für den Leserkreis dieser Blütter der Wert von Hayn's Biblio- 
graphien als wertvollen Hilfsmitteln bei Studien auf dem Gebiete der Kultur- 
geschichte und Literatur sowie bei Katologisierungsarbeiten nicht erst ausdrücklich 
hervorgehoben werden braucht, ist wohl der bloße Hinweis auf den Inhalt dieser 
neuen Arbeit hier zureichend. Sie bringt an erster Stelle die Literatur über 
Matthias Klostermayer, dnBayerischen Hiesel(hingerichtet 1771), sodann 
eine Übersicht der Amazonen-Literatur. Aus der riesigen Menge von 
Schriften über Marie Antoinette, die mehr oder minder vollständig von '"l'ourneux 
(2. éd. 1901) und Kellen (Bórsenbl. f. d. d. Buchhand. 1904) verzeichnet worden 
ist, behandelt Hayn allerdings nur eklektisch den Halsbandprozeß und 
Cagliostro. Der Schlußabschnitt gibt eine kleine Auswahl von deutschen 
Curiosis und Eroticis aus der königlichen Bibliothek zu Dresden mit 
Angabe der Standortssignaturen. Da sich Hayn nicht nur auf die bloße Wiedergabe 
der Titel beschränkt hat, sondern diesen auch erläuternde Bemerkungen, Markt- 
preise sowie Nachweisungen von Bibliotheken beigefügt hat, ist der Interessenten- 
kreis nicht ausschließlich auf die Spezialforscher der bearbeiteten Literatur- 
gruppen beschränkt; es wird sich auch der Bibliophile und der Antigquar in dem 
typographisch sorgfältig ausgestatteten Buche Rats erholen. Die chronologische 
Aneinanderreihung der aufgeführten Titel statt der zur Anwendung gebrachten 


— 44 — 


alphabetischen wäre von manchem Gesichtspunkte aus wünschenswert gewesen, 
ebenso ein Autorenregister und Namensverzeichnis. Doch wird man deren Fehlen 
nicht allzusehr missen, denn das Buch ist nicht ausschließlich Nachschlagewerk 
wie die meisten anderen Bibliographien, sondern auch eine anregende Lektüre 
für den Bücherkundigen, der hier die langen Heeressäulen von Büchern Revue 
passieren lassen kann. Neben den vielen alten Bekannten, deren Wiedersehen 
ung erfreut, lernen wir auch eine Menge von neuen Raris und Rarissimis kennen, 
die unseren Sammeleifer anregen. Als Ergebnis und Gesamteindruck der Lektüre 
empfangen wir aber ein Bild des im Laufe der Zeit wechselnden Interesses, 
welches Forscher und Schriftsteller und das von ihnen beeinflußte Leserpublikum 
an den behandelten Menschen und Dingen genommen haben, das sich in der 
Menge der im Laufe eines Zeitabschnittes erschienenen Arbeiten spiegelt, das 
graphisch dargestellt eine ganz eigenartige Wellenlinie zeigen würde. 
G—g. 


AUS ÖSTERREICHISCHEN BIBLIOTHEKEN. 


(Hofbibliothek.) Mit den Beamtenbeförderungen, von denen an einer 
anderen Stelle dieses Blattes berichtet wird, wurde auch eine Regulierung der Titel- 
frage vorgenommen. Die bisherigen den Titeln der Staatsbibliotheksbeamten 
ähnlichen Bezeichnungen wurden konform den an den Hofinstituten ähnlichen 
Charakters üblichen abgeändert. Die bisherigen Kustoden sind nun Kustoden 
erster Klasse (VII. Rangklasse), die Skriptoren Kustoden zweiter Klasse 
(VIII. Rangklasse). die Amanuenses Kustosadjunkten (IX. Rangklasse) Die 
übrigen Bezeichnungen bleiben ungeündert. — Zur Feier der hundertsten Wieder- 
kehr des Geburtstuges des Freiherrn Eligius von Münch-Bellinghausen (als 
Schriftsteller Friedrich Halın), der 1845—1861 Direktor der Hofbibliothek war, 
veranstaltete die Hofbibliothek eine Ausstellung, dıe Bildnisse, Hand- und Druck- 
schriften des Gefeierten umfaßte. 


(Universitäts-Bibliothek in Wien.) Dem Vorschlag des Direktors Re- 
gierungsrat Haas entsprechend, hat das Unterrichtsministerium einen außerordent- 
lichen, in sieben Jahresraten zahlbaren Kredit von X 55.000 zur Herstellung 
eines Schlagwortverzeichnisses und eines wissenschaftlichen Realkataloges be- 
willigt. 

(Von der Prager Universitäts-Bibliothek.) Am 5. Dezember 1905 fand 
im Karolinum eine vom Vollzugsausschusse der deutschen Philosophen Prags 
einberufene allgemeine Studentenversammlung statt, um die Zustände an der 
Universitäts-Bibliothek einer eingehenden Erörterung zu unterziehen. Nach einer 
längeren Debatte wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: 


„Die unhaltbaren Zustände an der Universitäts-Bibliothek haben es als nötig 
erwiesen, dagegen Stellung zu nehmen. Daher fordern die in der allgemeinen 
Versammlung am 5. d. anwesenden deutschen Hochschüler Prags einstimmig, 
daß zunächst die Dotation für die Universitüts-Bibliothek erhóht werde, damit 
sie auf den Stand einer modernen Bibliothek gebracht werden kann. Sie fordern 
weiter einstimmig, daß die Regierung ernste Schritte unternimmt, baldigst ein 
neues Gebäude für die Bibliothek zu errichten, eine vollkommene Scheidung 
der Lesesäle für die Deutschen und Tschechen vorzunehmen und in den für die 


as. ie ce 


Deutschen bestimmten Sälen nur deutsche Beamte und Diener anzustellen. Die 
anwesenden deutschen Hochschüler ersuchen einstimmig den Vollzugsausschuß 
der deutschen Philosophen Prags um die Ausarbeitung eines Memorandums, das 
an das Ministerium für Kultus und Unterricht eingebracht wird, in welchem die 
Beschwerden und Forderungen der deutschen Studenten aufgestellt und begründet 
werden mögen.“ 

(Von der k. k. Universitäts-Bibliothek in Lemberg.) Einige Daten aus 
dem Zustandsberichte für 1905: die Einnahmen bestanden aus der Dotation 
20.000 K und den Matrikeltaxen 7544 K. Die käuflichen Erwerbungen, Regierungs- 
und Privatgeschenke, sowie Pflichtexemplare ergaben den Jahreszuwachs von 
5658 Druckschriften, 4 Handschriften und 2 Piegen im Münzkabinett. Somit be- 
läuft sich der Totalbestand zu Ende 1905 ohne die Seminarbibliotheken auf 185.868 
Bände Druckwerke, 887 Handschriften, 295 Diplomata, 11.115 Piegen Münzen, 
502 Medaillen, 1342 Karten und Kupferstiche. Die am 20. Februar 1905 im neuen 
Gebäude mit 3 Lesesälen und einer separierten Ausleihestelle eröffnete Anstalt 
gewährte 200 Bibliothekstage, zählte 32.300 Benützer und 107.819 benützte Bände, 
davon wurden 13.066 Bände an 5299 Personen verliehen. Hiezu kommt noch der 
auswärtige Entlehnverkehr der 1168 Bände und Hefte ergab. Der Beamten- 
status bestand aus 8 Mitgliedern (1 Praktikant verwaltete die fünf Seminar- 
bibliotheken der Universität), der Bedienung des Publikums standen 4 Bibliotheks- 
diener zur Verfügung. r. k—a. 


(Österreichische Bibliothekskataloge des Mittelalters.) Die Wiener 
Akademie der Wissenschaften versendet das folgende Rundschreiben: „Die kais. 
Akademie der Wissenschaften in Wien beabsichtigt, eine Ausgabe von Bücher- 
verzeichnissen aus der Zeit des Mittelalters zu veranstalten, und bereits seit 
einigen Jahren werden Vorarbeiten zu diesem Zwecke gemacht. Daß eine voll- 
ständige Sammlung solcher Kataloge und Verzeichnisse mittelalterlicher Biblio- 
theken in verschiedener Hinsicht von großem Werte wäre, leuchtet ein. Denn 
diese Verzeichnisse lehren uns die literarischen Behelfe kennen, die zu bestimmter 
Zeit, an bestimmten Orten oder von bestimmten Personen als Bildungsquellen 
benutzt wurden oder wenigstens benutzt werden konnten, sie geben also in nuce 
die Geschichte und Entwicklung der gelehrten Kultur. Aber außerdem ist kaum 
ein Zweig der Wissenschaften, für welche sie nicht noch ein eigenartiges Interesse 
böten durch den Nachweis vom Vorhandensein, von der Verbreitung und von der 
Überlieferung der theologischen, philosophischen, philologischen, juristischen, 
historischen oder auch der naturwissenschaftlichen Werke: dem Paläographen 
steht, wenn es im Verlaufe der Untersuchung gelingt, die in den Verzeichnissen 
genannten Handschriften wieder aufzufinden, ein Schatz örtlich und zeitlich mehr 
oder weniger gesicherter Belege für seine Wissenschaft zur Verfügung und ähn- 
liche Nachweise dürften sich für eine urkundliche Geschichte der Buchmalerei 
und Buchausstattung im allgemeinen dienstbar machen lassen. Da in den Kata- 
logen nach dem Jahre 1450 schon vielfach gedruckte Werke erscheinen, kann 
sowohl die Geschichte des Buchdrucks als die Verbreitung seiner Produkte im 
Wege des Handels Aufklärungen erhalten. In allen diesen Richtungen ist das 
reiche, in den alten Bücherverzeichnissen geborgene und gesicherte Material noch 
bei weitem nicht ausgeschöpft. In erster Linie soll nun eine Sammlung aller 
mittelalterlichen Kataloge und Verzeichnisse derjenigen Bibliotheken, welche auf 
dem Gebiet des heutigen Österreich (Zisleitbanien) bestanden, veröffentlicht und 
damit ein wichtiger Beitrag zur Geschichte der geistigen Kultur unseres Staates 


= 46 = 


geliefert werden. Daher erlaubt sich die kais. Akademie der Wissenschaften die 
Bitte zu stellen, sie bei der Sammlung dieser Bücherverzeichnisse gütigst dadurch 
zu unterstützen, daß ihr kurze Angaben über das Vorhandensein von zweck- 
dienlichen Dokumenten, die sich den bisherigen Forschungen etwa entzogen 
haben könnten, mitgeteilt werden. Für die Zwecke der geplanten Arbeit kommen 
in Betracht: vor allem eigentliche Bücherverzeichnisse (Kataloge), dann auch 
Ankaufslisten und Ausleiheverzeichnisse von Österreichischen Büchersammlungen 
aus der Zeit des Mittelalters, aber auch alte Besitzinventare jeder Art, insofern 
in ihnen Bücher namentlich aufgezählt werden, endlich Nekrologien noch be- 
stehender oder aufgelöster geistlicher Häuser und Testamente, wenn in ihnen 
Schenkungen einzelner oder mehrerer Bücher belegt sind. Auch jede Notiz, daB 
und wo dergleichen Dokumente anderwärts vorhanden sind oder mit Aussicht 
auf Erfolg noch zu suchen wären, sowie der Hinweis auf weniger bekannte, 
schon gedruckte Notizen in Büchern und Zeitschriften und dergleichen, die den 
oben berührten Stoff behandeln oder von der einstigen Existenz derartiger 
urkundlichen Quellen Nachricht geben, wären von Wert. 


Indem die kais. Akademie der Wissenschaften alle Fachmänner, insbesondere 
alle Herren Bibliothekare und Archivare um tatkräftige Unterstützung dieses 
Unternehmens wärmstens hittet, betrachtet sie es als selbstverständlich, daß die 
Übersender geeigneter Notizen in der Ausgabe gebührend als solche werden 
erwähnt werden. Auch bliebe den glücklichen Findern derartiger Dokumente 
selbständige Veröffentlichung unbenommen; der Akademie liegt vor allem daran, 
möglichste Vollständigkeit ihrer Sammlung zu erreichen. 


Die Kommission 
zur Herausgabe mittelalterlicher Bibliothekskataloge. 
Hartel, 


Vizepräsident der kais. Akademie der Wissenschaften, d. z. Vorsitzender.“ 


Zu diesem Schreiben, dessen Inhalt in eminenter Weise den Interessen 
entspricht, denen diese Blätter dienen, hatte der Direktor des österreichischen 
Instituts für Geschichteforschung, Herr Professor v. Ottenthal, die Güte, 
der Redaktion folgende Erlüuterungen zu geben: Der Plan reicht bis in das 
Jahr 1892 zurück. Die ursprüngliche Absicht ging dahin, die Bibliothekskataloge 
des Mittelalters, wie sie im Rundschreiben definiert sind, aus gauz Mitteleuropa, 
also aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Polen und Ungarn zu sammeln 
und zu publizieren, wobei als Grenzjahr 1500 angenommen ist und die in der- 
artigen Verzeichnissen enthaltenen Inkunabeln ebenfalls berücksichtigt werden 
sollten. Mit der Sammlung des Materials wurde sofort begonnen, teils durch 
Dr. Gottlieb (Hofbibliothek), teils durch jüngere Kräfte bei gelegentlichen wissen- 
schaftlichen Reisen. Es stellte sich aber heraus, daß die Arbeit in solchem 
Umfange sehr zeitraubend und kostspielig wäre. So kam es, daß die Akademie in 
jüngerer Zeit ihr Thema auf Österreich beschränkte, das heißt auf die Kataloge 
und Bücherverzeichnisse von Bibliotheken, die auf dem Boden des heutigen 
Österreich bestehen oder bestanden, um aus diesem Gebiet das ganze Material 
vollständig und systematisch zu sammeln. Geboten werden soll ein kritischer 
Abdruck der Kataloge, eine knappe Geschichte der einbezogenen Bibliotheken 
und vollständige Verzeichnung ihrer Literatur und Indices mit möglichster 
Identifizierung der in den Katalogen aufgeführten Werke. Die Einschränkung des 
Planes bezieht sich nur auf die räumliche Ausdehnung. Die kaiserliche Akademie 


Ser, AR OR 


hofft übrigens, daß dieses Unternehmen von den auswärtigen Akademien ebenfalls 
aufgenommen werden und so doch im ursprünglich geplanten Umfang» ausgeführt 
werden wird. 


VEREINS-NACHRICHTEN. 


Einer Einladung des Vereines folgend hielt der Sekretär des österr. 
archäologischen Institutes Professor Dr. Rudolf Heberdey am 13. Jänner einen 
Vortrag über die in den Jahren 1903 und 1904 in Ephesus ausgegrabene Biblio- 
thek, die nach dem Prokoneul Ti. Julius Celsus Polemaeanus benannt war. (Vgl. 
M. d. 5. V. f.B. VIII. 214). Die Resultate der Grabungen ermöglichten nicht nur 
das Gebäude mit Sicherheit zu benenuen, sondern auch durch vergleichende 
Studien Schlüsse zu ziehen, die unsere Kenntnis römischer Bibliotheksarchitektur 
und römischer Bibliothekstechnik wesentlich erweitern. Eine ausführliche Dar- 
legung steht in hoffentlich nicht allzuferner Zeit in Aussicht, ein vorläufiger 
Bericht findet sich im Anzeiger der Wiener Akademie der Wissenschaften 
(1905, Nr. XVII. p. 81 ff. wiederabgedruckt in den Jahresheften des Osterr. arch. 
Institutes VIII Beibl. Sp. 61 ff.). An dieser Stelle mögen nur jene Teile des 
überaus anregenden Vortrages hervorgehoben werden die geeignet sind, unsere 
leider noch sehr begrenzte Kenntnis des antiken Bibliotheksweses mehrfach zu 
ergänzen. 

Die von Tiberius Julius Aquila dem Andenken seines Vaters des Pro- 
konsuls Tiberius Julius Celsus Polemaeanus gewidmete Bibliothek wurde 
etwa 110—120 v. Ch. in Eptesus erbaut. Sie stand an einem kleinen Platz im 
Südosten der griechischen Agora, von dem eine fünfstufige Freitreppe zu ihr 
führte. Die zirka 18 m breite Fassade hatte 8 Türen, durch die man iu den 
16:5 m breiten und 15 m tiefen Büchersaal trat, der mit Ausnahme des einer 
4:5 m breiten Apsis Raum bietenden Hintergrandes von geraden Wänden ge- 
bildet war. Ein meterhoher Sockel diente als Basis für eine an drei Seiten um- 
laufende rein dekorative Innenarchitektur und verhinderte gleichzeitig die Be- 
nützer am freien Zutritt zu den Bücherschränken, die in nischenartige Vertiefungen 
der Wände eingesetzt (je 10 in 8 Stockwerken) nur von rückwärts zugänglich 
waren. Fenster im ersten und im zweiten Stockwerk boten genügendes Licht.*) 
Die Wände mit den Bücherschränken stellten aber nicht zugleich die Außen- 
wände des Gebäudes vor; von diesen waren die Bücherwände noch durch einen 
in der Lage am Berghange begründeten Trockengaug von 1 m Breite getrennt; 
ein beachtenswerter Beitrag zur antiken Bücherhygiene. Die Nischen, in welche 
die zur Verwahrung der Bücherrollen bestimmten Schränke eingefügt waren (vgl. 
Digest. XXX. 41, 9. ,bibliothecis parietibus inhaerentibus") 
sind 2:8 m hoch, 17 breit, 0:5 m tief, boten also, wenn wir mit Dziatzko 
(Unters. üb. ausgew. Kapitel d. ant. Buchwesens) 170 Rollen pro 1 m? annehmen, 
für etwa 14.000 Rollen Raum. Der nördlich der beiden Trockengänge gelegene 
Raum führt an seinem Westende in eine unter der Apsis gelegene Grab- 
Kammer, die einen wohlerhaltenen Sarkophag — offenbar den des Celsus — 
birgt. Diese Verbindung von Bibliothek- und Grabanlage ist analog dem sonst 


*) Darin bedarf der Rekonstruktionsversuch Prof. Niemanns, der Ober- 
licht annimmt, einer Korrektur. . 


— 48 — 


häufig bezeugten Anschlusse von Bibliotheken mit Tempeln aufzufassen; eine 
genau entsprechende Parallele bietet die von Dio von Prusa in seiner Vater- 
stadt errichtete Anlage (Plin. Ep. ad Trai. 81, 7.). Die charakteristischen Merk- 
male des ephesischen Baues ermöglichen eine Anzahl von bisher nur vermutungs- 
weise für Bibliotheken in Anspruch genommene Bauwerke mit Sicherheit als 
solche zu erweisen und auch eine gewisse Entwicklung des Bautypus aufzu- 
zeigen. Die Bibliothek von Pergamon (Bohn, Das Heiligt. der Atbene Nik, Pol. 
1885) entbehrt ihrer Entstehungszeit gemäß noch der prunkvollen Innenarchi- 
tektur, zeigt aber schon den umlaufenden Sockel für die Bücherregale, die aller- 
dings hier nicht in die Wand eingelassen, sondern frei aufgestellt waren. Dem 
Trockengang der Celsusbibliothek entspricht es, daß die Sockel etwa 0'5 m von 
den Wänden abgerückt sind. Nur durch das Fehlen dieses Trockenganges, das 
sich aus der Lage auf freier Fläche erklärt, unterscheidet sich von der Celsus- 
bibliothek der Hauptsaal der sogenannten Hadrianstoa in Athen (xpaxttxa pe 
&py. &tatp. 1885), der von verschiedenen Seiten vorgeschlagenen Identifikation mit 
der von Pausanias (I. 18, 9.) beschriebenen Stiftung des Hadrian. Eine weitere 
von Prof. Heberdey zum Vergleich herangezogene antike Bibliothek ist der von 
dem französischen Architekten Albert Ballu aufgefundene Bau in Timgad (Algier), 
dem römischen Thamugadi, der mit seiner Konstruktion und seiner allerdings 
nur fragmentarisch erhaltenen Inschrift (2 THECAE) die Vermutung, ihn als 
Bibliothekbau anzusprechen, fast zur Gewissheit macht. Er stimmt mit der 
Celsusbiblivtbek in der Sáulenarchitektur, den Schranknischen und dem Sockel- 
bau überein, unterscheidet sich jedoch von ihr durch den Mangel eines Trockenganges 
und — besonders charakteristisch — dadurch, daß die Bücherschränke durch 
Treppen mit dem Büchersaal verbunden waren, und damit eine Eigenart der 
Bibliotheksverwaltung andeuten, die etwa dem modernen open-shelves-System der 
Engländer entspricht. 

Der aufschlufreiche Vortrag Prof. Heberdey's, der auch durch Planskizzen 
und skioptische Darstellungen das Verständnis des Auditoriums erleichterte, wurde 
von den dankbaren Hörern mit herzlichen Beifall aufgenommen, der sich wieder- 
bolte, als der Vorsitzende, Regierungsrat Haas, dem Vortragenden in warmen 
Worten den Dank des Vereines aussprach. 


— 9 


Unter dem Vorsitz des Obmannes Hofrat v. Karabacek fand am 19. Jänner 
eine Ausschußsitzung statt. Die Tagesordnung bestand infulge einer Anregung 
Dr. Himmelbaur’s in Vorschlägen zur eventuellen Veranstaltung einer Fest- 
versammlung aus Anlaß des zehnjährigen Bestandes des Vereines. Ein engeres 
Komitee wurde beauftragt, konkretere Vorschläge zu erstatten. 


PERSONAL-NACHRICHTEN. 


Dem Direktor der Universitäts-Bibliothek in Prag Dr. Richard Kukula 
und dem Bibliotheksvorstand der kunsthistorischen Sammlungen des allerhöchsten 
Kaiserhauses Dr. Heinrich Zimmermann wurde der Titel eines Regierungs- 
rates verliehen. — An der Hofbibliothek wurden der mit dem Titel und Charakter 
eines Kustos bekleidete Skriptor Dr. Heinrich v. Lenk zu Burgheim und Gans- 


— A0 — 


heim und der Skriptor Privatdozent Dr. Rudolf Geyer zu Kustoden erster 
Klasse, der Skriptor Johann Kluch und die Amanuenses a. o. Universitäts- 
professor Dr. Alexander Weil Ritter v. Weilen, Dr. Rudolf Beer, Doktor 
Theodor Gottlieb und Dr. Alfred Daubra wa zu Kustoden zweiter Klasse, 
die Assistenten Privatdozent Dr. Rudolf Brotanek, Privatdozent Dr. Robert 
Franz Arnold und Dr. Friedrich Egger von Möllwald zu Kustosadjunkten 
und die wissenschaftlichen Hilfsarbeiter Dr. Ferdinand Scherber, Dr. Edmund 
Groag, Dr. Friedrich Kraelitz von Greifenhorst, Dr. Hans von MZik und 
Dr. Ivan Prijatelj zu Assistenten ernannt. — Der Kustos der Universitäts- 
Bibliothek in Prag Josef Truhläf feierte im Herbst v. J. sein vierzigjähriges 
Dienstjubiläum, woran seine engeren Kollegen und die akademischen Kreise Prags 
den lebhaftesten Anteil nahmen. — Der Amanuensis an der Bibliothek der 
Technischen Hochschule in Wien Dr. Heinrich Röttinger wurde zum Hof- 
Offizial an der ergherzoglichen Kunstsammlung „Albertina“ ernannt. — Der mit 
dem Titel eines a o Professors bekleidete Privatdozent an der Technischen 
Hochschule in Wien und Assistent am Naturhistorischen Hofmuseum Dr. August 
Böhm von Böhmersheim, bisher schon mit der Leitung des österreichischen 
Regionalburaus für die internationale naturwissenschaftliche Bibliographie betraut, 
wurde extra statum zum Kustosadjunkten der Hofbibliothek ernannt. — Der 
Assistent der Hofbibliothek Dr. Arpad Weixlgürtner wurde in gleicher 
Eigenschaft an das Kunsthistorische Hofmuseum versetzt und der Konstrukteur 
der Technischen Hochschule in Wien Privatdozent Dr. Hermann Egger zum 
Assistenten der Hofbibliothek ernannt. — Zu Praktikanten wurden ernannt an 
der Universitats-Bibliothek in Wien der Pal&ontologe Dr. Oskar Ritter v. Troll 
und an der Universitäts-Bibliothek in Graz Dr. jur. Karl Bielohlawek. 





Am 30. März 1906 feierte Professor Moritz Steinschneider in Berlin 
seinen 90. Geburtstag. Als eminenter Kenner der arabischen und der hebräischen 
Literatur des Mittelalters hat sich Professor Steinschneider, der ein gebürtiger 
Österreicher ist, vor allem als Bibliograph einen Namen gemacht. Man kann 
wohl sagen, daB er einer der ersten jüdischen Gelehrten war, die mit dem Rüst- 
zeug moderner wissenschaftlicher Kritik den großen Komplex arabischer, vor- 
züglich hebräischer Literatur durchforscht haben, der so lange ein Monopol 
talmudistischer Velleitäten gewesen war. Mit dem Abschluß des von Neubauer 
begonnenen Kataloges der hebräischen Handschriften der Bodleiana hat er sich 
in die bibliographische Wissenschaft eingeführt. Diesem Werke folgte die 
kritische Aufzeichnung der Hebraica in München, Leiden, Hamburg, Berlin. Zwei 
seiner speziell bibliographischen Publikationen sind als Beihefte des Zentral- 
blattes für Bibliothekswesens erschienen. ,Die arabischen Übersetzungen aus dem 
Griechischen“ (V. 2, und XII.) und „Vorlesungen fiber die Kunde hebriischer 
Handschriften, deren Sammlungen und Verzeichnisse“. (XIX.) Eine Bibliographie 
der europäischen Übersetzungen aus dem Arabischen erschien in den Sitzungs- 
berichten der Wiener Akademie. Die Zeitschrift „Hebräische Bibliographie“ 
wurde von ihm im Jahre 1858 begründet und bis zum Jahre 1881 vou ihm 
geleitet. So weit auch das Feld seiner Arbeiten abgesteckt ist, so hat doch der 
Kreis der wissenschaftlichen Bibliothekare alle Ursache, den ehrwürdigen Mann 
als einen Patriachen seines engeren Wissensgebietes zu feiern. 


— BÉ ume 


VERMISCHTE NACHRICHTEN. 


(Auktionen.) Vom 15. bis 17. März wurde die Bibliothek des Budapester 
Sammlers G. v. Emich in Anwesenheit ihres bisherigen Besitzers von der 
Wiener Firma Gilhofer & Ranschburg versteigert. Das deutsche Antiquariat war 
zahlreich vertreten, von österreichischen Instituten beteiligten sich die Hof- 
bibliothek, die Universitäts-Bibliotbek und das böhmische Gewerbemuseum, von 
deutschen Anstalten die königliche Bibliothek in Berlin und das Germanische 
Museum in Nürnberg an der Versteigerung. Unter den Handschriften erzielten 
ein „Roman de la Rose“ (1610 X), ein böhmisches „Psalterium cum canticis“ 
(1210 K) und ein ,Livre d'Heures à l'usage de Metz“ (2200 K) die höchsten 
Preise. Der Erlós der Handschriften betrug 12.710 K, der der Miniaturen 2758 K. 
Von den meist wenig gut erhaltenen Frühdrucken riefen einige Fragmente der 
ersten Mainzer Presse einen lebhaften Wettbewerb hervor. Ein Blatt des Catho- 
licon wurde um 134 X nach München, je 2 zusammenhängende Blätter des nur 
in München und in London vorhandenen Donatfragmentes erwarb die königliche 
Bibliothek in Berlin um 8580 A. Ein „Taschenbüchlein auss ainem Closter in dem 
Riess“ (Augsburg, Otmar, 1512), dessen Holzschnitte nach der Art der Livres 
d'heures mit Deckfarben gemalt waren, erzielte 1520 K, die Brünner (1488) Aus- 
gabe der ungarischen Chronik des Thurócz 2400 K, die Augsburger Ausgabe 
2080 K, die Wiener (1534) Ausgabe 480 K. Von anderen Wiener Frühdrucken 
brachte das ,Stamm- oder Gesellenbüchlein^ David de Neckers 144 K, ein im 
Katalog etwas vorschneli als Unikum bezeichneter Druck Singrienerse aus dem 
Jahre 1526, Christoph Rudolff’s „Künstliche Rechnung“, von dem Berlin und 
London je ein Exemplar besitzen, 620 X. Der Erlös der Frühdrucke betrug 
25.069 X. Für die Neigungen des bisherigen Besitzers war eine große, die Buch- 
geschichte in allen ihren Zweigen berücksichtigende Sammlung charakteristisch, 
die nun um den Betrag von 13.910 X in alle Welt — vornehmlich nach Holland 
— verkauft wurde. Der Gesamterlós der Sammlung betrug 55.623 K !) Im An- 
schlug an die Versteigerung der Kupferstiche aus dem Nachlaß Dr. Alois 
Spitzer wurden auch die wertvollen Bücher dieses Sammlers von der Wiener 
Firma C. J. Wawra am 23. März d. J. versteigert, Die Sammlung bestand aus 
einer Reihe vorzüglich erhaltener Holzschnittwerke aus deutschen und italienischen 
Offizinen des 16. Jahrhunderts. Die 174 Nummern zähblende Sammlung erzielte 
einen Erlös von 17.687 X. 


Im zweiten Jahrgang des „Archivs für die Geschichte der Diözese Linz* 
veröffentlichte Prof. Dr. Konrad Schiffmann einen sehr lesenswerten Aufsatz über 
„Oberösterreichische Bibliotheken und Archive“. Der Aufsatz stellt eine leider 
nur zu kursorisch gehaltene Übersicht über das historische Bibliothekswesen 
Oberösterreichs dar, und umfaßt nicht nur die Aufzählung der natürlich zumeist 
in Betracht kommenden geistlichen Bibliotheken, sondern bringt auch sehr 
dankenswerte Daten über die zahlreichen vornehmlich adeligen Privatbibliotheken 
der Provinz. Der verdienstvolle Verfasser würde sich noch mehr den Dank aller 
erwerben, denen die Erkenntnis der historischen Bücherkunde am Herzen liegt, 
wenn er seine Studien in einer bestimmten Richtung fortsetzen wollte: in der 


!) Ein gefällig ausgestatteter und reich illustrierter Katalog unterrichtet 
auf das genaueste über die Sammlung. 


Sal DEE, ës 


Aufdeckung der Gründungen und der Schicksale der Pfarrbibliotheken, über die er 
schon in der vorliegenden Schrift einige interessante Daten bringt (S. 20 n. 4.). 
Abbildungen dreier Stiftsbibliothekssäle, deren einer (Schlierbach) eine Kopie des 
Prunksaales der Wiener Hofbibliothek darstellt, bedeuten einen ansprechenden 
Schmuck der gut orientierenden Schrift. 


Die Entfernung Leopold Delisles aus der französischen Nationalbibliothek 
hat in Amerika ein Seitenstück gefunden. Einer der ausgezeichnetsten Biblio- 
thekare der Vereinigten Staaten, der Direktor der Neuyorker Staatsbibliothek, 
Mr. Melvil Dewey, wurde gezwungen, um seine Entlassung anzusuchen. Die 
unvergänglichen Verdienste, die der gebildete und tatkräftige Mann um das 
amerikanische Biblivthekswesen sich erworben hat, die internationale Bedeutung 
seines Namens, mit dem das vielbewunderte und vielbekämpfte Dezimalsystem 
der Materienklassifizierung verknüpft ist — alles das fiel nicht mehr in die Wag- 
schale, als eine Reihe einflußreicher jüdischer Familien Newyorks zur Anzeige 
brachte, Dewey stehe an der Spitze einer Gesellschaft, die grundsätzlich keine 
Juden aufnehme. Man wird den Zusammenhang zwischen den Geschmacksrichtungen 
des Privatmannes und den Pflichten des Staatsbibliothekars umso schwerer 
begreifen, als es von niemandem bestritten wurde, daB sowohl jüdische Leser 
wie jüdische Beamte der Staatsbibliothek sich jederzeit des bereitwilligsten 
Entgegenkommens Mr. Dewey's erfreuten. Vertrauenskundgebungen zahlreicher 
amerikanischer wissenschaftlicher Vereinigungen für Mr. Dewey, sowie seine 
gelungene Rechtfertigungsrede hatten nur zur Folge, daß die staatlichen Behörden 
ihm dankten, aber auf seiner Entlassung beharrten — dieselben Behürden, die 
es Negern nicht gestatien, mit WeiBen in derselben Wagenklasse zu reisen. Daß 
die Affären Delisle und Dewey — jene ein Fall unwürdiger Günnerschaft, diese 
ein Akt bornierter Unduldsamkeit — sich gerade in Republiken zutrugen, die 
neuerdings wieder als Hort der wahren Freiheit ausgerufen werden, spricht nicht 
gerade günstig für das Ausmaß persönlicher Selbstbestimmung, das dem Indi- 
viduum in den sogenannten Freistaaten zuerkannt wird. Auf alle Fälle aber 
tragen aolche willkürliche Maßregeln nicht dazu bei, das ohnehin schon sehr 
bescheidene Selbstgefühl der Bibliothekare wesentlich zu stärken. 





Mr. Aksel G. S. Josephson von der John Crerar Library in Chicago 
sendet uns eine kleine Broschüre, die nicht mehr und nicht weniger dar- 
stellt als den Prospekt eines internationalen bibliographischen 
Instituts. Dieses Institut ist noch so weit von seiner Gründung entfernt, 
daß sein einziger Fonds vorläufig nur aus dem warmen Wunsch Mr. Josephson, 
es zu gründen, besteht. Der Aufruf ist sehr geschickt geschrieben und beruht 
wesentlich darauf, zu beweisen, daß eben aus dem Mangel verläßlicher Biblio- 
graphien so viele unsterbliche Werke ungeschrieben, so viele wissenschaftliche 
Probleme ungelóst bleiben. Ohne diesen elegischen Optimismus Mr. Josephson 
in allen Punkten zu teilen, muB man zugeben. daB gute Bibliographien ohne 
Zweifel den Mechanismus der geistigen Arbeit wesentlich erleichtern würden. 
Ob der Reichtum an Bibliotheken oder die bisherigen wissenschaftlichen 
Leistungen Amerikas es gerade befürworten würden, die Zentrale dieses Zu- 
kunftsin stitutes in Amerika zu errichten — für Mr. Josephson kommen nur 
Chicago oder Newyork in Betracht — darüber ließe sich streiten. Eine prinzipiell 
wichtigere Frage wäre es, zu untersuchen, ob denn die große Bequemlichkeit 


A8 


ein, E ` Zä 


des Arbeitsapparates, die Bibliographien zur Folge haben, wirklich so anfeuernd 
auf die gelehrte Produktion wirken würde. An Brüssel und seinem biblio- 
graphischen Institut ist die gelehrte Weft — darüber kann heute kein Zweifel 
bestehen — achtlos vorübergegangen, und nichts berechtigt, an die Verpflanzung 
eines ähnlichen Instituts nach Amerika größere Hoffnungen zu knüpfen. Ernste 
Gelehrte schaffen sich ihre private Bibliographie selbst, ohne diese Mühe als 
làhmend zu empfinden, da die Kenntnis der betreffenden Literatur sich allmählich 
im Fortschreiten der Arbeit einstellt und ergänzt. Mr. Josephson wird in seiner 
Heimat, dem gelobten Lande der Bibliographien, ohne Zweifel Gönner seines 
Vorschlages finden. Es müssen allerdings vermögende Gönner in jedem Sinne 
des Wortes sein; denn die Millionen spielen in dem Aufruf Mr. Josephson's eine 
fast beängstigende Rolle. Und der leise Zweifel regt sich, ob solche enorme 
Summen nicht für andere Zwecke ersprieBlicher verwendet werden kónnten. 





Unter den von der Londoner Firma Pickering and Chatto vor 
kurzem erschienenen Katalogen ihres antiquarischen Bestandes nimmt olıne 
Zweifel der Katalog ,English Literature, noted bibliographically and biogra- 
phically* den ersten Rang ein. Er gibt nicht nur dem Sammlar eine Reihe schátz- 
barer Winke, sondern gibt auch dem Literarhistoriker sehr nützliche Aufschlüsse, 
da er sorgfültige Bearbeitungen ganzer Literaturgruppen und Bio- wie Biblio- 
graphien von Schriftstellern enthált, die man auch in modernen und umfang- 
reichen wissenschaftlichen Darstellungen vergebens suchen wird. Der Katalog ist 
904 Seiten stark und kostet 3 sh 6 d. 


An Stelle des verstorbenen Hofrates Heinzel wurde der Direktor des 
Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Professor Emil v. Otten- 
thal in die von der Akademie der Wissenschaften gebildete Kommission zur 
Herausgabe der Bibliothekskataloge des Mittelalters berufen. 





Der Grazer Privatdozent und frühere Beamte der Hofbibliothek Dr. Nikolaus 
Rhodokanakis hat einen Katalog der aethiopischen Hendschriften dieses Instituts 
der Akademie der Wissenschaften überreicht. 





Auf Grund archivalischer Studien gibt Professor Dr. M. Grolig eine 
Übersicht der protestantischen Literatur, welche zwischen 1585 und 1630 die reli- 
giöse Lektüre der Einwohner von Märisch-Trübau bildeten. Jahrbuch d. Gesellsch. 
f. die Gesch. d. Protestant. in Österreich. 1905. S. 122—141. 





Da einige Unrichtigkeiten in der ersten Tabelle, die Dr. Schubert in 
seinem Aufsatz „Ziffern und Streiflichter zu einigen die k. k. Bibliotheks- 
beamten betreffenden Standesfragen“ angefertigt hat, den Wert dieser verdienst- 
vollen Zusammenstellung beeinträchtigen, wurde der Redaktion von zahlreichen 
Seiten nahegelegt, eine richtiggestellte Tabelle zu publizieren. Die Erfüllung 
dieses Wunsches hängt ausschließlich von den Beamten selbst ab, die gebeten 
werden, die genauen Daten, soweit sie von den Daten der Tabelle abweichen, 
schriftlich und so bald als möglich der Redaktion bekanntzugeben. 





Verantwertlicher Redakteur: Dr. G@. A. Crdweil. Druch E. Kains vorm. J. B. Walilehausser, Wien. 





MITTEILUNGEN 


Österr. Vereins für Bibliothekswesen. 








April-Mai 1906. 


X. Jahrgang. 





Aus steirischen Missalien des 14. und 15. Jahrhunderts. 


Unter den Handschriften der Universitáts-Bibliothek in Graz befindet 
sich auch eine ansehnliche Zahl solcher liturgischen Inhaltes, was ja mit 
Rücksicht auf die Entstehung dieser Sammlung leicht begreiflich erscheint. 
DaB in dieser Gruppe von Handschriften noch manches Kleinod verborgen 
ist, dessen Glanz und Bedeutung erst allmählich ans Tageslicht kommen, 
findet seine Erklärung darin, daß im allgemeinen die Erforschung der 
litargischen Handschriftenbestände in den Bibliotheken noch etwas rück- 
ständig ist und daß sie meist nur von einem bestimmten einzelnen Gesichts- 
punkte aus in Angriff genommen wurde. So dürfen wir also auf diesem 
Gebiete im allgemeinen, wie im besonderen noch manchen glücklichen Fund 
erwarten und in der Tat ist in der Grazer Universitäts - Bibliothek vor 
kurzem von Peter Wagner ein Graduale (I. 807) entdeckt worden, das sich 
für die Kenntnis des Choralgesanges im 12. Jahrhundert als außerordentlich 
wichtig erwiesen hat. !) 

Einen sehr beachtenswerten Bestandteil der liturgischen Handschriften 
der Grazer Universitäts-Bibliothek bilden auch die Missalien. Ist ja doch 
das Missale neben dem Breviarium und dem damit eng zusammengehörigen 
Psalterium das ,Hauptbuch^ für die kirchlichen Handlungen des Klerus ?). 
Unter den Handschriften der alten Kloster-Bibliotheken nehmen die Missalien 
nicht nur durch ihre Größe, sondern auch durch ihre äußere und innere 
Ausstattung eine hervorragende Stelle ein und mancher Pfarrer des Mittel- 
alters mag in seiner ländlichen Einsamkeit das Missale als seinen kost- 
barsten Schatz angesehen haben, mit dem sein ganzes Fühlen und Denken 


1) Vgl. Peter Wagner. Neumenkunde, Freiburg (Schweiz), 1905 = Collec- 
tanea Friburgensia, 15 (n. F. 6), S. 31. Wagner erklärt hier (Anm. 1), es sei 
„vielleicht das allerwichtigste Denkmal der deutschen Tradition, das sich aus 
dem Mittelalter auf unsere Zeit gerettet hat". 

7, Vgl. Wilhelm Brambach, Psalterium. Berlin, 1887 — Sammlung biblio- 
thekswissenschaftlicher Arbeiten. Hg. von Karl Dziatzko, 1. Heft, S. 3. 


du EE! nues 


innig verwachsen war, denn an ihm reihten sich jahraus jahrein seine 
Lebenstage wenig reich an Abwechslung auf. Wie im Kanon des Missales 
die hohe Politik der Kirche sich gelegentlich wiederspiegelt, so hat der 
Besitzer des Meßbuches gelegentlich darin Zeitereignisse, namentlich wenn 
sie besonders schwer auf dem Lande lasteten, oder Örtliche Begebenheiten 
aufgezeichnet. Wir sehen in mancher solcher Eintragung, wie etwa in der 
des Pfarrers Jakob Gerold von Knittelfeld, von der noch ausführlicher 
die Rede sein soll, die Geistesrichtung eines solchen Dieners der Kirche 
sich förmlich vor unseren Augen entrollen. Auch die Kunst, sowohl die 
Malerei wie das Kunsthandwerk, ist an der Herstellung des Missales in 
der Regel beteiligt, mag auch nur ein einfaches Kanonbild den Band zieren. 
Aber gerade diese Kanonbilder werden sich noch einmal als sehr wertvoll 
erweisen, um einen bestimmten Typus der Miniaturmalerei entwicklungs- 
geschichtlich darzustellen. Gerade dadurch, daß das Kanonbild durch die 
Überlieferung an bestimmte Grenzen gebannt ist, läßt sich zeigen, wie das 
Anwachsen des Verständnisses für die Anatomie der Körperformen, für 
den Ausdruck des Schmerzes und der Gemütsbewegungen einen Fortschritt 
der Individualisierung mit sich bringt. Dazu bedarf es allerdings einer 
reichen Sammlung solcher Bilder ?). 

Die Missalien der Grazer Universitäts-Bibliothek vom 12. bis zum 
15. Jahrhundert bieten nun in mehrfacher Hinsicht für die Geschichte des 
Buchwesens lehrreiche Aufschlüsse. Vom Missale in Folio-Format mit schön 
gepreßtem Ledereinband, Beschlägen und mehr oder weniger zahlreichen 
Miniaturen auf Pergament bis zum Oktav-Missale des angehenden 15. Jahr- 
hunderts, das auf Papier geschrieben ist, an Stelle der Miniaturen ein- 
geklebte farbige Holzschnitte, darunter auch ein Kanonbild enthält, und im 
genannten Jahrhundert um 60 Pfennige gekauft wurde (I. 896), sind Bei- 
spiele vorhanden. Ich beschränke mich auf einige Missalien des 14. bis 
15. Jahrhunderts. *) 

Unter diesen überragt alle an Ausstattung das Missale, das in der 
zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts im Besitze des Pfarrers Jakob Gerold 
in Knittelfeld in der Obersteiermark war (III. 74, alt 37,18 f). Es ist 
ein Folioband (41:8 : 81cm) von 362 Pergamentblattern, einheitlich in 


3) Adalbert Ebner, Quellen und Forschungen zur Geschichte und Kunst- 
geschichte des Missale Romanum im Mittelalter. Iter Italicum. Freiburg i. B., 
1896, S. 429 — 454. 

4) Der mehr feierliche Duktus dieser Handschriften läßt eine genaue Zeit- 
bestimmung oft nicht zu, es kann eine ganze Anzahl von Jalrzehnten zwischen 
ähnlichen Handschriften dieser Art liegen. Die von mir im Texte erwähnten 
Beispiele gruppieren sich ihrem Schriftcharakter nach im allgemeinen um das 
Jahr 1400. 


— 


gotischer Minuskel geschrieben, nur der Kanon ist wie gewöhnlich mit 
größeren Buchstaben eingetragen. Dem Schriftcharakter nach ist die Hand- 
schrift an den Anfang den 15. Jahrhunderts zu setzen. Die Melodien sind 
in Quadratnoten geschrieben. Das Missale enthält zwei ganzseitige Miniaturen, 
ein Widmungsbild (Bl. 1a) und ein Kanonbild (Bl. 1795) — letzteres 
von besonderer Bedeutung — und eine große Zahl kleinerer Miniaturen in 
den Initialen mit ausgedehnten Randarabesken. Der Holzdeckeleinband ist 
mit braunem Leder überzogen, das gotische Randleisten in verschiedenen 
Formen und Stempelpressungen aufweist, unter letzteren die Symbole der 
vier Evangelisten und den Christuskopf. Die Pressungen waren teilweise 
vergoldet, doch haben sich davon nur Spuren erhalten. Sowohl auf dem 
Vorder- wie auf dem Hinterdeckel sind auch Namen eingepreßt, die nur 
noch teilweise lesbar sind. Auf dem Vorderdeckel lautet der eine jedenfalls 
Maria, der andere wahrscheinlich Jesus, auf dem Hinterdeckel lese ich 
noch ein ,paule* und ein „wolf“. Als Schutz und Zier der Buchdeckel 
sind je vier Messingecken angebracht worden— eine davon fehlt — und je eine 
Buckel auf dem Vorder- und Hinterdeckel. Die Riemen der beiden Schließen 
fehlen. Die Messingecken sind ebenfalls in gotischen Formen gehalten, 
sie weisen die am Schlusse nicht vollständig ausgeprägte Inschrift ,O mater 
Dei miserere mei“ auf, die Messingplättchen der Schließen auf dem Vorder- 
deckel enthalten den Spruch „S. Maria ora pro“, auf dem Hinterdeckel 
ein „Ave.“ Der Einband, der leider mehrfach beschädigt und beschmutzt 
ist, hat infolge der guten Auswahl und Anordnung seiner Pressungen 
ehemals gewiß einen stilvollen Eindruck gemacht. 

Nach einer Eintragung auf der Innenseite des Vorderdeckels gehörte 
das Missale im Jahre 1477 dem Pfarrer Jakob Gerold in Knittelfeld, 
der in dem genannten Jahre in den Besitz der Pfarre St. Johannes des 
Täufers in Knittelfeld gelangt war. 

Im Jahre 1481 schenkte er es dieser Kirche zugleich mit einem 
Kelche, wie eine zweite ebenfalls von seiner Hand herrührende Eintragung 
an derselben Stelle besagt. Wie die Handschrift in den Besitz der Grazer 
Universitäts-Bibliothek gelangte, läßt sich mit ziemlicher Sicherheit fest- 
stellen. Sie ist jedenfalls zu einer Zeit, da man sich nicht mehr eines ge- 
schriebenen, sondern eines gedruckten Missales bediente, von Knittelfeld 
in das Augustiner-Chorherren-Stift Seckau gekommen, denn die Stadtpfarre 
in Knittelfeld war, wie wenigstens Sonntag angibt, mit Seckauer Chor- 
herren besetzt.) Daf Gerold selbst auch Chorherr war, ist freilich nicht 
ganz sicher erwiesen, aber auch nicht unwahrscheinlich. Er hat 1480 als 


5) Vgl. J. V. Sonntag, Knittelfeld in Obersteiermark. Grätz, 1844, S. 22 
bis 28, | | 


1* 


testis an der Wahl des Propstes Dürrnberger teilgenommen.®) Nachdem 
das Stift Seckan am 13. März 1782 aufgehoben worden war,’ gelangte 
das Missale mit anderen Seckauer Handschriften in die Grazer Universitäts- 
Bibliothek. Man kann vielleicht auch daraus, daß der Seckauer Chorherr 
Matthias Ferdinand -Gauster in der ersten Halfte des 18. Jahrhunderts in 
seinem Werke „Praesulatus Seccoviensis* eine Stelle aus dem Geroldschen 
Missale anführt’), schließen, daß sich die Handschrift damals bereits in 
Seckau befand. Jakob Gerold war ein gelehrter Mann, er bezeichnet sich in 
der oben zuerst genannten Eintragung selbst als artium iurisque pontificii 
doctor. In den Achtzigerjahren des 15. Jahrhunderts war er Rektor der 
Juristen in Padua,?) hier wurde er auch am 26. Mai 1488 zum Doktor 
des kanonischen Rechtes promoviert und zuletzt erscheint er dann bei einem 
Prüfungsakt am 28. Juni 1488 (Serie Diversorum im bischóflichen Archiv 
zu Padua, Bd. 1487—99, fol. 9, 15, 78, 82, 87^. Am 14. Dezember 
1491 zeichnete sich Dr. Jakob Gerold in der Anima zu Rem ein. Im 
Jahre 1492 ist er bereits Caesareae Maiestatis capellanus, muf aber, 
wie die unten wiedergegebene Eintragung lehrt, später wieder nach Knittel- 
feld zurückgekommen sein. Daß er sich, freilich in etwas schulmeister- 
licher Art, der Gelehrsamkeit ergab, wird auch die Form der eben erwähnten 
Eintragung zeigen. Gerolds Studienaufenthalt in Padua veranlaßt uns, ihn zu 
den steirischen Humanisten zu zählen. In seinem lateinischen Stil kommt 
der Humanismus allerdings nicht zum Durchbruch, nur der Ausdruck 
flaminia domus für Pfarrhaus, den er öfters anwendet, hat klassisches 
Gepräge. 

Die Eintragung Gerolds (Bl. 2 a) lautet: 

In Stiria prope Campu[m] Quercuu[m] t°) fuit antiquit[us] Magna 
urbs nomi[(n]e Metallina a paganis possessa et demu[m] destructa et 


6) Siehe auch weiter unten. — P. R. Wenger in Seckau ist der Ansicht, 
daB Gerold nicht Chorherr war. 

7T) Adam Wolf, Die Aufhebung der Klöster in Iunerüsterreich 1782— 1790. 
Wien, 1871, S. 70. ` 

8) Vgl. Sonntag a. a. O. S. 32—33, 56—57. 

9) Nicht Rektor des Gymnasiums in Passau, wie Sonntag a. a. O. S. 41 
meint. — Ich bin dem Bibliothekar des Benediktiner-Stiftes Seckau, Herrn P. 
kafael Wenger zu besonderem Danke verpflichtet für verschiedene Nachforschungen, 
die er für mich über die Persönlichkeit Gerolds in Seckau angestellt hat. Ebenso 
danke ich Herrn Hofrat Professor Dr. A. Luschin von Ebengreuth in Grag für 
wertvolle Aufschlüsse. Die Aktenstücke, die Luschin für die vorliegende Arbeit 
zur Verfügung gestellt hat (siehe Anhang), erhellen in erfreulicher Weise den 
Lebenslauf Gerolds. 

10) Das Eichfeld zwischen Knittelfeld und Judenburg. 


— 57 — 


rema[n]sit oppidulu[m] g[uo]d postea dictu[m] est Campodium, Vulgariter 
bacul[us] ca[m]pus [ve]l Cnitelfeldum. Et illa urbs Metallina dicebatur, 
Quia diversa metalla circeu[m]quaq[ue] in mo[n]tib[us] fodiebantur et reperie- 
bant[ur], unde metallienses no[m]i[n]abantur: q[uo]d olim viguit hic ars 
metallica: ideo metallina quasi fecunda metallo, Campodiu[m] vero dicit[ur] 
a camp[us], q[uo]d est planicies terraru[m] et a podiu[m] podij, id est 
fustis [ve]l bacul[us] ad verberandu[m]. Et ille popul[us] olim hostes ex 
hoo campo fustigaverant[!] Ideo hoc oppidulu[m] [con]servatu[m] fuerat 
fustib[us] [ve]l podiis, unde hodie deno[m]i[n]at[i]o[nem] istam tenet, 
vulgariter Cnitelfeldum. Et in signu[m] victori[(a]e a pri[n]eipib[us] obti- 
nuer[unjt Arma triu[m] fustium in rubeo clippeo [!], unde etia[m] dici 
possunt fustigarienses a fustigarius, q[uo]d est, qui fuste[m] gerit, Et quia 
ipsi in eoru[m] vexillis et Clipeis fustes gerunt. Inde Campodius.a, um., 
Ca[m]podicus ca. cu[m]. et Campodiensis se. gon nn - lu[m] 
diminutiva. 


In hoc oppido Campodiensi Arcus ferrei, Balist[a]e[que] primit[us] 
tot[a]e ferre[a]e inventi sunt, cum eoru[m] usu, Anno ab Incarnatione 
dom[in]i Supra Millesimu[m], SE Sexagesimu[m] sana: 
Nonis mens[is] Maii. 


Mura fluvi[us], Inde Muraries ei. talis Regio iuxta mura[m] fluvium, 
q[uo]d vulgo dicit(ur] muerpoden Inde Murarianus na. nu[m] aliq[ui]e 
[vell aliqua] [ve]l aliq(ui]d habita[n]s in tali regione. 'Muravus !!) alter 
fluvi[us] fluens in mura[m] iuxta brusium !?), Supra Mura[m], unde In 
valle muravi, Vulgarit[er] Im muertztal, ubi oppidulu[m] pluverbere[ns]e !?) 
et ille Bohemi fustigati et interfecti fuerut [!] Anno quo Serenissim[us] 
Romanoru[m] Imperator foederic[us] tertius Rom[a]e fuerat etc. 

Anno Nativitat[is] Christi 1. 4. 8. 0 In die S[an]et[a]e affr[a]e 
m[arty]rs 2* f[eria] ante festu[m] S. laurentii ferocissimi Turci In Campo 
Quercuu[m] quattuor dieb[us] fuer[un]t Et murariem Regionem devastarunt 
Et murariano[rum] populu[m] miserabiliter abduxeru[n]t ete. 

Anno Nativitatis Christi !!) 1. 5. 1 0. ipsa domi[ni]ca p[ost] floriani 
m[arty]ris hoc oppidu[m]. Campodiense igne quattuor horis ante ortu[m] 
solis devastatu[m] est etc. 

Damit enden die historisch-, geographisch-, grammatikalischen Ein- 


tragungen Gerolds. 


11) März. 

13) Bruck a. d. Mur. 

1%) Eine auffällige Bezeichnung für Mürzzuschlag. 
4) [Im Text die bekannte Abkürzung. 


Ge VE em 


Auf der Rückseite des zweiten Blattes hat Gerold später noch ver- 
schiedene Bestimmungen über die Abhaltung von Exequien eingetragen, 
wobei besonders auch der Mitglieder der Familie Gerold gedacht wird. 
Er unterschreibt sich: Ego p[rae]fat[us] Jacob[us] Jerold[us] doctor. 
Auch im Kalendarium und in späteren Eintragungen am Schlusse der 
Handschrift werden Jakob Gerold und andere Glieder seiner Familie erwühnt. 

Die Gelehrsamkeit, mit der sich Gerold bemüht, die Etymologie des 
Namens Knittelfeld festzustellen, wandelt freilich nicht auf fruchtbarem 
Boden. Seit der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erscheint der Ort 
urkundlich bereits als Chnvteluelde 15). Wahrscheinlich rührt die Namen- 
gebung davon her, daß man aus Pfählen (Knütteln) eine Schutzwehr gegen 
Wassergefahr errichtete. Die bei Knittelfeld lokalisierte Sage von einem 
See-Ungeheuer scheint darauf hinzudeuten. Bei der Erklärung von Orts- 
namen ist allerdings — wie bekannt — Vorsicht sehr am Platze. 

Neben den historisch-topographischen Angaben, die freilich fast nur 
insofern Wert haben, als sie die Kenntnisse eines gelehrten Pfarrers jener 
Zeit auf diesem Gebiete beleuchten, verdient die Bemerkung über die Eisen- 
industrie in Knittelfeld Beachtung. 


Ein Ereignis, das vorher und nachher sich oft wiederholend das Land 
in Not und die Gemüter in Aufregung versetzte, hat auch im Missale 
Gerolds Eingang gefunden, der Türkeneinfall vom Jahre 1480. Gerold schildert 
ihn nur mit wenigen Worten. Aber die Klagen über die entsetzliche Türkennot 
dieses Jahres kehren häufig wieder !®). Auch der in diesem Jahre zum 
Propst und Archidiakon erwählte Johannes Dürrnberger (Durrenperger) im 
Seckau gedenkt in seinen Eintragungen in ein kleines Breviarium (Man. I. 
1656, Bl. 300 b) der Türkengreuel am St.-Afra-Tage (7. August) 1480 !?). 
Man fühlte sich kirchlicherseits veranlaßt, auch beim Meßopfer Abhilfe 
gegen die Türkengefahr zu erflehen und so ist z. B. in drei Missalien 
nachträglich die „Missa contra turcos“ oder, wie ein andermal die Über- 
schrift lautet, die ,Collecta contra paganos et turcos“ aufgenommen worden. 
Ihr Wortlaut im 15. Jabrhundert ist folgender: Omnipotens sempiterne 
deus, in, cuius manu sunt omnium potestates et omnium iura regnorum, 
respice in auxilium christianorum, ut gentes (paganorum et) turcorum, quae 
in sua ferocitate confidunt, dexterae tuae potentia conterantur. 





13) Joseph von Zahn, Ortsnamenbuch der Steiermaik im Mittelalter. Wien, 
1393, S. 102. 

16) Vgl. Franz liwof, Die Einfälle der Osmanen in die Steiermark, in den 
Mitteilungen des histor. Vereines für Steiermark. 10. Heft. Graz, 1861, S. 252—258. 

1) Vgl. J. Loserth, Kleine steiermärkische Nekroiogien, in den Beiträgen 
zur Kunde steierm. Geschichtsquellen. 26. Jg., Graz, 1894, S. 12. 


u BO un 


Secreta. 


Sacrificium domine, quod immolamus, intende, ut propugnatores tuos 
ab omni exuas (paganorum et) turcorum nequitia et in tuae protectionis 
securitate constituas. 


Complenda. 


Protector noster aspice deus et propugnatores tuos a (paganorum et) 
turcorum defende periculis, ut ab omnibus perturbationibus semoti liberis 
tibi mentibus serviant !*). 

Der Wortlaut stimmt in den drei Handschriften bis auf einige un- 
bedeutende Abweichungen überein. Am wichtigsten darunter ist, daß III. 112 
und III. 716 vor turcorum noch paganornm einschieben. In der letzten 
Zeile setzen die beiden genannten Handschriften statt semoti ein securi. 

Wie nun die in den Missalien enthaltenen, oft nur kurzen und scheinbar 
nebensächlichen Eintragungen im Zusammenhalt mit anderen Nachrichten 
für die Kirchen- wie für die Profangeschichte inanchmal ganz hervorragende 
Bedeutung gewinnen, so bietet uns die Ausstattung, wie sie sich in den 
Miniaturen und Einbänden zeigt, ein anschauliches Bild von dem Geschmack 
der Verfertiger oder Besitzer. Kunst und Kunsthandwerk sind, soweit es 
sich um liturgische Bücher handelt, gerade am Missale und Antiphonarium 
besonders tátig. |j 

Das Geroldsche Missale enthält nun eine besonders große Anzahl 
von Miniaturen mit Randarabesken. In der Art ihrer Ausführung bieten 
sie nichts, was vom Typus der süddeutsch-österreichischen Malerei dieser 
Art abwiche. Stilisierte Akanthus-Blätter und Blüten mit kräftigen Kolben 
sind in Deckfarben auf den Blatträndern aufgetragen. Zwischen diesem 
Rankenwerk, das im ganzen einen gefälligen Eindruck macht, glänzen 
zerstreut die typischen goldenen Punkte. In das Rankenwerk auf Bl. 9a, wo 
der eigentliche Text des Missales beginnt, sind Brustbilder von Propheten 
und Vögel, in das Rankenwerk auf Bl. 1802, wo der Kanon anhebt, die 
Brustbilder musizierender Engel, Vógel und von einem Hunde gehetztes 
Wild eingemalt. Die Figuren in den Initialen weisen ein gewisses Formen- 
verständnis auf, wenn man davon absieht, daß die Köpfe hie und da etwas 
zu grof geraten sind. Von besonderer Bedeutung sind jedoch die beiden 
ganzseitigen Bilder, die das Missale enthält, das Widmungsbild (Bl. 1a) 
und das Kanonbild (Bl. 179b), namentlich das letztere stellt eine in den 
goldenen Hintergrund gut hineinkomponierte Kreuzigungsszene dar: neben 
Christus die beiden Schächer, links unter dem Kreuze Maria und Johannes, 


15) Man. IIT. 364, letzte Seite, Mau. III. 112, letzte Seite, Man. III. 716, 
Bl. 2b. In der Handschrift 11. 785 sind uur die pagani erwähnt (Dl. 1b). 


= 60 — 


rechts zwei Kriegsknechte, von denen der eine mit der rechten Hand auf 
den gekreuzigten Christus zeigt. Der das Bild zunächst einschließende blaue 
Rand enthält in den Ecken die Medaillonbilder von David, Salomo, Isaias 
und Daniel. Dem Maler, der dieses Bild geschaffen hat, ist Talent nicht 
abzusprechen. Es ist ihm nur weniges miflungen, so vor allem der rechte 
Fuß des Johannes. Nicht so ganz auf derselben Höhe steht das Widmungs- 
bild, wenn man auch die Gestalt des knieenden Jünglings mit dem aus- 
drucksvollen, andächtigen Gesicht als sehr gelungen bezeichnen muß. Weniger 
gut ist die die Mitte des Bildes einnehmende Madonna mit dem Christus- 
kind geraten. Über ihr schweben zwei Engel, die die Krone halten. In den 
Medaillons der Randeinfassung befinden sich die Symbole der vier Evan- 
gelisten. Das Widmungsbild liegt der Handschrift jetzt lose bei, es scheint 
überhaupt niemals in einem festen Zusammenhange mit ihr gewesen zu sein. 
Die Löcher in den vier Rändern zeigen, daß es einmal angenagelt und 
außerdem an den Rändern überklebt war, es scheint also neben dem Missale 
aufgehängt gewesen zu sein. Das Bild hat infolgedessen auch an einigen 
Stellen gelitten. 

In ähnlichem Stile wie die Handschrift III. 74 aber weniger reich 
sind noch einige andere Missalien mit Miniaturen geschmückt, so III. 109, 
IIT. 112, III. 131, IIT. 147, IIT. 364. Unter diesen móchte ich zunächst 
die bereits oben erwähnte Handschrift III. 112 herausgreifen, weil hier der 
Maler von der überlieferten Form der stilisierten Arabesken abweicht 
und den Weg zur Natur sucht. Zwar sind auch hier die alten Formen der 
Randverzierung noch nicht ganz geschwunden, aber in den Arabesken auf 
Bl. 1a, 11b, 96 b, 114a, 141a, 233a '9), besonders auf Bl. 11 b (Wein- 
ranken mit Blättern und kleinen blauen und grünen Trauben), 114 a (Rosen- 
zweig mit blühenden roten Rosen), Bl. 141a (Eichenzweig mit Eicheln) 
bricht das Naturgefühl des Miniators durch, das ihn veranlaßt, die stili- 
sierte Arabeske in eine solche von naturgetreuer Form übergehen zu lassen. 
Auch Tiere hat er sich genauer angesehen. Der ziemlich groß geratene 
Pfau auf Bl. 1a macht den Eindruck, daß er vom Maler in der Natur 
wirklich gesehen wurde. Wir haben in diesem kleinen Meister der Malkunst 
entschieden einen Realisten vor uns. Übrigens haben die alten Miniatoren 
in mancher sich forterbenden Darstellungsart bereits in ausgesprochener 
Weise dem Naturalismus gehuldigt, so z. B. bei der Himmelfahrt Christi. 
Da sind in der Regel auf dem kleinen Hügel, von dem aus der Heiland 
eben aufgestiegen ist, die Fußabdrücke noch deutlich sichtbar. Unser Realist 
hat sich auch an diese Darstellung gehalten, aber das Bild sehr vereinfacht. 


19) Alte Zählung der Handschrift, 


xs. SÉ 2s 


Es ist nur der Körper Christi von den Knien abwärts sichtbar. Die Zu- 
schauer fehlen (Bl. 110 b). Im Geroldschen Missale sind (Bl. 145 b) noch 
zwei knieende Personen dazu gemalt. Ein Kanonbild ist im Missale III. 112 
leider nicht vorhanden, auch der Anfang des Kanontextes fehlt. Sehr gut 
erhalten ist der braune Ledereinband mit seinen Renaissance-Pressungen, 
nur das Gold hat fast ganz nachgedunkelt. Eine der Zierleisten enthält 
kleine, aber außerordentlich feine Medaillonköpfe. Woher die Handschrift 
stammt, konnte ich noch nicht feststellen. 


Das Missale III. 864 wejst nur wenige Miniaturen auf. Unter diesen 
erscheint miram beachtenswertesten das Auferstehungsbild (Bl. 165 a). Der aus 
dem Sarkophag heraustretende Christus berührt mit seinem rechten Fuße einen 
in voller mittelalterlicher Rüstung daliegenden schlafenden Krieger. Diese 
liegende Figur erinnert an die Minnesänger-Handschriften. Das Missale ist 
aber in einer anderen Hinsicht von besonderem Werte. Die Verzierungen 
des braunen, gut erhaltenen Ledereinbandes sind nämlich nicht durch 
Pressungen, sondern in der sehr seltenen Technik des Lederschnittes 
hergestellt. Loubier kennt nur „sieben Stücke aus dem 14. Jahrhundert 
und etwa 25 aus dem 15. Jahrhundert“ 2°). Auf dem Vorderdeckel unseres 
Einbandes sind im Mittelfeld zwei kreuzförmige Figuren eingeschnitten. 
Ringsherum läuft ein breites Spruchband mit der Inschrift Anno domini 
millesimo cccc quinquagesimo, das letzte Wort abgekürzt. Wir kennen also 
genau das Jahr der Herstellung des Einbandes (1450). Auf der Rückseite 
scheint der Bearbeiter des Leders im Mittelfelde Bilder eingeschnitten zu 
haben. Wenigstens habe ich den Eindruck, daß unten zwei nebeneinander 
stehende menschliche Figuren, oben ein Engel in den allereinfachsten Um- 
rissen dargestellt sind. Das ringsum laufende Spruchband enthält die In- 
schrift: Hainricus Abbas. Die Herkunft der Handschrift ist nicht bekannt, 
doch wird sich mit Hilfe der Angaben auf dem Einbande wohl einmal 
etwas Genaueres ermitteln lassen. 


Das Missale III. 147 erwähne ich hauptsächlich deshalb, weil es die 
Miniaturen und Arabesken in ihrer Entstehung zeigt. Sie wurden zuerst 
mit braunem Stift, dann mit Tinte vorgezeichnet. Wo der Maler Gold auf- 
zutragen beabsichtigt, legt er erst den Grund mit einer Art Indischrot an. 
Die wirklich ausgeführten Malereien weisen nichts besonders Bemerkens- 
wertes auf. Sehr gut ist der braune Ledereinband erhalten. Er macht nur 
den Eindruck des Überladenen dadurch, daß in drei ringsherum laufenden 
Zierleisten zu viele Brustbilder von Heiligen, darunter die der Evangelisten, 


?0) Jean Loubier, Der Bucheinband in alter und neuer Zeit (= Monographien 
des Kunstgewerbes, hg. von J. L. Sponsel, 10), Berlin und Leipzig, o. J., S. 61- 


e, 89. cun 


eingeprügt sind. Bei den Brustbildern sind Über- oder Unterschriften an- 
gebracht, teils sind es Namen, teils kurze Sprüche wie z. B.: Tu es Petrus, 
Ecce agnus Dei. Die innerste der drei Zierleisten zeigt Fides, Spes und 
Caritas in ganzer Gestalt, die letzte mit zwei Kindern. Ein besonders fein 
veranlagter Künstler ist derjenige nicht gewesen, der die allegorischen 


Figuren geschaffen hat, es sind recht derbe Gestalten mit unschönen 
Gesichtern. 


Die Missalien III. 109 und III. 131 bieten in ihrer Ausschmückung, 
die sich ohnedies in engeren Grenzen hält, nichts Hervorragendes. Beide 
Handschriften sind übrigens im Laufe der Zeit etwas mitgenommen worden. 
Bei beiden ist der Lederüberzug des Einbandes abgetrennt, in III. 131 
sind verschiedene Initialen herausgeschnitten. Das Missale III. 131 wurde 
im Jahre 1482 um zehn ungarische Goldgulden gekauft. Wir besitzen über 
den Preis der Bücher im 15. Jahrhundert bis jetzt nur vereinzelte An- 
gaben, die einmal zusammengefaßt und systematisch verarbeitet werden 
müssen. Ich erwähne daher noch, daß ein Missale kleineren Formates 
(27:5 : 19 em) mit nur wenigen Randarabesken und einfachem Ledereinband 
im Jahre 1483 für St. Lambrecht um 14 Dukaten gekauft wurde (Man. IT. 299). 


Ein Miniator anderen Schlages tritt uns in dem Missale IIT. 716 
entgegen. Ihm ist eine viel zartere Farbengebung eigen, während die früher 
angeführten die Deckfarben ziemlich kräftig auftrugen. Die Formen des 
menschlichen Körpers beherrscht er zwar noch nicht ganz, das zeigt sich 
namentlich in der Geißelungsszene am Beginne des Kanons, aber er hat in 
den wenigen Miniaturen, die er gemalt hat, außergewöhnlich feine Köpfe 
angebracht. Besonders ist ihm auf Bl. 6a die Vereinigung zwischen eigent- 
licher Miniatur und Arabeske gelungen. In der Initiale betet Maria vor 
dem in einem Korbe liegenden Christuskinde. Unten in der Arabeske kniet 
ein Hirt, zur Initiale aufblickend, links neben ihm schwebt ein Engel, der 
mit der rechten Hand nach oben deutet, in der linken ein Spruchband hält. 
Es liegt hier ein sehr gelungenes Beispiel von Texterläuterung durch Bilder- 
schmuck vor. In den braunen Ledereinband dieser Handschrift sind zahl- 
reiche Medaillonstempel eingepreßt, deren einstige Vergoldung fast ganz 
geschwunden ist. 


Aus dem Handschriftenschatze der Grazer Universitäts-Bibliotbek wird 
sich noch mancher lehrreiche Beitrag zur Geschichte zunächst des steirischen 
Buchwesens, dann überhaupt zur Kulturgeschichte schöpfen lassen. Die 
vorliegenden Mitteilungen haben nur einiges aus weniger beachteten Hand- 
schriften herausgegriffen. 


Graz. Ferdinand Eichler. 


M M 


Anhang. !) 
1484, 12. Dezember, Padua. 

Reverendissimo in Christo patri ac domino domino Johanni, dignis» 
simo preposito Seccoviensi, domino meo singulari ac precipuo. 

Jesus. — Non negligentia neque oblivione gratie vestre factum fuisse 
credat amplitudo vestra reverendissime pater, quod tam diu officium meum 
distuli in hiis scribendis literis in eaque ex debito meo visitanda non enim 
fieri posset, ut quem mihi potissimum dominum elegerim ulla unquam deleret 
oblivio, sed potius assiduo impeditus studio quod me quandoque respirare 
non sinit fideliumque nuntiorum penuria qui istuc se conferant effectum 
est, ut ego aliquantulum negligens apparuerim. Cum autem fratris mei 
famulus ad me diebus istis contulerit, quem et fidum existimo nuntium, 
statui per enum presentes literas ad Reverendissimam gratiam mittere, quibus 
aliquantulum offitio meo satisfecisse videar, et in primis amplitudini vestre 
me vicariumque meum ecclesiam quoque ipsam necnon et totam familiam 
iantum commendem, quantum servitus nostra in gratiam vestram benignis- 
simam expostulat et requirit. Et ne forte Reverendissima gratia vestra 
admirationem caperet, quod ego tam diu hoc in gymnasio Patavino moratus 
fuerim, cum precipue propter excommunicationem quae adhuc retinetur in 
Venetos eorumque subditos?) maximum esset nobis periculum, qui sine ipsorum 
conversatione studere non possumus, sciat amplitudo vestra, me in principio 
studio[!] mei literas appostolicas impetrasse ex quibus mihi venia conceditur, 
cum populis istis morandi atque conversationem habendi sine aliquo periculo 
censure vel excommunicationis, quas per famulum fratris mei ad gratiam 
vestram transmitto, ut omnem a se su[s]picionem removeat si qua forte de 
me incidisset, et quia ut amplitudo vestra videbit in ipsarum fine continetur, 
quod si ego requisivero he litere coram populo publicentur, hoc iudicium 
relinquo benignissime gratiae vestre, quae si fortassis viderit necessarium 
fore pro populi satisfactione eas publicari faciat, sin autem remittat, ego enim 


') Die Abschriften der hier abgedruckten Aktenstücke siad von Herrn 
Hofrat Prof. Dr. Arnold’ Luschin v. Ebengreuth augefertigt und mir zur Ver: 
öffentlichung überlassen worden. Sie werfen in ımannigfacher Hinsicht Licht auf 
den ehemaligen Besitzer des oben beschriebenen Missales III. 74. Das L am 
Schlusse einer Anmerkung bedeutet, daß sie von Luschin herrührt. Im Text der 
Urkunden sind. die Abkürzungen aufgelöst, Schreibnng und Satzzeichen etwas 
geregelt worden. Dem ‚steiermärkischen Landesarchiv gebührt für seine Hilfs- 
bereitschaft ein Wort herzlichen Dankes. 

2, Am 27. Mai 1483 verhängte Papst Sixtus IV. die Exkommunikation über 
Venedig, Padua u. s. w., weil die Republik nicht vom Kriege. gegen Ferrara 
&blassen wollte. Der Widerruf dieser Exkommunikation erfolgte erst am 2. Mürz 
1485. Capelletti, Storia di Padova. 1875, Il. S. 43 f. L. 


— 64 — 


omnem provinciam istam ad Reverendissimam amplitudinem vestram defero, 
cui omnia mea egoque in primis ipse dicatus sum. Nec me penitebit pater 
amplissime, cum benignissime gratie vestre iam a primis annis servus dicatus 
fuerim, illud ab humanissimo domino meo maiori cum fiducia postulare, quod 
mihi omnium gratissimum, maximeque necessarium est, ut scilicet una cum 
Reverendo Decano et capitulo suo registrum meum, quod nuper gratie vestre 
reliqueram, ipsa vestra amplitudo expedire dignetur, ut quietiori animo 
studio meo deinceps vacare possim. Ego enim ante discessum meum hoc 
vicario meo et notario civitatis commisseram[!], ut coram amp[l]itudine vestra. 
tale negotium erpediendum curarent. Hoc igitur a benignissima gratia vestra 
suppliciter fieri peto, cui ac Reverendo decano huicque venerabili capitulo 
me in primis ipsum vicariumque meum, ecclesiam familiam omniaque bona 
mea trado, dedo, summopereque commendo. Ex gymnasio Patavino 12. die 
Decembris anno domini MCCCCLXXXIITI. | | 
Jacobus Gerolt, plebanus ecclesiae S. Johannis decollati in Chnntelfeld. 
Orig. Pap. im steierm. Landesarchiv zu Graz, Nr. 8000. 


1488, 4. Jänner, Padua. 


Reverendo patri ac domino domino Joanni dignissimo praeposito 
Seecoviensi domino meo singulari. 


Jesus. 

Reverendissime pater ac domine, domine mi precipue et singularis. 
Cum impresentiarum frater meus Valentinus se Venetias contulisset, statui 
per eum et officio meo praetermisso satisfacere, et in rebus mihi neces- 
sariis ad domini mei auxilium confugere. Primum igitur vestram gratiam 
tanquam bonus et fidelis servus cum summa humilitate saluto, quam deum 
exoro ui diu faustam servet atque foelicem. Deinde quia propter maiorem 
utilitatem ecclesie mee deliberavi vel istum vicarium confirmare cum aliis 
tantum pactis et condicionibus, vel alium novum instituere, super qua re 
omnem in temporalibus fratri meo Valentino °) auctoritatem dedi et vellem, 
quod vestra gratia dignaretur illi vobis presentando omnem auctoritatem 
meo nomine etiam in spiritualibus tradere illam exoro, ut hoc ex sua huma- 
nitate facere dignetur eum pro hac re frater meus predictus vel eius nuncius 
venerit. Et quia ut scit vestra gracia tam propter Turcarum incursionem, 
quam etiam propter bella regis Ungarie res nostre semper in peius dila- 
buntur, nec scio quando hec tempora sint futura meliora, nisi dei bonitas 
provideat, ita quod etiam me existente in patria multi coloni mei erant 


3) Jos. Andr. Janisch erwähnt in seinem Topographisch-statist. Lexikon von 
Steiermark, 1 Bd. Graz, 1878, S. 751, daß er im Jahre 1490 Stadtrichter von 
Knittelfeld war. | 


ii SE. ees 


adeo depauperati, quod non poterant ullo pacto census meos reddere: pro 
illis capellanis detinendis, ad quos obligatus eram. Non tamen propter hoc 
destiti, quod etiam usque in presentem diem cum propriis facultatibus meis 
non satisfecerim ubi opus erat, ut tales capellani detinerentur. Sed cum 
nuper ex litteris vicarii mei intellexerim, quod res quottidie peius se habent, 
ita quod multi coloni mei sunt adeo destructi, quod non possunt non solum 
aliquem censum exhibere, sed etiam nisi bella cessaverint, deliberant a pos- 
sessionibus discedere, nescio quid amplius facturus sim. Quapropter scripsi 
super hac re ad cives meos me excusando cum eis, quod amplius non 
possum iot capellanos detinere, unde rogavi eos, ut vellent alterum istorum 
facere: aut dare aliquod subsidium, aut in hoc esse contenti, quod capel- 
lanus ill qui missam legit in charnario satisfaciat etiam pro missa legenda 
in ecclesia S. Joannis in campo, dividendo tales celebrationes missarum 
in duas partes per ebdomadam, cum precipue ex dicta ecclesia S. Joannis 
in campo nullam penitus utilitatem  percipiam et hoc velint assentire, 
quousque tempora efficiantur meliora, quia etiam, ut scit vestra gracia de 
iure iam divino quam humano cessantibus redditibus et censibus cessat 
etiam obligatio capellanorum, sed quia in instrumentis nostris, que inter prede- 
cessores meos et cives stipulata sunt continetur maxima poena contra pacta 
et conventiones illis facientibus et nollem quod isti cives de me conquere- 
rentur apud gratiam vestram, ideo prius volui me apud ipsam excusare, 
quia necessitas ut est in proverbio non habet legem, et non esset iustum 
quod cessantibus utilitatibus meis, propter quas ad talia pacta, que in 
instrumentis nostris continentur obligatus eram, ista etiam obligatio rema- 
neret, quia hoc essei conira proximi charitatem. Quapropter Rev"* pater 
si fortasse venirent cives isti ad conquerendum de me apud gratiam vestram, 
rogo illam ut cum equitate et iusticia dignetur mihi favere, hoc attento, 
quod non est penitus possibile quod stantibus sic rebus ego possim amplius 
tot capellanos sustinere, quia profecto necesse esset, ut infra paucum tempus 
totaliter destruerer. Me igitur totum vestre gratie reverendissime commendo 
tirado et dedo, tanquam minimum servum suum, cui etiam et ecclesiam 
ipsam una cum vicario meo ac omnibus sacerdotibus summopere commendo. 
Bene valeat Rev? gracia vestra, quam deus per longa tempora foelicem 
conservet. Ex gymnasio nostro Patavino die quarta Januarii MCCCCLXXX viij. 

Jacobus Geroldus Patavini Gymnasii iuristarum Rector, atque ecclesie 
S. Joannis decollati in opido Cnitelfeldo plebanus etc. 

Orig. Pap. im steierm. Landesarchiv. Das Schriftstück, eine litera 
clawsa, war durch Gerolds Petschaft verschlossen. Als solches diente eine 
achteckige rómische Gemme mit einem Jupiterkopf von der rechten Seite. 
. Im Felde zu beiden Seiten des Kopfes erscheinen die Anfangsbuchstaben 


uc 66, em 


des Besitzers I—G nachträglich eingegraben. Die Adresse Reverendo patri 
u. s. w. befindet sich auf der Außenseite des Briefes. | 


1492, 2. Oktober, Knittelfeld. 

Capitula concordie ac conventionis facta el confirmata per Reveren- 
dissimum dominum dominum Mathiam dignissimum episcopum Seccoviensem 
ac Reverendum dominum Joannem prepositum Seccoviensem inter ex- 
cellentem virum artium iuris pontificiique doctorem ac caesareae Maiestatis 
capellanum dominum Jacobum Geroldum, olim ecclesiae parrochialis Scti. 
Joannis decollati oppidi Cnitelfeldi eiusdem Seccoviensis diocesis Rectorem 
et honorandum virum, dominum Laurentium Zwikhel, dicte ecclesie plebanum 
super quibusdam suppellectilibus per prefatum dominum doctorem in flaminia 
domo seu dote predicte ecclesie relictis et edificio ipsius dotis ac quodam 
registro aliisque rebus prout hic inferius appareat. 

Primum scilicet: Cum prefatus dominus doctor Jacobus Geroldus 
nullum a predecessoribus suis super hiis rebus, que tam ad religionis cultum 
pertinent, quam ad eius humana regimina, conditum registrum reperiretur, 
immo omnia confuse ex quadam consuetudine fierent, ideo ipse dominus doctor 
conatus est ex omnibus tam autenticis literis, que super aliquibus posses- 
sionibus et fundis reperiebantur, quam ex autenticarum copiis, que hinc et 
inde sparsa et aliquantulum rubigine confecta fuerint omnem substanciam 
elicere, in unum registrum colligere, ut omnium rerum ecclesie parrochialis 
in oppido Cnitelfeldo nostre diocesis facilior noticia habeatur, ac secundum 
temporum vicissitudines necessaria requirentibus longe inquisitionis labor 
absit: curavit solerti vigilantia dignoscere, que possessiones aut agri ad 
hanc missam seu peractionem, queve ad illam pertinerent, ut sic omnibus 
prediis in suum locum redactis sciret dicte ecclesie plebanus, que ad unum 
sacrificium queve ad aliud attinerent, nec minus scirent omnes ministri 
ipsius eeclesie, quid agere deberent et quid ex suis actionibus sperare 
possent, cum unusquisque altari serviens ex eodem vivere debeat. Sicque 
supranominatus dominus doctor nullo unquam vel animi vel corporis labori, 
null vigilie nullis denique impensis parcere voluerit, dum annis exactis in 
regimine suo communem prefate ecclesie utilitatem  procuraret. Quod cum 
in aliis plerisque commoditatibus et emolumentis huic ecclesie parrochiali 
Sancti Joannis Baptiste in isto oppido Cnitelfeldensi sua cura paratis 
manifestum sit, in eo precipuo edificio pro flaminia domo vel dote, eidem 
templo largissime condonata manifestius apparet ac in ipso registro non 
sine magno labore sollertique lucubratione hinc inde dispersa totins predicte 
ecclesie actiones, fundos et privilegia tanquam firmissima ad expugnandos 
eius hostes certissimaque tela congeasit: que parüm quondam in temebris 
latentia et predecessorum suorum incuria partim deperdita multa sepána in 


communibus controversiis diete ecclesie damna tulere, proinde suis succes- 
soribus persuadere contendimus ac mandamus: quod predictum registrum 
ab ipso doctore compositum a suis successoribus quibuscunque inviolabiliter 
servetur, ita ut nunc illud registrum iubet per eos exequi curetur. 


Secundum est: Quod supranominatus dominus doctor Jacobus Geroldus 
de peculio suo ex hereditate parentum adveniente in edificium flaminie 
domus vel dotis ecclesie parrochialis in dicto oppido Cnitelfeldo maximam 
pecuniarum summam exposuerit, et hac ipsa de causa suppliciter petiit 
dignaremur sue familie Geroldorum de aliquibus pactionibus providere in 
dictarum pecuniarum exrpositarum aliquam recompensationem. Qua de re 
dicti domini doctoris petitionem honestam esse censentes, et quemadmodum 
Sibi ius et equitas ipsa requirit, ideo volumus et imperamus ordinaria 
auctoritate, ut eidem domino doctori et toti sue familie Gerolde omnes sui 
successores perpetuis temporibus annuatim quattuor mortuorum exequias seu 
peractiones perficere tenentur, videlicet singulo die lune post quamlibet 
dominicam quattuor tempora in predicta ecclesia parrochiali post vesperas 
vigilie mortuorum deinde dicte familie Gerolde sepulchri visitatio ante altare 
sancti Jacobi apostoli maioris ab eodem parente suo erectum, et deinde 
fiat per ecclesiam ipsam circuitus ante charnarium ubi defunctorum ossa 
conquiescunt, more solito concludendo ac altera die sequenti id est martis 
in dicto altari officium de animabus et eo officio finito iterum fiat dicti 
sepulchri visitatio ac circuitus per ipsam ecclesiam. Et sicut imprimis 
mortuorum exequiis ut supra notatum est factum erit, ita et in reliquis 
defunctorum memoria observari debeat: ut totius familie Geroldorum : ac 
omnium fidelium mortuorum animas clementissimus deus in perpetua pace 
disponat. Sed*) quod si festum solenne vel aliqua parrochianorum paractio 
seu alie mortuorum exequie in dicta die martis veniant, tunc predicte 
familie Gerolde mortuorum  exequie transferantur in competentem diem 
septimane precedentis vel sequentis: ad dicte ecclesie socii divinorum libitum, 
cui est precipua cura: et singulariter preceptum : que in hac ecclesia pera- 
genda et officianda sunt, ordinate fiant: ac omnia statuto tempore com- 
pleantur : huiusmodi enim mortuorum exequie de locis suis mutari non debent: 
nisi ut dictum est: cum aliquod festum seu paractio parrochianorum 
interveniat. Preterea dicta familia Gerolda ad mortilogium ibidem inscribi 


*) Ein Teil der hier folgenden Bestimmungen ist von Jakob Gerold selbst 
in das Missale III. 74 Bl. 2b eingetragen worden. Dabei werden Strafen für Ver- 
sáumnisse angesetzt. Gerold beruft sich auch auf ein ,Instrumentum", jedeníalls 
die hier abgedruckten ,Capitula concordiae". Offenbar hat Gerold darauf Gewicht 
gelegt, daß sein Andenken und das der Familie Gerold künftig gut in Ehren 
gehalten werde. 


— 68 — 


debeat et dum ex ipso mortilogio more solito pro animabus inscriptis finito 
sermone petitiones fiant; etiam omnium defunctorum ex familia Gerolde 
in genere memoria habeatur. Plebanus ?) vero predicte ecclesie obligatus 
erit solutiones faciendas singulis annis in festo sancti Georgii martyris pro 
dictis quattuor defunctorum exequiis, primo nanque dicto socio divinorum 
pro suo emolumento de predictis exequiis et mortilogio dare tenetur sexa- 
ginta denarios, secundo idem plebanus dare tenetur scholarum rectori quadra- 
ginta denarios, tertio campanatori etiam quadraginta denarios. 

Tertium est: ut omnia suppellectilia seu facultates ad rem domesticam 
pertinentes secundum inventarium earum rerum dominus Laurentius plebanus 
ibidem a dicto domino doctore suscipere debeat et secundum illarum rerum 
valorem et communem extimationem ei satisfacere. 

Quartum : Si fortasse contingeret : quod inter colonos sive cives aut 
alias personas alique transmutationes in possessionibus seu fundis idem 
dominus doctor tempore sui regiminis consensisset, vel consuetos agros in 
emphiteosim dedisset, unde ex tali vel consimili contractu prout solitum est 
fieri: pecunia aliqua eidem domino doctori vel eius vicario advenisset: et 
nondum ei satisfactum fuisset; quod tunc ipsi coloni seu predicte persone 
teneantur prefato domino doctori talem pecuniam dare: necnon census prebere 
ei: siqui in hunc diem extarent, ac idem dominus doctor tales transmutationes 
et legittimos contractus: quos in regimine suo contraxerit pro dicte ecclesie 
utilitate et ille cause per instrumenta seu litteras consuetas per eum ex- 
pedite non essent: in eo casu adhuc infra annum ad peragendum auctori- 
tatem habere debeat et tales litteras super dictis causis conficere et sigillo 
suo munire possit ac omnia illa agere et pertractare usque ad finem tam 
per se ipsum si adesse potuerit, quam per alias fideles et honestas personas 
ab ipso domino doctore si opus fuerit eligendas. 

Quintum: ut prenominatus dominus Laurentius plebanus prefati domini 
doctoris successor cum omni diligentia provideat, ut sepenominatus doctor 
suas pecunias tam de censu quem ipse a dictis colonis propter eorum 
depauperationem exactis aunis exigere non potuit, quam aliis creditoribus 
habere possit. 

Sextum: quod in dicta dote illa habitatio quam idem dominus doctor 
Jacobus dedit capellano altaris Sancti Jacobi apostoli maioris, in predicta 
ecclesia parrochiali ab eodem parente suo fundato, sit semper ad eius 
libitum: itaque ab eo capellano fundationis familie Gerolde aliquo 9) 


5) Die hier folgende Bestimmung erscheint ihrem Inhalte nach in den 
deutschen Eintragungen über die Gedächtnistage der Pfarre Knittelfeld im 
Missale III. 74, Bl. 359 a, b. 

6) Wohl „nullo*. L. 


us E, Ae 


pacto per dictum dominum Laurentium plebanum nee suos successores 
abduci possit sed perpetuis temporibus secundum arbitrium dicte familie 
capellani sibi pro reservatione rerum suarum reservetur, ac in ipsa habi- 
tatione ad vota sua secundum tenorem literarum a prenominato domino 
doctore Jacobo Geroldo emanatarum talis capellanus remanere ac inha- 
bitare possit. 

Postremum $i preterea fortasse eveniret, quod prefatus dominus doctor 
Jacobus ad perpetuam rei memoriam in edificium flaminie domus seu dotis 
predicte ecclesie ab eodem domino doctore factum arma sua locare vellet, 
tunc dignentur ei omnes sui successores pro hae re: et (in) his que 
commodum et honorem suum concernunt omne auxilium (et liben) tissi- 
mum fauorem exhibere. 

Omnia et singula capitula prenominati doctor Jacobus et Laurentius 
Zwickhel?) laudaverunt et comprobaverunt et maxime dictus Laurentius 
plebanus pro se et suis successoribus de omnibus et singulis supradictis 
capitulis obligavit etc. presentibus honorabilibus sacerdotibus Christanno 
Slaffer dicte ecclesie parrochialis vicario et Joanne Hartt, capelle sancte 
Katherine ibidem capellano: ac Ruperto Polchinger notario publico ad 
premissa vocatis specialiter atque rogatis. Acta sunt hec in flaminia domo 
seu dote in dicto oppido Cnitelfeldo anno domini milesimo quadringentesimo 
nonagesimo secundo die secunda Octobris etc. 

Konzept, Papier im steiermärkischen Landesarchiv. Der Akt ist 
wohl von Jakob Gerold selbst geschrieben. 


Illuminierte Handschriften in Österreich. 


Publikationen des Institutes für österreichische Geschichts- 
forschung. Beschreibendes Verzeichnis der illuminierten 
Handschriften in Österreich. Herausgegeben von Franz Wickhoff 
I. Band. Die illuminierten Handschriften in Tirol, von Hermann Julius Hermann. 
II. Band. Die illuminierten Handschriften in Salzburg, von Hans Tietze. 

Es ist wohl nicht notwendig auszuführen, welche Bedeutung die 
Buchmalereien und Buchornamente für die Geschichte der Kunst besonders 
im Mittelalter besitzen. Von den Wandmalereien hat sich nur wenig erhalten 
und so sind wir gezwungen, ähnlich wie die Geschichte der griechischen 
Malerei aus den Vasenbildern, die Geschichte der mittelalterlichen Malerei 








7) Zwickel und Polchinger erscheinen auch in der Eintragung Gerolds im 
Missale III. 74, Bl. 2b. 


2 


— 70 — 


aus den Buchillustrationen zu rekonstruieren. Das hat man wohl lange schon 
eingesehen und Editionen von Miniaturen gehen weit zurück. Man ließ sich 
dabei jedoch weit mehr durch die prächtige Ausstattung der Kodizes be- 
stimmen, als durch deren historische Bedeutung; die Publikationen waren 
Salonwerke oder enthielten auch da, wo sie wissenschaftliche Zwecke ver- 
folgten, immer wieder Proben aus denselben paar Handschriften und bildeten so 
mit der korrespondierenden Forschung einen Circulus vitiosus. In den letzten 
Jahrzehnten sind freilich Untersuchungen entstanden, wie jene Oechelhausers, 
Goldschmidts, Vöges’, Swarzenskis und anderer, in welchen einzelne 
Forscher das für bestimmte Probleme vorhandene Material in möglichster 
Vollständigkeit zusammengetragen und untersucht haben, doch jeder, der 
mit einschlägigen Fragen je was zu tun hatte, weiß, mit welchen Mühselig- 
keiten und wie unvollkommen dies geschehen mußte. Schon das Zusammen- 
finden des Materials bot die größten Schwierigkeiten, man war nie einer 
auch nur annähernden Vollständigkeit sicher. Vorfragen, die bei Kenntnis 
des ganzen Denkmalbestandes überhaupt entfallen würden, mußten umständlich 
untersucht werden und alle Resultate waren nur provisorisch. Unter diesen 
Umständen konnten und können die allerwichtigsten Probleme der mittel- 
alterlichen Kunst, wie z. B. die Stilentwicklung der Malerei in der 
ronianischen Periode, oder die Entstehung der neuen illustrativen Zyklen 
im 12. und 13. Jahrhundert, oder die Anfänge der Gotik in der Malerei 
nicht einmal provisorisch gelöst werden. 

In der Publikation Wickhoffs sollen nun alle mit Bildern und. 
Ornamenten geschmückten Handschriften verzeichnet, alle darin enthaltenen 
Miniaturen beschrieben und alle wichtigeren davon abgebildet werden. Es 
ist nebensächlich, daß dies zunächst nur für Österreich geschehen soll, 
denn man kann mit Zuversicht hoffen, daB man, nachdem einmal die 
Durchführungsmöglichkeit gezeigt wurde, dieses Projekt bald auch anderswo 
verwirklichen wird.') Es soll also ein Korpus der gesamten Buchmalereien 
geschaffen werden, wie aus dem oben Gesagten ersichtlich ist, ein Unter- 
nehmen von der allergróften Bedeutung besonders für die Geschichte der 
inittelalterlichen Kunst, der dadurch eine ganz neue Grundlage ge- 
geben wird. Es ist Wickhoff gelungen, dieses so wichtige Projekt, ein neues 
glänzendes Zeugnis seiner stets auf das Wichtigste hinstrebenden wissenschaft- 
lichen lniition, in kurzer Zeit und mit äußerst geringen Mitteln zu ver- 
wirklichen. 

Mitglieder des Institutes für österreichische Geschichtsforschung sind 
in den Ferien in verschiedene Gebiete geschickt worden, wo sie nach der 


ı) So hat Bruck bereits ein Inventar der sächsischen illuminierten Hand- 
schrift veröffentlicht. 


s Y a 


ihnen erteilten Instruktion die Miniaturkodizes zu verzeichnen und zu be- 
schreiben hatten, mit Hilfe einer nicht sehr großen Ministerialsubvention 
sind dann die Arbeiten von einzelnen Mitarbeitern kontinuierlich fortgesetzt 
worden und heute nach zehn Jahren liegt das druckfertige Verzeichnis der 
in den Bibliotheken Wiens, Böhmens, Dalmatiens, der Küstenländer und 
Kärntens vor und dürften in rascher Folge gedruckt werden und zwei 
Bände sind bereits erschienen, welche die Miniaturenschätze von Tirol und 
von Salzburg enthalten. | 


In dem Tiroler Bande, der von Hermann Julius Hermann bear- 
beitet wurde, sind 275 illuminierte Handschriften aus den Bibliotheken in 
Ambras, Bozen, Brixen, Fiecht bei Schwaz, Gries bei Bozen, I n- 
nichen, Innsbruck, Klausen, Meran, Neustift bei Brixen, 
Rovereto, Schwaz, Stams im Oberinntal und Trient beschrieben. 
Es sind specimina daraus auf 125 Zinkos und 28 Tafeln in Lichtdruck 
und Heliogravure abgebildet. In knappen, doch erschöpfenden Angaben 
werden die inneren Merkmale der Kodizes beschrieben, die zeitliche und 
lokale Provenienz bestimmt und womöglich die Geschichte der Handschriften 
zusammengestellt. Nach einer kunstgeschichtlichen Charakteristik der Hand- 
schrift folgt dann nebst einer genaueren Inhaltsangabe die Beschreibung der ein- 
zelnen Bilder und Ornamente. Die Anordnung erfolgte in alphabetischer 
Reihenfolge der Aufbewahrungsorte der Handschriften nach den Bibliotheken, 
innerhalb einer Bibliothek nach der Reihenfolge der Signaturen. Den ein- 
zelnen Absätzen ist je eine kurze Geschichte der Bibliotheken beziehungs- 
weise der Bibliotheksbestände, in welchen sich die beschriebenen Miniatur- 
handschriften befinden, vorangeschickt. In der Einleitung des ganzen Bandes 
findet der Leser kurz die kunsigeschichtliche Bedeutung der inventarisierten 
Handschriften zusammengestellt und vier Register (alphabetisches Ver- 
zeichnis der beschriebenen Handschriften, chronologisches Verzeichnis der 
beschriebenen Handschriften, welches zugleich die künstlerische Provenienzen 
enthält, Sach- und Namenregister und ein Verzeichnis der Abbildungen) 
beschließen das Werk. Ich habe den Band wiederholt in verschiedenen 
Fragen benützt und nie ist mir etwas aufgefallen, wo ich eine ausführ- 
lichere oder bestimmtere Auskunft gewünscht hätte, oder wo mir eine andere 
Anlage der Publikation als praktischer und entsprechender erschienen wäre. 
Bei der Nachlässigkeit und Kopflosigkeit, mit der vielfach kunstgeschicht- 
liche Publikationen veranstaltet werden und die weit entfernt ist von der 
für anderweitige historische Editionen schon längst allgemein anerkannten 
Grundsätzen und Regeln, kann man die Akribie und Sorgfältigkeit von 
Hermann’s Publikation, die sie an die Seite der allerbesten historischen 
Etitionen stellen, nicht genug bewundern. Mustergültig ist die mit der 

9* 


— 72 — 


größten Ökonomie des Ausdrucks verbundene, alles Wesentliche erschöpfende 
Präzision der Beschreibungen und kunstgeschichtlichen Analysen. Sie wäre 
gewiß nicht möglich gewesen, wenn der Autor nicht das ganze in dem 
Bande verarbeitete kunstgeschichtliche Material so beherrscht hätte, wie nur 
wenige. Die Einleitung, welche die kunstgeschichtlichen Resultate der Publi- 
kation enthält, ist ein wahres Meisterstück in dieser Beziehung. Man findet 
da auf fünf Seiten kunstgeschichtliche Ergebnisse zusammengedrängt, die 
viele Aufsätze und Abhandlungen füllen könnten, die nicht nur die Bedeutung 
der in dem Bande besprochenen Kodizes für die Geschichte der Miniatur- 
malerei in trefflicher Weise charakterisieren, sondern auch eine Reihe von 
neuen Schulen und von bisher unbekannten stilgeschichtlichen Zusammen- 
hängen bestimmen und so beweisen, wie reich an neuen kunstgeschichtlichen 
Tatsachen auch der einzelne Band der Publikation schon werden kann. 
Wenn einmal die lokalen Schulen der einzelnen deutschen Gebiete so fest- 
gestellt sein werden, wie hier die Tiroler Schulen, wird es eine Spielerei 
sein, die Territorial-Entwicklung der deutschen Malerei vom 13. bis zum 
17. Jahrhundert zu bestimmen, deren Erforschung bisher fast unüberwind- 
lichen Schwierigkeiten begegnete und über die wir infolgedessen so gut 
wie gar nichts wissen. 

Der zweite Band, dessen Bearbeiter Hans Tietze gewesen ist, enthält 
die Beschreibung von 126 illuminierten Handschriften, die sich in den 
Bibliotheken von Salzburg, Nonnberg und Michaelbeuern 
befinden. An Illustrationen bietet dieser Band 40 Zinkos und 9 Licht- 
drucktafeln. In Anordnung und Durchführung schließt er sich dem ersten 
Teile- an. Nur die kunstgeschichtlichen Analysen sind noch kürzer gefaßt, 
meinem Dafürhalten manchmal zu kurz. Auch dieser Band ist, so weit ich 
es nachweisen konnte, mit großer Sorgfalt, Gewissenhaftigkeit und Sach- 
kenntnis gearbeitet und bietet, obwohl der darin inventarisierte Handschriften- 
bestand nicht groß ist, eine Reihe von wichtigen Ergebnissen. Von den einst so 
reichen handschriftlichen Schätzen Salzburgs hat sich nur ein geringer Teil 
an Ort und Stelle erhalten, das meiste wurde in verschiedenen Perioden ver- 
schleppt und zerstreut. Dennoch läßt sich auf Grund des in Salzburg 
erhaltenen Materials zweimal eine Salzburger Schule feststellen, am Ende 
des XI. und Anfang des XII. und später vom Ende des XIV. bis zur zweiten 
Hälfte des XV. Jahrhunderts, von welchen besonders die ältere, auf die schon 
Georg Swarzenski aufmerksam machte, eine große allgemeine historische Be- 
deutung zu haben scheint, aber auch die jüngere ein mehr als nur lokal- 
geschichtliches Interesse erwecken dürfte. 


So haben Wickhoff's Mitarbeiter unter seiner Leitung in den ersten 
Bänden des Miniaturenwerkes eine Edition geschaffen, die sowohl allen 


me qe. x 


wissenschaftlichen Anforderungen entspricht, als auch, so klein auch die 
Gebiete sind, aus welchen in diesen Bänden die illuminierten Handschriften 
veröffentlicht werden, doch schon einen mannigfaltigen und nicht geringen 
Fortschritt in der Erforschung der Geschichte der Malerei bis zum 17. Jahr- 
hundert bedeutet. Man kann daraus ersehen, wie viel man noch von den folgenden 
Bänden erhoffen kann, besonders von jenen, die das unerschöpfliche Material 
der Wiener Hofbibliothek enthalten werden. 

Und doch hat diese Edition noch eine andere, wichtigere Mission zu 
. erfüllen. 

Nichts ist vielleicht bezeichnender für den jetzigen Bestand der 
Kunstgeschichte, als daß man sich im Publizieren der Monumente auf die 
Photographie verlassen hat. Die ungeahnte Verbreitung kunstgeschichtlicher 
Studien, das von Jahr zu Jahr wachsende Interesse des Publikums an 
kunsthistorischen Forschungen, die Billigkeit der Reproduktionsverfahren, 
all das ließ erhoffen, daß systematische Publikationen der Denkmäler der 
Kunst in reicher Anzahl in Angriff genommen und durchgeführt wurden. 
Wenn man jedoch Umschau hält, kann man leicht die Beobachtung machen, 
daß die Kunstgeschichte in dieser Beziehung eher einen Rückschritt als 
Fortschritt zu verzeichnen hat. Wieviel leisteten mit ihren bescheidenen 
Mitteln Männer wie Gori, Garucci, de Rossi, D'Agencourt, Le Blant und 
viele andere und wie wenig ist seit dem geschehen trotz den unvergleichlich 
günstigeren technischen Vorbedingungen. Man kann die Publikationen, die 
sich die Aufgabe gestellt haben, das kunstgeschichtliche Material in dieser 
oder jener Richtung systematisch zu sammeln und kritisch zu veröffentlichen, 
beinahe an den Fingern einer Hand abzählen und der Rest sind Einzeln- 
Veröffentlichungen und Prachtwerke, die mehr dem Verleger und der Eitelkeit 
der. Autoren nützen, als der Wissenschaft. Hätte man die Bestrebungen der 
oben erwähnten Gelehrten nur mit gleicher Intensität fortgesetzt, so hätte 
man schon längst ein Korpus mittelalterlicher Skulpturen, Wandgemälde, 
Glasmalereien; Elfenbeine etc. begründen müssen; mit Ausnahme des 
mit bewunderungswirdiger Opferwilligkeit begonnenen Elfenbeinwerkes des 
leider viel zu früh verstorbenen Graevens und der Publikation der rhein- 
lándischen: mittelalterlichen Wandmalereien ist vor all dem nichts geschehen 
und mit den Kunstwerken der Neuzeit verhält es sich nicht viel anders. 


- Die Bilder der Kölnischen Malerschule, die Bilder und Handzeichnungen 
Dürers und die Bilder Kranachs das Rembrandtwerk, die toskanischen 
Skulpturen Bodes und die Florentinischen Zeichnungen Berensons sind so 
ziemlich alles, worauf man sich berufen kann. Man muß sich damit begnügen, was 
die Berufsphotographen für genügend bekannt und interessant betrachten, um es 
zu photographieren und dem Handel zu übergeben. Und doch kann es bei jedem 


Einsichtigen keinen Zweifel darüber geben, daß methodische, den Denkmäler- 
bestand von einem bestimmten Gesichtspunkte aus erschöpfende Publikationen 
unerläßlich sind, wenn die Kunstgeschichte eine exakte Wissenschaft werden 
‚soll. Nicht nur deshalb, weil es ja in jeder modernen historischen Wissenschaft 
selbstverständlich ist, daß das Quellenmaterial für bestimmte historische 
Probleme in möglichster Vollständigkeit gesammelt und der allgemeinen 
Benützung und Kritik durch wissenschaftliche Publikationen zugänglich 
gemacht wird, sondern auch aus einem anderen noch wichtigeren Grunde. 


Der beispiellose Aufschwung der modernen Geschichtswissenschaften 
beruht in erster Reihe auf quellenkritischen Studien. Oft hat es beinahe 
‘den Anschein, als ob die Quellenkritik der Selbstzweck der geschichtlichen 
Forschung unserer Zeit geworden wäre, doch niemand, der von der Entwicklung 
der exakten Wissenschaften in der Neuzeit eine Ahnung hat, wird daraus 
‚den heutigen geschichtlichen Studien einen Vorwurf machen. Man müßte 
es sonst auch beklagen, daß in den Naturwissenschaften die alten allge- 
meinen Theorien durch das Experiment ersetzt wurden. Wenn auch die 
großen zusammenfassenden Darstellungen dabei seltener geworden sind und 
die Geschichtswissenschaft sich in Kleinarbeit zu verlieren scheint, so wird 
der manchmal vermißte große Zug in der Geschichtsschreibung reichlich 
dadurch ersetzt, daß durch diesen historischen Kritizismus die alten dog- 
matischen und aprioristischen Geschichtstheorien aus der Welt geschafft 
wurden. Die Geschichtsforschung: schließt sich jener merkwürdigen und 
epochemachenden Umgestaltung der menschlichen Erkenntnisformen an, welche 
‚sich im 19. Jahrhundert unter dem Einflusse des Naturalismus in den huma- 
nistischen Disziplinen und selbst in der schönen Literatur vollzogen hat, 
eine Umgestaltung, die man kurz vielleicht als die Überwindung des 
Doktrinarismus bezeichnen kann und die gewiß die größte Umwälzung in 
der Geschichte des menschlichen Denkens seit der Scholastik gewesen ist. 
‘Kine Wissenschaft, in der sich das neue wissenschaftliche Prinzip nicht 
geltend macht, ist keine Wissenschaft. Das gilt aber noch vielfach für 
die Kunstgeschichte. | 2 

. Es gibt freilich eine große Anzahl von kunstgeschichtlichen Unter- 
suchungen, die den strengsten Anforderungen der modernen wissenschaft- 
lichen Kritik vollkommen entsprechen, daneben gibt es aber auch Arbeiten, 
— der größere Teil der kunstgeschichtlichen Literatur gehört dazu — die den 
Grundsätzen einer unanfechtbaren historischen Kritik höchstens in der Ver- 
wertung des dokumentarischen Quellenmateriäles entsprechen, also da, wo 
sie .sich die Erfahrungen einer anderen historischen Disziplin zu Nutze 
machen können (oft wohl nicht einmal da), in den Thesen jedoch, die sich 
auf die der Kunstgeschichte eigentümlichen Quellen, auf die Kunstwerke 


— 75 — 


‘selbst stützen, noch immer ebenso willkürlich, doktrinär und dogmatisch 
sind, wie vor hundert Jahren. E 22 

.Es wäre sicher nicht. richtig, wenn. man diea durch die Bank als 
‚Schuld unberufener Autoren erklären wollte. Die Ursache liegt: vielmehr 
tiefer im Wesen der heutigen Kunstgeschichte, welche es möglich macht, 
daß an ihr Leute mitarbeiten, die- nicht jenes Gefühl der Verantwortlichkeit 
‚der historischen Wahrheit gegenüber besitzen, welches die Beschäftigung 
mit einer anderen historischen Disziplin notwendig mit sich bringt. Das 
hat gewiß einen prinzipiellen Grund. Während in anderen historischen 
Wissenschaften sich als Frucht einer langen intensiven Beschäftigung mit 
Fragen der historischen Kritik bestimmte kritische Grundsätze und Er- 
fahrungen eim« bestimmte objektive historische Forschungsmethode so ein- 
gelebt haben, daß ihre Mißachtung und grundsätzliche Verletzung einfach 
unmöglich wird, müssen dagegen in der Kunstgesichte solche Regeln und Er- 
fahrungen, mu eine exakte kritische Methode erst geschaffen, oder zu- 
mindestens ers; zur allgemeinen Grundlage der Forschung erhoben werden. 
Eine wissenschaftliche Methode ist kein Rezept, ist nichts gegebenes, nichts 
was gefunden oder erfunden werden kann, sondern muß ‘sich nach und 
nach aus den kritischen Problemen entwickeln. Daß in allen. anderen 
historischen Disziplinen den großen Quelleneditionen der größte Anteil an 
der Ausbildung einer exakten historischen Methode zuzuschreiben ist, muß 
wohl nicht ers: bewiesen werden. Ihnen entstammen die kritischen Auf- 
gaben, welche? man die Erfahrungen verdankt, wie historische Probleme 
in ungeahnt cbjektiver induktiver Weise gelöst werden können, an ihnen 
schulten sich zahllose Historiker, die diese Erfahrungen zum Gemeingute und 
zur condto sine qua non der ganzen historischen Forschung gemacht haben. 


Mm kann daraus ersehen, was man sich auch für die kunstgeschicht- 
liche Foschung von großangelegten, systematischen und kritischen Quellen- 
publikatimen erhoffen kann. Sie sind unumgänglich notwendig, wenn die 
kunstgesdichtlichen Probleme nicht weiter, wie es jetzt vielfach noch 
geschieht aus aprioristischen Erwägungen, sondern aus dem Bestande der 
Monumene selbst abgeleitet werden sollen und wenn für die Lösung dieser 
Problemeeine exakte, jeden Forscher bindende Forsehungsmethode geschaffen 
werden sll. Nur so kann endgültig der willkürlichen ästhetisierenden und 
kulturgeshichtlichen Spekulation in der Kunstgeschichte, den „Amateuren“, 
den „Nrliteraten“ oder den „Unverantwortlichen* der Boden. entzogen 
werden, vas ja jeder :erstreben .muß, dem die Wissenschaftlichkeit der 
Kunstgeshichte am Herzen liegt. 

Da hat Wickhoff erkannt und für die Durchführung ein Paradigma 
geschaffe. Doch es ist.erst der Anfang. Es muß, wenn das angedeutete 


— 76 — 


Ziel erreicht. werden soll, eine Reihe von anderen ähnlichen Publikationen 
erfolgen. So müssen z. B. die mittelalterlichen monumentalen Skulpturen, die 
Wandmalereien, die Glasgemälde, die Tapisserien, die Tafelbilder des XV. Jahr- 
.hunderts vollstándig in systematischen Sammlungen verdffentlicht werden. 
Es waren besonders günstige Umstände, vor allem die Verbindung mit dem 
Institute für Österr. Geschichtsforschung, die es Wickhoff ermöglichten, sein 
Unternehmen durchzuführen ; im allgemeinen wäre es aber ganz ausgeschlossen, 
daß einzelne Gelehrte privatim diese Publikationen unternehm:n und durch- 
führen, von welchen die meisten große Geldmittel und einen ganzen Stab von 
Mitarbeitern erfordern werden. Mit staatlichen Subventionen ode: Unterstützung 
von Seite der gelehrten Gesellschaften könnte man da ebensowenig auskommen. 
Das einzig mögliche wäre, wenn eine Parallelgründung zu den Monumenta 
Germaniae Historica erfolgen würde. Das Interesse für kunstgeschichtliche 
Fragen ist heute viel größer und allgemeiner, als das Intresse für die 
allgemeine Geschichte in der Zeit der Entstehung der Monummta Germaniae 
gewesen ist und so dürfte weder die materielle Basis einer sobhen Gründung 
noch die erforderliche Anzahl von Gelehrtenkráften unüberwindlche Schwierig- 
keiten bereiten. Der Nutzen wäre aber außerordentlich; alls das, was in 
mühseligen Untersuchungen gesucht wird, die immer wiedr von neuem 
aufgenommen werden müssen und nie zu Ende geführt verden kónnen, 
weil es für einen einzelnen Forscher unmöglich ist, den gaızen Denkmal- 
bestand zu beherrschen und selbst wenn es möglich wäre, sene Erfahrungen 
die auf Autopsie beruhen müssen, seinen Nachfolgern nicht übermittelt 
werden können, alles das könnte in absehbarer Zeit aus der dunklen Un- 
gewißheit des zufälligen Fundes und der subjektiven Erfahrung m eine ob- 
jektive dauernde Grundlage der weiteren Forschung verwandelt werden. 
Das würde aber die Ausschließung des Dilettantismus aus de Kunst- 
geschichte und den. Anschluß der letzteren an das bewunderungwürdige 
und in der ganzen Welt bewunderte System der deutschen Gechichts- 
wissenschaften bald zur Folge haben. | 
Max Dw Fak. 


Zwei Beiträge zur Wieland- Bibliographie. 


1. Moralische Briefe. 

Herr Dr, Stumme in Leipzig teilte mir gütig mit, daß er eien Druck 
der Moralischen Briefe besitzt mit der Verlagsangabe : Franckfurt Ai Leip aig; 
verlegts Franz Josef Eckebrecht. 1752 (== 4). 

Bei der Abfassung der Prolegomena zu einer Wielandavgabe lI 
(Anhang zu den Abhandlungen der kónigl preuß. Akademie der Wissen- 


u DN vie 


schaften vom Jahre 1904, S. 80 und 67) kannte ich nur zwei Drucke 
mit anderer Nennung des Verlegers: Franckfurt und Leipzig, zu finden bey 
Frantz Joseph Eckebrecht, 1752 (= C) und Franckfurt und Leipzig, 
‚verlegts. Johann. Christoph Löffler, 1752 (— B). Die drei Drucke sind 
untereinander nicht vollkommen identisch. Als Proben des Unterschiedes 
gibt mir H. Dr. Stumme an: In der vorangesetzten Ode an Herrn Bodmer 
steht V. 2: unendlicher A unsterblicher C. — Bl. 5a. Vorrede 1. Text- 
zeile; Bekanntmachung A, Bekanntmachung C.— 8.1 im Ersten Brief 
V. 4: Orcan A, Orkan C. — S. 5, Z. 9: besser A, Bessern C. — 
B. 7, letzter Vers: meyden A, weyden C.. — S. 8, Anmerkung 9, Z. 8: 
Eigenschaften. A, Elgenschaften C. — S. 13, drittletzter Vers: und A 
zum C. — Paginierung S. 18 richtig A, falsch 12 C. — u.s.w. Außer 
S. 8. und. S. 18 hat C die richtigere Lesart. Mit C' stimmt auch B über- 
ein, außer in der Lesung der Vorrede, wo A wie B schreibt. B weicht 
noch .einmal. in der Vorrede Bl. 8a von C ab: müge B, müge C. 


Trotzdem sind B und C, wie die Vergleichung defekter Lettern zeigt, 
von Einem Satze abgezogen. Ich vermute, daß dasselbe für A gilt. Die 
Unterschiede würden also nur verschiedene Stufen der Korrektur bedeuten, 
und zwar in der Reihenfolge A B C, und da, wo Verderbnisse ín den 
korrigierten Exemplaren eintreten (wie S. 8 und 18), müfte man das Aus- 
springen von Lettern während des Abziehens und deren flüchtigen Ersatz 
annehmen. Derlei findet sich in älteren Drucken häufig. So liegt z. B. 
Wielands Geschichte des Agathon Frankfurt und Leipzig, 1766 in zweierlei 
Exemplaren vor mir: in einem steht S. 7, Z. 8 des 1. Teiles: ermähnet 
im andern erwähnet; zwei Zeilen später steht in beiden Abzügen ein- 
gebildeteu und überhaupt sind sie in den Letternformen identisch. In dem 
Exemplar mit erwähnet steht ermähnet gerade so unter den Druckfehlern 
verzeichnet, wie in dem andern Exemplar. Es ist also hier zufällig der- 
jenige, welcher das Abziehen besorgte oder überwachte, auf einen Fehler 
aufmerksam worden, während er ‘andere übersah, oder wahrschein- 
licher: es sprang während des Abziehens das richtige w aus und wurde 
durch das falsche m ersetzt; der ‚Verfasser des Druckfehler-Verzeichnisses 
aber ‚hatte den späteren Abzug vor sich. 

" Man wird beim Herstellen der Abdrücke mit Handpressen einen über 
den Abschluß des Satzes hinausreichenden Einfluß des Druckers anzunehmen 
haben. Bibliothekare und Bibliophilen müssen also beim Ausmustern von 
Dubletten die allergrößte Vorsicht walten lassen und Textkritiker dürfen 
sich nicht allzeit auf Ein Exemplar beschränken. | 

.. Manchmal freilich ist ein Unterschied zweier Drucks wahrnehmbar, 
der ihre Textidentitat nirgends aufhebt. So hat August Fresenius vor Jahren 


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in schönen Stunden freundschaftlichen Zusammenarbeitens mir einen Druck 
.der Wielandischen Erzählungen 1752 vorgelegt, dessen bedruckte Klein- 
‚Quarto-Fläche um ein merkliches von der eines zweiten Exemplares abwich. 
Da aber die Defekte der Typen sich an den gleichen Stellen zeigten, 
konnte von einem neuen Satze nicht die Rede sein. Der Größenunterschied 
‚ließ sich jedoch überzeugend durch die Verschiedenheit des Papieres erklären ; 
das eine lief infolge der Befeuchtung stärker ein, das andere weniger. 

Die Drucke der Moralischen Briefe und der Erzählungen teilen die 
Seltsamkeit, daß sie verschiedene . Verlagsfirmen nennen. Und zwar wird 
bei den Briefen jedesmal Frankfurt und Leipzig als Verlagsort sowohl der 
Firma Eckebrecht als der Löffler'schen genannt. Geläufig ist, daß die beiden 
Büchermarkt-Städte als Verlagsort fingiert werden; wie es denn auch 
bei der ersten Ausgabe des Agathon geschah, weil das in Zürich ge- 
druckte und verlegte Werk auf Zensurschwierigkeiten gestoßen ist. Un- 
gewöhnlicher ist der auf dem Titel der Mpralischen Briefe eingeschlagene 
Weg. Denn Eckebrecht's Geschäft war in Heilbronn und Löffler's Hand- 
lung in Tübingen, wie neben anderem die Titel der im gleichen Jahre 
ausgegebenen Erzählungen Wielands zeigen. Ob mit. jenen Angaben der 
Briefe die Öffentlichkeit über den schwäbischen Ursprung des Werkchens, 
etwa auf Wielands Wunsch, getäuscht werden sollte (beim gleichzeitigen 
Anti-Ovid wurde Amsterdam als Verlagsort genannt), oder ob der 
Nennung von Frankfurt und Leipzig auf dem Titel geschäftliche Vorteile 
brachte, weiß. ich nicht. Ebenso ist mir über die Verbindung der Ecke- 
brecht’schen und Löffler’ schen Firmen nichts bekannt. In Schwetschkes 
Codex nundinarius erscheint sub Frankfurt und Leipzig keine von beiden. 
Sub Heilbronn taucht die. Firma Franz Joseph Eckebrecht 1751 auf und 
erscheint fortan. mit. kleinen Unterbrechungen. Die Firma Lóffler wird sub 
Tübingen in. jenen Jahrzehnten - nie genannt; wahrscheinlich also war Löffler 
nicht Verleger, sondern Drucker und vertrieb. nur auch die ' Erzeugnisse 
seiner Presse.. Beide W Werke sind in Tübingen verfaßt und vermutlich da 
unter Wielands Augen gedruckt. 


2. Aufruf an Mensohenfreunde. 
Der letzte der Moralischen Briefe schlieBt mit folgenden | Worten des 
Schutzgeistes an den Dichter: 
Die Erde siehest du, 
. So, Freund, so blühte sie in jener Zeit der Alten, | 
Wo Wahrheit, Treu’ und Recht und Menschenliebe galten! 


Die Erde so zu sehen, ward das Programm für Wielands Schrift- 
stellerei. Hier möge ein Zeugnis seiner mildtätigen Menschenliebe aus der 


-— 9G ae 


Vergessenheit hervorgezogen werden'), zum Beweis daf die Ideale seiner 
Jugend noch in seinem Alter wirken. Als Beylage zu No. 12 des Weimarischen 
Wochenblattes vom 11. Februar 1809 erschien folgender. 


„Aufruf an edle Menschen-Freunde ! 


Es ist eines der peinlichsten Gefühle, wenn wir gute Menschen ohne 
-ihr Verschulden in großem Elende zu Grunde gehen sehen müssen, weil 
wir ihnen nicht helfen können. Aber was ein Einzelner nicht vermag, 
könnte von Vielen mit Aufopferung eines sehr kleinen Theils ihres Ent- 
behrlichen leicht bewirkt werden. Daß dies vielfältig geschehen, und schon 
oft durch mäßige, auf diese Weise zusammengebrachte Summen vieler Noth 
abgeholfen, viel Elend wenigstens gelindert, manchem zur Verzweiflung 
gebrachten Menschen wieder Muth und Kraft zu neuer Thatigkeit en 
‘worden, kann Niemanden etwas Fremdes seyn. 


Ein mir persönlich bekannter und von mir geschätzter Mann im 
P**schen, der durch unvermeidliche Folgen des unglücklichsten aller Feld- 
züge im Jahr 1806 nach und nach mit den Seinigen bis zur untersten 
Stufe des menschlichen Elends gebracht worden, hat, von allen, die ihm 
zu helfen Gelegenheit und Pflicht hatten, hülflos gelassen, sich endlich 
(vielleicht zu spät,) an mich gewendet, weil ihm vermuhtlich mein guter 
‘Wille besser bekannt war, als meine Umstände und Verhältnisse. 

| Stünde es in meiner Macht ihn zu retten, so würde ich mich zu dem 
Schritt, den ich jetzt ungern thue, nicht genóthigt sehen. Da aber das, was 
ich selbst für ihn thun kann, bey weitem nicht zureicht, warum sollte ich 
mich schämen, alle edle Menschenfreunde und gute Herzen, denen dieses 
Blatt zu Gesichte kommen wird, zu bitten, daß sie sich mit mir vereinigen 
möchten, diesen unglücklichen Ungenannten (denn ihn näher zu bezeichnen, 
verbieten mir Menschlichkeit und Zartgefühl,) in dem großen Jammer, der 
ihn — einen Familienvater mit mehrern unerzogenen Kindern — zu Boden 
drückt, mitleidig durch einen milden Beitrag nach dem Maaß ihres guten 
Willens unterstützen zu helfen ? 

Da ich wünsche, daß die milden Gaben, welehe dieses Blatt vielleicht 
veranlassen wird, ganz und gar willkührlich und freiwillig seyn mögen: so 
bitte ich, solche in einem versiegelten Papier, mit oder ohne Nahmens- 
bezeichnung, dem Herrn Stiftsprediger Horn allhier gefälligst zu- 
stellen zu lassen, von ram ich sodann das Eingegangene erheben, in 


» gen für C. A. H. Burkhardt, Weimar 1900, S. 157 habe ich 
kurz darauf hingewiesen. 


— 80 — 


diesem Wochenblatte den Empfang bescheinigen, und den Betrag an die 
unglückliche Familie sicher gelangen lassen werde. 


Weimar, den 10. Februar 1809. 
C. M. Wieland, 
Herzogl. Sachsen Weimarischer Hofrath.* 


Nach gütiger Mitteilung P. v. Bojanowski's wird der Empfang der 
aus dem Weimarischen eingelaufenen Spenden von Wieland in einer be- 
sonderen Beilage zu. Nr. 21 des Wochenblattes vom 15. März 1809 
bestätigt. Und F. Schnorr von Carolsfeld in Dresden verdanke ich die 
Nachrichten, daß der Aufruf auch im Allgemeinen Anzeiger der Deutschen 
1809, 3. Februar Nr. 33 und in der Beylage zu den Leipziger Zeitungen 
1809, 18. Februar Stück 35; das „Verzeichniß der milden Beyträge zur 
Unterstützung einer unglücklichen Familie im P**schen“ im Allgemeinen 
Anzeiger 1809, 8. April Nr. 92 und in der Beylage zu den Leipziger 
Zeitungen 1809, 5. April Stück 66 erschienen sind. 

Die Drucke des Aufrufes werden wohl nur in der Bezeichnung der 
Sammelstelle und im Datum verschieden sein; die Ausweise der Spenden 
müssen von einander abweichen, da sie nach den Ursprungsorten den Lesern 
der drei Zeitungen angepaßt zu sein scheinen. 

Den hilfsbedürftigen Empfänger im Preußischen, wie die Kürzung zu 
lösen sein dürfte, vermag ich nicht zu nennen. Für Wieland ist es bezeichnend, 
daß er den Aufruf mit einem allgemeinen Satz eröffnet, denn er stellt 
immer gerne den Einzelfall in einen weiteren Gesichtskreis. Auch ist das 
zartfühlende Bekenntnis hervorzuheben, er würde heimliche Hilfe der 
öffentlichen Bitte vorziehen, wenn seine (wirklich beschränkten) Mittel hin- 
reichten ; endlich die feine Rücksicht, mit der er nicht selbst der Sammler 
gein wollte, damit man nicht ihm zu Liebe gebe. So hat auch dies Dokument 
etwas Persönliches an sich und gibt darum eine erwünschte Bereicherung 


der Wielandbibliographie. "Tu 
| Bernhard Seu ffert, 


LITERARISCHE BESPRECHUNGEN. 


Ferd. Krackowizer, Die Sammelbande aus der Reformationszeit im 
Landes-Archiv zu Linz. Linz 1904. 8°. 
^" 'pas Linzer Landes- Archiv besitzt hundert gut erhaltene Bande’ des 
16. Jahrhunderts, die, zum größten Teile Reformations-Flugschriften enthaltend, 
den Rest der sehr ansehnlichen Büchersammlung darstellen, welche die evan- 
gelischen Stände Oberösterreichs im Landhause vereinigt hatten, und die 
ihrem Bauptteile nach 1800 einer Feuersbrunst zum Opfer gefallen war. 
Der ehemalige Landes-Archivar von Oberösterreich, Dr. Ferdinand Krackowizer, 
unterzog sich der lohnenden Aufgabe, auf diesen vergessenen Bücherschatz 


—— 


durch seine Katalegisierung weitere Kreise aufmerksam zu machen. Den Ver- 
fasser leitete der Grundsatz, bei der Aufnahme des Nationales des einzelnen: 
Druckes lediglich dessen  würtliche Angaben zu berücksichtigen, ohne auf 
die Aussagen der Typenformen, Initialen und Titelumrahmungen Rücksicht zu 
nehmen, wobei er an die eigentlich wissenschaftlichen Aufgaben, welche die 
Katalogisierung alter Drucke stellen kann, allerdings nicht herankam. Mindestens 
hátte die Bilderschrift der Signete, über welche doch bereits eine umfangreiche 
Literatur vorliegt, beachtet werden sollen; dann hätte 65, 3 als ein Erzeugnis 
der Grimm’schen Offizin in Augsburg, 86,3 als ein Druck der Schdffer’schen in 
Mains erkannt werden miissen. Im allgemeinen ist die Beschreibung der einzelnen 
Drucke, die in der Reihenfolge ihrer alten Numerierung aufgeführt werden, eine 
recht genaue. In Band 58 und 86 sind einige Adligate unbeschrieben durch- 
gerutscht; bedenklicher weil irreführend ist es, wenn wie bei 48, 2 und 86, 8 
aus dem Titel eines Druckes und dem Kolophon des folgenden ein biblio- 
graphisches Unikum konstruiert wird: des Ursus Declaration wurde ven Ambrosius 
Fritsch in Görlitz 1570 gedruckt; zu Tübingen bei Ulrich Morharts Witwe aber 
Bidembachs Schrift: Das erste Euangelium. Im anderen Falle (86, 8) haben wir 
einen Druck Schöffers vor uns; der Titel der von Grimm und Wirsung in Augs- 
burg gedruckten Schrift ist: Das Cristlich büchlein hern Erasmus Roterodamus 
genant, die Clage des Frids. Dem Buche ist ein Sach-, ein Namenregister, ein 
Verzeichnis der Buchdrucker und eines der Druckorte angehängt. Im Register 
der Buchdrucker fehlt einer der interessantesten: „Hans Bawman Buchtrucker 
gesell, yetzo deß Duco de Alba trabant", von dem der Druck 89, 23, das älteste 
bisher bekannte Erzeugnis des später in Salzburg sesshaft gewordenen Druckers 
herrührt.*) Den Joannes Faber Emmeus Juliacensis (54, 2) nach der Namensform 
54, 3, wo „Faber“ fehlt, allein unter Emmeus zu registrieren, scheint mir nicht 
angezeigt; Faber ist sein Familienname, Emmeus Juliacensis wird wohl nur seine 
Herkunft (aus Ameln bei Jülich?) andeuten. Keinesfalls darf Weygand Han (2814) 
unter Weygand stehen. In den Druckorten findet man Augsburg und Augusta 
Rhetiea, Tiguri (!) und Zürich ohne Grund getrennt. Warum ist unter die Druck- 
orte nicht auch Genf mit dem Hinweise auf die Drucke 1114 und 12 aufgenommen, 
als deren Schöpfer sich die Fugger'schen Drucker Henricus und Robertus Ste- 
pbanus nennen? Dagegen hätte ich auf den Verweis auf Salzburg (94,16: Getruckt 
zu Saltzpurg, durch den geweichten Krumbschnabel bey der Roßschwemb) eher 
verzichtet, da diese Ortsangabe doch nur besagt, daB das Heft in Salzburg 
nicht gedruckt worden ist. Der Versuch, auch nur die besten Schnitte ihren 
Urhebern zuzuteilen, war als vollständig gegen jedes bibliothekarische Herkommen 
vom Verfasser nicht zu erwarten. Ich begrüße schon die Liebe dankbarst, mit 
der er die zahlreichen Schnitte erwähnt und kurz beschreibt — gelegentlich auch 
falsch, 3. B.: 10, 2 wird nicht Joseph von seinen Brüdern befreit — ich wüsste 
auch nicht, wann das geschehen wäre — sondern ringt Jakob mit dem Engel; 
57, 2 bringt nicht den Papst, sondern das Märchen von der Päpstin u. a. m. 
Erwünscht wäre die Angabe der Künstlermonogramme gewesen, die nur in einem 
Falle erfolgte. Im folgenden versuche ich, von den Holzschnitten der Sammlung 


*%) Vgl. M. V. Süss, Beiträge zur Gesch. der Typographie in Salzburg. 
Salzb., 1845, 8. 8, Mitteilungen der Gesellschaft für Salzb. Landeskunde, Bd. 35 
(1895), S.' 144 und Goedeke, Grundri8 II, 801. 


— 89 — 


(fünf Blätter daraus sind in guten Netzätzungen dem Kataloge beigegeben) die 
schönsten aus der guten Zeit bestimmten Meistern oder Schulen zuzuweisen. 
Nur einige umfangreiche und deshalb schon anderwärts beachtete Drucke (z. B. 
88 Geilers von Kaisersperg Schiff der Pönitenz: Muther 988; 40.Geilers Evan- 
gelienbuch: Kristeller 153; 41 Geilers Narrenschiff mit den berühmten lllustra- 
tionen etc.) ließ ich unerwähnt. 

37. Kopie einer schönen, von Delphinen gebildeten Umrahmung, die in Drucken 


46, 14. 


16. 


49, 2. 


8. 


11. 


12. 


B 


15. 


18. 


27. 


des Johannes de Tridino in Venedig vorkommt. 

Druckort Augsburg. Seegefecht von Jörg Breu aus dem Vartomanus 
(Muther, Büch.-Ill. 1008). 

Augsb, Hans Weiditz. ‚Vgl. mein Verzeichnis seiner Schnitte (H. 
Weiditz, Straßb. 1904.) Nr. 9. Zweiter, unbeschriebener Zustand: die 
Jahreszahl ist aus dem Stocke herausgeschnitten. 

Augsb. Schnitt vom Meister H S (Nagler, Monogr. IIT, 1449). 

Augsb. Umrahmung aus vier Stócken von Weiditz, die obere und die 
untere ca. 36 X 126, die seitlichen ca. 92 X 29. Oben: weibliche Halb- 
figur in Ranken; kommt auch. in Steiner'schen Drucken vor, z. B. im 
Xenophon (Muther 1114) fol. (6) v. Unten: zwei stilisierte Delphine, die 
sich gegen eine Maske zwischen ihnen aufbäumen. Vgl. Teutsch Cicero, 
Augsb. 1584, fol. 21; ein schlechter Nachschnitt darnach ist die untere 
Leiste von 50, 5. Die seitlichen Leisten sind einander gleich: Ranken mit 
fünf Putten. 


. Augsb. Meister H S. 
. Augsb. Die Umrahmung geht sicher auf Weiditz zurück. Wahrscheinlich 


ist H S der vermittelnde Copist. 


. Augsb. Auch hier ist die Hand des H S deutlich. Seine Vorlage kenue 


ich nicht. 


. Augsb. Schöne, unbeschriebene Titelumrahmung von Weiditz 


von einem Stocke (148 X 103, Schriftfeld 86 X 58): weiße Ranken anf 
schwarzem Grunde. Unten in der Mitte eine große Rose, seitlich oben 
geflügelte Engelköpfchen. Dieselbe Unırahmung zeigt auch der Druck 50, 34. 
Augsb. Umrahmung aus vier willkürlich zusammengestellten Leisten von 
Weiditz. Die untere auch Teutsch Cicero fol. 148, Abb. Hirths Formen- 
schatz 1885, 97 oben. Vgl. 50, 29. 

Augsb. Dieselbe schlechte und fremde Umrahmung, welche im Plautus 
(Verz. Weiditz Nr. 5) verwendet worden war. 

Augsb. Umrahmung von vier willkürlich in a Leisten 
Weiditz'. Dieselben kehren 50, 14 wieder. 

Nachschnitt nach Hans Cranach Nr, 16. Vgl. Flechsig, Cranach- 
studien I 202 ff. 

Augsb. Leicht veränderter Nachschnitt (116 X 105) eines Teilstückes ven 
Weiditz’ Schnitt Petrarka (Verz. 24) II 87 v. Dieselbe Kopie 97, 8. 
Augsb. Unbeschriebene Titelumrahmung aus einem Stücke von 
Weiditz (148 X 101, Schriftfeld 90 X 56): weiße Ranken auf schwarzem 
Grunde; unten derbes, schraffiertes Blattwerk mit zwei an Passionsblumen 
erinnernden Blüten, oben ‚seitlich kleine Rosen. Der Stock ist an der 
rechten Seite um etwa 1 mm beschnitten. Eine mäßige Kopie darnach 
besitzt das Berliner Kupferstichkabinett in einem Ausschnitte. 


80. 


— 83 — 


Augsb. Das Glücksrad von Weiditz aus Huttens Epigrammen. Verz. 


. Nr. 12. 


99. 
41, 


42. 


50, 2. 


14. 


15. 


Augsb. Den Stock besaß 1537. Philipp Ulhard. 

Augsb. Zierliche, unbeschriebene Umrahmung von vier zusammen- 
passenden Stöcken von Weiditz. Die Querleisten (mit Mittelachse) ca. 
18 X 109, die Längsleisten (Pilasterfüllungen) ca. 122 X 9, schwarze 
Ranken auf weißem Grunde. | 

Augsburger Nachdruck, 1580 oder bald darnach. Vgl. Wellers Hans Sachs 
S. 50 (4. Druck). Der rechts um etwa 27 mm verstümmelte Stock eines 
unbekannten Augsburger Künstlers war zuerst abgedruckt worden fol. F, 
von Walter Isenburgs Schrift: Wie die mechtige Erbkünigreich Hispania: 
Hunngern... zu Österreich kommen sein. Augsb., Schönsperger, 1520. fo. 
Der Drucker ist wohl Philipp Ulhard, der den unverstümmelten Stock 
1580 in der Schrift , Warhafftig anzaygung wie Kaiser Car] zu Augspurg 
1580 Regalia vnd Lehen gelihen" verwendet hatte. 

Augsburg, Melchior Ramminger. Titelumrahmung: (157 X 120, Schrift- 
feld 90 X 71): flacher, kassettierter Bogen (in der Lünette ein Schild‘ 
von einer männlichen und einer weiblichen, in Ranken endenden Halb- 
figur gehalten), auf marmorierten Säulen ruhend. Oben beiderseits bekleidete 
Engel mit leeren Schilden. Hinter den Säulen je eine Königsfigur auf 
rundem Postament. Im Sockelfelde ein leerer Schild, beiderseits musi- 
zierende Engelchen. Erinnert an Arbeiten Leonhard Becks. Diese Um- 
rahmung beschreibt A. Gótze, Die hd. Drucker der Reformationszeit. 
StraBburg, 1905, als Nr. 86. Eine freie Kopie darnach mit dem Signete 
Schöffers zeigen die Drucke 86, 8 und ein unbeschriebener desselben 
Bandes (Götze Nr. 66). Weitere inhaltsgleiche Darstellungen beschreibt 
Götze unter Nr. 10, 66 und 8. 

Vier schlechte Leisten. Die rechte zeigt eine rohe gegenseitige Kopie 
von Dürers Kleinem Glück B. 78. Ebenso 50, 33. 

Siehe 49, 3. 


. Augsb. Sehr getreue und unbeschriebene Kopie Weiditz' nach 


der Umrahmung Hans Cranachs Flechsig Nr. 7. 177 X 122, Schrift- 
feld 109 X 68. Mir sind noch drei weitere ca. 1523 bis 1525 erfolgte 
Verwendungen dieser Copie bekannt. Nur diese und nicht das weniger 
feine Original konnte Passavant (IlI, 407, Nr. 102) als Arbeit Holbeins 
beschreiben. 


. Weiditz. Verz. Nr. 15. 
.Weiditz. Verz. Nr. 17, 3. 


Siehe 49, 14. - 

Augsb.? Gute, unbeschriebene Umrahmung Weiditz’ von einem 
Stocke (161 X 117, Schriftfeld 102 X 66): weiße Ranken auf schwarzem, 
weiß punktiertem Grunde, in den vier Ecken der Umrahmung und in der 
Mitte jeder Leiste eine große Rose. Ich kenne einen anderen Druck mit 
dieser Leiste, wo sich als Drucker Heinrich Steiner nennt. Götze beschreibt 
die Umrabmung, die 50, 21 und 80, 1 wiederkehrt unter Nr. 119 als seit 
1523 im Besitze Jörg Gastels in Zwickau befindlich. Derselbe Drucker 
besaß noch eine andere Leiste Weiditz’, die ich unter Nr. 42 meines 
Verzeichnisses nach einem defekten Drucke (Jörg Gastels, wie mich Götze 


16. 


21. 
22. 


24. 


26. 


— 84 — 


belebrt) beschreiben mußte, seither aber in einem 1521 datierten Drucke 
des Augsburgers Hans Schönsperger wiederfand. Götze Nr. 139. Nr. 140 
dürfte derselbe Stock in zersägtem Zustande sein. 

Augsb. Grimm u. Wirsung? Reizendes Zierblättchen (schwarze Ranke) von 
Weiditz; hatte den Titel der Meditationes (Verz. Nr. 25) geschmückt. 
Zwickau, Jörg Gastel. Siehe 50, 15. 

Veränderter Nachschnitt nach dem 2. Zustande der Umrahmung Hans 
Cranachs Flechsig Nr. 5. 


. Die Umrahmung (172 X 128, Schriftfeld 77 X 50) ist eine gute Arbeit 


Springinklees. Das Schriftfeld ruht auf einem reichen Sockel, ist 
von Pilastern flankiert und von einem Gebälke geschlossen. Darauf ein 
als überhöhter Rundgiebel gedachter Teil einer Kreisscheibe. Zu ihren 
Seiten je ein musizierender Engel. Außen neben den Pilastern Trophäen- 
gehänge auf schwarzem Grande. Abb. einer Kopie darnach mit weißem 
Grunde Hirths Formenschatz 1884, 172. Diese Umrahmung ist wahr- 
scheinlich identisch mit der von Dodgson Catalogue I S. 415 Nr. 84 und 
84 a verzeichneten. 

Augsb. Sehr schöner und überaus bezeichnender unbeschriebener 
Schnitt nach Jórg Brev (124 X 111). 

Augsb. Umrahmung aus vier neuen, willkürlich zusammengestellten breiten 
und schönen Leisten Weiditz': weiße Ranken auf schwarzem Grunde, 
die seitlichen, einander gleichen 131 X 29 (Pilasterfüllungen), die obere 


. 94 X 72, die untere 38 X 126 (beide Bandornamente). 


27. 


28. 


80. 
31. 
33. 


. Siehe 49, 9. 
36. 


51, 6. 


Augsb. Wie bei 49, 6: Weiditz’sche Kunst, durch des Meisters H 8 
Vermittlung getrübt. Die originale Vorlage der oberen (der unteren 
gleichen) Leiste im Polydorus Vergilius (Muther 1112) fol. 112 v. u. öfter. 
Augsb. Interessante anonyme Umrahmung aus vier zusammenpassenden 
Stücken (141 X 106, Schriftfeld 88 X 63): Renaissance-Rankenwerk mit 
gotischem Einschlage. Unten ein männlicher und ein weiblicher Kentaur. 
Grund schwarz. Gemahnt an die Art Daniel Hopfers. Bruchstücke der 
Umrahmung 49, 10; 50, 4 und 50, 35. 


. Augsb. Verhältnis des H S zu Weiditz wie 49, 6 und 50, 27. Die untere 


Leiste eine (verlängerte) Kopie nach der 49, 11 unten verwendeten 
Originalleiste. Die obere ist echt: Justinus (Muther 1079) fol. 52. In der- 
selben Zusammenstellung 80, 4 wiederholt. 

Augsburger (?) Nachdruck (Weller, H. Sachs S. 19, der 3. Druck). Höchst 
getreue Kopie nach dem Nürnberger Originale: Weller S. 18 (dem 4. Druck). 
Wahrscheinlich ebenfalls Augsburger Nachdruck und -schnitt. Weller 
S. 22, der 4. Druck. 

Siehe 50, 3. 


Augsb. Prächtige, unbeschriebene Umrahmung Weiditz von 
einem Stocke (170 X 166, Schriftfeld 76 X 60): reiche schwarze Ranken 
auf weißem Grunde. Jeder der vier Streifen hat Mittelachse. Ganz in der 
Art des Zierblättchens 50, 16. 

Augsb. Melchior Ramminger. Gegenseitige Kopie nach Holbeins Um- 
rahmung Woltmann II 198, Nr. 284. Ohne Bezeichnung, unten der kaiser- 
liche Adler und die Reichssturmfahne. Götze Nr. 190. 


— 8 — 


8. Augsb. Reiterkampf von Jörg Breu aus dem Vartomanus (Muther 1008). 
18. Augsb. Kopie des H S nach dem Schnitte von Weiditz, Petrarka I 116 v. 
53, 1. Lukas Cranach d. A. Schuchardt II 288 Nr. 94. 
61, 15. Sehr feine Umrahmung (151 X 112, Schriftfeld 75 X 56): zwei auf Vasen 
stehende Reiher tragen ein Gebälke. Arbeit eines Nürnbergers in der Art 
H. S. Behams. Von Pauli nicht beschrieben. 
65, 1. Hans Cranach. Flechsig Nr. 15. (oder Nachschnitt ?) 

8. Augsb. Guter Nachschnitt nach der von Hans Holbein für Thomas Wolff 
gezeichneten Titelumrahmung Woltmann II 187 Nr. 218. Im Schilde 
unten als Signet der wilde Mann Grimms. Zeitlich durch den Umstand 
fixiert, daß das Wappen Wirsungs, der sich 1522 von Grimm trennte 
fehlt, dieser aber 1523 zu drucken aufhörte. 

7. Kaum eine Kopie nach Georg Lemberger, sicher aber aus Motiven dieses 
Zeichners zusammengestellt. 

10. Georg Lemberger. Vgl. mein Verzeichnis von Schnitten des 
Meisters in den Mitteilungen der Gesellschaft für vervielfAltigende Kunst. 
Jg. 1906. Nr. 13. 

12. Holbein. Woltmann II 187 Nr. 212. Eine schlechte gegenseitige Kopie 

enthält 94, 17. 

1. Augsburg, H. Steiner. Siehe 50, 15. 
4. Siehe 50, 29. 
8. Siehe 50, 2. 
8a. Signet der Drucker Grimm und Wirsung von Weiditz Verz. Nr. 17, 8, 
7. Holbein. Woltmann II 190 Nr. 222; das Signet II 195 Nr. 299. 
94, 5. Die Titelbordüre (von einem anderen Stocke als die des Druckes 65, 1 
genommen) ist eine Kopie nach Hans Cranach Flechsig Nr. 15. 
6. Lemberger. Verz. Nr. 5. 
11. Augsb. Weiditz. Verz. Nr. 8. 
15. Lemberger. Verz. Nr. 8. 
17. Siehe 72. 
97, 8. Siehe 49, 18. 
12. Lemberger. Verz. Nr. 16. 
16. Augsb. Meister H S. (105 X 100.) 


19. Siehe 50, 28. 
Heinrich Rö tting er. 


— 


About Hebrew Manuscripts. By E. N. Adler. London, H. Frowde, 1905. 

Das Buch ist gleichsam eine Blumenlese aus dem ziemlich engbegrenzten 
Felde der hebräischen Buch- und Literaturgeschichte; um beim Vergleiche zu 
bleiben, ein Gewinde aus Jerichorosen. Da es nur zum Teil über Handschriften 
handelt, und da überdies zwei Aufsätze — beiläufig bemerkt die wertvollsten — 
nieht von Adler herrühren, so fällt dieses Werk in eine der von Dr. Frankfurter 
bestimmten Kategorien von unrichtig betitelten Büchern. Der größere Teil des 
Buches liegt diesseits der Interessen dieser Zeitschrift. So ein Verzeichnis der 
Karaitica aus dem Besitz Mr. Adlers, der mit Begeisterung für die Kultur- 
denkmäler seines Volkes offenbar ebenso begabt ist wie mit den Mitteln sie zu 
erwerben. Die Karaiten, in kompakten Gemeinden im südlichen Rußland sitzend, 


8 


— 86 — 


verwerfen im allgemeinen die nachbiblische Tradition und stütsen ihre Lehre 
fast ausschlieBlich auf die heilige Schrift, stellen somit etwa den Protestantismus 
im Judentum vor. So besteht das stattliche Verzeichnis karaitischer Manuskripte 
im wesentlichen aus Schriften exegetischer Natur; auch die wenigen medizinischen, 
astronomischen und philologischen Handschriften verleugnen nirgends ihren theo- 
logischen Ursprung — ein sehr erklärliches Charakteristikum der gesamten 
national-jüdischen Literatur. Neben diesem Verzeichnis ist der Abdruck des 
Kataloges eines jüdischen Buchhändlers, vermutlich aus dem 12. Jahrhundert, 
von ganz besonderem Interesse. Der hebräische Text wird durch die englischen 
Erläuterungen Adlers der Würdigung eines weiteren Kreises nähergerückt und 
entpuppt sich so als ein ehrwürdiges Denkmal hebräischer Buchgeschichte, dem 
die christliche Literatur nichts annähernd Gleiches an die Seite stellen kann. 
Dieser Katalogsedition folgt — scheinbar als Rezension, in Wirklichkeit als ex- 
zerpierende englische Übertragung — die vorzügliche Untersuchung Ludwig 
Blaus über althebräisches Buchwesen, die im 25. Jalıresberichte der Landes- 
rabbinerschule in Budapest (1902) erschienen ist. Auf diese Schrift, in der Prof. 
Blau mit Erfolg bemüht ist, die Forschungen Birts und Dsiatzkos auf dem 
Gebiete des klassischen und Wattenbachs auf dem des mittelalterlichen Bueh- 
wesens durch Klarlegung des jüdischen Schriftwesens zu ergänzen, wird noch 
zurückzukommen sein. In einem weiteren Aufsatz über „den Humor der hebräischen 
Manuskripte“ erzählt Mr. Adler nicht ohne ‚Laune, mit welchen Kniffen und 
Pfiffen er den ganz- oder halbasiatischen Judengemeinden die kostbarsten Hand- 
schriften abjagen mußte. Doch wird aus diesen ergötzlichen Reisebildern die 
Völkerkunde mehr Nutzen ziehen als die Buchgeschichte. Ganz verunglückt ist 
Adler's Aufsatz über die Geschichte des hebräischen Buchdrucks. Diese Geschichte 
— eine bescheidene aber nicht unrühmliche Episode der jüdischen Kultur- 
entwicklung — dient Adler zu einer Glorifizierung seines Volkes, die verständlich 
und berechtigt wäre, wenn er sich nicht zu den unerbittlichsten Feinden aller 
vagen Hypothesen, den Tatsachen, in ein sehr gespanntes Verhältnis setzte. Ver- 
stiegene Behauptungen als Beweise auszugeben ist stets gefährlich, geradezu 
töricht aber, mit Behauptungen zu operieren, die leicht zu widerlegen sind. 
Ohne sich mit der ersprießlichen Rolle der jüdischen Buchdrucker des 15. Jahr- 
hunderts zu bescheiden schreibt Adler (pag. 115), „One of the mysteries of 
history, a mystery not yet solved, is as to the part the Jews played in that 
great discovery (of printing). They certainly did play a part in it.* Dieses 
Geheimnis, wenn es je eines war, ist längst gelöst. Das einzigemal, da ein Jude 
in der Erfindungsgeschichte des Buchdrucks genannt wird, geschieht dies in 
den noch nicht genügend aufgeklürten Urkunden von Avignon. Ein wandernder 
Silberschmied aus Prag, Prokop Waldvogel, der an den ersten Druckversuchen 
Gutenbergs in StraBburg irgendwie beteiligt gewesen war, rief im Jahre 1444 in 
Avignon eine Gesellschaft ins Leben, die sich mit der gescháftlichen Ausnützung 
der Erfindung der ,ars artificialiter scribendi* befassen sollte, Unter den Teil- 
habern der Firma, die ebenso an Geld wie an Ideenmangel scheiterte, befand 
sich auch ein Jude Namens ,Davinus de Caderossia^ (V. Requin, l'impr. a Avignon 
en 1444). Darauf beschränkt sich nun der Anteil der Juden an der Erfindung 
des Buchdrucks. Nicht minder grotesk ist die Behauptung Adlers von dem 
Anteil der Juden an der Entdeckung Amerikas: Im Jahre 1496 wurde in der 
Offizin des Abraham d’Ortas in Leiria (Portugal) ein „Almanach Perpetuus“ des 


— 87 — 


Abraham Zacuto gedruckt. Dieses Werk nun befähigte Columbus auf seiner 
zweiten Entdeckungsreise eine Mondesfinsternis vorherzusagen, eine Prophezeiung, 
die die Eingebornen Jamaikas derart verblüffte, daß sie ihm statt Feindschaft 
Gehorsam schworen. Mr. Adler nennt nun diese artige Anekdote „a surviving 
monument of the part the Jews played in the discovery of America“! Zur 
Beleuchtung dieser sonderbaren Argumentierang sei es gestattet, folgendes an- 
zuführen: Die Columbusforschung (Harrisse, Bibl. Americ. vetust., Nordenskiöld, 
Facs.-Atlas till. Kartogr. äldsta hist.) hat ergeben, daß von allen Büchern, aus 
denen der Endecker seine theoretischen Kenntnisse schöpfte, die im Jahre 1483 
in Löwen gedruckte „Imago Mundi“ des Erzbischofs Pierre d'Ailly von Cambray 
den ersten Rang einnahm. Niemand aber dachte bisher daran, dem gelehrten 
Kardinal eine Rolle in der Entdeckung Amerikas zuzuschreibeu. Der kostbare 
Einfall, den Verfasser eines 1496 gedruckten Buches, Amerika mitentdecken zu 
lassen, blieb Adler vorbehalten. „Amicus Socrates, Amicus Plato, sed magis amica 
veritas". Solche Dinge sind nicht geeignet, die Kritik Adlers günstig zu beleuchten. 
Wer über Geschichte des Buchdrucks schreibt, darf auch nicht Sätze aufstellen 
wie diesen: „Ihe first book printed in Italy appeared at Rome in 1467“! 
Mr. Adler ist hier wieder von der Wahrheit etwa so weit entfernt, wie Eßlingen 
von Wien, eine geographische Entfernung, die er allerdings sehr zu unter- 
schätzen scheint, da er Peter Nigers Schrift gegen die Juden „at Esslingen near 
Vienna“ gedruckt sein läßt. Mr. Adlers Forschungen zeichnen sich überhaupt 
durch eine erhabene Verachtung alles dessen aus, was er Wissenschaft der 
„Gentiles* nennt, ein Ausdruck, den er etwa im Sinne unserer „Barbaren“ 
gebraucht. Aber er kontrahiert nicht nur auswärtige Schulden, auch auf seinem 
engsten Arbeitsfeld läßt er Rechnungen unbeglichen. So glaubt er, daß Konrad 
Fyner im ersten in Deutschland gedruckten Buch, das hebräische Lettern enthält, 
in dem obenerwähnten „Tractatus contra perfidos Judaeos de conditionibus veri 
Messiae* des Dominikaners Peter Schwarz (Niger) nur die ersten zwei W o 

der Genesis und das Tetragrammaton in hebräischen Lettern druckte. Adler 
weiß also nicht, daß dieser Druck außerdem noch das hebräische Alphabet mit 
der Transskription enthält (Facs. in Kat. Oischki LIII. S. 46), er ist ferner 
überzeugt, daß dieses am 6. Juni 1475 gedruckte Buch jünger ist als der am 
A Februar 1475 in Reggio hergestellte „Rashi“, was bei der Datierung des 
15. Jahrhunderts noch sehr zweifelbaft ist, er weiß endlich nicht, daß zwei 
Jahre später eine deutsche Übersetzung des Schwarz'schen Tractatus: „Chochaf 
hamschiah d.i. getülmeczt eyn stern des Meschiah“ erschien, die eine Anweisung 
zur Erlernung des Hebräischen enthält (Hanslik, Gesch. d. Prager Univ.-Bibl, 
481. — J. Rosenthal, Kat. Inc. Typ. 2857). Auch in seinen Hypothesen ist 
Mr. Adler sehr unglücklich. So, wenn er meint; „It would be only natural to 
suppose that a Prayer-Book or a Pentateuch would have been the first book a 
Jew wished to print.“ Jeder große Katalog von Wiegendrucken hätte Mr. Adler 
vom Gegenteil überzeugen können; es ist nur natürlich anzunehmen, daß ein 
solcher Druck nicht den Beginn, sondern den Abschluß einer Druckertätigkeit 
bildete: das Vorgehen Gutenbergs war für alle seine Jünger notwendig vorbildlich. 
So mag auch der sonst sehr interessante Aufsatz Mr. Adlers, der eine kursorische 
Darstellung des hebräischen Buchdrucks enthält, noch manche Unhrichtigkeit 
enthalten, die dem Durchschnittsleser, der nicht jeden Satz auf seinen Feingehalt 
prüfen kann, entgehf. Ohne Zweifel aber ist der Titel des Aufsatzes richtig: 


3* 


— 88 — 


„The Romance of Hebrew Printing.* Wie romantisch dieser Essay ist, lehren 
seine Eingangsworte: ,Throughout the Middle Ages, the Jews were practically 
alone in Europe to uphold science and literature.“ Wir wollen vom europäischen 
Festland absehen, aber einen solchen aus Dünkel und Ignoranz zusammengesetzten 
Ausspruch in der Heimat Alkuins, Bedas, Roger Bacons, Scotus Erigenas zu 
wagen, gleichsam angesichts der Küste Irlands, wo alle Quellen der transalpinen 
Kultur aufsprangen, verrät eine geistige Beschaffenheit, die jenseits aller Kritik 
liegt. Den Abschluß des Buches bildet eine vortreffliche in deutscher Sprache 
geschriebene Bibliographie Prof. W. Bach ers: .Zurjüdisch-persisehen Literatur. * 
Dem „Nestor der jüdischen Literatur“ Prof. M. Steinschneider hat Mr. 
Adler seine Aufsätze gewidmet. Aus den Arbeiten dieser beiden ausgezeichneten 
Gelehrten hat Adler aber wenig gelernt. Sonst würde er einsehen, daB man 
erst dann der Erkenntnis der Literaturdenkmäler seines Volkes näherkommt, 
wenn man sich über die Forschungen der ,Gentiles* nicht hochmätig hinweg- 
setzt, sondern sie dankbar verwertet. Keine Rolle spielt die Unwissenheit lieber, 


als die des Dünkels, keine aber auch schlechter. 
C—1I. 


Georg Jacob, Erwühnungen des Schattentheaters in der Weltliteratur. 
8. vermebrte Ausgabe der Bibliographie über das Schattentheater. Mit einer 
Tafel. Berlin, Mayer & Müller, 1906. 

Der Verfasser gibt hier eine sorgfältig aus- und umgearbeitete Bibliographie 
des Schattenspiels, die gegenüber der zweiten Auflage (vgl. M. d. 0. V. f. B. 
. VI. S. 41) bedeutende Fortschritte zeigt. Die Literaturangaben sind nicht nur 
bis auf die neueste Zeit fortgeführt, sondern auch vielfach ergänzt; ich zähle 
116 Titel in der 2. und 288 in der vorliegenden 8. Auflage in der Abteilung für 
das eigentliche Schattenspiel. Ist dieser Umstand ein Beweis für die Umsicht 
und den Fleiß des Herrn Verfassers, so sind anderseits auch die Veränderungen 
in der Ausstattung, Oktavformat statt des früheren, weit weniger handlichen 
Schmalfolio, sowie die nunmehr durchgeführte räumliche Trennung der einzelnen 
Jahrhunderte, lobend anzuerkennen. Es soll aber auch kein Vorwurf sein, wenn 
ich behaupte, daß die Bibliographie nicht lückenlos ist, und im Nachstehenden 
auf dem mir nächstliegenden Gebiete des japanischen Schattenspieles einige 
Ergänzungen bringe: Rämäyana, sarga XXIV Vers. 112. (13. Jhdt.); P. A. van 
der Lith, Nederlandsch-Oost-Indie, Doesborgh 1875, S. 825—827; P. J. Veth, 
Java, Haarlem 1875—1882, I. S. 451—454; Em. Metzger, Einiges über den 
Wajang auf Java in Globus 50, 1886, N. 22: M. Bartels, Das javanische Modell 
eines Wajang-Spieles in: Zeitschrift fiir Ethnologie 22, 1890, 8. 266; Nijland, 
Schetsen uit Insulinde, Utrecht 1893, S. 61; G. A. Wilken, Handleiding voor de 
vergelijkende volkenkunde van Nederlandsch-Oost-Indie, Leiden 1898, S. 101—104; 
H. H. Juynboll, Indonesische en Achterindische tooneelvoorstellingen uit het 
Ramayana in: Bijdragen tot de Taal-, Land- enVolkenkunde van Nederlandsch- 
Indie, 6. volgr. X, 1902, S. 627—565 (mit Texten); H. Blink, Nederlandsch-Oost- 
en West-Indie geographisch, ethnographisch en economisch beschreven, Leiden 
1905, S. 409—411; Encyclopaedie van Nederlandsch-Indie, 's Gravenhage-Leiden 
1897—1905, 4 deel, S. 402—410, unter „Tooneel“. Außerdem finde ich in. 
holländischen Quellen angeführt: Feestbundel, aangeboden aan Prof. Kern, 
S. 325—332, Een Ngruwat-voorstelling, konnte aber das Buch selbst nicht einsehen, 


— 89 — 


Die vorliegende Bibliographie war jedenfalls schon in Druck, als mein Aufsatz 
„Das javanische Drama (Wajang)* in den Mitteilungen der anthropologischen 
Gesellschaft in Wien Bd. 35, Dez. 1905 erschien. 

Dr. H. Bohatta. 


AUS ÓSTERREICHISCHEN BIBLIOTHEKEN. 


(K. k. Hof-Bibliothek.) Wenn auch nur eine kurze Spanne Zeit seit der 
Eröffnung der neuen Räumlichkeiten der k. k. Hof-Bibliothek verflossen ist, so 
lautet doch schon jetzt das allgemeine Urteil dahin, daß die durchgeführten 
baulichen Veränderungen, seien sie nun Um- oder Zubauten, in glänzender, den 
weitgehendsten Anforderungen entsprechender Weise vollzogen worden , sind. 
Wohl der beste Beweis für die glückliche Lösung der hierbei auftretenden 
Schwierigkeiten dürfte in dem Empfinden liegen, das sich jedem Besucher 
sogleich beim Eintritt in das neue Vestibül aufdrängt, als ob dies alles schon 
längst bestanden hätte. Aus dem einst düsteren, dumpfen Raum eines Bücher- 
magazines hat Oberbaurat Friedrich Ohmann ein luftiges, lichtdurchflutetes 
Vestibül geschaffen. Aus einem schmucklosen, rechteckigen Raume hat die 
geniale Hand des Architekten einen imposanten Kuppelraum mit elliptischem 
Grundriß gebildet, welcher an der dem Eingange gegenüberliegenden Seite die 
Garderobe, sowie die Kassa beherbergt. Vier Epitapbien, von Fruchtkränzen 
umzogen, enthalten die Namen der einstigen Präfekten der k. k. Hof-Bibliothek:. 
Blotius, Lambeck, Van Svieten und Dietrichstein. Zwei Türen führen von hier 
aus in das alte Büchermagazin unterhalb des Prunksaales, in die sogenannte 
Remise. Unter dieser wurden die neuen Büchermagazine mit den modernsten 
Mitteln der Technik angelegt. Galt es doch, den daselbst untergebrachten 
Büchermassen Licht, Luft und Wärme in gleichmäßiger Weise zuzuführen. Obwohl 
die untersten Stellagen sich volle vierzehn Meter unter dem Niveau des Josefs- 
platzes befinden, wurde trotzdem durch Anlage von breiten, mit weißen, glasierten: 
Tonplatten ausgepolsterten Schächten und durch Anwendung der bekannten 
Luxferprismen eine Luft- und Lichtzufuhr erreicht, die alle Befürchtungen bezüglich 
der Unterkellerung und der damit verbundenen Feuchtigkeitsgefahr zunichte 
macht. Sämtliche Stellagen, sowie die durchbrochenen Fußböden sind, ähnlich 
den Magazinen des k. u. k. Haus-, Hof- und Staatsarchivs, in Eisenkonstruktion 
durchgeführt. Die Röhren der Dampfheizung sind längs den Fenstern der 
Lichtschächte angelegt, so daß eine gleichmäßig temperierte Wärme sämtliche 
Abteilungen des Magazins durchzieht. | 

Doch kehren wir zu dem Vestibäl zurück. Ein Windfang sowie ein in 
spätem Empire gehaltenes Eisengitter trennen es von dem alten Stiegenhause, 
das infolge des seitlichen Einganges soviele Jahre hindurch seine ganze Wirkung 
eingebüßt hatte und erst jetzt durch diese bauliche Veränderung seine zentrale 
Bedeutung erlangt hat. In der Höhe des ersten Treppenabsatzes führt seitlich. 
eine Türe in die Räume der neuen Musikalienabteilung. Im ersten Stockwerke 
angelangt, wird der Besucher durch eine Aufschrift „Lesesaal“ zuerst in einen, 
mit einer reichstukkierten Tonne überdeckten Vorraum gewiesen, der als Winter- 
garderobe gedacht ist. Daran schließt sich ein weiteres in hellen Tönen gehaltenes 
Zimmer an, das durch Anlage von Schranken in einen Mittelgang und zwei 
seitliche Abteilungen getrennt ist, von denen die auf der rechten Seite befind- 


— 90 — 


liche der Bücherausgabe vorbehalten ist, während die linke zur Einreichung der 
Bücherbestellzettel und zum Nachschlagedienst dient. Eichene Schränke bergen 
den alten Bandkatalog sowie die Kassetten, welche bestimmt sind, den begonnenen 
kleinen Nominalkstalog aufzunehmen. Ausserdem ist an den Fensterpfeilern ein- 
Teil der Handbibliothek des Lesesaales aufgestellt. Vom Nachschlageraum führt 
sowohl eine pneumatische Post in den Katalogsraum hinüber, mit dem außerdem 
eine telephonische Verbindung weitere Vermittlungen ermöglicht. 

Bieran schließt sich der sogenannte Augustiner-Saal, der einstige Biblio- 
theksraum des benachbarten Klosters, welcher so viele Jahre als Büchermagazin 
gedient hatte und nun endlich einer würdigeren Aufgabe übergeben worden ist, 
indem man ibn zum neuen Lesesaal adaptierte. Je sieben Tische, die für je sechs- 
Leser ‚reichlich Platz gewähren, sind zu Seiten eines breiten Mittelganges auf- 
gestellt. Am Ende des Saales führen mehrere Stufen auf ein Podium, das als 
Leseraum für die Zeitschriften dient. An der Rückwand dieses abgegrenzten Raumes. 
wurden 1740 Stellfächer mit fortlaufender Numerierung angeordnet zum Auf- 
bewahren der Zeitschriften, über die ein sowohl nach den Nummern, als auch. 
nach den alphabetischen Titeln angeordneter Katalog Aufschluß erteilt. Das große 
Deckenfresko von der Hand des österreichischen Historienmalers Johann Wenzel 
Bergl (1718 [19?] bis 1789) im September und November 1773 entstanden, zerfällt 
in ein großes Mittelstück, an dessen Rändern die vier Fakultäten dargestellt sind, 
während in zwei Seitenstücken der Parnaß und eine Allegorie der Mechanik und 
Rhetorik gemalt erscheinen. Das duftige Blau des Himmels, die goldigen 
Wolken, auf denen sich zahlreiche Putti mit Lorbeerkränzen und -Zweigen herum- 
tummeln, die bunten Gewünder der allegorischen Figuren verleihen im Vereine 
mit dem warmen Braun und der diskreten Vergoldung der reich mit Intarsia 
geschmückten Bücherschränke dem Raum jenen unbeschreiblichen Zauber, den 
unsere heimischen Klosterbibliotbeken wie Göttweih und Herzogenburg auf jeden 
Beschauer ausüben. Infolge der sorgfältigen Restauration der Fresken, sowie der 
ziclbewußten Ergänzung, wurde dieser stimmungsvolle Eindruck so viel als möglich 
erhalten. Wenn man von den elektrischen Stehlampen und anderen unvermeidlichen 
modernen Einrichtungsstücken absieht, so hat sich die Wahl dieses Raumes zum. 
neuen Lesesaal dea Institutes in jeder Beziehung als glücklich erwiesen, abgesehen 
von dem Umstande, daß nunmehr doppelt so viele Besucher bequem Platz finden 
können, als es in dem alten Arbeitszimmer der Fall gewesen ist. 

Die jüngsten umfassenden baulichen Veränderungen in der k. k. Hof- 
bibliothek waren der Anlaß, wenn auch nicht die ausschließliche Ursache einer 
durchgreifenden Reorganisation und Umgestaltung des gesamten Dienstes. Während 
in den beschränkten Amtsräumen, die bis zum Jahre 1886 zur Verfügung 
gestanden hatten, eine tiefergehende Gliederung der Dienstagenden sich sozusagen 
von selbst verbot, hatte die allmähliche Erweiterung, die seit dem genannten Jahre 
platzgriff, eine gewisse Lockerung der ursprünglichen Konzentration zur Folge, 
die aber unorganisch, mehr durch lokale und persönliche Zufälligkeiten bedingt, 
die Bildung sogenannter Departements herbeiführte, in denen manchmal sachlich 
Zusammengehöriges getrennt behandelt wurde. Vor dem Jahre 1886 waren in 
einem Raum der große Nominalzettelkatalog der Druckwerke, das Handschriften- 
lesezimmer, der Buchbinderdienst und die Kanzlei, im Lesezimmer noch die 
Leitung der Kupferstichsammlung und der Ankaufsdienst untergebracht; die 
Kanzleiarbeiten wurden notabene! von den wissenschaftlichen Beamten versehen. 


— 91 — 


Nach dem Jahre 1886 trat infolge der lokalen auch eine sachliche Trennnung 

dieser Agenden ein und entwickelte sich bis zum Schlusse des Jahres 1905 zu 

folgender Verteilung: die Handschriftenabteilung, die Kupferstichabteilung, die 

Papyrusammlung, die Musikaliensammlung, die Ankaufsabteilung, die Pflicht- 

exemplarabteilung, die Einlaufsabteilung, das Nominalkatalogs-Departement, das 

Realkatalogs-Departement, die Lesedienstverwaltung, die Buchbinderabteilung, 

Ausleihabteilung, Rechnungskanslei und Registratur. Dabei spielte sich der Dienst 

in diesen verschiedenen Departements doch wieder vielfach in gemischter Weise 

ab, indem z. B. Handschriftenlesezimmer, Ankaufs-, Buchbinderei- und Ausleih- 
abteilung in einer Zimmerflucht lagen, der Kanzleidienst im Lesezimmer besorgt 

werden mußte u. s. w. 

Dies alles erfuhr mit der Vollendung der neuesten Umbauten am Schlusse 
des Jahres 1905 eine totale Umgestaltung. Die Verteilung des Gesamtdienstes 
in so weit auseinanderliegende Trakte und Stockwerke bedingte eine größere 
Konzentration des Zusammengehödrigen und eine größere Selbständigkeit der neu 
entstehenden Dienstabteilungen. Umsomehr mußte aber andererseits eine möglichst 
gleichmäßige Verteilung der rein bibliothekarischen Agenden angestrebt werden, 
und die Kombination dieser beiden Faktoren ergab als Resultat die Ausarbeitung 
einer „Allgemeinen Diensteinteilung“, aus der die wichtigsten Stellen hier, teil- 
weise wörtlich, angeführt werden: 

Der bibliothekarische Dienst an der k. k. Hofbibliothek zerfällt in die 
bibliothekstechnischen undindie bibliothekswissenschaft- 
lichen Agenden.*) 

a) Die bibliothekstechnischen Agenden sind jene, die sich auf die 

Aufbewahrung, Verzeiehnung und Benützung der Sammlungen beziehen. 

Zur Besorgung dieser Agenden ist der gesamte Dienst auf 8 Abteilungen 

verteilt. Diese Abteilungen sind: 

1. Die Handschriftensammlung (inkl. Autographen- 
sammlung). 

. Die Inkunabelsammlung. 

. Die Papyrussammlung. 

Die Impressensammlung. 

. Die geographische Kartensammlung. 

. Die Kupferstich- und Porträtsammlung. 

. Die Musikaliensammlung. 

. Buchbinderei. 

b) Diebibliothekswissenschaftlichen Agenden sind jene, welche 
sich auf die Ergünzung, Bearbeitung und bibliographische Beschreibung 
der Bibliotheksbestände, sowie auf die fachwissenschaftliche Auskunfts- 
erteilung über diese beziehen. Sie sind auf Referatgruppen verteilt, deren 


CO NS en Wa Co Pi 


*) Die Wahl dieser Ausdrücke und ihre in den folgenden Sätzen stehende 
Definition geschah ad hoc und der Kürze wegen, obwohl man sich sehr wohl 
bewußt war, daß sie weder dem Sprachgebrauche noch einer streng dialektischen 
Kritik genau entsprechen. Der Leser wolle daher keinen Anstoß daran nehmen, 
sondern sie als das betrachten, was sie hier sein sollen: die prägnantesten 
Bezeichnungen zweier kontrastierender Geschäftsgruppen. 


— 09 — 


jede durch einen Referenten nebst einem oder mehreren Korreferenten 

vertreten wird. 

Diese Referate sind : 

A. Enzyklopädie, allgemeine Literatur und Gelehrten- und Universitäts- 
geschichte. 

. Bibliotheks- und Bücherkunde. 

. Philosophie und Pädagogik. 

. Geschichte (samt Hilfswissenschaften). 

. Geographie (inkl. Landkartenkunde) und Ethnographie. 

. Anthropologie und allgemeine Ethnologie. 

Naturwissenschaften (inkl. Medizin). 

. Mathematische Wissenschaften. 

Allgemeine und vergleichende Sprachwissenschaft, orientalische, 

afrikanische, amerikanische und australische Sprachen. 

. Klassische Philologie. 

. Germanische Philologie. 

. Romanische Philologie. 

. Englische Philologie. 

. Slavische Philologie. 

. Hungarica. 

. Kunstwissenschaften. 

. Musikwissenschaften. 

. Rechts- und Staatswissenschaften. 

. Theologie und Religionswissenschaft. 

. Militaria. 

. Technologie, Ökonomie, Handels- und Verkehrskunde. 

Der Referent und die Korreferenten verteilen die ihr Referat betreffenden 
bibliothekswissenschaftlichen Agenden untereinander in der Art, daß die besondere 
fachwissenschaftliche Eignung eines jeden nach Möglichkeit berücksichtigt wird, 
sind aber solidarisch für die Erledigung der Referatsagenden verantwortlich und 
haben sich daher gegenseitig im Verhinderungsfalle ohneweiters in deren 
Besorgung zu vertreten. Zu den Referatsgeschäften gehören insbesondere: Die 
Vorschlagserstattung für die anzukaufenden Werke (Bücher, Handschriften etc.), 
die Kontrolle der Pflichtexemplare-Einlieferung, die Beschreibung der neu ein- 
gelaufenen und die Neubeschreibung der unrichtig beschriebenen Werke für die 
verschiedenen allgemeinen Kataloge (Nominalkataloge, Realkatalog u. s. w.), die 
Führung und Evidenzhaltung der Fortsetzungszettel, die Vorrichtung der Werke 
für den Einband (so insbesondere die Bestimmung der Rückentitel), die Ordnung 
der in das betreffende Referat fallenden Klassen des Realkatalogs, sowie die 
Erteilung fachwissenschaftlicher Auskünfte an das Publikum ; zu letzterem Zwecke 
wird es gerne geselıen, wenn die Beamten Fachkataloge für ihr Referat 
anlegen und führen, jedoch keinesfalls mit Hintansetzung der laufenden Haupt- 
geschüfte. In weiterer Ausgestaltung der Referatsgeschäfte ist auch eine 
Budgetierung für die Anschaffungs- und Buchbinderauslagen der einzelnen 
Referate in Aussicht genommen. 

Jeder wissenschaftliche Beamte der k. k. Hofbibliothek hat sowohl Agenden 
bibliothekstechnischer als auch solche bibliothekswissenschaftlicher Art zu ver- 
sehen, deren Verteilung aus der Diensttabelle ersichtlich ist. Zur Hilfeleistung 


ri each 


2 aivdrm béis Rtg 


98 — 


bei den bibliothekstechnischen Agenden wird jeder Abteilung die entsprechende 
Dienerzahl beigegeben. Für die rein mechanischen Arbeiten an den Katalogen 
sind der Impressenabteilung Maschinschreiberinnen zugewiesen, über deren 
Verwendung der Leiter dieser Abteilung verfügt. Um den Beamten die unum- 
gänglich nötige Vertrautheit mit den Einrichtungen der Kataloge zu verschaffen, 
wird jeder neu eintretende Herr unbeschadet seiner allfälligen anderweitigen 
Verwendung in Hinkunft durch mindestens zwei Monate der Impressenabteilung 
zur Einführung zugeteilt. 

Außerdem bestehen zur Besorgung der Kanzleigeschäfte eine BRUNNEN 
kanzlei und eine Registratur. 

Es muß noch erwähnt werden, daß bei der Verteilung der Räumlichkeiten 
auch das der Hofbibliothek angegliederte k. k. Regionalbureau für naturwissen- 
schaftliche Bibliographie, dessen Leiter der Referent für die Naturwissenschaften 
ist, berücksichtigt werden mußte. 

(Die Volksbibliotheken in Wien im Jahre 1905.) Wien zählte im Jahre 
1906 42 öffentliche Volksbibliotheken. Davon gehörten eine dem Vereine „Volks- 
bibliotkeksverein“, dem ältesten der Wiener Volksbildungsvereine (gegründet 1879), 
14 dem „Wiener Volksbildungsvereine“, 21 dem Vereine „Zentral-Bibliothek* 
und 6 dem Vereine ,Velkslesehalle*. Diese Bibliotheken gaben zusammen 
3,418.000 Bände aus, u. zw. der „Volksbibliotheksverein“ 52.000, die „Volkslese- 
halle“ 140.000, der Volksbildungsverein 1,147.000, die „Zentral-Bibliothek“ 
2,079.000. Die größte Zahl der Entlehnungen in einer Bibliothek hatte die Zentral- 
Bibliothek im I. Bezirke, Rotenturmstraße 19, nämlich 787.600, dann der Volks- 
bildungsverein im XVI. Bezirke, Koflerpark 7, 228.500 Bände. Die Bibliothek in 
der RotenturmstraBe gab an einem einzigen Tage 5736 Bände aus. Dort befindet 
sich auch die neu eingerichtete fleißig benützte Musikbibliothek, die nur ernste, 
meist klassische Musikwerke ausgibt. Im Gebäude des Volksheims, XVI. Bezirk, 
Koflerpark 7, errichtete der Wiener Volksbildungsverein eine sehr reich aus- 
gestattete Lesehalle. Sie enthält 140 Sitzplätze; sämtliche Wiener Tagesblätter 
aller Parteien, zahlreiche wissenschaftliche und belletristische Zeitschriften und 
eine auserlesene wissensehaftliche Handbibliothek stehen dem Publikum zur Ver- 
fügung. Die Halle wurde am 6. November 1905 eröffnet und bis zum 31. Dezember 
von 8929 Personen besucht. Vom 1. Jänner bis letzten Mai d.J. war die Besucher- 
zahl 17.472. Da Wien mit seinen 1:8 Millionen Einwohnern 2:8 Millionen Bünde 
Ausleihungen hatte, Berlin mit über 2 Millionen Einwohnern 8:1 Millionen Bánde, 
Paris mit 26 Millionen Einwohnern 2°1 Millionen Bände, kann Wien mit dem 
Resultate des Jahres 1905 sehr zufrieden sein. | 

i. h. 


VEREINS-NACHRICHTEN. 
Die ersten zehn Jahre des Österreichischen Vereines für 
Bibliothekswesen. 


Im Frihjahre 1895 vereinten sich einige jüngere Beamte der Wiener 
Bibliotheken, um den Gedanken zu erwägen, ob man nicht in Österreich 
einen Sammelpunkt aller für das Bibliothekswesen interessierten Kreise 


— 94 — 


bilden solle. Während man im Auslande, besonders in England, Frankreich, 
Italien, Vereine von Bibliothekaren tätig sah, die für die allen gemeinsamen 
Fragen gemeinsam wirkten, berieten und ihre Fachorgane hatten, während 
in Österreich selbst fast alle anderen Beamtenzweige ihre Vereinigungen 
besaßen und in ihnen Standesfragen behandeln und gemeinsame Interessen 
fördern konnten, fehlte den über die ganze Monarchie ausgebreiteten 
Bibliotheksbeamten jegliche Möglichkeit einer gemeinsamen Aussprache. 
Im Norden und Süden des Reiches wirkten Männer im selben Berufe, mit 
denselben Standessorgen; der Hof, der Staat, Städte, die Länder des Reiches 
besaßen Bibliotheken, die von einem Stabe von Beamten verwaltet wurden; 
dazu kamen noch die vielen Privatbibliotheken, besonders die Kloster- 
bibliotheken mit ihren kostbaren Schätzen. Überall gab es die gleiche 
Verwaltung, ähnliche Bestrebungen, ähnliche Ziele, aber nirgends etwas 
Gemeinsames; kaum daß man von einander wußte. Dem sollte abgeholfen 
werden. Zum Zwecke der Bildung eines Vereines von Bibliothekaren trat 
am 8. Dezember 1895 eine Versammlung von Bibliotheksbeamten zusammen, 
in der unter Vorsitz des damaligen Direktors der Hofbibliothek Dr. Ritter v. 
Hartel über die einzuleitenden Schritte gesprochen wurde. Ein vorbereitendes 
Komitee, an dessen Spitze wieder Exzellenz Ritter v. Hartel und neben 
ihm Regierungsrat Dr. Grassauer, der Vorstand der Wiener Universitüts- 
Bibliothek, Regierungsrat Dr. Leithe, der Vorstand der Bibliothek der 
technischen Hochschule, und Dr. Glossy, der Vorstand der Wiener Stadt- 
bibliothek, standen, beriet eingehend die Satzungen des zu gründenden 
Vereines und berief nach deren behördlicher Genehmigung für den 
23. Februar 1906 die konstituierende Versammlung ein. 


Zehn Jahre sind es nun, daß der „Österreichische Verein 
für Bibliothekswesen“ wirkt. Wenn dies auch im Leben einer 
Allgemeinheit, selbst eines Vereines, eine recht kleine Spanne Zeit ist, 
bedeutet es doch für die Mitglieder, die diese Jahre hindurch am Vereine 
mitgewirkt haben, einen wesentlichen Teil ihres Lebens, einen Teil, in dem 
sie in der Vollkraft des Schaffens, der Höhe ihrer Kräfte stehen. Zehn 
Jahre jünger waren alle, die damals, sei es voll kühner Hoffnungen, sei es 
bedächtigen Sinnes oder mit lächelnder Skepsis an der ersten Vereins- 
versammlung teilnahmen. Die ersten zehn Jahre des Vereines sind vorüber- 
geeilt und es ist wohl begreiflich, daB der Verein heute einen Blick nach 
rückwárts wirft und den Weg übersieht, den er zurückgelegt hat, daB er 
die bedeutsamen Geschehnisse dieser Zeit betrachtet, daß er sich dessen 
erinnert, was er vor zehn Jahren den ungewissen kommenden Tagen ent- 
gegensehend gewollt hat. Der S 1 der Satzungen, auf Grund deren sich 
der Verein konstituierte, lautet: „Der Österreichische Verein für Bibliotheks- 


sur SE „ie 


wesen hat den Zweck, das Bibliothekswesen in Österreich zu fördern.“ 
Fragen wir uns nun heute, was haben wir in diesen zehn Jahren getan, 
um dieser ethischen Grundlage des Vereines gerecht zu werden ? Den Mit- 
gliedern des Vereines sollen bekannte, aber im Laufe der Jahre vielfach 
aus dem Gedächtnisse entschwundene Tatsachen mitgeteilt werden, die in 
ihrer Zusammenfassung dartun sollen, in welcher Weise der Verein seinen 
Aufgaben nachgegangen ist. Aber auch die Öffentlichkeit hat ein Recht, 
sich für unsere Tätigkeit zu interessieren. Denn das Bibliothekswesen ist. 
keine Frage eines einzelnen Standes, es hat im Verwaltungsorganismus 
des Staates ein wesentliches, wichtiges Glied zu bilden. In den Bibliotheken 
sind die Ergebnisse fast des gesamten Geisteslebens eines Volkes, das 
heute vorzugsweise in der Sprache des Buches spricht, niedergelegt; die- 
wissenschaftliche, literarische, politische Tätigkeit der ganzen Welt gibt 
ihren Rückstand an die stillen Buchbretter der Bibliotheken ab; hier ruht 
das früher lebendige Geistesleben aller Zeiten, aller Nationen, bis es den 
Forschern und Wissensdurstigen der künftigen Tage zu neuen Taten, neuem 
Schaffen Kraft und Stoff gibt. Die Bibliotheken von heute sind keine toten 
Museen, keine leblosen Archive, sie sollen der frische Born sein, aus dem. 
dies Geschlecht von heute schöpft; sie sollen diesem Geschlechte auch die 
Berubigung gewähren, daß das Große und Kleine ihres geistigen Schaffens. 
erhalten bleibt für künftige Zeiten, wenn die Menschen von heute schon 
längst dahin geschwunden sind. Das ist die soziale Aufgabe der Bibliotheken ;. 
diese zu fördern ist der Zweck unseres Vereines und in diesem Sinne sind 
wir auch den weiteren Kreisen der Öffentlichkeit Rechnung schuldig, wie: 
weit wir in den ersten zehn Jahren dieser sozialen Aufgabe gerecht 
wurden. 


Die räumliche Ausbreitung unseres Vereines über die ganze Monarchie 
von Innsbruck bis Czernowitz, von Lemberg bis Laibach, die Verschieden- 
heit der Art der Bibliotheken, denen selbst die Mitglieder in Wien an- 
gehörten, bringen es mit sich, daß der richtige Boden, auf dem die Vereins- 
angelegenheiten erörtert werden können, nicht die wohl nur wenigen zu- 
gänglichen Vereinsversammlungen sind, sondern ein gedrucktes Organ, das 
allen Mitgliedern in allen Teilen des Reiches gleich zugänglich ist, das in 
der ruhigen Form des geschriebenen Wortes eine Besprechung der alle 
gemeinsam interessierenden Fragen ermöglicht. An einem solchen Organe 
kann der Kollege im Süden und Norden, im Osten und Westen in gleicher 
Weise teilnehmen; hier erfährt er, was irgendwo in einer Bibliothek des 
Reiches vorgeht, hier kann er von den Fragen und Sorgen erfahren, die 
die bibliothekarischen Herzen erfüllen, hier ist ihm die Möglichkeit geboten, 
selbst mit seinen Ansichten hervorzutreten und eventuelle Arbeiten im 


= OG. se 


4rebiete der Bibliothekswissenschaft zu veröffentlichen. Die Schaffung eines 
solchen Vereinsorganes wurde daher sofort ins Auge gefaßt. Die freundliche 
Einladung des damaligen Herausgebers des „Zentralblattes für Bibliotheks- 
wesen? Geheimen Rats Dr. Hartwig m Halle das „Zentralblatt“ gewisser- 
maßen als Organ unseres Vereines zu betrachten und alle gewünschten 
Mitteilungen dort erscheinen zu lassen, wurde dankend abgelehnt und gleich 
in der 2. AusschuBsitzung am 20 April 1896 wurde beschlossen Schritte 
zu tun, ,Mitteilungen des Osterreichischen Vereines fir 
Bibliothekswesen“ erscheinen zu lassen. Daß die Herausgabe der- 
selben noch etwas auf sich warten ließ, wurde durch den Mangel an vor- 
handenen Geldmitteln verursacht; ja es schien zweifelhaft, ob der Verein 
mit seinen Mitgliederbeiträgen überhaupt imstande sein werde, solche Mit- 
teilungen in größerer, würdigerer Weise erscheinen zu lassen. Die Frage, 
ob man ein „Jahrbuch“ oder öfter im Jahre erscheinende „Mitteilungen “ 
erscheinen lassen solle, wurde in der Generalversammlung vom 27. Fe- 
bruar 1897 zugunsten der letzteren entschieden, und der Verein hat dies 
Entscheidung bis jetzt wohl nicht zu bereuen gehabt. Bereits am 1. August 
1897 konnte die erste Nummer der ,Mitteilungen* erscheinen. Von da an 
haben sie sich stetig entwickelt; während der 1. Jahrgang in zwei Nummern 
58 Seiten, der 2. 80 Seiten und auch der 3. nur 90 Seiten zählte, hat 
der 8. Jahrgang 216, der letztvollendete 9. 260 Seiten. Im wachsenden 
Umfange des Vereinsorganes zeigt sich das Gedeihen des Vereines selbst; 
denn dieses verdankt sein Wachstum nur der Opferwilligkeit der Mitglieder 
für die Zeitschrift, dem Interesse, das ausländische wissenschaftliche Kreise 
für die Mitteilungen hegen und der wohlwollenden Fürsorge der offiziellen 
Faktoren unseres Staates. Denn das hohe Unterrichtsministerium gab der 
freundlichen Beurteilung der wissenschaftlichen Bestrebungen unseres 
Vereines Ausdruck, indem es bereits im März 1898 zunächst für wissen- 
schaftliche Beihefte zu den Mitteilungen eine einmalige Subvention von 
300 fl. = 600 K gewährte. Diese wurde später zu einer jährlichen, die 
im Jahre 1903 auf 1000 X erhöht wurde. Auch die hohe n.-ö. Statthalterei 
subventioniert den Verein schon seit dem Jahre 1898 mit jährlich 100 X. 
Seine Majestät der Kaiser selbst gab im Jahre 1904, 500 K aus seiner 
Privatchatouille dem Vereine; das hohe k. u. k. Obersthofkämmereramt gab 
in den Jahren 1901 und 1902 je 400 K, während die k. k. Hofbibliothek 
aus dem Erlöse der Gutenberg-Ausstellung im Jahre 1900 einen gleichen 
Betrag spendete. Diese Subventionen seien hier erwähnt, weil sie zum 
Teile in ausgesprochener Absicht zur Unterstützung der Mitteilungen ge- 
geben wurden, teils veranlaßt durch Vorlage des jeweilig letzten Jahrganges. 
Allen, Seiner Majestät dem Kaiser zuerst, und allen anderen hohen Gönnern 


— 97 — 


des Vereines sei daher auch hier an dieser Stelle der wärmste, tiefgefühlte 
Dank für diese Unterstützung der Bestrebungen der Österreichischen: 
Bibliotheksbeamten zum Ausdrucke gebracht. 

Die „Mitteilungen“ wurden zuerst von Dr. Donabaum, von Jahr- 
gang III an von Dr. Weisz, vom Jahrgange VIII an von Dr. Crü well 
redigiert. Für die Stellung, die sie sich in der wissenschaftlichen Welt 
errungen haben, zeigt der Umstand, daß das Blatt, das in uneigennütziger 
Weise von der Buchhandlung Gerold & Cie. vertrieben wird, heute 
schon einen für einen so beschränkten Interessenkreis namhaften Ertrag 
abwirft. Alle Gebiete des bibliothekarischen Wissens werden in den Mit- 
teilungen behandelt, die technischen Fragen der Verwaltung, der Katalogi- 
sierung finden in ihnen ihre Behandlung ; Standesfragen waren oft Gegen- 
stand der Für- und Widerrede; Notizen persönlicher und sachlicher Natur 
über das bibliothekarische Leben des In- und Auslandes bilden das feste 
Band, das den vereinzelten, zerstreuten Elementen die Zusammengehörigkeit 
zu einem großen Ganzen immer lebhaft bewußt werden läßt. 

Außer den „Mitteilungen“ hat der Verein auch noch „Schriften“ 
herausgegeben, deren erstes Heft der Aufsatz Professor Dr. v. Weilen’s 
„Zur Wiener Theatergeschichte“ bildet. Er erschien als Anhang zu den 
Mitteilungen und wurde dann gesammelt herausgegeben. Die zweite Publi- 
kation, die unter der Ägide des Vereines erschien, ist das „Adreßbuch 
der österreichischen Bibliotheken* von Bohatta und Holzmann. 
Der Verein hat das Erscheinen dieses allen Bibliothekaren bestbekannten 
Werkes durch eine größere Subvention an die Herausgeber ermöglicht. 
Ergänzungen und Nachträge hiezu sind dann später in den „Mitteilungen“ 
geliefert worden. 

Erwähnt sei an dieser Stelle eines Planes, der im Anfange den 
Verein lebhaft bescháftigte. Es handelte sich um die Herausgabe eines 
jährlich erscheinenden „Österreichischen Kataloges“. Es sollten 
alle in Österreich im Laufe eines Jahres erscheinenden Werke in allen 
Sprachen Cisleithaniens aufgezeichnet werden, gewissermaßen als Fortsetzung 
des im Jahre 1888 eingegangenen, als Beilage zur Österr.-ungar. Buch- 
bändlerkorresponeenz erschienenen „Österreichischen Kataloges*. Das 
Werk war als eine Art bibliographia patria gedacht; alle Bibliotheken des 
Reiches sollten an der Arbeit mitbeteiligt sein, die Titelaufnahmen sollten 
streng wissenschaftlich sein; eine möglichste Vollständigkeit war geplant. 
Die Ausführung dieses Planes scheiterte an dem, woran ja oft die besten 
derartigen Unternehmungen so gerne scheitern — an der leidigen Geld- 
frage. Kein Verleger wollte ein solches Werk auf sein Risiko nehmen, 
ohne ausreichende Garantie einer bedeutenden Staatssubvention — eine. 


ime EE, e 


:solche konnte der Verein nicht bieten und so unterblieb der „Österreichische 
Katalog‘. 

Ein weiteres Gebiet der Tatigkeit waren die Vortrage. Begreiflicher- 
weise beschränkte sich die Teilnahme an diesen auf die Wiener Kollegen 
und nur ab und zu konnte der Verein bei solchen Gelegenheiten Mitglieder 
von auswärts in seiner Mitte sehen. Der erste Vortrag wurde in der kon- 
stituierenden Versammlung am 23. Februar 1896 von dem Vorstande der 
Wiener Universitäts-Bibliothek, dem späteren Hofrate Dr. Grassauer 
gehalten; er war gewissermaßen programmatischer Natur uud handelte 
über „Ziele und Aufgaben des modernen Bibliothekswesens*. Ihm reihten 
sich die verschiedensten anderen an und alle Fragen, die den Geist und 
das Herz der Bibliothekare berühren, wurden hier behandelt. Bibliotheks- 
wissenschaftliche Vorträge und Vorträge literarischer Natur wechselten mit 
Besprechungen bibliographischer Arbeiten. Erinnert sei diesbezüglich an 
die Vorträge Junkers über das Deweyische System, Eichlers über 
Begriff und Aufgabe der Bibliothekswissenschaft, Haas’ über den Biblio- 
thekartag in Dresden, Ortners über die österreichischen Studienbibliotheken, 
Himinelbaurs über Volksbibliotheken, Geyer süber Zeitungsbibliotheken, 
Mantuanis über Musiknotendrucke, Wolkans über mittelalterliche 
Handschriften aus Böhmen, Crüwells über den Bücherfluch, Haas’ 
über Bücherfeinde, Eichlers über moderne Bibliotheksbauten, H eberdeys 
über die in Ephesus ausgegrabene Bibliothek und manche andere. Alle 
auftauchenden Fragen der Katalogisierung fanden ihr Echo in den Vereins- 
abenden. So wurde besprochen der Realkatalog der k. k. Hofbibliothek, 
die Beschreibungsvorschriften für die Katalogisierungsarbeiten derselben 
Bibliothek, die Berliner Instruktion sogar von zwei verschiedenen Gesichts- 
punkten aus. Nicht mindere Aufmerksamkeit bei den Mitgliedern erregten 
Diskussionen über Standesfragen: Die Aufrollung der Titelfrage, die Dis- 
kussion über die wissenschaftliche Qualifikation der staatlichen Bibliothekare 
und eine wünschenswerte Bibliothekarsprüfung, der Vortrag über die Be- 
förderung im Bibliotheksdienste und anderes. Die Vereins- und Diskussions- 
abende gaben vielfache Anregungen; in oft lebhafter Rede und Wechsel- 
rede wurden die für das Bibliothekswesen wichtigsten Fragen behandelt. 


Viele dieser an den Diskussionsabenden behandelten Gegenstände 
wurden dann die Veranlassung zu Aktionen des Ausschusses. 
So wurden eingehend die Schritte beraten wegen eines Generalkataloges 
der Handschriften der österreichischen Staats-Bibliotheken, der Beitritt 
Österreichs zur Berner Konvention, die Verbesserung der Lage der definitiven 
und der Aushilfsdiener. Das alles spricht sich rasch aus, es gab aber eine 
Reihe von Arbeiten, die den Ausschuß und verschiedene Subkomitees lange 


— 09 — 


beschäftigten. In mehreren Fällen trat der Verein mit Petitionen an die 
hohe Regierung und die beiden Häuser der Legislative heran. Das war z. B. 
in der Frage wegen Schaffung eines Reichsgesetzes für das Volksbibliotheks- 
wesen der Fall. — Als der autonome Zolltarif im Abgeordnetenhause zur 
Verhandlung kommen sollte, war der Verein unter den ersten, die dagegen 
Stellung nahmen und in zahlreich besuchter Versammlung wurde gegen den 
Zoll auf gebundene Bücher gesprochen ; als das neue Prefgesetz vorgelegt 
wurde, trat der Ausschuß ebenfalls an alle Faktoren, die für die Schaffung 
des Gesetzes von Bedeutung waren, heran, um die Frage der Pflichtexemplare 
in einer den Interessen der staatlichen Bibliotheken günstigen Weise zur 
Lösung zu bringen. Mehreremale war es die hohe Regierung selbst, welche 
von unserem Vereine in bibliographischen Fragen Gutachten verlangte. Und 
der Ausschuß kam solchen Aufforderungen in rascher und gründlicher 
Weise nach. 

Begreiflicherweise sind die Mitglieder in Wien in einer viel günstigeren 
Lage gewesen als ihre Kollegen in der Provinz. Dies zeigte sich besonders 
bei den mannigfachen Besichtigungen, die der Verein im Laufe der 
Jahre in Wien vornahm. Da sei vor allem des so überaus lehrreichen Be- 
suches der Gutenberg-Ausstellung in der k. k. Hofbibliothek im Jahre 1900 
erwähnt, dem sich einige Jahre später der Besuch der Einband- und der 
Miniaturen-Ausstellung ebendort anschloß. Unter sachkundiger Führung und 
eingehender wissenschaftlicher Erläuterung wurden die kostbaren Schätze 
der Hofbibliothek den Besuchern vor Augen geführt. Am 27. Dezember 
1900 wurde unter zahlreicher Beteiligung der Vereinsmitglieder die k. k. 
Hof- und Staatsdruckerei besichtigt, am 28. Oktober 1905 wurde dem 
k. und k. Haus-, Hof- und Staatsarchive in seinen neuen Räumen ein 
Besuch abgestattet. Ein erhöhtes Interesse,‘ weil mit dem bibliothekarischen 
Berufe noch enger zusammenhängend — bot der an zwei Nachmittagen, 
am 10. und 11. April 1905, vorgenommene Besuch der neuen Magazins- 
und Leseräume der k. k. Hofbibliothek. Der Verein ist allen Herren Vor- 
ständen und jenen Herren, die die Führung übernahmen, zum Danke ver- 
pflichtet. Die Mitglieder konnten aus diesen Exkursionen viel für ihre eigene 
amtliche Tätigkeit Ersprießliches mit nach Hause nehmen. 


In schönster Erinnerung lebt allen Mitgliedern, die daran teilnehmen 
konnten, eine Besichtigung, die zugleich den Zweck haben sollte, die Mit- 
glieder in Wien mit den nicht in der Residenz wohnenden in nähere Ver- 
bindung zu bringen. Dieser erste Versuch wurde im Jahre 1905 am 25. 
und 26. Juni unternommen und ist sehr gut geglückt. Es wurde zunächst 
das altehrwürdige Stift Admont gewählt, das in überaus gastfreund- 
licher Weise seine Räume unserem Vereine öffnete. Die herrliche Stifts- 


— 100 — 


bibliothek mit ihren reichen Schätzen, das schöne Klostergebäude in der 
reizvollen, wunderbar prächtigen Umgebung, die freundliche Aufnahme, alles 
wirkte zusammen, um den Ausflug nach Admont unvergeßlich zu machen. 
Aus Graz, aus Klagenfurt, aus den verschiedensten Bibliotheken Wiens 
kamen die Fachgenossen zusammen, und der kameradschaftliche Geist wurde 
durch die zwei gemeinsam verbrachten Tage gestärkt. 

Über Antrag des Kustos Dr. Ortner in Klagenfurt wurde im Jahre 
1897 darangegangen, ein „Bibliotheks-Museum“ zu gründen. Der 
Gedanke war, eine Zentralstelle zu schaffen, an der alle möglichen für die 
Erbauung, Einrichtung, Fortführung von Bibliotheken nötigen technischen 
Behelfe studiert werden können, alle Katalogisierungs-, Beschreibungs-, 
Verwaltungs-Bestimmungen gesammelt werden. Im Laufe der Jahre kam 
manches zusammen. Freilich darf man sich bei dem Worte Bibliotheks- 
museum keinen Prachtbau denken; einstweilen beschränkt es sich auf 
etliche Schubladen in den Räumen der k. k. Universitäts-Bibliothek in Wien. 
Es ist aber doch schon manches Interessante in diesem Keime zu späteren 
Ausgestaltungen enthalten. 

Dies ist in kurzen Worten das Hauptsächlichste, was der Öster- 
reichische Verein für Bibliothekswesen im ersten Dezennium seines Bestandes 
geleistet hat. Nicht berichten kann man von der Kleinarbeit, die der Aus- 
schuf in dieser Zeit vollbrachte ; es wird aber gewiß jedermann gerne glauben, 
daß es ein bedeutendes Stück Arbeit war, das in diesen Jahren zur Förderung 
des österreichischen Bibliothekswesens getan wurde. 


In dieser Arbeit wurde der Verein von einer treuen Mitgliedschaft 
unterstützt. Gleich auf den ersten Aufruf haben sich die Fachgenossen aus 
allen Teilen der Monarchie angeschlossen. Die greßen Staatsbibliotheken 
und die Hofbibliothek lieferte? wohl den Hauptstock an Mitgliedern — 
es ist aber keine Bibliothek von Bedeutung, die nicht im Vereine vertreten 
wäre. Freilich muß man es heute mit Bedauern eingestehen, daß noch immer 
eine große Zahl der Bibliotheksbeamten sich von dem Vereine ihrer Kol- 
legen fernhält; hoffen wir, daß sich das bessert. Andererseits wieder wurde 
der Verein durch die rege Teilnahme fernstehender, nicht öffentlicher Büchereien, 
die nicht ein eigentliches Bibliothekspersonale haben, erfreut. So ist die 
Bibliothek des k. u. k. Reichs-Kriegsministeriums seit Beginn im Vereine 
vertreten, so gehören dem Vereine fast alle größeren Klosterbibliotheken 
im Norden und Süden des Reiches an. Auch Privatbibliotheken und Biblio- 
philen haben sich uns angeschlossen. Die Zahl der Mitglieder ist sich im 
Laufe der Zeit fast gleich geblieben. Einzelne jüngere Kollegen sind neu 
eingetreten, einzelne sind ausgetreten, einige sind gestorben. Gedenken wir 
heute hier in Piätet der Toten! Da sind vor allem der erste Obmann des 


— 101 — 


Vereines Hofrat Dr. Ritter v. Zeisberg, der durch drei Jahre die Führung 
der Vereinsangelegenheiten in der Hand hatte, und der erste Obmann-Stell- 
vertreter, unser Ehrenmitglied Hofrat Dr. Grassauer. Hier sei auch 
eines Mannes erwähnt, der den Aufruf zur Gründung des Vereines mit- 
fertigte, durch Krankheit und Tod aber gehindert wurde, mitzuarbeiten — 
Regierungsrat Dr. Leithe. Ich erwähne nur kurz noch die übrigen aus 
dem Leben geschiedenen Mitglieder: Regierungsrat Vize-Direktor Dr. Ch me- 
larz, Regierungsrat Franz Wöber, Regierungsrat Dr. v. Göldlin 
von der Hofbibliothek, Dr. Fasser und Dr. Makas von der Universitäts- 
bibliothek in Wien, Bibliothekar Dr. v. Nowak und Dr. v. Tomaschek 
von der Bibliothek der Technik in Wien, Regierungsrat Dr. Reifenkugel 
von Czernowitz, Kustos Dr. Bruder von Innsbruck, Kustos Dr. Wis- 
1ocki von Krakau, Dr. Jedlička von Prag, Kustos Dr. Muys von 
Laibach, Dr. Sternal von Lemberg, Dr. Zelbr von Brünn; dann von 
Klosterbibliothekaren P. Reichhardt von Góttweih, P. Czerny von 
St. Florian, P. Fries von Seitenstätten, P. Anschütz von Lainz, die 
P. P. Schmidt und Dickinger von Kremsmünster, ferner den Biblio- 
philen Anton Einsle und das um den Stand der staatlichen Bibliotheks- 
beamten so hochverdiente Ehrenmitglied Hofrat Dr. Beer. Fürwahr eine 
allzu stattliche Totenreihe. Ehre ihrem Andenken. 


Nach dem Tode zweier Ehrenmitglieder zählt der Verein gegenwärtig 
drei Ehrenmitglieder. Vor allem jenen Mann, der bei der Gründung des 
Vereines zu Pate stand und dann als Leiter unseres Unterrichtswesens oft 
Gelegenheit hatte, sich um das österreichische Bibliothekswesen verdient 
zu machen, Seine Exzellenz Dr. Wilhelm Ritter v. Hartel; dann Prof. 
Dr. Eduard Reyer, den besten Kenner und tatkräftigsten Schöpfer im 
Gebiete des Volksbibliothekswesens; endlich Regierungsrat Josef Meyer, 
der durch seine Energie den staatlichen Bibliotheksbeamten eine finanziell 
würdige Stellung erkämpfte, der auch in der stillen Muße des Ruhestandes 
stets die regste Anteilnahme am Bibliothekswesen und unserem Vereine 
betätigte. 

Wenn wir heute ernstlich darüber nachdenken, ob die Gründung des 
Österreichischen Vereines für Bibliothekswesen, die vor zehn Jahren 
hoffnungsvollen Mutes unternommen wurde, einem wirklichen Bedürfnisse 
entsprang, ob die Aufgaben, die wir uns damals stellten, wert waren, 
gestellt zu werden, und ob dasjenige, was man damals von dem Vereine 
erhoffte, wenn auch nur zum Teile der Verwirklichung entgegengereift ist, 
so sol der heutige Bericht darauf Antwort geben. Und wenn wir uns 
auch bescheiden und eingestehen, daß es gewiß nichts Großes ist, was der 
Verein in seinem ersten Dezennium geschaffen hat, wenn wir auch sagen 

4 


— 102 — 


müssen, daB vielleicht da und dort noch manches zu tun übrig bleibt, 
so glaube ich doch, daß die Gründung nicht nutzlos war. Die österreichischen 
Bibliothekare haben jetzt einen Vereinigungspunkt, in dem sich alle ihre 
Interessen treffen ; sie sind einander näher getreten, als es sonst der Fall 
gewesen wäre, sie haben in den Mitteilungen ein ernstes wissenschaft- 
liches Organ, in dem man sich über alle Vorkommnisse in der Monarchie 
und auswärts unterrichten kann. Und mag man auch das Geleistete noch 
so gering einschätzen, so hat es doch ein Gutes; es hat einen Boden 
geschaffen, auf dem man weiterbauen kann, auf dem man in dem nächsten 
und den kommenden Dezennien weiter wirken kann im Interesse des 
österreichischen Bibliotbekswesens. Und das, nur das will der Verein, daß 
in allen Bibliothekaren des Reiches, den Verwaltern der staatlichen wie 
der städtischen, der gelehrten wie der Volksbibliotheken, der privaten wie 
der Klosterbibliotheken, daß in uns allen der Wunsch lebendig ist, für 
unseren Beruf unsere Kräfte einzusetzen; daß alle, die für die Sammlung, 
Erhaltung und Fruchtbarmachung der Bücherschätze unseres Vaterlandes 
tätig sind, sich in unserem Vereine zu gemeinsamer Arbeit zusammen- 
finden ; hier wollen wir das gemeinsame liebe Ziel, die Förderung des 
österreichischen Bibliothekswesens pflegen. 


Und so, glaube ich, können wir heute mutigen Herzens sagen: „Auf 
Wiedersehen in zehn Jahren !* 


Dr. I. Himmelbaur. 


Weitere Aufgaben des Vereins. 


Die Aufgaben der Zukunft sind keine anderen als die bisherigen. 
Zweck des Vereines ist, für das Bibliothekswesen weitere Kreise zu inter- 
essieren und dasselbe zu fórdern, damit es die Stufe jener Vollkommenheit 
erreicht, die es in den Stand setzen würde, allen Anf^rderungen zu ent- 
sprechen und ihren Zweck als unerschöpflicher Born der Wissenschaft für 
die Menschheit zu dienen, zu erfüllen. 


Der Verein muß daher weiter bestrebt sein, in der bisherigen Weise 
tätig zu sein, um die Kenntnis des Bibliothekswesens zu verbreiten, und 
zwar zunächst durch die Vereins-Vorträge. Es gibt Themen, die immer 
wieder interessieren und von verschiedenem Standpunkte betrachtet werden 
können; es gibt aber auch solche, die noch gar nicht besprochen wurden. 
Auch lassen sich manche Vorträge durch Vorlage von Mustern und Illu- 
strationen anziehender gestalten, was zumeist anzuempfehlen ist. Auch der 
Besuch von Bibliotheken, Archiven, Buchdruckereien, der photographischen 


— 108 — 


Versuchsanstalt, der Kunstanstalt Angerer & Göschel u. s. w. wird fort- 
zusetzen sein. 

Die größte Aufmerksamkeit aber ist der Vereins-Zeitschrift und den 
Publikationen des Vereines zuzuwenden. Sowie es bisher gelungen ist, die 
Zeitschrift von ihrem bescheidenem Anfange zu einem ansehnlichen Journale 
emporzubringen, so wird es auch möglich sein, sie nicht nur auf dieser 
Stufe zu erhalten, sondern sie noch weiter auszugestalten durch wissen- 
schaftliche Abhandlungen, Besprechung wichtiger die Bibliotheken be- 
treffender Fragen, durch interessante Nachrichten, Biographien u. s. w.; 
doch dazu gehórt Geld. Es müssen daher einerseits die bisherigen Gónner 
und Mitglieder erhalten, andererseits neue gewonnen werden. Jn dieser 
Hinsicht bietet der 10jährige Abschnitt der Vereinstätigkeit die beste Ge- 
legenheit, um erfolgreich zu wirken. 

Eine weitere Förderung des Bibliothekswesens ist durch die Aus- 
gestaltung des Bibliotheks-Museums zu erzielen. Der Verein hat die Gründung 
eines Museums unternommen, und hat daher von Zeit zu Zeit darzutun, wie weit 
ihm die Erreichung dieses Zieles gelungen ist. Er muß bestrebt sein, die 
Sammlung immer mehr zu ergänzen und dieselbe auch zeitweise der Besichtigung 
zugänglich zu machen. Der Verein muß sich ferner bewußt sein alles dessen, 
was zu sammeln ist, muß derartige Verzeichnisse anlegen und sie an 
Bibliotheken, Buch- und Kunsthändler, Buchdruckereien, lithographische 
und photographische Anstalten versenden, mit der Bitte, etwaige für das 
Museum passende Gegenstände dem Vereine zu überlassen. Was soll nun 
das Museum enthalten ?: Muster von Titelkopien, Inventaren, Zettel- und 
Buch-Katalogen, Bibliothek- und Ausleihscheine, Kautionserlag- und Bürg- 
schaftsscheine, Bogehrzettel, Passierscheine, Muster der für die Einforderung 
von Pflichtexemplaren, für die Versendung und den sonstigen Verkehr ge- 
bráuchlichen Drucksorten, Ansichten von Bibliotheksbauten und deren innerer 
Einrichtung, Einbände in natura und Abbildung, Muster von Buchbinder- 
leder, Leinwand, Papier etc., Muster von Kartons für Titelkopien, Inventare, 
alphabetische Kataloge etc. Büchersegen und Bücherflüche, Widmungen, 
Patente, Bibliotheks-Ordnungen, Lese- und Ausleihe-Ordnungen, Instruk- 
tionen für die Beschreibung, Büchermarken, Ex-libris, Proben der Buch- 
schriften, Lesezeichen, Miniaturen etc., Porträts, Münzen von Gönnern, 
Bibliophilen, Bibliothekaren etc. Wahrlich genug Material, um ein solches 
Museum ganz interessant zu gestalten. 

Der Verein hat sich mit der Erörterung verschiedener Fragen befaßt, 
die oft sehr wichtig, deren Verhandlungen interessant, die aber doch zu- 
letzt nahezu resultatlos verlaufen sind. Diese sind wieder aufzunehmen und 
zu versuchen, sie einer günstigen Lösung zuzuführen. Eine solche Frage 

4* 


— 104 — 


galt den Studien-Bibliotheken. Daß diese in ihrer Dürftigkeit und Unzuläng- 
lichkeit nur ein bescheidenes Dasein fristen und einer gründlichen Um- 
änderung bedürfen, hat der Vortrag des Hern Kustos Dr. Ortner nach- 
gewiesen Wenn auch seine Ansichten nicht allgemein geteilt und die 
Schlufforderungen in einiger Beziehung zu hoch gestellt wurden, so 
waren doch andere Forderungen vollkommen gerechtfertigt, wie Erhöhung der 
Dotation, Ausdehnung der Lesestunden, Erweiterung des Ausleiherechtes. 
Leider ist bisher nichts geschehen und es ist zu bedauern, daß diese Studien- 
Bibliotheken, die ja auch Landes-Bibliotheken sind, die für das geistige 
Leben der Provinz aufkommen sollen, so schlecht bedacht sind. 

Man will Bezirkslehrer-Bibliotheken und läßt die Landes-Bibliothek 
darben ! Ortner ließ es aber nicht bei seinem Vortrage bewenden, er wandte 
sich an das Land, um einen Beitrag zur Anschaffung von Büchern für die 
Lehrer zu erhalten. Das Land hat der Bitte Folge geleistet und gewährt 
jährlich zu diesem Zwecke 1000 K, und zahlreiche Büchersendungen gehen 
an die einzelnen Schulen. Um die Benützung noch leichter zu machen, wird 
ein gedrucktes Verzeichnis der Neuanschaffungen herausgegeben und an die 
einzelnen Schulen versendet. Wenn man also will, läßt sich auch an den 
Studien-Bibliotheken etwas leisten, wie dies ja auch an mehreren geschieht. 
Die Studien-Bibliotheken haben mitunter schöne Bestände aus der älteren 
Zeit, dagegen aus der neuesten Zeit überall nur Lücken, wie das auch 
bei der geringen Dotation nicht anders sein kann. Die Dotationen müssen 
daher erhöht werden. Die Studien-Bibliotheken in Linz und Górz bedürfen 
überhaupt einer neuen Organisierung und die Gymnasial-Bibliothek in Troppau, 
die den Rahmen einer solchen weit überschreitet, sollte in eine Studien- 
Bibliothek umgewandelt werden. Die Studien -Bibliotheken sollen ihren 
Benützerkreis erweitern, sie sollen nicht bloße Volks-Bibliotheken werden, 
sondern eine Mitttelstufe zwischen diesen und den Universitäts-Bibliotheken. 
Es sind dies keine neuen Forderungen ; schon lange befaßt man sich 
im Ministerium mit dieser Frage; allein es kommt zu keinem rechten Ab- 
schlusse, vielleicht wird eine neuerliche Anregung der Sache förderlich sein ! 


Eine andere Aufgabe ist das Bestreben nach „Einheitlicher Beschreibung“ 
und nach einem ,General-Kataloge*. 

Zur leichten Benützung einer Bibliothek sind zunächst gute Kataloge 
nötig. Schon die Bibliotheks-Instruktion vom Jahre 1825 gab genaue Vor- 
schriften über die Katalogisierung, und wenn diese nicht überall so durch- 
geführt wurde, wie es wünschenswert ist, so sind einerseits die mangelnden 
Behelfe, andererseits das ungenügende Personale schuld. Alle Bibliotheken 
sollten eine einheitliche Bücherbeschreibung haben, das wäre der erste Schritt 
zu einem General - Katalog der österr. Bibliotheken, ähnlich wie er in 


— 105 — 


Deutschland angestrebt wird. Die Regierung verkennt diese Notwendigkeit 
nicht, sie hat ja eine solche einheitliche Beschreibung empfohlen und sie 
verschließt sich auch nicht gegen weitere Katalogisierungsarbeiten, wie der 
neue alphabetische Bandkatalog der Wiener Universitäts-Bibliothek und der 
gedruckte Katalog der Wiener technischen Bibliothek beweisen. Sie hat 
ferner die Anlage eines systematischen und eines Schlagwort-Kataloges an 
der Universitäts-Bibliothek in Wien bewilligt; und wenn einmal der syste- 
matische Katalog fertig sein wird, dann wird man hoffentlich daran gehen, 
ihn zu drucken; denn ein systematischer Katalog findet auch leichter Ab- 
nehmer, besonders wenn einzelne Abteilungen separat verkauft werden. 
Wenn auch eingewendet wird, daß ein solcher Katalog schnell veraltet, 
so ist doch sein Nutzen unleugbar und gegen das Veralten müssen die 
Nachträge sorgen ! 

Leichtere, bequemere Benützung der Bibliotheken und Erweiterung des 
Ausleiherechtes sind auch fromme Wünsche! Die Hof-Bibliothek ist_ bereits 
mit gutem Beispiele vorangegangen, die staatlichen Bibliotheken dürften 
wohl bald folgen. Die Ausweise bezüglich der Benützung geben das beste 
Zeugnis für die Notwendigkeit und die Güte einer Bibliothek. So weist die 
Wiener Universitäts-Bibliothek im Jahre 1870 232.681 und im Jahre 
1904 371.891 Benützungsfälle aus. Die Universitäts-Bibliothek in Graz 
dagegen 60.000 im Jahre 1870 und 53.035 im Jahre 1904. Die Ab- 
nahme in Graz erklärt sich durch die Lage der Bibliothek ; die alte Bibliothek 
lag mitten in der Stadt, die neue weit draußen. 


Anders verhält es sich mit dem Leihverkehr ; die Wiener Universitäts- 
Bibliothek weist im Jahre 1870 15.881 Bände, im Jahre 1903 33.347 
Bände und im Jahre 1904 36.040 Bände aus, dagegen die Grazer Uni- 
versitäts-Bibliothek im Jahre 1870 9000 Bände, im Jahre 1904 10.947 
Bände und im Jahre 1905 44.275 Bände aus. Die Zunahme im letzten 
Jahre ist ganz bedeutend und auffällig; sie hat ihren Grund in dem Um- 
stande, daß dort versuchsweise allen ordentlichen Hörern und Hörerinnen 
das Ausleiherecht ohne Kaution bewilligt ist. Die Folge davon ist die 
kolossale Steigerung der auswärtigen Benützung. Das k. k. Ministerium 
für Kultus und Unterricht befaßt sich schon längere Zeit mit dieser Änderung 
und Ausdehnung des Ausleiherrechtes. Es würde die Erleichterung der 
häuslichen Benützung der Bibliotheken gleichzeitig eine Herabminderung 
der Benützung in den Lesesälen mit sich bringen, was hie und da nur 
wünschenswert wäre. Der Verein kann dazu beitragen, daß das angestrebte 
Ziel der Erleichterung bald erreicht wird, er kann aber auch mitwirken, 
daß das die Bibliotheken benützende Publikum sich gewöhnt, die benützten 
Bücher als fremdes anvertrautes Gut anzusehen, mit dem man behutsam 


— 106 — 


und vorsichtig umgehen muß. Wenn das nicht bald geschieht, wird man 
in den Bibliotheken nur verschmierte und defekte Bücher finden. Die 
Bibliotheken haben ja die Aufgabe, die Schätze der Bibliothek zu erhalten, 
nicht aber sie nur nach und nach zu verbrauchen — besonders aber durch 
unachtsame Benützung ! 

Genügende Geldmittel für die Bibliotheken — so lautet eine weitere 
Forderung. Um die Bibliotheken zu erhalten und ihre Bücherschátze dem 
Anwachsen der Literatur gemäß zu vermehren, sind bedeutende Geldmittel 
nötig, welche die Bibliotheken in bestimmten Zeitabschnitten regelmäßig 
erhalten müssen. Daß bestimmte Kapitalien zum Zwecke der Erhaltung und 
Vermehrung gewidmet werden, kommt bei uns selten vor. Es wäre wohl 
unpassend, sich hier über diese Geldmittel weitläufiger auszusprechen und 
es dürfte genügen, wenn auf Pizzalas Werk „Stand der Bibliotheken der im 
Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder zu Ende des Jahres 1870%, 
Wien 1878 und auf die ,Minerva* Jg. 1905 und 1906, verwiesen wird. 
In ersterem Werke sind die Dotationen im Jahre 1870 ersichtlich, ich 
erwähne davon nur Wier, Universitäts-Bibliothek 8000 fl. = 16.000 K, 
Graz, Universitäts-Bibliothek 4000 fL = 8000 K, ähnlich waren die 
übrigen bedacht. 


Fürwahr recht mäßige Summen. Mit dem Antritte Leithes als Biblio- 
thekar der Wiener Universitäts-Bibliothek begann das stete Streben nach 
Erhöhung der unzulänglichen Dotation. Er wies nach, daß die k. k. Wiener ` 
Universitäts-Bibliothek mindestens 20.000 fl. benötige, und ihm gelang es, 
die bisherige Dotation von 8000 fl. nahezu zu verdoppeln, denn sie stieg 
auf 15.000 fl. und beträgt jetzt 30.000 fl. — 60.000 A, wozu noch 
15.424 K Matrikelgelder im Jahre 1904 kamen. Die Grazer Universitats- 
Bibliothek hat gegenwärtig 20.000 K und 3189:50 K Matrikelgelder, die 
Innsbrucker Universitäts-Bibliothek 20.000 K und a. o. 2120 K und 2518 K 
Matrikelgelder. Wir ersehen, daß in Wien die Dotation beiläufig auf das Fünf- 
fache und bei den Provinz-Universitäts-Bibliotheken auf das Dreifache gestiegen 
ist. Es ist also dankbar anzuerkennen, daß bereits so viel geschehen ist, und 
doch ist es nicht genug, die Wiener Universitäts-Bibliothek muß mindestens 
100.000 K und die übrigen mindestens 50.000 K Dotation haben, wenn 
sie ihrer Aufgabe nur halbwegs genügen sollen. In Deutschland werden: 
für die kleineren Universitäts-Biblivtheken 50.000 Mk. verlangt, also 
60.000 K. Diese Summen sind absolut nötig, wenn den Bedürfnissen ent- 
sprechend nur die wichtigsten Erscheinungen der stetig anwachsenden 
Literatur erworben werden sollen. Wie bescheiden sind doch eigentlich 
diese Summen zu den Dotationen des britischen Museums, der Pariser 
Nativnal-Bibliothek und der Königlichen Bibliothek Berlin u. s. w. 


— 107 - 


Und selbst diese großen Summen genügen kaum, reichen aber schon 
gar nicht zur Ausfüllung vorhandener Lücken oder zum Ankaufe von kost- 
baren Objekten, wie sie gerade die Zeitumstände Lieten. Hat doch die 
Berliner kön. Bibliothek bei der Lizitation Emich in Wien ein sehr wert- 
volles Stück nur mit einem eigens hierzu gespendeten Betrage erwerben 
können. „Ein nationales Denkmal in Gefahr.“ So betitelt der Abteilungs- 
Direktor Dr. Schwenke einen Aufruf im „Börsenblatt“ Nr. 74, um Beiträge zur 
Erwerbung eines Psalteriums aus dem Jahre 1459 zu sammeln, das sich im 
Besitze der ursprünglich in Westfalen, zuletzt in Österreich wohnenden 
Grafen Westerholt befand und das nun der Antiquar Beer & Ko. in Frank- 
furt um 96.000 Mk. ausbietet. Die Gefahr, daß das kostbare‘ Stück nach 
Amerika kommt, ist groß, darum wird an die Opferfreudigkeit der Mitbürger 
und Freunde des Bibliothekswesens appelliert. Und nicht umsonst; denn 
das „Börsenblatt* berichtet, daß bereits 40.000 Mk. gesichert sind und 
Hoffnung vorhanden ist, in kurzer Zeit den Rest zu erlangen. 


Wir sehen daraus, daß der Staat allein für die großen Anforderungen 
nicht immer aufzukommen vermag, und daß das Publikum auch freiwillig 
etwas beitragen soll. Es finden sich ja auch bei uns Gönner, welche ihre 
Büchersammlungen einer Universitäts-, Studien- oder auch einer Volks- 
Bibliothek vermachen. Aber Beträge zur Erhaltung und Vermehrung der 
Bibliothek sind äußerst selten. Da ist ein Feld für die Tätigkeit des Vereines, 
er soll das Publikum interessieren, daß es zur Erhaltung, Vermehrung 
und Ergänzung der Bibliotheken beiträgt. Wenn wir lesen, daß der 
Kommerzienrat Heichelheim in Gießen der dortigen Universitäts-Bibliothek 
anläßlich der Einweihung des neuen Bibliotheksgebäudes 10.000 Mk. zur 
Ausfüllung empfindlicher Lücken, besonders der Lesesaal-Bibliothek ge- 
widmet hat, wenn wir von den großen Schenkungen der Amerikaner lesen, 
da regt sich wohl der Neid, und die Frage taucht in uns auf: Ist so etwas 
bei uns denn nicht möglich? Gewiß, man muß nur öfter anklopfen. Ein schwacher 
Versuch Dr. Frankfurters in der „Zeit“ Nr. 831 ex 1905 ist freilich ohne 
Resultat gewesen, aber das darf uns nicht abhalten, den Versuch zu 
erneuern ! Vielleicht gelingt es dann, manches kostbare Stück, das jetzt 
ins Ausland wandert, der Heimat zu erhalten. Die Bibliotheken benötigen 
aber nicht nur höhere Dotationen, viele auch ein neues passendes Heim ! 

Die erwähnte Arbeit Pizzalas, die im Auftrage des k. k. Ministeriums 
ausgeführt wurde, gibt uns einen weiteren Fingerzeig für die Tätigkeit 
des Vereines; denn in der Einleitung heißt es „Zudem konnte man sich 
nicht verschließen, daß eine Erhebung des Standes der Öffentlichen und 
der Privatbibliotheken in vielen Beziehungen von großem wissenschaftlichen 
wie kulturhistorischem Interesse wäre und wurde der Beschluß gefaßt, bei 


— 108 — 


dieser ersten Erhebung, von der man sich keineswegs ein erschöpfendes 
Bild erwartet, nicht stehen zu bleiben, sondern von Zeit zu Zeit diese 
Erhebungen zu erneuern, um so allmählich in den Besitz einer Bibliotheks- 
Statistik zu gelangen, welche den Zuwachs an Büchersammlungen und die 
Erweiterung der einzelnen dieser Institute veranschaulicht.“ Es erschienen 
allerdings später einzelne Daten bei verschiedenen Gelegenheiten; aber 
eine solche totale Zusammenstellung wurde seither nicht wieder gemacht, 
obzwar sie wiederholt angeregt wurde. Dieselbe wäre gewiß sehr interessant, 
da ja das Bibliothekswesen seither einen großen Aufschwung genommen 
hat und täglich an Wichtigkeit zunimmt. Ein große Anzahl neuer Bibliotheken 
ist entstanden, Hochschul-, Mittelschul-, Volks- und andere Bibliotheken 
wurden bedeutend ausgestaltet, manche private ist wieder verschwunden, 
kurz, bedeutende Veränderungen sind vorgegangen. Wohl hat die Heraus- 
gabe .des Adreßbuches der Bibliotheken der österreichisch-ungarischen 
Monarchie von Dr. Johann Bohatta und Dr. Michael Holzmann. Wien, 1900, 
(Schriften des Österreichischen Vereines für Bibliothekswesen. Band 1, 
Nachträge in den „Mitteilungen“ des Vereines) viel zur weiteren Kenntnis 
der Bibliotheken Österreich-Ungarns beigetragen und es ist das eine höchst 
verdienstliche Arbeit, welche bei einer neuen Anlage der oben zitierten 
Statistik auch manche Ergänzung erfahren würde, denn es ist nicht leicht, 
mit einemmale Vollständigkeit zu erzielen. Man hat sich auch an diese 
Statistik wieder erinnert. Wir lesen darüber im Vereinsblatte „Auf dem 
Zentral-Verbandstage der deutsch-ósterr. Volksbildungs-Vereine zu Wien, 
am 15. Oktober 1899, wurde eine Resolution gefaßt, in der auf die 
Wichtigkeit einer Statistik des Volksbibliothekswesens hingewiesen wurde. 
Über diese Anregung hat im Frühjahr 1900 das arbeitsstatistische Amt 
des k. k. Handelsministerums eine Enquette einberufen, in welcher der 
Mangel einer Statistik des österr. Bibliothekswesens überhaupt hervor- 
gehoben wurde. Es wurden umfangreiche Vorarbeiten gemacht und die 
Angelegenheit sodann der k. k. statistischen Zentral-Kommission abgetreten. 
Es fand sogar im Februar 1900 eine Sitzung unter dem Vorsitze des 
Sektionschefs v. Inama-Sternegg statt unter Beiziehung der Vertreter der 
öffentlichen Bibliotheken, des k. k Unterrichtsministeriums, des k. k. arbeits- 
statistischen Amtes, wo über die Abfassung der Fragebogen eingehende 
Beratung gepflogen wurde.“ 

Damit scheint die Angelegenheit zur Ruhe gegangen zu sein, aus 
der sie nun wieder für einige Zeit — vielleicht abermals vergeblich auf- 
geschreckt wird. | 

Eine weitere Aufgabe ist cs, die Ablieferung der Pflichtexemplare 
ungeschmälert zu erhalten, darauf hinzuwirken, daB den öffentlichen Biblio- 


— 109 — . 


theken die amtlichen Publikationen der Behörden und Institute zukommen, 
insoweit sie nicht Reservatsachen behandeln. Es kommen ja diese Publi- 
kationen an die Bibliotheken, aber unregelmäßig und unvollständig, und 
wenn dann in einzelnen Fällen um Ergänzung angesucht wird, so sind die 
betreffenden Behörden oder Anstalten zumeist bereit, dem Ansuchen zu 
entsprechen, aber leider sind sie oft selbst nicht mehr im. Besitze der 
fehlenden Stücke. Darum ist es nötig, daß die Ablieferung dieser Schriften 
geregelt und angeordnet wird. Eine Belastung für die Ämter und Institute 
ist es gewiß nicht, aber eine bedeutende Errungenschaft für die Bibliotheken. 


Der seinerzeit angeregte General-Katalog der Österreichischen Hand- 
schriften könnte auch in Angriff genommen werden. Da die Handschriften der 
Hof-Bibliothek ohnehin genau verzeichnet sind, so würde es sich zunächst um 
die der einzelnen Universitäts- und Studien- eventuell einzelner Gymnasial- 
bibliotheken handeln, denen dann die der Klöster, insofern sie noch nicht 
veröffentlicht sind, folgen würde. Über die Art und Weise, wie sie be- 
schrieben und katalogisiert werden sollen, hier zu sprechen, würde zu 
keinem Resultate führen und wäre das dann an der Zeit, sobald man 
geneigt ist, diese Arbeit zu unternehmen. Wichtig ist sie jedenfalls, und 
nicht mit Unrecht hat sie Kustos Ortner im Zentralblatt für Bibliotheks- 
wesen angeregt. Seine Ansichten bezüglich der Durchführung fanden wohl 
nicht den Beifall der Österreichischen — Bibliotheksbeamten , die sich 
sicherlich der Meinung Dr. Schuberts zuneigen. Sollte es nicht zu einem 
solchen General-Katalog kommen, so ist wenigstens anzustreben, daß gedruckte 
Verzeichnisse der Handschriften der einzelnen Bibliotheken veröffentlicht 
werden, wie dies z. B. in Prag geschieht. 

Ein anderer wunder Punkt, der schon oft berührt wurde, ist der 
Mangel einer Zentral-Bibliothek, welche die Monarchie mit der geistigen 
Nahrung versorgen würde. Bei der heutigen Massenproduktion ist es nicht 
möglich, alle Bibliotheken so zu dotieren und so auszugestalten, daß sie 
allen Anforderungen entsprechen könnten, aber eine Bibliothek sollte wenigstens 
so bedacht sein. Es wird wohl auch bei der größten Dotation noch Fälle 
geben, in denen sogar eine solche Bibliothek nicht jedem Wunsche entsprechen 
kann; denn manche Bücher sind längst vergriffen und können nicht beschafft 
werden, andere sind verbraucht und nicht mehr ersetzt worden. Eine Zentral- 
Bibliothek aber tut Not, damit diese mit ihren Schätzen die anderen 
Bibliotheken des Reiches versorgt und unsere Gelehrten nicht immer auf 
die Fremde angewiesen sind. Ob eine der bestehenden Bibliotheken dazu 
auszugestalten ist und wie, das sind Fragen der Zukunft. Die Notwendigkeit 
einer solchen Zentral-Bibliothek geht aus den statistischen Ausweisen 
hervor. Wie viele Bücher werden von uns aus den Bibliotheken des Aus- 


— 110 — 


landes bezogen und wie wenige gehen dagegen hinaus. Abgesehen davon, 
daB der Mangel vieler Werke die wissenschaftlichen Arbeiten erschwert 
und viele Gelehrte klagen, daB sie infolgedessen nicht arbeiten kónnen. ist 
es doch eine der edelsten Aufgaben des Reiches, die Wissenschaft zu fördern 
und ihre Pflege zu erleichtern. 


Zur Versammlung deutscher Bibliothekare in der Pfingstwoche in 
Berlin wird ein Berliner Bibliothekenführer von Schwenke herausgegeben, 
er wird eine Zusammenstellung der Berliner Büchersammlungen enthalten, 
und über Inhalt, Benützbarkeit etc. Auskunft geben.*) Einen solchen Führer 
kónnte der Verein auch bei einer günstigen Gelegenheit unternehmen. 
Er wäre nicht nur den Fremden, sondern auch den heimischen Benützern 
sehr willkommen. 


Eine weitere Aufgabe ist die Einführung einer Bibliotheks-Prüfung. 
Zur Erfüllung der bibliothekarischen Aufgaben gehören tüchtige Beamte. 
die nicht nur allgemeine Bildung und Sprachkenntnisse besitzen, sondern 
die in einzelnen Literaturzweigen besonders bewandert sind und die sich 
eine genaue Kenntnis aller Zweige des Bibliothckswesens- eigen gemacht 
haben. Dieses Ziel wird der Beamte einerseits durch längere Praxis, anderer- 
seits durch das Studium bibliothekswissenschaftlicher Werke erlangen. Er 
soll eifrig die bibliographischen Werke zu Rate ziehen und sich die Kenntnis 
vieler Bücher verschaffen, insbesondere der gebräuchlichen Handbücher, er 
soll sich einiges Verständnis für Inkunabeln und Handschriften aneignen 
und sich auch bezüglich der Kunsterzeugnisse auskennen. Auch muß er 
sich nach und nach eine vollständige Kenntnis der für den Bibliotheks- 
dienst gültigen Gesetze und Verordnungen erwerben. 


Wenn der Bibliotheksbeamte immer tiefer in den Bibliotheksdienst 
eindringt, wird er die ihm anvertrauten Schätze nach und nach mit ganz 
anderen Augen betrachten; bald interessiert ihn bei dem einen der alte 
Druck, bei einem anderen der prächtige Einband, da das Autogramm oder 
die Widmung eines berühmten Mannes, dort wieder das Exlibris eines 
bekannten Gelehrten u. s. w. Damit nun der Bibliotheksbeamte in seinem 
Berufe seine Stelle vollkommen ausfüllt, soll er sich über diese Kenntnisse 
ausweisen und dazu ist eine Bibliotheks-Prüfung nötig. Eine solche Prüfung 
existiert in vielen Staaten, wie in Preußen, Bayern. Bei uns in Österreich 
hat man bereits im Jahre 1860 eine solche Prüfung einzuführen beabsichtigt. 
Es ist aber nicht dazu gekommen, da man sich über das zu verlangende 
Ausmaß des Wissens, sowie über die Prüfungs-Gegenstände überhaupt 


*) ,Borsenblatt* 96. 


— 111 — 


nicht einigen konnte. Immer wieder taucht die Frage auf und das Ver- 
langen nach einer endlichen Lósung wird dringender. | 

Auch der Bibliotheks-Verein hat sich mit dieser Frage beschäftigt, 
ohne dem Ziele näher gekommen zu sein. Es wird manchen geben, der 
eine solche Prüfung für überflüssig hält, der da sagt, das lernt man alles 
mit der Zeit. Wohl möglich, aber auch nicht! Nur wenn einer angestellt 
wird, der bisher bei keiner Bibliothek bedienstet war, da erheben sich alle 
Stimmen dagegen, es sei kein Fachmann u. s. w. Ganz gut so; man führe 
die Bibliotheks-Prüfung ein, die ein Kandidat erst nach einer ein- oder 
mehrjährigen Bibliothekspraxis ablegen darf und ohne diese Prüfung erlangt 
keiner einen definitiven Bibliotheksposten. Die Bibliotheksprüfung wird auch 
nach und nach einen einheitlichen Bibliotheksdienst erzielen und zur Ver- 
vollkommnung des Bibliothekswesens beitragen. Mit dem tieferen Eindringen 
in das Bibliothekswesen wird auch der Drang, in bibliothekarischen Fragen 
mitzureden, größer und mächtiger und es findet sich dann mancher inter- 
essante Beitrag zu unserem Vereinsblatte. 

Wenn der Bibliotheksbeamte seine Pflichten erfüllt, wird er eine 
gewisse Befriedigung finden, er wird sich seines Standes freuen und darauf 
stolz sein. Da wir aber alle Menschen sind, die immer wieder neue Wünsche 
haben, so wird der eine hier, der andere dort einen Mangel im Bibliotheks- 
leben erblicken, es wird ihn drängen, sich darüber auszusprechen und dem- 
selben abzuhelfen. So kommen auch die Standesfragen daran und es lassen 
sich solche auch im Bibliotheks-Vereine in ernster und »würdiger Weise 
besprechen und Abhilfe anstreben. Es ist ja auch schon vieles erreicht 
worden! Übermäßige Forderungen, unbegründete Klagen aber werden ge- 
wöhnlich überhört. Wie daher der Verein bedächtig und vorsichtig ist in 
seinen wissenschaftlichen Arbeiten, die ihm zunächst obliegen, so muß das 
auch bei der Erörterung von Standesfagen sein. 

Es ließe. sich noch manches erwähnen, aber es würde zu weit führen 
und das Thema doch nicht erschöpfen. Wir wollen uns daher begnügen, 
daß wir uns heute vornehmen, weiter emsig tätig zu sein an dem Ausbau 
des Bibliothekswesens, damit der Verein bei seiner 25jährigen Jubelfeier 
80 befriedigt Rückschau halten könne, wie wir es heute nach zehn Jahren 
imstande waren. Wir wollen die Bibliotheken fördern und ausgestalten zum 
Besten der Benützer, zur Ehre des Vaterlandes. 

Dr. Wilhelm Haas. 


5% 


— 112 — 


PERSONAL- NACHRICHTEN. 


An der Universitäts-Bibliothek in Lemberg wurde der Skriptor Privat- 
dozent Dr. Boleslaus Mańkowski zum Kustos und der Amanuensis Dr. Eugen 
Barwifiski zum Skriptor ernannt. — Den: Kustosadjunkten der Hof-Bibliotliek 
Privatdozenten Dr. Robert Frauz Arnold wurde der Titel eines außerordent- 
lichen Professors verliehen. — An der Universitäts-Bibliothek in Krakau wurden 
der Amanuensis Dr. Felix Koneczny zum Skriptor, der wirkliche Lehrer nin 
Staatsgymnasium in Bochnia Dr. Eduard Kuntze und der bisher in außer- 
ordentlicher Verwendung stehende Johann Kozubski zu Amanuensen ernannt. 
— Der Amanuensis der Universitäts-Bibliothek in Prag Dr. Josef Eisenmeier 
hat sich an der Prager deutschen Universität für Philosophie, der Amanuensis 
der Bibliothek der Technischen Bibliothek in Wien Dr. Lucius Hanni an der 
Wiener Universität für Mathematik habilitiert. — Dem Bibliothekar des Stiftes 
Zwettl P. Benedikt Ham merl wurde das goldene Verdienstkreuz mit der 
Krone verliehen. — An der Universitäts-Bibliothok in Innsbruck wurde Dr. med. 
Kaspar Giamara zum Praktikanten ernannt. 





(Richard Garnett 4). In Richard Garnett, der &m 18. April d. J. in London 
starb, verliert nicht nur das engere Wissensgebiet, dem diese Blätter dienen 
wollen, sondern auch der weitere Kreis der Literarhistoriker und die große 
Schar der ästhetischen Genießer einen dreifach verdienten Mann. In den 
Traditionen des alten Bibliothekars aufgewachsen, also weit entfernt, sich mit 
der Etikette „Bibliothekar“ abzufinden, sah sich Garnett nahezu an die Spitze 
einer der größten modernen Bibliotheksorganisationen gestellt, die mit ihrem 
enormen Betrieb an die Kräfte des vielseitig begabten Mannes grausame An- 
forderungen stellte. Ein Jahrzehnt füllte er sie beherzt aus, um endlich den frucht- 
losen Kampf aufzugeben. Als Sohn eines Geistlichen, der selbst dem Beamten- 
stab der Bibliothek des British Museum angehörte, 1835 in Lichfield geboren, 
folgte er der Laufbahn des Vaters und erwarb sich vorzüglichum die Einrichtung 
des Lesesaales und um die Durchführung der Katalogisierung der Bibliothek des 
British Museum so einmütig anerkannte Verdienste, daß er, überdies durch seine 
universelle Bildung und seine erstaunliche Beschlagenheit ın den heterogensten 
Materien empfohlen, 1890 zum Keeper of Printed Books ernannt wurde. Seine 
nicht gering zu schätzenden literarischen Neigungen — zu weitgreifend, um allzu 
tiefgehend zu sein — und seine höher zu wertente dichterische Begabung be- 
stimmten den Vierundsechzigjährigen, sein Amt aufzugeben. Zahlreiche gute 
bibliothekarische Arbeiten sichern seinem Namen in der Bücherwelt ein gutes 
Andenken. Seine übrigen wissenschaftlichen Leistungen zu schätzen liegt außer- 
halb des Rahmens dieser Zeitschrift. Seine anziehende Persönlichkeit erkennt 
man am besten aus seinen „Essays of an Ex-Librarian.“ Doch die schöne Reife 
seines feinen Geistes spricht nirgends vernehmlicher, als in seinen kurz vor 
seinen Tode anonym erschienenen Aphorismen über die Liebe: „De Flagello 
Myrteo.“ Mit ihm starb einer der interessantesten Männer unseres Berufes, in 
deın Züge einer alten und einer neuen Zeit sich zu einem harmonischen Bilde 
zusainmenfigten. 


— 113 — 


VERMISCHTE NACHRICHTEN. 


Zur Geschichte der Wiener Hofbibliothek. Kaiser Rudolf II. richtet aus 
dem Prager Schlosse am 10. Jänner 1598 folgendes Schreiben !) an Julius Echter 
v. Mespelbrunn, Fürstbischof zu Würzburg ?) (1578— 1617). 

„Ehrwirdiger Fürst lieber Andechtiger, Nachdeme wir nit Zweifeln, das 
nit allain bey D’ An * Stifft Wirzburg, Sonder auch andern dessen Diocoesi 
zugethanen Stifften, Abbteyen und Prelaturn, allerley Bibliothecae, so in vnder- 
schiedlichen Faculteten, studijs vad Sprachen vor alters zusamen gebracht ver- 
handen sein, („sollen“ ist durchgestrichen). 

Vnd wir dann zu dergleichen sachen sondere naigung tragen, Vnnd ent- 
schlossen, vnsere Bibliothecam, so hieuor von vnsern Vorfahrn angefangen worden, 
numehr zu compliern Hirumb so haben wir Zaigern Vnsern Diener vnd getrewen 
lieben, zue D' An* abgeferttigt, Vnd gesinnen darauf hiemit genedigelich 
begerendt“, 

Der Bischof möge verordnen. daß diesen Diener ,die Catalogi aller Burcher, 
auch der geringsten, Sie seyen getruckht od. geschrieben, souil deren bey ainem 
oder anderm ortt verhanden, zuegesteldt, vnnd vnns zur Durchsehung was bey 
vnserer Bibliotheca noch manglen oder vnns sonsten annemblich sein móchte, 
von Ime fürderlich zugeferttigt werden khónden. Vnd weyl Er auch zu befurderung 
vnsers furhabens von vnns beuelch hat, etlichen Schrifften vnd Authorib. deren 
Er in solchea Catalogis vnd Bibliothecis, ain oder mehr, oder auch sonsten 
vnns was annemblichs ersehen möchte, in specie nach zufragen, als ersuechen wir 
d. An? gleichfalls genedigelich. Sy wolle Ime solche zum abschreiben (da sie 
anderer gestalt nit Zuerlangen) volgen lassen, Hergegen sein wir des genedigen 
erbietens, die verfuegung zuthun, das dieselben hernacher widerumben an Ire 
ortt, one schaden vnd mangel, geantwortt werden sollen, Vnd d. An“ erzaiget 
vnns hieran sonder angenembs gefallen, dero wir ınit kaiserlichen genaden end 
allem guetem wol genaigt seindt.* 

Der Bischof ließ dem Uberbringer des kaiserlichen Wunsches, seine 
schlechte Bibliothec^ durchsehen, wie er am 8. April 1598 zurückschreibt, auch 
die seiner Stifte und Klöster. 

Er hat aber nicht mehr als drei Bücher notiert, die der Bischof dem 
Kaiser ehestens zusenden will. 

„Seindt aber von Cronicken nur kurze extract, welche bey Salzburg vnd 
zu Mergenthem bey dem Teutschen orden auBführlicher zubefinden* fügt der 
Bischof bei und teilt des weiteren mit, daß im „Beurischen Auffrur vnd em- 
pórung wie auch darauff geuolgter Marggrauischen KriegBphedt. d. mhererthal 
solcher meiner Stifft vnd Clöster, durch Zerstörung, Brandt vnd Plünderung 
neben anderm, was von alten guten sachen in den Bibliothecis geweßen komen.“ 

A. Sitte. 

Der Verein der österreichisch-ungarischen Buchhändler in Wien hat als 

Vertreter des Österreichischen Buchhandels mit Rücksicht auf die Nachricht, daß 


1) Königl. bayr. Kreisarchiv Würzburg, Hoheitssachen Fasc. 64. Nr. 1183. 
2) Über Julius Echters Verhältnis zum Würzburger Bibliothekswesen, vgl. 
Handwerker, Geschichte der Würzburger Universitäts-Bibliothek S. 11 ff. 


— 114 — 


die von der Regierung geplante Erhöhung der Postgebühren schon 
in allernächster Zeit verwirklicht werden soll, an das Handelsministerium eine 
motivierte Eingabe gerichtet, in welcher er betont, wie sehr eine Erhöhung der 
Postporti lähmend auf die Verlagsindustrie und das Buchhändlergewerbe wirken 
würde, die ohnehin in Österreich mit so großen Schwierigkeiten zu kämpfen 
haben. Der Verein gibt seiner Überzeugung Ausdruck, daß die Einnahmen des 
Staates viel eher eine Steigerung erfahren würden, wenn man den Verkehr durch 
Herabsetzung der Portogebühren erleichtern würde, als wenn man durch eine 
Erhöhung derselben selbst eine momentane Mehreinnahme auf dem Gebiete der 
Postverwaltung herausrechnen kann. 





Zu welchen verblüffenden literarhistorischen Entdeckungen der naive und 
skrupellose Griffel eines Mannes sich versteigen kann, der, einem Genossenschafts- 
verband angehörend, sich plötzlich zur Würde eines ,Bibliothekars* erhoben sieht, 
zeigt ein im Jahre 1906 (!) in Wien erschienener Katalog, in dem sich u. a. folgende 
Eintragungen finden: „Abenteuer des Tartarin aus Tarascon. Von Ad. Gerstmann.* 
„Freund Fritz. Von M. Bergmann.“ „Skizzenbuch W. Irving. Von J. H. Spiker.“ 
„Eugen Aram, Roman von Fried. Notter.“ „Graf Leo Tolstoi. Erzählung von 
Albert.“ „Der abenteuerliche Simpliziue. Von Felix Bobertag.* „Emil über die 
Erziehung. Klassiker von J. J. Rousseau.“ „Götz von Berlichingen, dramatische 
Meister. Von Goethe“. In der Abteilung; „Novellen, Erzählungen und Romane“ 
lesen wir: „Goethes sämtliche Werke. Von Karl Goedeke“. — Für die Kreise, 
die in Bibliotheken dieser Art ihren Lesehunger stillen, mögen solche Kataloge 
ja genügen. Ein ungleich ernsteres Gesicht aber hat die Sache, wenn man 
bedenkt, daß es in Österreich noch heute staatliche Hochschulbibliothekare 
gibt, die sich aus denselben Kreisen rekrutieren, denen der „Bibliothekar“ 
angehört, dessen Bildung und bibliothekarische Eignung durch die angeführten 
Stichproben hinreichend charakterisiert sind. 





Über einen seltsamen Konflikt zwischen Vorschrift und Vernunft schrieb 
Fabriksdirektor R. P. aus Dugny im Departement Seine an die „Neue Freie 
Presse": „Ich sandte ein Buch, die 1772 erschienene Ausgabe der Fabeln von 
La Fontaine, als Drucksache „eingeschrieben“ nach Österreich. Wie groß war 
mein Erstaunen, als ich es mit dem Vermerk „refuse* postwendend zuräckerhielt, 
da man von dem Adressaten für das 250 Gramm wiegende Buch 8 K Straf- 
porto verlangte. Das Buch enthielt nämlich schriftliche Aufzeichnungen, 
datierend aus den Jahren 1828 und 1830. Der größte Teil der Randbemerkungen 
resumiert sich in folgender Anzeichnung eines sorgsamen Familienvaters: „Madame 
Dubois hat am 4. Juni 1880 unsere Matratzen umgeschüttet,^ Die stark vergilbte 
Schrift garantiert ihr Alter. Ich befinde mich nun in großer Verlegenheit, wie 
ich das Buch nach Österreich bineinbekomme. Es als Brief mit 4 Francs 
25 Centimes zu taxieren, erlauben mir meine bescheidenen Vermögensverhältnisse 
nicht, und es als Postpaket zu senden, verbietet die Österreichische Post- 
verwaltung, da ausländische Postpakete keine schriftlichen Mitteilungen ent- 
halten dürfen.“ 

— deem ami — 


Voraatwortiicher Redaktear: Dr. G.4. Criiwe!i. Druck E. Kalns vorm. J, B, Walllskausser, Wien. 


MITTEILUNGEN 


Österr. Vereins für Bibliothekswesen. 





X. Jahrgang. Juni— Oktober 1906. Nr. 8. 





Die k. k. Universitats-Bibliothek zu Lemberg. *) 
III. Der Bau. 

Das neue Bibliotheksgebáude bedeckt ein Gelände von 1383-08 m? 
dicht hinter dem sehr alltäglichen, seit langem altersmüden, ja baufälligen 
Universitàtsgebáude. Der unmittelbaren Verbindung zwischen beiden dient 
ein praktisches, obwohl ästhetisch undankbares Mittel, nämlich ein in der 
Höhe der ersten Etage über dem ebenen Gelände des botanischen Gartens 
hängender verglaster Korridor mit eisernen Wänden. 

Das 55:45 m lange Bibliothekszebáude birgt unter einem Dache das 
Administrationsgebáude, das gartenseitig den SE (großen) Lesesaal 
einschließt, und das Büchermagazin. 

Die Frontseite des Gebüudes in der J JJ hat durch das 
ziemlich unsanft auisteigende Terrain der Strabe an gefälligem Ausschen 
viel eingebüßt. Das Administrationsgebäude senkt sich mit seinem ganzen 
Kellergeschoß tief unter das Straßenniveau und ist von diesem durch einen 
Lichtgraben getrennt. Erst das vorspringende Bücherhaus gewinnt mit der 
Straße Füllung und läuft dicht am Bürgersteig. 

Der architektonische Schmuck zeigt die charakteristischen Merkmale 
der italienischen Renaissance und ziert das Verwaltungsgebaude recht 
spärlich, bis er sich erst auf der Front des Bücherhauses etwas breiter 
ausläßt. Den Mittelpunkt der Fassade dieses fünfgeschossigen B.ues bilden 
4 Karyatiden, um die sich stilvolle Kränzchen und Zweige, sowie andere 
Renaissancemotive geschmackvoll lagern. 

Das Kellergeschoß ist 3:50 m hoch, enthält Lokalitäten für Diener- 
wohnungen und den Kohlen- und Kesselraum, wo sich auch eine kleine 
Werkstätte für den Maschinisten befindet, der die Zentraldampfheizung 
und die elektrische Beleuchtung des ganzen Hauses bedient. 

Im Erdgeschusse (5 m hoch) ist nur eine Dienerwohnung unter- 
gebracht, der übrige Raum desselben nimmt das Büchernebenmagazin ein. 
Dieses ist in seinem oberen Verdecke nur zur Aufnahme der Bücher be- 


*) Vgl. M. d. à. V. f. B. IX. 135 ff. — IX. 182 ff. 


— 116 — 


stimmt und auch vollständig von „Periodicis“ und den Seminarbibliotheken 
ausgefüllt. Seine ebenerdige Etage bildet den Reserveraum (vorläufig zum 
Teil zur Autbewahrung von Doubletten und Kanzleirequisiten verwendet) 
und enthält gassenseitig zwei Zimmer mit Auslegetischen für Mappen und 
einen auch direkt vom Stiegenhause zugänglichen Raum, der den Buchbinder- 
angelegenheiten dient. 

Das geräumige und lichtvolle Treppenhaus ist in der einfachen Wand- 
malerei gelblich gehalten und erhielt erst auf dem Plafond polychromen, 
artistischen Schmuck. Ein offenes, ee Buch (das Symbol des &ro¢ 
rtepoev) mit der Inschrift: 

VINCENT MONIMENTA LIBELLI.") 

Im Mittelpunkte des Obergeschosses ist der allgemeine Lesesaal 
gelegen, zu dem man direkt aus dem Garderoberaume gelangt. Der Saal 
trägt den Charakter der Renaissancearchitektur und ist 22:10 m lang, 
12 m breit, einen Stock hoch und besitzt Ober- sowie Seitenlicht. Die 
16 Fenster, die sehr günstig nach dem Botanischen Garten der Universität 
gerichtet sind, dienen im Sommer vortrefflich einer erfrischenden Ventilation 
und regulieren im Winter die Lichtverhältnisse. 

Die hiesige Erfahrung in Hinsicht der Unzweckmäßigkeit des Ober- 
lichtes entspricht vollkommen den Ergebnissen, die auch von auswärts in 
Jüngster Zeit notifiziert werden. Das vornehm sich ausnehmende Oberlicht 
konzentriert die Glut der Sonnenstrahlen und bewirkt dadurch einerseits 
eine gewaltige, ja unerträgliche Temperaturerhöhung, anderseits aber eine 
sehr intensive und blendende, schädliche Tagesbeleuchtung. So ist denn die 
Errichtung von vorziehbaren Linnenjalousien zwischen Dach- und Plafondglas 
eine beschlossene Notwendigkeit und wartet nur der Einwilligung des 
Ministeriums. Bis dahin werden die Plafondscheiben für die Monate Mai 
bis Oktober mit doppeltem Packpapier belegt. 

Die reichhaltige Handbibliothek ist in stilvollen Eichenschränken auf- 
gestellt, die die Wände des Saales bedecken und in der Höhe von 38:5 m 
auf einer Galerie ihren Rundlauf fortsetzen. Eine ebenfalls aus Eichenholz 
geschnitzte Balustrade scheidet den Tischraum von der Handbibliothek, die 
nur dem Bibliothekspersonale und den Universitätsprofessoren zugänglich 
ist. In die künstlerische Ausstattung des Lesesaales ist viel Geschmack 
und die größte Sorgfalt gelegt worden. An Tischen und Schränken herrscht 
hier ungeteilt lichtgelb getöntes Eichenholz, ebenso ist die einheitliche 
Wandfarbe, während alle Eisenteile, die Treppen und die Galeriebalustrade 
dunkelgrün, mit Rot und Gold durchsetzt sind. 


*) cfr. Poetae Latini minores rec. Baehrens Lps. 1877 I. p. 127 die anonyme 
Elegia ad Maecenatem. 


- 117 — 


Die Wölbungen des Plafonds hat der hiesige Künstler Julian 
Makarewicz mit Polychromie geschmückt, die als eine glückliche Leistung 
echten künstlerischen Schaffens, trefflich in Farbe und Auffassung, bleibenden 
Wert und hohes Interesse besitzt. Inhaltlich harmonisiert die Malerei 
meisterhaft mit dem wissenschaftlichen Charakter des Saales und da ihr 
auch die Form auf die gefälligste Weise im Dienste stand, so bekommt 
sie einen Zug aus dem Vollen. 

Die Motive der Dekoration sind zum großen Teil aus dem Kreise 
des klassisch-antiken Glaubens und Vorstellens entlehnt. So sehen wir über 
den Fensterwölbungen und symmetrisch auf der gegenüberliegenden Längs- 
wand des Saales abwechselnd ein geflügeltes Buch, unter dem eine 
Eule hockt, und fliegende Bänder, an Lorbeerzweige geknüpft, die aus 
griechischen Vasen hervorragen. Die sechs offenen Bücher zeigen folgende 
griechische Sentenzen : 


1. BIOX BPAXYX 2. TEXNH MAKPH 
3. KAIPOX OzYX 4 IIEIPA X®AAEPH 
5. KPIEIE XAAEIIH 6. EN BY8Q9I AAHGEIA. 


Den Text für die ersten fünf Sätze lieferte der berühmte Sinnspruch 
des Hippokrates (‘Imxoxpdtovs agopisuc: 1.), der sechste Satz ist eine 
Paraphrase aus Demokrit. *) 


Zu den acht lateinischen Bänder-Inschriften sind folgende Sätze 
benützt worden: 
1. FELIX, QUI POTUIT RERUM COGNOSCERE CAUSAS. 
(Virgilius, Georgicon I!, 490.) 
2. SAPIENTIA SOLA LIBERTAS EST. 
(Seneca Rhetor, Epist. 37, 4.) 
8. DUABUS ALIS HOMO SUBLEVATUR A TERRENIS, SIMPLI- 
CITATE SCILICET ET PURITATE. 
(Thomas Aquinas, De Imit. Christi.) 
4. EGO SUM QUI DOCEO HOMINEM SCIENTIAM. 
(Idem. ) 
5. AB OMNIBUS LIBENTER DISCE QUOD NESCIS. 
(S. Augustinus zitiert in Cnapius: Thesauri Polonolatinograeci 
T. IlJ, pag. 1198.) 
6. DOCTRINA EST FRUCTUS DULCIS RADICIS AMARAE. 
(Catonis Monosticha. 40.) 


*) (A'quoxpkzooz Dkozómoo yuna yousut Nummer 117, die in Diels: Die 


Fragmente der Vorsokratiker, Berlin 1903, pag. 426 folgendermaßen lantet: 
pèt% St onddy tépev Evo yha ahyithera%,) 


1* 


— 118 — 


7. LABOR OMNIA VINCIT IMPROBUS. 

(Virgilius, Georg I.) 

8. DUX ATQUE IMPERATOR VITAE MORTALIUM ANIMUS EST. 

(Sallust. Jug. 1.) 

An den Querwánden sind je zwei Panneaux zu allegorischer Dar- 
stellung der vier Universitäts-Fakultäten benützt worden. Die Gemälde sind 
über 3 m hoch, modern in den Mitteln und im Farbenton. 

Die Theologie wird durch biblische Zeichen symbolisiert. Den Mittel- 
punkt des gedankenreichen Bildes nimmt die Bundeslade ein, um die sich 
Weihrauchschwaden aus Gefäßen legen. Als Ornament zeigt die Rundes- 
lade den zwölfzweigigen Stammbaum des jüdischen Volkes und hebräische 
Initialen der zwölf jüdischen Volksstämme. Über der Lade glänzt ein 
farbiger Regenbogen mit der Inschrift AOTO% und .ein griechisches Kreuz. 
Darüber flattern zwölf Tauben mit Olivenzweigen. 

Das „Recht“ wird durch einen Aar versinnbildlicht, der im Fluge 
einen mächtigen Steinblock auf eine Natter schleudert, die in gewaltiger 
Angst und Wut zur Gegenwehr aufzischt. Dem Blocke sind die Worte ein- 
geritzt : 

SVMMVM IVS. 

Das dritte Panneau zeigt uns über Flammenzungen die beiden für die 
Medizin symbolischen Tiere des antiken Vorstellungskreises: den Salamander, 
der gegen Feuer gefeit, nach einer Salbenschale strebt, und den aus 
den Flammen aufsteigenden heiligen Sagenvogel Phönix. 

Das Emblem der Philosophie bildet Pegasus in der Szene, wo er 
über den Baum mit den hesperischen Äpfeln setzt. 

Wirkungsvoll, und doch trotz der expressiven Farben, unter denen 
besonders das Violett reichlich verwendet ist, nicht zerstreuend, verleiht 
der malerische Schmuck dem Lesesaale einen heiteren, aber feierlichen und 
wissenschaftlichen Charakter. 

Die elektrische Beleuchtung des Saales geschieht durch drei mächtige 
Kronleuchter und durch einzeln andrehbare Wand- und Tischständer. 
Der Arbeitsraum umfaßt zur Zeit 118 Plätze an 22 Tischen, die in recht 
breiten, mit Linoleum bedeckten Zwischengängen aufgestellt sind, wodurch 
Reserveraum für eine künftige (vielleicht nicht allzuentlegene) Vermehrung 
der Arbeitsplätze gesichert ist. 

Das rechts an den allgemeinen Lesesaal anstoßende gassenseitige 
Dozenten-Zimmer (10:90 X 6:00 m) ist in einfachem, aber würdigem Ton 
gehalten. Wandfarbe lichtgrün, die Eichenmóbeln hellgelb, der Lederüberzug 
der Móbelgarnitur havannafarbig. In diesem kleinen Saale ist die Sammel- 
stelle der laufenden wissenschaftlichen Zeitschriften untergebracht. Zwei 


— 119 — 


mächtige Wandschränke aus Eichenholz fassen über 600 Fächer, die von 
wissenschaftlichen Zeitschriften in alphabetischer Ordnung ausgefüllt und 
mit hängenden Titeltafeln bezeichnet sind. Die Übersicht über den ganzen 
Zeitschriftenbestand der Bibliothek ist dadurch sehr erleichtert, die laufenden 
Zeitschriftenbände rasch zugänglich und die üblichen Auslegetische, die nie 
das Ganze umfaßten, reichlich ersetzt. 

Dieses Zimmer verfügt gegenwärtig über 16 Tischplätze; zum Auf- 
bewahren der von den Professoren reservierten Werke dienen besondere, 
recht faßliche Schränke. Eine Tür scheidet das Dozenten-Zimmer von der 
Ratalogstelle, wo der alphabetische Zettelkatalog in diehtverschlossenen 
Kartons aufgestellt ist, und die ansehnlichen Foliobände des neuen Inventars, 
als Realkatalog in crudo, zur Durchsicht für ernste Forscher aufliegen. 

Das unmittelbar folgende Ausleihezimmer beherbergt in Wandschränken 
Tagesblätter und die ganze Abteilung der nichtwissenschaftlichen Zeit- 
schriften (fast ausschließlich Pflichtexemplare). Durch eine eiserne Tür 
getrennt, grenzt an die Ausleihestelle das feuersicher konstruierte Hand- 
schriften- und Inkunabelnarchiv, andererseits mündet das Ausleiheamt wieder 
in den Flur, wo sich die Kleiderablage befindet. 

In der zweiten Etage des Verwaltangsbaues befinden sich die Bureaux 
des Direktors, seines Stellvertreters, sowie zwei Beamtenzimmer; in demselben 
Geschosse liegt das Arbeitszimmer für Handschriftenbenützer, und die nach 
Art des Archivs festverwahrte Nummothek. In diesem Raume befindet sich 
auch ein kleines Bibliotheksmuseum, wo Cimelien aller Art zur Schau 
versammelt sind. 

Das große Büchermagazin grenzt unmittelbar an den großen 
Lesesaal, doch besteht für die Verbindung bloß eine einzige Tür. Der Grundriß 
des Magazins stellt ein Trapez dar mit den Parallelseiten von 19 m und 20:80 m 
Länge, die beiden nicht parallelen Seiten des Trapezes sind 24°80 m und 
23:20 m lang. Das Gebäude ist 13:95 m hoch und empfängt die natür- 
liche Beleuchtung durch ein Oberlicht und durch 70 Fenster von der Ost- 
und von der Westseite. In diesem Teile des Gebäudes hat sich die Eisen- 
konstruktion gewaltig aufgestemmt. Sie teilt den Raum durch ihre Rost- 
flächen in fünf Verdecke und verbindet diese durch Treppen. Vor der 
Feuchtigkeit des umgebenden Erdreiches wird das Magazin durch einen 
luftführenden, unter dem Beton laufenden Zirkulationskanal geschützt. 

Die Luft- und Wärmeverteilung geschieht also durch die Rost- 
konstruktion, die in Verbindung mit dem Oberlicht die Tagesbeleuchtung 
reguliert. Rostböden und Oberlicht, beide Schöpfangen der Tendenz: Aus- 
breitung der Bücherhäuser in vertikaler Richtung, haben die früheren 
trauten, anheimelnden Büchereien in stimmungslose, fabrikartige Eisen- 


— 120 — 


magazine umgewandelt, besitzen zugleich Kehrseiten, die ihre Herrschaft unter- 
graben müssen. Das Dachglas liefert eine unabwendbare Hitze, die der 
Bücherhygiene zuwider wirkt, die Rostkonstruktion macht aus dem Bücher- 
haus ein ermüdend gangbares Terrain und aus der untersten Etage einen 
Staubkasten, der als eine reichversorgte Quelle rollender Staubschwaden dient. 


Zur Abwehr der Feuergefahr ist das Büchermagazin nach den 
modernsten Weisungen der Technik ausgerüstet worden. Die Leitungsdrähte 
der elektrischen Beleuchtung laufen, wohlverwahrt in Metallhülsen, nur an 
den Eisenteilen des Bücherhauses und berühren nirgends die hölzernen 
Bücherschränke ; ein jedes Verdeck besitzt einen Sicherheitshydrantschlauch. 
Der Verbindung der einzelnen Etagen des Magazines dient eine eiserne 
Treppe und ein elektrischer Personenaufzug, während größere Büchergewichte 
durch einen Handaufzug befördert werden. 

Die Büchergestelle bilden in einem jeden Stöckel zwei Komplexe, 
zwischen denen ein breiter Mittelgang läuft. Diese beiden Komplexe bestehen 
aus je 14 Schrankreihen, die senkrecht auf den Mittelgang laufen und durch 
Quergänge getrennt sind. Die erste und die vierzehnte Schrankreihe bildet 
eine Wandreihe, die zwölf übrigen sind in sechs Doppelreihen, die Rücken 
gegen einander gelehnt, aufgestellt. Eine Schrankreihe bildet ein einheit- 
liches Ganzes, das nur durch lotrechte Wände in Normal-Schränke von 
2:50 m Höhe, 1 m Breite und 0:50 m Tiefe geteilt wird, die verstellbare 
Buchbretter besitzen. Die Regale, 25cm dicke — wie die Schränke braun 
gestrichene — Eichenbretter, ruhen auf je vier eisernen Haltestiften. Diese 
passen in Wandbohrungen, die an der inneren Wand laufen, stets in einer 
Entfernung von 5 cm voneinander, in der Höhe 25 cm vom Schrankfuß 
beginnend, und bis 2:30 m hinaufsteigend. Die Regale sind für die Bücher- 
formate reguliert. 

Die niedrigste und die hóchste Nummer der in einer Schrankreihe 
beherbergten Bücher (für jedes Format besonders) zeigen gedruckte Karton- 
tafeln an, die an den gangseitigen Schrankrändern angebracht sind. 

Mit Rücksicht auf die bedeutende Breite des Büchermagazines (23 m), 
zu dessen Erhellung in seinen mittleren Partien die an der Ost- und West- 
seite eines jeden Stóckels, je sieben, angebrachten Fenster nicht genügen, 
ferner infolge der Massivitát des Systemes der Holzschränke und der dabei 
angewendeten, für alle Formate konstanten Tiefe der Schränke, war die 
Rostkonstruktion und das Deckenlicht unerläßlich. Nur durch diese Licht- 
dispersion ist die Suche der Bücher ohne elektrische Beleuchtung denkbar. 

Auf demselben Niveau bleibend, gelangt man aus der untersten Etage 
des Hauptmagazines durch eine Tür in die obere Kontignation des Neben- 
magazines, das im Erdgeschosse unter dem großen Lesesaale liegt. : Dieses 


— 121 — 


Magazin ist 26'75X12-075 m groß, zweigeschossig, besitzt eine Eisen« 
rostkonstruktion, ist mit Bücherschränken aus dem alten Bibliothekslokal 
ausgestattet und dient in diesem seinen gartenseitigen Teile als Bücher- 
tresor für zirka 80.000 Bände. Als seine Fortsetzung kann man noch den 
unter den Amtszimmern und dem Dozentenlesezimmer der Straße zu 
gelegenen Teil ansehen, der dieselbe Struktur aufweist. Dieses Magazin 
(27:00X5:80 m groß), zerfällt in je drei Ubikationen und ist in seiner 
oberen Etage als Bücherraum (augenblicklich für Seminarbibliotheken) in 
seiner unteren als Mappenauslegeraum für die geographischen und künst- 
lerischen Sammlungen, sowie als Raum für die Buchbinderangelegenheiten 
eingerichtet. 

Das Nebenmagazin mündet in das Treppenhaus am Ausgangspunkte 
des Stiegenlaufes. 

Mithin haben wir unseren Rundgang durch das neue Bibliotheks- 
gebäude vollendet und können nicht umhin, ihm unser Lob zu zollen. 
Dabei müssen wir natürlich von einigen Einzelheiten absehen, die sich im 
hiesigen regen Fachbetriebe als Unbequemlichkeiten und Mängel fühlen 
lassen. Die wichtigsten unter ihnen (z. B. das Fehlen von eigenen Bücher- 
reservierplátzen im Lesesaale und Oberlichtvorhängen bei allen Dachfenstern, 
sowie die nicht von allen Amtslokalen gerade günstigste Verbindung mit 
den Büchermagazinen) haben sich erst beim lebhaften Betrieb ent- 
decken lassen, sind aber heilungsfähig, ja bereits dem Ministerium zur 
Behebung vorgestellt. 

Die nicht besonders gefällige Lage des Gebäudes, sowie die nichts 
weniger als palastartige Ausstattung seiner Hauptfront haben ihren wichtigen 
Grund in der Eigenart des Baugeländes und in den Verhältnissen, die 
unbeugsam geboten waren. 

In manche Entsagung hat man sich fügen müssen, denn die Summe 
von 520.000 X wurde als die Maximalgrenze des Kredites bewilligt, von der 
die Bau- und Bauleitungskosten bestritten werden und Ersparnisse durchaus 
vorgelegt werden mußten. 

Und dennoch zeigt schon der Grundriß des Baues, daß die Haupt- 
aufgaben einer modernen Bibliothek, die in der wärmsten Förderung der 
geistigen Arbeit, durch die rascheste und reichlichste Bedienung bestehen, 
fachmännisch und einsichtsvoll im Auge behalten wurden und in bau- 
technischer Hinsicht — zentrale Lage des Lesesaales, Raum für eine 
reiche Handbibliothek, Nàhe des Büchermagazines —  zweckmáfig, nicht 
kleinmütig, und glücklich entwickelt worden sind. 


Lemberg. Dr. Rud. Kotula. 


— 122 — 


Aus dem Leben eines Beamten der Universitäts-Bibliothek 
in Prag. 

Der älteren Generation der Prager Biblotheksbesucher wird Kustos 
Johann Friedrich Dambeck wohl noch in Erinnerung sein. Er war der 
Sohn des Philosophie-Professors Johann Heinrich D a m b eck (1774—1820), 
der sich nicht bloß in seinem Spezialfache, sondern auch als Gelegenheits- 
dichter und Übersetzer nicht unrühmlich hervorgetan hat.!) Wie es so häufig 
zu geschehen pflegt, so vererbte sich auch hier die Liebe zu den Büchern 
vom Vater auf den Sohn; Friedrich Dambeck widmete sein ganzes Leben 
dem Bibliotheksdienste, war seinem anstrengenden Berufe trotz mancherlei 
Kränkungen und Zurücksetzungen mit Leib und Seele ergeben, und beschloß, 
im neunundsiebzigsten Lebensjahre am 10. Juni 1879 zu Prag sein cntsagungs- 
volles Dasein.?) Außer der Herausgabe einer von seinem Vater verfaßten Über- 
setzung von Shakespeares „Venus und Adonis* und „Tarquin und Lukrezia“ 
(Leipzig, Brockhaus 1856) scheint er sich literarisch nicht in die Öffentlichkeit 
gewagt zu haben, obwohl er eine flinke Feder besaß und nicht uninteressant zu 
erzählen wußte. Aus einigen mir vorliegenden Briefen an einen Freund und 
Berufsgenossen, den nun auch schon die kühle Erde deckt, wird vielleicht 
ein kleines Exzerpt nicht unwillkommen sein, das nicht bloß auf den 
Schreiber selbst und seine Berufstätigkeit, sondern auf eine fast schon ver- 
gessene Zeit, von der uns freilich erst wenige Dezennien trennen, ein helles 
Licht wirft. 

Prag, am 16. April 1870. 
Verehrter Herr und Freund! 


Vor allem muß ich bitten, die Lesung dieser Zeilen für eine Musse- 
stunde zurückzulegen, denn ich hab’ es diesmal auf eine lange schrift- 
liche Visite abgesehen. Ihr Wohlwollen hat mir die Hoffnung eingeflößt, 
daß Sie auch einige Details über meine Dienstlaufbahn nicht unfreundlich 
vernehmen werden, wenn mich gleich, wie Sie bereits aus den Zeitungen wissen, 
das Loos getroffen hat, einer Stelle, welche ich unzählige Male versehen 

- und siebenmal sogar kraft Dekretes vertreten habe, unter Zurücksetzung 
unter meinen bisherigen Skriptor unwürdig befunden zu werden. Daß 
ich überhaupt 42 Jahre lang zu dienen vermochte und während dieser 
Zeit nur selten und stets bloß kurz krankte, ist freilich eine Gnade Gottes, 
welche beneidet werden kann, und mein angeblich dienstunfáhiges 63jühriges 





1) Vgl. über ihn Wurzbach's Biog. Lexikon Bd. III S. 137 und K. Goedeke 
Grundriß VII 19. 

2) Ich verdanke die Kenntnis dieses Datums der Güte des Herrn 
Direktors Dr. Kukula in Prag. 


— 123 — 


Alter muss dafür noch herhalten, um seit dem Tode des Biblothekars 
Hanué (19. Mai 1869) zur Substitution ausgenützt zu werden. Ich 
arbeite auch nun mit ungeschwächten Sinnen, während mich der junge 
Beamte dabei mit Augengläsern anblitzt. 


Schon mein Vater, der mit seinem Berufe als Professor der Ästhetik 
an der hiesigen Universität eıne besondere Bibliophilie verband, mochte 
durch sein Beispiel die Neigung für das Bibliothekswesen in mir entzündet 
haben; und Morhofs Polyhistor ?), welchen ich als Gymnasist (so!) heimlich 
aus seiner Sammlung zu entlehnen pflegte, war mein Lieblingsbuch. Die 
Kinder eines Italiäners waren als Nachbarn schon frühe meine Gespielen, 
und wenn auch das Welsch-Plaudern wenig Gewinn abwarf, so half 
es mir doch sehr bei meinem späteren Studium dieser Sprache, deren 
Schriftsteller ich, mit Ausnahme des historisch-schwierigen Dante, vom 
Blatt weg las. Allein das eifrige Studium, welches der Vater dem 
Englischen mit sichtlicher Vorliebe zuwendete, konnte einem Knaben, der 
den Vater nacháffte, nicht entgehen. Ich brannte vor lücherlicher Begierde 
des zweifachen ‚ih‘ Herr zu werden, füllte meinen Schädel mit den Regeln der 
Eb ers'schen*) und A rnold'schen Grammatiken?), arbeitete ihre Beispiele 
durch und plagte meinen guten Vater mit sprachlichen Fragepunkten, welche 
wie aus den Wolken fielen, da ich meinen Dilettantismus nur geheim 
trieb, um nicht auf meine Schulgegenstánde verwiesen zu werden, von 
denen ich nur die alten Sprachen liebte. Doch mein liebevollster Leiter 
verstummte nur allzu bald. Am Tage des Austritts aus der Rhetorik des 
Altstädter Gymnasiums ward mein Vater zu Grabe getragen.‘) 


Nun galt es, zum Unterhalt einer gering pensionierten Großmutter 
und einer unversorgten Tante, sowie zu meinem eigenen durch Erwerb 
beizutragen. Ich durchlief die philosophischen und juridischen Studien, 
bestand die Prüfung aus dem Italiänischen ziemlich glänzend, da mich 
der Professor (Spirk)’) in italiänischer Sprache examinirte, legte die 
Prüfung aus dem Englischen und jene aus dem Französischen, erstre 


3) Daniel Georg Morh o fs Polyhistor ist zuerst im Jahre 1687 erschienen 
(3. Aufl. von J. A. Fabricius Lübeck 1732). Unsere Gymnasiasten von heute 
kennen dieses Buch schwerlich. 

*) Joh. Ebers, Elementarbuch zur Erlernung der englischen Sprache 
Berlin 1802. Ders., Theoretische und praktische Grammatik Halle 1812. Ders., 
Englische Sprachlehre Berlin 1792. 

5) J. Arnold, praktische Grammatik der englischen Sprache, Stutt. 1825. 

9) + 1820, 10. August. 

1) Anton Spirk (+ 1847); vgl. Wurzbach XXXVI, 174. 


— 124 — 


unter Langerhanss°) und letztre unter Rammstein”), gut zurück, 
und erwarb durch Lektionen !°) und Sekretärsdienste in Privatbäusern 
doch das Nóthige, um nebst dem bescheidenen Hausbedarf auch nahmhafte 
bibliographische Hilfswerke anzuschaffen. Nach meinem Austritt aus den 
juridischen Studien im Jahre 1827 wendete ich mich im September 1828 
dem Bibliotheksdienste zu und arbeitete, da es damals keine Amanuensen 
gab, mit wahrer Berufsfreudigkeit über achthalb Jahre als unentgeltlicher 
Bibliothekspraktikant, wurde 1836 zweiter und 1837 erster Skriptor, 
worauf ich im April 1848 in die Kustosstelle aufstieg, auf welchem Gipfel 
ich nun nach 42 Dienstjahren die untergehende Sonne betrachten kann. 


Befremdet könnte man mich fragen: Hast du etwa deinen Dienst 
durch Unfleiss verunehrt? Diese Frage wird schwerlich ein Andrer 
als mein Gewissen beantworten können, und ich muss wohl schon darum 
meinen eigenen Vertreter machen. Ohne mich auf Katalogisirungsarbeiten 
zu berufen, welche ja auch den andren Bediensteten zugeteilt waren, 
ohne die Führung des Gestionsprotokolls erwähnenswerth zu finden, darf 
ich doch mit Ausschluss aller meiner übrigen Kollegen anführen: 


a) Dass seit 30 Jahren bei weitem der grösste Teil der Amts- 
Korrespondenz, worin nicht selten sehr umfassende Berichte vor- 
kamen, der grósste Theil der Akten von meiner Hand ist. Nicht selten 
war zugleich ich Kopist meiner Konzepte. 


b) Das Dekretenbuch führte ich bisher vollinhaltlich und 
unter Beziehung auf den Akten-Faszikel, in dem die Originalien hinter- 
legt sind, so dass das Archiv nach der Reihenfolge der Zahlen des 
Gestionsprotokolls geordnet ist. 


c) ]n gleicher Weise habe ich seit mehr als 30 Jahren die 
Dotationsrechnungen zur Vorlage an die Behörden abgefasst ; 
und da ich das Konzept derselben mit Beischluss der Konti der Buch- 
händler und Antiquare gleichfalls archivmässig binterlegte, so ist es mein 
Verdienst, wenn die Bibliothek noch nach vielen Jahren über die Bezugs- 
quelle und den Preis jedes gekauften Buchs Aufschluss zu finden 
vermag. 


3 Anton Langerhans, Verfasser verschiedener Elementarbücher 
über die französische, englische und spanische Sprache. 

9) Friedrich Rammstein, Verfasser einer französischen Grammatik 
: (Wien 1827—1841) und einer Métaphysique du language des Francais (Wien 
1827). 

10) Wie Jos. Alex. Freih. v. Helfert (geb. 1820) in seinen Eindrücken und 
Ahnungen aus der Werdezeit (Österreichische Rundschau VIII, Heft 104— 5, 
S. 455) erzählt, war „Herr Dambeck* sein erster Hauslehrer. 


— 125 — 


d) Der Entwurf vieler noch jetzt angewendeten Formeln, als z. B. 
für die Standorts-Repertorien, fiir genaue Revisionstabellen, für die 
Kauzionserlagscheine und die Bibliothekskarten u. dgl. mehr ist meine 
Arbeit. Bei bäuslichen Arbeiten für die Bibliothek galt es mir immer 
als Gesetz, Einband und Schreibmaterial aus Eigenem zu tragen, wesshalb 
die Anstalt sich niemals über Inanspruchnahme ihrer Dotation beklagen 
darf. So habe ich 


e) einen ,Nomenclator* der werthvollern Werke, welche sich — mit 
Ausschluss der Handschriften und Incunabeln — in den Bücherreihen der 
Bibliothek zerstreut vorfinden, nach ihren Standorten ausgefertigt, um im 
Falle der Gefahr das Wichtigste sogleich aus den Schränken herausnehmen 
zu können. (Einiges habe ich davon an Hanslik für eine Geschichte 
der Prager Bibliothek mitgeteilt, wovon er auf Seite 610 [richtig 612] 
7. B. Tycho Brahe’s Dogmatageometrica anfihrt''). Anderes. wie z. B. 
den Ptolemaeus, welchen Tycho Brahe laut seiner Anmerkung im Jahre 
1562, mithin als Jüngling, für 2 Speziesthaler gekauft und mit Rand- 
glossen versehen hat, konnte ich an Hanslik nicht mehr mitteilen.) 

f) Die im Jahre 1836 neuerdings ausgebrochene Cholera, welche 
nebst anderen Inwohnern des Bibliotheksgebäudes auch den ersten 
Skripter Zimmermannn t2) hinraffte, drängte mich zum Nachsinnen, 
auf welche Art auch ein einziger Beamter die Bibliotheksrevision 
ausführen könnte? Ich entwarf ein Compendium aus den Standorts- 
katalogen in 40 Oktavheften, wornach das Fehlende leicht bemerkt und 
jeder Bändezuwachs wahrgenommen werden konnte. Da das Compendium 
nur die mehrbändisen Werke nebst dem letzten Buche in der Reihe 
enthielt, so wäre die Fortsetzung dieser Compendien ohne viele Schreiberei 
ein Leichtes gewesen, hätten sie die Vorstände nicht für eitel Spielwerk 
angesehen. 


g) Kurze Sachregister über ein paar Bibliothekszweige, 7. B. 
über die Litterärgeschichte, die Bibel-Erklärer etc. habe ich gleichfalls 
angelegt. 

h) In den stürmischen Junitagen des Jahres 1848, als das 
Klementinum das Ansehen einer Citadelle angenommen und die bewaffnete 
Studentenschaft lärmend ihre Kasernen hier aufgeschlagen und die Haus- 


11) J. A. Hanslik, Geschichte und Beschreibung der Prager Universitäts- 
Bibliothek: (Prag 1831) S. 610 (recte 612) erwühnt, dass er die Kenntnis dieser 
Handschrift dem unermüdlichen Eifer des Bibliothekskustos Dambeck verdanke, 
der sie als Adligat zu einem ülteren Druckwerke aufgefunden hat. 

12) Johann Zimmermann (t 27. August 1836), Kreuzher:n-Ordens- 
priester und k. k. Bücherzensor. Vgl. Wurzbach LX, 123. 


— 126 — 


thore verbarrikadiert hatte, als von den umliegenden Anhóhen, vom 
Laurenz- und Schlossberge die Hohlgeschosse aus den aufgestellten 
Batterien auf die Klementinhöfe flogen, um die Tumultuanten zu zer- 
streuen, da war ich der alleinige Anwohner der Bibliothek. Bibliothekar 
Safarik hatte sein Naturalquartier noch nicht bezogen und wohnte 
auf der Neustadt nächst dem Rekruten, oder Transporthause. Mehr 
noch als die Besorgnis vor Beschädigungen der Plafonde durch die 
Geschosse, war es die Befürchtung, dass etwa die Kataloge von den 
ungestümen Jünglingen zu Patronen verwendet werden könnten, was 
mich bewog, die stürmischen Tage grösstenteils im Lesesaale zuzubringen 
und nachts daselbst auf den Tischen meine Schlafstätte aufzuschlagen, 
damit ich — falls die jungen Leute eindringen sollten — dieselben 
wenigstens durch Gegenvorstellungen von dieser Verwüstung abzuhalten 
versuchte. Ich gab darum die Türe meiner Wohnung gem den 
Kolbenstössen der Studenten preis und blieb im Lesesaal auf 
meinem Wachposten. Glücklicherweise überwog die Achtung vor dem 
litterärischen Schatze und es verlief nach dem Brande der altstädter 
Mühlen Alles ruhig. 


Indess wuchsen mir mit der in diesem Jahre erfolgten Auflösung 
des Bücherrevisionsamtes auch neue Arbeiten zu. Ich hatte die dort seit 
Jahrzehenden aufgespeicherten Büchermassen in die Bibliothek zu 
transportiren, die Bücherduplikate auszuscheiden, die sich ergebenden 
Zuwächse der Bibliothek einzuverleiben, wobei mir der 3. Skriptor aushalf. 


?) Bei der Preusseninvasion im Jahre 1866 waren in allen Hör- 
sälen, Gymnasialschulen, Gängen, Kapellen, Malerateliers, Seminars- 
lokalitäten und selbst im Lesesaale die feindlichen Mannschaften — ein 
paar Tausend Mann — einquartiert. Im Klementin hatten wir keinen 
Grund, über ihr Benehmen zu klagen; doch war bekannt, wie sie im 
k. k. Zeughause und in der Monturskommission gewirtschaftet. Vorsicht 
war somit geboten, und ich erhielt gar bald Gelegenheit, einen Schau- 
spieler zu machen ohne Souffleur. „Der Herr Hauptmann und Herr 
Lieutenant wünschten die Bibliothek zu sehen“, sagte ein Korporal zu 
mir, als ich eben die Treppen hinanstieg, und schon standen die beiden 
Herren an meiner Seite. 


„Die Bibliothek will ich Ihnen recht gern zeigen“, versetzte ich, 
nur muss ich die Schlüssel vom Herrn Bibliothekar holen“. 


Sie begleiteten mich bis zur Bibliothekarswohnung, wo ich die 
Schlüssel — da Bibliothekar Hanus eben ausgegangen war — von 
dessen Frau empfing. 


— 127 — 


„Wer ist eigentlich Eigentümer der Bibliothek?“ fragte der 
Lieutenant. 


„Das Land und die Universität“, war meine Antwort. 

„Welche Werke hat die Bibliothek über den siebenjahrigen Krieg?“ 
fragte der Hauptmann. 

,Archenholz!?) ist vorhanden und auch der alte Tempel- 
hof* !!) sagte ich. | 

„Tempelhof ist gut“, versetzte er, „und könnte man Bücher 
aus der Bibliothek entlehnen? Zum Beispiel den Tempelhof?“ 

„Ohne Anstand“, erwiderte ich, „sobald dem Bibliothekar die 
Licenz des kommandierenden Herrn Generals Freiherrn v. Falkenstein 
gebracht wird, da derselbe den Auftrag erließ, kein Buch ohne seinen 
Erlaubnissschein auszufolgen; diesen zu erhalten, kann Ihnen nicht 
schwer fallen.“ 

Sollte sich der preussische Kommandant v. Falkenstein indess 
von einem solchen Befehle und von Erlaubnissscheinen nicht einmal etwas 
haben träumen lassen, so hab’ ich doch wenigstens zum Staatsbesten 
artig gelogen: denn die beiden Herren kamen nicht wieder. 

Nun hab ich Ihnen die hauptsächlichen Verbrechen hergezählt, 
um derentwillen ich die strafweise Zurücksetzung verdient habe. 

Wenden wir uns zu einem andern Stillleben! Im Winter des 
Jahres 1849 kam auf dem Lesezimmer ein Jurist zu meinem Arbeits- 
tische und bat mich, zu seinen Gunsten mich beim Bibliothekar zu 
verwenden, dass er eine Praktikantenstelle bei der Bibliothek bekomme, 
weil es mit dem Bbliotheksdienste vereinbar sei, sich und seine kranke 
Mutter durch Konditionen zu erhalten, während andere Ämter den Vor- 
und Nachmittag gänzlich in Anspruch nehmen. „Sie.sehen“, erwiderte 
ich, „dass gegenwärtig alle Plätze besetzt sind. Sollte indess eine Änderung 
hierin vorkommen, dann sollen Sie sogleich Nachricht haben“. Er gab 
mir seine Addresse (so). Der brave Praktikant v. Edlenbach erkrankte 
und starb am 28. Mai 1849. Ich nahm Rock und Hut, und ging zu 
dem Juristen, sagte demselben, daß es an der Zeit sei einzukommen, 
und Herr Anton Z...... trat am 28. Juni 1849 als Praktikant in 
den Bibliotheksdienst, praktizierte bis 3. Dezember 1849, ward am 
4. Dezember 1849 als dritter Skriptor beeidet, rückte im Jahre 1866 in 
die zweite Skriptorstelle, im [Jahre] 1868 in die erste vor und kann nach 


3) J. W. v. Archenholtz, Geschichte des Siebenjihrigen Krieges, 
Berlin 1793. (1892 ist die 18. Auflage erschienen.) 

14) G. F. v. Tempelhoff, Geschichte des Siebenjährigen Krieges in 
Deutschland. Berlin 1783 ff, 6 Bde. 


i 


magazine umgewandelt, besitzen zugleich Kehrseiten, die ihre Herrschaft unter- 
graben müssen. Das Dachglas liefert eine unabwendbare Hitze, die der 
Bücherhygiene zuwider wirkt, die Rostkonstruktion macht aus dem Bücher- 
haus ein ermüdend gangbares Terrain und aus der untersten Etage einen 
Staubkasten, der als eine reichversorgte Quelle rollender Staubschwaden dient. 


Zur Abwehr der Feuergefahr ist das Büchermagazin nach den 
modernsten Weisungen der Technik ausgerüstet worden. Die Leitungsdrähte 
der elektrischen Beleuchtung laufen, wohlverwahrt in Metallhülsen, nur an 
den Eisenteilen des Bücherhauses und berühren nirgends die hölzernen 
Bücherschränke ; ein jedes Verdeck besitzt einen Sicherheitshydrantschlauch. 
Der Verbindung der einzelnen Etagen des Magazines dient eine eiserne 
Treppe und ein elektrischer Personenaufzug, während größere Büchergewichte 
durch einen Handaufzug befördert werden. 

Die Büchergestelle bilden in einem jeden Stöckel zwei Komplexe, 
zwischen denen ein breiter Mittelgang läuft. Diese beiden Komplexe bestehen 
aus je 14 Schrankreihen, die senkrecht auf den Mittelgang laufen und durch 
Quergánge getrennt sind. Die erste und die vierzehnte Schrankreihe bildet 
eine Wandreihe, die zwölf übrigen sind in sechs Doppelreihen, die Rücken 
gegen einander gelehnt, aufgestellt. Eine Schrankreihe bildet ein einheit- 
liches Ganzes, das nur durch lotrechte Wände in Normal-Schränke von 
2:50 m Höhe, 1 m Breite und 0°50 m Tiefe geteilt wird, die verstellbare 
Buchbretter besitzen. Die Regale, 2:5ecm dicke — wie die Schränke braun 
gestrichene — Eichenbretter, ruhen auf je vier eisernen Haltestiften. Diese 
passen in Wandbohrungen, die an der inneren Wand laufen, stets in einer 
Entfernung von 5 cm voneinander, in der Höhe 25 cm vom Schrankfuß 
beginnend, und bis 2:30 m hinaufsteigend. Die Regale sind für die Bücher- 
formate reguliert. 

Die niedrigste und die hóchste Nummer der in einer Schrankreihe 
beherbergten Bücher (für jedes Format besonders) zeigen gedruckte Karton- 
tafeln an, die an den gangseitigen Schrankrändern angebracht sind. 

Mit Rücksicht auf die bedeutende Breite des Büchermagazines (23 m), 
zu dessen Erhellung in seinen mittleren Partien die an der Ost- und West- 
seite eines jeden Stóckels, je sieben, angebrachten Fenster nicht genügen, 
ferner infolge der Massivität des Systemes der Holzschränke und der dabei 
angewendeten, für alle Formate konstanten Tiefe der Schränke, war die 
Rostkonstruktion und das Deckenlicht unerläßlich. Nur durch diese Licht- 
dispersion ist die Suche der Bücher ohne elektrische Beleuchtung denkbar. 

Auf demselben Niveau bleibend, gelangt man aus der untersten Etage 
des Hauptmagazines durch eine Tür in die obere Kontignation des Neben- 
magazines, das im Erdgeschosse unter dem großen Lesesaale liegt. . Dieses 


— 121 — 


Magazin ist 26°75X12-075 m groß, zweigeschossig, besitzt eine Eisen4 
rostkonstruktion, ist mit Bücherschränken aus dem alten Bibliothekslokal 
ausgestattet und dient in diesem seinen gartenseitigen Teile als Bücher- 
tresor für zirka 80.000 Bände. Als seine Fortsetzung kann man noch den 
unter den Amtszimmern und dem Dozentenlesezimmer der Straße zu 
gelegenen Teil ansehen, der dieselbe Struktur aufweist. Dieses Magazin 
(27-00X5°80 m groß), zerfällt in je drei Ubikationen und ist in seiner 
oberen Etage als Bücherraum (augenblicklich für Seminarbibliotheken) in 
seiner unteren als Mappenauslegeraum für die geographischen und künst- 
lerischen Sammlungen, sowie als Raum für die Buchbinderangelegenheiten 
eingerichtet. 

Das Nebenmagazin mündet in das Treppenhaus am Ansgangspunkte 
des Stiegenlaufes. 

Mithin haben wir unseren Rundgang durch das neue Bibliotheks- 
gebäude vollendet und können nicht umhin, ihm unser Lob zu zollen. 
Dabei müssen wir natürlich von einigen Einzelheiten absehen, die sich im 
hiesigen regen Fachbetriebe als Unbequemlichkeiten und Mängel fühlen 
lassen. Die wichtigsten unter ihnen (z. B. das Fehlen von eigenen Bücher- 
reservierplätzen im Lesesaale und Oberlichtvorhängen bei allen Dachfenstern, 
sowie die nicht von allen Amtslokalen gerade günstigste Verbindung mit 
den Büchermagazinen) haben sich erst beim lebhaften Betrieb ent- 
decken lassen, sind aber heilungsfähig, ja bereits dem Ministerium zur 
Behebung vorgestellt. 

Die nicht besonders gefällige Lage des Gebäudes, sowie die nichts 
weniger als palastartige Ausstattung seiner Hauptfront haben ihren wichtigen 
Grund in der Eigenart des Baugeländes und in den Verhältnissen, die 
unbeugsam geboten waren. 

In manche Entsagung hat man sich fügen müssen, denn die Summe 
von 520.000 X wurde als die Maximalgrenze des Kredites bewilligt, von der 
die Bau- und Bauleitungskosten bestritten werden und Ersparnisse durchaus 
vorgelegt werden mußten. 

Und dennoch zeigt schon der Grundriß des Baues, daß die Haupt- 
aufgaben einer modernen Bibliothek, die in der wärmsten Förderung der 
geistigen Arbeit, durch die rascheste und reichlichste Bedienung bestehen, 
fachmännisch und einsichtsvoll im Auge behalten wurden und in bau- 
technischer Hinsicht — zentrale Lage des Lesesaales, Raum für eine 
reiche Handbibliothek, Nähe des Büchermagazines — zweckmäßig, nicht 
kleinmütig, und glücklich entwickelt worden sind. 


Lemberg. Dr. Rud. Kotu la. 


— 122 — 


Aus dem Leben eines Beamten der Universitäts-Bibliothek 
in Prag. 

Der älteren Generation der Prager Biblotheksbesucher wird Kustos 
Johann Friedrich Dambeck wohl noch in Erinnerung sein. Er war der 
Sohn des Philosophie-Professors Johann Heinrich Dambeck (1774—1820), 
der sich nicht bloß in seinem Spezialfache, sondern auch als Gelegenheits- 
dichter und Übersetzer nicht unrühmlich hervorgetan hat. ') Wie es so häufig 
zu geschehen pflegt, so vererbte sich auch hier die Liebe zu den Büchern 
vom Vater auf den Sohn; Friedrich Dambeck widmete sein ganzes Leben 
dem Bibliotheksdienste, war seinem anstrengenden Berufe trotz mancherlei 
Kränkungen und Zurücksetzungen mit Leib und Seele ergeben, und beschloß, 
im neunundsiebzigsten Lebensjahre am 10. Juni 1879 zu Prag sein entsagungs- 
volles Dasein.?) Außer der Herausgabe einer von seinem Vater verfaßten Über- 
setzung von Shakespeares „Venus und Adonis* und „Tarquin und Lukrezia® 
(Leipzig, Brockhaus 1856) scheint er sich literarisch nicht in die Öffentlichkeit 
gewagt zu haben, obwohl er eine flinke Feder besaß und nicht uninteressant zu 
erzählen wußte. Aus einigen mir vorliegenden Briefen an einen Freund und 
Berufsgenossen, den nun auch schon die kühle Erde deckt, wird vielleicht 
ein kleines Exzerpt nicht unwillkommen sein, das nicht bloß auf den 
Schreiber selbst und seine Berufstätigkeit, sondern auf eine fast schon ver- 
gessene Zeit, von der uns freilich erst wenige Dezennien trennen, ein helles 
Licht wirft. 

Prag, am 16. April 1870. 
Verehrter Herr und Freund! 


Vor allem muß ich bitten, die Lesung dieser Zeilen für eine Musse- 
stunde zurückzulegen, denn ich hab’ es diesmal auf eine lange schrift- 
liche Visite abgesehen. Ihr Wohlwollen hat mir die Hoffnung eingeflößt, 
daß Sie auch einige Details über meine Dienstlaufbahn nicht unfreundlich 
vernehmen werden, wenn mich gleich, wie Sie bereits aus den Zeitungen wissen, 
das Loos getroffen hat, einer Stelle, welche ich unzählige Male versehen 

- und siebenmal sogar kraft Dekretes vertreten habe, unter Zurücksetzung 
unter meinen bisherigen Skriptor unwürdig befunden zu werden. Daß 
ich überhaupt 42 Jahre lang zu dienen vermochte und während dieser 
Zeit nur selten und stets bloß kurz krankte, ist freilich eine Gnade Gottes, 
welche beneidet werden kann, und mein angeblich dienstunfähiges 63jähriges 


!) Vgl. über ihn Wurzbach's Biog. Lexikon Bd. III S. 137 und K. Goedeke 
Grundriß VII 19. 

2) Ich verdanke die Kenntnis dieses Datums der Güte des Herrn 
Direktors Dr. Kukula in Prag. 


— 125 — 


Alter muss dafür noch herhalten, um seit dem Tode des Biblothekars 
Hanus (19. Mai 1869) zur Substitution ausgenützt zu werden. Ich 
arbeite auch nun mit ungeschwächten Sinnen, während mich der junge 
Beamte dabei mit Augengläsern anblitzt. 


Schon mein Vater, der mit seinem Berufe als Professor der Ästhetik 
an der hiesigen Universität eıne besondere Bibliophilie verband, mochte 
durch sein Beispiel die Neigung für das Bibliothekswesen in mir entzündet 
haben; und Morhofs Polyhistor?), welchen ich als Gymnasist (so!) heimlich 
aus seiner Sammlung zu entlehnen pflegte, war mein Lieblingsbuch. Die 
Kinder eines Italiäners waren als Nachbarn schon frühe meine Gespielen, 
und wenn auch das Welsch-Plaudern wenig Gewinn abwarf, so half 
es mir doch sehr bei meinem späteren Studium dieser Sprache, deren 
Schriftsteller ich, mit Ausnahme des historisch-schwierigen Dante, vom 
Blatt weg las. Allein das eifrige Studium, welches der Vater dem 
Englischen mit sichtlicher Vorliebe zuwendete, konnte einem Knaben, der 
den Vater nachäffte, nicht entgehen. Ich brannte vor lächerlicher Begierde 
des zweifachen ‚th‘ Herr zu werden, füllte meinen Schädel mit den Regeln der 
Ebers'schen*) und A rnold'schen Grammatiken?), arbeitete ihre Beispiele 
durch und plagte meinen guten Vater mit sprachlichen Fragepunkten, welche 
wie aus den Wolken fielen, da ich meinen Dilettantismus nur geheim 
trieb, um nicht auf meine Schulgegenstünde verwiesen zu werden, von 
denen ich nur die alten Sprachen liebte. Doch mein liebevollster Leiter 
verstummte nur allzu bald. Am Tage des Austritts aus der Rhetorik des 
Altstädter Gymnasiums ward mein Vater zu Grabe getragen.") 


Nun galt es, zum Unterhalt einer gering pensionierten Großmutter 
und einer unversorgten Tante, sowie zu meinem eigenen durch Erwerb 
beizutragen. Ich durchlief die philosophischen und juridischen Studien, 
bestand die Prüfung aus dem Italiänischen ziemlich glänzend, da mich 
der Professor (Spirk)’) in italiänischer Sprache examinirte, legte die 
Prüfung aus dem Englischen und jene aus dem Französischen, erstre 


—— 





3) Daniel Georg Morh o fs Polyhistor ist zuerst im Jahre 1687 erschienen 
(3. Aufl. von J. A. Fabricius Lübeck 1732). Unsere Gymnasiasten von heute 
kennen dieses Buch schwerlich. 

4) Joh. Ebers, Elementarbuch zur Erlernung der englischen Sprache 
Berlin 1802. Ders., Theoretische und praktische Grammatik Halle 1812. Ders., 
Englische Sprachlehre Berlin 1792. 

5) J. Arnold, praktische Grammatik der englischen Sprache, Stutt. 1825. 

9) t 1820, 10. August. 

1) Anton Spirk (+ 1847); vgl. Wurzbach XXXVI, 174. 


— 124 — 


unter Langerhans së) und letztre unter Rammstein’), gut zurück, 
und erwarb durch Lektionen!?) und Sekretärsdienste in Privatbäusern 
doch das Nöthige, um nebst dem bescheidenen Hausbedarf auch nahmhafte 
bibliographische Hilfswerke anzuschaffen. Nach meinem Austritt aus den 
juridischen Studien im Jahre 1827 wendete ich mich im September 1828 
dem Bibliotheksdienste zu und arbeitete, da es damals keine Amanuensen 
gab, mit wahrer Berufsfreudigkeit über achthalb Jahre als unentgeltlicher 
Bibliothekspraktikant, wurde 1836 zweiter und 1837 erster Skriptor, 
worauf ich im April 1848 in die Kustosstelle aufstieg, auf welchem Gipfel 
ich nun nach 42 Dienstjahren die untergehende Sonne betrachten kann. 


Befremdet könnte man mich fragen: Hast du etwa deinen Dienst 
durch Unfleiss verunehrt ? Diese Frage wird schwerlich ein Andrer 
als mein Gewissen beantworten können, und ich muss wohl schon darum 
meinen eigenen Vertreter machen. Ohne mich auf Katalogisirungsarbeiten 
zu berufen, welche ja auch den andren Bediensteten zugeteilt waren, 
ohne die Führung des Gestionsprotokolls erwähnenswerth zu finden, darf 
ich doch mit Ausschluss aller meiner übrigen Kollegen anführen : 


a) Dass seit 30 Jahren bei weitem der grösste Teil der Amts- 
korrespondenz, worin nicht selten sehr umfassende Berichte vor- 
kamen, der grösste Theil der Akten von meiner Hand ist. Nicht selten 
war zugleich ich Kopist meiner Konzepte. 


b) Das Dekretenbuch führte ich bisher vollinhaltlich und 
unter Beziehung auf den Akten-Faszikel, in dem die Originalien hinter- 
legt sind, so dass das Archiv nach der Reihenfolge der Zahlen des 
Gestionsprotokolls geordnet ist. 


c) In gleicher Weise habe ich seit mehr als 30 Jahren die 
Dotationsrechnungen zur Vorlage an die Behörden abgefasst ; 
und da ich das Konzept derselben mit Beischluss der Konti der Buch- 
händler und Antiquare gleichfalls archivmässig binterlegte, so ist es mein 
Verdienst, wenn die Bibliothek noch nach vielen Jahren über die Bezugs- 
quelle und den Preis jedes gekauften Buchs Aufschluss zu finden 
vermag. 





3 Anton Langerhans, Verfasser verschiedener Elementarbücher 
über die französische, englische und spanische Sprache. 

9) Friedrich Rammstein, Verfasser einer französischen Grammatik 
: (Wien 1827— 1841) und einer Métaphysique du language des Francais (Wien 
1827). 

10) Wie Jos. Alex. Freih. v. Helfert (geb. 1820) in seinen Eindrücken und 
Ahnungen aus der Werdezeit (Österreichische Rundschau VIII, Heft 104—5, 
S. 455) erzählt, war „Herr Dambeck“ sein erster Hauslebrer. 


— 125 — 


d) Der Entwurf vieler noch jetzt angewendeten Formeln, als z. B. 
für die Standorts-Repertorien, für genaue Revisionstabellen, für die 
Kauzionserlagscheine und die Bibliothekskarten u. dgl. mehr ist meine 
Arbeit. Bei häuslichen Arbeiten für die Bibliothek galt es mir immer 
als Gesetz, Einband und Schreibmaterial aus Eigenem zu tragen, wesshalb 
die Anstalt sich niemals über Inanspruchnahme ihrer Dotation beklagen 
darf. So habe ich 


e) einen „Nomenclator“ dèr werthvollern Werke, welche sich — mit 
Ausschluss der Handschriften und Incunabeln — in den Bücherreihen der 
Bibliothek zerstreut vorfinden, nach ihren Standorten ausgefertigt, um im 
Falle der Gefahr das Wichtigste sogleich aus den Schränken herausnehmen 
zu können. (Einiges habe ich davon an Hanslik für eine Geschichte 
der Prager Bibliothek mitgeteilt, wovon er auf Seite 610 [richtig 612] 
7. B. Tycho Brahe's Dogmatageometrica anführt!'. Anderes, wie z. B. 
den Ptolemaeus, welchen Tycho Brahe laut seiner Anmerkung im Jahre 
1562, mithin als Jüngling, für 2 Speziesthaler gekauft und mit Rand- 
glossen versehen hat, konnte ich an Hanslik nicht mehr mitteilen.) 


f) Die im Jahre 1836 neuerdings ausgebrochene Cholera, welche 
nebst anderen Inwohnern des Bibliotheksgebäudes auch den ersten 
Skripter Zimmermannn Sei hinraffte, drängte mich zum Nachsinnen, 
auf welche Art auch ein einziger Beamter die Bibliotheksrevision 
ausführen könnte? Ich entwarf ein Compendium aus den Standorts- 
katalogen in 40 Oktavheften, wornach das Fehlende leicht bemerkt und 
jeder Bändezuwachs wahrgenommen werden konnte. Da das Compendium 
nur die mehrbändigen Werke nebst dem letzten Buche in der Reihe 
enthielt, so wäre die Fortsetzung dieser Compendien ohne viele Schreiberei 
ein Leichtes gewesen, hätten sie die Vorstände nicht für eitel Spielwerk 
angesehen. | 


g) Kurze Sachregister über ein paar Bibliothekszweige, z. B. 
über die Litterärgeschichte, die Bibel-Erklärer etc. habe ich gleichfalls 
angelegt. | 

h) In den stürmischen Junitagen des Jahres 1848, als das 
Klementinum das Ansehen einer Citadelle angenommen und die bewaffnete 
Studentenschaft larmend ihre Kasernen hier aufgeschlagen und die Haus- 


|) J. &. Hanslik, Geschichte und Beschreibung der Prager Universitäts- 
Bibliothek (Prag 1831) S. 610 (recte 612) erwühnt, dass er die Kenntnis dieser 
Handschrift dem unermüdlichen Eifer des Bibliothekskustos Dambeck verdanke, 
der sie als Adligat zu einem älteren Druckwerke aufgefunden hat. 

12) Johann Zimmermann (} 27. August 1836), Kreuzher:n-Ordens- 
priester und k. k. Bücherzeusor. Vgl. Wurzbach LX, 123. 


— 126 — 


thore verbarrikadiert hatte, als von den umliegenden Anhöhen, vom 
Laurenz- und Schlossberge die Hohlgeschosse aus den aufgestellten 
Batterien auf die Klementinhöfe flogen, um die Tumultuanten zu zer- 
streuen, da war ich der alleinige Anwohner der Bibliothek. Bibliothekar 
Safarik hatte sein Naturalquartier noch nicht bezogen und wohnte 
auf der Neustadt nächst dem Rekruten- oder Transporthause. Mehr 
noch als die Besorgnis vor Beschädigungen der Plafonde durch die 
Geschosse, war es die Befürchtung, dass etwa die Kataloge von den 
ungestümen Jünglingen zu Patronen verwendet werden könnten, was 
mich bewog, die stürmischen Tage grösstenteils im Lesesaale zuzubringen 
und nachts daselbst auf den Tischen meine Schlafstätte aufzuschlagen, 
damit ich — falls die jungen Leute eindringen sollten — dieselben 
wenigstens durch Gegenvorstellungen von dieser Verwüstung abzuhalten 
versuchte. Ich gab darum die Türe meiner Wohnung gern den 
Kolbenstóssen der Studenten preis und blieb im Lesesaal auf 
meinem Wachposten. Glücklicherweise überwog die Achtung vor dem 
litterärischen Schatze und es verlief nach dem Brande der altstädter 
Mühlen Alles ruhig. 


Indess wuchsen mir mit der in diesem Jahre erfolgten Auflösung 
des Bücherrevisionsamtes auch neue Arbeiten zu. Ich hatte die dort seit 
Jahrzehenden aufgespeicherten Büchermassen in die Bibliothek zu 
transportiren, die Bücherduplikate auszuscheiden, die sich ergebenden 
Zuwächse der Bibliothek einzuverleiben, wobei mir der 3. Skriptor aushalf. 


?) Bei der Preusseninvasion im Jahre 1866 waren in allen Hör- 
salen, Gymnasialschulen, Gängen, Kapellen, Malerateliers, Seminars- 
lokalitäten und selbst im Lesesaale die feindlichen Mannschaften — ein 
paar Tausend Mann — einquartiert. Im Klementin hatten wir keinen 
Grund, über ihr Benehmen zu klagen; doch war bekannt, wie sie im 
k. k. Zeughause und in der Monturskommission gewirtschaftet. Vorsicht 
war somit geboten, und ich erhielt gar bald Gelegenheit, einen Schau- 
spieler zu machen ohne Souffleur. „Der Herr Hauptmann und Herr 
Lieutenant wünschten die Bibliothek zu schen“, sagte ein Korporal zu 
mir, als ich eben die Treppen hinanstieg, und schon standen die beiden 
Herren an meiner Seite. 


„Die Bibliothek will ich Ihnen recht gern zeigen“, versetzte ich, 
nur muss ich die Schlüssel vom Herrn Bibliothekar holen“. 


Sie begleiteten mich bis zur Bibliothekarswohnung, wo ich die 
Schlüssel — da Bibliothekar Hanus eben ausgegangen war — von 
dessen Frau empfing. 


— 127 — 


„Wer ist eigentlich Eigentümer der Bibliothek?‘ fragte der 
Lieutenant. 


„Das Land und die Universität“, war meine Antwort. 

„Welche Werke hat die Bibliothek über den siebenjährigen Krieg?* 
fragte der Hauptmann. 

,Archenholz!?) ist vorhanden und auch der alte Tempel- 
hof“ !4) sagte ich. | 

„Tempelhof ist gut", versetzte er, „und könnte man Bücher 
aus der Bibliothek entlehnen? Zum Beispiel den Tempelhof?“ 

„Ohne Anstand“, erwiderte ich, „sobald dem Bibliothekar die 
Licenz des kommandierenden Herrn Generals Freiherrn v. Falkenstein 
gebracht wird, da derselbe den Auftrag erließ, kein Buch ohne seinen 
Erlaubnissschein auszufolgen; diesen zu erhalten, kann Ihnen nicht 
schwer fallen.“ 

Sollte sich der preussische Kommandant v. Falkenstein indess 
von einem solchen Befehle und von Erlaubnissscheinen nicht einmal etwas 
haben träumen lassen, so hab’ ich doch wenigstens zum Staatsbesten 
artig gelogen: denn die beiden Herren kamen nicht wieder. 

Nun hab ich Ihnen die hauptsächlichen Verbrechen hergezählt, 
um derentwillen ich die strafweise Zurücksetzung verdient habe. 

Wenden wir uns zu einem andern Stillleben! Im Winter des 
Jahres 1849 kam auf dem Lesezimmer ein Jurist zu meinem Arbeits- 
tische und bat mich, zu seinen Gunsten mich beim Bibliothekar zu 
verwenden, dass er eine Praktikantenstelle bei der Bibliothek bekomme, 
weil es mit dem Bbliotheksdienste vereinbar sei, sich und seine kranke 
Mutter durch Konditionen zu erhalten, während andere Ämter den Vor- 
und Nachmittag gänzlich in Anspruch nehmen. „Sie.sehen“, erwiderte 
ich, „dass gegenwärtig alle Plätze besetzt sind. Sollte indess eine Änderung 
hierin vorkommen, dann sollen Sie sogleich Nachricht haben“. Er gab 
mir seine Addresse (s o). Der brave Praktikant v. Edlenbach erkrankte 
und starb am 28. Mai 1849. Ich nahm Rock und Hut, und ging zu 
dem Juristen, sagte demselben, daß es an der Zeit sei einzukommen, 
und Her Anton Z...... irat am 28. Juni 1849 als Praktikant in 
den Bibliotheksdienst, praktizierte bis 3. Dezember 1849, ward am 
4. Dezember 1849 als dritter Skriptor beeidet, rückte im Jahre 1866 in 
die zweite Skriptorstelle, im [Jahre] 1868 in die erste vor und kann nach 


3) J. W. v. Archenholtz, Geschichte des Siebenjährigen Krieges, 
Berlin 1793. (1892 ist die 18. Auflage erschienen.) 

14) G. F. v. Tempelhoff, Geschichte des Siebenjährigen Krieges in 
Deutschland. Berlin 1783 ff, 6 Bde. ' 


i 


— 128 — 


einem Sprung über die Kustosstelle nunmehr nur noch in die Wolken 
vorrücken, falls der Himmel den Unfrieden liebt. Mir hat er seinen Dank 
mit unságlichen Unannehmlichkeiten abgestattet, auch nachdem ich im 
Jahre 1860 eine Disziplinarverhandlung gegen ihn hohen Ortes unter- 
drückt hatte. Die Bibliothekare Safarik und Hanuš waren von 
seiner Verwendung und von seiner Handlungsweise sehr wenig erbaut, 
und ich, der ich schon als Kustos lànger diene als der neue Bibliothekar 
seit seiner Prax, denke mir: ab homine iniquo et doloso erue me, 
Domine! 


Indem ich mich durch diese vertrauensvolle Mitteilungen erleichtert 
fühle, freu' ich mich, die Gewissenhaftigkeit des vorigen Ministeriums 
nicht mehr versuchen zu kónnen u. s. w. 


]hr aufrichtig ergebener 
Joh. Fried. Dambeck. 


Soweit das Selbstbekenntnis. Die Bitterkeit, mit der es abgefaßt ist, 
wird man dem greisen Beamten zugute halten müssen. Bald darauf schied 
er aus dem Amte, um jüngeren Kräften Platz zu machen; das Institut aber, 
dem er so lange treu gedient, wird ihm wohl ein dankbares Andenken 
bewahren. 

Dr. A. Goldmann. 


Der erste bekannte Kalender aus Johann Mannels Drucker- 
presse in Laibach. 


Bereits im Dezember 1561 war der Buchdrucker Augustin Friess !) 
in der Absicht von Straßburg nach Laibach gekommen, um hier die Kunst 
Gutenbergs mit Unterstützung der Landschaft einzuführen, auszuüben und 
Werke der neuen Lehre im Drucke erscheinen zu lassen. Wie wir wissen, 
kam es nicht zur Verwirklichung dieses Vorhabens, da Primus Truber 
selbst jede Verwendung für das Unternehmen bei der Landschaft kurzweg 
abschlug, und Friess, nachdem es nech zwischen ihm und Truber am 
St. Peterstage 1562 zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen war, 
unverrichteter Dinge abgezogen war. 

Daß Johann Mannel schon 1561 oder 1562 zugleich mit Truber 
nach Krain gekommen sei und sich bis zum Jahre 1575, in welchem das 
erste bekannte Buch in Laibach im Drucke erschien, lediglich mit der 
Veröffentlichung kleiner Flugschriften und Spottlieder gegen die katholische 


1) Fries, auch Fryess (um 1550— 1562). Vgl. Archiv für Geschichte des 
deutschen Buchhandels II. S. 240. VI. S. 75 f. VII. 66 f. XIX. 45 ff. 


— 129 — 


Kirche und den Klerus, wie solche in der damaligen aufgeregten Zeit in 
Krain sowie anderwärts im Umlaufe waren, beschäftigt habe, erscheint bei 
seiner späteren so fruchtbaren typographischen Tätigkeit in Krain, Kroatien 
and Ungarn geradezu ausgeschlossen. Wir können daher in diesem Punkte 
rückhaltslos der Nachricht Valvasors Glauben schenken, der schreibt, daß 
vor 1575 in Laibach keine Druckerei bestanden habe.?) 

Johann Mannel, Bürger und Buchhändler in Laibach, war es nun, 
der auf Anregung des Förderers des geistigen Aufschwunges in Krain, 
Georg von Khisl, und des eifrigen Reformators und Schriftstellers, Georg 
Dalmatin, welcher für sein emsiges Schaffen im Lande einer Druckerei 
bedurfte, die Buchdruckerei in der Hauptstadt Krains ins Leben rief und 
dieselbe bis zu seinem unfreiwilligen Scheiden aus den Erblanden im Jahre 
1582 mit rastlosem Eifer ausübte.?) Schon im zweiten Jahre seiner typo- 
graphischen Tätigkeit, im Jahre 1576, in welchem sein Geschäft schon 
bedeutend erweitert erscheint, gab Mannel einen Kalender heraus, den er 
der damaligen Sitte gemäß der Landschaft verehrte. Auf seine Dedikations- 
Supplik erfolgte der „Schluß“: „Will jeder Herr Verordnete aus seinem 
selbs sakhl ain Thaler verehren und zu des Herrn Einnehmer Handen 
erlegen.“*) Unser Buchdrucker wird auch fir die folgenden Jahre seines 
Aufenthaltes in Laibach mit der Herausgabe von Kalendern fortgefahren 
sein, wie wir aus dem uns nun bekanntgewordenen Almanache 
für das Jahr 1579 zu schließen berechtigt sein dürften. Die Buchdrucker 
in Graz Alexander Leopold Andreas Franck und Zacharias Bartsch, welche 


2) von Strahl, Die Kunstzustände Krains ,.. 8. 14 nennt unseren Buch- 
drucker Jobannes Manlin, der bereits 1560 die erste Buchdruckerei in Krain 
begründet habe. [Vodnik] Gesch. d. Herzogth. Krain S. 45 versetzt die Begründung 
der Bucbdruckerei in Kraiu ins Jahr 1561. Vgl. übrigens Archiv f. Gesch. d. d. 
Buchhandels, XIX. S. 45 ff. 

2) Uber die Heimat unseres Manlius, wie er sich auch nennt, sowie über 
die Zeit seiner Geburt liegt ein undurchdringliches Dunkel. Nur Vermutungen 
sind es, die ihn in Krain oder Istrien geboren sein lassen. Nach der Ansicht 
von Kukuljević soll unseres Typographen Familie aus dem Küstenlande stammen, 
da wir im Jahre 1472 einen Barthoiomáus Manlius als Kanzler der Stadt Fiume 
verzeichnet finden. Nach einer anderen Version soll seine Wiege in Württemberg 
gestanden sein, und er, wie es in dieser Zeit so hüufig vorkam, nach Krain ein- 
gewandert sein, woselbst er dann eine zweite Heimat gefunden hat. Am 12, Februar 
1581 erlitt unser Buchdrucker einen herben Verlust, indem sein Söbnlein Jakob 
verschied und bei St. Peter begraben wurde (evang. Matrikelbuch Fol. 298 b). 

4) Vgl. von Radices im Archiv f. Gesch. d. Deutschen Buchh. VI. S. 77. 
Leider ist von diesem Kalender kein Exemplar bekannt. Auch von späteren 
Almanachen und Kalendern aus Mannels Offizin ist uns kein Exemplar erhalten 
geblieben, bis auf das nachfolgende, welches Herr von Radics bei der Ordnung 
der Landesbibliothek in Laibach 1904 so glücklich war, zu entdecken. 


— 130 — 


schon seit den Jahren 1562 alljährlich Kalender erscheinen ließen ‚und 
dafür von der steirischen Landschaft mit „Ehrungen“ und » Ergützlichkeiten* 
bedacht wurden, waren ihm sicherlich Vorbilder. 
Ebenderselbe Jakob Strauß, welcher nachfolgenden Kalender für 
das Jahr 1579 „gestellt“, erhielt für den Almanach für das Jahr 1577 
(in Graz bei Zacharias Bartsch gedruckt) von der Landschaft „15 fl. 
Ehrung“. — Von Jakob Strauß wissen wir, daß er, 1559 Physiker in Wien, 
1570 landschaftlicher Physiker in Cilli, sich mit der Herausgabe von 
Kalendern bis zur Zeit des Kalenderstreites befaßt habe. Peinlich, Gesch. 
d. Test. I. S. 394. —95 kennt auch einen Schreibkalender von Strauß vom 
Jahre 1590 aus der Druckerpresse des Widmanstetter. Als Physiker hatte 
er eine Besoldung von 200 fl. Allein die Landschaft war ihm nicht 
besonders gewogen, Strauß erhielt Verweise auf Verweise, endlich wurde 
ihm der Dienst 1585 gekündigt. Wohin sich Strauß hierauf gewendet hat, 
ist nicht bekannt. Außer ihm werden noch als Kalendermacher genannt: 
Hieronymus Lauterbach ,Obrister Schuel-Preceptor* (1561 —1577 in 
Graz), Georg Stadius (1576—1593 in Graz), Johann Kepler (1594 
bis 1598 als Mathematikprofessor in Graz). Außerdem publizierten noch 
der Mediziner Chr. Widmann (1570) und der Agramer Domherr Gregor 
Farenych (1594) in Graz gedruckte Almanache und Kalender für 
Steiermark.?) Und wahrscheinlich spielt Georg Stadius auf diese Nicht- 
fachmänner an, wenn er in seinem Kalender für das Jahr 1592 von 
Kalendermachern spricht, welche die Fundamentalrechnung nicht verstehen. 
Nach dieser kleinen .Abschweifung lasse ich nun den angekündigten 
ersten bekannten gedruckten Kalender von Krain folgen. 
Blatt 1a Titel: Almanach | 
durch Doct. Jacobum 
Strauß | Einer Ersamen 
- Löblichen Landschafft des Für- 
stentbumb Steyr bestelten 
Physicum | gestelt 
aufis Jar. 
M. D. LXXIX. 
Mit Fürst. Durchl. Gnad 
vnd Priuilegio. 
Gedruckt in der Haubtstat 
Laybach in Fürstenthumb 
Crain | durch 
Johann Mannel. 


5) Leider ist kein Exemplar von diesen Kalendern auf uns gekommen. 


BI. 


Bl, 
Bl. 


PL 


Bl. 


Bi. 
Bl. 

Bl. 
Bi. 
BI, 


Bl. 


Bl. 
Bl. 


— 2137: xe 


1 à: NACH DER GR: |.burt vnsers, einigen: Herrri -vnà4 Hey- | lands JESV 
CHRJSTJ Gottes vnd Fb Son 1mm Von ersehatiung der ‘Welt 
5541.*) |. as 

2.a: Bedeutang- der Zeiehen.*). b a ME: 

2 b (beginnt der Kalender, seitlich mit je 3 bis 4 kleinen Holzechriit£en 
versehen). : 

Jauuaris, Jenner.*) || 
l. a New Jar.. s 2 SE 

8 a (in Randamfasaung: wie jede Seite.) Fr RT 
Jenner hat XXXI tag. || (sonst leer für Notizen, :: 

3 4. Vom vngestim Februarius, Hornung. || 
. Meer | Matb. 8. 


. 4 a, Hornung hat XXVIII tag. || 
. 4 b. Jesus macht ei- —  . Martius, Mertz. || 


nen Blinden-se- 
hend | Luc. 18. 
a (m, d. Sign. B) Mertz hat XXXI tag. || 
i b. Wer ınich liebet | Junius, Brachmon. || Joh. 14. 
. 8 b: 3. Vom verlorne Julius, Hewmon. || 
| Sehaffj Lu. 15... — 
9 a (m. d. Sign. C) Hewmon. hat XXXI — I | J 
9 b: T. Jesus speiset mit siben Brot, | Mar. 8. Augustus, Avgstmon, l 
11 a: Herbstmon hat.XXX tag. || | 
12 a: Weinmon hat XXXI tag. || 


.18 a (m. d. Sign. D): Wintermon hat XXX tag. || 


14 a: Christmon hat XXXI tag. || 
14 5 leer. 


15 a: Prognosticon | Vnnd Practica. | Aus dem lauff des || Gestirns gebai 
auff das Jar | || M. D. LXXIX. || Durch Doctorem Jacobum Straus | || Einer 

, Ersamen Landtschafft dea Fürsten- | thumbs Steyr bestelten Physicum. || 

. Herrn Dises Jars. | Mon vnd Venus, || (Zwei Holzschnitte.) Gedruckt zu 
Laybach in Fürstentumb Crain | || durch HanB Mannel: || 

15 b. Den Ehrnuesten Fursichtigen vnd. Hoch || weisen Herrn N. Burger- 
maister Richter vnnd | Rath der lóblichen Haubtstat Laybach | .... 


. 16 a, Z. 7—9: E. H. vad W. || G. || Jacobus Strauß. || 


16 b. Von den furnembsten Herren vnnd Regie- || renden Fisneteg dits Jars. || 


. 17. a, Z, 4: Von der Sunen Finsternus. || 

. 17 b, Z, 11: Von Wachsenden Frnchten vnd Theurung. L 

. 18 a: Von den vier thailen vnud zeytten dises Jars, || . 

. 18 b. Z. 9 f: vnüd von 7. Octobris big auff den 28. || desselben Monats. d 
-4*, 18 nicht num. Bil. mit der Signatur A—D, von Bl. 15 5.an Kustoden, oline 
‚ Blattzahl, bis zu 34 Zeilen (Bl. 16 b), das Titelblatt in reicher Holzschnaittein- 


fassung; mit Typen in 8 Größen, 2., 3, 8., 9., 11. und 14. Zeile rot gedruckt, 
der Text des Kalenders in Randleisteinfassung und mit 43 kleinen Holzschnitten. 


«) Die 1. end 2. Zeile, sowie die Zahlen 1579 und 5541 rot gedruckt. — 


' Jenner. New Jar rot gedruckt. no, Een i 


` 2 


— 132 — 


Das weite Titelblatt (Bl. 15 a) mit Typen in 8 Qi08en, ebenfalls ih Randein- 
fassung. 
Unikum im Landesarchiv von Krain. 


Der Almanach war ein Dedikatious-Exemplar an Hans von Gallenberg zum 
Gallenstein: | 
„Dem Edlen vnd Gestrengen 
Herrn Hansen von Gallenberg 
zum gallenstein | Meinem G: 
vnd gepiedünten Herrn.“ 
(In Gold gedruckt auf braunen Leder.) 


Graz. Dr. Friedrich Ahn. 


Moderne Bibliotheksbauten. 


(Nachtrag.) 

Bei den Fortschritten, die die Bibliotheksbautechnik in der Gegenwart 
macht, und bei den mannigfachen Neuerungen, die sich dabei ergeben, ist 
es außerordentlich wünschenswert, rechtzeitig zu erfahren, wie sich 
neue technische Errungenschaften bewähren. Es wäre daher sehr gut, wenn 
in unseren Fachzeitschriften eine besondere Ecke freigehalten würde fir 
regelmäßige Mitteilungen über neue Erfahrungen auf bibliothekstechnischem 
Gebiete. 

In meinem Vortrage über moderne Bibliotheksbauten hatte ich (Mit- 
teilungen 10, S. 6) darauf hingewiesen, daß man in neuester Zeit in den 
Bücherräumen die Fenster mit Kathedralglas versehe, um so ohne 
Anwendung von Vorhängen die Bücher vor den Einwirkungen der Sonnen- 
strahlen zu schützen. Auf meine Ausfübrungen hin teilte mir Ober- 
Bibliothekar Dr. Emil Heuser mit, daß man in den Bücherräumen der 
Gießener Universitäts-Bibliothek nachträglich noch Vorhänge angebracht 
habe,. weil die nabe den Fenstern stehenden Bücher auch durch das 
Kathedralglas hindurch von der Sonne angegriffen wurden. Ich erhielt dann 
auf eine Anfrage hin von Geheimrat Dr. Johannes Roediger in Alarburg 
(Hessen) in ausführlicher Weise weitere dankenswerte Aufklärung in dieser 
Sache. Roediger ist mit der Anwendung des Kathedralglases in der Marburger 
Universitäts-Biblivthek voll zufrieden. Er behauptet nicht, daß durch diese 
Art rop Glas die Einwirkung des Lichtes vollständig aufgehoben werde. 
- Aber dem kleinen Nachtheil stehen wieder Vorteile gegenüber. Diese sind, 
"daß man die Auslagen für Vorhänge spart, daß man des umständlichen 
' Vorziéhens der Vorhänge überhoben ist, daf durch die Lichtzerstreuung, 
de dag Katbedralglas bewirkt, eine günstige Belichtung der Bücherräume 
erzielt wird. Roediger empfiehlt weitere Versuche in der Art zu machen, 


— 188 — 


deB man furbiges Papier hinter gewöhnlichem und hinter Kathedralglas 
der Einwirkung der Sonnenstrahlen aussetzt. 

Die Vorzüge des Lipman’schen Büchergestelles, von denen 
ich mich in verschiedenen Bibliotheken überzeugen konnte, erkennt auch 
Heuser an. 

Sehr erwünscht wäre es, wenn möglichst bald Mitteilungen über die 
Anwendung des Vakuum-Reinigers bei der Säuberung der Bücher 
veröffentlicht würden. Die Annahme, daß man die Bücher mit dieser Vor- 
richtung vollkommen reinigen lassen könne, ohne sie aus den Büchergestellen 
herauszunehmen, scheint nicht zuzutreffen. ` 

Beim Abdruck meines Vortrages habe ich leider übersehen, bei der 
Schilderung des Neubaues der Murhard’schen Bibliothek der Stadt Kassel 
auf den Aufsatz von Professor Dr. Georg Steinhausen (Zentralblatt für 
Bibliothekswesen, 22, S. 297—307) zu verweisen. Daraus geht hervor, 
daß Steinhausen für die Anordnung der Räume nicht verantwortlich ist 
und sich mit Erfolg bemüht hat, noch einige Umänderungen durchzüsetzen. 


Graz. Ferdinand Eichler. 


LITERARISCHE BESPRECHUNGEN. 


Alfred Götze. Diehochdeutschen Drucker der Reformatiohs- 
zeit. Straßburg, K. J. Trübner, 1905. 8° 

Unter diesem Titel gibt der Verfasser Anleitang und Behelfe, impresseulose 
" Drucke aus den ersten dreiBig Jahren des 10. Jahrhunderts auf Drockort und 
Drucker zu bestimmen. Beine Untersuchungen umfaBten die Erzeugnisse voh 
79 Druckern, deren Biographien zusamt einer Kennzeichnung ihter T&tigkeit 
deri érsten Teil des Büehes bilden und in ihrer Vereinigung eine dankenswerte, 
bisher nicht so leicht mögliche Übersicht über den Gegenstand gewähren. Zur 
Bestimmung der Drucke zieht Götze drei Faktoren heran: orthographische und 
sprachliche Eigenheiten des Textes, die Formen der Typen und dis Holzschnitt- 
Umrahmungen der Titelblätter. Die sprachlichen Kigentémlichkeiten, deren be- 
zeichnende Auswahl für jeden Drucker seiner Biographie angehängt ist, bilden 
den em schwersten zu handhabenden und — zieht man die eventuelle Stamines- 
verschiedenheit des Schriftstellers, des Setzers und des Korrektors und die bei 
Nachdrucken möglichen Permutationen in Betracht — wohl auéh unsichersten 
Behelf. Das Haupigewicht mußte Götze natärlich auf die Typenformen legen. 8o 
hat er sich denn mit wirklich bewünderswerter Ausdauer der Mühe unterzogen, 
für jeden der 79 Drucker aus seinen gezeichneten Drucken eine Tafel mit Proben 
seiner Lettern zusammenzustellen. Wie der Verfasser versichert, haben Bedenken 
technischer und ökonomischer Art die Verwendung der Photographie dabei aus- 
geschlossen. Er entnahm also mit Feder und Tusche durch Pauspapier den ver- 
schiedensten Drucken einer Offizin einzelne Buchstaben und Zahlzeichen, um sie 
za Alphabeten und Zahlreihen zu vereinigen. Wer von ‘der Technik dieser Arbeit 
eine Vorstellang hat, hat auch eine von dem Aussehen der Tafeln: die Proben 


2% 


— 134 — 


‚haben etwas. Zitteriges bekommen, das der Satz der Originale nicht hat, und dessen 
Ursache in der an einzelnen Buchstaben kaum wahrnehmbaren Abweichung in 
Höhe und Breite, Stärke und- Richtung der Letter gelegen ist.. DaB samit eine 
gewisse Unsicherheit dem Benützer des Buches besonders bezüglich der auf die 
Formen ‘der Lettern kleinster Dimension gegründeten Schlüsse nicht erspart 
bleiben wird, ist klar. Absolut sichere Ergebnisse wird die Letternvergleichung 
‚allein schon aus dem Grunde nicht Zeitigen köunen, weil die Möglichkeit, daß 
‚gwei Offizinen entweder gleiches Letternmateriale besaßen oder ihre Schrift 
untereinander austauschten, immer bestehen wird. Die praktische Erprobung des 
Buches Götzes lieferte mir dafür Belege: Die Drucke „Vertrag zwischen dem 
lóblichen Bund zu Schwaben, vırd den zweyen hauffen vnd versamlung der 
Bawrn am Bodensee vnd Algew. M. D. XXV* und ,Auff das Vermeint Keiserlich 
‘Edict, Ausgangen jm 1531 jare, nach dem Reichs Tage des 1530 jars. Glosa D. 
Mart, Luthers* sind nach Götzes Tafel offenbar mit den Typen Hans Luffts 
‚gedruckt; jedoch trägt der erste das Impressum Josef Klugs von Wittemberg, der 
andere (beide in der Wiener Univ.-Bibl.) das Impressum Nickel Schirlentz' von 
‘Wittemberg. Ungezeichnete, mit jenen Typen hergestellte ‘Drucke Klugs und 
Schirlentz’ werden also Gefahr laufen, mit Götzes Tafeln auf Grund der Lettern- 
form allein als Erzeugnisse Luffts bestimmt zu werden. Den wärmsten Anteil 
hat der Referent an der Versicherung genommen, welche Götze gegen Trugschlüsse 
dieser Art durch die Heranziehung der Titelumrabmungen zur Druckerbestimmung 
schuf. Die Berliner Akademie der Wissenschaften versendete im vorigen Jahre im 
Interesse der vorbereiteten Bibliographie der Druckschriften Luthers Fragebogen, 
die auf Varianten wie fehlende Punkte oder verkehrte Lettern aufmerksam machen, 
die Beschreibung der Titelumrahmungen aber mit der stehenden Wendung „Mit 
Titeleinfassung^ abtun, so daß naive Leute glauben könnteu, sämtliche Drucker 
]utherischer Schriften hátten sich einer einzigen Titelumrahmung bedient. Einer 
so- weit gehenden philologischen Einseitigkeit in bibliographischen Dingen gegen- ` 
über bedeutet Götzes genaue Beschreibung von 194 Titelumrahmungen cine Tat. 
Die Anordnung, in der er sie bringt, ist die nach ihrer Höhe, mit der niederste:: 
‚beginnend, Für den- praktischen ‚Gebrauch des Buches genügt sie vollkommen ; 
die Verzeichnung der Stichwörter war eine willkommene Zugabe, hätte aber 
‚genauer sein können. ‚Die Umrahmung Nr. 118 z. B., die zu oberst Gottvater mit 
.der Weltkugel zeigt, wird man nicht unter dem Stichwort Reichsapfel suchen. 
.Die Umrahmungen 10, 66, 85 und 86 hätten wechselseitige Hinweise erbalten 
sollen ; 86 scheint der Archetyp dieser beliebten Einfassung, die in: einer Kopie 
.1582 auch Ballhorn in Lübeck verwendete (Ztacht. f. Bücherfreunde VI/1, S. 176). 
Ebenso hätte ep bei Nr, 149 und. 164 gehalten werden sollen. Hier trug nach 
‚Flechsig, Cranach-Studien I, 218 der im Besitze von Cranach und Döring be- 
findliehe Stock die Original-Vorzeichnang Hans Cranachs. Auch diese Leiste war 
‚sehr beliebt. Anßer den fünf von Götze genannten Offizinen verwendete 1540 
‚auch Henningk Rudem in Wolfenbüttel eine Kopie. Sichere Anhaltspunkte zur 
‚Bestimmung der Drucker.bilden die Einfassungen für sich allein natürlich .auch 
aicht.. Ich kenne unsignierte.Dracke Heinrich Steiners in Augsburg, die mit 
einem vorsiglichen, Gétze unbekannten. Nachsachnitte der im Besitze Melchior 
‚Lotters befindlichen Umrahmung .Nr. 184 geziert sind. Nachschnitte zu kenn- 
-zeichnen, zumal wenn. sie in ihren Maßen. von, den Originalen. nicht erheblich 
‚differtoren, reicht, eben die-beste Beschreibung nicht aus. Doch Git das nicht 


Ar D 


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so sehr ins Gewicht. Für sich allein ist der Fingerzeig, den die Titelumrahmung 
gibt, ebenso unsicher, wie der, den Typenform und Orthographie für sich allein 
geben. Aber der Einklang der drei Kriterien wird in den meisten Fällen zu 
positiv sicheren Ergebnissen führen. Schade, daB Gotze, als er die Fülle von 
Helzschnitten für die, Zwecke der Bibliographen zusammenstellte, sie nicht auch 
kunstgeschichtlich behandelte oder: von einem Sachkundigen behandeln ließ. In; 
einigen Fällen hat er nach Maßgabe der vorhandenen Literatur einzelne Meister 
nambaft gemacht, gelegentlich auch auf leicht. zugängliche Facsimile-Abbildungen 
verwiesen: . Nr. 89 bezeichnete er, als Werk Wechtlins, 62 ala Hopfer, 91: als 
Ambros Holbein, 116 als Kopie nach Baldung, 148. und 193 als Hans Holbein; 
153 und 186 als Urs Graf, 192 richtig, 131 ond 184 fälsehlich als Lucas Cranach. 
Die beiden letzten stammen von dem als Hans Cranach in. die Literatur. ein- 
geführten Künstler. Das ,Menogramm H S mit Kreuz“ der Nr. 179 wird wohl den 
so signierenden Augsburger Meister (Nagler. Monogr. III, 585, Nr. 1449) anzeigen. 
Soweit es mir auf Grund der GOtze'schen Beschreibungen uud Messungen ohne 
weitere Nachforschungen müglich war, teile ich eine Anzahl EECHER Um-: 
rahmungen unter, folgende Künstler auf: 


Jörg Breu: 85 (5 Stück insgesamt aus EN Gilgengart 1520) 
: 118 (die obere Leiste, unbeschrieben. Die seitlichen — die linke ist mit 

H B bezeichnet — und die erste unten von Hans Burgkmair, gleich- 
falls tnbeschrieben, die unterste von Hans Weiditz) und 172 (unbeschrieben). 

Hans Cranach: 109 (Flechsig a. a. O. I. S. 202 ff. Nr. 5), 108 (unbe- 
schrieben) 112 (8) 181 (10), 132 (17), 146 (11), 159 (1), 164 (der Stock 
der Offizin Cranach und Döring = Flechsig, 13;. die anderen uud 149 sind 
Kopien), 166 (16), 167 (unbeschrieben), 170 (3), 114 18), -183 (6) and 
184 (7). 

Ambros Holbein: 59 (Woltmann, Holbein II, S. SS Nr. 6). Die obere 
und die untere Leiste auch Götze 40. 

Hans Holbein: 88 (ebenda S. 187. Nr. 218), 190 (Kopio nib Nr. 234 auf 
S. 193) und 194 (S. 190, Nr. 222). 

Georg Lemberger: 52 (Nr. 8 meines Verzeichnisses in den Mitteilungen 
d. Gesellsch. f. verviel!ált. Kunst, 1906, S. 1 f), 102 (8).und 108 (5). 

Joh.Wechtlin: 41.und 157 (Kopie). - 

Hans Weiditz: 6 (Nr. 57 meines Voidelchaisess in H. Weiditz, StraBb. 1903), 
14 (aus Nr. 25 fol. C 6), 26 (66), 29 (62), 46 (35), 90 (15), 114 (20), 
119 (vgl. den laufenden Jhg. der vorliegendeu Mitteilungen S. 83), 
. 189 und 140 (42), 181 (die Kopie nach Nr. 9) und 187 (17,8). l 


Ich glaube, es verlohnte sich die Untersuchung, ob nicht auch Nr. 12 eine 
Arbeit Lembergers sei, und ob nicht die eine oder die andere der Umrahmungen, 
6, 16, 17, 19 und- 24 von er Hand Weiditz’ herrährte. | 

H. Röttinger. ' 


| Deutsches —€ Aus den Quellen bearbeitet von Dr. 

M. Holzmann und Dr. H. Bohatta. Wien und Leipzig, Akademischer. 
Verlag. 1906. : 

. Wer seinen Namen — will. dum bieten sich vier Möglichkeiten: 

das Anonym (Titel olıne Autorenvermerk), diesem am verwandtesten ist das 

Phraseonym (Umschreibung des Namens durch ein gewöhnlich inhaltlich be- 


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stimmtes Verhältnis des Verfassers). Von diesen beiden leitet das Kryptonym 
(Buchstaben oder Zeichen) sum Pseudonym (nur bedingt richtiger oder falscher 
Namensvermerk). Die Grenslinien dieser Deckungsarten fließen oft ineinander, 
doch muß jede Variation einige dieser vier Elemente enthalten. Für alle Wissens- 
gebiete war die Aufdeckung dieser „maskierten Literatur, wie Dahimann und 
nach ihm Weller sie nannten, von Wert eder wenigstens Interesse, und an Be- 
müähungen emsiger Literaten, diese verkappten Schriftsteller in ihrer Gesamtheit 
eder in einigen Exempeln su entlarven, hat es keiner Zeit und keinem Volke 
gefehlt. Die Herren Holzmann und Bohatta, die am Firmament der biblio- 
thekarischen Literatur als Sternbild der Zwillinge fortleben werden, haben nun 
als dritte Frucht ihrer Verbindung ihrem guten und gut aufgenommenen 
Anonymenlerikon ein deutsches Pseudonymenlexikon folgen lassen. Diese beiden 
Schriften rollen nun eine möglichst vollsählige Heerschau jenes Teiles der 
deutschen Literatur darstellen, dessen Urheber nicht mit vollen oder wahren 
Namen zeichneten. Dabei sind Phraseonyme, die den Auonymen am nächsten 
stehen, zu den Pseudonymen gerechnet, Kryptonyme, die ınit diesen wesens- 
verwandt sind. zu den Anonymen — eiu unrichtiges Verfahren, das aber weiter 
keinen Schaden anrichtet. Etwas bedenklicher ist sehon der Titel des Pseudo- 
nymenlexikons. Man liest „aus den Quellen bearbeitet — und stockt schon. 
Sollte wirklich der nach Umfang und Schwierigkeit gleich bemerkenswerte Komplex 
der pseudonym publizierenden Humanisten — ein Gebiet voll von Fußangeln und 
Falltüren — von den beiden Verfassein so durchforecht worden sein, daß uns 
jene Zeit, soweit wenigstens die wahren Namen der Publizisten in Frage kommen, 
keine Rätsel melır aufgibt. Das wäre in der Tat ein Unternehmen gewesen, das ein 
harmloses Verzeichnis von Pseudonymen zu einem wissenschaftlichen Werk von 
unschätzbarer Bedeutung hätte heranwachsen lassen. Eine flüchtige Prüfung des 
Buches wirkt aber beruliigend. Die Verfasser begnügten sich damit, alle die 
Namensdeutungen, die ihnen eine reichlich zur Verfügung stehende Literatur 
angab, zusammenzustellen. Und auch nach dem Erscheinen dieses Lexikons wird 
nıan wählen können, ob man den Humanisten Urbanus Rhegius als König oder 
als Rieger ansprechen soll. Das Wort „Quelle“ ist hier in ungewöhnlichem Sinne 
gebraucht, und statt „aus den Quellen bearbeitet“ wäre etwa „aus literarischen 
Angaben zusammengestellt“ ein passenderer Vermerk gewesen. Das soll weiter 
kein Vorwurf sein. Ein restlos befriedigendes Psaudonymenlexikon, wenn 68 
überhaupt erreichbar ist, kann nur die Frucht der Zusammenarbeit verschiedener 
Iustauzen sein. Und die beiden Herren verdienen für ihren erstaunlichen FleiB 
und für den Mut, mit dem sie in die Bresche sprangen, nur Lob. Daß dieser 
Sprung etwas zu kurz ausfiel, ist selbstverständlich, Doch ist schon die überaus 
große Literatur, die benützt wurde, geeignet, Achtung vor der bibliographischen 
Bildung der Verfasser einzuflößen. Und daß aus dieser Literatur in den meisten 
Fällen gewissenhaft und sorgfältig geschöpft wurde, stellt der Arbeitskraft der 
beiden Herren ein glänzendes Zeuguis. Es ist wiederum selbstverständlich, daß 
manche Schätze ungehoben blieben. So wird man im Literaturverzeichnis zwar 
das „Zentralblatt für Biblisthekswesen* angeführt, im Texte jedoch das für 
die Reformationsgeschichte bedeutungsvolle Pseudonym „Symon Hessus”, von 
dem im ,Z. f. B.* (XVII. 8. 566—592) sehr ausführlich gehandelt wird, nur in 
der unrichtigen Form „Simon Hessus* verzeichnet finden. Überhaupt scheint das 
sechzehnte Jahrhundert nicht mit der Sorgfalt behandelt worden zu sein, die den 


— 187 — 


späteren Zeiten zuteil wurde. Bo ist es nicht. verstándlich, warum vüllig gleich- 
komponierte Latinisierungen verschieden gestellt wurden, z. B. Beatus Rhenanus 
unter ,Rhenanus* und Philesius Vogesigena unter ,Philesius", Es geht auch 
trotz Zarncke und der Z. f. d. Phil. heute nicht mehr an, die Psendonyme 
„Multager“, „Multicampanus“ und „Polychorius®, die insgesamt einfache Über- 
setzungen von „Vielfeld“ sind, mit ,Cammerlander* zu deuten. (Vgl, Wenzel 
Cammerlander und Vielfeld, Diss. 1801.) Als Kuriosum verdient die Tatsache 
Erwühnung, da8 die Latinisierung ,Henricus Institor^ von den beiden Verfassern 
in ihrem Anonymenlexikon (III. 8. 108), aber nicht im Pseudcnymenlexikon auf- 
gelöst wird. Da8 ,Cuspinanus* SpieBhaymer, , Melanchthon* Schwarzert ,Celtis" 
Pickel und „Cusanus“ Krebsa hieß, ist ja bekannt, aber wer es nicht weiß, erfährt 
es auch nicht aus dem Pseudonymenlexikon. Besonders vermißt man Graecisierungen 
wie ,Oecolampadius* oder ,Oleander*, Latinisierungen wie ,Nausea*, weil diese 
Namensformen echte Pseudonyme zu sein scheinen. Dagegen gehören Namenfrag- 
mente, wie „Phil. Melan.“ nicht in ein Pseudonymenlexikon. Solche sehr häufig 
vorkommende Abkürzungen (vgl. das oftmalige Mar. Lut. u. s. f.) sind gewöhnlich im 
Typensatz begründet oder verdanken einer übergenauen Transponierung der Hand- 
schrift ihre Existenz. Ungleich vollständiger und sorgfältiger gearbeitet stellt sich der 
Komplex der neueren Pseudonymen dar; die Verläßlichkeit des Verzeichnisses wächst, 
je näher die Zeit liegt, da die Begriffe ,Quelle“ und „Literatur“ sich decken. 
Kleine Verstöße, die sich bei Stichproben ergaben, seien hier berichtigt. Kaspar 
Schoppe erscheint immer als ,Scioppius*, was ja nach der Terminologie der 
Verfasser auch als Pseudonym zu gelten hat. „Rozas“ wird als „Bathscholz” 
gedeutet. In Wahrheit hieß der Mann Roth ; die Namensform ,Roth-Scholtz", die 
er, den Mädohennamen seiner Mutter seinem Namen anfügend. sich gab, sollte 
ihn nur von den zahlreichen Namensvettern unterscheiden. Zu „Pleydenwurff® 
gehört eine Jahreszahl, da es ja einen echten Träger dieses Namens gab. Bei 
„Roda Roda“ hat der Bindestrich zu entfallen. Eine Eigentümlichkeit des Ver- 
zeichnisses geht aus der Auffassung der Verfasser. hervor, die gesetzlichen Namens- 
änderungen (vorzüglich jüdischer Schriftsteller) als Pseudonyme aufzufassen — 
ein Verfahren, das bestritten werden kann. Auffallend ist wohl auch, daß die 
Pseudonyme in modernen Zeitschriften siemlich unvollständig gelöst sind. Dus 
Pseudonym Ostinis in der „Jugend“ ist. nicht „Biedermeier“, sondern „Bieder- 
meier mit ei“. Die Lösung der Pseudanyme „Kassian Tuibenschlöge)* und 
„Dominico Kutzelmacchero* in derselbeu Zeitschrift wäre den österreichischen 
Verfassern, die u. a. aueh das Wiener Pseudonym „Oberlinduber“ übersahen, 
näherliegend gewesen. Es ist nicht ersichtlich, ob das Lexikon nur die Pseudo- 
nyme der Schriftsteller enthalten sollte. Eintragungen wie „Canon“ und „Rose“ 
scheinen auf eine allgemeinere Auffassung der Pseudonyme zu deuten. Warum 
fehlen dann Namen, wie ,Custos* u. s. w.. von den unübersehbaren noms de 
guerre der Bühne su schweigen? Diese Liste von Kinw&nden, die sich wohl 
erweitern ließe — denn bemängeln ist ein leichtes Handwerk — hat nur die 
Absicht, für eine zweite Auflage, die das Buch verdient, einige Ergänsungen 
vorzuschlagen. Bei dieser zweiten Auflage (in der auch alles aus der Varrede, 
was nicht sachlieb zum Buche gehört, getilgt werden sollte), wärden sich auch 
einige Vereinfachungen in der Ökonamie des Werkes empfehlen. So scheint es 
wohl geboten, den langatmigen Nachsatz des Pseudonyms „Ikonoklastes“ zu 
streiehen und überflüssig, Pseudonyme wie „Dafnis von Cimbrien‘ und „Daphnis 


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von Cimbrien* auseinanderzuhalten. Vor allem aber muß Neigebaurs „Geschichte 
der leop.-carol. Academie* dem Literaturverzeichnis eingefügt und im Tert 
durch eine Sigle ersetzt werden, da kein Werk von dem Verfassern öfter benützt 
wurde (z. B. anf S. 4 21mal, auf S. 15 28mal, auf S. 16 25mal, auf S. 17 bei 
529 Eintragungen 85mul!) Wird das Buch einmal diese Verbesserungen erfahren, 
so wird es in seiner Brauchbarkeit von kaum einem anderen Peendouymenlexikon 
übertroffen. werden. Schon in seiner gegenwärtigen Gestalt ist,es ein Denkmal. 
selbstlosesten FleiBes und für jedermann ein unentbehrliches Hilfsmittel. Vor 
allem aber: schuldeu die..Bibliothekare, denen, ein solches Bach ein lang- 
gewünschtes Handwerkzeuy bedeutet, ihren beiden verdienstvollen Kollegen ein 
vollgerüttelt Maß dankbarster Anerkennung. Die Ausstattung des Buches ist 
in seiner dem .Anonymenlexikon nachempfundenen Gefälligkeit aelır ansprechend. 
Hie und da ist.der Druck abgeblaßt. uud dem Druckfehlerkobold war auf S. 37 
nicht einmal der Name eines der beiden . Verfagser heilig. 


- Dr. Moyse P und. 


H. Sepp, Bibliographie der bayerischen Kunstgeschichte bis Eade 1905. 
Straßburg, J. H. Ed. Heitz. 1906. 8". (Studien zur deutschen Kunstgeschichte. 
67. Heft.) S i 


Der'vorliegende stattliche Band von 345 Seiten behandelt in deu Nürnberg 
und Augsburg gewidmeten Kapiteln die zwei bedeutendsten Zentren der Blüte- 
periode deutscher Kunst im 16. Jahrhundert, in den München betreffenden Partien 
die triebkräftigste Pfianzstätte moderner deutscher Kunst. Das gibt dem Buche 
ein ganz bestimintes Gepräge und hebt es seiner Bedeutung nach hoch über 
andere .regionale Kunsttopugraphien empor. Seine drei Hauptabschnitte sind: 
Kunstgeschichte, Kuustfopographie und Künstler. Der erste ist der systematische ; 
die Unterabteilung Allgemeine Kunstgeschichte würe entbehrlich gewesen — darin 
werden sich Benützer, wie ich sie dem Sepp'schen Buche zahlreich wünsche, saci» 
allein zurecht zu finden wissen. Sehr willkommen ist die Zusammenstellung 
der oft wichtigen Literatar über die historischen Kunstausstellungen. Den Hanpt- 
zuspruch werden in der Praxis die Abschnitte Kunsttopographie und Künstler 
finden. Hier ist die ‘Anordnung alphabetisch, die ‘Schlagwörter mit reicherer 
Literatur sind unterteilt: in der-Kunsttopographie durch die Gruppen Beschrei- 
bungen, Ansichten, Kunstgeschichte, Einzelne Baudenkmäler und Sammlungen. 
Hervorgegangen ist das Buch. wie der Verfasser im Vorworte betont, aus biblio- 
thekarischea Bedürfniesen. Da diese bekanntlich zuweilen nicht.tiefer als bis zuin 
Titelblatte gehen, konnte es geschehen, dag bei Burgkmair, Schäufelin, Spring- 
iuklee. etc. die eingebenden und tatsächlich grundlegenden Untersuchungen. 
welche die Wiener kunsthistorische Schule gelegentlich der Herausgabe der von 
Kaiser Max inspirierten Holzschnittwerke im Jahrbuche der Kunstsammlungen 
des. al. Kaiserliauses über diese Meister angestellt hatte, einfach ignoriert 
wurden, nur weil die Namen der Künstler in den Titeln der Publikationen nicht: 
genannt worden waren. Leonhard Beck felılt gänzlich. Hier hätte Simon Laschitzer, 
sein Entdecker im V. Bande des österr. Jahrbuches, zitiert und A. Schmid's 
Arbeit: Ein Gemälde von Beck im Wiener Hofınuseum (Zeitschrift für bild. Kunst, 
N. F. IV) verzeichnet werden sollen. Bei Dürer begnügt sich Sepp auf H. W. 
Singer's Bibliographie zu verweisen. ‚Ich hatte gerne die nach ihrer Drucklegang 
erschienene Dürer-Literatur aufgeführt gefunden. Vollständigkeit erreicht zu haben, 


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behauptet Sepp nicht. Aber er hatte mehr daran setzen sollen, ihr ‚nahe zu 
kommen, zunächst durch sorgsame Ausbeutung der bereits bestehenden Kunst- 
bibliogtaphien. Der II. Band von A. J. Jellinek's Internationaler Bibliographie der 
Kunstwissenschaft verzeichnet mindestens zehn Artikel zur bayrischen Kunst: 
geschichte (die Nummern 600,. 799, 931, 1048, 1807, 1900, 4120,:4121,:4852 
und 4490),. welche. Sepp entgangen waren. Auch aus F.-Laban’s Bibliographie- inr 
Reperterium für Kunstwissenschaft wäre Gewinn zu ziehen gewesen. Band XXV 
(1902) nennt z. B. folgende, von Sepp nicht beachtete Artikel: (Th. Kolde, Hans 
Denek und .die gottlosen Maler von Nürnberg (S. LKVH; W. M. Schmidt. Zu 
W; Hueber (S. LXXV}; Neuentdeckte Nürnberger Malereien (S. LXXIX) ; L. Hüffner, 
Über das sogenannte Baumeisterhaus in Rothenburg o. T.:{Si XXIX); R.- Mielke, 
Das Allgäuer. Bezirksmuseum in Kaufbeuren (S. CXVI) ete? Endlich hätte der 
Verfasser die seit 1902 erscheinende sorgfältige Bibliographie der Mitteilungen 
der .Gesellsehaft für vervielfältigende Kanst fär seine Zwecke ausnützen sollen. 
Warum ‘hat Sepp: den im XXVIIF. :Ig.- dieser Zeitschrift erschienenen Artikel 
C. Dodgsous: Zum Holzschnittwerk: ‘Schäufelein’s nieht aufgenommen? Warum 
nicht die -Artikel des Repertorinms: E. Polaczek, Zu L. Beck und S. Holbein 
(Bd. XXVI), A. Gümbel, Nürnberger Meister in Velden (Bd. XXVII), R. Valentiner, 
Augsburger Urkunden (Bd. XXVIII)? Daß der Verfasser die größeren Besprechungen 
— sie kónnen bedeutender sein als die besprochenen Werke selbst — nicht ver- 
zeichnete, ist schade. Reproduktionswerke aufzunehmen lag nicht in seinem Pro- 
gramme, obschon es sich, zuweilen wenigstens, empfohlen hätte. Der Hinweis 
auf Nagler’s Künstlerlexikon und auf Bötticher's Malerwerke genügt da nicht. Für 
das -Stadiusn Altdorfer’s kann dem Leser die Kenntnis der von T. Sturge Moore 
besorgten Ausgabe der 71 Holzsehnitte (London, 1902) sehr erwünscht seim und 
die Reproduktionen von Schwind’s Philestratischen Gemälden, seiner Hochzeit des 
Figaro. und der Lachner-Rolle sucht man bei Bötticher natürlich vergebens. Bei 
Schwind hätte übrigens neben den Katalogen der Frankfurter und Münchener 
Schwind-Ausstellungen auch der der Wiener von 1897 (Schubert-Ausstellung) mit 
seinen 263 Nummern vermerkt werden sollen, ebenso wie unter der Literatur 
über Barthel Beham die Woltmann’sche Einleitung zum .:Kataloge der Donau- 
eschinger Gemüldegalerie nicht hátte fehlen sollen. Doch genug: der Hinweis auf 
einige von -mir..bemerkte Lücken — es werden sich. noch andere finden — soll 
keineswegs besagen, daß ich die Sepp’sche Bibliographie für unbrauchbar halte. 
Im Gegenteil: es ist nur begreiflich, wenn ich mir ein Buch sehr gut ansehe, das 
mir in dem; nächsten Jahrzehnten nicht allzuweit von der Hand kommen wird 
dürfen." Denn hat es auch die selbständige Literatursuche für das Gebiet, 
das es::behandelt, nicht entbehrlich gemacht — und das wird eine Bibliographie 
der .Kunstwisseiischaft, in der mehr als in anderen Disziplinen wichtigste Ergeb- 
nisso in wenigen Zeilen, an den verstecktesten Orten und in mamnigfaehem Zu- 
sammenhange mitgeteilt werden können, überhaupt nie imstande sein — so ist 
es doch selbst mit dem Tage seines Erscheinens unentbehrlich geworden. Und 
das ist doch das höchste Lob, das. man einem Buche spenden kann, und das ich 
ihm gerne spende, obschon der Verfasser mich schr-schlecht behandelt hat. Einmal 
hat er mich Hans genannt, da. ich doch auf Heinrich getauft bin, und dann hat 
er meinen Namen aus dem Register der Autoren kurzerhand ausgeschlossen. So 
schlecht ist die Schrift, der ich ihn vorangestellt habe, denn doch nicht. 

— . ^. . Heinrich Róttinger. ` 


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Catalogus codicum astrologorum Graecorum. VJ. Codices Viudobonenses 
descripsit Guilelmus Kroll. Brüssel, Lamertin 1908 VIII und 192 S, 

In dem 1898 begannenen, längst als verdienstlich anerkannten Katalog der 
griechischen astrologischen Hss. kamen nach den italienischen Bibliotheken (von 
denen nur noch die Vaticana aussteht, die im 2. Teile des 5. Bandes behandelt 
werden soll) die österreichischen an die Reihe. Professor Kroll (in Greifswalde. 
jetzt in Münster) beschreibt den astrologischen Inhalt von 14 Wiener Hss. des 
18.—16. Jahrhunderte, ferne: nach Mitteilungen Gollobs (dessen Ver- 
zeichnis der griech. Hes. in Oste:reich auBerhalb Wiens ungefähr gleichzeitig im 
146. Bande der Wiener Sitzungsberichte erschienen ist) 2 Krakauer und 
1 Nikolsburger Hss. Die Appendix (S. 59 ff.) entliält außer Auszügen aus 
3 Hss. die metrischen Fragmente dea Dorotheus Sidonius (857 Verse bei 
Hephästio), für die ich nur auf die Anzeige D L Z 1903, 1837 verweisen kann, 
In der Vorrede werden außer Gollob der damalige Unterrichtsministerv.Harte |] 
(der auf Gollobs Arbeit aufmerksam machte) und sowohl die Greifswalder wie 
die Wiener Biblictheksbeamten mit Dank genannt. , 
Wilh. Weinberger. 


AUS ÖSTERREICHISCHEN BIBLIOTHEKEN. 


. (Zur Umgestaltung unserer Studienbibliotheken.) Wiederholt ist in 
neuerer Zeit die Aufmerksamkeit darauf gelenkt worden, wie wünschenswert 
und nötig es sei, unsere Studienbibliotheken zu Bildungsstätten umzugestalten, 
die in allen ihren Einrichtungen den Verhältnissen der Gegenwart entsprechen. 1 
Keine Reform läßt sich natärlich im Handumdrelien durchführen und wenn wir 
unsere Studienbibliotheken ius Auge fassen, so müssen wir berücksichtigen, daß 
es sich einerseits um historisch gewordene Verhältnisse handelt, denen bekannt- 
lich leicht eine gewisse Schwerfülligkeit anhaftet, und daß anderseits jede 
Modernisierung doch nieht ohne einen gewissen Mehraufwaud an Geldbeiträgen 
durchzusetzen ist. Das soll ung aber nicht abhalten, die Sache, die nun wieder 
einmal ins Kollen gekommen ist, weiter zu verfolgen, einmal winkt. vielleicht 
doch ein Erfolg. 

Den letzten Anstaß, mich mit dieser Frage zu befassen, bót mir eine 
bibliotliekarischu Studienreise, die ich im September des Jahres 1905 unternalim. 
Sie hatte einen doppelten Zweck. Mit Untersuchungen über eine herverragende 
Bilderhandschrift der Grazer Uuiversitäts-Bibliothek, die Salzburger Herkunft ist, 
beschäftigt, ging ich zunächst den Spuren von Salsburger Bilderhandachriften 
nach, daun aber wallte ich mich in mehreren neuerbauten wissenschaftlichen 
Bibliotheken im Westen des Deutschen . Reiches über moderne Bibliotheksbau- 
technik unterriehten. Was ich in letzterer Hiusicht lernte, darüber habe ich im 

1) Max Ortner, Unsere Stndienbibliotheken, in den Mitteilungen des österr. 
Vereines f. Biblw., 1. Jg., 1897, Nr. 1, S. 7—11, Nr. :j8, S. 1—27; Richard Ku- 
kala, Die dsterreichischen Stadienbibliotheken, im Zentralblatt fiir Biblw., 22 Jg., 
1905, S. 807—810; [G. A. Crüwell]. Stndienbliotheken, in den genannten Mit- 
teilungen, 9. Jg., 1905, 8. 197—198. 


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österreichischen Vereine für Bibliothekswesen in einem Vortrage berichtet, der 
in den Mitteilungen des genannten Vereines veröffentlicht worden ist. Die 
Verfolgung der zuerst genannten Absicht führte mich in die Studienbibliothek 
zu Salzburg, wo mir trotz der Ferialzeit wichtiges Handschriftenmaterial in der 
denkbar entgegenkommendsten Weise zur Verfügung gestellt wurde, und nicht 
lange nachher in die Landesbibliothek zu Fulda. Der Besuch der Fuldaer Biblio- 
thek vor allem war es, der mir Veranlassung bot, über die Umgestaltung unserer 
Studienbibliotheken nachzudenken und so möchte ich denn über diese Frage 
einige Worte sagen, ohne damit zu beanspruchen, den Fachgenossen wesentlich 
Neues zu bieten. Fulda und Salzburg scheinen mir in mannigfacher Hinsicht zu 
einem Vergleiche besonders geeignet zu sein. ?) . 


Fulda zählt 20.400 Einwohner, Salzburg etwas über 33.000. Fulda besitzt 
1 Gymnasium, 1 Oberrealschule, 1 Lehrerseminar, 1 bischöfliches Seminar (philo- 
sophisch-theologische Lehranstalt), Salzburg besitzt 1 theologische Fakultät, 
1 Staategymnasium, 1 Privatgymnasium, 1 Staatsrealschule, 1 Lehrerbildungs- 
anstalt, 1 Privatlehrerinnen-Bildungsanstalt, 1 Staatsgewerbeschule, 1 Mädchen- 
lyzeum. Die jährliche Bibliotheksdotation beträgt in Fulda 9000 Mk. — 8600 X, 
in Salzburg 2400 K. In Fulda darf jedermann ausleihen, ein Bürgschein wird 
nur in ganz seltenen Fällen verlangt. Die Landesbibliothek in Fulda ist in 
erster Linie wissenschaftliche Bibliothek, pflegt aber auch in beschränktem Maße 
Belletristik, und zwar wird diese in der Regel auf antiquarischem Wege er- 
worben. Die Belletristik wird natürlich auch verliehen, Einschränkungen werden 
nur bei Schälern und jüngeren Personen gemacht und bestimmte Werke ein- 
zelner Schriftsteller werden nicht an jedermann hinausgegeben. Die Neuanschaf- 
fungen werden stets einige Zeit im Ausleihzimmer der Bibliothek zur Durch- 
sicht und Auswahl für die Besucher aufgestellt. Das Verzeichnis der Neu- 
anschaffungen drucken die Zeitungen jährlich unentgeltlich ab. Von der Biblio- 
theksleitung wird besonderes Gewicht auf eine möglichst „liberale Handhabung 
des gesamten Betiiebes“ gelegt. Infolge des Entgegenkommens der Bibliotheks- 
verwaltung und infolge der den Bedürfnissen glücklich angepaBten Auswahl der 
Anschaffungen nimmt ‘unter dem gegenwärtigen Bibliothekar Dr. Karl Scherer 
die Benützung der Bibliothek in sehr erfreulicher Weise zu. ]m Jahre 1903 
wurden 5582 B&nde benützt, im Jahre 1904 8088 und im Jahre 1905 dürften 
sich etwa 8500 Bände ergeben. Besonders aufgefallen ist mir, daß als Biblio- 
theksdiener ein Knabe verwendet wird. Wie mir versichert wird, macht man im 
Britischen Museum in London mit der Flinkheit der Knaben die besten Er- 
fahrungen. Auch in der Bibliotheka Nazionale zu Palermo werden, wie ich mich 
selbst überzeugen konnte, schmuck gekleidete Kuaben als Diener beschäftigt. 
Nach allem, was ich beobachten konnte, scheint mir die Landesbibliothek 
in Fulda ein glücklich gearteter Typus jener Bibliotheken 
zu sein, die — im Besitze wertvoller alter Schätze undihrem 
Aufbau nach wisseuschaftlicher Art — doch weiteren Bildungs- 


9) leh bin Herrn Bibliothekar Dr. Karl Scherer in Fulda zu herzlichstem 
Danke verpflichtet sowohl für die eingehende Art, mit der er mich in Fulda 
selbst die Bibliotheksverhältnisse kennen lehrte, wie auch für schriftliche Mit- 
teilungen, die ich im folgenden verwerte. 


— 142 — 


bedürfnissen Rechnung tragenund so in einer kleineren 
Provinzstadt als Sammel- und Ausgangspunkt literarischer 
Bildungsbestrebungen in denverschiedensten.Abstufungen 
anzusehen sind. Und das ist oder soll doch. auch: die. ae unserer 
Studienbibliotheken sein. 

.Daß die. Bibliothek in Fulda sich alten, außerordentlich wertvollen. Besitz- 
atandes erfreut, ist uns in neuester Zeit durch. die Abhandlung von Karl 
Scherer: Die Codices Bonifatiani in der Landesbibliotbek zu Fulda* 
in der ‘Festgabe zam Bonifatius-Jubiläum 1905’ (Fulda, 1905,. [IV] + 87 S. + 
3 Tafeln) wieder recht deutlich. geworden. Scherer behandelt darin eingehend 
drei alte Fuldaer Handschriften, und zwar den Victor-Codex, eine Evangelien- 
harmonie: des 6. Jahrhunderts, benannt nach Victor, Bischof von Capua, zweitens 
den Ragyndrudis- -Codex mit. Stücken dogmatisch-polemischen und moralischen 
Inhaltes, die Handschrift wurde wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 8. Jahr- 
hunderts in Burgund geschrieben, drittens das Cadmug-Evangeliar, etwa im 
ersten Drittel des 8. Jahrhunderts von einem Iren geschrieben. Der Ragyndrudis- 
Codex, dessen Einband und Blattränder noch Spuren von Schwerthieben zeigen, 
ist wohl jenes Buch, das Bonifatius auf sein Haupt legte, als er von einem 
Friesen den Todesstreich empfing. | 

Auch über die wertvollen Bestände, die in unseren Studienbibliotheken 
aufgestapelt sind, erhalten wir gelegentlich wertvolle Abschlüsse. So über die 
Bilderbandschriften in Salzburg durch den vor kurzem erschienenen, von Hans 
Tietze bearbeiteten 2. Band des “Beschreibenden Verzeichnisses der illuminierten 
Handschriften in Österreich, herausgegeben von Franz Wickhoff (Leipzig, 1905). 
Aber es genügt natürlich nicht, bloß manchmal darauf hinweisen zu können, 
welche einzelnen wertvollen Stücke in dieser oder jener Studienbibliothek 
schlummern, sondern um diesen alten Bestand muß sich neues Leben anschließen 
und dieses neue Leben wird kommen, sobald diese Büchersammlungen ent- 
gprechende Benützungsräume besitzen, sobald ihnen reichere Mittel zur An- 
schaffang allgemeiner Bildungsliteratur zur Verfügung stehen, sobald sie im vollen 
und wahren Sinne öffentliche Bibliotheken geworden sind. 

Da sie Staatseigentum sind, so wird es natürlich in erster Linie Sache 
der Staatsverwaltung sein, sich mit ihrer Ausgestaltung zu befassen. Aber es 
muß doch einmal ernstlich die Frage erwogen werden, ob richt die Lan d es- 
und Stadtverwaltungen zu entsprechender Mitwirkung in dieser Ange- 
legenheit herangezogen werden könnten. Daß eine Landschaft in dieser Hinsicht 
etwas leisten kann, das beweist in vortrefflicher Weise die Steiermark durch 
ibre Landesbibliothek. Hier ist ein Vorbild für andere Kronländer gegeben. Und 
nun die Städte. Unsere Österreichischen Städte sind mit ibren Ausgaben für 
öffentliche Bibliotheken ohne Zweifel etwas rückständig. 

Es wäre doch des Versuches wert,. wenn die Unterrichtsverwaltung einmal 
durch die Landeschefs jener Kronlüánder, in denen sich Studienbibliotheken be- 
finden, eine Enquête von staatlichen, landschaftlichen und städtischen Vertretern 
veranstalten wollte zu dem Zwecke, um Möglichkeit und Grengen eines gemein- 
samen Zusammenwirkens in der in Frage stehenden E e 
festzustellen und. zu begründen. 

' Wenn wir jedoch etwas mit Dank und Zufriedenheit anerkennen müssen, 
so ist es das eine, daß wenigstens die wissenschaftlichen Beamten unserer Stu- 


148 — 


dienbibliotheken in materieller Hinsicht sich in einer angemessenen Stellung be- 
finden, Die wissenschaftlichen Beamten der Universitüts-Bibliotheken sind darin 
noch nicht.so glücklich, da bedarf es noch einer kräftigen Bewegung nach auf- 
wäıts. Den Beamten der Universitäts-Bibliotheken, die in so hervorragender 
Weise um die Förderung. der höchsten Ziele der Wissenschaft tätig sind, eine 
Stellang in dem Sinne zu gewähren, wie es bei den Universitäts-Professoren .der 
-Fall ist, muß jedenfalls als zeitgemäß betrachtet werden, Schon die Bibliotheks- 
Instruktion vom Jahre 1825 hat betont, daß sich die Beamten der Universitäts- 
-Bibliotheken als “Mitglieder. der. betreffenden Universität zu betrachten haben. 
So ist denn auch das Verhältnis der Universitäten zu den Universitäts-Bibliv- 
theken in. völlig befriedigender Weise abgegrenzt worden: erstere können ihre 
Wünsche geltend machen, obne daß die Selbständigkeit der letzteren, an der 
natürlich streng festgehalten werden muß, beeinträchtigt wird. Aber eine Uni- 
versitäts-Bibliothek ist ein Institut im Rahmen der Universität, und zwar das 
hervorragendste, das wissenschaftliche Zentralinstitut. Jede Rsform der Univer- 
sitäte-Bibliotheken wird daher von einem Geiste erfüllt sein müssen, wie er die 
gesamte Universitäts-Organisation beherrscht. Während es nötig ist, die Stu- 
dienbibliotheken zu Bildungsbibliotheken in höherem Sinne. umzugestalten, muß 
an den streng wissenschaftlichen Zwecken der Universitäts-Bibliotheken festge- 
gehalten werden; jenen höheren Bildungszweck aber haben in den Universitäts- 
städten Bibliotheken anderer Art zu erfüllen, die freilich vielfach noch nicht 


zorhanden sind. , 
Graz. Ferdinand Eichler. 


b. —— 


Durch eine zu Beginn des diesjährigen Studienjahres erlassene Verordnung 
des Unterrichtsministeriums, die den ordentlichen Hörern der Universitäten 
„einen Bibliotheksbeitrag von einer, den außerordentlichen von zwei Kronen vor- 
schrieb, wurden die Fonds der Universitätsbibliotheken nicht unerheblich ge- 
kräftigt. Diese bescheidene Mehrausgabe wurde von den Studenten selır nutz- 
bringend angelegt, da die Vorstände der Bibliotheken den Betrag zur Ergänzung 
der Handbibliothek und zur Vermehrung der Exemplare der gebräuchlichsten 
Handbücher verwendeten. — Ein Journalist, der die lockende Gelegenheit nicht 
ungenützt lassen konnte, das beliebte Lied von der Bildungssteuer anzustimmen, 
erlitzte sich in einem Wiener Blatte gegen diese Verordnung. Aus seiner von 
ursprünglichen Schimpfworten begleiteten Argumentierung sei ein besonders 
kostbarer Satz hervorgeboben: „Mit dieser Steuer werden die Studenten belegt, 
mögen sienun dieUniversitäts-Bibliothek benützen odernicht.., 
Erfahrungsgemäß (!) benützt höchstens ein Drittel der Studenten die Universi- 
täts-Bibliothek, bezahlen müssen auch diejenigen, diesie nicht 
benützen.“ Dieser interessante Teil der Studentenschaft, von dem dieser 
‚journalistische Schmerzenschrei inspiriert sein dürfte, wird vermutlich auch 
‚keine Kollegien besuchen. Soll er nun auch die Kollegiengelder nicht bezahlen ? 
Kein Zweifel: es wird: jederzeit zu den Desideraten jedes Monschenfreundes ge- 
.hüren, alle Bildungsmittel ohne Entgelt benützbar zu machen. Die .Presse 
gehört ja, wie wir täglich lesen, za den eminentesten Bilduugsverbreitern. Viel- 
„leicht entschließt sie sich, mit der unentgeltlichen Verabreichung der von ibr 
.bereiteten geistigen Kost den Anfang zu machen. Sie kann EL sein; Die 
„Bibliotheken werden nicht hinter ihr zurückbleiben, s 


sd e 


Die „Linzer Tagespost“ Nr. 187 schreibt: 

(Die Bibliotheca publica.) Wir haben sehun zu wiederholtenmalen Gelegeti- 
heit gehabt, die trostlosen Zustände, die in wissenschaftlicher Hinsicht an der 
sogenannten öffentlichen Stndienbibliothek in Linz existieren, zu besprechen. Die 
Lage der Bibliothek wird immer schlechter. Es ist die einsige etäatliche Bibliothek 
in Österreich, die nicht f&chmünnischer Leitung anvertraut ist. Seit dem Ableben 
des letsten Stiftshofmeisters von Kremsmünster ist sie der Obhut eines Amts- 
dieners (!) anvertraut, Die Linzer Bibliothek wurde aus den Büchereien der 
‚Stifte Garsten, Buben, Gleink, Baumgartenberg, Pupping, Waldhausen und Traun- 
kirchen, sowie der Linzer Jesuitenbibliothek gegründet. Sie enthält zirka 
800 Wiegendrucke, zirka 200 Handschriften, höchst seltene Linzer Drucke, in ` 
gewisser Richtung geradezu unschützbure Werte, und all das ist der Leitung eines, 
wenn auch gewiß. persönlich ehrenwerten, so doch gewiß nicht fachmännisch 
gebildeten Dieners anvertraut. Wie wir weiter vernehmen, beabsichtigt das Stift 
Kremsmünster das Haus auf der Landstraße zu verkaufen und um die Verlegung 
der Studienbibliothek in das Kremsmünsterer Haus in der Altstadt einzukommen. 
Daß die Bibliothek dem Stifte Kremsmünster, welchem sie zur Erhaltung seinerzeit 
oktroiert wurde, eine große und nicht gerechtfertigte Last ist, ist zweifellos. 
Die Übertragung der Bibliothek in das Haus in der Alstadt wäre aber gleich- 
bedeutend mit dem vollständigen Ruine derselben, Dort wäre sie überhaupt nicht 
mehr benützbar. Da wäre es besser, die Bücher in Kisten zu verpacken und 
dieselben zuzusiegeln; wenigstens kann dann nichts wegkommen. Heute ist die 
Linzer Bibliothek ungenügend katalogisiert und ungenügend beauftichtigt, ja 
geradezu gefährdet. Die Oberleitung in Kremsmünster kann doch keine Leitung 
für eine Linzer Bibliothek sein, das ist reine Fiktion. Linz hat weder eine Staats- 
bibliothek noch ein Staatsarchiv. Oberösterreich ist das einzige Kronland, das in 
dieser Richtung vernachlässigt ist. Balzburg zum Beispiel bat ein Regierunge, 
archiv und eine woblbeaufsichtigte Stadienbibliothek in Staatsverwaltung, auch 
in den übrigen Hauptstüdten ist in dieser Hinsicht vorgesorgt, nur In Linz 
geschieht nichts, trotzdem daß inbesondere in diesem Blatte wiederholt die 
himmelschreienden Verhältnisse der „Bibliotheca publica® besprochen wurden. 


Grazer Bibliothekswesen. Professor Dr. Adolf Baner, Mitglied der 
Bibliothekskommission der Universität, hat in den Grazer Tagesblättern (Grazer 
Tagblatt vom 22. Mai, Tagespost vom 28. Mai) einen Aufruf veröffentlicht, in 
‚dem er Bpenden für die Papyrus-Ausgrabungen erbittet, die die 
Engländer B. P. Grenfell und A: 8. Hunt schon seit Jahren mit so großem 
Erfolge in Ägypten durchführen. Als Entgelt dafür sollen der Grazer Universitäts- 
Bibliothek eine Anzahl von Papyrus-Texten £ufallen. Der Aufruf hat einen sehr 
erfreulichen Erfolg gehabt. Es sind seinem Urheber bis Ende Juni rund 1000 K 
zugegangen, darunter als größte Widmung 500 Æ von der Steiermärkischen 
Sparkassa. Demnach besteht die begründete Hoffnung, da8 die Papyrus-Sammlung 
der Grazer Universitäte-Bibliothek binnen kurzem eine erfrenliche Ergänzung 
erfahren wird. Ist diese Sammlung, die durch eine besondere Zuwendung des 
k. k. Unterrichts-Ministeriums geschaffen wurde, gegenwärtig auch noch nicht 
erof — es sind erst 10 Papyri vorhanden — so hat sie doch bereits die Auf- 
merksamkzit in- und ausländischer Forscher auf sich gezogen. Der Aufruf des 


— 145 — 


Professors Baucr hat in jüngster Zeit den in Graz ansässigen Dr. Julius Franz 
Pascha veranlaßt, der Grazer Universitäts-Bibliothek einen bisher noch nicht 
veröffentlichten koptischen Papyrus als Geschenk zu Aberweisen. — In der Bitzung 
des Grazer Stadtechulrates vom 21. Dezember 1903 wurde auf Anregung des 
damaligen Stadtschulinspektors Dr. Otto Adamek die Gründung riner päda- 
gogischenZentralbibliothek beschlossen uud thit ihrer Verwaltung die 
Kommission der Lehrerbibliothek des Stadtbeziıkes Graz betraut. Ein vom 
Stadtschulrate eutsendetes Mitglied hat im Verwaltungsausschusse Sitz und Stimme. 
Zur Anschaffung von pädagogischen Werken sind jährlich 1000 K ausgesetzt. 
Die Eröffnung der pädagogischen Zentralbibliothek erfolgte am 1. Februar 1906. 
Der alphabetische Katalog, der auch gedruckt ist, und das Stándortsverzeiehnis 
sird von dem Amanuensis der Universitäts-Bibliothek Dr. Friedrich Ahn im Jahre 
1905 angefertigt worden, den Systemalkatalog hat Direktor Dr. Otto Adamek 
‚angelegt. — Aus dem 11. Tätigkeitsbericht des Vereines „Volksbibliothek“,, 
der in der Hauptversammlung vom 17. Mai erstattet wurde, geht hervor, dab in 
den vier Anstalten des Vereines im Jahre 1905 208.009 Bände entliehen wurden, 
9051 Bände mehr als im Jahre 1904. Die Gesamteinnalimen betragen 22.116 K 62 A, 
die nn 13278 K 8 A, 


VEREINS-NACHRICHTEN. 


Am 25. Mai d. J. feierte der Österreichische Verein für Bibliothekswesen 
die zehnte Wiederkehr seines Gründungsjahres. Die Festversummlung im kleinen 
Festsaale der Wiener Universität, zu der u. a. das Ehrenmitglied Geh. Rat Dr: 
v. Hartel und als Vertreter des Ministeriums für Kultus und Unterricht Mini- 
sterialrat Dr. v. Kelle erschienen waren, warde vom Obmann Hofrat v. Karabacek mit 
einigen herzlichen Begrfißungsworten eröffnet. Die Festreden eröffuete als Haus- 
herr der Rektor Hofrat e, Philippovics, der in beredten Worten das Verhältnis 
der Bibliothekare zur Wissenschaft skizzierte: Die Reden Dr. Himmelbsurs und 
Reg.-Rates Haas wurden bereits in der vorigen Nummer dieser Zeitschrift ver- 
Offentlicht. Ein geselliger Abend beschloß den ersten Tag, ein Besuch in dein 
gastlichen Stift Klosterneuburg am 26. Mai brachte die Feier zu einem stiminungs- 
vollen Abschluß. Der Hauptzweck solcher Veranstaltungen, die persönliche Be- 
kanntachaft mit Berufsgenossen, wurde durch die erfreulich rege Beteiligung von 
auswärts selır begünstigt. 

Über einige grundsätzlich bedeutende Anregungen im Schoße des Vereines 
coll in der nächsten Nummer ausführlich gehandelt werden. 


PERSONAL- NACHRICHTEN. 


(Dr. August Weisz +.) Am 29. Oktober d. J. ist der Kustos der Wiener 
Universitätsbibliothek Dr. August Weisz in Baden bei Wien einem Herzschlage 
erlegen. Der Tod mußte zu einem mörderischen Streich ausholen, um diesen in 
der Fülle der Kraft stehenden Mann, den die Natur mit einer unverwästlichen Ge- 
sundheit begnadet zu haben schien, auf den ersten Hieb zu fällen. Sein ganzes 
‚Leben war von einer zähen Energie érfiillt, die Widriges leicht überwand und 
‚Erfreuliches doppelt zu genirßen wußte. Am 10: Juli 1856 in Brünn geboren, 


— 146 — 


absolvierte Weisz in seiner Heimatstadt das Gymnasium, hörte an der Wiener Uni- 
versität Geschichte ned Geographie, promovierte 1883 und erwarb im selben Jalıre 
die Lehrbefäbigung für Obergyınnasien, Journalistisch tätig wollte er Wien. nicht 
verlassen und trat. am 13, September 1884 als Volontär in die Wiener Uni- 
versitätsbibliothek ein, um erst nach drei Jahren, am 24. September 1887, als 
Praktikant bestätigt zu werden. Während dieser Jahre veröffentlichte er in den 
großen Wiener Tagesblättern zahlreiche kritische Aufsätze, besonders über eng- 
lische Literatur, zu der er sich bis zuletzt hingezogen fühlte. Weisz dürfte wohl 
der erste Wiener Literat gew esen sein, der: auf die künstlerische Bedeutung 
Oskar Wildes nachdrücklich hingewiesen hat. Auch eine gute Broschäre über 
Postel - Sealsfield, 1895 erschienen, ist wohl damals entstanden. Neben 
seinen kritisch-feuilletonistischen Studien versuchte sichWeisz auch in novellistisehen 
Skizzen, und noch kurz vor seinem Tode beacháftigte er sich damit, diese Ver- 
suche zu überarbeiten und gesammelt herauszugeben. .Am 22. September 188S 
' wurde Weisz: zum Amanuensis, am 30. Dezember 1805 zum Skriptor und am 
5. April 1902 zum Kustos ernannt, Seine außerordentliche Gewissenhaftigkeit als 
Bibliothekar, die ihn allerdings die Scheidelinie zwischen Exaktheit und Pedanterie 
zuweilen übersehen ließ, bewog Direktor Grassauer, ihn zum Revisor zu be- 
stellen, ein Amt, zu dem er in besonderem Maße berufen war. Neben Beruf und 
ästhetischen Neigungen warb die Hochtouristik ihn in verhältnismäßig späten 
Jahren zu ihren Jüngern. Anfangs sie nur aus Gesundheitsrücksichten übend, 
wandte er sich ihr mit wachsendem Enthusiasmus zu. Durch die .Gedrungenheit 
seines Körpers zu sportlichen Übungen alles eher als prädestiniert, zwang er mit 
‚dem ganzen Aufwand seiner unverdrossenen. Beharrlichkeit sich touristische 
Leistungen ab, die ibm in den Kreisen des österreichischeu Alpensports zu Namen 
und Ansehen verhalfen, und sein Stolz war es, technische Schwierigkeiten zu 
überwinden, an denen die Kräfte Jüngerer scheiterten. Jahrelang benützte er die 
Sonntage zu Ausflügen in die Klettergärten und Berge der Südbahnstrecke, seine 
Winterferien verbrachte er in den istrianischen und kroatischeu Bergen, seine 
Sommer in Tirol oder in der Schweiz, Dabei war Weisz ein tätiges Mitglied 
des Österreichischen Vereines für Bibliothekswesen, dessen Zeitschrift er vom 
Mai 1899 bis zum Sommer 1908 leitete und aus bescheidenen Anfängen empor- 
zuheben verstand. Auch seine schriftstellerischen Neigungen ließ er nieht brach 
liegen. Ein regelmäßiger stets von literarischen Absichten geleiteter Theater- 
besuch reizte ihn zu dramatischen Entwürfen. Sein Schauspiel „Schweigen“ 
(München, Langen 1904) bedeutet wohl kaum mehr als eine Huldigung für deu 
‚von ihm rückhaltlos bewunderten Ibsen, barg aber für einen weiteren Kreis, dem 
die ästhetische Feinfühligkeit. \Weisz’ fremd geblieben war, eine freundliche Über- 
raschung. An der Vollendung eines Versdramas aus der Renaissance hinderte ihn 
der Tod, eine deutsche Bearbeitnng von Ben Jonsons „Every man in his humour“ 
gehörte zu seineu Lieblingsplänen, Mitten ans. allen diesen Entwürfen rief ihn 
‚ein jäher. Tod hinweg. Für alle, die ihn kannten und schätzten, ein schwerer 
Verlust, für ihn, der nichts so fürchtete als Siechtum und Alter, ein schüner Tod ; 
von seinem weiten Freundeskreise, von seinen engeren Kollegen wird seine 


‘ charakteristische und liebenswirdige Figur noch lange schmerzlich vermist 
werden. 


— — — 


An der Fideikommißbibliothek ist der. inii der Leitung betraute Kustos 
Dr. Alois Theodor, Ka r p f in den Ruhestand getreten und der Skriptor Dr: Franz 


— 147 — 


Schnärer unter gleichzeitiger Ernennung zum Kustos mit den Direktions- 
agenden betraut worden. — Der Kustos I. Klasse der Hofbibliothek Privatdozent 
Dr. Rudolf Geyer wurde zum außerordentlichen Professor der arabischen Philo-. 
logie an der Universität Wien ernannt. — Der Kustos der Universitätsbibliothek 
in Wien Dr. Franz Sim oni& und der mit demTitel und Charakter eines Kustos be- 
kleidete Skriptor der Universitätsbibliothek in Czernowitz Dr. Adolf Bucher 
sind in den Ruhestand getreten. — An der Universitätsbibliothek in Lemberg wurde 
der Praktikant Dr. Valerian Ritter v. Lozinski zum Amanuensis ernannt. — 
Der Praktikant derselben Bibliothek Dr. Johenn Lukasiewiez habilitierte 
sich für Philosophie. — Dem Praktikanten der Universitätsbibliothek in Wien- 
Privatdozenten Dr. Friedrich Hrozny wurde ein einjáhriger wissenschaftlich er 
Urlaub bewilligt. — Dem im Dienste des Istituto austriaco di studi storici in 
Rom beurlaubten Praktikanten der Universitätsbibliothek in Wien Dr. Heinrich 
Pogatscher wurde der Titel eines Professors verliehen. — An der Universi- 
tätsbibliothek in Wien sind Dr. jur. Otto Erich Ebert und der Romanist 
Dr. Carlo Battisti als Praktikanten eingetreten. — Der Praktikant der 
Studienbibliothek in Salzburg Dr. Theodor Schmid wurde zum Praktikanten 
der Universitätsbibliothek in Graz ernannt. E 


VERMISCHTE NACHRICHTEN. 


Die VII. Versammlung deutscher Bibliothekare zu Berlin 
am 7, und 8. Juni d. J. wurde von Österreich sehr zahlreich beschickt. Als offi- 
zielle Mandatare österreichischer Bibliotheken nahmen Dr, Doublier und der 
Herausgeber dieser Zeitschrift teil; außerdem wohnten Dr. Gottlieb und Dr. Frank- 
furter gelegentlich den Verhandlungen bei; letzterer erwiderte auch beim Fest- 
mahl den liebenswürdigen und geistreichen Toast, den Prof. Wunderlich auf die 
österreichischen Gäste hielt. Die Berliner Tage brachten Anregungen aller Art, 
da. das Programm durch die Verhandlangen wie durch die Besichtigungen ein 
überreichhaltiges zu nennen war. Auf das Meritum der Verhandlungen bier ein- 
zugehen, erscheint überflüssig, da das ‚Zentralblatt für Bibliothekswesen" (XXIII. 
285—395) sehr ausführlich darüber berichtet. Die Erwähnung des. Bibliothekar- 
tages an dieser Stelle wäre aber unvollständig, wenn nicht des liebenswürdigen 
Entgegenkommens aller deutschen Kollegen mit großer Dankbarkeit gedacht 
würde. Mit besonderer Wärme sei an dieser Stelle der Oberbibliothekar Dr. Krause 
und vor allem der Vorsitzende Erster Direktor Geh. Rat Dr. Schwenke genannt, 
die trotz ihrer unzähligen Verpflichtungen immer Zeit fanden, auch dem Ein- 
zelnen mit Rat und Tat beizustehen. Auch soll der Charakter dieser Blätter es 
nicht verbieten, des schönen Abends zu gedenken, den die fremden Delegierten 
und eine Reihe Berliner Kollegen in dem gastlichen Hause des Vorsitzenden ver- 
bringen durften. 

Wenn in diesen Blättern jener Vortrag gestreift werden soll, der dem 
deutschen Bibliothekarstag gleichsam sein Gepräge gab, der Vortrag Direktor 
Boysens „Über die Ziele des Gesamtkatalogs“, so stammt die Ver- 
anlassung dazu von auswärts. Der Plan, die Bestände aller preußischen .oder 
deutschen Bibliotheken in einem Katalog zu vereinigen, hat viele Freunde, aber 
fast noch mehr Gegner gefunden. Diese Gegnerschaft wurzelt jedoch nicht in 


3 


— 148 — 


einer prinzipiellen Ablehnung des Gesamtkatalogs, sundern findet seine Erklärung 
in der Überzeugung zahlreicher deutscher Kollegen, daß der Staat weit dringendere 
und näherliegende Wünsche der deutschen Bibliothekare zü erfüllen habe, als 
das Zustandekommen des an sich ja wänschenswerten, aber keinem unabweislichen 
Bedürfnis entsprechenden Planes einer Gesamtkatalegisierung zu fördern. Da in 
dem Berichte des ,Z. f. B.* über die Debatte, die den Ausführungen Dr. Boysens 
folgte, die Rede eines der entschiedensten Gegner des Gesamtkataloges, des 
Göttinger Universitätsbibliothekars Dr. Haeberlin, nur andeutungsweise wieder- 
gegeben wurde, so erfüllt die Redaktion dieser Zeitschrift gern den Wunsch des 
Kollegen Dr. Haeberlin, seine Rede im Wortlaut zu veröffentlichen. Umso bereit- 
williger, als in der Begründung seines ablehnenden Verhaltens Forderungen auf- 
gestellt werden, die auch außerhalb des Deutschen Reiches immer wieder er- 
hoben werden sollten. Die Ausführungen Dr. Haeberlins lauteten: 


„Meine Herren! 

Aus den Ausführungen des Herrn Direktors Boysen, an die ich direkt 
anknüpfen möchte, habe ich den Eindruck gewonnen, als ob er hinsichtlich 
des Gesamtkatalogs mehr contra als pro gesprochen hat.*) Denn über die 
Ziele des Gesamtkatalogs hat er uns fast gar nichts mitgeteilt, desto mehr 
über seine künftige Einrichtung und die damit verbundenen Schwierigkeiten. 
Den Nachweis blieb er uns schuldig, daß die Ziele gut und vortrefflich seien, 
und wenn sie es sind, daB sie auch erreichbar sind. Das Ziel eines jeden Kata- 
logs, auch des Gesamtkatalogs, muß aber sein, nicht nur nachzuweisen, wo 
sich das Buch befindet, sondern auch es benutzbar zu machen. Was nützt es mir, 
wenn ich weiß, wo sich ein Buch befindet, es aber nicht bekommen kann! Die 
Feststellung, in weicher Bibliothek ein bestimmtes Werk vorhanden ist, war 
auch schon fräher möglich — wir baben doch damals auch alle schon wissen- 
schaftlich arbeiten können — freilich war sie mit etwas Zeitverlust und Kosten 
verbunden. Nun haben wir aber jetzt die prächtige Auskunftsstelle der 
deutschen Bibliotheken, die tadellos funktioniert und sich bisher vorzüglich 
bewährt hat, und viele meiner Kollegen sind der Ansicht, daß durch deren Er- 
richtung der Gesamtkatalog überhaupt gänzlich überflüssig geworden ist. Doch 
möchte ich mich von vornherein noch dagegen verwahren, als ob ich pro domo 
spräche ; denn für den Gesamtkatalog habe ich niemals eine Zeile geschrieben, 
niemals einen Finger zur Arbeit gerührt — sonst wäre vielleicht der Bock 
zum Gärtner gemacht worden — glaube daher, ziemlich unparteiisch zu sein. 
Persönlich bin ich freilich der Ansicht, daß der preußische Gesamtkatalog 
wohl ausführbar ist mitsamt den weitergehenden Plänen, die an ihn anknüpfen. 
Aber daß es ausführbar ist, Geld ins Wasser zu werfen, wird auch niemand 
bestreiten. Man kann auch einmal eine Reise zum Monde mit dem Luftballon 
unternehmen ; ob aber das Ziel erreicht wird, ist eine andere Frage. Das ver- 
fügbare Geld sollte lieber besser angewendet werden, da der vielleicht erzielte 


*) Die hier vorgetragenen Ansichten des Redners decken sich im wesent- 
lichen mit den in seinem „Wolkenkuckucksheim* (Grenzboten 64, 1905, S. 468-477) 
und in seinem Nekrolog auf Dziatzko (Jahresbericht über die Fortschritte der 
klass. Altertumswissenschaft 1905, Nekrologe S. 72—94) ausgesprochenen; ähnlich 
äußerten sich Haupt (Zentralblatt f. Bibliotbeksw. 22, 1905, S. 488—442) und 
Petzet (Süddentsche Monatshefte, Mai 1906). 


— 149 — 


Nutzen in keinem Verhältnis zu dem Verlust an Geld und Arbeit steht. Die 
Chroniken der Universitätsbibliotheken reden eine wahre Sprache des Jammers ; 
die Ansprüche der Benutzer, die schon überall dieselben sind (infolge der 
„University Extension“ vu. a.), könmen nirgends mehr befriedigt werden. Ein 
schleichendes und wachsendes Defizit durchzieht alle Berichte. Aber wer da 
hat, dem wird gegeben: die große Berliner Kgl. Bibliothek erhält 350.000 Mark 
zu ihren 150.000 Mark, die sie schon hat, und die sämtlichen preußischen 
Universitätsbibliotheken sollen sich in den neunten Teil davon teilen. Mit 
40.000 Mark werden sie alle abgespeist. Das ist keine weise Sparsamkeit mehr, 
das ist sparsame Weisheit! Die kleineren Bibliotheken brauchen doch zur 
Ausfüllung ihrer Lücken eigentlich das Doppelte von dem, was Berlin braucht! 
Und bei solchen Zuständen soll die Arbeit am Gesamtkatalog beschleunigt 
werden! Ob dieser in 80 oder in 60 Jahren fertig wird, ist für die Wissen- 
schaft völlig gleichgültig. Nun läßt sich ja der Posener Beschluß so leicht 
nicht mehr umstoßen; aber man könnte deshalb doch wenigstens das Tempo 
verlangsamen, damit mehr Geld für Bücherankäufe verfügbar wird. Erst Bücher, 
dann Kataloge! Zwar werden die Bücher erst durch die Kataloge benutzbar; 
aber wenn nichts an Büchern vorhanden ist, nützen auch die Kataloge nichts, 
Kataloge sind nun einmal keine Bibliographien. Und für Pläne, die, wie die 
Erman'schen, eine Verminderung des wissenschaftlichen Beamtenpersonals zur 
Folge haben, bin ich niemals zu haben; das wäre ja Selbstmord. Darum darf 
uns nur ein Leitsatz bei der ganzen Debatte und auch bei der Beratung der 
einzelnen Thesen vor Augen schweben, und der heißt: Mehr Geld für 
mehr Bücher! Über Kataloge und den Gesamtkatalog läßt sich dann nach- 
her immer noch reden.“ 





Der Finanzminister hat die Verfügung getroffen, daß eämtliche Praktikanten 
im Bereiche der Finanzverwaltung, welche im laufenden Monate das 
erste Dienstjahr effektiv vollenden, unter der Voraussetzung einer voll- 
kommen zufriedenstellenden dienstlichen Verwendung und vollkommener Würdig keit 
vom 1. Dezember an mit einem Adj utum beteilt werden. Gleichzeitig wurden 
die Unterbehörden ermächtigt, in Hinkunft die Adjutierung der ein Jahr dienenden 
Praktikanten unter denselben Voraussetzungen im eigenen Wirkungskreise vor- 
zunehmen. Hiebei wurde aber den Unterbehörden zur strengsten Pflicht gemacht, 
nur jenen Praktikanten ein Adjutum zu verleihen, hinsichtlich welcher auf Grund 
ihrer Qualifikation während des Probejahres die volle Gewähr dafür besteht, daß 
sie sich nach ihren Leistungen und ihrem sonstigen Verhalten für die fernere 
Verwendung im Staatsdienste zweifellos eignen. Wegen analoger Behandlung der 
Praktikanten in den anderen staatlichen Dienstzweigen, hat sich 
das Finanzministerium mit den betreffenden Ressortministern ins Einvernehmen 
gesetzt. 





Bei dem von der Carnegie-Stiftung ausgeschriebenen Preisbewerb für die 
Erbauung eines Friedenspalastes in Haag, der neben dem Schiedsgerichtshofe 
ein großes Bibliotheksgebäude als Hauptbestandteile umfassen soll, wurde der 
Führer der Wiener Moderne, Oberbaurat Otto Wagner, mit dem vierten Preise 
ausgezeichnet. 


In der Rezension Professor Dwofaks (Mitt. X. 69—76) war der Verlag der 
Illuminierten Handschriften Osterreichs* anzuführen vergessen worden. Das Werk 
3* 





— 150 — 


ist bei Karl Hiersemann in Leipzig verlegt. Im Besitze des Antiquariates 
Hiersemann befindet sich seit kurzer Zeit die Original-Handschrift der Waldstein- 
Sonate op. 58 von Beethoven; sie wird zum Preise von 51.500 K zum Kaufe 
angeboten. , 





In. der Hofbibliothek hat Kustos Mencik unter anderen abgelösten 
Pergamentstücken ein Pergamentdoppelblatt gefunden, welches.rund 300 Verse 
und drei Initialen entbült. Dieses Pergamentstück, über dessen Herkunft nichts 
weiter bekannt ist, wurde dem Privatdozenten an der Wiener Universität Doktor 
Viktor Junk zur Bearbeitung übergeben. Es stellte sich nun heraus, daß dieses 
Pergamentstück, das. im bayerisch-alemannischen Dialekte verfaßt ist, ein bisher 
unbekanntes Fragment aus der gereimten Bibeliibersetzung des Schweizers 
Rudolfvon Ems aus der Mitte des 18. Jahrhunderts ist, und zwar enthält 
es Episoden aus dem Buch der Könige, nämlich .die Geschichte von Eli und 
seinen Söhnen, den Verlust der Arche, die Rattenplage bei den Philistern bis 
zu ihrer Beratung wegen dieses Übels, ferner die Geschichte von Saul und Samuel 
bis zu Sauls Zusammenkunft mit den Propheten, 


— — 


Der neue Wiener Donaukai, der sich von der Augarten- bis zur Aspernbrücke 
zieht, regte bei einem Bücherfreund die folgende Idee an: Dieser Kai hat Platz 
genug für das geschäftlich dahineilende und das gemächlich promenierende 
Publikum ; das neue eiserne Geländer könnte überdies mit Bücherständen 
verziert werden wie die Quadermauern, welche die Seine im Herzen von Paris 
umsiumen. Der alte Bouquinist, der im Schatten des Louvre oder der Académie 
antiquarische Bücher, Flugschriften, vergilbte Stiche feilbietet, ist eine historische 
Figur. Es wäre ja möglich, diesen Volksbuchhandel auf breitester Basis und 
unter freiem Himmel auch in Wien einzuführen — Platz genug bietet die Kai- 
anlage. Die Wiener Antiquare wären dankbar, wenn sie ihre in Kellern und 
Magazinen vergrabenen Schätze an das Tageslicht bringen könnten; die Bücher- 
freunde würden gern die Gelegenheit ergreifen, die Bücher zu muüstern, 
hier einen seltenen Folianten, dort eine moderne Broschüre in die Hand zu 
nehmen und darin zu blättern. So mancher, der nicht Zeit und Gelegenheit 
hat, um die Kataloge der Antiquare durchzugehen, fände hier so manches, das 
ihn interessierte, und das er bequem erreichen könnte. Der Pariser Bouquinist 
hat internationale Ware. Gewiß würden derartige Büchermärkte in Wien ebenfalls 
internationale Ware bieten und sowohl dem Einheimischen wie auch dem Fremden 
angenehme Stunden bereiten. Der Pariser als treuer Frequentant dieser öffent- 
lichen Schaustellungen von Büchern und Bildern ist von Dichtern und Malern oft 
gezeichnet worden; sollte es nicht möglich sein, diese ständige und liebenswürdige 
Figur der französischen Hauptstadt ins Wienerische zu übersetzen ? (N.F.P.) 

Abgesehen davon, daß die obenerwähnte Lände vielzu wenig zentral gelegen 
ist, um solchen Zwecken zu dienen, beruht dieser an sich hübsche Vorschlag auf 
zwei irrigen Voraussetzungen: auf einer Überschätzung der bibliophilen Neigungen 
des Wiener Publikums und auf der falschen Annalıme, daß traditionelle, noch 
dazu so bizarre Einrichtungen der Fremde sich ohne weiters auf heimischen 
Boden verpflanzen lassen. 


Verantwortlicher Redakteur: Dr. Q. A. Crüwell. Druc& E, Kains v orm. J. B. Waliisrausser, Wien 





MITTEILUNG 


Österr. Vereins für Bibliothekswesen. 





X. Jahrgang. November—Dezember 1906. Nr. 4. 





Hof- und Staatshandbücher. 


Als hervorragender Quelle der Verwaltungsgeschichte und als uner- 
lässlichem Hilfsmittel für die Kritik neuzeitlicher Urkunden wendet sich den 
Hof- und Staatshandbüchern immer regeres Interesse zu. In Österreich lenken 
neuestens die Payer v. Thurn’schen Übersichtstafeln und die Geschichte der 
österr. Zentralverwaltung von Fellner-Kretschmayr (I. Bd. 2. Th., Wien 1907) 
die Aufmerksamkeit auf dieses Gebiet. Obgleich wir über unseren Gegen- 
stand eine frühe und gelungene Monographie besitzen, welche den Gesandt- 
schaftssekretär Schwarzkopf zum Verfasser hat und 1792 in Berlin er- 
schien!), und obwohl hier bereits der vielseitige und nicht zuletzt der 
historische Nutzen dieses Materiales vorzüglich dargestellt wurde, ist für 
unser Thema doch nicht die Aufmerksamkeit aufgebracht worden, welche es 
verdienen würde. Den Bibliographen mußte schon die Frage reizen, wie 
sich der Inhalt der Schematismen allmählich aus verschiedenen Gruppen 
her zu der Zusammensetzung verdichtete, welche uns an diesen Hand- 
büchern vom 18. Jh. ab geläufig ist: erkennen wir in dem kalendarischen 
Teil die Verwandtschaft mit dem im Buchmarkt von frühester Zeit her 
verbreiteten Almanachen, so erscheinen als Vorläufer der eigentlichen Per- 
sonallisten zwei verschiedenartige Zusammenstellungen, die weit zurück- 
reichenden Hofstaatsverzeichnisse und Reichstagsbücher. Wie manch andere 
Erscheinungen des Österreichischen Hofwesens und der Verwaltung gehen 
scheinbar auch die Hofstaatsverzeichnisse auf burgundischen Einfluß zurück 
und setzen daher mit dem 15. Jh. ein; das Wiener Staatsarchiv verwahrt 
von da ab handschriftlich eine fast ununterbrochene Folge dieser Auf- 


!) Über Staats- und Adrese-Calender. Ein Beytrag zur Staatenkunde. Vom 
kön. grossbrit. churbraunschweig. Canzley- und Gesandtschafts-Secretär Schwarz- 
kopf. Berlin, 1792. Bei Heinrich August Rottmann. — Die Kenntnis dieses, wie 
es scheint, seltenen Buches verdanke ich mit manchem anderen Hinweis der un- 
erschöpflichen Sachkenntnis A. Goldmanns. 

1 


THE NEW YORK 





— 152 — 


zeichnungen.?2) Kann in gewissem Sinne vielleicht schon der ins Jahr 1422 
fallende „Spruch vom römischen Reich“®?, als Vorläufer der Reichstags- 
literatur gelten, so sei wenigstens für 1495 und 1505 auf die von „Jorg 
Brandenburg ernhalt, kuryerer dys registers* herrührende Beschreibung des 
Reichstags zu Köln hingewiesen*). Der Héhepunkt ist hier schon frühzeitig 
von einem in der Reichstagsliteratur uud unter den Geschichtsquellen der 
Reichsverwaltung einzig dastehenden Werk erreicht worden, dem bekannten 
dreiteiligem Handbuche des Nikolaus Mameranus aus dem Jahre 1550: 


Catalogus familiae totius aulae caesareae per expeditionem adversus 
inobedientes usque Augustam Rheticam omniumque principum, comitum . ., 
ibidem in comitiis anno 1547 et 1548 praesentium. Coloniae apud Hen- 
ricum Mamoranum.* 1550; dazu der „Catalogus omnium generalium, 
tribunorum, ducum primorumque totius exercitus Caroli V imp. aug. et 
Ferdinandi regis Rom.“ mit dem Anhang „Catalogus expeditionis rebellium 
principum ...^ Im dieser Zusammensetzung bietet das seltene Handbuch 
unser ältestes Beispiel eines systematischen Amts- und Heeresschematismus, 
eine überaus wertvolle Quelle zur Geschichte Karl V. und Ferdinand I. 5j 
Einen selbständigen Wert besitzt selbstverstāndlich auch die 1566 in 
deutscher Sprache erschienene Neuauflage des Handbuches : 


„„Rurtze und eigendliche Verzeychnus der Römischen kay. May. 
und ihrer May. Gemahels Hofstats und aller anwesenden Churfürsten ... 
und der abwesenden Ráthe, Bottschaffter und Gesandten. Auch auslendischer 
Legaten und Oratorn, so auff dem Reichstag zu Augspurg im Jar 1566 
daselbst erschienen sind. ... Durch Nicolaum Mameranum von Lützenburg 
P. L. verfast und in Druck verschafft. Getruckt zu Augspurg durch Mat- 
theum Franken — Der anhàngig Thail des Catalogi von Róm. kay. May. 
unnd dann aller Fürsten unnd Herren des Reichs, so auff dem Reichstag zu 


2) Im Hofarchiv, in den ,Maximiliana* und in den Hes. (suppl. 56 u. 57). 
Auf der Wiener Hofbibliothek beachte man die Codices 14458 (1567), 18621 (1574), 
14676, 14725 (1654), 14071 (1675), 12388 (1678), 14443 u. 14209 (Ende des 17. Jh.) 
Wiener Univ.-Archiv: Ordnung u. Hofstaat Maxim. II., unterz. 1. Jänner 1569. 
Grazer Landesarchiv Cod. 313, 322, 805, 1260. Grazer Universitäts-Bibl. Hs. 
33/42 (1675). Dresdener Hauptstaatsarchiv Locat 9935 (1487). — Vgl. de Reiffen- 
berg, L'état de l’'hötel de Philippe le Bel á Bruxelles (1496). Compte rendu de 
l'Academie royale de Bruxelles, 

3) ed. E. Henrici in Zeitschr. f. deutsches Altt. 25 (1881) 71—77. 

4) H. Chr. Senckenberg, Sammlung von Schriften. I. 94—212. 

5) Darüber: Stuttgarter Morgenblatt 1839, Nr. 158 und Firnhaber im 
Archiv f. österr. Gesch. 26, 1—28. — Über die interessante Persönlichkeit des 
Autors und über dessen Werke handelt eingehend G. Voigt, „Die Geschichts- 
schreibung über den schmalkald. Krieg (Leipzig. 1874) S. 629—648. 


— 153 — 


Augspurg gewesen, Rhät und Hofgesind. Mit Zusatz des Rennspils, so den 
12. Maii auff dem Weinmarkt vor Kay. May. Palast gehalten, unnd Be- 
schluss des Reichstags. Getruckt zu Dilingen durch Seboldum Mayer. Anno 
domini 1566. (Am Schluss:) Versamlet und in Truck verschafft durch 
Mameranum von Luczenburg poetam laureatum.“ ®) 

Ein humorvolles Seitenstück in beiden Handbüchern haben wir übrigens 
vor kurzem kennen gelernt: „Künig Ferdinand Hofgesinds Reim sive 
carmen satyricum in aulam Ferdinandi J.^ (Hs. 7292 der Wiener Hof- 
bibliothek).) Aus den späteren Beichstagsbüchern sei besonders hervor- 
gehoben: Peter Fleischman zu Franckendorfi, röm. kay. May. (böhm.) 
Ehrnholdt, Description des allerdurchlauchtigsten... Rudolfen des anderen 
erwólten  rómischen Kaisers . . . erstgehaltenem Reichstag. Augsburg, 
Michael Manger, 1582.5) Eine Neuauflage hievon erschien 1594 am Regens- 
burger Reichstage?). Von gleicher Wichtigkeit und Seltenheit wie die Hand- 
bücher des Mameranus ist der 1637 in zierlichem Taschenformate erschienene 
Status particularis regiminis S. C. Majestatis Ferdinandi IE“. Jede Seite dieses 
für den politischen Dienstzusammengestellten Handbüchleins bietetdem Historiker 
wertvolles Material, die ganze Publikation einen frischen Einblick in den 
Staatsdienst zur Zeit des dreißigjährigen Krieges!"). Die Ausgabe ist überdies 
ohne Zweifel auf Grund amtlicher Daten erfolgt.!!) Wer Gelegenheit hatte, 
Mameranus und den Status particularis für verwaltungsgeschichtliche und 
biographische Zwecke heranzuziehen, hat gewiß bedauert, daß die große 
Seltenheit beider Drucke eine allseitige Verwertung ihres Inhaltes verwehrt, 


6) Auch diese Ausgabe ist außerordentlich selten; ich benützte ein Exem- 
plar in A. Goldmanns Bibliothek. — Ob die von Mameranus 1566 im Vorwort 
angekündigte weitere Ausgabe — sie hätte lateinisch zu Andtdorf erscheinen 
sollen — wirklich aus der Presse kam, ist mir nicht bekannt. 

7) R. Arnold in dieser Zeitschrift IX (1905) 1. Heft. 

9) Ein außerordentlich wertvolles Exemplar hievon besitzt A. Goldmann, 
es enthält nicht nur über viele Beamte handschriftlich beigesetzte Notizen, sondern 
auch als Anhang ein vollständiges, handschriftliches Titulaturbuch. 

9) Peter Fleischmann von Puntzelwitz, Kurze und eigentliche Beschreibung 
des zu Regensburg in diesem 94. Jahr gehaltenen Reichstags. — Das Druck- 
privileg hiezu datiert vom 7. Juni 1594 (Wiener Staatsarchiv. Reichshofrat, 
Impressoria). 

*) Darüber De Lucca in der „Wiener Realzeitung* 1785, Nr. 17 und 18, 
und „Der Wanderer“ 1821 NN. 94 ff. — Ein Auszug nunmehr bei Fellner-Kretschmayr 
1 2 S. 216—228. 

11) Sehr bezeichnend ist es beispielweise, daß das Reichsfürstenstandsdiplom 
für Robert Dudley, den Sohn des berühmten Leicester, vom 9. März 1620, das 
als verschollen gilt (vgl. Mitteil. d. Instituts f. österr. Geschichtsforschung 23 
S. 280), im Status vollinhaltlich — offenbar nach den Akten des Reichshofrates 
— abgedruckt ist. 


1* 


— 154 — 


und wird mir gewiß zustimmen, wenn ich es hiermit unternehme, eine 
kommentierte Neuausgabe beider Quellenwerke anzuregen. Zugleich will 
ich endlich die Aufmerksamkeit der österreichischen Bibliothekare auf die 
Serie der offiziellen Hof- und Staatsbandbücher lenken und zeigen, wie 
wünschenswert es wäre, einen vollständigen Überblick über den Standort 
derselben zu gewinnen.!?) Staatsarchivar von Györy, der sich vor Jahren 
mit der Aufgabe beschäftigt hat, die’ in Wien zugänglichen Hof- und 
Staatsschematismen, darunter viele Unica, zusammenzustellen, hat die große 
Güte, mir seine Aufzeichnungen für diese Notiz zur Verfügung zu stellen. 
Wenn nicht etwa ein 1700 in Wien erschienener „Kaiserlicher Hof- und 
Ehrenkalender“, den ich nur nach einem Zitat kenne, bereits der Serie 
zugezählt werden muß, beginnt dieselbe mit dem auf der Hofbibliothek (H) 
befindlichen Jahrgang 1702, ihr folgt Jahrgang 1704 in der Familien- 
fideikommis-Bibliothek (F), dann die Jahre 1706—8 und 1709—10 in 
je einem Bande (F). 1711 ist wiederum im Archiv des Min. d. Innern zu 
finden. Nun springt die Folge auf 1719 über (F; Staatsarchiv und Archiv 
des k. k. Finanzmin.) um sich mit 1721 (H; F), 1728 (H), 1724 (H), 
1725 (F) 1726 (H; Min. d. Inn.), 1729 (H), 1730 (Univ.-Bibl. Wien, 
Hofkammerarchiv, Min. d. Inn.) 1731 (H; F; Finanzmin.) 1732 (H; 
Univ.-Bibl.), 1733 (H) fortzusetzen. Dann werden die Exemplare häufiger : 
1734—1741 geschlossen im Min. d. Innern; hier finden sich nun auch 
alle späteren Jahrgänge mit Ausnahme von 1744 (nur nied.-dsterr. Landes- 
Bibl.) und der Jahre 1742, 1748, 1745, 1749, 1751, 1758, 1755, 1757, 
1759, 1761, 1762, 1764, 1766, 1768, 1771 und 1777, die augen- 
scheinlich überhaupt nicht ausgegeben wurden. 1780 begegnet nur an der 
Univbibl., während wieder 1782, 1783, 1786, 1790 und 1792!°) gänzlich 
fehlen. 1809 und 1810 in der n.-ö. Landesbibl., ebenso 1815. Die 
große Lücke 1849—1855 wird teilweise durch das von Friedrich Manz 
herausgegebene „Allgemeine Beamten-Adreß-Buch* (I. Jahrg. 1853 — 54) 
ausgefüllt. Endlich sind noch die Jahre 1861— 1865, 1867 und 1875 
ausgefallen. Erwähnt sei schließlich, das die Handbücher mit den Jahren 
1775 und 1793 in neuer Ausstattung erschienen und daß der Jahrgang 
1811 auch in französischer Sprache ausgegeben wurde (F). 


12) Wie beispielsweise für Sachsen: Th. Distel, Reihe der sächs. Hof- und 
Staatskalender im Neuen Archiv f. sächs. Gesch. 10, 158 f. Für Preußen: Georg 
Conrad, Verzeichnis der bisher erschienenen Handbücher über den kön. preuß. 
Hof und Staat u. kön. preuß. Staatskalender (1794—1906) Berlin. 1906. (Aus: 
Der deutsche Herold 1906 Nr. 4.) 

13) Einen teilweisen Ersatz für diesen Jahrgang zitiert Schwarzkopf S. 139 
„Kaiserl. kön. Hof- und Ehrenkalender auf das Jahr 1792*. 


— 155 — 


Die wenigen Angaben, welche Fellner-Kretschmayr, S. 287, über diese 
gedruckten Schematismen bieten, erheben keineswegs den Anspruch, für ge- 
nügend gehalten zu werden. Überhaupt konnte diese wertvolle Quellenpublikation 
in der Abteilung der Hofstaatsverzeichnisse leider nicht allzu glücklich 
geraten. Ganz abgesehen davon, daß wichtige Drucke und Handschriften 
übersehen und die Beamtennamen bisweilen falsch gelesen wurden, 
könnte auch die Methode der Edition in Frage kommen. So wie die 
Tabellen Payer v. Thurns '*) in einer Arbeit Palackys einen ausgezeichneten 
Vorlaufer hatten, so stehen auch fir systematische Zusammenfassungen von 
Beamtenlisten einige Beispiele zur Verfügung. !?) 


Dr. Oskar Freih. v. Mitis. 


Österreichische Bibliographie. 


Österreich gehört nicht in die Reihe jener Staaten, die sich rühmen 
dürfen, daß es um ihre bibliographischen Bedürfnisse wohl bestellt sei. 
Weder Österreich als Ganzes besitzt seine offizielle allgemeine Bibliographie 
oder offizielle Fachbibliographien, noch verfügen die einzelnen Nationalitäten 
— mit Ausnahme der Tschechen — über derartige nationale Bibliographien. 
Und dennoch steht es außer Zweifel, daß sowohl Österreich als Staats- 
ganzes, wie auch die einzelnen nationalen Glieder zum mindesten solch 
einer allgemeinen Bibliographie bedürfen, einer Übersicht ihrer wissenschaft- 
lichen Produktion, ihrer Tätigkeit auf literarischem Felde für sich und für 
die Freunde. 

Ist es nun schwer, diese wahrhaft fühlbare Lücke so bald als 
möglich auszufüllen ? Gewiß nicht. 

Wir dürfen allerdings die Beseitigung dieses Übelstandes nicht bei 
denen suchen, die ihn für immer nicht aufheben können. Wir dürfen nicht 
erwarten, daß die Buchhändler und Verleger Österreich und seinen Völkern 
eine wissenschaftlich genaue Bibliographie geben werden, und wir dürfen 
nicht voraussetzen, daß die einzelnen Nationalitäten Österreichs finanziell 
in der Lage sind, aus freiem Willen, ohne Zwang irgend ein bibliographisches 


i4) Pfehled saudasny neywyößjch düstognjkü a aufednjkü zemských i 
dworkych we krälowstwj deskem... Fr. Palackf. (Synchronistlsche Übersicht der 
höchsten Würdenträger, Landes- und Hofbeamten in Böhmen, von den ältesten 
Zeiten bis auf die Gegenwart.) Prag 1832. 

15) Almanach de la Cour de Bruxelles sous les dominations autrichienne et 
francaise, la monarchie des Pays-Bas et le gouvernement belge de 1725 à 1840. 
Bruxelles, E. Guyot. — Den danske civile Centraladministrations embedsetat 
1660—1848. Kopenhagen 1889. Suppl. 1899. — G. N. Kringelbach, den civile 
Centraladministration 1848—1893. Udgivet of Rigsarkivet. Kopenhagen 1894. 


— 156 — 


Unternehmen ständig zu erhalten. Buchhändler- und Verlegerbibliographien 
werden immer aus rein geschäftlichen, buchhändlerischen Interessen her- 
gestellt und nur solange fortgeführt werden, als ihr regelmäßiges Erscheinen 
die verhältnismäßig geringen Fonds der Buchhändler- und Verlegerorgani- 
sation nicht überlastet. Und die wissenschaftlichen Institutionen der ein- 
zelnen Volksstämme werden bibliographische Arbeiten nur insolange heraus- 
geben, als ihre kleinen Fonds das aushalten und sie bibliographisch geschulte 
Arbeiter zur Verfügung haben, denen die Möglichkeit geboten ist, Hilfs- 
quellen zu benützen, die die relativ größte Vollständigkeit einer solchen 
Bibliographie verbürgen. 

Meiner Ansicht nach läßt sich eine allgemein ständig und regelmäßig 
erscheinende, wie auch wissenschaftlich entsprechende Bibliographie der 
gesamten literarischen Produktion Österreichs von den oben angeführten 
zentralen und nationalen buchbhändlerischen und wissenschaftlichen Organi- 
sationen nicht erwarten. 

Wer also kann uns die Österreichische Bibliographie geben, die wir 
benötigen ? Diese Frage zu beantworten ist die Aufgabe der folgenden 
Zeilen. 

Das russische Zensuramt gibt seit dem Jahre 1904 unter dem Titel: 


SSpisok knig vy8ed&ich v Rossij* 


regelmäßig erscheinende Verzeichnisse aller ihm vorgelegten Druckschriften 
heraus. Es sind dies mit aller Gründlichkeit geführte Verzeichnisse, und 
wenn sie auch nicht in allen den Anforderungen einer modernen Biblio- 
graphie entsprechen, so können sie dennoch als eine offizielle Bibliograpbie 
der literarischen Gesamtproduktion Rußlands angesehen werden. Dieses 
russische Unternehmen legt uns den Gedanken nahe, daß auch bei uns 
aus Staatsmitteln eine regelmäßig erscheinende offizielle Bibliographie her- 
gestellt werden könnte, die die gesamte geistige Produktion ganz Öster- 
reichs zu umfassen hätte. 

Dieser Gedanke ist leicht zu verwirklichen. 

Um eine offizielle österreichische Bibliographie ins Leben zu rufen, 
und zwar relativ möglichst vollständig und bibliographisch genauer als die 
russische, würde eine Verordnung des Ministeriums für Kultus und Unter- 
richt an alle staatlichen Bibliotheken mit dem Rechte der Pflichtexemplare 
genügen, nach welchen diese Bibliotheken ex offo regelmäßige Verzeichnisse 
aller ihnen zugegangenen Pflichtexemplare im Druck herauszugeben hätten, 
in einer bestimmten Form, über die sich im Falle der prinzipiellen Annahme 
meines Antrages die Bibliotheken einigen möchten. Mit dem Augenblicke, 
in dem das Ministerium eine solche Verordnung erließe, hätte nicht nur 





— 157 — 


Österreich als Ganzes seine offizielle Bibliographie, sondern auch die 
einzelnen Nationen unseres Staates hätten Übersicht der sämtlichen Druck- 
werke, seien sie nun in dieser oder jener Sprache herausgegeben, und noch 
dazu Bibliographien, die auf ein dauerndes regelmäßiges Erscheinen rechnen 
könnten, unabhängig davon, ob sich in der betreffenden Nation ein ge- 
schulter Facharbeiter zu dieser Arbeit bereit findet, und ob diesem die 
nötigen Hilfsquellen zur Verfügung stehen. 


Die Durchführung meines Vorschlages würde auch wohltuend auf die 
Agende der Pflichtexemplare an den staatlichen Bibliotheken einwirken, 
der, wie es scheint — man verzeihe mir meine Aufrichtigkeit — leider 
nicht überall die Zeit und der Fleiß zugewandt wird, die sie verdienten. 
Unter Öffentlicher Kontrolle würde die Agende der Pflichtexemplare gewiß 
mit aller Genauigkeit und im vollen Bewußtsein der Verantwortung geführt 
werden. Diejenigen aber, die verpflichtet sind, Druckwerke an staatliche 
Bibliotheken abzuführen, würden dies bereitwilliger tun, wenn sie wüßten, 
daß deren Erscheinen öffentlich bekanntgemacht wird, und wenn sie gleich- 
zeitig durch diese offizielle Bekanntgabe die indirekte Bestätiguug über den 
richtigen Einlauf des Pflichtexemplares erhielten. 


Mein Vorschlag einer offiziellen österreichischen Bibliographie bedeutet 
durchaus nicht etwas vollständig Neues. Vom 1. Jänner 1853 bis zum 
Herbst 1859 besaß Österreich bereits, durch Wurzbachs Verdienst, seine 
offizielle Bibliographie, freilich in anderer Weise als der von mir beantragten. 
Ihr Erscheinen wurde unter dem Ministerium Goluchowski eingestellt, als 
sich das Bedürfnis nach möglichst großen Ersparungen einstellte, da der 
Staat nach dem Kriege finanziell geschwächt war. Ist es aber nicht heute 
aus sachlichen, schon unter dem Kabinet Bach von der Regierung aner- 
kannten Gründen nötig und im Hinblick auf die geänderte Finanzlage 
des Staates auch leicht möglich, dafür zu sorgen, daß durch die Verwirk- 
lichung meines Vorschlages Österreich wieder eine offizielle Bibliographie 


erhalte? Dr. Z. V. Tobolka. 


Zur Geschichte des evangelischen Bücherschmuggels. 


Die Geschichte der Reformation kann man, ohne den Tatsachen Ge- 
walt anzutun, im allgemeinen eine Geschichte des Buchwesens nennen. 
Wesentlich aus dem Kampfe um ein Buch, um das Buch entstanden, 
bedeutet das Fortschreiten der Reformation zugleich auch, und in notwendiger 
Verknüpfung, ein Fortschreiten des Buchwesens. Der Buchdruck, der im 
15. Jahrhundert trotz seiner erstaunlich raschen Ausbreitung doch noch 
starke Gegenbewegungen zu überwinden hatte, wurde erst durch Reformation 


— 158 — 


und Humanismus in seinem wahren Wesen erkannt und ausgenützt. Förderer 
und Widersacher, Bekenner und Gegner wußten ihn reichlich und geschickt 
in ihre Dienste zu stellen. Hatte er in den ersten Jahrzehnten seiner Ent- 
wicklung an die Stelle der Handschriften zu treten, so fiel ihm in den 
folgenden Jahrhunderten eine ungleich wichtigere Rolle zu: Das gesprochene 
Wort zu ersetzen. Wohin dieses nicht dringen konnte oder durfte, wußten 
sich doch lose Blätter und unscheinbare Bücher tausend Wege und Schleich- 
wege zu bahnen. Vornehmlich in den österreichischen Ländern bietet uns 
die Geschichte der Reformation ein fesselndes Zusammenspiel von Glaubens- 
sachen und privaten oder heimlichen Buchdruckereien. Die Geschichte der 
niederösterreichischen Kirchenagende ist eine dramatisch bewegte Buch- 
druckergeschichte. Ähnlich verhält es sich mit den Reformationsbestrebungen 
der Slovenen und den protestantischen Sekten in den Sudetenländern. Der 
Parallelismus zwischen Reformation und Buchwesen dauerte aber auch noch 
an, als der Protestantismus schon längst seine Rolle in Österreich aus- 
gespielt hatte. An der Spitze der seit dem 17. Jahrhundert erfolgreich 
wirkenden Gegenreformation standen Männer, die viel zu scharfsinnig uud 
gebildet waren, um die weittragende Wirkung des gedruckten Wortes zu 
unterschätzen. Überall, wo wenigstens äußerlich die Glaubenseinheit wieder 
hergestellt war, mußten sich die Maßregeln der Kirche in erster Linie 
gegen alle Versuche richten, diese Einheit zu stören. Auf welche Weise 
auch in Gegenden, die dauernd allen Einflüssen der Reformation entzogen 
zu sein schienen, die offene oder verkappte Reformationsliteratur sich Ein- 
gang zu verschaffen wußte, dafür legt die Verbreitung der Croendonk'schen 
Postille in den österreichischen Alpenländern ein beredtes und eines 
launigen Beigeschmackes nicht entbehrendes Zeugnis ab !). Auch der in 
folgenden abgedruckte Brief ist einer der zahlreichen Belege für die 
unermüdliche Tätigkeit der evangelischen Agenten in Österreich, deren 
Hauptsitz Nürnberg gewesen zu sein scheint. Der Schreiber des Briefes 
war Dominik Franz Kilian, Graf von Lamberg, der am 8. Juli 1680 in 
Steyr geboren wurde und 1723—1761, seinem Tode, Bischof, später 
Kardinal-Fürstbischof von Passau war. Der Empfanger des Briefes war 
Johann Baptist Hinterhölz, 1734—1750 Abt des Zisterzienserstiftes 
Wilhering). Der Brief lautet: 


1) Vgl. Kühne, Beiträge zur Geschichte der Evangelischen in unseren 
Alpenländern in „Jahrbuch der Ges. f. d. Gesch. d. Prot. in Österreich“ XI 133, 

7) Ich verdanke diese Daten nebst einer ausreichenden Literaturangabe 
der Liebenswürdigkeit Professors Dr. Schiffmann in Urfahr. — Der Brief war 
im letzten Autographenkatalog der Firma Gilhofer und Ranschburg in Wien 
enthalten. 





— 159 — 


Von Gottes Gnaden Wir Joseph Dominicus, der H: Röm: 
Kirchn Til: S: Petri in monte aureo Cardinal v. Lamberg et 
exempter Bischoff, und des Hl: Röm: Reichs Fürst zu Passau. 

Unser gnad, und gruess zuvor, würdig: in Gott andächtiger, Lieber, 
getreuer, Die unter and[ern] ordinariats-obligenheiten i[m] vorig[en] 
Jahr wid[er]hollt[e]n verord- und mild Vátterl[iche]n ermahnungen, die 
unsrem Hürtnstab anuertrautt christ: Herde zu Gott, und erkantnuss 
seiner hl: Lehr ohne spaltung zutreibn, vnd die Spreyer der Ketzerey 
von dem Waizn ewig[er] wahrheit, volgsam Jenes, was irrig in Christen- 
thumb, od. órgerlich in lebenswandl auss zureithn, seint hoffentl. noch 
in gut[em] angedenk[en], dessn vngeacht ist mit áusserst[em] miss- 
fahl[en] eingelangter nachricht zu veinehm[en] komm[en], d[a]s[s] durch 
d[ie]s(en] Sellenmórd sich hóllische Feind, seines anhangs List, vnd 
Betrug, sond[er]bahr anitzo durch Kráxntrager, Crammer, Bothn, und 
and[ere] laue Christ[en] verschid[ene] Kótzerische Bücb[er], gesánger, 
Gebetter, vnd heimbl]icb]e brieff in das Land ob. d. Ennss geschwerzt, 
verkaufft, gelesn, und mit äusserstfem] Fleiss verborgn, auss d[em] 
Innhalt das Güfft verdambt[en] Irrthumbs von Jung[en] und alten 
gesog(en], anbey d[er] Hass geg[en] vnser[e] religion gleichsamb 
Erbl[ich] eingetruckt werde. Bei welch[em] gnad- vnd gsatzflüchtig Un- 
wesen so wenig uns, als gesambter geistlichkeit, nachdem wie bey Offterer 
visitirung der Dioeces die Bewantsame. . . . . dissfahls einzuholln 
ohnermangelt, ein saumbsallichs, od. pflichtvergessnes stillschweig[en] 
mit fueg nit beygemessen oder zu schuld gelegt werd[en] kan; damit aber 
gedachte Buech etc. als ein von menschen Feind in Garthn dess Hern 
gsáhtes unkraut zeitl[ich vertilgt, und sambt dem übl[en] Saamen aus- 
geroth, mithin ged[achte] Kräxntrager, und and[ere] Botschaffter Schleicher 
dergleich[en] handwerkh gelegt werde, als wend[en] Wir Unss zu des 
gesambten Cleri trew, fleiss, euffer, pflicht vnd gehorsambe schuldig- 
keit mit unser g[rö]ssten Zuversicht, derselbe werde zur röttung d[er] 
geheiligt[en] Kirch Gottes die &usserste[n] Kráffte auffzubiette[n], vnd 
vast mehrers zuthun, als das vermóg[en] war, auff entdeckung angeregter 
buchtrager, und ihrer wahr, auch mit ansuchung weltl[icher] obrigkeit 
ein offenes aug zuhabn, hierinfahls keine schwere verantworthung vor 
Gott, der all[e] geistl[ichen] hürt[en] in ihr[em] theur[en] Geschafft 
u[nd] Sellsorg durch Paulum zum Hebraeer drohet, mit verhilt[em] 
gesicht und geschlossen[em] mund nach wahrung Isaiae (vae mibi quia 
tam) auff sich zuladn, seind die Irrendn, od[er] Verwahrer d[er]gleichen 
schádlich[er] Büch[er] durch exempl mit lebendig[em] glaub[en], vnd 
liebreich[er] ermahnung auff d[en] recht(en] weg zu leith[en], letztl[ich] 


— 160 — 


die gesundmachende gnad d[er] Sólle nembl[ich] das Worth Gottes mit 
aussnehm[endem] eufer vorzutrag[en], ihnen angelegen sein lass[en], zur 
vollkommener[en] erfühlung dessen geben wir, vnd wünschen vordist 
vom Gäber alles gueten all[en] erspriessl[iehen] Seeg[en] auch anbey 
mit gnade wohlbeygethan Verbleibente. Geb[en] in unser[er] Residenz statt 
Passau den 1. July 1745. 
Diesem aus der fürstbischöflichen Kanzlei stammenden Hirtenbrief 
folgt in vornehmeren Zügen die eigenhändige Unterschrift: ,J: D: Card! 
v Lamberg.“ Der offizielle Charakter des Briefes geht auch daraus hervor, 
daß der bischöfliche Sekretär Berger und der geistliche Rat und Notar 
J. E. Kernauer ihn zeichneten. Wie sehr der Kardinal recht hatte, fremden 
Buchführern auf die Finger zu sehen, zeigten die folgenden Jahrzehnte. 
Unmittelbar nach der Erlassung des Toleranzpatentes konstituierten sich 
bereits zwei evangelische Gemeinden, Scharten und Wallern?), denen sich 
im Laufe kurzer Zeit sieben weitere Landgemeinden anschlossen. 


C—ll, 


LITERARISCHE BESPRECHUNGEN. 


Reproduktionen von Handschriften. Je wichtiger Reproduktionen von 
Handschriften für sprach- und kunstwissenschaftliche Studien sind und je zahl- 
reicher sie — bisweilen unter dem Eindrucke des Turiner Bibliotheksbrandes 
— erscheinen, um so dankbarer müssen die Bibliotheken sein, wenn bei Besprechung 
der verschiedenen Arten der Reproduktionen auch der Kostenpunkt entsprechend 
berücksichtigt wird, wie es bei K. Krumbacher, Die Photographie im Dienste 
der Geisteswissenschaften. Neue Jahrbücher f. d. klass. Altert. XVII (1906) 601—659 
der Fall ist. Er betont, daß Reduktion auf die Hälfte, die bei sehr vielen Handschriften 
ohne Nachteil möglich ist, die Kosten etwa auf ein Zehntel herabsetzt. Das ist 
umso wichtiger, als allein die Fortsetzungen der Codices Graeci et Latini photo- 
graphice depicti duce S. de Vries (10 Bánde erschienen; 2 — Wiener Livius, Lucretii 
coder oblongus — angekündigt) und der Codices e Vaticanis selecti (bisher 
7 Bände), der von Chroust (Monumenta palaeographica) und von der New Palaeo- 
graphical Society herausgegebenen Tafelwerke erhebliche Anforderungen an die 
Kaufkraft der Bibiotheken stellen. Eine Collezione paleografica Bobbiesse ist 
angekündigt, Codices Belgici selecti haben (nach Le Bibliographe Moderne IX 405) 
zu erscheinen begonnen. Dazu kommen noch Reproduktionen einzelner Hand- 
schriften, von denen ich die Florentiner Pandekten, die Ilias Ambrosiana, das 
Breviarium Grimani, das Missale Roselli nenne. Vor unnótiger Verteuerung durch 
die Ausstattung wurde schon im Zentralbl. f. Bibliotheksw. XXI 282, gewarnt. 

In einem Nachtrage, S. 727, spricht Krumbacher von einer Sammlung 
billiger Faksimile in verkleinertem Format, die von der Pariser Bibliothek bei 
E. Leroux mit Einleitungen von Omont herausgegeben werde. Das 1. Bändchen, 
eine Sammlung von Proben aus verschiedenen Handschriften (genaue Titelangabe 


3) Vgl. Rinke im Jahrb. d. Ges. f. d. Gesch. d. Prot in. Osterreich X. 82. 


— 161 — 


im Jahresber. f. Altertumswiss., CXXVII, S. 217, Nr. 6) sei 1901 erschienen, die 
übrigen 6 im Jahre 1906. Daß es sich um eine Sammlung handle, die abgesehen 
von dem sogenannten 1. Bündchen, nicht bei Lerour, sondern bei Berthoud 
erschienen ist, kann man aus der Vorrede zur 'Histoire des Francs de Grégoire 
de Tours. Reproduction reduite de manuscrit en oncéale latin 17654 de la 
Bibliothèque Nationale’ entnehmen, wo S. 83 auf die “Anthologie des poetes latins 
dite de Saumaise’ (Par. lat. 10318) ‘précédément publiée dans la même collection’ 
verwiesen wird und aus den Notizen Revue des bibl 1906, 255, Bibliographe 
1X 455 entnehmen, der Titel weiß nichts davon. Auf den zum Nachschlagen recht 
erfreulichen Kopftitel: Bibliothèque Nationale. Departement des manuscrits folgt 
nämlich der Einzeltitel, wie er oben für Gregorius gegeben wurde, ohne Band- 
und Jahreszahl, was sowohl bei Bibliotheken, welche den Besuchern die 
freie Benützung gestatten als auch namentlich bei denjenigen, die sie an die Diener 
verweisen, die Auffindung der einzelnen Bände unnötig erschwert. Der Gesamttitel 
hätte zu lauten: Reproductions réduites. Dann käme die Bandzahl und der 
Einzeltitel (Titel des Werkes und Nummer der Handschrift). Für die bereits 
erschienenen Bändchen (außer den genannten 2 Psaltern 8846 und 10525 und franz. 
Hse; Album de Villard im Zentralbl. f. Bibliotheksw. XXIII, 12. Heft ange- 
kündigt) wäre dem nächsten ein Verzeichnis mit Bandzahlen beizugeben. Auch 
Monacis mir nicht zugängliche Esempi di serittura (Jahresber, f. Altertumsw. CVI 
Nr. 28; Neuausgabe 1906) sollen in reduziertem Maßstabe gehalten sein. 
Wilh. Weinberger. 


IV. Publikation der österreichischen Ex libris-Gesellschaft. Wien, 1906. 
gr.-8°. Eine stattliche Anzahl durch ihre Besteller merkwürdiger alter Oster- 
reichischer Ex libris wird im neuesten Hefte der Vereinspublikation abgebildet 
und besprochen. Wir finden da eine ganze Reilıe Wiener Bischöfe vom 16. bis 
zum 19. Jahrhunderte genannt (darunter Migazzi und Milde), ferner J. A. Brassi- 
canus, Erzherzog-Johann, GrafDurazzo, Bartenstein, van Swieten, Graf Mollarth. 
Das künstlerisch interessanteste Blatt ist das im Besitze des Grafen Wilczek be- 
findliche des Abtes Stephan Ferber von Vormbach von 1542, eine aquarellierte 
Federzeichnung von der Hand des Monogrammisten N. A., der das schöne 
Wappen des Grafen Nikolaus III. zu Salm und Neuburg von 1531 in der Buda- 
pester National-Galerie gezeichnet hatte. (Abb. in J. Meders Handzeichnungen 
alter Meister, VIII, 944). Ein anderes ebenfalls unsigniertes Exemplar von 1543 
ist im Saal 50 des Bayerischen National-Museums in München ausgestellt. Von 
neueren Ex libris fallen durch ihre Güte die Radierungen G. v. Kempfs (R. v. 
Schneider) und A. Cossmanns (Deutscher Orden) auf. Der als Austria verkappten 
Frauensperson, die als Kunsttitel durch drei Jahre die Publikationen der Gesell- 
schaft patronisiert hatte, gekündigt su haben, muß man dem neuen Redakteur 
C. Andorfer als Verdienst anrechnen. Rött. 


Michael Holzmann und Hans Bohatta: Deutsches Anonymenlexikon. 
1501 bis 1850. Bd. III. L bis R. Weimar 1905, Gesellschaft der Bibliophilen. 

So wie die beiden ersten Bünde !) wurde auch der vorliegende Teil dieses 
bibliographischen Handbuches von der gesamten Kritik ohne Ausnahme beifällig 


1) Mitteil. d. Ost. Ver. f. Biblw. VII. 1908, S. 186 bis 187 (Grolig) 
Besprechungen von Bd. II: Zentralbl. f. Biblw. 1904, S. 189 (Goldmann.) — 
Ztschr. f. d. öst. Gymn. 1904, S. 64 bis 66 (Wagner), — Allg. Lit. Bl. 1904, S. 


— 162 — 


aufgenommen?). Neue Gesichtspunkte sind in diesen Besprechungen gegenüber 
den früheren nicht beigebracht worden. Die Referenten haben lediglich wieder- 
holt auf die großen Anforderungen hingewiesen, welche an die Verfasser 
durch die Aufgabe gestellt waren, das weit verstreute Material zu sammeln, 
kritisch zu sichten und mit den Quellenbelegen versehen, geordnet in einem 
einzigen Werke vorzuführen. Durch diese zusammenfassende Arbeit sind nicht 
nur die an verschiedenen Stellen bisher schwer erreichbaren Ergebnisse von 
Einzelstudien vereinbart worden, sondern auch so manche längst verschollene 
Forschungsresultate wieder ans Licht gebracht worden und dadurch zur Geltung 
gekommen, so daß es nicht mehr nötig ist, einen kostspieligen biographischen 
Apparat, wie er nur sehr großen Bibliotheken zur Verfügung steht, in müh- 
samer, zeitraubender Arbeit zu Hilfe nehmen zu müssen. 

Die innere Einrichtung ist sowie die äußere Gestalt, welche Drucker und 
Buchbinder dem Buche gebeben, die gleiche wie früher geblieben, Dinge, die 
genug oft bei Werken, deren einzelne Teile in längeren Zwischenräumen erscheinen, 
in einer für den Benützer nichtsweniger denn erwünschten Weise von Band zu 
Band eine Abänderung erfahren. Nachträge oder Ergänzungen sind bisher von 
anderer Seite nicht veröffentlicht worden; zweckmäßigerweise haben dagegen die 
Verfasser das Quellenmaterial, welches ihnen im Laufe der weiteren Arbeit 
außer dem im ersten Bande verzeichneten erst später zugänglich geworden ist, 
schon in diesen Band eingefügt, soweit es hierher gehört, so daß der größte 
Teil der Nachträge nach Abschluß des ganzen Werkes sich wird auf die früher 
erschienenen Bände beschränken können. 

Von Seite der Literaturhistoriker wurde besonders auf das hier vorliegende 
Material zur Geschichte des Buchtitels hingewiesen, dessen Wandlungen sich in 
einem solchen Universalkatalog von Druckschriften des mannigfaltigsten Inhaltes 
unschwer verfolgen lassen. Die künstlerisch ausgestatteten Titelblätter sind lange 
schon nicht nur Sammelobjekt von Barbaren, die die Bücher ihres Kopfes be- 
rauben, sondern auch wissenschaftlicher Darstellung geworden. Eine Geschichte 
und Psychologie des Buchtitels harrt noch ihres Verfassers — zu der hier 
reiches Material vorliegt. — Die Zahl der Bibliotheken unter den Mitgliedern 
der Gesellschaft der Bibliophilen, als deren Privatdruck das Werk erscheint, 
gestattet keinen Rückschluß auf die Intensität der Benützung für die Kataloge 
dieser Sammlungen, ob mehr als die drei Bibliotheken, die dem Referenten 
bekannt sind, an der Hand des Anonymen-Lexikons ihre Nationalkataloge in 
dieser Richtung revidieren. Die Kataloge der großen wissenschaftlichen Antiquariate 
ziehen dagegen das Buch fleißig zu Rate und vermerken ab und zu: „fehlt bei 
Holzmann und Bohatta“ um damit zu sagen, daß es selbst diesen Spezialforschern 
nicht gelungen ist, den Verfasser zu ermitteln oder um ein Buch als besonders 
selten zu verzeichnen. 


65 (Schnärer). — Lit. Zentr. Bl. 1904, Nr. 8, bis N. fr. Presse Wien, Nr. 14102, 
29. Nov. 1903, S. 86. — Wiener Abdpost Nr. 81, 9. April 1904 (v. K. [omorzynski]) — 
Magyar Künyvszemle XI. 1908, S. 427 bis 27, 

2) Bespr. v. Bd. III: Zachr. f. d. 0st. Gymn. 56. Jhg. 1905. S. 982 bis 83. — 
Wiener Abendpost Nr. 177. 4. Sept. 1905. — N. fr. Presse, Wien. Nr. 14738, 
8. Okt. 1905, S. 39. — Pressburger Zg. Nr. 299, 29. Okt. 1905. — Magyar 
Könyvszemle XIII. 1905, S. 367 bis 68. — Lit. Zentrbl. 1906, 8. 291. 


— 168 — 


Da das Manuskript des gesamten Werkes fertiggestellt vorliegt, ist dessen 
Abschluß durch einen die Buchstaben S bis Z umfassenden Band und seine 
Vervollstándigung durch die Anonyma der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts 
nur noch eine Frage der Zeit, so daß wir nicht, wie bei so manchen anderen 
Werken fürchten müssen, daß es nicht werde vollendet werden. Grolig. 


Paul Kristeller, Kupferstich und Holzschnittin vier 
Jahrhunderten. Mit 259 Abb. Berlin, B. Cassirer. 1905. 8°. 

Das angezeigte Werk ist auch für Bibliothekare von Wichtigkeit der 
Kapitel wegen, die sich mit dem graphischen Schmuck von Druckwerken befassen. 
Dahin gehören die einleitenden Erörterungen über die gewerbegeschichtlichen 
Grundlagen der alten Illustration, das wechselseitige Verhältnis von Briefmaler, 
Kartenmaler, Briefdrucker etc., die Übersicht über die Blockbuchdrucke in 
Deutschland und den Niederlanden, die Darstellung der italienischen Holsschnitt- 
Illustration des 15. und 16. Jahrhunderts, der man ebenso wie den der deutschen 
Illustration der Blütezeit eingeräumten Abschnitten anmerkt, daß sich der 
Verfasser hier auf selbstdurchackertem Gebiete bewegt, und endlich der Abriß 
der französischen Kupferstich-Illustration des 18. Jahrhunderts. Das Buch ist 
reich und gut illustriert. Durch Ausnützung der Kornätzung war es möglich 
geworden, Beispiele auch solcher graphischer Erzeugnisse zu bieten, die sich 
genießbarer Wiedergabe durch die älteren Techniken der Zinkotypie entzogen 
hätten. Die vom Verlage gebunden in den Handel gebrachten Exemplare können 
auch als Muster vornehmer und einfacher Buchausstattung dienen. 


VEREINS-NACHRICHTEN. 


Am ]. Dezember v. J. fand ein gutbesuchter Vereinsabend statt, den der 
Vorsitzende, Reg.-Rat Haas mit einem warmen Nachrufe an das verstorbene Aus- 
schußmitglied Dr.Weisz eröffnete. Als Gegenstand der Tagesordnung lagen eine 
Reihe von Anträgen vor, in erster Linie eine Zuschrift mehrerer Bibliotheks- 
praktikanten, die sich mit der ungünstigen materiellen Lage dieser Beamten- 
kategorie beschäftigt und fortfährt: 


In dem von beiden Häusern des Reichsrates angenommenen Gesetzentwurf 
betreffend die Schaffung höherer Adjuten erscheinen gerade die Bibliotheks- 
praktikanten insofern zurückgesetzt, als sie von der Erlangung der 5. Adjuten- 
stufe per 2500 K, welche ausdrücklich nur auf die Auskultanten beschränkt 
bleibt, ausgeschlossen sind. Der betreffende Bericht des Justizausschusses 
(V. Beilagen zu dem stenographischen Protokoll des  Abgeordnetenhauses, 
XVII. Session, 1906, Nr. 2526, Seite 1 ff.) begründet die bevorzugte Ausnahme- 
stellung der Auskultanten damit, daß die Praktikanten der anderen Dienstzweige 
„schon dermalen nach sechsjähriger Dienstzeit extra statum oder ad personam in 
die X. Rangklasse befördert werden und daher momentan sogar besser gestellt 
sind als die Auskultanten, bei welchen erst die Beförderung unmittelbar in die 
IX. Rangklasse eine Ausgleichung herbeiführt.* Nun gibt es auch im k. k. Biblio- 
theksdienste keine X. Rangklasse; die ,Beamtenanwürter" dieses Dienstzweiges 
müssen aber bei ihrem Eintritte dieselbe Vorbildung und Eignung besitzen wie 


— 164 — 


die Auskultanten; es erscheint also als eine schreiende Ungerechtigkeit, wenn 
sie von der Erlangung der 5. Adjutenstufe nach sechsjähriger (!) Praktikanten- 
zeit ausgeschlossen bleiben. 


Der Grund dieser Benachteiligung der Bibliothekspraktikanten dürfte 
darin zu suchen sein, daB ihr Statas gegenüber dem der Justizbeamten ein ver- 
schwindend kleiner ist und daB bei der Abfassung des Berichtes niemand dieser 
Beamtenkategorie gedacht hat. 


Aber nicht genug daran! Von den Konzeptspraktikanten aller anderen 
Dienstzweige wurden in letzten Zeit in Würdigung der Teuerungsverháltnisse 
und der Notlage der niederen Beamtenklassen ein Teil entweder ad personam 
oder extra statum in die niedrigste Rangklasse der Konzeptsbeamten ernannt, 
während im Status der Bibliotheksbeamtenschaft bisher nicht ein einziger Prakti- 
kant dieser Begünstigung teilhaftig wurde, und dies, trotzdem die Zahl der Prakti- 
kanten im Verhältnisse zum Gesamtstatus eine unverhältnismäßig große (nach der 
Zusammenstellung Dr. Schuberts in den ,Mitteilungen^ IX. 5. S. 211 ff. 
272/3 Dh D ist. 


Erwägt man schließlich, daß bei der geringen Anzahl der in Betracht 
kommenden Beamten die Mehrbelastung des Budgets auch bei größter Liberalität 
eine kaum nennenswerte wäre, so erscheint unser Ansuchen um Schaffung einiger 
Amanuensisstellen ad personam, respektive um Gleichstellung der Bibliotheks- 
praktikanten mit den Gerichtsauskultanten gewiß gerechtfertigt. 


Die gefertigten Praktikanten glauben im Sinne sämtlicher an den k. k. 
österreichischen Bibliotheken angestellter Kollegen zu sprechen, wenn sie es als 
eine der dringendsten und würdigsten Aufgaben des Vereines halten, daß dieser 
sowohl aus Gründen des Rechtes und der Billigkeit, als auch im Interesse der 
Sache selbst sich in dem angedeuteten Sinne der Praktikanten annehme und sie 
zweifeln nicht, daß die hohe Regierung sich in diesem Falle der berechtigten 
und dringenden Bitte des Vereines nicht verschließen wird. 


Der zweite Obmann-Stellvertreter, Biblothekar Simon Laschitzer, führte 
nun in der Versammlung folgendes aus: 


„Da eine Verhandlung über diese Eingabe in der Festversammlung wohl 
nicht am Platze gewesen wäre, hat der Ausschuß beschlossen, sie in der nächsten 
ordentlichen Vereinsversammlung zur Diskussion zu stellen und hat ein Subkomitee 
beauftragt, die Angelegenheit zu beraten und einen entsprechenden Antrag zu 
unterbreiten. 

Der Bericht hierüber wurde mir übertragen, und so habe ich die Ehre, 
Ihnen heute über diese Eingabe zu referieren. 

Ich beginne damit, daß ich Ihnen die gegenwärtige, nichts weniger als 
rosige Lage der Bibliothekspraktikanten darlege und im Anschlusse daran ein 
Bild von ihren wahrhaft trostlosen Aussichten für die Zukunft entwerfe. 

Das Verhältnis der definitiven Beamten zu den Praktikanten stellt sich 
gegenwärtig so, daß den 77 definitiven Beamten des Bibliothekstatus der 
Universitáts- und Studienbibliotheken, der Bibliotheken der technischen Hoch- 
schulen (mit AusschluB der polnischen Bibliotheken), der Hochschule für Boden- 
kultur und der Wiener Akademie der bildenden Künste 39 Praktikanten (und 


— 165 — 


zwar Wien: U.-B. 14, Tech. 2, Akad. 1; Prag U.-B. 10; Graz U.-B. 5; Inns- 
bruck U.-B. 3; Czernowitz U.-B. 3; Salzburg St.-B. 1) gegenüberstehen. Die 
Praktikanten bilden also ein Drittel des Gesamtstatas oder auf je zwei Beamte 
kommt mindestens ein Praktikant. Das ist also ein so ungünstiges Verhältnis, 
wie es wohl in keinem anderen Beamtenstatus sich wiederholen dürfte. Noch 
trauriger sieht es aus, wenn man einzelne Bibliotheken in Betracht zieht. Und 
da sind die Praktikanten an der Prager Universitätsbibliothek jedenfalls am 
schlechtesten daran, denn da stehen den 11 definitiven Beamten, 10 Praktikanten 
gegenüber, ein Mißverhältnie, das einzig dasteht. Auch an der Wiener Univer- 
sitätsbibliothek sieht es nicht viel besser aus: Da kommen auf 19 definitive 
Beamte 14 Praktikanten. In diesen beiden Bibliotheken erreicht somit die Zahl 
der Praktikanten schon beinahe jene der definitiven Beamten. Ja selbst die 
kleineren Universitätsbibliotheken in Graz, Innsbruck und Czernowitz mit 
10, 8 und 6 definitiven Beamten haben, die ersteren 5 und die letzteren je 
3 Praktikanten aufzuweisen. 


Würden diese Zustände fortdauern, so müßte die Hälfte der gegenwärtigen 
definitiven Beamten in Pension oder mit Tod abgehen, bevor der letzte gegen- 
wärtige Praktikant definitiver Beamter würde. Mit der Hoffnung auf das Iu- 
pensiongehen, abgesehen von dem allgemeinen Widerwillen dagegen, sieht es 
aber, wenn man die Dienstzeit der älteren Herren in Betracht zieht, sehr schlecht 
aus, denn nur 7 von den definitiven Beamten haben eine Dienstzeit von 30 oder 
mehr Jahren und nur 14 eine solche von mehr als 25 Dienstjahren. Mit anderen 
Worten: erst in 15 Jahren würde der im Range 14. Praktikant von den 39 daran 
kommen, definiter Beamter zu werden, falls alle 14 Beamten mit mehr als 
25 Dienstjahren das 40. Dienstjahr erreichen würden. 


Und nicht minder trostlos sind die Aussichten für das Avancement der 
Praktikanten, wenn man das Alter der definitiven Beamten beziehungsweise die 
Moglichkeit ihres Absterbens infolge des Alters in Betracht zieht. In dieser Be- 
riehung stehen die Verhältnisse so, daß nur 7 von den 77 Beamten ein Alter 
von 60 oder mehr Jahren, nur 13 ein Alter von 55 oder mehr Jahren und nur 
21 ein Alter von 50 oder mehr Jahren haben. Mit anderen Worten: es müßten 
alle 21, fünfzig oder mehr Jahre alte Beamte absterben, bevor der gegenwärtig 
im Range 21. Praktikant von den 39 daran käme, zu avancieren. Das sind für 
die jüngsten Praktikanten gewiß hoffnungslose Zustände. Dazu kommt noch, daß 
von den gegenwärtigen Praktikanten schon jetzt 2 eine 7 jährige, 2 eine 6jährige, 
4 eine 5jahrige und 7 eine 4jährige Dienstzeit hinter sich haben; in Summe 
sind es also 15 Praktikanten, die schon jetzt mehr als 4 Jahre im Bibliotheks- 
dienst stehen. 


Und trotz dieser traurigen, man kann bei der Fortdauer der gegenwärtigen 
Verhältnisse geradezu sagen, aussichtslosen Aussichten für die Zukunft gibt es 
noch Kandidaten, die den Mut finden, sich dem Bibliotheksdienste zuzuwenden 
und die von den vorgesetzten Behörden auch — aufgenommen werden, weil sich 
diese der Einsicht nicht verschließen können, daß bei dem stetigen Anwachsen 
der Bibliotheksagenden das Bedürfnis nach Arbeitskräften zweifellos vorhanden 
ist. Wohin aber toll das führen? Da muß Abhilfe geschaffen werden, soll nicht 
Unzufriedenheit und Arbeitsverdrossenheit nicht nur unter den Praktikanten, 
sondern auch unter der jüngeren Beamtenschaft sich mit der Zeit einstellen, und 


— 166 — 


soll nicht der Dienst bei einer längeren Fortdauer dieser Verhältnisse unbedingt 
Schaden leiden. Aber wie Abhilfe schaffen ? 

Die in dem Antrag der Praktikanten hervorgehobene Hintansetzung der 
Bibliothekspraktikanten gegenüber den Auskultanten ist ja entschieden zu miß- 
billigen. Allein eine Remedur des Gesetzes ist schwer und gewiß nicht in aller- 
nächster Zeit durchzuführen. Und damit wäre im allgemeinen auch nicht viel 
geholfen. Auch die ad personam-Ernennungen bieten große Schwierigkeiten und 
kämen nur in besonderen Ausnahmsfällen in Betracht. Eine radikale Abhilfe 
könnte nur die Einführung des Zeitavancements unter gleichzeitiger Einreihung 
von ungefähr der Hälfte der Praktikanten in den definitiven Beamtenstatus und 
unter gleichzeitiger Festlegung der Zahl der Praktikanten, über die nicht hinaus- 
gegangen werden sollte, so daß Probepraktikanten nur in dem Verhältnisse auf- 
genommen werden, ale Praktikanten zu Beamten vorrücken, bringen. Bevor dies 
aber durchgeführt würde, wenn es überhaupt erreichbar sein sollte, wäre die 
Schaffung provisorischer Amanuensisstellen, analog denen der Lehrpersonen an 
den Mittelschulen, anzustreben, so daß die ältesten Praktikanten, etwa die mit 
fünf und mehr Dienstjahren, zu provisorischen Amanuensen zu ernennen 
wären. 

Der Ausschuß stellt daher an die Versammlung folgenden Antrag: „Die 
Versammlung ermächtigt den Vereinsausschu8, an das k. k. Ministerium für 
Kultus und Unterricht eine Eingabe mit der Bitte zu richten, daB es bis zur 
definitiven Regelung der Bibliotheksbeamtenfrage durch Einführung des Zeit- 
avancements wenigstens jene Bibliothekspraktikanten, welche eine fünf- oder mehr- 
jährige zufriedenstellende Dienstzeit hinter sich haben, zu provisorischen 
Amanuensen befördern möge. 

Der Antrag wurde einstimmig zum Beschlusse erhoben. 

Als zweiter Punkt der Tagesordnung folgte ein von Dr. Anton Schubert 
am 25. Mai v. J. gestellter Antrag, der folgenden Wortlaut hatte: 

Der Gefertigte erlaubt sich hiermit an einen Hochverehrlichen Ausschuß 
mit dem Ersuchen heranzutreten, derselbe wolle geneigtest die Tunlichkeit der 
Einberufung eines Besprechungsabends beziehungsweise einer außerordentlichen 
Hauptversammlung mit nachstehender Tagesordnung erwägen: 

1. Die gegenwärtige Stockung in den Vorrückungsverhältnissen unseres 
Berufes. 

2. Beleuchtung der Notwendigkeit, auch für die Bibliotheksbeamtenschaft 
Posten V. und IV. Rangklasse zu systemisieren. 

8. Die Zweckmäßigkeit der Schaffung eines besonderen Bibliotheks- 
departements mit strenger Fachmannsbesetzung bei den Statthaltereien und bei 
dem k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht. 

4. Die Geltung der Volontürjahre alten Stiles. 

9. Die Bibliotheksbeamtenschaft und die Zeitavancementsfrage. 

Über diesen Antrag erstattete der zweite Schriftführer Dr. Othmar Doublier 
das folgende Referat: 

Herr Dr. Anton Schubert hat in einer Zuschrift vom 25. Mai 1906 beim 
Ausschusse angeregt, die Einberufung einer EE mit nachstehender 
Tagesordnung zu erwägen. (Folgt der Wortlaut.) 

Sie sehen, meine Herren, daß Herr Dr. Schubert in seinen Anregungen 
eine ganze Reihe für den Stand der Bibliotheksbeamten sowie für das Bibliotheks- 


— 167 — 


wesen überhaupt höchst bedeutsame Fragen berührt hat. Da aber deren Be- 
handlung nicht bloß einen, sondern vielmehr eine ganze Reihe von Vereins- 
abenden ansfüllen würde, so sehe ich von vorneherein bei den Punkten 2, 8 und 
4 von einer ausführlichen Behandlung ab, möchte mich aber dabei gegen den 
Einwurf verwahren, als ob ich etwa ein prinzipieller Gegner der darin enthaltenen 
Anregungen wäre. Ich bespreche diese Pankte zuerst und gehe erst nachher zu 
Punkt 1 und 5, deren ausführliche Behandlung ich mir vorbehalte, über. Was zunüchst 
Punkt 2, die Systemisierung von Stellen der V. und IV. Rangklasse betrifft, so 
bin ich überhaupt gegen jede starre Stellensystemisierung in diesem Berufe, ich 
werde dies später eingehend dartun. Die Systemisierung einer Stelle der IV. Rang- 
klasse — der Antragsteller denkt sich darunter, wie aus seinem Aufsatze in 
Nr. 5 des IX. Jahrganges der Vereinsmitteilungen erhellt, die Stelle eines Ge- 
neralinspektors des Bibliothekswesens — dürfte übrigens kaum erreichbar sein. 


Was die Frage der Zweckmäßigkeit der Schaffung eines fachmännisch be- 
setzten Bibliotheksdepartements beim Unterrichtsministerium betrifft, so halte ich 
es in dem gegenwärtigen Augenblicke nicht fir opportun an diese heikle Frage heran- 
zutreten, da wir, wieich glaube, unsere Agitationskraft, die jetzt far eine andere wichtige 
Standesfrage in vollem Umfange in Anspruch genommen werden muB, nicht 
zersplittern sollen. Bibliotheksdepartements bei den Statthaltereien halte ich da- 
gegen überhaupt für eine undurchführbare Utopie. 


Bezüglich Punkt 4, Geltung der Volontärjahre alten Stils, habe ich mich, 
da ich, dem Staatbeamtenstande nicht angehörend, nur ungenügend informiert 
war, an maßgebenden Stellen erkundigt und erfahren, daß seitens des ‘Mini- 
steriums eine allgemeine gleichmäßige Behandlung dieser Frage bisher per- 
horresziert wurde, und sich dasselbe die fallweise Entscheidung vorbehält. 
Vielleicht wäre es möglich, dieser Frage, sobald genügendes Material vorliegt, 
seitens des Vereinsausschusses in einem geeigneten Zeitpunkte nüherzutreten. 


Wir gelangen nun zu Punkt 1, die gegenwürtige Stockung in den Vor- 
rückungsverhältnissen unseres Berufes, der meines Erachtens nur im Zusammen- 
bange mit Punkt 5 die Bibliotheksbeamtenschaft und die Zeitavancementefrage zu 
behandeln ist. 


Es sei mir gestattet, an die Spitze meiner Ausführungen die Äußerungen 
zweier auf finanzpolitischem und juristischem Gebiete anerkannter Autoritäten 
zu stellen, eines Preußen und eines Österreichers. 

Finanzminister Miquel äußerte sich hierüber im preußischen Abgeordneten- 
hause am 12. Jänner 1891 anläßlich der Einführung des jetzt in Preußen ge- 
setzlich bestehenden Dienstaltersstufensystems folgendermaßen: 

„Bisher (beim Stellenetat, Rangklassensystem) avancierten die Beamten in 
bestimmten Beamtengemeinschaften, wo der Gehalt nach Minimal-, Maximal- 
and Mittelsätzen normiert war. Das Aufrücken in die Gehaltsklassen hing 
wesentlich ab von Vakanzen durch Tod, Pensionierung oder Versetzung. Wenn 
man an Stelle dieses Systems das System des Aufrückens nach ersten Alters- 
stufen setzt, so ist der tüchtige Beamte, der seine Schuldigkeit tut, sicher, in 
bestimmten Perioden in seinem Gehaltsatze aufgebessert zu werden. Dadurch kommt 
der betreffende Beamte in die Lage, seine eigene Zukunft zu berechnen, die ver- 
mutlichen Einnahmen und Ausgaben, die ihm in Zukunft erwachsen, mit einander 
vergleichen und eine viel richtigere und ökonomischere Wirtschaft führen zu 


2 


— 168 — 


können, als wenn er das alles nicht vorbersehen kann und seiner Zukunft mehr 
oder weniger unsicher ist. Das Gefühl der Sicherheit in der ganzen Lebensstellung, 
das Gefühl der Beruhigung muß bei diesem Systeme viel größer werden. Aber ich 
sage noch mehr: Auch das Gefühl der Würde als Beamter muß hiedurch ge- 
stärkt werden gegenüber dem bisherigen System,“ 

In einem am 11. März 1896 in der Wiener juristischen Gesellschaft unter 

dem Titel „Erwerb und Beruf“ gehaltenen inhaltsreichen Vortrage hat der jetzige 
Präsident des Obersten Gerichtshofes Dr. Emil Steinbach an einer Stelle die 
Zeitavancementsfrage gestreift. Er behandelt die Beförderung im Staatsdienste 
und kommt auch zu sprechen auf das von der Dauer seiner Dienstleistuug in der- 
selben Dienstesklasse abhängige Reclt des Beamten auf Erhöhung seiner Dienst- 
bezüge, wie dies beispielsweise bei den sogenannten Triennien oder Quinquennien 
der Fall ist. Er fährt dann fort: 
l „Vielleicht liegt hier sogar der Beginn für eine dem Geiste des Institutes 
meines Erachtens vollkommen entsprechende Fortbildung des Beamtenrechtes in 
der Richtung, daß jedem Beamten auch olıne Beförderung zu einer höheren 
Dienstesstellung, zu welcher er vielleicht gar nicht taugt, bei zufriedenstellender 
Dienstleistung die regelmäßige Erlıiöbung seiner Dienstesbezüge innerhalb ge- 
wisser Grenzen gesichert werde.“ 

In den Kreisen der österreichischen Bibliotheksbeamten wurde die Frage 
des Zeitavancements, wie ich glaube zum erstenmale, in einem von mir am 
95, Februar 1899, im Österreichischen Verein für Bibliothekswesen gehaltenen, 
in Nr. 2 des III. Jahrganges der Vereinsmitteilungen abgedruckten Vortrage be- 
sprochen. Ich habe darin als Grund für die Stockung in deu Vorrückungsver- 
hältnissen unseres Berufes, das System des außer bei den österreichischen öffent- 
lichen Beamten fast nirgends mehr durchgeführten starren Rangklassenavancements 
bezeichnet, welches, da es von reinen Zufälligkeiten, wie schweren Erkrankungen 
und Todesfällen abhängt, nicht bloß unsicher, sondern auch ebendesbalb im 
höchsten Grade unmoralisch ist. An zahlreichen Beispielen habe ich sodann 
die Beförderungweise bei auBerdsterreichischen Bibliotheksbeamten, reichs- 
deutschen, englischen, französischen und italienischen illustriert. Ich möchte 
nicht alles wiederholen, was ich angeführt habe, um die schweren Mängel des 
bei uns geltenden Systems nachzuweisen im Gegensatze zu einem Vorrückungs- 
modus, wie er bei fast allen außerösterreichischen Beamtenkategorien und bei 
den österreichischen Mittelschulprofessoren schon lange bestand, und für den 
in der allerletzten Zeit die Bezeichnung Zeitavancement geprägt worden ist. 

Nur eine meiner Ausführungen sei mir gestattet, heute nochmals wörtlich 
zu zitieren. Ich sagte damals: 

„Wohl darf man nicht verkennen, daß die letzten Jahre speziell für die 
staatlichen -Bibliotheksbeamten eine Reihe ganz erheblicher Verbesserungen ge- 
bracht haben: Die Gleichstellung mit den übrigen Staatsbeamten und die Teil- 
nahme an der allgemeinen Gehaltsregulierung des Jahres 1898. Die momentanen 
Vorteile sind augenscheinlich gewiß! Geben Sie sich aber keiner Täuschung hin, 
meine Herren! In vielleicht nicht allzuferner Zeit wird namentlich an solchen 
Bibliotheken, bei denen auch an den oberen Stellen vorwiegend jüngere Kräfte 
wirken, das Avancement auf unabsehbare Zeit gesperrt sein. Und was dann ?* 

Am Schlusse meines Vortrages hatte ich erklärt, daß es nur die Zukunft 
lehren könne, ob und wann der Zeitpunkt kommen werde, meine Anregungen 


— 169 — 


zum Gegenstande einer Aktion zu machen. Ich hielt damals den Zweck meiner 
Ausführungen für erreicht, wenn es mir nur gelungen sei, die Aufmerksamkeit 
der anwesenden Fachkollegen und vielleicht auclı maßgebender Kreise auf diese 
höchst wichtige Frage zu lenken. Es werden bald 8 Jahre verstrichen sein, seit 
ich meine Ausführungen in unserem Vereine vorgebracht habe. Mündlich wurde 
mir von vielen Kollegen ihre Zustimmung mitgeteilt, doch dabei ist es geblieben, 
Gegenstand einer Aktion von Vereinswegen ist die Erstrebung des Zeitavancements 
bisher nicht geworden. Ja merkwürdigerweise hat selbst Dr. Schubert, dessen An- 
regung wir ja die heutige Tagesordnung verdanken, in seinem in 5. Heft des 
IX. Jahrganges unserer Mitteilungen enthaltenen Aufsatze „Ziffern und Streif- 
lichter zu einigen die k. k. Bibliotheksbeamten betreffenden Standesfragen“, die 
Zeitavancementsfrage nicht einmal gestreift. Seine Ausführungen bewegen siclı 
vielmehr vollkommen im Rahmen des alten Rangklassensysteme, das .er sogar 
noch ausgestalten und mit Stellen der V. und IV. Rangklasse krönen möchte 
und seine oft sehr drastischen Ausfälle richten sich nicht mit einem Worte gegen 
das System als solches. 

Erst in der allerletzten Zeit ist von ganz anderen Beamtenkategorien die 
Frage des Zeitavancements wieder angeregt worden. Nachdem es wiederholt in 
amtlichen Gutachten, die aber nicht in die Öffentlichkeit gelangt sind, gestreift 
worden ist, so zum Beispiel rücksichtlich der Vorrückung der Staateisenbahnbeamten, 
wurde das Zeitavancement durch eine Denkschrift des Ersten allgemeinen Be- 
amtenvereines vom 14. März 1905 zur Diskussion gestellt und bildete auch auf den 
letzten Staatsbeamtentagen neben der Einführung einer modernen Dienstpragmatik 
die Hauptforderung der zum Beschlusse erhobenen Resolutionen. Im Jahre 1906 
erschien die höchstverdienstliche Schrift Dr. Leopold Waber’s „Besoldungssystem 
im Staatsdienste. (Rangklassensystem, Zeitavancement, automatische Gehaltsvor- 
rückung.) Die Grundsätze des preußischen Besoldungssystems. Die Theorie 
Laband's und Steinbach's vom Staatsdienste.“ Vieles, was ich im Verlaufe meines 
Referates voibringe, ist den Ausführungen der Waber'schen Broschüre entnommen. 
Die Frage verschwand seitdem nicht mehr von der Tagesordnung. In den 
Sitzungen des Abgeordnetenhauses vom 19. und vom 24. Oktober v. J. wurde über 
einen Dringlichkeitsantrag des Abgeordneten Böheim verhandelt, der die 
Regelung der Avancements- und Gehaltsverhältnisse der Postbeamten und Post- 
amtsdiener zum Gegenstande hatte, Bei dieser Gelegenheit hat der Handels- 
minister Dr. Forscht auch unter anderem das Zeitavancement besprochen und 
was speziell uns Bibliotheksbeamte, die wir kleinen Beamtenkörpern angehören, 
interessieren wird, folgende Äußerung getan : „Wenn in einem Status dauernd mit 
starken Vermebrungen zu rechnen ist, so wird sich für die Bediensteten voraus- 
sichtlich nicht das Zeitavancement sondern das Statussystem günstiger .erweisen, 
während wieder in einem Status mit geringer Personalbewegung vom Stand- 
punkte der Bediensteten das Zeitavancement vorzuziehen sein wird.“ — Der 
Minister äußerte dann im weiteren Verlaufe seiner Rede, daß die in Bezug auf 
die Verbesserung der Vorrückungsverhältnisse der Verkehrsbeamten gepflogenen 
Berechnungen nunmehr auf das Zeitavancement ausgedehnt wurden. 

Auch für die Beamten der Stadt. Wien ist eine Gehaltsregulierungsvorlage 
in Vorbereitung, die auf dem Grundsatze des Zeitavancements aufgebaut ist.*) 





*) Nunmehr schon vom Gemeinderate zum Beschluß erhoben. 
Qx 


— 170 — 


Was damals, als ich vor acht Jahren meinen Vortrag hielt, noch ganz allgemein 
für ein erst in weiter Ferne erstrebbares Ziel galt, was namentlich in 
Kreisen, die sich von der einmal durch ein vieljähriges Herkommen geheiligten, 
der starren Beamtenhierarchie nicht befreien konnten, als eine undurchführbare 
Utopie bezeichnet wurde, das Zeitavancement, ist nicht bloß populär, sondern 
sogar schon regierungsfähig geworden. 

Es wird also hoffentlich bald allseitig sich die Einsicht Bahn brechen, 
daß dem Übel der in kürzeren oder längeren Pausen immer wieder eintretenden 
Vorrückungsstockungen nicht mehr durch die ausgiebigsten Statusverbesserungen 
gesteuert werden kann, sondern, daß vielmehr die Wurzel des Übels, das ganze 
heutige Rangklassen-Gehaltssystem, beseitigt werden muß. 

Wie sollen wir uns aber das Zeitavancement vorstellen ? Als Hauptgrund- 
satz ist jedenfalls festzustellen, daß der Gehalt eines jeden Bibliotheksbeamten etwa 
mit derjetzigen ersten Gehaltsstufe der X. oder IX. Rangklasse, beginnend in regel- 
mäßigen Zeitabschnitten bis in 85 Jahren zu einer gewissen Höhe ansteigen 
müßte. Diese Höhe könnte etwa den Bezügen der jetzigen VII. Rangklasse 
entsprechen. Was die Rangstufen betrifft, so könnte da ein mehrfacher Weg ein- 
geschlagen werden. Ich denke dabei — nebenbei bemerkt — nur an die Be- 
amtenstellen und ziehe die leitenden Stellen der Direktoren beziehungsweise 
Bibliothekare hier nicht in den Kreis meiner Betrachtungen. Einmal hätten wir 
hier das Beispiel des Lehrerpersonales an Mittelschulen. Der Anfangsrang wäre 
wie dort die IX. Rangklasse Der Gehalt würde dagegen nur mit den Bezügen 
der X, Rangklasse, also mit X 2200 und der Aktivitätszulage der IX. (X 1000) 
beginnen und in 7 Quinquennien — bis zur Höhe von K 6000 aufsteigen. Nach 
zehn Dienstjahren könnte dann die Verleihung der VILL, nach 20 Dienstjahren 
der VII. mit der entsprechenden Aktivitätszulage bei tadelloser Führung er- 
folgen. 
Ein zweiter Weg wäre der, wie er im Motivenberichte zum Gehaltsgesetze 
des Jahres 1889 als Punkt 3 zur Diskussion gestellt wurde. Belassung der syste- 
misierten Stellen, jedoch unter Zuerkennung von fünf fortlaufendon Quinquennal- 
zulagen. Die Vorrückung von einer Rangklasse in die nächstlöhere würde da wie 
bisher im Falle einer Apertur erfolgen. 

Mein Vorschlag, den ich im Jahre 1899 machte, sieht von systemisierten 
Rangklassen ganz ab. Die Vorrückung erfolgt, ausgehend vom Anfaugsgehalte 
der IX. Rangklasse in 7 Quinquennien, 2 a 400 K, 5 a 600 K. Die Aktivitats- 
zulage ändert sich überhaupt nicht, so daB die Maximalbezüge K 7600 betragen 
würden. Die Verleihung der VIII. beziehungsweise VII. Rangklasse hätte als 
bloße Auszeichnung zu erfolgen, ohne aber die Höhe der Bezüge irgendwie zu 
berühren. Ich habe mich damals für diesen Modus bloß aus Gründen der Opportunität 
ausgesprochen, da ich annahm, er werde am leichtesten durchzuführen sein. 

Endlich wäre noch ein Modus anzuführen, der auf folgenden Erwägungen 
basiert: Es wäre die Vorrückung in Bezug auf den Gehalt vollständig zu trennen 
von der Rangerhöhung des einzelnen Beamten. Jeden Beamten, der seinen Dienst 
ohne Tadel versieht, der sich disciplinariter nichts zuschulden kommen läßt, müßte 
der Anspruch gewahrt werden, in einer bestimmten Anzahl von Dienstjahren einen 
bestimmten Minimalgehalt zu erreichen. Mit dieser Prämie für lange tadellose 
Dienstzeit soll aber die Vorrückung in Bezug auf den Rang gar nichts zu tun 
haben. Hier hätte einzig und allein die Eignung, die hervorragende Arbeitskraft 


— 171 — 


` das Talent zu entscheiden. Es könnte somit ganz gut der Fall eintreten, daß ein 
an Dienstjahren jüngerer Beamter einem älteren zwar an Gehalt nachstehen, ihn 
aber an Rang übertreffen könnte. Wie überall gibt es ja doch auch bei unserem 
Stande Naturen, die sich für leitende Stellungen in hervorragender Weise eignen 
im Gegensatze zu anderen, die ganz tüchtige Beamte aber eigentlich nur sub- 
alterne Naturen sind. 

Bei dem jetzt geltenden Befürderungsmodus hat man nur die Wahl, ent- 
weder dem minder Geeigneten, wenn er der nächste Anwärter ist, einen höheren 
Posten zu verleihen, was für das Amt von Nachteil ist, oder ihn zu präterieren, 
was ihn wieder unverdienterweise in materieller Beziehung schädigt. Ich denke 
mir also die Sache so, daß einerseits jedem Beamten ohne Unterschied die Er- 
reichung eines bestimmten Gehaltsminimums garantiert sein sollte, daB aber da- 
neben eine Anzahl Dienstposten in höherem Range mit den entsprechenden 
Aktivitätszulagen für leitende Stellungen fixiert ist, die nicht einmal alle not- 
wendig besetzt werden müssen, die aber ausschließlich mit Rücksicht auf die 
hervorragende Qualifikation zu vergeben sind. Die vier von mir angeführten Vor- 
rückungsweisen erschöpfen selbstverständlich nicht alle Möglichkeiten des Zeit- 
avancements. Es ließe sich zum Beispiel ja auch ganz gut eine raschere Vor- 
rückung etwa in Biennien oder Triennien um entsprechend niedrigere Beträge 
denken. Die angeführten Beispiele sollen übrigens meiner Absicht nach nur eine 
Art Substrat für die Diskussion bilden. 

Um ein, wenigstens annäherndes Bild zu bekommen, wie sich unter der 
Zugrundeleguug des Vorrückuugsmodus der Mittelschulprofessoren die Gehalts- 
verhältnisse an einer größeren Bibliothek gestalten würden, habe ich in Bezug auf 
den Beamtenstatus der beiden größten Österreichischen Bibliotheken, der Hof- 
bibliothek und der Wiener Universitätsbibliothek, Berechnungen angestellt. Als 
Anfangsstufe habe ich bei der Hofbibliothek den Gehalt des jetzigen Assistenten 
(X. Rangklasse per K 2200) angenommen, 7 Quinquennien in Rechnung gezogen 
und für deren Anfall die ganze einrechenbare Dienstzeit (inklusive der Hilfsarbeiter- 
beziehungsweise Praktikantenzeit) berücksichtigt. Die Aktivitätszulage beziehungs- 
weise das Quartiergeld habe ich ebenso wie bei den Mittelschulprofessoren mit 
K 1000 beginnen und nach zehn Dienstjahren auf der VII]. Rangklasse (K 1200), 
nach 20 Dienstjalıren auf die der VII. (K 1400) ansteigen lassen. 

Beim Status der Hofbibliothek würde nach meiner Berechnung die Ein- 
führung eines derartig abgestuften Zeitavancements für jetzt einen Mehrauf- 
wand von zirka K 8000 erforderlich machen. Die Erhöhung der Bezüge der ein- 
zelnen Beamten würde schwanken zwischen K 200 und K 1200. Gewinnen würden 
von 26 Beamten 16. Bei 7 blieben die Bezüge unverändert. 3 Beamte, die durch 
die Zufälligkeiten der jetzigen Vorrückungsweise im Verhältnis zu ihrer Dienst- 
zeit jetzt mehr beziehen, als ihnen durclı das Zeitavancement zukäme, müßten, da 
ja niemand geschädigt werden dürfte, die Differenz in Form einer Personal- 
zulage erhalten, was übrigens schon bei der Berechnung des Mehranfwandes be- 
rücksichtigt worden ist. 

Den Posten des Direktors habe ich hier wie bei der Universitätsbibliothek 
in die Berechnung nicht einbezogen. 

Bei der Universitätsbibliothek stellt sich das Verhältnis insofern anders, 
als dort keine X. Rangklasse besteht und die definitiven Beamten gleich mit dem 
Gehalte der IX. Rangklasse (K 2800) beginnen. Ferner bestehen für die Beamten 


— 172 — 


der Universitätsbibliothek in der IX. Rangklasse Quadriennien, während die der Hof- 
bibliothek nur auf Quinquennien Anspruch haben. Die Beamten der Universitäts- 
bibliothek haben zudem die höheren Stellen (VII. Rangklasse) in verhältnismäßig 
kürzererZeit erreicht als in der Hofbibliothek (durchschnittlich in 22 gegen 28 Dienst- 
jahren). Es würde somit für die definitiven Beamten der Universitätsbibliothek 
ein tateächlicher Vorteil beim Zeitavancement erst dann ‘erwachsen, wenn als 
Grundlage der Anfangsgehalt der IX. Rangklasse angenommen würde. In diesem 
Falle würden von 18 Beamten 15 Beamte X 200 bis 1000 gewinnen, bei zweien blieben 
die Bezüge unverändert und bei einem mäßte die eintretende Verminderung der 
Bezüge durch eine Persunalzulage ausgegeglichen werden. Die Mehrauslagen 
würden jetzt für den Status der definitiven Beamten K 6600 betragen. Allerdings 
käme hiezu noch eine Summe für die Umwandlung einer Anzahl der unverhältnis- 
mäßig zahlreichen Praktikantenstellen in Stellen der IX. Rangklasse, 

Die Ergebnisse meines heutigen Referates möchte ich am Schlusse in 
folgende Resolution zusammenfassen, um deren Annahme ich die heutige Ver- 
sammlung ersuche: 

„Die Versammlung des Österreichischen Vereines für Bibliothekswesen 
vom 1. Dezember 1906 spricht sich grundsätzlich dafür aus, daß auch für die 
Bibliotheksbeamten das jetzige Vorrückungssystem durch ein auf dem Grundsatze 
des Zeitavancements beruhendes ersetzt werde und fordert den Vereinsausschuß 
auf, in diesem Sinne eine Denkschrift auszuarbeiten, diese nochmals einer 
Vereinsversammlung vorzulegen und hierauf den zuständigen Oberbehörden zu 
überreichen.“ 

In der nun folgenden Debatte ergriff unter anderen der Antragsteller 
wiederholt und in längerer Ausführung das Wort, wobei er sich unter dem 
Beifall eines großen Teiles der Versammlung warm für seine Anträge und An- 
regungen einsetzte. An dieser Stelle kann eine wörtliche Ausführung ‚der Reden 
Dr. Schuberts umsomehr entfallen, als sich diese Ausführungen mit seinem 
bekannten Aufsatze in diesen Blättern (IX. 5.) deckten. Dr. Schubert schloß seine 
Rede mit dem Appell an die Versammlung, an die Unterrichtsverwaltuug mit der 
Anregung heranzutreten, bei der Bemessung der Dienstjahre auch die Volontär- 
jahre in Rechnung zu ziehen. 


Auch dieser Antrag wurde zum Beschlusse erhoben. 





Der Erfüllung des von vielen Mitgliedern des Vereines ausgesprochenen 
Wunsches, über die Vorgänge in den Vereinsabenden durch hektographierte 
Protokolle unterrichtet zu werden, stehen so viele materielle Schwierigkeiten 
im Wege, das an eine andere Veröffentlichung als an die in der Zeitschrift des 
Vereines nicht gestellt werden kann. Die Herren Referenten werden ersucht, die 
Niederschrift ihrer Referate umgehend der Redaktion zuzustellen, damit die 
Vereinsmitglieder rascher als bisher sich über den Verlauf der Vereinsabende 
orientieren können. 


Die Tatsache, daß die Besetzung einer Amanuensisstelle an der Bibliothek 
der technischen Hochschule in Wien bisher schon ein Jahr und einen Monat auf 
sich warten läßt, bat den Verein bewogen, an die Unterrichtsverwaltung eine 
Eingabe zu richten, in der auf die ungünstigen Avancementverhältnisse der 
Bibliotheksbeamten hingewiesen würde. 


— 173 — 


~ PERSONAL- NACHRICHTEN. 


(Wilhem v. Hartel +.) Mit dem merkwürdigen Manne, der sich auf so 
vielen verschieden gearteten Gebieten betätigt hat, verliert auch das österreichische 
Bibliothekswesen einen eifrigen Fördeter und Freund, und wenn er als Staats- 
mann, ala Gelehrter, als Kunstfreund, als Pädagog, als Weltmann von’ ver- 
schiedenen Seiten gewürdigt worden ist, so geziemt es sich an dieser Stelle der 
Rolle zu gedenken, die er in der Geschichte unseres Berufes gespielt hat. 


Er selbst hat das Programm, für das er wirkte, in seiner Rektoratsrede 
vom Jahre 1889 gekennzeichnet: Konzentration des österreichischen und 
vor allem des Wiener öffentlichen Bibliothekswesens in einer großen Reichsbibliothek, 
die als das Zentrum eines einheitlichen Organismus dessen Versorgung mit den 
Schätzen der wissenschaftlichen und künstlerischen Literatur regeln sollte. Genau 
betrachtet stellt sich. dieser Plan nur als lokal begrenzter Teil eines großen, um- 
fassenden Ideenkomplexes dar, der kurz als Organisation der gesamten wissen- 
schaftlichen Tätigkeit der Kulturvölker bezeichnet werden kann und in dessen 
Sinne der Verstorbene auf allen ihm zugänglichen Gebieten tätig war, so auch 
vor allem als Anreger der internationalen Assoziation der gelehrten Gesellschaften, 
Auf bibliothekarischem Boden hat er diese seine Lieblingsidee als Direktor der 
Hofbibliothek, dann als Sektionschef im Unterrichtsministerium und als Minister 
wiederholt durch allerlei Anregungen gefördert, so durch Regelung des direkten 
Handschriftenleihverkehres zwischen den mitteleuropäischen Staaten, des 
Doublettenaustausches der Öffentlichen Bibliotheken, des Bücherentlehnungsganges 
in der staatlichen Bibliothekenorganisation u. s. w. u. s. w. DaB er seinen Plan 
einer Reichsbibliothek nicht verwirklichen konnte, ist angesichts der sich ent- 
gegenstellenden sachlichen und administrativen Schwierigkeiten, zu denen sich 
auch noch die in unserem Vaterlande so häufigen Hindernisse politischer Natur 
gesellten, nur zu selbstverständlich und darf nicht ihm zum Vorwurfe gemacht 
werden. 


Es kann hier nicht unsere Sache sein, im Einzelnen alles das zu be- 
sprechen oder auch nur aufzuzählen, was Wilhelm v. Hartel als Bibliothekar 
und Freund des Bibliothekswesens geleistet und getan hat. GewiB ist, daB er, selbst 
von der Wichtigkeit guter und großer öffentlicher Bibliotheken auf das Iunigste 
überzeugt, das Seinige dazu beigetragen hat, dieser Institution die ihr gebührende 
Wertschätzung in Staat und Öffentlichkeit zu erobern, und daß er diese gute 
Sache um ein Mächtiges gefördert und dem Siege näher gebracht hat. Wie sehr 
er hiebei durch seine, ja auch anderwärts betätigte bekannte Geistes- und 
Charakteranlage begünstigt und unterstützt ward, dessen erinnern sich noch 
heute mit wahrem Vergnügen diejenigen, denen es vergönnt war, ihm bei seiner 
Tätigkeit als Direktor der Hofbibliothek helfend zur Seite zu stehen. Seine Gabe, 
sich auch in vollständig fremden und neuen Betrieben mit wenigen Blicken sofort 
zurechtzufinden, bewährte sich hier auf das Glänzendste, und seine Menschenkenntnis 
lehrte ihn bald die Untergebenen nach ihrer Befähigung zu verwenden und den 
richtigen Mann an den richtigen Platz zu stellen. Obwohl von den Administrations- 
und Repräsentationsgeschäften vollauf in Anspruch genommen und auch außerhalb 
des Instituts in außergewöhnlichem Maße tätig, versäumte er es nicht, sich mit 
den kleinsten Einzelheiten der bibliothekarischen Technik bekannt zu machen, so 
daß er auch bier mit seiner glücklichen Intuition den Mangel an eigener Er- 


— 174 — 


fahrung reichlich wett machte. In seiner launigen, weit eher sarkastisch als ge- 
mütlich zu nennenden Art wußte er auf den Eifer seiner Beamten anspornend 
einzuwirken, ohne sich andrerseits durch Wichtigtuerei oder Vielschreiberei, die 
er gründlich haßte, imponieren zu lassen. Dabei hatte er ein lebhaftes Gefühl 
dafür, daß die Förderung der materiellen Stellung der Beamten nicht weniger 
als des äußeren Glanzes des Institutes Ehrensache des Direktors sei, und wußte 
beides sowohl den vorgesetzten Behörden als auch der Öffentlichkeit gegenüber 
auf das Wirksamste zu vertreten, ohne hiebei in den Fehler allzugroßer Unter- 
würfigkeit zu verfallen. So hatte er mit seiner legeren und stheinbar etwas 
frivolen Behandlungsweise mehr Erfolg in der Heranbildung eines lebendigen Ge- 
fühles für Genauigkeit und Pünktlichkeit und überhaupt für die Pflichten des 
Dienstes in seinem Beamtenkörper, als mancher pedantische Stundenreiter. Die 
dienstliche Autorität kam hiebei nicht zu Schaden : auch wußte er die von ihm 
Beauftragten energisch zu unterstützen und brachte sie nie in die peinliche Lage 
eines Desaveus. So kam es, daß, obwohl er es nie darauf angelegt hatte, eine 
eigentlich und unmittelbar persönliche Beliebtheit zu erringen, doch die Nach- 
richt von seinem Scheiden aus dem Amte von allen einsichtigen Elementen des 
Beamtenstatus mit aufrichtigem Bedauern, ja mit Schmerz aufgenommen wurde. 
Und der gleiche Vorgang hat sich auch jetzt bei seinem Tode in den Empfin- 
dungen aller, die es mit dem Osterreichischen Bibliothekswesen ernst und gut 
meinen, abgespielt. 

Wilhelm v. Hartel ist unter uns nicht als groBer Reformator aufgetreten. 
aber er hat uns gelehrt, unseren Beruf von groBen Gesichtspunkteu aus zu be- 
trachten und im Sinne großer Ideen zu versehen. Er hat das Ansehen des öster- 
reichischen Bibliothekarstandes nach innen wie nach außen mächtig gehoben und 
kráftig an der Vorbereitung einer besseren Zukunft mitgeholfen. Unser Stand und 
dessen legitimer Vertreter, der Österreichische Verein für Bibliothekswesen, dessen 
erster Vorsitzender und Ehrenmitglied er war, wird ihm stets ein ebrendes 
Andenken bewahren, R. Geyer. 


(Hans von Zwiedineck-Siidenhorst +.) Am 22. November 1906 starb in 
Graz an einem schweren Leiden, von dem ihn auch die Kunst des Chirurgen 
nicht zu befreieu vermochte, der steiermärkische Landesbibliothekar i. R., Uni- 
versitätsprofessor Dr. Hans von Zwiedineck-Südenhorst. Mit ihm ist ein organi- 
satorisches Talent aus den Reihen der üsterreichischen Bibliothekare geschieden. 
Noch im April 1905 hatte Zwiedineck — er war am 14. April 1845 zu Frank- 
furt a. M. geboren — anscheinend im Vollbesitze seiner Gesundheit seinen 
sechzigsten Geburtstag in der herrlichen Umgebung Neapels in Castellammare 
die Stabia gefeiert, im Herbste desselben Jahres mußte er sich einer Operation 
unterziehen und nun folgte das Siechtum, von dem ihn ein Jahr später der Tod 
erlóste. In Zwiedineck lebten zwei Naturen, die des Geschichtsforschers und die 
des Bibliothekars, beide ergänzten und förderten einander. Die Geschichtsforschung 
verlieh dem Bibliothekar den weiten Blick und verschaffte ihm Welt- und 
Menschenkenntnis, die bibliothekarische Tätigkeit veranlaßte den Geschichts- 
forscher in die literarische Schaffenslust der Vor- und Mitwelt nach allen Seiten 
einzudringen und sich auf diese Weise eine eingehende Kenntnis seines literari- 
schen Rüstzeuges zu verschaffen. Das verknüpfende Band um beide Naturen 
schlang die Poesie, von der ein gut Stück in Zwiedineck wohnte. Er liebte 


— 175 — 


Mnaik und Dichtkunst. Gelegentlich ging er selbst unter die Dichter. Seine 
Bibliotheksgeschichte ’Edwina‘ (Fleischers Deutsche Revue, 1889, S. 188- 155) 
kleidet berufliche Erfahrungen in ein poetisches Gewand. Sie wurde zueret in 
eirem jener Bibliothekskonvente vorgelesen, die Zwiedineck damals von Zeit zu 
Zeit mit seinen Beamten in einer gemütlichen Ecke abhielt. Die Stärke 
Zwiedinecks lag in seiner besonderen Begabung zu organisieren. Er wußte für 
seine Pläne mit klarer Beredsamkeit zu gewinnen und konnte gelegentlich auch 
beengende Fesseln sprengen. Vom Jahre 1820 bis zum Jahre 1901 war Zwie- 
dineck Vorstand der steiermärkischen Landesbibliothek, an "der er schon Ende 
der Sechzigerjahre als Volontär gewirkt hatte. Unter seiner Leitung vollzog 
sich die Neugestaltung der Bibliothek. Am 26. November 1893 wurde das neue 
Bibliotheksgebäude eröffuet. Zwiedineck hat in der aus diesem Anlasse von ihm 
veröffentlichten Festschrift „Die steiermärkische Landesbibliothek am Joanneum 
in Graz* (Graz, 1898) einen Überbliek über die Entwicklung der seiner Leitung 
unterstellten Bücherei gegeben. In den Jahren vorher hatte sich Zwiedineck leb- 
haft für eine räumliche Vereinigung der Universitäts- und der Landesbibliothek 
eingesetzt und im Jahre 1292 auch einen Plan zu einer gemeinsamen Katalogi- 
sierung beider Bibliotheken entworfen und den Druck der Titelkopien vor- 
geschlagen. Durch ihn ist ja auch an der Landeebibliothek die Drucklegung der 
Neuerwerbungen und anderer Verzeichnisse eingeführt worden. Mehrere Jahre 
gehörte Zwiedineck auch dem Ausschusse desÖsterreichischen Vereines für Bibliotheks- 
wesen an. Am 1. Februar 1901 trat er als Landesbibliothekar in den Ruhestand, 
um sich ganz der Professur und der Geschichtsforschung, die ihm manches 
glänzend geschriebene Werk verdankt, zu widmen. Das letzte große Werk, an 
dem er arbeitete, war eine Biographie des Erzherzogs Karl. Schon sollte mit dem 
Drucke des ersten Bandes begonnen werden, da löschte der Tod ein Leben aus, 
das noch für manches Jahr zu schöpferischer Arbeit berufen schien. 
Graz. Ferdinand Eichler. 


— — — 


(A. L. Jellinek.). Im Alter von 82 Jabren ist der Wiener Bibliograph 
Artur, Leopoldovics Jellinek einem tückischen Leiden erlegen. Mit ihm hat 
die eigentliche Bibliographie, die sich damit bescheidet, die Literatur eines 
bestimmten Wissensgebietes planvoll zusammenzustellen, einen. empfindlichen 
Verlust erlitten. Mit dem Schriftsteller Karl Junker gab er im Jahre 1900 
den Versuch einer „Österreichischen Bibliographie* heraus, der nur ein kurzes 
Leben beschieden war. Lehenskräftiger war seine „Internationale Bibliographie der 
Kunstwissenschaft“ (Berlin, 1903), die sich einer wachsenden Verbreitung erfreute. 
Nicht denselben Erfolg in Fachkreisen hatte seine „Bibliographie der vergleichenden 
Literaturgeschichte" (Berlin, 1908), obwohl gerade dieses Gebiet seinen wissen- 
schaftlichen Ehrgeiz — er hatte an. der Wiener Universität. germanistische 
Vorlesungen gehört — reizte. Sein geträumtes Lebenswerk war ein Stofflexikon 
von dem sich in seinem Nachlasse wohl zahlreiche Aufzeichnnngen finden werden. 
Jellinek beteiligte sich an der Herausgabe der „Bibliographie der deutschen 
Zeitschriftenliteratur", war .Leiter des bibliographischen Beiblattes der ,Zeit- 
schrift für Büeberfreunde* uud Ausschußmitglied der „Gesellschaft der Biblio- 
philen,^ Seine wertvolle Bibliothek wurde noch zu seinen Lebzeiten von einem 
Wiener Antiquariat angekauft, Die Beamten der Wiener Universitätsbibliothek 


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in deren Räumen er jahrelang eine bekannte Figur war, werden dem stets 
gefälligen und unermüdlichen Manne lange ein freundliches Andenken bewahren. 


An der Fideikommissbibliothek wurden der bisherige Leiter Dr. Franz 
Schnürer zum Bibliotbekar uud Vorstand und der Skriptor Johann Jureczek 
zum Kustos ernannt. — Dem Kustos der Universitătebibliothek in Czernowitz 
Yrivatdozenten Dr. Theodor Ritter von Grienberger wurde der Titel eines 
^uBerordentlichen Professors verliehen, der Amanmuensis derselben Bibliothek 
Robert Klement wurde zum Skriptor ernannt. — Anläßlich ihrer Versetsung 
in den Ruhestand wurden dem Kustos der Universitätsbibliothek in Wien Dr. 
Franz Simonid das Ritterkreuz des Franz-Josefs-Ordens und dem Kustos 
der Universitütsbibliothek in Prag Josef Truhlaf Titel und Charakter eines 
Universitäts-Bibliothekars verliehen. — An der Universitätsbibliothek in Prag 
wurden der Amanuensis Dr. Borivoj Pruzík zum Skriptor und der Pratikant 
Johann Emler zum Amanuensis ernannt. — Der Stadtbibliothekar von Triest 
Dr. Attilius Hortis wurde zum Ehrenbürger von Triest ernannt. — Der im 
Status des Archiv- und Bibliotheksdienstes der politischen Verwaltung stehende 
Aıchiv-Konzipist Dr. Franz Wilhelm wurde zum Archivar ernannt. — Der 
Pratikant der Universitätsbibliothek ia Wien Dr. Severin Schilder wurde zum 
Amanuensis ernannt. — Im Status der Wiener städtischen Sammlungen (Stadt- 
bibliothek) wurde Dr. Karl Hans Ritter von Molo zum Adjuukten II. Klasse 
ernannt. — Als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter ist Doktor Alfred Merz in die 
Fideikommissbibliothek, als Praktikaut ist der Jurist Richard Skala in die 
Univereitütsbibliothek in Wien eingetreten. — Zum Bibliothekar des Zisterzienser- 
stiftes Schlierbach wurde P. Florian Z eller ernannt. 


VERMISCHTE NACHRICHTEN. 


(Vom Bücherzoll.) Der neue Zolltarif vom Jahre 1906 kann, wiewohl er 
den Büchern Zollfreiheit einräamt, doch auch für die Bibliotheken. unangenehm 
fühlbar werden, wenn sie nicht rechtzeitig ihre Sache tatkräftig vertreten. Die 
Universitätsbibliothek in Graz hat Ende November 1906 das Werk ’Aegina das 
Heiligtum der Aphaia. Ag. von Adolf Furtwängler, Müncheu 1906.“ (1 Band Text 
und 1 Band Tafeln) im Originaleinband gekauft. Es sind gewöhnliche Leinwand- 
bände, auf deren Rücken der Titel in Gold aufgedruckt ist und zwar enthält der 
erste Band deu Text, der zweite Band die Tafeln. Der Buchhändler legte dar- 
über eine Rechnung vor, die keinen Nachlaß vom Preise, aber einen Hinweis auf 
die Verzollung enthielt. Nacb der Anmerkung zur Klasse L des Zolltarifes vom 
12. März 1906 (Wien, k. k. Hof- und Staatsdruckerei, 1906, S. 257) und ebcuso 
nach der Bekanntmachung in der Österreichisch-ungar. Buchhändler-Korrespondenz 
1907, Nr. 5, 8. 49, ist das genannte Werk als zollfrei zu behandeln. Nun kann sich 
eine Bibliothek freilich helfen, indem sie den Bachhändlern rundweg erklärt, 
keinen Zoll auf Bücher zu bezahlen. Aber da einerseits vor nicht langer Zeit die 
Behandlung der Rabattfrage recht lebhafte Formen annahm. und an der Aufrecht- 
erhaltung des Rabattes den Bibliotheken gelegen sein muß und da anderseits 
die Vorteile der Bibliotheken und Buchhändler in diesem Falle sich decken, so 
ist eg doch gewiß Sache der Bibliotheken, die Buchändlier in ihrem Streben, eine 


sichtige Anwendung des Zolltarifes durchzusetzen, zu unterstützen. Alle Fälle, in 
denen nach Ansicht der Bibliothekare eine unrichtige Anwendung des Zoll- 
tarifes beim Bezuge von Büchern vorliegt, sollten dem Österreichischen Verein für 
Bibliothekewesen zur Kenntnis gebracht werden. 


- Prinz Franz von und zu Liechtenstein, Präsident der Kommission für 
neuere Geschichte Österreichs, hat die reiche Bibliothek A. Bilbasows, des 
berühmten Biographen Katharina II, der vor wenigen Jahren in Petersburg 
gestorben ist, käuflich erworben und sie dem Unterrichtsministerium zum Geschenke 
gemacht. Indes nicht bloß wegen Erlegung des Kaufschillinge gebührt dem 
Fürsten Lichtenstein der Dank Österreichs: die Witwe Bilbasows, Frau Olga 
Andrejewna Bilbasow — eine Tochter des bekanuten liberalen Publizisten 
Krajewsky, eine kunstsinnige und wohltätige Dame — hatte sich vielfach nur 
wit Rücksicht auf die Person des Prinzen, als eines eifrigen Mäzens russischer 
Geschichtsforschung, bewegen lassen, die Bibliothek des verstorbenen Gatten 
nach Österreich zu verkaufen; nur deshalb konnten trotz mancher Gegen- 
strömungen die Verhandlungen zu einem gedeihlichen Abschlusse gebracht 
werden. Erwähnt sei auch, daß Fran Bilbasow den Zinsenertrag des Kaufschillings 
Horern der Petersburger historisch-philologischen Fakultät als ein Stipendium 
zuwendet. Joner Bücherschatz ist, soweit die Geschichte Rußlands und der Slaven 
in Betracht kommt, einzig in seiner Art: ungefähr 10.000 Bände, gesammelt in 
einem Zeitraume von mehr als vier Dezennien. Zum größten Teile sind es Werke, 
die heute der Antiquariatsmarkt selbst zu hohen Preisen nicht mehr aufweist. 
Darunter befinden sich auch wichtige Zeitschriften, unter anderm „Der europäische 
Bote“, „Die Glocke“, Dor russische Bote“ u. s. w. Nicht fehl dürften wir gehen, 
schätzten wir den materiellen Wert der Bibliothek mit 200.000 X. Wer aber die 
Dinge näher kennt, versteht auch zu beurteilen, welchen hohen ideellen Wert 
sie für Wien besitzt, wo sich die russische und polnische wissenschaftliehe Literatur 
so gut wie gar nicht in den Bibliotheken vertreten findet, Schier unmöglich 
erscheint es daher, gutzumachen, was in vergangenen Zeiten gesündigt worden 
ist. Und welch hohe Bedeutung jenem Bücherschatze noch beigemessen werden 
muß, lehrt uns das Beispiel Deutschlands: an der Berliner Universität ward 
dank der persönlichen Initiative des Kaisers unter Schiemanns Leitung ein 
besonderes Institut für osteuropäische Geschichte errichtet. Weitaus wichtiger 
aber als für Preußen ist es für uns Österreicher, slavische Geschichte, Rechts- 
und Kulturgeschichte, und zwar an der Hand der Entwicklung bedeutender 
slavischer Völker, der Russen und Polen vornehmlich, zu studieren. Hier ein 
Boden also, der noch der Urbarmschung harrt; uns bietet sich die Möglichkeit, 
nicht bloß zwischen der germanischen und slavischen, sondern auch zwischen 
der slavischen und romanisclien Welt zu vermitteln. Nicht unbemerkt wollen wir 
lassen, daß es auch demjenigen, der die Beamtenlaufbahn einschlägt, zum Vorteil 
gereichen mag, sich nur einigermaßen mit slavischer Kultur- und Rechtsgeschichte 
vertraut gemacht zu haben. Selbstverstündlich bleibt auch das Andenken Bilbasows 
gewahrt, der im gewissen Sinne gleichfalls ein Märtyrer der für Rußland so 
unglücklichen inneren Politik Alexanders III. geworden ist; war doch seine 
- Katharina II.“ verboten, ein Umstand, der den schwer gekränkten Gelehrten 
kurs vor dem Tode bestimmt hat, den im Manuskript bereits fertigen III. Band 
den Flammen zu überantworten. Und nun wird seine Bibliothek ungeteilt und 


— 178 — 


Bilbasows Name auf ewige Zeiten damit verknüpft bleiben. Im Auftrage des 
Fürsten Lichtenstein hat der Wiener Privatdosent Dr. Hans Übersberger 
die Verhandlungen mit Frau Bilbasow geführt und den Bücherschatz übernommen, 
der durch Vermittlung der österreichischen Botschaft in Petersburg am 6. Jänner 
d. J. — iu 109 Kisten verpackt — in Wien eingetroffen ist; er wurde vorlänfig 
in einem Magazine der Universität untergebracht. H. S. 
(,N. F. P.*) 





Die Mitteilung der Verhandlungen am letzten Vereinsabend (s. S. 163) 
besitzt heute zum größten Teil nur akademischen Wert. Durch eine dankens- 
werte Verordnung des Gesamtministeriums sollen sämtliche Praktikanten in 
Zukunft schen nach einjähriger zufriedenstellender Dienstleistung ein 
Adjutum beziehen. Auch durch die Sanktionierung des neuen Gesetzes der 
Gehaltsregulierung der Beamten gehen einige bescheidene Hoffnungen 
der Bibliotbeksebeamten in Erfüllung. 





Obwohl Wien als Antiquariatsmarkt keinen Vergleich mit dem Ausland 
erträgt, so steht es in seinen Bücherauktionen doch im Zeichen einer 
Hochkonjunktur. Die Firma Gilhofer & Ranschburg fügt der Serie ibrer 
epochemachenden Versteigerungen im \Vorjahre dieses Jabr eine durch ihren 
Inhalt ganz besonders anziehende Auktion hinzu: die der Kostüämwerke Franz 
Gauls, des früheren Inspektors der Hofoper. Umfaßt die Auktion, zu deren 
Teilnahme auch das große Publikum durch einen überaus geschmackvoll aus- 
gestatteten Katalog aufgefordert wird, naturgemäß meist nur Bilder oder Blätter- 
folgen, so ist auch Zahl und Wert der Bücher sehr beträchtlich. Es ist zu hoffen, 
daß wenigstens die sehr bedeutenden Austrisca und Viennensia dem privaten 
oder öffentlichen Besitz der Stadt erhalten bleiben. Die Auktion findet vom 18. 
bis 28. Marz statt. — Sorgt die erwähnte Firma mehr für Feinschmecker, so 
entfaltet das Dorotheum seit längerer Zeit eine lebhafte Tätigkeit ale geistige 
Volksküche. Die Mittwochauktionen dieses staatlichen Versteigerungsamtes, dessen 
weitgesteckter Wirkungskreis nur mit der Pariser Maison Drouot verglichen 
werden kann, sind entschieden sehenswert. Ein dankbares, bildungshungriges und 
zum größten Teile bescheidenes Publikum wird in diesen Auktionen systematisch 
zu Bücherkäufern herangezogen — wozu der unbegrenzte Stoffkreis der Bücher 
ebenso beiträgt wie die Möglichkeit, um billiges Geld gute Bücher zu erwerben. 
Bei den Versteigerungen von Kunstwerken tauchen mitunter auch Bücher- 
raritäten auf. So versammelte kürzlich ein mit drei Extraminiaturen geschmücktes 
Exemplar der neunten deutschen Bibel (Nürnberg, Koberger, 1483) die Vertreter 
mehrerer öffentlichen Sammlungen um sich, um endlich um den Preis von 
670 K von einem Privatmanne erworben zu werden. 





(Zur Beachtung.) Abonnenten, welche die „Mitteilungen“ nicht vollständig 
gesammelt haben und nur einzelne Nummern derselben besitzen, werden höflich 
ersucht, dieselben der Redaktion zur Verfügung zu stellen, da dadurch die Zahl 
der wenigen noch vorhandenen Exemplare der ersten vier Jahrgänge vergrößert 
würde und für das Vereinsorgan neue Abonnenten gewonnen werden könnten, 


Veractwortiicher lteJekteur: Dr C.A. Crüwell. Druck E. Kelnas vorm. J. B. Weilllskeumwer, Wien, 


MITTEILUNGEN 


des 


Österreichischen Vereins 


für 


Bibliothekswesen. 


Herausgegeben vom 


Vereins-Ausschusse, 


redigiert von 


Dr. G. À. Crüwell. 


ege [ XI JAHRGANG. [es 
Foes, 


ARIS 


WIEN. 
In Kommission bei Gerold & Komp. 
1907. 






THE NEW YORI. 


-^ E e 


Se, 8. ` - W^ 


ABTOR, LENOX ANO 


TILDEN FOUNDATIONS. 
R 1910 


PUBLIC LIBRA? 


Inhaltsverzeichnis. 


Aufsätze. 3 
eita 
Bohatta, H. Versuch einer Bibliographie der Livres d'heures (horae 
B. M. V., horas, getijden) des XV. und XVI. Jahrhunderts, mit Aus- 
nahme der für Salisbury und York gedruckten . .......... l 
— u. M. Holzmann. V. Nachtrag sum Adreßbuch der Bibliotheken der 
Osterreichisch-ungarischen Monarchie. . . . . . . . . .. i ee ce AST 


Gottlieb, Th. Die Versammlung deutscher Bibliothekare in Bamberg. 179 
Leiblinger, G. Domenico Vallarsis Hieronymus - Ausgaben. Eine 
bibliographische Studie . . .. .. ..... re .. 145 
Lenk, H. v. Über schwedische Bibliotheken. Reiseerinnerangen . . . 49, 119 
Mentik, F. Eine Sammlung von Einblattdrucken . .. ........ 149 
Rangliste der Beamten der österreichischen Bibliotheken. . . . . . . 126 
Seuffert, B. Beitráge sur Wieland-Bibliographie . . . . . ... . . 97, 159 
Zeller, F. Die Wiegendrucke der Stifts-Bibliothek in Schlierbach . . . . 105 


Besprechungen. 


Heinrich Bebels Schwünke zum eıstenmale in vollständiger Übertragung 
herausgegeben von Albert Wesselski (Dr. Othmar Schissel von 
Fieschenberg) u... ea a ae Ge we ae Pe ww ES 182 

Codices graeci ot latini photographic depicti duce S. de Vries. 

XI. Livius. Codex Vindobonensis lat. 15. Praefatus est C. ST 


(Wilh. Weinberger). . ...... creer . 180 
Collijn, J. Katalog der Inkunabeln der Kgl. Universitäts- Bibliothek zu 
Upsala. 4.5.55. Arie eo 28 2 RE : 0... 164 


—, Katalog öfver Västerås Lüroverkebiblioteks Inkunabler (C—Il) 2. . 104 
Dodgso n, C. Catalogue of early German and Flemish woodcuts preserved 
in the Department of prints and drawings in the British Museum 


Vok Io (H R Jeee ee rn o3 ow EE . . 106 
Duff, E. G. The Printers, Stationers and Bookbinders of Westminster 
and London from 1476 to 1585 (C—II). sa a 70 


Farrer, J. A. Literarische Fälschungen. Mit « einer Einführung von Andr, 
Lang. Aus dem Englischen von Fr. J. Kleemeier (—ü—) . ..... 169 


Junker, K. Festschrift zur Feier des hundertjährigen Bestehens der 





Seite 


Korporation der Wiener Buch-, Kunst- und Musikalienhändler (—w—) 174 
Katalog der Handschriften der kgl. öffentlichen Bibliothek zu Dresden. 
8. Band (R.W)..... 2000. . Je ut 71 
Krackowizer, F. Der Linzer Buchdrucker Hans Planck und seine Nach- 
folger im XVII. Jahrhundert (—w—) . ..... TOR EET EN 74 
Livres d' heures imprimés au XV* et au XVI* sibcle conservés dans 
les bibliothdques de Paris. Catalogue par Paul Lacombe (H. Bohatta) . 172 
Manuskripte des Mittelalters und späterer Zeit, Einzel-Miniaturen, 
Beproduktionen (bei) K. W. Hiersemann (Ferdinand Kichler)... . . 72 
Pindter, R. Die Inkunabeln in der Fideikommiß-Bibliothek des Fürsten 
Dietrichstein auf SchloB Nikolsburg ........... ey ae eee 
Simonič, F. Slovenska bibliografija. I. (Ivan Prijatelj) ..... 70 
Stefan, K. Geschichte der Entstehung und Verwaltung der k. k. Studien- 
bibliothek in Laibach (-w—) . ........... (c0 Aug 
Zibrt, ©. Bibliografie Sesk6 Historie. III. (R. Wolkan)......... 65 
Aus österreichischen Bibliotheken . . . .. .. .. .. ... 75, 137, 176 
Vereins-Nachrichten. . . . . . . . dro ee ee ae s IE 76, 189, 178 
Personal-Nachrichten . . . ... ........ cens 90, 141, 179 
Vermischte Nachrichten . . . . . . .. e A 92, 142, 179 


Druck E. Kains vorm. J. B. Wallishausser, Wien. 


MITTEILUNGEN 


Österr. V Vereins für Bibliothekswesen. 





| XL Jahrgang. | Jänner-Mai 1907. |... Nr. 1—2. 





Versueh einer Bibliographie der Livres d'heures (horae 
B. M. V., horas, getijden) des XV. und XVI. Jahrhunderts 
mit Ausnahme der fiir Salisbury und York*) gedruekten. 


Die Heures oder Horae (horas, getijden) bilden eine von Bibliophilen 
hochgeschätzte Gruppe, die heute zu hohen Preisen aufgekauft werden, 
ziemlich häufig auf den Büchermarkt kommen, aber wegen der Seltenheit 
der einzelnen Exemplare wohl niemals in einer Samminng vollständig ver- 
einigt sein werden. Die französischen Drucker, die sich hauptsächlich mit 
diesem Artikel befaßten, ließen so viele Auflagen erscheinen, daß eine genaue 
Differenzierung der in den verschiedenen Katalogen angeführten Bücher 
erschwert oder ganz unmöglich wird, sofern die Angaben nicht sehr genau 
sind, zumal die sorgfältige auf den Tag bestimmte Notiz des Vollendungs- 
-datums verhältnismäßig selten zu finden ist, manche Esemplare außerdem 
anter der Sammelwut gewissenloser Bildersammler arg litten und "Bes 
Blätter einbüßten. 

Als einen Behelf für Sammler und Buchhändler versuche ich im 
folgenden eine Zusammenstellung der in den oft schwer zugänglichen ge- 
druckten Quellen erwähnten Titel von Livres d'heures zu geben, wobei ich 
die gebotenen Daten nach Möglichkeit zu vervollständigen trachtete. Dieses 
Bestreben wurde durch die Unvollständigkeit der Angaben behindert, denn 
nur selten sind alle wichtigen Teile so angeführt, wie es zur Identifizierung 
eines Exemplares nötig wäre. Jede Titelangabe eines Livre d’beures sollte 
nämlich außer dem Titel und Kolophon folgende Daten enthalten: Name 
der Diözese, Ort des Erscheinens, Drucker und Verleger, Jahreszahl und 
Tag, Almanach, Format, Seitenzahl, Komposition der Lagen und Zeilenzahl. 

Trotz dieses Mangels habe ich mich an diese Aufgabe herangewagt, 
von der Überzeugung geleitet, daß kaum jemand in der Lage sein dürfte, 
alle Ausgaben selbst einzusehen, da viele unter ihnen nicht mehr nach- 


*) Bezüglich dieser verweise ich auf das Buch Hoskins’, Horae Beatie 
Mariae Virginis or Saram and York Primers. London 1901. 


1 


ei Oi aes 


zuweisen und nur aus älteren Quellen bekannt geworden sind. Auch konnte 
ich manche vorgefundene Angabe genauer ergänzen und den einen oder 
den anderen Titel hinzufügen. 


Brunet, dessen Zusammenstellung im Manuel heute bereits vielfach. 
ergänzt werden kann, hat die meisten der angeführten Ausgaben nicht 
selbst gesehen und sich in manchen Fällen auf Angaben beschränken: 
müssen, mit denen nicht viel geholfen ist, und auch Hain lieferte mitunter 
ganz unbrauchbare Daten. Verläßliche Bibliothekskataloge von öffentlichen 
und insbesondere von Privatbibliotheken fehlen noch zum größten Teil, so 
daß es dem Sammler und Buchhändler viel Mühe bereitet, die Identifizierung 
eines Exemplares vorzunehmen und seine größere oder geringere Seltenheit 
zu bestimmen. ` | 

Die Zusanımenstellung wird ja nicht unbedingt vollständig sein; doch 
habe ich keine Mühe gespart, das gedruckte Material durchzuarbeiten und 
eine möglichst genaue, nach Diözesen und innerhalb dieser nach der Zeit 
geordnete Übersicht über die bisher bekannt gewordenen Exemplare der 
Livres d’heures zu geben. 


Den französischen und lateinischen Heures und Horae für die Diözesen. 
folgen die für die Klöster gedruckten, darauf die anderssprachigen Gebet- 
bücher zu Ehren Mariens. 


Einige allgemeine Bemerkungen werden für Leser, die mit dieser 
Literatur nicht ganz vertraut sind, von Interesse sein. Die einzige Be- 
stimmung des Erscheinungsjahres bietet in vielen Fällen die Ostertafel. 
oder der Almanach, der einen größeren oder geringeren Zeitraum umfaßt. 
und auf den ersten Blättern (meist fol. 1b) gedruckt ist. Doch nicht immer 
ist das Anfangsjahr mit dem Druckjahr identischh da der Almanach, 
besonders in der ersten und besten Zeit, aus einem Exemplare in andere 
übernommen wurde. Wo eine genaue Datierung vorhanden, ist auch die 
Angabe des Tages wichtig, da auch innerhalb desselben Jahres von dem- 
selben Drucker mehrere Editionen erschienen; ja auch Fälle von ver- 
schiedenen Ausgaben mit gleichem Tagesdatum finden sich, sodaß dann 
die Angabe des Formates, der Seiten- und Zeilenzahl ergänzend hinzu- 
treten muß. 


Die Hauptteile eines Livre d’heures sind: Almanach oder Tafel der 
beweglichen Feste, der Kalender mit den Tagen der zwölf Monate, die 
Evangelien und die Passion, die eigentlichen Heures zur Jungfrau Maria, 
zum heil. Kreuz und zum heil. Geist, die 7 Bußpsalmen, die Vigilien der 
Toten, an die: sich verschiedene Gebete anreihen, vorzugsweise zu Ehren 
der in der betreffenden Diözese verehrten Heiligen. 


zu Be x 


Die Hauptteile sind meist durch ganzseitige Bilder illustriert, während 
jede Seite von 4 Randleisten umgeben ist, die, oft kunstvoll ausgeführt, 
Szenen aus der Geschichte Jesus und Mariens, der Susanna und des ver- 
lorenen Sohnes, die 15 Zeichen des Endes der Welt, die Kardinaltugenden 
und den Totentanz darstellen; um 1498 kam dazu die Geschichte Josephs 
und die 12 Sibyllen, um 1506 die Wunder Mariens, bald darauf die 
Apokalypse und der Triumphe de César; 1510 erschienen zum erstenmale 
die Accidents de l'homme, die dem Totentanz angefügt wurden, und noch 
später das Leben des Tobias und der Judith in den Randleisten. 

Die ältesten und besten Drucker waren Pigouchet, der die meisten 
der so hoch geschätzten Vostre’schen Heures herstellte, Kerver, der als 
Verleger und Drucker wirkte, Vérard, Hygman, Hardouyn u. s. w. Ihnen 
folgte eine ganze Reihe anderer, die auf ihren Spuren einhergingen. Im 
Laufe der Zeit konnte oder wollte man mit dem reichen Bilderschmuck 
der älteren Ausgaben nicbt mehr konkurrieren, ließ ihn daher entweder 
ganz oder wenigstens die Randieisten weg, nützte den Raum für den 
Text aus und erweiterte diesen durch hinzugefügte Gebete in lateinischer 
und franzósischer Sprache in Prosa oder Vers. 


Zur besseren Übersicht des Inhalts und der Ausstattung soll ein 
Exemplar der älteren Gattung genau beschrieben werden; ich wähle dazu 
die Heures à l'usage de Lisieux, die in Paris für Vostre gedruckt sind 
und einen Almanach für die Jahre 1502—20 besitzen. Das Titelblatt 
enthält zunächst das Signet des Vostre, unter dem der Titel steht: Ces 
presentes heures a lusaige de Lisieux toutes || au long sans requerir; 
avec les figures et signes de l'apo|| calipse: la vie de thobie et de iudic: 
les accidens de lho || me: le triumphe de cesar: les miracles nostre dame: || 
ont este faictes a Paris pour Symon vostre libraire || demourant a la rue 
neufue a lenseigne s.iehan leuangel’. || Auf der Rückseite: der Almanach 
1502—1520. Fol. 2a: die anatomische Zodiakalfigur des Menschen mit 
Erklärung der symbolischen Bedeutung der Körperteile und darauf be- 
züglichen Bemerkungen. Fol. 2b—8a: die einzelnen Monate des Jahres 
mit Angabe der Festtage. Fol. 8 b beginnt das Evangelium nach Johannes, 
Fol. 12 b die Passio domini nach Johannes, Fol. 19 a die Heures, Gebete 
mit den Abteilungen ad laudes, ad matutinas de cruce, ad matutinas de 
S. Spiritu, ad primam, ad tertiam, ad sextam, ad nonam, ad vesperas und ad 
completorium. Fol. 85b folgen die 7 Bufpsalmen, Fol. 96 b die Vigilie 
mortuorum, Fol. 122 b die Suffragia sanctorum et sanctarum. Fol. 187 b 
andere Gebete, Fol. 145a des Officium Mariens. Das Buch enthält 148 
unbezeichnete Blätter (a—sS, t?) zu.21 Zeilen, in 8". Ohne Überschriften, 
mit roten Zwischenlinien. Das Schriftfeld mißt 102X59 mm. 

l* 


— 


Sebr wertvoll ist der reiche Bilderschmuck, der der Reihe nach 
folgende Gegenstände in der Größe von 125X80 mm darstellt: Johannes 
im Ölkessel, Judaskuß, die Genealogie, Mariä Empfängnis, Heimsuchung, 
Christus am Kreuz, Herabkunft des heil. Geistes, Geburt Christi, Verkündigung 
derselben bei den Hirten, Anbetung der heil. drei Könige, Darstellung im 
Tempel, Bethiehemitischer Kindermord, Martens Tod, Tod des Urias, David 
erteilt dem Urias den Befehl, Das jüngste Gericht, Dreifaltigkeit. Zahlreiche 
kleinere Illustrationen in gleicher, feinster Ausführung und reinem Druck 
(85x22) erläutern den Text und sind dem Leben der Heiligen, bei deren 
Gebeten sie stehen, entnommen. 


Bei anderen Ausgaben kommen dazu noch die großen Bilderder Sybillen, 
die Flucht nach Egypten, die Krönung Mariens, Jesus und die Schrift- 
gelehrten, Bethsabe im Bade, Bilder aus dem Leben Davids und des 
Lazarus, Job u. s. w. Hat schon Vostre in den späteren Ausgaben seinen 
Bildervorrat erweitert (vgl. Alés S. 161, wo er 4 Bilderserien zusammen- 
stellt), so war dies noch mehr bei seinen Nachahmern der Fall. 

Den Hauptschmuck bilden wie bei allen älteren Livres d'heures die 
Randleisten, die, mit Phantasie- und Jagdstücken untermischt, im ersten 
Teile das Leben Jesu, bei den Bußpsalmen die Geschichte der Susanna 
und des verlorenen Sohnes, bei der Litanei das Ende der Welt, bei den 
Vigilien der Toten den Totentanz darstellen. Alle diese finden sich auf 
der äußeren 22 mm breiten Randleiste beider Seiten, während die obere 
und innere (9 nım) nur Ranken- und geometrische Ornamente zeigen, die 
untere (28 mm) mit Bildern verschiedener Art geschmückt ist. 

Die Livres d'heures sind sehr geschützt und erreichen bei Ver- 
steigerungen mitunter ganz enorme Preise. 

In der nunmehr folgenden Zusammenstellung gebe ich zunächst den 
Namen der Diözese, für die das Buch herausgegeben wurde; Bücher, 
bei denen eine solche Angabe fehlt, habe ich unter Rom eingeteilt. Darauf 
folgt Druckort, Drucker und Verleger, Jahr, in eckiger Klammer der 
Almanach und Tag des Erscheinens sowie Format, Blattzahl, Anzahl und 
Umfang der Bogen und Zeilenzahl. Ergänzungen zu dem Buchtitel stehen 
in eckiger, Doppeldaten und Erklärungen in runder Klammer. Für Rom 
habe ich am Schlusse noch 3 Indices angefügt, deren Nutzen sich trotz 
ihrer Lückenhaftigkeit leicht erweisen dürfte. 

Um Raum zu sparen, verwendete ich bei folgenden häufiger vor- 
kommenden Quellen die Abkürzungen: 

Alès = Alès. Description des Livres de liturgie impr. aux XV* et 
XVI’ siècles faisant partie de la bibl. de S A. R. M". Charles-Louis de 
Bourbon (comte de Villafranca) Paris, 1878. Suppl. 1884. 


B. — Beaupré. Recherches hist.. et bibliogr. sur les commencements 
de l'imprimerie en Lorraine. St. Nicolas de Port 1845. 

BECh. —- Bibliothéque de l'école des Chartres. 56. 1895. Paris. 
(S. 45—83. 229—230.) O | 

Br. — Brunet, Manuel du libraire. 5 éd. Paris 1860— 80. 

Br. Mm. = British Museum. Catalogue of printed books. London 
1881 ff. : | 

Camp. = Campbell. Annales de la typographie néerlandaise au 
XV° siecle. La Haye 1872. | 

Cast. <= Castan. Catalogue des incunables de la bibl. publique de 
Besançon. Besançon 1893. 

Cat, B. = De Bure. Catalogue des livres provenans de la bibl. de 
M. L. D. D. L. V. Paris 1767. Bd. 1. 

Cat. D.C. — Catalogue de livres rares et précieur composant le 
cabinet de M. D*** D***, Paris 1883. 

Cat. F.D. Catalogue ill. des livres précieux faisant partie de la bibl. 
de M. A. Firmin Didot. Paris. 

Duff. — Duff. The Printers, Stationers and Bookbinders of West- 
minster and London from 1476 to 1535. Cambridge 1906. 

Marc. == Marcel. Les Livres liturgiques du diocèse de Langres. 
Paris 1892—99. 

Ren. — Renouard. Annales de l'imprimerie des Aldes. Paris 1825. 

Rep. = Repertoire des ventes publ. cataloguées de livres. Paris, 
1892. ff. | 

Andere Quellen sind in gekürzter Form angegeben. 


Amiens. 1504. — Cat. FD, Mai 1879, B. 126. 


1. Patis, Phil. PigouchetfürSim. Vostre. 
(1501-—1520.) 89 25 (a— r9.) — Br. 
V. 1586. — Grüsse, Trésot VII, 
£66. — Cat. FD. Mai 1879 ,8. 123. 

2. Paris (Sim. Vostre] [1508 —28], kl. 4°. 
Br. V, 1590. — Grasse, Trésor VII. 
866. 

8. Paris, Gilles Couteau für Guill 
Eustace, 1518 [1512—87], 8°, 112 
Fol. (a9, bi, e’, d, ei, f—m, A®. 
B- D*, E*). — Alàs. S. 15, — Br. V, 
1647. .— Br. Mm. — Grüsse, Trésor 
VII, 866. — Bibl. Nat. 

4. Paris, für Sim. Vostre [1515 ?] 
[1518—1530], 8*, 182 Fol. (a—c*. 
di, e—o5, à, 6, 19.) 22 lin. — Br. V. 


— Grässe, Tresor VII, 366. 

4a. Paris, für Didier Mahier u. Jean 
de La Porte, 1515, 8°. — Grüsse, 
Trésor VII, 866. 

5. Paris, Jean Amazeur für Magd. 
Boursette (Witwe Franc. Regnault) 
[1555—69], kl. 8%, 176 Fol. (a—o®, 
p5, aa—gg®, hht), 87 lin. — Ales, 
S. 99. — Br. V, 1656. .— Grüsse, 
Trésor VII, 866. 

Angers. 

6. [Rouen, Mart. Morin für Jean 
Alexandre in Angers] [1498 —1509], 
89, — Br. V, 1078. — Hain 8831. 

7. Paris, Phil. Pigouchet für Sim. 
Vostre, 1406 [1488—1508], 15.Febr., 


10. 


11. 


12. 


18. 


14. 


15. 


16. 


17. 


18. 


. Paris, 


6 


8°, 84 Fol. (a—l*). — Br. V, 1580, | 19. Rouen, Mart. Morin für Robinet Mace 


— Book Prices Current, 1905, 
8. 502. 

Phil. Pigouchet für Sim. 
Vostre [1504 ?] [1502-20], 8°, 
182 Fol. (a—c®, d‘, e—p, r, s%), 
21 lin. — Br. Mm. 


. Paris, Sim, Vostre, 1510. 4° (?) 


— Cat. B., 48. 

Paris, Phil. Pigouchet fiir Sim. Vostre 
[1910— 1520], gr. 8" 100 Fol. (a, b$, 
c*, d — h$, i, k*, 4, 6, 1*, 5%). — Cast. 
S. 426. — Br. V, 1592 (Almanach 
1510—80). — Grässe, Tresor VII, 
966. 

Paris, Sim. Vostre [1510—30], 8°, 
132 Fol. (a—c$, d*, f—o, à, é, 19), 
2] lin. — Alès, S. 28. — Br. Suppl. I, 
610. — Cat. FD, Mai 1879, S. 
125 f. — Br. Mm. 

Paris, Witwe Th. Kerver für Joan 
Varice, 1580. 10. Jan. 89.177 -|-8 Fol. 
— Br. V, 1685 f. 


Autun. . 


Paris, für Sim. Vostre [1507—27], 
8°, 154 Fol. (a—c®, de, e—r, à, 6, 
18), 21 lin. — Alès, S. 40. — Br. V 
1588 (156 Fol.). 

Paris, Nic. Hygman für Sim. Vostre 
[1512—30], 4°, 116 Fol. — Cat. FD, 
Mai 1879, S. 124. — Br. V, 1683 
(Vgl. Nr. 15). 

Paris, Nic. Hygman für Sim. Vostre 
[1512—30], 8°. — Br. V, 1588f 
(Vgl. Nr. 14). 


Auxerre. 


Paris, für Sim. Vostre [ca. 1507]. 
8°. — Br. V, 1589. 


Bayeux. 


Paris, Et. Jehannot für P. Regnault, 
1497, 31. Okt. 89, — Proctor 8841 
(Vgl. Nr. 18). 

Paris, [Th. Kerver] für Pierre Reg- 
nault, 1497, 8. — Br. V, 1616 
(Vgl. Nr. 17). 


in Caen [1503-10], 8%, 152 Fol. 
(A—T). — Br. V, 1679. — Grüsse. 
Trésor VII, 867. 

20. Paris, für Sim. Vostre [1515—30]. 
89 190 Fol — Br. V, 1594. — 
Book-Prices Current, 1906, S. 897 f. 

20 a. Paris, Sim. Vostre [(1515—80]. 8°, 
124 Fol. (a—49) — Book-Prices 
Current, 1904, 8. 178. 

21. Rouen, Jean Molard (= Mallard?). 
1541, 8%. — Br. V, 1681. 


Beauvais. 


21 a. Paris, für Sim. Vostre [1502 —20]. 
85, 144 Fol. (a—45, e*, f—0*, DI, è. 


i, ..8.) — Book-Prices Current, 
1908, S. 167. 
Besangen. 


. Paris, Ant. Verard, 1495 [1494— 1521]. 
20. Juni. 89, 124 Fol. (s, b, b$, c* 
d — p9). — Cast. S. 408. — Copinger 
II, 8053. — Br. V, 1606. 

. Paris, Phil. Pigouchet für Sim. Vostre 
[1502— 20], 5. Aug. kl. 89, 140 Fol. 
(a—d$, e*, f—33). — Cast. S. 424. — 
Br. Suppl. I, 608. — Br. V, 1585 
(Almanach 1501 — 20). 

Paris, Sim. Vostre, 1504. 5. Aug., 
95 Fol. — Rosenthal Cat. 7, 1902, 
S. 95. — Grüsse, Trésor VII, 867. 

Paris, [Ant. Chappiel?] für Sim. 
Vostre [1512—30], gr. 8°, 110 Fol. 
(a, b®, cf, d—k®. 1%, à, 6, 19, 09), 
80 lin. — Alös, S.48. — Cast. S. 428. 
— Br. V, 1598. — Rep. 1894, Sp, 
443. (In anderen Exemplaren der- 
selben Auflage ist die Diözese 
„Besanson“, hier „Besenson“ ge- 
schrieben.) 

Paris, Guill. Godard [1518 —30]. 
— Br. V, 1651. 

Paris, für Guill. Godard [1521 —33). 
gr. 89, 102 Fol. (a —mf, n9), 29 lin. 
— Ales, S. 49. — Book-Prices 
Current, 1904, S. 590. 

Troyes, Pierre Hadrot [1589]. kl. 
12°, 144 Fo]. (a—1, À, B). — Br. 


24. 


25. 


26. 8e. 


27. 


28. 


V, 1681f. — Grasse, Trésor VII, 
12 367 (1 Fol) | 

29. Troyes, Jean Lecoq 1547, 49, — Cat. 
Bibl. Poitiers, S. 185. 


39. 


Bourgos. 

30. Paris, fir Simon Vostre, 1487 (?), 
8°, — Br. V, 1575. 

81. Paris, Denys Meslier [1488—1508], 
8. Mai, kl. 49, 70 Fol. (A9, A8, Pa, 
B9, a— 69). .— Br. V, 1663. — Cat. 
FD, Mai 1879, S. 141. 

32. Paris, Sim. Vostre [1502—20], 8°, 
134 Fol. (a—c8, d*, e, f9, g*, h —o*, 
p^, à, 6, 19), 21 lin. — Alés, 8. 54. — 
.Br. V, 1587; Suppl. I, 607 f. 

82 a. Paris, für Guill. Godard, 1562, 89, 
— Book - Prices Current, 1902, 
S. 241. | 





Cambray. 


macle, 1500 (1501), 15. März, 8°. 

. , — Proctor 8397. i 

84. Paris, Phil. Pigouchet für Sim. Vostre 
[1510?], [1507 —28], 8°, 142 Fol. 
(a—c®, dt, e—i®, k®, 1—08, p*, a, 
č, 1,..3), 21 und 26 lin. — Ales, 8. 
65. — Br. I, 609. — Cat. FD, Mai 
1879. S. 125. — Br. Mm. 

35. Paris, Jean Herouf [1520?], [1514 — 
1530], 8°, 120 Fol. (a—p®), 22 lin. 
— Br. Mm. | 

96. Paris, für Sim. Vostre (1520 —36], 
8°, 186 Fol. Rep. 1897/98. 
Nr. 24846. — Book-Prices Current, 
1905, S. 502. 


49. 


Canterbury. 
37. [Antwerpen, 1520?], 4°, 26 lin. — 
Br. Mm. 


Chalons-sur-Saone. 
:38. Paris, Th. Kerver für Hugues Pageot, 


1499, [1487—1520], 7. Okt. 8°, 51, 


124 Fol. (a—p®, q‘), 22 lin. — Als, | 
8. 67. — Br. V, 1616. — Cast. 
S. 415. — Copinger II, 3054. — | 


41. 


42. 


44. 
45. 


46. 


33. Paris, Georg Wolf für Gillet Re- . 
48. 


| 50. 


Cat. FD, Mai 1879, 8. 181. — 
Grüsse, Trésor VII, 367. 


Chalons-sur-Marne. 


Paris, Phil. Pigouchet für Gauche 
Preta in Chalons [1510—30], 8°, 
128 Fol. (a—q9), 20 und 21 lin. — 
Alëg, 8. 71. — Br. Mm. 


. Paris, für Sim. Vostre [1512 —30]. 


gr. 8°, 98 Fol. — Rep. 1894—95. 
Sp. 556. — Br. V, 1593: (96 Fol.). 
— Grüsse, Trésor VII, 367. 

Paris, Franc. Regnault, 1534, 89. — 
Br. V, 1654. 

Paris, Pierre Jouault für Magd. Bour- 
sette (Witwe Franç. Regnault), 1550, 
17. Juni, 8*, 188 Fol. (aa— dd, a — h8. 
i, A—L*), 25 lin. — Alès, Suppl.. 
S. 8. 


| Chartres. 

Paris, Jean de Brye, o. J. 8°. [ca. 1525] 
— Br. V, 1671. | E 
Paris, Philippe Pigouchet, 1493. 89. 
— Br. V, 1572. — Grüsse, Trésor 

VII, 367. 

Paris, für Sim. Vostre, 1501, 10. Aug. 
89, — Br. Suppl. I, 607. — Paris, 
Bibl. Nat. 

Paris, Sim. Vostre [1502—20]. 8^. 
— Br. V, 1587. 


4T. Paris, Phil. Pigouchet für Sim.Vostre 


[1508 —2&], 4° 102 Fol. (a—l, à, é, 
i, 6). — Br. V, 1590. 

Paris, Gilles Couteau für Guill. 
Eustace, 1513, 8°, 110 Fol. — Br. 
V, 1647. — Paris, Bibl. Nat. 

Paris, für Guill. Godard [1514- 30]. 
8» 122 Fol. ([A], B. a— i, [Ai] 
Bi, Ci, Di’), 22 liu. — Ales, S. 74. 

Paris, Jolande Bonhomme, 1556 
[1556—69], kl. 89, (a—z, t, a, b, 
À, A, B). — Br. V, 1627. — Cat. 
FD. Mai 1879. S. 184. 

Paris, Jac. Kerver für Jul. Du Val 
1571, [1571-82], 8% 300 Fol. 
(a—c, a8, b*, c—p, a, B—J, k, l, 
M—U8), 24 lin. — Ales 8S. 75. — 


52. 


58. 


99. 


56. 


57. 


58. 


59. 


60. 


61. 


62. 


63. 


Paris, Sim. Vostre, o. 


Br. V, 1628, — Grüne, Tresor VII, 


368. | 64. 
Paris, Jean Le Blanc für Jac. Kerver, | 
| 1581. — BECh. 32. 
Clermont. 65. 


J. 8^. 


Br. 1598. 


. Paris, Jean Petit, 1540. — Br. V, 


1588. — Panzer TUN 212, 2741. 


66. 


Coutances. 


Paris, Phil. Pigouchet für Sim. 
Vostre, [1502 —20), 8°. (a—r), 22 lin. 
— Ales 8. 102. 

Paris, Nic. Hygman für Bim. Vostre 
[1519—30], gr. 8^. 98 Fol. (a, b°. 
c*, d—i, à, &, 19, 09), 29 lin. — Ales 
S. 108. — Br. V, 1597. — Book- 
Prices Current, 1902, S. 111. 
Br. Mm. (100 Fol.) 

Paris, Frang. Regnault, 1525. 8°. — 
Br. V, 1658. 

Rouen, Rob. Valentin, 1552. 89. — 
Br. V, 1681. 





England. 


See. usum Angliae. [London, Will. r 
Caxton 1478],89,12 lig. — Copinger SE? 
II, 8052. | 

Evreux. E 

Paris, Phil. Pigouchet far Sim. | 
Vostre, 1487, 4. Dez. 8°, 92 Fol. 
(A—M) — Reichling, Appendices 1. 
848. 

Paris, Phil. Pigonchet für Sim. 
Vostre, [1501—20], 89. 186 Fol. 


1 
! 


(A, b, ch, ON e—1$, 84), 21 lin. — 74. 


Ales S. 109. — Br. Suppl. I, 607. 
Paris (Rouen), Guill. Anabat für 
Pierre Regnault [1508—20], 8°, 
88 Fel. — Br. V, 1679. — Qrásse, 
Trésor VII, 868. | 


Paris, für Sim. Vostre (1518— 30]. | 16. 


49, 105 Fol, — Br. V, 1594. | 


67. 


68. 


69. 


. Paris, Phil. 


12. 


| 19. 


15. 


Genf. 


? ? ? 24*, 14 lin. — Copinger II, 
3056. 


Gouplileres. 
Goupilleres, Mich. Andrieu, 1491. 
8. Mai, 8°, — Br. V, 1675. 
Mem. soc. des antiquaires de 
Francey: 27, 1864, S. 56. 


Langres. 
Paris, Phil. Pigouchet für Sim. 
Vostre, 1501. — Mare. S. 125. 
Paris, Sim. Vostre [1502—20]. 4°, 
186 Fol. (a—c®, dé, e—r°, e*) 21 u. 
26 lin. — Marc. Suppl. 5. 51. 
Paris, Nic. de La Barre für Nic. 
de La Barre u. Mart. Alexandre 
[1506 —20], 24*, 72 Fel. (a—j9), 
35 lin. — Cat. FD. Mai 1879, S. 142. 
— Br. V, 1667. — Marc. S. 129. 
Paris, für Sim. Vostre [1512—30], 
49, 102 Fol. — Cat. FD. Mai 1879, 
S. 126. — Marc. S. 181. — Br. V, 
1598. 
Pigouchet far Guill. 
Godard [1515 ?], [1516-30], 8°, 
130 Fol. (A8, B, a—k, A— D’), 
22 lin. — Br. Mm. 


. Paris, Nic. Hygman für Sim. Vostre 


[1519 — 80], gr. 89, 104 Fol.(a, b8, 
ct, d—k, à, &, 7, 56) 29 a. 30 lin. 
— Ales S. 130. Marc. 8. 140. 

Troyes, Jean Lecoq [1542—65], 12°, 
2% Fol. (a9, b— g!?, ht, i, +9, 
A—DU, E*, À, A, A—OC", D$, 
86 lin. — Ales S. 181. — Marc. 
S. 158. 

Troyes, Jean Lecoq [1544-67], 
Mare. S. 154. 

Troyes, Jean Lecoq (1I, [1975 — 
1601], 12, 99 Fol. — Br.V, 1682 f. 
— Marc. S. 167. 

Troyes, Jean Du Ruau, 1587, 89, 
99 Fol. — Grüsse, Trésor VII, 868. 
Marc. S. 167. 

Troyes, Jean Lecoq (1I), [1589— 
1612], 8", 200 Fol. (A—N, A—M®), 


77. 


78. 


79. 


80. 


8]. 


82. 


88. 


84. 


85. 


86. 


87. 


89. 


. Paris, 


29 lin. — Albs S. 132. — Br. V, 
1682 f, — Marc. S. 168. 


Laon. 


Paris, far Sim. Vostre, o. J. 89, — 
Br. V, 1598, — Grüsse, Trésor VII, 
868. 


Lausanne. 


Paris, für Sim. Vostre 1509 [1508— 
28], 100 Fel. — Br. V, 1591. 


Liége. 

Antwerpen 1480. 8° — Camp. S. 275 
— Hain 8850 — Panzer I, 5, 4. 

Paris, Th. Kerver, 1500, 8. Febr., 
89, — Br. V, 1617f. — Grüsse, 
Trésor VII. 868. 

Paris, Philippe Pigouchet. 1500, 
7, Okt, 89. — Br. V. 1578. — 
Hain 8832. (Vgl. Nr. 82.) 

Paris. Phil. Pigouchet für Sim. Vostre 
1500. 12. Okt., 8%. — Proctor 8204. 
— Hain 8832. (Vgl. Nr. 81.) 

Paris, Guil). Anabat für Geofroy de 
Marnef [1510?] [1510-19], 8e, 
140 Fol. (a—r$, s*), 28 lin. — Br. Mm. 


Limoges. 

Paris, Gilles Hardouyn, o. J. [ea. 1510), 
49, 112 Fol. (a—k, À, aa, 16 Fol.) 
— Br. V, 1686f. — Rep. 1896/97 
Nr. 11192. 

[ Parie, Sim. Vostre] [1508 —928], kl. 89. 
— Br. Suppl. I, 610. — Grüsse, 
Trésor VII, 868 f. 

Parie, Hardouyn [1515—80], 8%. — 
Br. V. 1686 f. 

Limoges, Guill. de La Nouaille, 1559, 

8. Febr., 8%, 178 Fol. (A—YS*, 28 lin. 
— Ales 8. 146. - 


. Limoges, Hugues Barbou, 1532., 8°, 


216 Fol.— Kep. 1897/98, Nr. 22639. 


Lisieux. 
Rouen, Jacques Le Forestier, 1404, 
4. Okt. 8%. — Br. V, 1679f. 
Phil. Pigouchet für Sim. 
Vostre [1502—20], 89, 148 Fol. 


(a—s$, t) 21 lin. — Alès S. 150. 
. — Br. V, 1587. | 
91. Paris, für Sim. Vostre [1519— 30], 
kl. 4%. — Br. V, 1597. — Grüsse, 
Tresor VIT, 369. 


Lyon. 

92. Paris, (Jean Dupré} [1491 - 1520], 
kl. 8%, 104 Fol. (a—n5) 21 lia. — 
Br. V, 1613f. Cat. FD, Mai 
1879, S. 129. — Rep. 1894, Sp. 484. 

93. Paris, Phil. Pigowchet, fir Toussaint 
Demontiay, 1496. 80. Juli,8°,92 Fol. 
26 lin. — Copinger IJ, 3058. 

98 a. Paris (Jean Dapré) für Sim. Vostre, 
1496, 15. Febr. 89,88 Fol. (a —19), 
26 lin. — Reichling, Appendices II,. 
S. 51 f. — Prector Nr. 8045. 

94. Paris, Phil. Pigouchet für Sim. 
Vostre [1502—20], 8° (a—i*, m4), 
— Br. V, 1683. — Cat. FD., Mai 
1879, S. 123. 

95. Paris, Sim. Vostre [1519], ge, — 
Br. V, 1598. (Vgl. Nr. 96.) 

96. Parie, für Sim. Vostre [1518 —30], 
49, 100 Fol. — Cat. FD, Mai 1879; 
8. 126. (Vgl. Nr. 95.) 


Macey. 
97, (Sec. usum Martini de Maceyo), Paris, 
Phil. Pigouchet Ten, 1497], 8°, 
85 Fol. — Rep. 1894. Sp. 434. 


Macon. 


98. Paris, Phil. Pigouchet fir Simm. Vostre, 
{1502—20], 8°, 96 Fol. (a—m*), 
27 Nn. — Ales S. 190. — Br. V, 
1587. | | 

99. Lyon, Thibauld Payen, 1584 [1552 
—75], 160, 185 +9 Fol. — Baudrier, 
Bibl. Lyon, [V, 259f. 


Mans. 


100. Paris, Jean Poytevin, 1498 (1499). 
20. Febr., 8%. — Proetor.8866. 

101. Paris, Phil. Pigouchet für Sim. 
Vostre 1500[1497— 1520], 25. April, 
8%, 124 Fol. (a— c$, d*, e—q9) 21 Jiu. 


— 10 


— Copinger II, 8057. — Cat. FD. 
Mai 1879, S. 122. — Br. Mm, — 
Proctor 8200. 
102. Paris, Th. Kerver für Jean Petyt 
und Pierre Cochery, 1500 (1497— 
1520]. 29. Mai, 8°, 74 Fol. (a—h$, 
i'0), 29 lin. — Alés S. 187. — Br. 
1617. — Grüsse, Trésor VII, 869. 
102 &. Paris, Pierre Le Dru, 1506. 89, — 
Grüsse, Trésor VII, $69. — Oxford 
Bodleiana. 
Paris, Ant. Vérard, 1508, 8°, — Br. 
V, 1611. — Grüsse, Tiésor VII, 
869. 
Paris, Sim. Vostre 1510 [1510 —80], 
gr. 89. 96 Fol. (a, b$, c*, d—h$, 
i9, à, 19, 69), 29 lin. — Alès S. 189. 
— Br. V, 1592. 
Paris, Jolande Bophomme (Witwe 
Th. Kerver) für Alex. Chouan in 
Mans. 1540, 8°. — Cat. Bibl. Poitiers 
S. 185. . 
105 a. O. O. u. Dr. 1572, 80, — Grasse, 
Trésor VII, 869. 
Paris, Nic. Chesneau, 1575, 89, 
8 + 144 + 423 S. — Br. V, 1674. 
— Grässe, Tresor VII, 869 (660 S.) 
Meaux. 
Paris [Für Sim. Vostre] [1497 ?], 
8%. — Br. V, 1581. 
Paris, für Jean de Brye [1521— 80], 
89, 128 Fol. (A—Q). — Br. V. 1671. 
— Br. Mm. — Grásse, Trésor VII, 
869. 


103. 


104. 


105. 


106. 


107. 


108. 


Metz. 


Metz, Jean Magdalene, 1498. 8. Nov. 
89, 108 Fol. (a—p). — Br. V, 1677. 
— Grüsse, Trésor VII, 369. 

Paris, für Ant. Vérard, 1506, 22. Aug. 
8°, — Br. Suppl. I, 614. 

. Paris, für Sim. Vostre [1507—27]. 
8°, 140 Fol. — Br. V, 1589. — 
Grüsse, Trésor VII, 369. 

Paris, für Sim. Vostre [1518--80], 
gr. 8^, 104 Fo]. (a, b9, c*, d—i$, 
k?, à, 8, 13, 66) 29 lin. — Alès 
8. 179. — Br. V, 1684, Suppl. I 
610 f. | 


109. 


110. 


11 


— 


112, 


eo 


118. Mons, Rutger Velpius,. 1584, 8t, 
199 Fol. — Br. Mm. 


Nantes. 


114. Nantes, Etienne De Larchier, 1498, 
(1499), 27. Jan. 8*. — Copinger II, 
8059. — Br. V, 1678. 

115. Paris, Phil. Pigouchet für Sim. 
Vostre, 1500, 89. -— Br. Suppl. I. 
607. — Copinger Il, 8060. 

116. Paris, für Sim. Vostre [1502— 20]. 
89, 100 Fal (a— m$, n*). 26 lin. 
— Ales S. 197. — Br. V, 1587. 

117. Paris, für Sim. Vostre [1515— 80]. 
4°, 108 Fol. — Panzer XI, 494. 
— Br.V, 1594 f. 

118, Paris, Nic. Chesnau, 1582, 8°. — 
Br. V, 1674. 


. Nevers. 


119. Paris, für Sim. Vostre 1507 [1507 — 
21], CN (a— e$, d*, e—p®, q*, à, €, 
1), 21 lin. — Ales S. 199. — 
Br. V, 1589. — Book - Prices 
Current, 1906, S. 589. 

119 a. Paris, für Sim. Vostre, 1509. 8°. 
— Grässe, Tresor VII, 369. 

120. Paris, Sim. Vostre —— 8 — 
Br. V, 1595. 


Noyon. 

121. Paris, Phil. Pigouchet für Vostre, 
1498, 8. Aug. 8°, 86 Fol. — Br. 
V, 1582. — Grasse, Tresor VII, 
869. 

121 a. Paris fiir Sim. Vostre, 1498, 
27. Aug. 8%. — Grässe, Tresor VII, 
369. 

122. Paris, für Sim. Vostre [1506 —20]. 
8", 100 Fol. — Br. V, 1587 f. 


Orléans. 


123. Paris, Nic. Hygman für Sim. Vostre 
[ea 1507], 8°. — Br. V, 1589. 

121. Paris, Fel. Baligault für Ant. Vérard, 
1500. 14. Aug. 8°, 92 Fol. (a8, bt, 
c—h, aa—dd®), 32 lin. — Proctor 
8266. — Br. Mm. 


125..Paris, Sim. Vostre, az 80, 
— Br. V, 1587. 

126. Paris, für Ant. 
[1508—20], 25. Sept. 8%, 94 Fol. 
— Rep. 1896/97, Nr. 8860. — 
Book Prices Current, 1908, S. 60 f. 

127, Paris, Sim. Vostre (1510 — 80], gr. 8° 
(a, b3, ct, d—k, a, 6, i, 5%), 29 lin. 
— Ales 8. 204. 

127 a. Paris, für Sim. Vostre, 1520. 4* — 
Grässe, Tresor VII, 370. — Panzer 
VIII, 68, 1224. 

128. Paris, Godard [1521— 86]. 89. 


Paris. 

128 a. Paris, Boyet [ca. 1520]. 8°. — 
Book-Prices Current, 1902, S. 110. 

129. Ulr. Gering u. B. Remboldt, [1491] 
kl. 89, 116 Fol. — Rep. 1896/97, 
Nr. 8228. 

129 a. Paris. Giltes Hardouyn, 0. J. 8°. 
108 Fol. — Book-Prices Current. 
1902, S. 693, — Panzer VIII, 218, 
2809. 

180. Paris, Jean Petyt, o. J. 89. — Br. 
V, 1667. — Grüsse, Trésor VII, 
871. 

131. Paris, Phil. Pigouchet [1491—92], 

' 49 — Proctor 8181. 

13la. Paris, für Ant. Vérard [1500] 
kl. 4%, 110 Fol. — Grässe, Tresor 
VII, 870. 

181b. Paris, fiir Nic. Vivien, o. J. 80, 
124 Fol, — Grüsse, — VII, 
871 f. 

132. Paris, Ant. Vérard, 1487, 7. Jul. 

. 86 141 Fol 17 lin. — Br. Y, 
1600 (Hain 8884?) 

183. Paris, Philippe Pigouchet, 1488. 8°. 
— Br. V, 1571. 

134. Paris, Philippe Pigouchet [1488— 
1508]. 8°, 91 Fol..25 lin. — Br. 
V. 1570 f. 

184 a. Paris, für Ant. Vérard, (1888— 
1508] 4°, 94 Fol. 20 lin. — Grüsse 
Tresor, VII 370. 

135. Paris, Ant. Vérard [1488—1508], 
89, 104 Fol. — Br. V, 1604. 


Vérard, 1504, 


1 — 


180. Paris, Et. Janot für Ant. Vérard; 
[1488— 1508], 8°, 112 Fol. $8 lin. 
— Rep. 1894, Sp. 442. 

187. Paris, für Ant. Vérard, 1489 (1488 
—1508].-8. Febr. 89, 8-192 Fol. 
— Br. V, 1605. 

188. Parie,. fir Ant. Vérard, 1489, 4°. — 
Br. V, 1605. 

189. Paris, für Ant.Verard, 1490, 20. Aug. 
4°, 106 Fol. — Br. V, 1605 f. 


140. Paris, Philippe Pigouchet (für 
Geoffroy Marnef) 1491, [1488— 
1508), 1. Dez. 4°%, 92 Fol. (A— 
18, M*) 2 col., 25 lin. — Br. V, 
1571. — Rep. 1896/97, Nr. 12967. 
— Copinger Il, 8063. — Br. Mm. 
— Proctor 8179. — Soleil, Heures 
Goth. S. 288 ff. i 

141. Paris, Estienne Jehannot [1498— 
1508], kl. 89, 100 Fol. (a—k, A, 

: B9, C9), 28 lin. — Alès, S. 210. 

142. Paris, Philippe Pigouchet, 1494, 
15. Jan., kl. 8°, (a—m). — Br. V, 
1572. — Grüsse, Trésor VII, 370. 

143. Paris, Udalr. Gering und Bercht. 
Rembolt, 1494, 129, ‚152 Fol. — 
Br. V, 1665. 


144. Paris, für Ant, Vérard, 1495, 8. Jul., 
8% — Br. V, 1606. Bock-Prices 
Current 1902 S. 807. 
144 a. Paris, Wolfg. Hopyl [1495 — 1508] 
8°, 116 Fol. — Grässe, Tresor 
VII, 870. 


145. Paris, Philippe Pigouchet für Simon 
Vostre, 1496, 4. Juli, 89, 132 Fol. 
— Br. V, 1579. 

146. Paris, Ulr. Gering, 1496, 15. Okt., 
89, — Proctor 8305. 


147. [Paris Ulr. Gering u. Bertb Rem- 
bolt, 1496], [1495 — 1508], 8°, 
116 Fol. (+, a—u8, of), 21 lin. 
— Copinger Il, 8061. — Cat. 
FD, Mai 1879, S. 129 f. — Br. 
Mm. 

148. Paris, für Sim. Vostre, 1497 [1498 — 
1508]. 8. Sept., gr. 8? (a*, b—ms, 
nt), 26 lin. — Ales, Suppl., S. 14. 


148 a. Paris, Phil. Pigouchet far Sim. 
Vostre, 1497, 14. Dez. gr. 8°, 
88 Fel. — Grüsse, Trésor VII, 
870. (Vgl. Nr. 149.) 

149. Paris, Phil. Pigeuchet für Sim. 
Vostre, 1497 [1488—1508], 23. Dez. 
80, 88 Fol. (a—19.26 lin.— Proctor 
8192. — Br. Mm. — Panter IX, 
9257. — Hain 8885. — Br. V, 1581. 

150. Peris, Ulr. Gering u. Berth. Rem- 
bolt, 1408, 7. Mars, kl. 8°, 186 Fol. 
— Hain 8836. — Br. V, 1665. 
Grüsse, Trésor VII, 371. — Paris, 
Bib]-Nat. 

Paris, Jean Poytevin, 1498 [1488— 
1508], 15. Mai, 8°, 104 Fol. (a—i, 
k, k— m$), 26 lin. — Proctor 8368. 
— Br. Mm. . 

. Paris, Ulr. Gering w. Berth. Rem- 
bolt für Sim. Voetre, 1498 [1498— 
1508], 8. Sept., kl. 49, 96 Fol, (at, 
b—m$, n*), 26—27 lin. — Proctor 
8808. -- Br. Mm. — Copinger II, 
3064. — Br. V, 1583. 

[Paris, Galliot Du Pré], [1498— 
Proctor 1517], kl. 89, 148 Fol. 
21 lin, — Br. V, 1666. 

Paris, Th. Kerver (Georg Wolf), 
1499 [1497—1520], 9. Apr, 8*, 
124 Fol. (a—p$, 'q9), 88 lin. — 
Proctor 8882. — Br. Mm. 
Copinger II, 8065. 

. Paris, Th. Kerver für Gilles Re- 
macle, 1500, 8. Febr., 8°, 123 Fol. 
— Br. V, 1617. 

. Paris, Phil. Pigouchet für Sim. 


151. 


158. 


154. 


12 





| 166. 


ug, kt, A—D*), — Br. V. 160Y.. 
— Copinger If, 3066. — Rosen- 
thal 1896. Cat. 14, Nr. 1146.. 
159. Paris, (?) 1500, 8°, 33 lia. — Cepinger 
II, 3082. 
160. Paris, Guill. Anabat für Germ. 
Hardouyn [1500— 90], 8*, 144 Fel. 
— Br. V, 1680. — Rep. 1894/95,. 
Sp. 554. ; 
Paris, Ant. Verard [1500-21] 8°. 
— Book-Prices Current 1903 S. 
63. 


161. Paris, Ulr. Gering u. Berth. Rem- 
bolt, 1502, 20. Mai, 8°, 150 Fol. 
— Br. Suppl. X, I, 620. — Grüsse, 
Trésor VII, 872. (Vgl. Nr. 162.) 

Paris, Udalr. Gering u. Berth. Rem- 
bolt, 1502 [1503 — 14], 8*; 152 Fol. 
— Br. V, 1665. — Rep. 1894, Sp. 
434. (Vgl. Nr. 161.) 

Paris, fir Nic. Vivien [1503 - 20], 
8%, 124 Fol. — Br. V, 1669. — 
Cat. Bibl. Poitiers, S. 186. 

Paris, Ant, Vérard, 1504, 25. Sept., 
8°, 91 Fol. — Br. V, 1608. 

Paris, für Ant. Vérard, 1506 [1503— 
1520], 22. Aug., 8°, 8-+ 132 Fol. 
— Br. V, 1608. — Paris, Bibl. Nat. 

Paris, für Ant. Vérard, 1507, 30. Okt. 
Maittaire Index I, 499. 

Paris, Phil. Pigouchet far Guill. 
Eustace, 1507, 8°. — Br. V, 1645. 
— Grässe, Tresor VII, 871. 

68. Paris, für Ant. Vérard, 1507 [1508 — 

. 1520], 8*, 125 Fol. — Br. V, 1609. 


160 a. 


162. 


163. 


164. 


165. 


167. 


Vostre, 1500, 25. Apr, 89. — | 168 a. Paris, Sim. Vostre, 1507 [1508 


Br. V, 1584. — Univ. Bibl. Upsala. | 


— (Grüsse, Trésor VII, 870. 

197. 
1500 [1497— 1520], 20 Jun., 4°, 
96 Fol. (a—m3). — Copinger II, 
8067. — Br. V, 1688; Suppl I, 
615. — Hain 8888. — Cat. FD. 
Mai 1879, S. 182. — Rep. 1896/97 
Nr. 9212. — Grüsse, Trésor VIT,371. 

. Paris, [Ant. Vérard], 1500 [1497 — 
1500], 22. Okt., 8° (8, Bb1%, a—h$, 


Paris, Tb. Kerver für Guill. Eustace | 169. 


— ]4° 142 Fol. — Book-Prices 
Current 1905, 8. 102. 

Paris, far Sim. Vostre [1507—27]. 
89, 8-- 128 Fol. — Br. V, 1588. 

Paris, Ant. Verard, 1508 [1503 - 20],. 
21. Jul., 8%, 122 Fol. — Br. V. 
1609. 

Paris, Sim. Vostre [1508 —28]. An, 
104 Fol. (a, b$, c*, d, — i9, k6, a,. 
é, 19, 09), — Cat. FD, Juni 1883,. 
S. 61. 


170. 


171. 


172. 
= Vostre [1510?] 1508-28], 4° 
90 Fol. (a, b9, et, d—i$, k, à, es), 


29 lid. — Br. Mm. — Br. V, 
1590. Book-Prices Current 1902, 
8. 408. 


"H8. Paris, Ant. Vérard, 1509 [1503 —20], 
15. Febr, 8%, 8 -- 120 Fol. 
Br. V, 1610. 

Paris [Jean Bignon?] für Jean de 
Brye, 1509 [1508-20], 12. Juli, 
8^, 186 Fol., 281lin. — Al2s S. 212. 

Paris, Jean Barbier und Guill. Le 
Rouge, 1509, kl. 8*, 182 Fol. 
— Rep. 1895,96, Nr. 2582. - 

Paris, Apt. Verard, 1519 [1508 
—20]. 21. Juni, 8%, 125, Fol. — 
Br. V, 1610. 

Paris, für Ant. Vérard, 1510 [1503 
— 20}, 21. Juni, 8%, 128 Fol. (a8, 
bt, A!2, b—k*, A—D*), — Br. V, 
1610. (Vgl. Nr. 178.) 

Paris, Ant. Vérard, 1510 [1508 —20], 
21. Ju, 89, 130 Fol. (a9, big, 
&—k, A— D*), 22 lin. — Dr. Mm. 
(Vgl. Nr. 177.) 

Paris, für Ant. Verard, 1530 [1503 
--20],8*, 135 Fol. — Rep. 1894/95, 
Sp. 555. 

Paris, Phil. Pigouchet für Ant. 
Vérard, 1511 [1510—30], 23. Nov., 
89, 130 Fol. (a8, b'9, a—k, À—D95) 
22 lin. — Br. Mm. 

Paris, Jean Bignon für Jean de Brye 
[1512— 23]. 89, 120. Fol, — Br. V, 
1670. 

Paris, Guill. Eustace [1512 —17], 
8%. — Br. V, 1646. (Vgl Nr. 188.) 

Paris, Gilles Couteau für Guill. 
Eustace [1518?] [1512— 27]. 4 
112 Fol. (a8. b*, c, d, e*, f—m, 
A*, B — D*, E9), 28 lin. — Br. Mm. 
(Vgl. Nr. 182.) 

189 a. Paris, Phil. Pigonchet [1512—27] 

8* — QGrüsse, Trésor VII, 871. 

184. Paris, 

Eustace, 1518, 8^. 


174. 


175. 


176. 


177. 


178. 


479. 


180. 


181. 


182. 


183. 


— Alès, S. 212. 


13 


Gilles Couteau für Guill. 


Paris, Phi, Pigouchet fir Sim. | 185. Paris, fir Guill. Godard [1513—28]. 


. 8%, 8 +- 120 Fal. (A—P). — Br. V, 
1649% 

186. Paris, Guill. Godard [1518 —30], 90, 
125 Fol. — Rosenthal Kat. 18 
(1898). 

187. Paris für Ant. Vérard [1513— ] 
kl. 8°. — Br. V, 1610.. 

188. Paris, für Guill. Godard [1514—80]. 

8%, 126 Kel — Hep. 1894, Sp. 
442. 

188 a. Paris, für Nic, Vivien, 1515 3. Jan. 
8°, — Grüsse, Trésor VII, 311 — 
Panzer VIUM, 26, 818, (Vgl. Nr. 
190. 

189. Paris, Guill. Godard, 1515, 89, — 
Br. V, 1650. 

190. Paria, Gilles Couteem für Nie. 
Vivien, 1515 [1515—27], 4°, 120 
Fol. (a, b8, ct, d—l, A—D8, E4), 
29 lin. — Br. Mm. — Book-Prices 
Current 1901, 8. 154. 

191. Paris, Nic. Hygman für Jean de 
Brye [1515 - 30], 4%. — Quaritch 
Cat. 144 (18%), S. 16. (Vgl 
Nr. 193.) 

192. Paris, für Sim. Vogtre [1515-30]. 
89 (a—c8, d', e, 19, £6, h-—08, of, 
i, & 18) (zwei sehr ähnliche Aus- 
gaben). — Br. V, 1595. — Ales. 
S. 213. — Bernard, Tory 8. 113f. 
Quaritch Cat. 118 (1891), S. 67. 

193. Paris, Nic. Hygman für Jean de 
Brye, 1516, 8°. — Rep. 1897/98. 
Nr. 17243. — Br. V, 1670. (Vgl. 
Nr. 191.) Grässe, Tresor VII, 372. 


194. Paris, für Nic. Vivien, 1517,12. Okt. 


89 — Br. V, 1669. 
Nat. 

195. Paris, Jean Poytevin, 1518, 8%. — 
Br. V, 1667. — Grasse, Trésor 
VII, 871. 

196. Paris, Bertb. Rembold, 1518 [1518 
— 34], 8%, 136 Fol. — Rep. 1894, 
Sp. 434. | 

197. Paris, Gilles Couteau für Guill. 
Eustace, 1519. 8°, — Quaritch, 
Cat. 118 (1891), S. 67. 


Paris, Bibl. 


197 a. Paris, Germ. Hardouyn 1519. 8°. 
— Grässe, Tresor VII, 371. 

198. Paris, Witwe Th. Kerver, 1522 
[1523—36], 16. Febr., 4°, 124 Fol. 
(A—P®, Q1), 82 lin. — Br. Mm. 
— Br. V, 1628 f (A—p® q‘, aa?). 
— Rep. 1895,96, Nr. 2538. (Vgl. 
Nr. 199.) 


199. Paris, Witwe Th. Kerver, 1522, 
16. Febr., 4°, 182 Fol. — Cat. FD. 
Mai 1879, S. 188f. (Vgl. Nr. 198.) 

200. Paris, Germ. Hardouyn (1522 - 84], 
gr. 8^, 98 Fol. — Br. V, 1630. 

201. Paris, Pierre Auffray, 1524, 4%. — 
Br. V, 1672. — Grüsse, Trésor 
VII, 372. — Ebert. 

202. Paris, Germ. Hardouyn [1524— 87] 
kl, 89, — Br. V, 1640. Book- 
Prices Current, 1908, S. 260. 

203. Paris, Nicole Vostre [1524—83], 
8°, 154 Fol. — Br. V, 1598. 

2082. Paris, Witwe Th. Kerver, 1525 
19. Febr. gr. 8%. — Grüsse, Trésor 
VU, 371. (Vgl. Nr. 204.) 

204. Paris, Witwe Th. Kerver, 1525, 
[1925— 88]. 19. Juni. gr. 89, 144 
Fol. 20 lin. — Rep. 1896/97, Nr. 
12844 (Vgl. Nr. 205.) 

Paris, Witwe Tb. Kerver, 1525, 
19. Juni. gr. 4, 136 Fol. (A— R$) 
29 lin. — Br. V, 1624. — Cat. B. 
S. 48. — Rep. 1894, Sp. 442. — 
Br, Mm. (Vgl. Nr. 204). 

Paris, für Et. Auffray [1525 — 45], 
gr. 8°, 102 Fol. — Rep. 1897/98, 
Nr. 19090. 

Paris, [Pierre Roffet] für Sim. 
Hadrot [1525—45], kl. 49 98 Fol. 
(a—k, à—6). — Br. V, 1672. 

Paris, [Nic. Hygman] für Nic. Vostre 
[1525—45] gr. 8°, (a, b8, ct, d— i$, 
k®, ä, &, 19, 65) 29 lin. — Ales S. 
213. — Rep. 1894,95, Sp. 557. 

Paris, Germ. ——— 1526. 8°. 
— Br. V, 1640. 

Paris, Sim. Du Bois für Geofroy 
Tory 1527, 22. Okt. 4%, 140 Fol. 
(a— 19, 56), 25 lin. — Br. V, 1658 f. 


205. 


206. 


207. 


208. 


209. 


210. 


14 


— Rep. 1894, Sp. 435: 1896/97, 
Nr. 19991. — Cat. F.D. Mai 
1879, S. 188. — Ales Suppl. S. 14. 
Bernard, Tory, S. 39. — Br. Mm. 

210 a, Paris, Sim. Du Boir, 1597. 8 — 
Grüsse, Trésor VII, 872. 


211. Puris, Germ. Hardouyn, 1527, (1596 
—97], 89, 120 Fol. (A —P) 24 lin. 
— Ales S. 214. 

212. Paris, Jean Petyt [1528—43], 48. 
180 Fol. — Rep. 1894, Sp. 442. 

213. Paris, Jolande Bonhomme (Witwe 
Th. Kerver) 1530, 26. April, s*. 
168 Fol. — Rep. 1894, Sp. 442, — 
Br. V, 1625. 


2138. Paris, Th. Kerver 1588. 15. J&n. 
80, — Grüsse, Trésor VII, 871. 

213b. Paris, Th. Kerver 1585. 4°, 
Grässe, Tresor VII, 871. 

214. Paris, Frang. Regnault für Jean 
Mallard in Rouen, 1585 [1585 — 
48], 8°, 184 Fol. — Br. V, 1655. 


215. Peris, Geofroy Tory, 1586, 12°, 
164 Fol. — Rep. 1895/96, Nr. 4168. 

216. Paris, Germ. Hardouyn, 1540, kl. 8°, 
(A—O). — Br. Suppl. I, 619. 

217. Paris, Witwe Jean de Brye, 1548, 

| 8*, — Bernard, Tory S. 98. — Br. 

V, 1671. 

218. Paris, Magd, Boursette, 1550. 8°. 
— Cat. B. S. 48. 

219. Paris, Th, Kerver, 1552, 12°. — Br.V, 
1626, — Grüsse, Trésor VII, 871. 

220. Paris, Jolande Bonhomme (Witwe. 
Th: Kerver), 1554, 8% 192 Fol. 
(+, a—z®), 23 lin, — Alès S. 216. 

220a. Paris, 1558, 8%. — Grässe, Tresor 


VII, 872. 

221. Paris, Jac, Kerver, 1561. — B.E. 
Ch. 51. 

222. Paris, Jac. Kerver, 1569. — B.E. 
Ch. 51. 


228. Paris, für Witwe Sim. Verdyer, 
[1570 —80], 89, — Rep. 1896/97. 
Nr. 12997. 

224. Paris, Jac. Kerver, 1575, 182+-38 
Fol. — Rep. 1897/98, Nr. 22283. 


295. Paris, Julien Duval, 1582, 8*, — 
Br. Mm. — Book Prices Current 
1906 S. 568. 

226. Paris, Guill. de La Noue, 15 (85?] 
[1588—97]. 16°, — Br. Mm. 

226 a. Paris, 1594. 49. — Grüsse, Trésor 
VII, 372. 

Poitiers. 

227. Paris, Gilles Hardouyn [1520?] 4°, 
80 Fol. (A—K®). — Br, Mm. 

228. Paris, für Ant. Vérard [1488—1508] 
4°, 140 Fol, (A—P, A - G). — Br. 
V, 1608. — Rep. 1894, Sp..436. 

229. Paris, Phil. Pigouchet für Sim. 
Vostre, 1491, [1488— 1508], gr, 8^, 
2 col. 70 Fol. (aa—hh$, ii€) — 
Rep. 1894/95, Sp. 553, 

230. Parie, für Geofroy de Marnef, 1498. 
28. Juni. 89, 88 Fol, (a—1), 25 lin. 
— Ales S. 227, 

281. Paris, Sim. Vostre, 1506, 8°. 
Br, V, 1588. — Grüsse Trésor, 
VII, 872. — Panzer VII, 517, 150. 

232. Paris, Phil. Pigouchet, [1510?]. 
(1507—27], 8^, 92 Fol. (a — h$, i$, 
4, 6, 18), 26 lin. — Br. Mm. 

288. Paris, Sim, Vostre [1508— 28], 89. 
— Br. V, 1590. 

234, Paris, Gillet Hardouyn [1509 oder 
1510], 4°, (A—K, aa, A, X, y, 2) 
— Br. V, 1686. 

Paris, für Guill. Godard [1514—30] 
89, 122 Fol. (A8, B'&, a—i, A—D*) 
22 lin. — Ales S. 280. 

Poitiers, Jean Coussot für Jacques 
Bouchet u. Nic. Pelletier, 1525, 
20. Dez. 4?, 120 Fol. 25 lin. — 
Br. V, 1678. 

. Paris, Witwe Th. Kerver für Jean 

Varice, 1525, 8 — Cat. Bibl. 
Poitiers S. 186. 


285. 


236. 


288. Poitiers, 1576. 8° — Cat. Bibl. 
Poitiers S. 186. 
Quimpercorentin. 
289. Paris, Th. Kerver, o. J. 8%. — Br. 
V, 1685. 
240. [Nantes, 1518?] kl. 8^, 86 4- 72-|-68 


Fol, (aa-—dd®, ee*; a—i*; A—H® 


15 


J*), — Cat. F.D. Juin 1888, S. 65. 
— Br. Suppl. I, 621. 


240 a. Paris für Sim, Vostre [1502— 20] 
89. — Book-Prices Current, 1906, 
S. 124. 


241. Paris, für Sim. Vostre [1507—27], 
kl. 89, 128 Fol. (a—c?, d*, e—n$, 
o*, à, 6, 19), 21 lin. — Ales S, 248. 
— Br. Suppl, 7, 609 (126 Fol.) — 
Grüsse, Trésor VII, 872. 


242. Paris, Phil. Pigouchet für Sim. 
Vostre [1506?]. [1502-20] 8°, 
92 Fol. (a- 18, m*), 26 lin. — Br. 
Mm. — Br. V, 1587. 
248, Paris, für Sim, Vostre [1513—30], 
gr. 89. 106 Fol. (a—k, à*, à*, 1$, 09), 
30 lin. — Ales S. 240. — Br. 
Suppl. I, 611. 
248 a. O. O; o, Dr. 1514. 4%. — Grüsse, 
Trésor VII, 872. 
244. Paris, für Guill. Godard [1516 — 27], 
^ 89. — Br, V, 1651 f. 
245. Paris, Nicole Vostre [1520— 
, 8», — Br. V, 1598. 


) 


245 a, Paris, für Sim, Vostre [1515 — 30]. 
4*, (A —C*, d’, e—p?, à, & 1, 0, 05, 
aat.) — Br. V, 15965 f. 


246. Paris, für Jean de Brye [1520?,] 8°, 
128 Fol. (A — Q9), 26 lin. — Br. Mm. 

247. Paris, Nic. Hygman für Jean de 
Brye [1515?]. 89, 120 Fol. (A— 08) 
25 lin. — Br. Mm. 

248. Paris, Pierre Vidoue für Jean de 
Brye [ca 1520], 16°, 112 Fol. — 
Rep. 1894, Sp. 433. 

249. Paris, Ant. Caillaut o. J. 4*. 
Proctor 7968. 

290. Paris, Ant. Chappiel o. J. 8 , — Br. 
V. 1644. 


er A E 


:251. Paris, Phil. €oste, o. J., 8*. — Br. V, ' 204 a. Paris, Gilles Hardouyn, o. J. 4°, 


1672. 64 Fol. — Grässe, Tresar VII, 376. 

252. Paris, Jean Du Pre [1488?], 8°,' 265. Paris, Guill Anabat für Gilles 
124 Fol. (8 Fol., C—K®, .°.4, a—c8), ' Hardenyo und Germ. Hardevyn, 8°, 
21 lin, — Br. Mm. — Proctor 8043. 99 Fol. (A —M*, N!). — Rep. 1897, 

253. Paris, Jean Da Pré [1488?), 8°. 1898, Nr. 27472. 

— Proctor 8044. | 966. Paris, Guill. Anabat für Gilles Har- 

‘254. Paris, Guill. Eustace, o. J., 8% — douyn u. Germ. Hardouyn (ca. 

| Br. V, 1648. 1500]. 8°. — Cat. Bibl. Poitiers. 

255. Paris, Th. Kerver für Guill, Eustace : S. 185. 

— [ea. 1520], 8°, 103 Fol. — Br. V,. 267. Rom, Georg Herolt [ea. 1480]. 16°. 
1648. —- Proctor 3920. 

255 a. Venedig, L. A. Giunta (ca. 1520]. 268. Paris, Et. Jehannot, o. J., 8°. 
— Book-Prices Current, 1902, — Proetor 8844. 

S. 271. %9. Parie, Th. Kerver [cs. 1527], 8" 

‘256. Paris, Nic. Hygman fair Guill. Godard (Zahl 1527 in der Randleiste Sal. 
[1520]. 4%, 88 Fol. (A—L®), 29 lin. — Br. V, 1625. — Grässe, Tresor 
— Br. Mm. — Berlin, Kgl. Bibl. vu, 875. 

257. Paris, Germ. Hardouyn, o. J.. 64°, 269 a. Geut, .A. de Keysere, o. J. 8%. — 
128 Fol., 16 lin. — Br. V, 1688. Proctor, Bibliogr. Essays. London, 

'257 a. Paris für Germ. Hardouyn o. J. . 1905, 8. 218. 

16?, (A—E*.) — Grasse, Trésor 250. Paris, Guill. Le Range, o J 8*, 
VII, 876. 109 Fol. (a—g$, b, A— F8’). — 

257 b. París. Germ. Hardouyn, o. J. 8*, Br. V, 16688 f. 

5 + 79 Fol. — Grüsse, Trésor VII. | 271. Paris, Guill. Le Rouge, o. J. [1515?], 
876. kl. 89, 112 Fol. (a—h, A—F®), 

258. Paris, Germ. Hardouyn [1530?], 8°, 29 lin. — Br. Seppl. 1], 620. — 
96 Fol. (A—M*). — Br. Mm. Rep. 1894, Sp. 487. — Cat. FD, 

259. Paris, Jean Barbier für Germ. Har- Mai 1879, S. 1489. — Br. Mm. 
douyn, o. J., 649 (a— &9). — Br. V, 271 &. Paris, Marnef, o. J., 89, 91 Fol. — 
1638. Grüsse, Trésor VII, 872. 

299 a. Paris, Gilles Hardouyn für-Germ. 272. Paris, [Geofroy de Marnef], [ca. 
Hardouyn (ca. 1510], 8%. — Book- 1500]. 4^. —. Br. V. 1665. — 
Prices Current, 1902, 8. 159. Grüsse, Trésor VII, 378. 

260. Paris, Gilles Hardouyn, o. J., 12^. — | 273. Paris, Enguilbert u. Geofroy de 
Br. V, 1687 f. | Marnef, o. J., 4^. — Proetor 8465. 

261. Paris, Gilles Hardouyn [1510?]. 8°, 273 a, Paris, G. Merlin [ca. 1530], kl. 89. 
84 Fol. (A—K?, L*, 34 lin. — Book-Prices Current, 1906. S.441 f. 
Br. Mm. 274. Parie, Phil. Pigouchet [ca. 1491— 92], 

262. Paris, Gilles Hardouyn [1509?], 8^, 8^ — Proctor 8180. 

90 Fol. (A— K5, L*, M6), 37 lin. | 275. Paris, Phil. Pigouchet [ea. 1491 — 
— Br. Mm. 1492], 89. — Proctor 8182. 

263. Paris, Gilles Hardouyn [ca. 1532]. |275 a. [Lyon, Marc. Reinhard). o. J. &, 
89 (a—l) Ohne Randleisten. — 186 Fol. (A—R*) 21, 22 lin. — 
Br. V, 1642f. Proctor, Bibl. Essays. London. 

264. Paris, Gilles Hardouyn [ca. 1509], 1905, S. 38 f. (Vgl. Nr. 276.) 


‚24°, 113 Fol. — Br. V, 1633. — | 2:6. [Lyon, Marc. Reinhard [ca. 1490]. 
Grüsse, Trésor VII, 376. 146 Fol. — Copinger. H, 8068. 


— 17 


277. Paris, Claude Chevallen für Louis 
Royer, o. J. (am Titel das Signet 
des Jean de Brye), 12°. — Br. V, 
1671 f.. . 

278. Paris, Claude Chevallon für Louis 
. Royer [1525 ?], 16%, 232 FoL (A—Z, 
AA—FF*), 27 lin, — Br. Mm. 
Paris, Ant. Vérard [ca. 1488], 4*. 
94 (98) Fol. (a, b9, A9, Bt, AA— 
FF®, a6, 3%, p3, ü*), — Br. V,1601 f. 
Paris, Ant. Vérard [1511?], 49, 
100 Fol. (q, aa, c—i, A, B5, C*, 

&5), 28 lin. — Br. Mm. 
Paris, Ant. Vérard fea. 1488], 4*, 
108 Fol., 20 lin. — Br. V, 1600. 
Paris, für Ant. Vérard [vor 1500], 
8* (A—0O), 28 lin. — Br. V, 1611. 
Paris, Ant. Vérard, 4*(a—4*). — 
Maittaire 790. — Panzer II, 849. 
— Copinger II, 3120. 
. Paris, für Ant. Vérard [ca. 1499], 
kl. 8%, 192 Fol. — Br. V, 1611. 
‚Paris, Et. Jehannot für Ant. Verard, 
o. J., 80, — Proctor 8850. 
. Paris, Ét. Jehannos für Ant. Vérerd, 
o, J., 89. — Proetor 8851. 
Paris, Sim. Vostre, o. J., gr. 89. — 
Bs. V, 1508. . . 
Paris, für Sim. Vostre [ca. 1500], 
kl. 8° (a—n). — Br. V, 1584. 
Venedig, 1478 (?), 189. — Hain 8843. 
Paris, Philippe Pigouchet für Simon 
Vostre, 1486, 5. Jan., gr. 89, 78 Fol. 
(8—k), 2 col. — Panzer II, 287. 
— Hain 8845. — Br. V, 1574. 
Paris, für Ant. Verard, 1486 (1487), 
21. Aug., 120 -|-. 12 Fol. (A, B*, 
a—h®, it, kô, }, m8, n$). — Co- 
pinger II, 3107. — Paris, Bibl. Nat. 
292. Valencia, 1486, 12° — Quaritch, 
Cat. 118 (1891), 8. 70. 
298. Paris, Le Rouge, 1486, 8%. — Hain 
8844. 
294. Neapel, Matthias Moravus, 1486, 
329, 186 Fol., 16 lin. — Copinger 
II, 8081. — Br. Mm. 
204 a. Paris, Jean Du Pré, 1487, 28. Marz, 
89, — Berlin, Kgl. Bibl. 


219. 


280. 


281. 


282. 


283. 


289. 


287. 


288. 


289. 
290. 


291. 


294 b. Paria, Ant. Vérard, 1487. 7. Juli, 
8%. — Paris, Bibl. Nat. 

295. Paris, für Sim. Vostre, 1487 [1488— 
1508], 4. Nov., 4°, 68 Fol. (a—i). 
— Br. Suppl. I, 606. — Copinger 
II, 8108. | 

296. Paris, Jean Du Pré, 1488 [1488— 
1508), 4. Febr, kl. 4^, 104 Fol 
(a8, aa®, bt, c—i$, k*, 1— n9), 27 lin. 
— Br. V, 1612. (Vgl. Nr. 297.) 

297. Paris, 1488 (1489), 4. Febr., 8°, 
104 Fol. 8 Fol, (88, b4, c—i®, kt, 
1— n5), 27 lin. — Br. Mm. — Proctor 
8045. (Vgl. Nr. 296.) 


298. Paris, Philippe Pigouchet für Simon 


Vostre, 1488, 12. Apr. [richtig 
1489], 8°. — Br. V, 1577. | 

298 a. Paris, Pigouchet für Sim. Vostre, 
1488, 17. April. 8°. — Paris, Bib). 
Nat. (Vgl. Nr. 805.) 

298 b. Paris, Phil. Pigouchet für Sim. 
Vostre, 1488, 8. Aug. 89. — Paris, 
Bibl. Nat. 

299. Paris, für Sim. Vostre, 1488, 23. Ang. 
— Br. V, 1577. 

300. Paris, Philippe Pigouchet für Simon 
Vostre, 1488, 16. Sept. [1488— 
1508], gr. 89. 95 Fol. — Br. V, 
1575. — Paris, Bibl. Nat. 

301. Antwerpen, 1488, 8%. — Copinger II, 
3050. — Camp. S. 275. 

302. Paris, Jean Du Pre, 1488, 8°, 104 Fol. 
(a—n). — Copinger II, 8082. — 
Br. Mm. 

308. Paris, für Ant. Verard, 1488 [1488 
—1508], 89. 112 Fol. (a—n, a5 
38 lin. — Copinger If, 3109. — 
Br. Suppl. I, 612. 

804. Paris, für Sim. Vostre, 1488, 4°, 
— Hain 8846. (Vgl. Nr. 804 a.) 

804 a. Paris, Phil. Pigouchet für Sim. 
Vostre, 1488, gr. 8°, 95 Fol. — 
Grässe, Tresor VII, 8373. (Vgl. 
Nr. 804.). 

305. Paris, Philippe Pigouchet für Sim. 
Vestre [1488—1508], 17. April, 
kl. 8%, 96 Fol. 26 lin. — Br. V, 
1576. (Vgl. Nr. 380.) 


2 


306. 


307. 


308. 


309. 


810. 


‘S11. 


312. 


313. 


314. 


315. 


316. 


318. 


1508] gr. 8°, 


_  (A—N, A$), 33 lin. 
317. 


Faris, Philippe Pigouchet für Sim.! 


Vostre [1488—1508]. 21. Nov. 
kl. 8°, 90 Fol. (ała—k8, 1'9). — Br. V. 
1576. 

Paris, Ant. Caillaut [1490?] [1488 
—1508], 8°, 84 Fol. (a—e?, ee, 
f—k®), 80 lin. — Br. Mm. 

[Paris], Jean Du Pre [1488—1508], 
8°, 116 Fol. — Copinger II, 3073. 
 — Rep. 1894, Sp. 488. — Br. 
Mm. — Br. V, 1684. 

Paris, Phil. Pigouchet für Enguilbert 
u. Geofroy de Marnef [1488— 

92 Fol. (a—m), 

25 lin. — Rosenthal, Cat. 24, Inc. 

typ., S. 97. — Alès S. 288. 


Paris, Phil. Pigouchet [1488—1508], 
89, — Br. V, 1570. 

Paris, Phil. Pigouchet [1488—1508]. 
89, 100 Fol. (à—i$, k', l—n?) 
24 lin. — Br. V, 1570. — Cat. 
FD, Juni 1888, S. 61. (Eine zweite 
Ausgabe mit denselben Daten, 
aber anderer typographischer 
Komposition) 

Paris, Phil. Pigouchet [1488— 1508]. 
&— 09, p*), 21 lin. — Br. V, 1569f. 

Paris, Phil. Pigouchet [1488— 1508]. 
— Copinger II, 3074. — Rosen- 
thal 1896, Cat. 14, Nr. 1149. 

Paris, Ant. Vérard ca. 1495] [1488 
— 1508], 90 Fol. (48, B!9, a— f’, 
at, A8, B8, C$). — Copinger Il. 
3077. — Quaritch, Cat. 77. 

Paris, für Ant. Vérard [1488—1508]. 
kl. 4°, 112 Fol. (a—o®), 27 lin. 
— Br. V, 1608f. — Cat. FD, Mai 
1879, S. 128. 


18 


Br. V, 1602.) — Cat. FD, Juni 
1888, S. 62. (Vgl. Nr. 317.) 

319. Paris, Ant. Vérard [1488—1508], 
4°, 159 Fol. — Br. V, 1602f. 

820. Paris, far Ant. Vérard [1490?] 
{1488 —1508], 4°. 168 Fol. (48, 
B, a—c?, d!6, e$, £19, a8, &, p8, 
p', A—C, A—F®, G*), 29 lin. — 


Br. Mm. 

821. Paris, Ant. Vérard [1488— 1508]. 
4%. — Br. V, 1608. 

399. Paris. für Ant. Verard [1488 — 


1508), kl. 4%. — Br. V. 1604f. 

398. Paris, für Sim. Vostre [1488—1508], 
8. Aug. -4%, 88 Fol. — Br. V, 
1575. 

324. Paris, Phil. Pigouchet für Sim. 
Vostre [1488 —1508], 8. Aug., kl.8°, 
90 Fol. (a—k®, 1'%. — Br. V, 
1575f. — Cat. FD, Mai 1879, 
8. 120f. (Vgl. Nr. 384.) 

325. Paris [Phil. Pigouchet?] für Sim. 
Vostre [1488—1508], gr. 8°, 
96 Fol. (a—19, A9). — Br. V, 1576. 

326. Paris, Phil. Pigouchet für Sim. 
Vostre [1488 — 1508], kl. 4°, 68 Fol. 
— Rep. 1894. Sp. 440. 

326 a. Paris, Ant. Verard, 1489, 8. Febr. 
89. — Paris, Bibl. Nat. 

327. Paris [Jean Du Pré] für Ant. Vérard, 
1489 (1490), 10. Apr., 4°, 80 Fol. 
(4 Fol., a—i®, k*) 35 lin. — Br. 
Mm. — Proctor 8046. 

328. Paris, Phil. Pigouchet für Sim. 
Vostre 1489 [1489 —1508], 21. Aug., 
kl. 8, (a—m). — Br. V, 1578. 

899. Paris, Ant. Vérard, 1489. 20 Okt., 
89, — Copinger II, 8083. — Br. 
Suppl. I, 618. — Br. Mm. 


Paris [Et. Jehannot] für Ant. Vérard 830. Antwerpen, Gerard Leeu, 1489, 8^, 


[1497 ?] [1488—1508], 8°, 112. Fol. 
— Br. Mm. 


Camp. S. 275. — Copinger II, 
9091. 


Paris, fir Ant. Vérard [1490?]| 331. Paris, Geoffroy Marnef, 1489, 8°. 


[1488—1508], 4°, 116 Fol. (a, b, 


— Br. V, 1571. 


" a—g$, h*, i—m®, p*j 29 lin. — | 332. Paris, fir Ant. Vérard, 1489, 4° 


Br. Mm. (Vgl. Nr. 318.) 


— Hain 8828. 


Paris, Ant. Vérard [1488—1508].; 338. Paris, Eng. und Geofr. de Marnef 


4°, 116 (120) Fol. (a—m$, p«?). — , 


[1489—1508], 8°, 92 Fol. (A—M). 


— Br. Suppl. 1, 619, Copinger II, 
3070. 


19 


| 


: 92 Fol., 25 lin. — Index libr. Bibl. 


Hafniensis, S. 170. 


388 a. Paris, für Pierre le Rouge, 1490 347. Paris, Jean Maurand für Geofroy de 


334. 


885. 


336. 


337. 


338. 


339. 


840. 


342. 


343. 


344. 


345. 


246. 


' C a, b, bb, c?, d—g?, 


. gr. 89, 


9, Mai, gr. 8°, 93 Fel. — Grüsse, 
Tresor VII, 878. (Vgl. Nr, 344.) 
[Paris, Ant. Caillaut 1490]. 8°, 
84 Fol. (a—e®, vet, f—k®), 
Copinger II, 8071. — Br. Mm. 


Paris, Jean Du Pre, 1490, 8°, 120 348. Paris, Phil. 


Fol. (A— C. a— m), 
Proctor 8047. 

[Lyon, Marc. Reinhart 1490], 12 + 
124 Fol. — Copinger II, 3069. 
— Rosenthal Cat. 60. Nr. 2110. 
(Vgl. Nr. 338.) 

Paris, Ant. Verard, 1490, 4°. 
Hain 8829. 

Kirchheim, Marc. Reiuhart [1490] 
[1490—1508], 8%, 147 Fol. (A, B®, 

bh’, A- 
F8), 21—22 lin., — Proctor 3209. 
— Br. Mm. (Vgl. Nr. 336.) 

Paris, Ant. Chappiel für Germ. 
Hardouyn [149 ?], 8°. — Br. Mm. 
— Copinger 1I, 3105. 

Paris, Phil. Pigouchet, 1491, 
21. Febr., kl. 8°, 104 Fol. (a—n), 
24 lin. — Reichling, Appendices 
1, 8. 48. 

Paris, Phil. 
Vostre, 


23 lin, — 


Pigouchet für Sim. 
1491 [1488 — 1508].. 
20. Ján., 89, 80 Fol. (a—k). — 
Br. V, 1578. — Hain 8847. 
Rep. 1896,97, Nr. 12960. 

Paris, Phil. Pigouchet für Sim. 
Vostre, 1491, 1. März, 8°, 92 Fol., 
(a—m). Maittaire 531. 
Copinger Il, 3110. — Br. V, 1578. 

Paris, für Pierre Le Rouge und 
Vinc. Commin, 1491, 9. Mai, 

93 Fol., 2 col. 28 lin. — 
Br. V, 1668 f. 

Paris, Phil. Pigouchet, 1491 [1488 
— 1508], 8°, 104 Fol. (a—n$), 
24 lin., — Rosenthal, Cat. 24. Inc. 
typ. 97. — Proctor 8179. 

Paris, Phil. Pigouchet für Sim. 
Vostre 1491 [1488-1508], 4°, 


Marnef, 1492, 7. Febr. 8. 
Br. V, 1687. ° 


847 a. Paris, Jean Maurand fir Geofr. 


351. 


352. 


353. 


354. 


300. 


356. 


997. 


de. Marnef, 1492, 12. Febr. kl. 4?. 
— Grässe, Tresor VII, 873. 

Pigouchet für Sim. 
Vostre, 1492 [1488 —1508] 8. Mai, 
kl. 8%, 112 Fol. (a— 0). — Copinger 


' II, 8084. — Br. V, 1683. -- Dr. 


Mm. — Proctor 8184. 


. Parie, Robin Challot, 1:92 [1487 — 


1507], 2. Juli, 8%. — Br. V, 1664. 


. Paris, für Geofroy de Marnef, 1493, 


[1489 - 1508], 20. Juni, 40, 94 Fol. 
(a—h$, it, aat, k, 18, m6), 25 lin. 
— Proctor 8463. — Br. Mm. 
Paris, Laur. Philippe, 1498, 10. Jul., 
kl. 49, 96 Fol. (a—n), 28 lin. — 
Br. V, 1664 f. — Cat. FD, Mai 
1879, S. 141 f. (Vgl. Nr. 852) 


Paris, Laur. Philippe, 1498, 10. Juli, 
49, 106 Fol. (a8, b!9, c—n9), 28 lin. 

Proctor 8292. — Br. Mm. 
Co- (Vgl. Nr. 351.) 

Paris, Phil. Pigouchet für Simon 
Vostre 1493 [1498 — 1508], 2. Aug. 
49, 80 Fol. (a—k®), 2 col., 30 lin. 
— Proctor 8186. — Br. Mm. — 
pinger II, 3086. 

Paris, Phil. Pigouchet für Simon 
Vostre, 1493 [1488—1508], 22. A ug., 
4°, 92 Fol. (a—l®, m) 95 lin. 
— Proctor 8185. — Br. Mm. — 
Copinger II, 3090. — Br. V, 1578. 

O. O. 1498, 89, 288 Fol. (a—z, A— I). 
21 lin. — Copinger II, 8088. — 
Br. Mm. 

Paris, für Geofroy de Marnef, 1493, 
4°, (a—h§, i$, aa‘, k8, 18, mê). 
Copinger lI, 8085. — Rep. 1894, 
Sp. 488 — Br. Mm. 

Paris, Laur. Philippe, 1498, 4°, 
106 Fol. (a8, bt®, c—n®), 23 liu. 
— Copinger II, 3089. — Br. Mir. 

9x 


358. Paris, Ulr. Gering u. Berth. Rem- 


bolt, [14]94, 16. Dez., 8, 152 Fol. 


(b—v*), 19 lin. — Proctor 8802. 
— Br. Mm. 

359. Paris, Philippe Pigouchet, 1494 
20. Dez, 8*, 92 Fol — Panser 
It 304. — Br. V, 1579. — Hain 
8848. — Berlin, Kön. Hausbibl. 

360. Paris, Ulr. Gering u. Berth. Rem- 
bolt, 1494, 89 (b—r). — Copinger 
lI. 3092. — Br. Mm. 


20 — 


1579 f. — Hain 8849. — Rep. 
1896,97, Nr. 12827. — Br. Mm. — 
Proctor 8188. (Vgl. Nr. $71.) 


871. Paris, Phil Pigouchet für Simon 


Vestre, 1496 [1497], 28. Jan., 8°, 
&2 Fol. — Cat. FD, Mai 1879, 
8. 121. (Vgl. Nr. 370.) 


872. Paris, Pbil. Pigeuches für Simon 


Vostre, 1496 [1488 — 1508], 20. März 
kl. 8%, 88 Fel. — Br. V, 1580. — 
Copinger II, 8111. — Br. Mm. 


361. Antwerpen, Adr. Liesvelt, 1494, 8° | 373. Paris, firSimon Vostve, 1496, 22.Mai, 


(a—h, A—m). — Copinger JI, 
3091. 


8°, 95 Fol., 26 lin. — Hain 8850. 
— Br. V, 1579. 


362. Paris, Phil. Pigouchet für Simon | 374. Paris, Phil. Pigeachet far Simon 


Vastre, 1495 [1488— 1508],8. Febr., 
8°, 92 Fol. (a4—19, m*), 26 lin. — 
Rosenthal, Cat. 24, Ine. typ., 8. 97. 
~ Reichling, Appendices 1, S. 48f. 


Vostre, 1496 [1488—1508], 20.A vg., 
4°, 92 Fol, (a —k*. R, A$, 27 lin. — 
Proctor 8187. — Br. Mm. — Hain 
8851. — Br. V, 1579. 


362 a. Paris, Jean du Pré, 1495. 10. Mürz, | 375. Paris, für Sim. Vostre, 1496 [1488— 


12€, 114 Fol. (at, bf, c—f*, g3, 
h—1$, m5, n— p) 21 lin. — Reich- 
ling, Appendices III, 8, 45. 

968, Paris, Phil. Pigouchet für Simon 


1508], 17. Sept., 4, 70 Fol. (a—h®, 
if), — Br. Suppl. L 606. — Co- 
pinger II, 3112. — Parie, Bibl 
Nat. 


Vostre, 1495, 6. Okt., gr. 8°, 74 Fol. | 876. Paris, Ph. Kerver fär Guill. Eustace 


(a—i). — Quaritch, Cat. 852 
(1884), S. 1755. — Br. V, 1578. 

364. Paris, Philippe Pigouchet für Sim. 
Vostze, 1495 [1488— 1508],13. Nov., 
89, — Br. V, 1578. 

365. Paris, Phil. Pigouchet, 1495, 8°. 
— Copinger II, 8098. 

2566. Paris, für Sim. Vostre, 1495, kl. 4°, 
74 Fol. — Rep. 1894, Sp. 440. 

967. O. ©. [1495—1508], 89 (a—n$, ot), 
21 lin. — Br. V, 1684. 

368. Paris, Nic. Hygman für Sim. Vostre 


[1495] 8°. — Hain 8842. (Vgl., 


Nr. 369.) 

, 909. Paris, Nic. Hygman für Sim. Vostre 
[1495—], 8* (a— t) 26 lin. — Br. V, 
1580 f. (Vgl. Nr. 868.) 

369. a. Paris, Ant. Vérard, 1496. 20. Jan. 
80, 124 Fol. — Grüsse, Trésor VII, 
874. 

370. Paris, Philippe Pigouchet für Sim. 
Vostre, 1496 [1488 — 1508]. 23. Jan., 
89, 88 Fol (a—19), 26 lin. — Br. V, 


[1496], (1497— 1520], 14. Nov., 4*, 
96 Fol. (a — m5), 33 lin. — Copinger 
II, 8079. — Br. Suppl. 1, 614. — 
Br. Mm. 
377. Paris, Phil. Pigouchet für Simon 
Vostre, 1496, kl. 49, 92 Fol. — 
Rep. 1894/95, Sp. 554. 
878. Paris, Phil. Pigouchet fdr Simon 
Vostre, 1497 [1488— 1508], 25.Febr. 
89, 90 Fol., 26 lin. — Index Bibl. 
Hafniensis. S. 171, — Copinger II, 
3113. — Rep. 1894, S. 440. — 
Br. Suppl. I, 606. — Book-Prices 
Current, 1906, S. 194 
Paris, Phil. Pigouchet für Sim. 
Vostre, 1497, 6. März. 8°, 90 Fol. 
(a— k®), 11°), 26 lin. — Reichling, 
Appendicea ITI, S. 45. 
879. Paris, Phil. Pigouehet für Simon 
Vostre, 1497 [1488 —1508], 17. Apr., 
[20. Márz], 8?, 88 Fol., (A—L?5) 
27 lin. — Br. Suppl. I 606. — 
Hain 8852. — Copinger Il, 3114. — 


978 a. 


21 


Denis, Garelli'sche Bibl. S. 178 ff. | 


— Proctor 8189. — Br. Mm. 
$80. Paris, Phil. Pigouchet für Simon 
Vostre  14(07?],  [1488— 1508] 
17. Apr, 89, 96 Fol. (a—m‘), 26 
lin. — Br. Mn. (Vgl. Nr. 805.) 
380 a. Paris, far Sim. Vostre, 1497. 
27. Apr. (1496. 28. Mars), kl. 8°. 
96 Fol. — Grásse, Teésor VII. 878, 
381. Paris, Phil. Pigouchet für Simon 
Vostre, 1497 [1488 1507],9. Juni, 
8, 82 Fol. (a—i®, k!%), 27 lin. — 
Copinger IJ, 3115. — Br. Suppl. I, 
607. 
382. Paris, Phil. Pigouchet für Simon 
Vostre, 1497, 9. Juni., 4°, 90 Fol. 
— Cat. FD, Mai 1879, S. 121. 
$82 a. Paris [Jean Philippe?) far Th. 
Kerver, 1497, 27. Juni, 8° — 
Book-Prices Current, 1902, S. 648. 
382 b. Paris, Phil. Pigouchet für 
Sim. Vostre, 1497, 7. Juli, 8°, 
92 Fol. (a—I®, mu, 26 lin. — 
Reichling, Appendices II, 8. 52. 
383. Paris, Jean Philippe fir Th. Kerver, 
l 1497 [1494—1520]. 15. Juli, 89, 
108 Fol. (a—n, o*), 25 liu. — Br. 
Mm. — Panzer II. 817, 428. — 
Cat. FD, Mai 1879, S. 181. — Co- 
pinger II, 3095. — Br. V, 1615. 
Grüsse, Trésor VII, 374. 
384. Paris, Phil. Pigouchet für Simon 
Vostre, 14[97],[1488— 1508],8. A ug., 


86, 90 Fol. (a--k®, 119%, 26 lin. — 


Br. Mm. — Grässe, Tresor VII, 
373. (Vgl. Nr. 824.) 
885. Parie, M. E. Jehannot für'Th. Kerver, 


i 


. 1497 [1487—1508], 21. Aug., 8°, 


90 Fol. — Br. V, 1615. — Grüsse, 
Trésor VII, 874. (Vgl. Nr. 386.) 


386. Paris, Et. Jebannot, 1497 [1488 — 


1508], 21. Aug., 8%, 92 Fol. (a, b, 
C— L8, M*), 26 lin. — Proctor 8840. 
— Br. Mm.— Copinger 8094. — 
Paris, Bibl. Nat. (Vgl. Nr. 385.) 
387. Paris, Ant. Chappiel für Gilles Har- 
douyn, 1497 [1487—1520], 5. Okt., 
gr. 8°, 92 Fol. (A—L$, M*), 38 lin. 


388. 


389. 


390. 


391. 
892. 


393. 


395. 


396. 


397. 


400 


— Br. V, 1641. — Copinger II, 
3076. — Cast, S. 416. — 

Paris, Phil, Pigouchet für Simon 
Vostre, 1497 [1488—1508], 4, Nov.. 
kl. 49, 68 Fol. (a —h$, i*), 88 lin. — 
Cat. FD, Juin 1888, S. 61. — Br. 
V, 1581. — Grässe, Tresor VII, 
373. (Vgl.Nr. 389.) 

Paris, Phil. Pigouchet für Simon 
Vostre, 1497 [1488—1508], 4. Nov.. 
4*, 70 Fol. (a—h?, i9), 38 lin. — 
Proctor 8191. — Br. Mm. — Co- 
pinger II, 3096. (Vgl. Nr. 388.) 

Paris, Ant. Chappiel für Germ. 
Hardouyn [1505?], [1497 —1520] 
5. Okt., 4°, 92 Fol. (A—L®, Ma 
33 lin. — Br. Mm. — Grasse, 
Tresor VII, 875. 

Paris, Th. Kervet für Guill. Eustace 
[1497 — 1520], 14. Nov., 49, 94 Fol. 
(a*, b — m5), 82 lin. — Br. V, 1644 f. 
(Vgl. Nr. 892.) 

Paris, Th. Kerver fir Guill. Eustace 
[1497—1520], 14. Nor, kl. 4°. 
96 Fol. — Cat. FD, Mai 1879, 
8. 182. (Vgl. Nr. 991.) 

O. O. 1497, 15. Nov., 8, 92 Fol. 
25 tin. — Hain 8853. 


. Paris, Jean Philippe fiir Th. Kerver, 


1497 [1494—1520], 20. Dez., 8° — 
Rep. 1897 98, Nr. 25208. 

[Paris, 1497], 8°, 86 in. — Co- 
pinger II, 3080. 

Paris, Ant. Chappiel für Gilles Har- 
doayn, 1897, 8°, 92 Fol. (A—L‘, 
M*), 33 lin. — Copinger II, 3116. 
(= Br. V, 1628?) 

Paris, M. Et. Jehannot, 1497 (a — M). 
— Coepinger 1I, 3094. — Br. Mm. 


. Paris, Jean Philippe für Tb. Kerrer, 


1497, 8°, 89 Fol. — Rep. 1894/95. 
Sp. 554. , 


. Paris, Jean Pyehore v. Remy de 


L'Aistre [1497 —1520], 4°, 96 Fol. 
— Rep. 1894, Sp. 440. 

Paris, für Guill. Eustace [1497 — 
1520], 86, (a-—o9), 29 lin. — Br. 
V, 1645. 


22 


400 a: Paris, Ant. Chappiel für Germ. | 411. Paris,für Sim. Vostre, 1498, 27. Aug. 


Hardouyn [1497—1520], kl. 4°, 
94 Fol. — Grüsse, Trésor VII, 875. 

401. Paris, Th. Kerver [1497—1520], 
kl. 8°, — Br. V, 1615. — Hain 
8341. 


. Paris, Tb. Kerver, (Georg Wolf) für 
Gilles Remacle [1499?], [1497 — 
1520], 14. Nov. 4°, 96 Fol. (a— 
mê), 33 lin. — Proctor 8388. — 
Br. Mm. — Rep. 1894, Sp. 436. 

Paris, Ant. Vérard [1497 —1520], 
89, 92 Fol. — Br. V, 1606 f. 

Paris, Phil. Pigouchet fiir Sim. Vostre 
[1497 — 1520], 8°, 92 Fol. — Rep. 
1894, Sp. 440. _ 

Paris, Pigouchet für Sim. Vostre 
14 [98], 17. Apr. 8%, — Proctor 
8193. 

Paris, Jean Poytevin, 1498,15. Mai 
89, 104 Fol. (a—k, Ir, I-m). — 
Copinger II, 3097. — Br. Mm. 

Paris, Jean Poytevin, 1498, [148 
—1508], 2. Jul. 8°, 92 Fol. (a—1. 
A) 28 lin. — Copinger II, 3118. 

— — Br. V, 1666. 

Paris, Phil. Pigouchet fiir Sim. 
Vostre, 14 [98?] 8. Aug. 8%. — 
Proctor 8195. 

Paris, Jean Poytevin für Ant.Vérard, 
1498, 10. Aug., 4%. — Proctor 
8364. 


409 a. Paris, Phil. Pigouchet für Sim. 
Vostre, 1498, 22. Aug. 8%. — 
Paris, Bibl. Nat. 

410. Paris, Phil. Pigouchet für Sim. 

Vostre, 1498[1488 — 1508], 22. Aug. 

kl. 4%, 72 Fol. (a—i®), 33 lin. — 

.Br. V, 1582. — Copinger II, 3098. 

— Panzer II, 324, 496. — Br. Mm. 

— Rep. 1896/97, Nr. 12328. — 

Proctor 8196. — Ales S. 284. — 

Paris, Bibl. Nat. 

Paris, Phil. Pigouchet für Sim. 

Vostre, 1498, 22. Aug., kl. 4°, 

88 Fol, 21 Taf. 

Tresor VII, 373. (Vgl. Nr. 410.) 


403. 


404. 


409. 


406. 


407. 


408. 


409. 


410 a. 


89, (a—i®), 83 lin. — Hain 8855. — 
Book-Prices Current, 1906, 8. 643. 
412. Paris, Phil. Pigoüchet für Sim. 
Vostre, 1498 [1488—1518], 16. 
Sept. kl. 49, 96 Fol. (&—19, A9), 
27 lin. — Br. V, 1583. — Copinger 
IV, 778. — Cat. FD. Mai 1879, 
S. 129. — Br. Mm. — Proctor 
8197. — Book-Prices Current,1903, 
S. 230. 
418. Paris, Th. Kerver, 1498, 26. Sept. 
8°, 111 Fol. (a—o®). — Cat. FD. 
Juin 1888, S. 62 f. — Br, V, 1616. 
414. Paris, J[ean] P[oytevin] für Simon 
Vostre, 1498, 15. Okt. 4^. 
Maittaire 1, 658. — Br. V, 1584. 
— Proctor 8365. — Hain 8896. 
415. Paris, [Pierre Le Rouge] für Ant. 
Vérard, 1498, 22. Okt. 4°, 96 Fol. 
(4 Fol, b—m§). -- Br. V, 1607. 
— Copinger II, 3117. — Cast 
S. 410. | 
Paris, Th. Kerver, 1498 [1497— 
1520], 28. Okt. 49. 85 Fol. 32 lin. 
— Br. V, 1616. — Index Bibl. 
Hatniensis S. 171 (Vgl. Nr. 417). 
Paris, für Th. Kerver [Georg Wolf] 
1498 [1497—1520], 28. Okt 4°. 
92 Fol. (a—18, m‘), 82 lin. — Hain 
8854. — Br. Min. — Proctor 8377. 
(Vgl. Nr. 416). 


Venedig,Joh.Hamman gen.Hertzog, 
1498, 16°, Quaritch Cat, 118 (1891) 
S. 69. 

Paris, Th. Kerver, 1498. gr. 8°, 92. 
Fol. 82 lin. — Rep. 1894, Sp. 436 f. 
— Hain 8854. 

420. Paris, für Jean Poytevin, 1498. 8°. 

— Br. V, 1666. 


491. Paris, für Jean Poytevin, 1498. 49. 
— Br- V, 1666. 

422. Paris, für Ant. Vérard [1498], 8*. 
112 Fol. (A—09). — Br. Suppl. 
], 613. — Copinger II. 3121. 


416. 


417. 


418. 


419. 


Grüsse, | 423. Paris, für Ant. Vérard [1498], 4*. — 


Copinger 1I, 3122. 


— 23. 


424. Paris, fiir Ant. Vérard' [1498], kl. 4% 
110 Fol. — Br. V, 1610. 

425. Paris, fiir Sim. Vostre, 1498 [1488 
— 1508], gr. 8°, 72 Fol. 33 lin. 
— Rep. 1894, Sp. 440. — Quaritch 
Cat. 852 (1884) Sp. 1755. 

426. Paris, Phil. Pigouchet, 1499, 11. Febr. 
8°, (a—m), 26 lin. — Hain 8858. 
— Br. V. 1572. 

421. Paris [Pierre Le Dro] für Jean 
Poytevin, 1499  [1490— 1508], 
8. Mürz, 89, 92 Fol. (A—L$, M*), 
25 lin. — Reichling, Appendices 
II, S. 52. — Br. V, 1666. 

428. Paris, Georg Wolf u. Th. Kerver. 
1499, [1487— 1520], 26. Apr. 8°, 
120 Fol. (a—p) 22 lin. — Cast. S. 
418. — Copinger 1I, 8101. — Br. 
Suppl. I, 614. 

429. Paris, Th. Kerver, 1499 [1497— 

1520], 16. Sept. 4°, 96 Fol. 29 lin. 

— Index Bibl. Hafniensis S. 171. 

— Hain 8859. — Br. V, 1616. 

Paris, Phil. Pigouchet für Sim. 

Vostre, 1499, 15. Okt, kl. 89, 

100 Fol. — Paris, Bibl. Nat. — 

Book-Prices Current, 1904, S. 450. 

480. Paris, für Sim.Vostre, 1499, 20. Dez. 
80, 100 Fol. — Rep. 1895/96. 
Nr. 789. 

481, Paris, Jean Du Pré, 1499, 89, (A— 
C, a—m?), Copinger 1I, 3100. — 
Br. Mm. 

482. Paris, Th. Kerver, 1499, 4°. 
Hain 8859. 

488. Paris, Sim. Vostre, 1499, 8%. — 
Hain 8857. 

484. Paris,Th. Kerver fiir Gilles Remacle. 
1500, 5. Jan. 8%. — Br. V, 1617. 
— Berlin, Kupferstichcabinet. 

485. Paris [Ant. Verard], 1500, 20. Jan. 8°, 
124 Fol. — Copinger II, 3102, — 
Cohn (Berlin 1891) Nr. 133. 
Book-Prices Current, 1902, 8. 649. 

436. Paris, Th, Kerver (Georg Wolf) für 
Guill. Eustace, 1500 (1501), [1497 
—1520], 15. Marz, 8°, 116 Fol 
(a—n®, of, DÉI, 26 lin. — Proctor 


429 a. 


. . 8898. — Br. Mm. — Br. V, 1618 
— Hain 8860 (?) — Cat. FD. 
Mai 1879, S. 181 f. — Grüsse, 
Trésor VI}, 875. E . 

437. Paris, Th. Kerver, 1500, 10, Apr. 
89, — Br. V, 1618. — Grässe, 
: Tresor VII, 375. 

438. Paris, Ant. Verard, 1500, 2. Mai, 
49, 96 Fol. (a—m$). — Br. V, 
1607. — Grüsse, Trésor VII, 374. 

488 a, Paris, Th. Kerver für Gilles 
Remacle, 1500, 26. Juni, 8°, 
Berlin, Kunstgewerbemuseum. 

439. Paris, Tb. Kerver für Guill. Eustace 
1500, 4. Juli, 8%. — Rep. 1894/95, 
Sp. 554.. | 

440. Paris, Ant. Vérard, 1500, 14. Aug. 
8° 92 Fol. (a—b, aa—ce, l—v, 
dd), 32 lin. — Book-Prices Current, 
1906, S. 648. — Copinger I, 
8104. — Br. Mm. 

441. Paris, Th. Kerver für Guill. Eustace, 
1500, 8°, 116 Fol. (a—p)..— Br. 
Mm. — Coptnger II, 8103. — Hain 
8860 (?). 

442. Paris, Guill Anabat für Gilles 
Hardouyn, 1500, 4°, (A—S), 22 lin. 
— Copinger II, 8078. . 

448. Paris, Th. Kerver, 1500, 8*. 
Hain 8860. 

444. Paris, für Ant. Vérard, 1500. 4°, 
94 Fol. (a—h, aa—dd). — Br. V, 
1684. 

445. Paris, Ant. Vérard, 1500, 8, 
116 Fol. (Aat, Bb'®, a—h’, i’, 
A—D®), 22 lin. — Rosenthal Cat. 
24 Inc. typ. S. 97. — Reichling 
Appendices 1 5S. 49. D 

446. Paris, [Ant. Verard], 1500, 8°, 
124 Fol. — Cat. FD. Mai 1879. 
S. 128 f. 

447. Paris, [Ant. Vérard], 1500, — Rosen- 
thal Kat. 18 (1898). e 

448. Paris, Phil. Pigouchet für Sim. 
Vostre, 1500—01. 8°, 98 Fol. (a—I, 
A9), 27 lin. — Copinger II, 3106. 

449. O. OÖ. u. Dr. (1500 oder 1508), 4°, 
208 Fol. — Br. V, 1666. 


450. Paris, Guill. Anabat für Germ. 
: Hardouyn [1500—20],8*, 182 Fol. 
— Br. V, 1629. 

Paris, Guill. Anabat. far (erm. 
Hardovyn [1500— 20]. 89, 144 Fol., 
Cat, DC. 8. 7. 

459. Paris, Guill. Anabat für Gilles 

Hardouyn, [1500—20], kl. 4°, 

140 Fol. (A—R®, S4), 22 lin. — 

Br. V, 1629 f. 

Paris, Guill. Anabat für Gilles 

Hardouyn und Germ. Hardouyn 

[1500-20], 8. — Cet. FD, Mai 

1879. S. 184. (Vgl. Nr. 454.) 

454. Paris, Guill. Anabat ftir Gilles u. 

Germ. Hardonyn [1500 — 20], gr. 89, 
94 Fol. — Br. V, 1628 f. (Vgl. 


451. 


458. 


Nr. 458.) 
455. Paris, Guill. Anabat für Gilles 
Hardeuyn u. Germ. Bardouyn 


[1506 ?] [1500—20], 4°, 116 Fol., 
(A—OS$, P*), 29 lin. — Br. Mm. 
— Cat. Bibl. Poitiers 8. 184f. 
Paris, Guill. Amabat far Gilles 
Hardouyn u. Germ. Hardouyn 
[1500] [1500—20], 8°, 116 Fol. 
(A —P). — Rep. 1896/97, Nr. 12829. 
— Copinger II, 3075. — Br. Mm. 
Paris, Th. Kerver für Gilles Remacle, 
1501 [1497—1520], 14. Mai, 4°, 
96 Fol. (A—M®). 29 lin. — Alès. 
S. 291. — Br. Mm. — Br. V. 
1618. — Grüsse, Trésor VII, 375. 
— Book Prices Current 1902 S, 88. 
Paris, Th. Kerver für Gilles Remacle, 
1501, 17. Juli, gr. 8. — Br. 
Suppl. I, 615. | 
Paris, Pbil. Pigouchet für Sim 
Vostre,1501 [1501— 1520], 27. Sept. 
8, 8 -]- 193 Fol. — Br. V, 1584 f. 
Paris, Phil. Pigouchet für Sim., 


456. 


491. 


458. 


459. 


460. 


24 


468. Paris, Phil. Pigouchet für Sim. 
Vostre, [1501—20], gr. 8°, 98 Fol., 
(a—l, A), 27 lin. — Cast. S. 418. — 
Rep. 1894,95, Sp. $54. 

464. Paris, Phil. Pigouwehet, 1502 [1501 
—20), 15. Juli, 8*, 108 Fol. — 
Br. V, 1578. 

465. Paris, Th. Kerver für Gilles Remacle, 
1502, 5. Aug., 8%, 120 Fol. (a—p). 
22 lin. — Ales, 8. 293.. 

466. Paris, für Ant. Verard, 1502 [1500 
— 21], 18. Aug., 4%, 98 Fol. (a—h®, 
q?, aa — dd*), — Copinger II, 3119. 
— Cast. 3. 412. 

467. Paris, Th. Kerver für Gilles Remacle, 
1502, [1497—1520], 1. Dez., 4°, 
96 Fol. (A—M®) 29 lin. — Br. Mm. 
— Br.V, 1618. — Paris, Bibl. Na t, 

468. Paris, fiir Sim. Vostre 1502, 15. Dez., 
89, — Panzer XI, 475. — Br. V, 1586. 

469. Paris, Phil. Pigouchet für Sim. 
Vostre, 1502 [1502—20], 8°, 
92 Fol. (a—19$, mt). — Br. Mm. 
Book-Prices Current, 1901 S. 705, 

470. Paris, Germain Hordouyn [1502 —], 
8%. — Br. V, 1680. 

470 a. Paris, Geim. Hardooyn [1502— ], 
8*, — Grüsse, Trésor 875 (Vgl. 
Nr. 470). 

471. Parie, für Sim. Vostre [1502—20] 
8", 8+ 84 Ful. — Br. V, 1586. 

472. Paris, für Sim. Vostre [(1502—20], 
8% (a—n), 27 lin.  . 

478. Paris, Phil. Pigouchet für Sim. 
Vostre [1502 —], 89, — Quaritch 
Cat. 118 (1891),S.66.(Vgl. Nr.474). 

474. Paris, Phil. Pigouchet für Sim. 
Vostre [1502—80]. 4*, 98 Fol. 
(A—L®, M30 lin. — Br. Supp 
1, 608. — Book-Prices Current 
1901 S. 704, (Vgl. Nr. 473). 


Vostre, 1501. 15. Nov.. 8%, 92 Fol. | 475. Paris, Phil. Pigouchet für Sim. 


— Br..V, 1585. Paris, Bibl. Nat. 
461. Paris, Th. Kerver, 1501, 8*, 104 Fol., 


Vostre [1502—20], 4°, 98 Fol. 
32 lin. — Rep. 1897,98, Nr. 25204. 


26 lin. — Br. Suppl. I, 615. —| 476. Paris, Phil. Pigouchet für Sim. 


Panzer VII 501, 14. 
462. Paris, Sim. Vostre, 1501, 4°. — 
Br. V, 1586. 


Vostre [1502 — ], 8°, 100 Fol. 
(at, dt, e~s)! — Quaritch 
Cat. 118 (1891) S. 66. 


— 25 


-477. Paris, Phil. Pigeuchet für Sim. 


Vostre (1508 ?] [1508—20], 8°, 
116 Fol. (a—o®, p*) 27 lin. — 
Br. Mnı. — Br. V, 15886, 


478. Paris, Phi. Pigouchet für Sim. 
Vestre [1505?] [1502—20], 8°, 
194 Fel. (a—i, 1—4$, rt) 23 lin. 
— Br. Mm. — Br. V, 1586. 

479. Paris, Phil, Pigouchet für Sim. 
Votre [1506 ?] 1502—20], 89, 
140 Fol. (a—c®, d*, e—s*,, 21 lin. 
— Br. Mm. 

-479 a. Paris, Th. Kerver, 1508. 5. Jan. 
8%, — Book-Prices Current, 1602, 

| 8. 6&8. 

480. Paris, Th. Kerver far Gilles Remacle, 


1508 — (—1504) [1497—1520]. 
10. Jan. 4*, 96 Fol (A—M?), 
29 lin — Br. V, 1618f. — 


Cat. FD, Mai 1897, S. 188. 

Br. Mm. — Grüsee, Trésor V11I, 375. 
-481. Paris, Jean Pychore u. Remy de 

L'Aistre, 1508  [1497— 1520], 


- 5. Apr., 49, 96 Fol. (A— M95) 31 lip. | 


— Br. Mm. — Br. V, 1665 f. 
— Panzer VII, 508, 66. 
482. Paris, Ant. Vérard, 1503 [1497 — 
1520], 20. Apr. 89, 120 Fol. (a®, 
b!9, a—i8, kt, A—D9), 22 lin. 
— Br. Mm. 


483. Paris, Th. Kerver für Gilles Remacle, | 


1503 [1497—1520], 8. Juni, kl. 4°, 
124 Fol. (a—p%,q‘), 22 lin. 
Rep. 1895/96, Nr. 4167. 

488 s. Paris, Sim. Vostre, 1508. 19. Juni. 
89. — Paris, Bibl. Nat. 

484. Paris, für Germ. Hardouyn 15038 
[1513—22], 2. Jul., 8t, 78 Fol. — 
Br. V, 1680. — Panzer VII, 507, 
61. — Paris, Bibl. Nat. 

-485. Parie, Ant. Vérard, 1508 [1497— 
1590]. 19.. Jul., 4* (4—19, mt). — 
Br. V, 1607 f. 

-486. Paris, Ant. -Chappiel für Gilles 
Hardouyn, 1503. [1487—1520]. 
24. Nov., 8°, 06 Fol. (A—M5) — 
Cast. 8. 423. — Cat. FD. 1879, 
S. 184 f. (Vgl. Nr. 488.) 


487. Paris, für Gilles Hardoayn, 1503 
24. Nov., kl. Fol. {A—M9, 81 lin. 
— Ales. 8. 296. 

487 a. Paris, Gilles Hardouyn 1508. 
28. Nov. 8% 96 Fol. — Grasse, 
Tresor VII, 875 f. (Vgl. Nr. 488). 

488. Paris, fir Giles Hardeayn, 1508 
[1497 — 1520}, 29. Nov., 8°, 96 Fol. 


(a—m8), 81 lin. — Br. V, 1630. 
(Vgl. Nr. 486). 

489. Paris, Geill. Eustace, 1508. 8°. — 
Br. V, 1645. 


489 a. Paris, Th. Kerver, 1508, 104 Fol. 
(A—N®) — Book-Prices Current 


1901 S. 705. 
490. Paris, Jean Poytevin [1508— 20], 
gr. 8°, 100 Fol., — Rep. 1894, 


Sp. 487. — Br. V, 166 f. 

491. Paris, Ant. Vérard (1507 ?] [1503— 
1520], 8?, 108 Fol. (a—c, b, e— k*. 
le, m—o®), 26 lin. — Br. Mm. — 
Book-Prices Current, 1905, 8. 489. 

492. Paris, Ant. Chappiel für Gilles 
Hardouyn, 1504 [1497—1520]. 
9. Jan., 4€, 76 Fol. (a—i$, At), 
88 lin. — Br. Mm. Br. V 
1631. — Cat. FD, Mai 1879 
S. 185. 

493. Paris, Ant. Chappiel für Gilles 
Hardouyn, 1504 [1497—1520] 

' 19.Jan. 49, 72 Fol, (a9), 44 lins 
| — Br. Mm. 

494. Paris, Ant. Chappiel für Gilles 
Hardonyn, 1504 [1497—1520], 
29. Jan. gr. 8°, 84 Fol, — Rep. 
1896/97 Nr. 9213. 

495. Paris, Th. Kerver, 1504 [1497— 
1520]. VI. Kal. Aug., 8°, 104 Fol. 
(A—N®), 26 lin. — Br. Mn. — 
— Br. V, 1619. — Cat FD, Mai 
1879, 8. 133. — Grässe, Tresor 
VII, 375. 

496. Paris, Ant, Vérard 1504, 25. Sept. 
89, — Br. V, 1608. — Book-Prices 
Current, 1908, 8. 537. 

497. -Paris, Jean Barbier, 1504, 8°. 
.Br. V, 1666. — Grásse Trésor VIL. 
918. 


498. Paris, für Guill. Du Puy, 1504, 80 
(A—J). — Br. V, 1667 f. - 
499. Paris, Philippe Pigouchet, 1504, 
8°, — Br. V, 1573. 
900. Paris, Jean Pychore u. Remy de 
L'Aistre, 1504, 8€, — Br. V, 1666. 


500 a. Paris, o. Dr. [1504—19] 8° 67 
Fol. Sammlung Frz. Trau, 
Nr. 453. 

501. Paris, Gilles Hardovyn .u. Germain 
Hardouyn [1504—20], 8°, 88 Fol. 
— Br. V, 1631. 

:502. Paris, Th. Kerver, 1505, XII. Kal. 
Febr., 8%. — Br. Suppl. I, 616. 


508. Paris, Pierre Le Dru für Ant. Vérard, 
1505 [1506 — 21], 28. — kl. 8°, 
— Br. V; 1608. 

504. Paris, Th. Kerver für Gilles Re- 
macle, 1505, 9. Febr., 12°, 70 Fol. 
— Rep. 1896,97, Nr. 12884. — 
Paris, Bibl. Nat. (Vgl. Nr. 505) 


505. Paris, Th. Kerver für Gilles Re- 
macle, 1505, 9. Febr., 16°, 72 Fol. 
— Br. V, 1685. — Grässe, Tresor 
VII, 375. (76 Fol.) (Vgl. Nr. 504.) 

505 a. Paris, Th. Kerver, 1505. XI. Kal. 
Marii, 8?, — Book-Prices Current, 
1906, S. 441. 


506. Paris, Guill. Anabat für Germain 
Hardouyn, 1505 [1505— 20], 1. Okt., 
kl. 4°, 108 Fol. (a—n®, o*), 29 lin. 
— Br. V, 1681 f. — Cat. FD, Mai 
1879, S. 185. — Grüsse, Trésor 

VII, 376. 

507. Parie, Tb. Kerver für Gilles Re- 
macle 1505 [1497—1520], 20. Okt., 
8°, 124 Fol. (a—p$, qt), 22 lin. — 
Br. V. 1619 f. — Grässe, Tresor 
VII, 375. 

508, Paris, Th. Kerver, 1505 [1497 —1520], 
XVI. Kal. Jan., 8%, 8 -]- 90 Fol. 

. — Br. V, 1619. —  Book-Prices 
Current, 1905. S. 273. (Vgl. Nr. 509.) 

509, Paris, Th. Kerver, 1505[1497 — 1520], 
XVI. Kal. Jan., 8°, 104 Fol. (A— 
N8), 26 lin. Br. Mm. (Vegl. 
Nr. 508.) 


26 — 


510. Paris, Guill. Anabat für Germ. Har- 
douyn, 1505, 8°. — Quaritch Cat. 
184 (1893), S. 29. — Panzer VII, 
516, 140. 

511. Paris, [Th. Kerver], 1505, 124 Fol 
— Hiersemann Kat. 330. 


512. Paris, Germain Hardouyn [1505 — 
. 1525], 8*. — Br. V, 1632. — Cat. 
FD, Mai 1879, S. 185 f. 
Grässe, VII, Tresor 376. 
512 a. Paris, Gilles Hardouyn, für 
Germ. Hardouyn [1505—25]. gr 
8, 88 Fol. — Grässe, Tresor VII,. 
376. 


518. Paris, Gilles Hardouyn [1505—20], 
gr. 85, 88 Fol. (a—19. — Br. V, 
1632. 

514. Paris, Guill. Anabat für Gilles Har- 
douyn, 1506, 16. Jan., E? — Br. V, 
1632. 

515. Paris, Th. Kerver, 1506 [1506 —30.] 
22. Juni, 8%, 124 Fol. (a—p?, q*), 22 
lin, — Br. Mm. — Br. V, 1620. 

516. Paris, für Ant. Vérard, 1506 [1503 — 
1520], 18. Sept., gr. 89, 91 Fol. — 
Br. V, 1608 f. — Grüsse, Trésor 
VII, 874. — Paris, Bibl. Nat. — 
Book - Prices Current, 1902, 
S. 271. 

517. Paris, Th. Kerver, 1506, 27. Okt., 

8 -+ 96 Fol. — Br. V, 1620. 

— Paris, Bibl. Nat. 


518. Paris, Th. Kerver, 1506, 8°. — Br. V, 
. 1620. — Grüsse, Trésor VII, 375. 
519. Paris, für Sim. Vostre [1506 — 20], 
89 (a—k$, 119, m8), 25 lin. — Br. V, 
1587. — Cat. FD, Mai 1876, S. 124. 
519 a. Paris, Th. Kerver, 1507. 1. Febr. 
89, (A—T9) — Book Prices Cur- 
rent, 1903. S. 167. 
520. Paris, Th. Kerver, 1507 [1506— 30], 
4, Mai, 8°, 124 Fol. (a—p8, q*), 
22 lin. — Br. Mu. 
521. Paris, Th. Kerver, 1507 [1506—30], 
23. Jani, 8°. 
522. Paris, fir Sim. Vostre, 1507 [1507 — 
1527], 30. Jun., 89, 102 Fol. (a—i8, 


k*, 1— n9), 26 lin. — Br. Suppl. I, 
608 f. — Cat. FD, Mai 1879, S. 123. 

523. Paris, Th. Kerver, 1507, 13. Sept., 
89 (A—O) — Br. V, 1620. — 
Panzer, VII, 525, 215. — Grüsse 
Trésor VII, 385. — Book-Prices 
Current, 1902. S. 408. 

524. Paris, Ant. Vérard, 1507 [1503 —20]. 
80. Okt., 8%, 126 Fol. (a9, br 
a—i8, kt, A—D®), 22 lin. — Br. Mm. 
— Panzer VII, 522, 189. ` 

525. Paris, o. Dr., 1507, 8%. — Cat. b, 
S. 48f. : 

525 a. Paris, Phil. Pigouchet für Guill. 
Eustace, 1507. 89, — Grüsse, Trésor 
VII, 877. 

526. Paris, Th. Kerver, 1507 [1506— 30], 

gr. 8, 100 Fol. (a—m, n9. — 
Rep. 1896/97, Nr. 12989.) 

527. Paris, Th. Kerver, 1507, 8°, 152 Fol., 
25 lin. — Panzer VII, 526, 216, 
— Rep. 1894, Sp. 437. 

528. Paris, Sim. Vostre, 1507, 8%. — 
Br. V, 1588. — Cat. B, S. 47 
(Vgl. Nr. 5829.) -` 

529. Paris, Phil. Pigouchet für Simon 
Vostre, 1507 (1507—27), 89,140 Fol. 
(a—c9, dt, e—p, à, à, 19), 21 lin. 
— Br. Mm. (Vgl. Nr. 528.) 

530. Paris, Guill. Anabat für Gilles Har- 

| douyn und Germain Hardouyn 
[1507— 20]. gr. 89, 118 Fol. — 
Br. V, 1688. — Cat. Bibl. Poitiers, 
8. 185. — Panzer VII, 527, 226. 
(Vgl. 581.) 

531. Paris, Guill. Anabat für Gilles Har- 
duyn, u. Germ. Hardouyn |1507 ?]. 
[1507—1520], 4°, 116 Fol. (A— 
08, P4), 29 lin. — Br. Mm.. (Vgl. 
Nr. 580.) ; 

582. Paris, Sim. Vostre [1507-26], kl. 
8°, 92 Fol. — Br. V, 1588. — 
Grásse, Trésor VII, 878. 

583. Paris, Jean Barbier für Nic. Vivien 
1508, 9. Márz, 89, 112 lin. (a— 09), 
27 lin. — Br. Mm. 

994. Paris, Phil Pigouchet fiir Guill. 
Eustace, 1508 [1508— 27]. 15. Juni, 


27 


kl. 80, 120 Fol. (a—o), 30 lin. — 
Ales, S. 290. 

535. Paris, Tb. Kerver, 1508, 10. Jal.,. 
8°, — Br. V, 1620. — Grüsse, 
Trésor VII, 875. 

536. Paris, Ant. Vérard, 1508, 14. Jul., 
8°, — Br. Suppl., I, 614. 

586 a. Paris, Ant. Vérard, 1508. 21. Juli 

. 8» — Paris, Bibl. Nat. 

587. Paris, fir Ant. Vérard, 1508 [1503 — 
1520], 8. Okt., kl. 4° (q®, aa, c—i®, 
A9, Bi, C4, a), — Br. V, 1609. 

537 a. Paris, für Ant. Verard, 1508. 
5..Nov. 8°, 82 lin. — Book-Pri- 
ces Current 1905 S. 188. 

Paris, für Ant. Verard, 1508 [1503 — 
1520], 10. Nov., 4°, 100 Fol. (a8, 
bt, b—d?$, e*, f—h$, i*, aa—dd9), 
92 lin. — Br. Mm. — Br. V,1609 f. 
— (Grüsse, Trésor VII, 374. 

. Paris, Guill. Eustace, 1508, 89, — 
Br. V, 1646. — Grüsse, Trésor 
VH, 871. 

. Paris, Th. Kerver, 1508, 8. — 
Panzer VII, 582, 271. 

. Paris, für Ant. Vérard, 1508 [1503— 

. 1520], 4*, 160 Fol. (a3, b*, b— d$, 
e*, f—h?$, i*, a4— 115, mm*), 32 lin. 
— Br. Mm. — Br. Suppl. I, 614. 

. Paris, Sim. Vostre, 1508 [1508— |], 
8°, 102 Fol. (A-E®, F, G*, H— N8, 
OS). — Quaritch, Cat. 352(1884), 
S. 1756. 

. Paris, Phil. Pigouchet für Guill. 
Eustace [1508—27], 89, 124 Fol. 
— Cat. Bibl. .Poitiers, S. 185. — 
Br. V, 1645 f. — Rep. 1895/96, 
Nr. 2581. Book-Prices Current 
1905. S. 186. 

. Paris, Guill. Anabat für Gilles Har- 
douyn [1508], gr. 89, 80 Fol. 
(A - 1$, K*, 4 Fol.). Rep. 1895/96, 
Nr, 4731. 

Paris, Guill. Anabat für Gilles Har- 
douyn u. Germ. Hardouyn [1508— 
1512], 8°. — Br. V, 1688. 

Paris, Guill. Anabat fiir Gilles Har- 
douyn u. Germ. Hardouyn [1508 — 


588. 


545. 


946. 


1812), gr. 8°, 80 Fel. 
K?, &%). — Br. V, 1638. — Book- 
. Prices Current, 1902. 8. 992. 
547. Paris, Gaill. Anabat für Gilles Har- 
douyn [1508?], [1508-20], 8°, 
&4 Fel. (A—K*, L9, 37 lin. — 
Br. Mm. | 
Paris, Gnill. Ansbat für Gilles Har- 
douyn [1508— 20], 8», 87 Fol. — 
Br. V, 1088. . 


:548. 


.549. 
88 Fol. (a, hf, c*, d9, e6, f—i$, k*, 

à, 68. — Br. V, 1591. — Cat. FD, 

Mai 1879, S. 125. (VgA. Nr. 550.) 

550. Paris, Sim. Vostre [1508—28], 4°. 
. 90 Fol. (a, b8, c*, d—i$, k$, à. &9). 

-  Br.Suppl. I, 609 f. (Vgl. Nr. 549.) 
‚351. Paris, Sim. Vostre [1508—28], gr. 8°, 
92. Fol. (a—19, m*). — Br. V, 1591. 

.552. Paris, Sim.Vostre (1508 —28], gr. 8? 
104 Fol — Br. V, 1591. 
Rep. 1894,95, Sp. 555. — (Vgl. 
Nr. 553.) 

Paris, Sim. Vostre [1508—28]. gr. 8°, 
(A—ES, F?, G5, H—NS*, O*) 29— 
81 lin. — Ales. Suppl. 8. 20. — 
Soleil Heures goth. S. 86 ff. (Vgl. 
Nr. 552.) 

Paris, Sim. Vostre 
gt. 89. — Br. 1590 f. 
855. Paris Sim. Vostre [1508—28], 8" 

— Quariteb Cat. 352 (1884), S. 
1756, 
. 906. Paris, Gilles Hardouyn,. 1509 [1508 
— 20], 8. Marz, 4°, 92 Fol. (a—l®, 
m$), 30 lin. — Br. V, 1633 f. — 
Rep. 1896,97, Nr. 12330. 
Cat. FD, Mai 1879, S. 136. 
557. Paris, Th. Kerver, 1509 [1506—30], 
19. Sept., 8°, .108 Fol. (A—N%, 
0%, 26 lin. -- Br. Mm. 


553. 


354. [1508—28). 


558. 
Eustace, 1509, 89 (a—4$, r*), — 
Br. V, 1646. — Cat. FD, Mai 
1879, S. 186 f. Panzer VIT, 536, 
$10. — (Grüsse, Trésor VII. 877. 
558 
92 Fol. — Grüsse, Trésor VII, 376. 


Paris, Phil Pigouchet für Guill. 


a. Paris, Gilles Hardouyn, 1509. 4°. 


28 — 


(A—J8,| 559. Paris, Th. Karver, 1509, 8%. — Br- 


V, 1621. — Panzer VII, 589, 355. 

560. Paris, Jean Barbier fir Gaill Le 
Rouge, 15008, kL 8% — Br. V 
1668, 

$61. Paris, Gilles Hardouyn far Germ. 
Hardouyn [150897] [1508—24], 4°, 
88 Fol. (A—L®), 38 in. — Br. V, 
1688. — Grässe, Tresor VII, 376. 
— Br. Mm. 


Paris, Sim. Vostre [1508—28], 4°,! 562, Paris, Gilles Herdouyn [1509 ?] 


[1509-24], 4°, 88 Fol. (A—L*). 
83 lin. — Br. Mm. — Br. V, 1633. 

562 a. Paris, Gilles Hardouyn, [1509 — 
20] kl. 8°, 90 Fol. (a—m). — 
Sammlung Frz. Trao, Nr. 454. 

563. Paris, Th. Kerver, 1510, 29. Mai, 
8° 108 Fol. — Br. V, 1621. — 
Grüsse, Trésor VII, 375. 

‘563 a. Paris, Ant. Verard, 1510. 21. Juni, 
8*". — Paris, Bibl. Nat. 

564. Paris, Guill. Godard, 1510, 4?. — 
Br. V, 1648 f. — Cat. B, S. 47. 

565. Paris, Th. Kerver, 1510, 8°, 108 Fol. 
— Rep. 1894,95, Sp. 555. 

566. Paris, Ant. Vérard, 1510 [1508 —20], 
8t 129 Fol. — Rep. 1895/96, 
Nr. 2530. 

586 a. Paris, tür Guill. Godard, [1510 
— 80]. 89, — Book-Prices Current, 

1906. 8. 38. 

567. Paris, Germ. Hardeuyn [1510— 80]. 
gr. 8, 92 Fel. — Br. V, 1684 f. 

568. Paris, Gilles Hardenya fiir Germ. 
Hardouyn [1510-25], xl. 89, 
108 Fol. — Br. V, 1685. — 
Quaritch Cat. 118 (1891) S. 67. 


569. Paris, Gilles Hardeuyn [1510]. 8°, 
62 Fol. Reseathal Cat. 7, 
1902. S. 96. 

570. Paris, Gilles Hardouya [1512 ?] 
[1510—30]. 4°, 92 Fol. (A—LS. 

~ M‘), 30 lin. — Br. Mm. — Br. V, 


.1634 f. 
971. Paris, Gilles Hardouyn n. Germ. 
Hardouyn [1510-30], gr. 8°, 


92 Fol. — Br. V, 1634 f. 


— 29 


572. Paris, Gilles Hardouyn 8*, u. Germ. 
Hardouyn [1510—20], 182 Fol, 
(A—Q$, R9, 24 lin. — Br. Mm. 

57%. Paris, Sim. Vostre.[1510— 30], 80, 
140 Fol. — Br. V, 1591. — Grüsse, 
Trésor VII, 374, . 

574. Paris, Th. Kerver, 1511 [15@6—80), 
3k. Marz, 4°, 100 Fol. (a—m?. n$), 
29 lin., — Br. Mm. 

575. Paris, Tb. Kerver, 1511, 6. Juni. 
6409, — Br. V, 1621. — Grüsse, 

. Trésor VII, 375. 

576. Paris, Th. Kerver, 151? [1506—80], 
24. Jul, 8?, 186 Fol (A—R?) 
— Case S. 422. — Br. V, 1622. 
(Vgi. Nr. 578.) 

Paris, Nic. Vivien, 1511, 20. Dez., 
89, 128 Fol (&—49) 29 lin. — 
Br. Mm. (Vgl. Nr. 579.) 

Paris, Th. Kerver, 1511, 8°, 184 Fol. 
— Rep. 1897/98, Nr. 17242, (Vgl. 
Nr. 576.) 

Paris, fir Nie. Vivien, 1511, 8°, 
128 Fol. — Br. Suppl. I, 620 f. — 
Rep. 1895/96, Nr. 1391. (Vgl. Nr. 
577.) ; 

. Paris, Gilles Hardouyn [151 — 21], 
gr. 129. 

Paris, Gilles Hardouyn u. Germ. 
Hardouyn [1511—30], 8°, 108 Fol., 
28 lin. — Alès S. 299. 

Paris, Thom. Wesalie [1511—30] 
108 Fol. — Rosenthal Cat. 7, 1902, 
S. 96. 

Paris, Th. Kerver, 1512, 24. Febr., 
89, — Br. V, 1622. 

Paris, 1512. — Rep. 1894, S. 441. 
(Vgl. Nr. 585.) 

585. Paris, Jean de Brye, 1512, 89. — 

Br. V, 1670. (Vgl. Nr. 584) 

585 a. Paris, Jean de Brye [1512— 23], 
8». — Book-Prices Current, 1902, 
S. 589. 

586. Paris, Jean de La Roche für Guill. 
Eustace [1512 —27], 8° (A®, bi, c? 
d, e*, f—m?, n‘, A8, B4, C8, D9), 
80 lin. — Br. V, 1646. — Grüsse, 
Trésor VII, 877. 


577. 


578. 


379. 


981. 


582. 


583. 


984. 


586. a. Paris, Gilles Hardouyn für Germ.. 
Hardouyn ([1528—24] 12°. 
Book-Prices Current, 1904, S. 283. 

587. Paris, Gilles Hardeuyn [1512—23].. 

169, 96 Fol. (A8, Aat, B—L®, Mu. 

-— Rep. 1894/95, Sp. 555f. — 

Br. V, 1685. | 

Paris, Gilles Hardouyn [1512—21],. 

gr. 8. — Br. V, 1685 f. — Grüsse, 

" Trésor VIT, 876. 


Paris; Nic. Hygman für Sim. Vostre 
[1512—80], 8°, 118 Fol. (a—q8),. 
26 lin. — Rep. 1894/95, Sp. 556. 
— Br. V. 1592f. 
Paria, Mathurin Le Mire für Nic. 
. Vivien, 1518 [1513 —25], 15. Febr., 
8°, 116 Fol. (A—M, à, 69, 19. 
— Alés S. 808. (Vgl. Nr. 591.) 
Paris, Mathurin Le Mire für Nic. 
Vivien, 1518 [1508— 25], 16. Febr.,. 
8t, 116 Fol. — Br. V, 1688f. — 
Grüsse, 'Tréeor VII, 879. (Vgk 
Nr. 590.) | 
Paris, Th. Kerver, 1518, [1506 —30], 
5. Aug., 8°, 108 Fol. (A—N®, 04),. 
26 lin. — Br. Mm. — Br. V, 1622. 
Paris, Gilles Couteau für» Guill. 
Eustace, 1518, 8*, 118 Fol. — 
Br. V, 1646f. — Cat Bibl. 
Poitiers S. 185. — Grüsse, Trésor 
VII, 877. . 
Paris, fiir Guill. Godard [1513—23], 
8?, 8 -|- 112 Fol. — Rep. 1896,97. 
Nr. 12881. 
Paris, Gilles Hardouyn [1513?] 
[1513-29], 89, 88 Fol. (4—18), 
83 lin. — Br. Mm. — Rep. 1896,97, 
Nr. 12332. 
595 a. Paris, Gilles Hardouyn [1513 — 30]! 
gr. 8°, 88 fol. — Grüsse, Trésor 
VII, 876. — Br. V, 1636. 

596. Paris, Gilles Hardouyn wu. Germ. 
Hardouyn [1518 —27], 89, 96 Fol. 
— Br. V, 1686. — Book-Prices 
Current, 1906, S. 232. 

597. Paris, Gilles Hardouyn u. Germ. 

Hardouyn [1518—80], 89, 108 Fol. 


588. 


589. 


590. 


591. 


592. 


593. 


294. 


595. 


(a— n8, of) — Br. V, 1635. — 
Rosenthal Cat. 7, 1902, 8. 96. — 
Cat. FD, Juni 1888, S. 64. 
598. Paris, Jean de La Roche für Nic. 
Vivien 1514 [1513 - 25], 28. Febr., 
80 (A—M, A e i'. — Br. V, 
1689. | 
$99. Paris, Gilles Hardouyn für Germ. 
Hardouyn, 1514 (1518—27], 9. Aug. 
89, 112 Fol. (A—O9), 28 lin. — 
Br. Mm. — Br. V, 1636. — Paris, 
Bibl. Nat. 
'600. Parie, Jean de La Roche für Guill. 
Eustace, 1514 [1512—27], 4°, 114 
Fol. (a8, b$, c8, d, et, f, g°, h$, 
i—n, A$, B*, C8, Ds), 30 lin. — 
Br. Mm. — Rep. 1894, Sp. 441. 
— Br. Suppl. I, 621. — Grüsse, 
Trésor, VII, 877. — Book-Prices 
Current, 1901. 
Paris, Th. Kerver, 1514, 8^. — 
Book-Prices Current, 1901, S. 154. 
Augsburg, Joh. Schönsperger, 1514, 
4°, 160 Fol. 14 lin. — Br. Mm. 
. Paris, für Guill. Godard [1514— 
. 80]. 89, 116 Fol. (A, B, a—i?, 
k!?, B, D, D$). — Br. V, 1650. — 
Grüsse, Trésor VII, 877. — Soleil, 
Heures goth. 
Paris, Guill. Godard, [1514 - 30]. 
8°, 126 Fol. — Br. V, 1650. 
Paris. für Guill. Godard, [1514— 
80], 8°, 130 Fol. — Rep. 1896/97, 
Nr. 12968. 
Paris [Gilles Hardouyn] fir Germ. 
 Hardouyn, [1514?], [1514-27], 


600 a. 


601. 


.603. 


604. 


605. 


8°, 112 Fol. (A—O5), 21 lin. — |. 


Br. Mm. — Rep. 1895 96, Nr. 
1392. — Br. V, 1636. 

Paris, Gilles Hardouyn [1515?), 
[1514—29], 4°, 88 Fol. (A—LS) 
30 lin. — Br. Mm. — Br. V, 
1636. (Vgl. Nr. 607.) 

Paris, Gilles Hardouyn [1514 - 29], 
4*, 96 Fol. (A—M*), 80 lin. — Rep. 
1894, Sp. 441. (Vgl. Nr. 606.) 

Paris, für Sim. Vostre [1514—30], 
89, 140 Fol. — Rep. 1894, Sp. 441. 


606. 


607. 


608. 


30 


— Br. V, 1594. — Grässe, Tresor 
VII, 874. 

609. Paris, Th. Kerver, 1515. XI. kal. 
Maii. 8€, — Br. Suppl. I, 616. 
Paris, Gilles Hardouyn, 1515, 8. — 
Br. V, 1687. — Gage, Trésor 
VII, 876. ' 
Paris, Sim. Vostre, 1515, 89 — 
Br. V, 1597. — Grüsse, Trésor 

VII, 374. 

Paris, für Guill. Godard (1515 —80], 
gr. 89, 84 Fol. — Cat. DC. S. 8 f. 

Paris, Guill. Godard [1515—30], 49, 
88 Fol. (a—l, A). — Br. V, 1651. 

Paris, [Nic. Hygmen], fiir Guill. 
Godard, [1515?] [1515—30], 4° 
96 Fol. (A—K*, L*, M9, A*), 29 lin. 
— Br. Mm. 

Paris, Guill. Godard [1515 —30], 8°. 
— Br. Suppl. I, 621. 

Paris, Gilles Hardouyn [1515 — 30], 
16°, — Br. V, 1687. (Vgl. Nr. 617.) 

Paris, Gilles Hardouyn [1515— 25], 
kl. 8*, 124-108 Fol. — Br. Suppl. 
I, 617 f. (Vgl. Nr. 616.) 

Paris, Gilles Hardouyn [1515 ?]. 
[1515—30], 8%, 88 Fol. (A—L*), 
80 lin. — Br. Mm. — Br. V, 
1687 (?) — Grüsse, Trésor VII, 
877. 

Paris, Gilles Hardonyn [1516?]. 
[1515 —80], 4°, 88 Fol. (A—L$®), 
30 lin, — Br. Mm. — Br. V, 
1636 (?). — Grüsse, Trésor VII, 


610. 


611. 


612. 


618. 


614. 


615 


616. 


617. 


618. 


619. 


376. 

620. Paris, Sim. Vostre [1515-30], 4”. 
— Br. V, 1597. 

621. Paris, Nic. Hygman für Guill. 


Eustace, 1516 [1516—30], 20. Okt. 
80°, 112 Fol. (a—o%, 81 lin. — 
Br. Mm. 

621 a. Paris, Fr. Byrckmann, 1516, 8°. 
— Grässe, Tresor VII, 379. 

622. Paris, Symph. Barbier fir Jean de 
Brye [1516—27], 8°, 8+-100 Fol. 
— Br. V, 1670. 

628. Paris, Jean Bignon fiir Jean de 
Brye, [1516?], [1516-27]. 89, 


624 


625 


-626. Paris, für Germ. Hardouyn [1516— | 639. 


426 


627 


428. 


429. 


‘6380. 


$31. 


682. 


633. 


‘634, 


635. 


— 31 


112 Fol. (A—O$*), 23 lin. — Br. | 636. 


Mm. — Br. V, 1670 f. 

. Paris, Nic. Hygman für Guill. 
Eustace [1516—30], kl. 8%. — Br. | 637. 
V, 1647. — Grüsse, Trésor VII, 

871. 


. Paris, Guill. Godard [1516], [1516 | 638. 


—30], gr. 8%, 80 Fol. — Br. V, 
1651. 


88], 16°, (A— F'!?), 87 lin. — Br. 
Suppl. I, 618. 

a. Paris, Germ. Hardouyn [1516—41], 
89. — Book-Prices Current, 1904, 


. Paris, Gilles Hardouyn [1516— 30] 
4*, 64 Fol. (A5, B—N8, 0?) 28 lin. 
— Br. V, 1637. Book-Prices 
Current, 1902, S. 110. 

Paris, Gilles Hardouyn [1516?], ^ 
[1516—80], 89, 112 Fol. (A— 08), e 
25 lin. — Br. Mm. — Book-Prices 
Current, 1904, S. 288 f. ; 


Paris, Th. Kerver, 1517, 26. Aug. | g4g. 
Soleil, Heures goth., 169. — Br. 
V, 1622. — Grüsse, Trésor VII, 
875. 

Paris, Nic. Hygman für Guill. 
Eustace, 1517, 20. Sept. 80. — 
Br. V, 1648. — Grüsse, Trésor 
VII, 877. 645 


Paris, Th. Kerver, 1517, 19. Okt., 
Book-Prices Current, 1902, S. 188, 
8°, — Panzer V, 12, 951 b. — |646. 
Br. V, 1622. 

Paris, Nic. Hygman für Guill. 647, 
Eustace, 1517, 8°, — Br. V, 1648. | 

Paris, Jean Bignon fir Jean de 
Brye [1517—27], 8°, 112 Fol. — | 648. 
Panzer XI, 497. — Br. V, 1671. 


Paris, für Guill. Godard [1517— 27] 


42. 


641. 


Paris, Gilles Hardouyn für Germ. 
Hardouyn, [1517—25], 80 Fol. — 
Rep. 1894, Sp. 441. 

Paris, für Guill  Eustace, 1518. 
gr. 8. — Br. V, 1648. — Grüsse, 
Trésor VII, 877. 

Paris, Th. Kerver, 1518, 8°. — Br. 
V, 1622. — Grässe, Tresor VII, 
875. 

Paris, Germ. Hardouyn [1518 —82]. 
gr. 8°, 84 Fol. (A—L). — Cat. FD. 
Juin 1888, S. 64. — Br. V, 1638. 
Book-Prices Current, 1904, S. 


118 f. 
S. 178. - 640. Paris, Gilles Hardouyn für Germ. 


Hardouya [1518?] [1518—25], 4°, 
80 Fol. (A—K®), 80 lin. — Br. 
Mm. — Rosenthal Cat. 18 (1898). 

Paris, Gilles Hardouyn u. Germ. 
Hardouyn [1518 — 82], kl. 89,96 Fol. 
— Br. V, 1638. | 

Paris, Th. Kerver, 1519, 21. Juni, 
89 144 Fol. (A—-S§), 24 lin. — 
Br. Mm. 

Paris, Th. Kerver, 1519, 19. Dez. 
80, — Br. V, 1622. — Grässe, 
Tresor VII, 375. 


644. Paris, Tb. Kerver, 1520, [1519 — 


1538], 24. Nov. 8%. — Br. V, 
1692 f. — Cat. FD. Juin 1883. 
S. 68 f. — Grüsse, Trésor VII, 875. 


. Paris, G. Hardouyn, 1520, 89. — 


Br. Suppl. 1, 618. — Cat. B. S. 47. 
— Panzer VIII, 66, 1191 (?). 
Paris, Gilles Hardouyn, 1520, gr. 89, 
88 Fol. — Br. Suppl. I, 618. 
Paris, für Sim. Vostre, 1520, 8". — 
Panzer VIII, 60, 1189. — Grüsse, 
Trésor VIL, 874. — Br. V, 1597. 
Paris, Pierre Vidoue, für Jean de 
Brye, [1520—31], 12%. — Br. V. 


. 1689 f. (Vgl. Nr. 649.) 


8°, 116. — Fol. Rep. 1896,97, Nr. | 649. Paris, Pierre Vidoue für Jean de 


12888. 
Paris,. Nic. Hygman. für Guill. 
Godard, [1517—28], 8°, 112 Fol. 


— Rep. 1897/98,.Nr. 18165. — Br. | 650. 


V, 1688. 


Brye [1520—31], 16°. — Br. Suppl. 


\ 1, 622. — Grässe, I'résor VII, 377, 


(Vgl. Nr. 648). 
Paris, Germ. Hardouyn [1521 ?) 
[1520—82). 89, 96 Fol. (A—M®), 


29: lin. — Br. Mm. — Bep. 
1896,97, Nr. 11446. — Br. V,1638f. 
— Cat. FD. Juin 1883, S, 64. 

653. Paris, Germ. Hasdouyn [150—932], 
kl. 18. — Br. V, 16839. 

652. Paris, für Gilles Hardouyn [1520?], 
[1520—80], 4*, 88 Fol (A—L?9, 
80 lin. — Br. Mm. 


653. Paris, Gilles Hardouyn [1520— 30], 


gr. 8°, 92 Fel. — Br. V, 1687. — 
. Grisse, Trésor VII, 877. 

658 a. Paris, Sim, Vostre [1520—30], 8°, 
89 Fol. (a—q) — Sammlung F'rz. 
Trau Nr. 455. 

654. Paris, fir Sim. Vostre [1520— 96], 
8, 140 Fol. — Br. Sappl. I, 611. 

655. Paris, für Sim. Vostre [1520—36]. 
8*, 
Rep. 1894/95, Sp. 555 f. 

655 a. Paris, für Germ. Hardouyn, 1521, 
8°, — Panzer VIII, 79, 1800 (Vogl. 
. Nr. 658.) 

656. Paris, Nic. Hygman für Jean de 
Brye[1521?], (1521— 86], 49,92 Fol. 
(A—K®, L^, 
Mm. — Br. Suppl. I, 622. — So- 
leil, Heuresgeth. 

657. Paris, Claude Chevallon für F. Eg- 
mondt [1521?], [1521— 38], 8°, 
112 Fol. (A—O8), 24 lin. — Br. 
Mm. 

657 a. Paris, Guill. Godard [1521—83], 
kl. 49. — Grässe, Tresor VII, 377, 

658. Paris, Gilles Hardouyn für Germ. 
Hardeuyn [1521— ], kl. 88, 
104 Fol. — Br. V, 1639. 

658 a. Paris, Witwe Th. Kerver, 1522, 
26. Febr. gr. 8°, 182 Fol. — Grässe, 
Tréser VII, 875. 

659. Paris, Th. Kerver, 1522 [1522 —86], 
10. Sept., 4°, 186: Fol. (A—R§). — 
Br. Mm. — Rep. 1896/97, Nr. 8362. 
— Br. V, 1623. — Cat. Bibl. Poi- 
tiers, S. 185. — Grüsse, Trésor 
VII, 875. | 

660. Paris, Pierre Vidoue für Jean de 
Brye, 1522 [1522— 88], 89. — Br. 
Suppl. I, 622. 


32 


662. Paris, 


144 Fol. (a—p, & & i$. —|[ 


M5), 29 lin. — Br.| 


ge 


660 a. Paris, Germ. Hardouyn, 1522, kl. 
80, — Grüsse, Trésor VII, 877.. 

661. Paris, Germ. Hardouya [1522?]. 
[1522—834], 4*, 88: Fol. (A —L9). — 
Br. Mm. — Br. V, 1089. 

661 a. Paris, Germ. Hardovyr, [(1522— 
84] gr. 4°, 33 Fol. — Grässe, 
Trésor VII, 877. (Vgl. Nr. 661.) 

661 b. Paris, Ch. Chevallon für Lud. 
Royer [1522—44] 129, 2284-5 Fol.. 
Grässe, Tresor VLI, 379. 

Witwe Th. Kerver, 1523, 
20. Mars, 8°, 132 Fol. 25 lin. — 
Rep. 1897/98, Nr. 30725. — Book- 
Prices Current, 1908, S. 394. 

663. Paris, Pierre Vidoue für Guill. Go- 
dard, 1523 [1524 —34], 89, 92 Fol. 
(A—L#®. Ma, 86 lin. — Br. Mm. 

—. — Hiersemann Kat. 330. — Br. V, 
1652. — Cat. FD, 1879, S. 187. — 
Alès, S. 805. —  Grásse, Trésor 
VIL 377. — Paris, Bibl. Nat. 

664. Paris, Pierre Roffet, 1523 (1523 —45],. 
320, 144, Fol, 25 lin. — Ales 
S. 808. 


'665. Paris, Nic. Hygman für Witwe Jean 


de Brye [1523?], [1529 —38], 4*, 
104 Fol. (a, b®, c*, d—i8, k$, à, &, 
is, 69. — Br. Mm. — Br. V, 1690; 
Suppl. I, 622 f. (Vgl. Nr. 666 u.. 
668.) 

666. Paris, Nic. Hygman für Witwe Jean 
de Brye (für Louis Royer), [1528— 
1583]. gr. 89 (a—i8, k6, a, 6, 18, 
o, b9, c9), 28 lin. — ARs, S. 309. 
— Grüsse, Trésor VII, 874. (Vgl. 
Nr. 665 u. 668.) 

667. Paris, für Germ. Hardouyn [1528— 
1587], 12%, 92 Fol. (k—M$). — 
Quaritch Cat. 118 (1891), 8. 67. — 
Br. V, 1639. 

668. Paris, Nic. Hygman für Witwe Jean 
de Brye (für Louis Royer), [1523 — 
1533], 8€. — Br. Suppl. I, 623. 
(Vgl. Nr. 665 u. 666.) 


668 a. Paris, Witwe Th. Kerver 1524, 


6. Aug. 8°. — Book-Prices Current. 
1905, S. 81. 


M 


669. Paris, Sim. Colines, 1524 (1525), 4°. 
— Bernard, Tory, S. 121. — Br. V, 
1657 f. 

669 a. Paris, Guill. Gadard, 1524, 8o, — 
Panzer VIII, 89, 1443. 


38 


630. 


681. 


670. Parie, Pierre Vidoue für Germ. Har- | 


douyn, 1 1524, kl. 89,96 Fol, (a—m?). 
-— Br. V, 1689 f. — Paris, Bibl. Nat. 

670 a. Paris, 8. Vidoue für Germ. Har- 
douyn, 1524. 180, — Paris,. Bibl. 
Nato ` 

671. Paris, Pierre Vidoue für Germ. Har- 
douyn, 1524, 16°, 8 + 128 Fol. — 
Br. V, 1640. 

672. Paris. für Germ. Hardouyn [1524— 
1537], gr. 8%, 81 Fol. — Br. V, 
1639. SE 

678. Paris, für Germ. Hardouyn [1524?], 
[1524—87], 4%, 84 Fol. (A-K®, 
L'. — Br. Mm. 

673 a. Paris, für Germ. Hardouyn, [1524 
—37], gr. 8°, 92 Fol. — La Bi- 
bliofilia I 69. 

674. Paris, Germ. Hardouyn [15257], 
[1524—37], 80, 104 Fol. (A— N$). 

— Br. Mm. 

675. Paris, Jean Petyt [1525?], [1524— 
1538], 4%, 98 Fol. (A, B*, a—p9). 
— Br. Mm. | 

676. Paris, [Sim. de Colines] für Geofroy 
. Tory, 1525, 17. Jan., 4%. — Ber- 
nard, Tory, S. 88. — Br. V, 
1657 f. — Paris, Bibl. Nat. 


682. 


683. 


685. 
686. 


687. 


689. 


690. 


691. 


677. Paris, Sim. Colines für Geofroy | 


Tory, 1525 [1528—51], XVII. Kal. 
Febr., kl. 49, 


692. 


144 Fol. (A—T9) | 


83 lin. — Br. V, 1657. — Bernard, : 


Tory, S. 88. — Cat. FD, 1879. 
S. 137 f. (Vgl. Nr. 678.) 


ı 693. 


678. Paris, Sim. de Colines bei Geofroy] - 
Tory, 1525, XVII. Kal. Febr., 4° 694. 


152 Fol. (A — T3). — Br. Mm. (Vgl. 
Nr. 677.) 
679; Paris, Pierre Vidoue. für — 


695. 


Hardouyn, 1525 [1525—3836], 16°,| 
104 Fol. (À—M*). — Br. V, 1687 f. | 696. 


— Rosenthal Cat. 18, 1898. 
Grässe, Tresor VII, 377. 


Lë Aug, 8°, 


— 
— 


Paris Pierre .Vidoue, 1525, 109, 
96 Fol.. ar MO 26 lin. - — Br. 
Mm. ; 

Paris, Germ. Hardonyn [1525 — 36], 
kl, 8%, 96 Fol — SC 1896/97, 


Nr, 12990. 


Paris, Pierre Vidoue für Franç. 
Regnault, [1526—46], Jan., 16°, 
24 +85 Fol. 

Paris, Witwe Th. Kerver, ,1926, 
‚132. Fol. (A—Q3, 
R4). — Ales, S. 296, Suppl. 5. ale 
— Br. Mm. | ( 

Paris, Germ. Hardouyn, 1526, ra 
Cat. B., S, 49, — Panzer VIII, 
98, 1589. 


Paris, Pierre Yidoue für Germ. 
Hardouyn, 1526, 82°, 104 Fol. 
(A—N?9). — Br. Mm. 

Paris, Germ. Hardouyn [1526 — 41], 
kl. 89, 80 Fol. — Rep. 1894/95, 
Sp. 557. . : 5 

Paris, Germ. Hardouyn [1526?], 
[1526—41], 4°, 84 Fol. (A—K*, 
Lt). — Br. Mm. 

Paris, Germ. Hardouyn [1526— 42] 
8°, 96 Fol. — Br. V, 1640. 

Paris, Germ. Hardouyn [1526 - 87], 
89, 112 Fol. — N 1896/97, Nr. 
11286 - 

Paris, Sim. de Colines für Geofroy 
Tory, 1527, 1. Okt.,.kl. 8* (A —Z). — 
Br. V, 1658. 


Paris, Sim. de Colines für Geofroy 


Tory, 1527, 21. Okt, kl. 89; — 
' Bernard, Tory, S. 88. 


Paris, Sim. Du Bois’ für Geofroy 
` Tory; 1527, gr. 89. — Cat, FD, Mai 
1879, S. 138. 


Paris, Germ. Hardonyn [1597 — 45], 
kl. 80, 81 Fol. 

Paris, Germ. Hardouyn (1527—41], 
kl. 8, 84 Fol. — Rep. 1897,98, 
Nr. 26965. 

Parjs, Germ. Hardouyn [15927 — 41], 
kl. 89, 96 Fol. — Br. V, 1641 f. 
V, —-. Grüsse, Trésor VIL 877. 

3 


701. Paris, 


702. Paris, 


106. Paris, Geofroy Tory, 


76 bh, Paris, Germ. Hardouyn, 


697. Paris, Germ. Hardouyn [1527- 41]|. 


ki. 4°, 112 Fol. (A—O9), 24 lin. 
— Ales, S. 801. — Br. V, 1641. 
— Grüsse, Trésor VII, 877. 


698. Antwerpen, Mart. Caesar, 1528, 16°. 


— Br. Suppl. I, 626. : 


699. Paris, Witwe Th. Kerver, 1528, 8°. 


‘Br. V, 1625. — Grasse, Trésor VII, 
875. 


700. Paris, o. Dr. [1528?], [1528—48]. 


4°, 130 Fol. (A, B*, a—p*, a—h!). 
— Br. Mm, 
Germ. Hardouyn [1528?] 
[1528—45], 8%, 88 Fol. (A—K, 
M9) — Br. Mm. — Br. V, 1642 
(1828 — 40.) 


Germ. Hardouyn [1528 ?] 


708. Paris, Gilles Hardouyn far Germ. 


Hardouyn [1528— 40], 8°, 104 Fol. 
(A—N). — Br. V, 1642. 


704. Paris, Geofroy Tory, 1529 (1580) 


8.. Febr., 16°, 176 Fol. (A— Y9) 
21 lin. — Br. V,.1659 f. — Bernard, 
Tory S. 55f. 


705. Venedig, Aldi MarnutiiHaer, u. Andr. 


de Asula 1529, Okt., 16°, 158 + 
2 Fol. — Br. Suppl. I, 626 f. 
— Cat. FD, Juni 1888, S. 66 f. 
1529, 16°, 
176 Fol. — Cat. FD, Mai 1859, S. 
188f. — BECh48. — Cat. Bibl. 
Poitiers 8. 186. 


06 a. Paris, Guill Godard [1529— 36]. 


89, — (Grüsse, Trésor VII, 878. 
1530, 
6. Mai, 8%. — G1ásee, Trésor VII, 
871. 


707. Paris, für Guill, Godard [1530—47]. 


32%, 96 Fol. (A—M*) — Rep. 
1897/98, Nr. 25205. 


708. Paris, Jolande Bonhomme (WitweTh. 


Kerver), 1531, 10. Jan., 8°, 132 Fol. 
(A— Qf, R*) — Br. Mm. — Br. V, 


1625 f. — Grüsse, Trésor VII, 375. | 729, Paris, 
709. Paris, Geofroy Tory, 1531 [1531| 
160 Fol. | 


— 60], 20. Okt, 49, 


34 


(A—V®, 30 lin. — Alés 8.312. — 

Bernard, Tory, 8. 60f. — Br. V, 

1660. — Cat. FD, Mai 1879. 

8. 189. — Grasse, Trésor VII, 377. 

709 a. Paris, Germ. Hardouyn, 1581, 12°, 
— Panzer VIII, 147, 2055. 

710. Paris, Germ. Hardouyn [1581 ?] 
: [1581— 46], 169, 108 Fol. (AN, 
0%). — Br. Mm. 

711. Paris, Geofroy Tory [1581]. o. — 
Bernard, Tory, 8. 158. 

712. Paris, Geofroy Tory, [1531—60]. 4°. 
— Rep. 1894, Sp. 485. — Bernard, 
Tory 8. 150. 

718. Paris, Gilles: Barden, 1532, 8 
(à—1.) — Br. V, 1642 f. — Grässe, 
Trésor VII, 877. 

714. Paris, Germ. Hardouyn [1582— 45], 
89, 84 Fol — Rep. 1897,98, 
Nr. 19091. | 

714 s. Paris, Germ. Hardouyn [1582— ], 
kl. 8^, 94 Fol. — Grüsse, Trésor 
VII, 377. (Vgl. Nr. 714.) 

715. Paris, Germ, Hardouyn [1582 — 45], 
kl. 89, 104 Fol. — Br. Suppl. I, 
618 f. — Rosenthal Cat. 18, 1898. 

716. Paris, Jolande Bonhomme (Witwe 

Th. Kerver), 1588, 15. Jan., 8". — 

Br. Suppl. I, 616 f. 


717. Paris, für Germ. Hardouyn, 1533 
[ —1582], kl. 8. — Cat. Bibl.. 
Poitiers, S. 180. — Br. Suppl 


I, 619. — Rep. 1894/95, Sp. 557. 
718. Paris, Th. Kerver 1583 [1519—38], 
89, — Rep. 1894, Sp. 486. 
719. Paris, Jean Amazeur für Guill. 
Godard [1584—46], 16%. — Br. V, 


1652. 
720. Paris, Germ. Hardouyn [1584—46], 
gr. 8°, 80 Fol. (A-K9. — 


Rep. 1894/95, Sp. 557. — Br. V,. 
1648. — Grässe, Tresor VII, 377. 
721. Paris, Germ. Hardouyn [1534—52], 
89, 9 +82 Fol. — Br. V, 1642. 
(Vgl. Nr. 722 u. 728.) 
Germ. Hardouyn [1584?] 
[153452], 89, 92 Fol. (A—L?*, Mu. 
— Br. Mm. (Vgl. Nr. 721 u. 723.) 


85 


728. Paris, Germ. Hardouyn (1584—52]. | 789. Paris, G. Hardouyn, 1541, kl. 89. — 


8%. — Rep. 1897/98 Nr. 19092. 
(Vgl. Nr. 721 u. 722.) 

1794. Antwerpen, Henr. Petrus, 1585, 8*, 
96 Fol. (A*, B—M*', N*). — Br. 
Mm. 

725. Paris, Franc. Regnault, 1535, 8°. 
— Cat. B. 8S. 48. — Br. V, 1655. 

726. Paris, Germ. Hardouyn, 1586. — 
Br. V, 1642. — Grässe, Tresor VII, 
877, 

727. Paris, G. Hardouyn [1536— 48].k1.8*, 
90 Fol. — Rep. 1897/98, Nr. 26966. 


728. Paris, Germ. .Hardouyn [1536?], 
[1586 — 46], 16°, 112 Fol. (A—O*). 
— Br. Mm. — Br. V, 1643. 

728 a. Paris, Sim. de Coliues 1537, 8*. 
— (Grüsse, Trésor VII, 378. 


140. 


741. 


742. 


743. 


729. Rouen, Jean Marchant, 1537, 89,| 


136 Fol: (aa—cc®, dd‘, a—hf, i4, 
À—E?. — Br. Mm. — Cat. ED, 
Mai 1879, S. 145f. (Für Frang. 
Regnault u. Jean Marchant.) 

730. Paris, G. Hardouyn, 1588, 8°, — 
Br. Suppl. I, 619. (Vgl. Nr. 781.) 

731. Paris, Germ. Hardouyn, 1538. — 
Br. V, 1642. (Vgl. Nr. 780.) 

732. Paris, Oliv. Mallard (Maillard) für 
Jean Petyt, 1538, kl. 8°, 152 + 24 
Fol. — Br. Sappl. I, 624. 


738. Paris, Germ. Hardouyn [1588?], 
[1538—55], 8%, 100 Fol. (A—M®, 
N). — Br. Mm. — Hiersemann 
Kat. 880. — Br. V, 1643. 

484. Paris, Germ. Hardouyn, 1539 [1539 — 
1560] 169, 96 Fol. (A—M?). — 
Br. Mm. | 

185. Paris, G. Hardouyn [1589—55], 16°. 
Br. V, 1643. 


736. Paris, Germ. Hardouyn [1540?], 
[1589—54], 80°, 104 Fol. (A—N9?) 
— Br. Mm. (Vgl. Nr. 737.) 

787. Paris, Germ. Hardouyn [1539 — 54], 
kl. 8%. — Br. V, 1648. — Grüsse, 
Trésor VII, 377. (Vgl. Nr. 736.) 

738. Paris, G. Hardouyn, 1540 [1540— 
1555]. — Br. V, 1643. 


749. 


750. 


Br, Suppl. I, 619. 

Paris, Witwe Germ. Hardouyn, 1541. 
8°, 164 Fol, — Br. V, 1648 f. — 
Grüsse, Trésor VII, 877. 


Paris, Oliv. Mallard, 1541, kl. 8$, 
144 Fol. (A—S). — Rep. 1896/97, 
Nr. 8868; 1894, Sp. 486. 

Paris, Oliv. Mallard, 1541,89, (A —Y). 
— Br. V, 1660f. — Grüsse, 
Tresor VII, 378. 

Paris, Oliv. Mallard für Geofroy 
Tory, 1541, 8%. — Bernard, Tory, 
S. 162—64. 


. Paris, Oliv. Mallard für Geofroy 


Tory, 1542 [1542— 72], Aug., 4°, 
(A—T). — Cat. FD, Mai 1879 
S. 189. Br. V, 1661. — Bernard, 
Tory, S. 166—68. — La Biblio- 
filia IV, 894. — Gerässe, Trésor 
VII, 978. 


Paris, Oliv. Mallard, 1542 [1548— 
1550), 8%, 176 Fol. (A—Y9. — 
Br. Mm. — BECh 48, — Quaritch 
Cat. 352, 1884, S. 1756. 


. Paris, Jean Ruelle, 1542, kl. 89. — 


Rep. 1896,97, Nr. 11447. 


. Paris, Sim. de Colines, 1548, 8°, 


166 Fol. (A—X), in den Rand- 
leisten die Zahl 1587. — Br, V, 
1661 f. — Cat. FD, Mai 1879, 
S. 140 f. 


. Paris, Sim. de Colines für Geofroy 


Tory, 1543 [1543 — 68], 4°, 176 Fol. 
(a—y®), in den Randleisten die 
Zahl 1586. — Alès, S. 316. — Br. V, 
1661. — Bernard, Tory, 8. 155— 
157. — Rep. 1894, Sp. 485. — 
Cat. FD, Mai 1879, S. 140. — 
Cat. DC, S. 9f. 


Paris, Oliv. Mallard für Geofroy 
Tory, 1543, 8* (A—K*, 84, T—X*). 
— Cat. FD, Mai 1879, S. 189 f. — 
Br. Suppl. I, 624. . 

Paris, Witwe Germ. Hardouyn 
[1543—62], 12°, 84 Fol. — Br. V, 
1644. 


EA 


751. 


752. 


Paris, Sim. de Colines [für Geofroy 
Tory], 1544, 8%. — Bernard, Tory | 
S. 169. - E 

Paris, Jac. Gazellus, 1544, 169, — 
Br. V, 1673. 


752 a. Paris, Germ. Hardouyn [1544 —52] 


499. Paris, 


194. 


798. 


759. 


760. 


761. 


762. 


763. 


764. 


gr. 8°, 9+82 Fol. — Grässe, Trésor 
VII 377. 

Jolande Bonhomme, 1546, 
[1548], 89, 182-2 +16 fol., 23 
lin. — Br. V, 1626. — Grässe, 
Trésor VII, 875. 


Paris, Jolande Bonhomme (Witwe 


Th. Kerver) 1546, (1547), 8°, 224 
fol. (a-z, A, A, B, aa, bb). — 
Br. Mm. | 


. Paris, Jean Hardouyn [1547-62]. 


16°, (A—M). — Br. Suppl. I, 619. 


. Paris, Jean Kaerbriant far Guill. 


Merlin, 1547, 8*. — Br. Mm. 


. Lyon, Mathias Bonhomme, 1548, 


89, 192 fol. 
Nr. 12337. | 
Paris, Mich. Fezandat in aedibus 
Albreticis e regione D. Hilarii, 
1548. 16°, 184 fol. — Rosenthal 
Cat. 7, 1902, S. 101. 

Paris, [Geofroy Tory] für Guill. 
Merlin, 1548, 8°. — Br. V, 1673. 
Grasse, Trésor VII, 379. 

Paris, Reg. Calderius u. Claud. 
Calderius, 1549, (1549 — 74], gr.4?. 
176 fol.— Br. Mm. — Rep. 1894, 
Sp. 486. Rep. E 


— Rep. 1896,97, 





Nr. 12838. — Br. V 1662. 
Paris, Jac. DuPuys, 1549,16°, 184-8 | 
fol. — Br. Suppl. I, 624. 
Lyon, Guill Roville, 1549, 8%. — 
B:. V, 1676. — Grüsse, Trésor VII, | 
919. : Ä 
Paris, Pierre Jouault für Magd. 
' Boursette (Witwe Franc. Regnault, 
1550. [1549 — 61], 89. 232 fol. — , 
Rep..1897,98, Nr. 20726. — Br. 
Suppl. 1 624. | 
Paris, Th. Kerver (ID, 1550 
[1549—56], kl. 8%, 172 fol. (A— | 
X 89, Y *) — Br. V 1662. —. 








36 


465. 


166. 


161. 


768. 


769. 


110. 


141. 


712. 


773. 


114. 


719. 


146. 


777. 


Paris, 


BE Ch 48. — Rep. 1894. Sp. 436. 
— Grässe, Tresor VII, 378. (Vgl. 
Nr. 765.) 

Paris, Jac. Kerver, 1550. Bernard 
Tory, S. 164. — Grüsse, Trésor 
VII, 875. (Vgl. Nr. 764.) 

Paris, . Franc. Regnault, 1550 
[1549—61], 80, 2 Bde. 144-128, 
75 fol. — Br. V 1656. — Grässe, 
Trésor VII, 878. 

Paris, Jean de Roigny [für Geofroy 
Tory, 1550, kl. 16. — Bernard, 
Tory S. 181. — Br. V 1672. 

Lyon, Mathias Bonhomme für 
Guill. Roville, 1550 [1550—70], 
89, 176fo1.(A — Y). — Cat. F. D. Mai 
1879, S. 144. — Rep. 1897.98 
Nr. 19098. — Br. Mm. — Br. V 
1676. — Quaritch Cat. 144, 1894. 
S. 8. 

Paris, Jolande Bonhomme (Witwe 

Th. Kerver 1551, 8". — Cat. 
Techener. Paris 1889, S. 6. 

Lyon, Guill Roville. 1551, 89. — 
Rep. 1895/96, Nr. 2990. — Grasse 
Tresor VII, 379. 

Lyon, Guill. Roville, 1553, 8%. — 
Rep. 1896/97, Nr. 12993. 

Paris, Jean  Bridier für Guill. 
Merlin, 1555, kl. 89, 168 fol. 
(A—X). — Cat. F.D. Mai 1879, 
S. 141. — Br. Suppl. I 625. 

Paris, Witwe Jean de Brye, 1556 
[1556—72], kl. 89, 200 fol. — 
Ales, S. 811. 

Paris, Witwe Th. Kerver, 1556, 8°. 
— BECh. 49. 

Th. kerver (II) 1556 
[1556 — 63], kl. 129, 180 fol. (A — M, 
A—C !2). — Br. V, 1662. — Rep. 

- 1896/97, Nr. 12994. 

Lyon, Mathias Bonhomme, 1558 
[1558— 74]. 89, 220 fol. — Rep 
1894, Sp. 441. — Br. V 1676. — 
Rosenthal Cat. 7, 1902, S. 179. 
. — Grüsse, Trésor VII, 379. 

Lyon, Pierre Fradin ffir Jac. 
Giunta haer., 1558, 169, 164-332 


778. 


779. 


780. 


781. 


782. 


783. 


784. 


789. 


786. 


781. 


788. 
789. 
790. 
791. 


792. 


— 87 


fol. — Baudrier, Bibl. Lyon. VI, 
290 — Cat. F.D. 1882, Nr. 16. 
Lyon, Rob. Granjon, 1558, 169. — 
Br. Mm. — Br. V 1676. — Grüsse, 

Tresor VII, 379. . 

Paris, Mich. de Vascosan, 1558, 
164 Fol. kl. 8° — Br. V 1673. 
(Vgl. Nr. 780.) 

Paris, Michel de Vascosan, 1558. 
kl. 8%, 176 fol. — Rep. 1896,97, 
Nr. 12964. (Vgl. Nr. 779.) 

Lyon, Jean Pullon (de Trin) für 
Guill, Maillet, 1559, 120, 16-4160 
+43 fol. — Rosenthal Cat. 7, 
1902. 8. 175. | 

Paris, für Ch. Angelier, 1560, 8? 
(A—B, AA—FF, AAA—DDD, 
AAAA—CCCC, A—D, AA—BB.) 
— Br. Suppl. I 625. 

Paris, Jacques Kerver, 1560, 89, — 
Br, V 1627. 

Antwerpen, Christ. Plantin, 1565, 
8°, — Br. Mm. (Vgl. Nr. 785 u. 
780.) 

Antwerpen, Christ. Plantin, 1565, 
8%, 288 S. — Br. Mm. (Vgl. Nr. 
784 u. 786.) -> 

Antwerpen, Christ. Plantin, 1565, 
8%. 845--2 S. — Br. Suppl. I 625. 
(Vgl. Nr. 784 u. 785.) 

Paris, Th. Kerver, 1566, gr. 12°. — 
Br. Suppl. I 617. Grässe, 
Tresor VII, 875. 

Paris, für Witwe Pierre Ricoart le 
jeune, 1966, 89?, 8 Teile. — Br. 
Mm. 

Paris, Jean Le Blanc für Jacques 
Kerver, 1569, 89, 165 fol. — Br. 
Mm. 

Paris, Jacques Kerver, 1569 [1570], 
89, (a—z, 8, 8, A, B, a, b, A, B) 
— Br. V 1027. (Vgl. Nr. 791.) 

Paris, Jac, Kerver, 1569, 86, 184-+ 
48 Fol. — Rep. 1897/98, Nr. 27826. 
(Vgl. Nr. 790.) . 

Antwerpen, Officina Christ. Plantini, 
1569, 89, 8 fol.+331 S.-+2 fol. 
— Rep. 1897/98, Nr. 24887. 


793. Antwerpen, Christ. Plantin, 1570. 
8°, 232 fol. (a—g, A—Y). 20 lin. 
— Ales S. 318. — Br. III, 804, 
— Rep. 1894. Sp. 435. — Br. Mm. 

x — Grässe, Tresor VII, 880. 

194. Paris, für Guill. Merlin, [1571], 89- 
9 Teile, — Br. Mm. 

795. Paris, a lenseigne de la limace 
[Louis Royer], [1571—82]. 89. — 
Br. V 1673 f. 

796. Paris, Jacques Kerver, 

|. BECh. 53. 

796 a. Paris. Léon Cavellat, 1579. 89, 
52+252 Fol. — Grässe, Tresor 
VII, 879. 

797. Paris, Jerome de Marnef u. Witwe 
Guill. Cavellat, 1580, 169. — Br. 
Suppl. I 620. 

798. Troyes, Jean Lecoq (II), [1580 — 89], 
80. — Br. V 1682. 

799. Rouen, Rob. Mallard, 1584, kl. 8°, 
— Br. Suppl. I 625 f. — Grasse, 
Trésor VII, 879. 

799 a. Paris, Mart. Jaquin [1584—97] 
16°, — Grässe, Tresor VII, 379. 

800. Troyes, Jean Lecoq, 1585, 89. — 

- Cat. B., S. 48. 

801. Paris, für Guill. de La Noue, 1587, 
89, — Rep. 1884, Sp. 441. 

801 a. Paris, Mart. Jaquin, 1588. 10. März. 
8°, 112 Fol. — Grässe, Tresor 
VII, 8379. (Vgl. Nr. 802.) 

802. Paris, Mart. Jaquin fiir Guill. de 
La Noue, 1589, 10. März, 8°, 
112 Fol. — Br. V, 1674. . 

802 a. Douay, Balth. Bellere, 1595, [1595 
—1614]. 12%, 648-424 S. (A—Z, 
Aa—Dd, al), 22—25 lin. 
Univ.-Bibl. Wien. 

803. Paris, Léger Delas, 1597, 12%, — 
Rep. 1897/98, Nr. 18166. 

804. Metz, Abrah. Faber, 1599, 8°, 688 S. 
(A—VV). — Br. V, 1677. 


i 


1572. — 


. |, .BRouen. 
805. Ronen, Jean Des Noyers für Jean 
Crevel [Ende des 16. Jh.], 8°, 
. 3 Teile..— Br. Suppl. I, 626. 


. 807. 
808. 
809. 


810. 


8/1. 


82. 
818. 


814. 


815. 


816. 


817. 


818. 


819. 


820. 


821. 


88 


. Paris, Germ. Hardouyn o. J. 12°. | 822. 


— Br. V, 1685. 


Paris, Gilles Hardouyn o. J. 89. — | 823. 


- Br. V, 1685. 

Rouen, Mart. Morin [ca. 1519] kl. 4^. 
— Br. V. 1680. 

París, Et. Johannot für P. Regnault, 
o. J. 89, — Proctor 8848. 

Paris, für Ant. Vérard o. J. 49, — 
Proctor 8421. 


Paris, Ant. Vérard [1490?]. [(1488— 
]305], 4?, 162 Fol. (A5, D, aa, bb$, 
co, dd—ff, à*, èt, A—C, p’, p$, 
A—F®, G*), 29 lin. — Br. Mm. 
— Cat. FD. Mai 1879. S. 127 f. 

Paris, Philippe Pigouchet fiir Pierre 
Regnault, 1492 [1488—1508], | 
6. März, 8%. — Br. V, 1571. 

Paris, Tb. Kerver, 1497, 24. Okt, 


8* (a—m). — Copinger II, 8127. | 828. 


(Vgl, Nr. 814). 


Paris, Th. Ker[ver], [1497—1520], | 827. 


29. Okt. kl. 89, 83-484 Fol. — Br. 


V, 1616. — Rep. 1894,95, Sp. 554. 828. 


(Vgl. Nr. 818.) 
Paris. Th.Kerver für Pierre Regnault, 


1501, 28. April. 76 Fol. — Rosen- | 829. 


thal Cat. 7, 1902, S. 96. 


Paris, Th. Kerver, 1501, 89. 
Br. V, 1618. 


Paris, Guill. Anabat [1507 ?] [1502 , 880. 


—20]. 8%, 128 Fol. (A— C5, Dé, 
 E—Q$, Bu 92 lin. — Br. Mm. 


Paris, Nic. Hygman für Sim. Vostre | 881. 


[1502—20], 8°. 120 Fol. — Br. 
V, 1587. — Grüsse, Trésor VII, 380. 


Paris [Ant. Vérard?]. [1508— 20] | 832. 


gr. 89, 88 Fol. (A—H?, A, B®, C4 
4 Fol.) 28 lin. — Ales S. 825. 


Paris, Jean de Burges, Pierre Huvin | 833. 


u. Jacques Cousin, 1508, 89, — 
Br. V, 1669(Vgl. Nr. 821). 
Paris, Apt. Vérard für Jean Burges. 
Pierre Huvin u. Jac. 
[1910 ?], [1508 —20], 8°, 140 Fol. 


(a—r®, s*), 22 lin. — Br. Mm, — | 856. 


Br. V, 1608. (Vgl. Nr. 820.) 


824. 


. Paris, 


884. 


Cousin, | 835. 


Paris, Th. Kerver, 1507, 20. Jan. 
. kl. 4*. — Br. V, 1620 f. 

Paris, für Sim. Vostre [1508 —98], 
4°, 88 Fol. — Rep. 1894/95, Sp. 
555; 1897/98, Nr. 28076. — Cat. 
DC. 8. 7 f. — Cat. FD. Mai, 
1879, 8. 195. — Br. V, 1590. — 
Grässe, Trésor VII, 880. 


Paris, Phil. Pigouchet für Sim. 
Vostre [1508?], [508—28]. 4°, 
92 Fol. (a— if, k*, à, £9), 30 lin. 
— Br. Mm. 

Gilles Hardouyn für Phil. 
Coste, Pierre Lignans, Raoulin 
Gaultier u. Louis Bonnet [1511 ?] 
[1910—30], 8*, 128 Fol. (A—QS*., 
24 lin. — Br. Mm. — Br. V, 
1635, Suppl. I, 618. — Grässe, 
Trésor VII, 380. 

Paris, Sim. Vostre (1515 —30], 8*, 
8+120 Fol. — Br. V, 1596. 

Rouen, Mart. Morin [1518— |), 
12*. — Br. V, 1679 f. 

Rouen, Jean Du Moulin [1519— ) 
kl. 49. — Br. V, 1680. — Grüsse, 
Trésor VII, 880. 

Paris, Nic. Vostre [1523—83], 8e. 
(8 Fol, C*, b, cf, d*, e—N, à, &. 
m 22. lin. — Ales Suppl. S. 22. 
(Vgl. Nr. 830.) 

[Paris, Sim. Vostre?] [1528—33]. 
89, — Br. Suppl. I, 611 f. (Vgl. 
Nr. 829.) 

Paris, Witwe Th. Kerver far Louis 
Bonnet [1524], 1525, 2. Jan., kl. 
89, 182 Fol. — Br. V, 1624 f. 

Paris, Germ. Hardouyn [1530?], 
(1928 —45], 89, 104 Fol. (A—N*), 
32 lin. — Br. Mm. 

Paris, Franç. Regnault, 1529, 8°, 
128 Fol. — Rep. 1894, Sp. 448. 

Rouen, Rob. Valentin, 1538, 8. M&rz 
89, — Br. Suppl. I, 623. 

Paris, Germ. Hardouyn, 1534, kl. 8°. 
— Br. V, 1685. (Vgl. Nr. 836.) 
Paris, Germ. Hardouyn, 1534, kl. 
8°. — Br. V, 1648. (Vgl. Nr. 885.) 


837. Paris, [Oliv. Mallard], 1536, kl. 8°. 
— Br. V, 1660. | 
Paris, Witwe Th. Kerver, 1588, 
.25. Okt., 12%, 156 Fol, — Br. V, 
1625. 

839. Rouen, Jean Mallard, 1541. 8*. 
Br. V, 1680. 

Rouen, Nic. Le Roux für Guill. 
Bauent, 1548, 12°. — Br. V,1680 f. 

Parie, Jolande Bonhomme (Witwe 
Th. Kerver), 1551, 8°, 160 Fol. 
(A—V$8), — Br. Mm. — Br. V, 
1625. 

Paris, Jacques Kerver, 1557, kl. 8°. 
— Br. V, 1625. 


838. 


840. 


841. 


842. 


Saintes. 
842 a. Paris, Jean Philippe für Jean 
Bezanceau (Zeichen Th. Kerver), 
1497 [1494 —1520], 16. Jan, kl. 8°, 


88 Fol. — Rep. 1896/97, Nr. 
12847. — Cat. Bibl. Poitiers 
S. 186. 


Paris, für Sim. Vostre [1507—27], 
kL 8%, 120 Fol. (a—c®, d*, e—o, 
12 Fol., &, i%), — Br. V, 1589. 
— Cat. FD. Mai 1879, S. 124 f. 
— Grässe, Tresor VII, 381. 


842 .b. 


Saint Malo. 
343. Paris, für Sim. Vostre [1592—20]. 
8°, (a—k*), 26 lin. — Alas S. 882. 
844. Rennes, Pierre Le Bret, 1560, kl. 8°, 
96-464 Fol. (aa—mm, A—H). — 
Cat. FD. Juin 1883, S. 66. 


Sens. 


$45. Paris, für Guill. Godard, 0. J. 8°, 
— Br. V. 1650. 

5846. Paris, Sim. Vostre [1502 —20]. 8*, 
182 Fol — Rep. 1897/98, Nr. 
27471. 

-846 a. Paris, Jean le Brye, 1512. 49, — 
Grüsse, Trésor VII, 331. 

847. Paris, für Sim. Vostre [1512—80], 
89, 128 Fol. — Br. Suppl. I, 610. 
Grüsse, Trésor VII, 381. 


99 


848. Sens, Jean Savine für Jean de La 
Mare, 1569, [1570—98] 120, 204 
Fol. (a—m, A—E), 87 lin. — Alés 
S. 870. — Br. Mm. — Grüsse, 
Trésor VII, 881. 


Soissons. 

Paris, Sim, Vostre [1502—20], 8° 
(a—c*®, d!, 0—o®, p!, A 8, 1°), 21 
lin. — Alès 8. 376. — Br. Suppl. 
I, 608. 

Paris, Nicole Vostre [1525 —41], 8°. 
— Br. Suppl. I, 612. 


849. 


850. 


Toul: 
. Paris, Phil. Pigouchet für Simon 
Vostre, 1499 [1497 — 1520], 20. Dez., 


89, 100 Fol., 26 lin. — Proctor 
8199. — Br. V, 1584. — Hain 
88064. 


. Paris, Sim. Vostre [1502—20], 134 
Fol, (a—s). — Rosenthal Cat. 7, 
1902, S. 96. 

St. Nicolas du Port, Pierre Jacobi, 
1508, 28. Juni, kl. 4%, 118 Fol. 
(à—m, q-8). — Br. V, 1677. — 
B. 860 ff. 

Paris, Phil. Pigouchet für Simon 
Vostre [1508 —28], gr. 8°, 100 Fol. 
(2, b*, c*, d—h?, i'*, à, 8, 1*, 09. 
— Cast. S. 425. 

Paris, für Sim. Vostre [1518 —30], 
8* (a—c*, d*, e—r$, st), 21 lin. 
— Alès, S. 885. (Vgl. Nr. 850.) 

Paris, für Sim. Vostre [1513 —80], 
89, 148 Fol. (a—s, &—6). — Br. 
V, 1596. (Vgl. Nr. 855.) 

Paris, für Guill. Godard [1515 — 30] 
8%. — Br. V, 1651. 

Paris, für Guill. Godard [1515— 30]. 
kl. 4°, 100 Fol. (A—N;). — Br. 
V, 1651. 

Paris, für Sim. Vostre [1515 —30], 
gr. 8°, 100 Fol. (a—i, à, é, 1, 0]. 
— Br. V, 1596. — Grüsse, Trésor 
VIL 881. — 

Paris, Witwe Fr. Regnault, 1516, 
8", — Br. V, 1688. 


853. 


854. 


855. 


856. 


857. 


858. 


859. 


860. 


1559), 8*, 100 Fol. (aa—vt, a—h). 


-> — Bri V, 1655 f. 


£63. 


894. 
: Vostre [1502—20], 89 (a—l, à, 6, 


865. 


866. 


867: 


869. 


870. 


871. 


. Paris, 


Toulouse: 
Paris, für Sim. Vostre [1507—27]. 


, 8'(a—e D—L, ‘A, 6, 1), 21 und 
26 lin. Alés, 


S. 390. 


- Tournal. 
Paris, Phil. Pigouchet für Simon 


1, +), 26 lin. — Ales, S. 391. — 
Br. V, 1586. 
VII, 881. ` 
Paris, für Sim. Vostre [1512— 80], 
80, 144 Fol. — Br. Suppl. I, 610. 


Tours. 
O. O. [ca. 1485], 12°, 88 Fol., 17 lin. 
— Quaritch Cat. 118 (1891), S. 65. 
Paris, fiir Ant. Vérard [1458—1508]. 
gr. 8°, 156 Fol. (A®, B, A-C#, 
Di, DP a, ët, A—C, A—-G6G9) 
29 lin. — Alès, S. 894. 


. Paris, Phil. Phigouchet für Simon 


Vostre, 1491 (1492), 18. Marz, 4°. 
— Proctor 8183. (Vgl. Nr. 869.) 
Paris, Philippe Pigouchet, 1491, 4°. 
— Br. V, 1571. (Vgl. Nr. 868.) 
Paris, Phil. Pigouchet für Simon 
Vostre, 1497, 91. Nov., 89, — Cat. 
FD, Mai 1879, S. 121. (Vgl. 

Nr. 871) - 

Paris, Phil. Pigouchet für Simon 
Vostre, 1497 [1488—1508],26.Nov., 
8" (a—19, m*) — Br. V, rosa, 
(Vgl. Nr. 870) ` 


2. Paris, Ant. Vérard, 1500, 8. RR 49, 


— Br. V, 1607. (Vgl. Nr. 878.) 


. Paris, Ant. Vérard, 1500, 14. Aug., 


49, — Proctor 8461. (Vgl. Nr. 872.) 
für Sim. Vostre [1518—80], 
8°, 96 Fol. — Rep. 1894/95, Sp. 
996. ) 


. Paris, für Sim. Vostre [1518— 30]. 


kl. 4°, 120 Fol. — Rep. 1896/97, 
Nr. 9214. 


40 


— Grüsse, Trésor |: 


5 Paris Witwe Franc. Regnault [1547— 876. Paris, Jean de La Roche far Guill. 


Eustace, 1514, 8°, 104 Fol. (a®, 
b*, c9, d, et, f—k?, 14, m^, A9, B*, 
C*, D9, 80 lin. — Br. Mm. 
. Paris, Sim. Vostre, 1520, 8°. 
~ Ebert 774. — Br. 1598. 
Paris, Nic. Hygman für Guill. Go- 
dard [1526—37], 80, 112 Fol. 
(A — 0°). — Rep. 1897/98, Nr.28322. 
Paris, für Sim. Hadrot [1527— 43]. 
89, — Br. Suppl. I, 623. 
Paris, Guill. Merlin, 1548, 8°. 
Cat. B, S. 48. 


878. 


379. 


880. 


Troyes. 


Paris, Geofroy de Marnef, 1493. 
[1489 —1508], 18. Aug., 4°, 100 Fol. 
(a—m$, aa‘), 25 lin. — Br. Mm. 
— Copinger II, 3143. — Br. V, 
1665. — Proctor 8464. — Cat. FD 
Mai 1879, S. 142. 


. Paris, Phil. Pigouchet für Simon 
Vostre, 1500, 25. Juni, kl. 8%. — 
Br. V, 1584. 

. Paris, Wolfg. Hopyl für Sim. Vostre, 
1506, 8%. — Br. V, 1587. 

. Paris, für Sim. Vostre [1507 —27], 

8€, 152 Fol. — Br. V, 1589. 
Troyes, Jean Lecoq [1511— 86], 16? 
(A—K, A—C). — Br. V, 1681. 
885 a. Paris, Geofr. de Marnef, 1513. 

[1489—1508], 18. Aug. 49. — 
Grasse, ‘I'résor VII, 882. 
886. Troyes, Jean Lecoq [1514— |], 12° 
— Br. V, 1681. 


887. Paris, für Sim. Vostre [1515—30], 
8°, 99 Fol. — Rep. 1896,97, Nr. 
8361. — Br. V, 1596. 

888. Paris, Thom. Englart für Guill. 
Godard (1520 — |], 89, 84 Fol. — 
Br. V, 1652. 

889. Troyes, Jean Lecoq [1545 — 66], 169, 
160 Fol. (A—R, A— C). — Br. V, 
1682. — Grüsse, Trésor VII, 882. 

890. Troyes, Jean Lecoq (II), 1550, 8°. 
— Br. V, 1682. 


881. 


885. 


Utrecht. 


891. Antwerpen, Ger. Leeu [ea. 1484— 
1485], 169, 152 Fol, 16 liv. — 
Copinger H, 3140. 

892. Antwerpen, Ger. Leeu, 1492, 13. Marz, 
8°, 21 lin. — Copinger II, 3142. 

893. Antwerpen, Adr. v. Liesvelt [1492 — 
1505], 89, 156 Fol. (A, a, b$, c, 
D—G?, A—M*), 21 lip. — Co- 
pinger IT, 3141. — Proctor III, 73. 


Verdun. 
894. Paris, Phil. Pigouchet fiir Simon 
Vostre, 1498 (1488, eigentlich 
1498 —1508], 27. Okt., 89, 95 Fol. 

— Br. V, 1583 f. 

894 a. Paris, J[ean] P[oytevin] für Sim. 
Vostre, 1498, 89, — Grüsse, Trésor 
VII, 882. (Vgl. Nr. 894.) 

Paris, Phil. Pigouchet für Simon 
Vostre, 1499 |1497— 1510], 15. Okt., 
89, 92 Fol. — Br. V, 1584. 

Paris, für Ant. Vérard, 1502, 18. Aug., 
‚8%, 98 Fol. — Quaritch Cat. 118 
(1891), S. 65 f. 

Paris, Phil. Pigouchet für Simon 
Vostre [1502 —20], 8°, 132 Fol. — 
— Br. V, 1587. 

Paris, für Sim. Vostre [1515—30], 
gr. 8° (a, b®, ct, d—i8, k?, å, à, 
ie, 5%), 80 lin. — Alds, S. 408. — 
Br. V, 1507. 


Windesheim. 
Daventriae, Rich. Pafraet, 1497, 
16°, 104 Fol., 17 lin. — Copinger 
II, 3144. 


695. 


£96. 


897. 


898. 


899. 


Augustiner. 


Schoenhoven [1500 ?], 8°, 60 Fol. 
(A®, Bt, C—E, a—c®), 20 lin. — 
Br. Mm. 

Extra muros Scoenhoviae (in den 
Hem), [ca. 1500], 89, 112 fol. 
20 lin. — Copinger II 8138. (Vgl. 
Nr. 908. 

. Extra muros Scoenhoviae (Mönche) 

in den Hem, 1500, 1V. Id. Mart., 

8%, 148 fol. (a—p, a—c$, d*) 


900. 


901. 


41 


20 lin. — Br. Mm. — Copinger IL 
3139. — Camp. 8. 275. 

903. Extra muros Schoenhoven (Mönche) 
in den Hem, 1508, 8", 120 fol. 
(a—p®) 20 lin. (Vgl. Nr. 901.) 

904, Extra muros Schoenhoviae (Mönche) 
in den Hem, 1520, 8°, 128 fol. 
(a, b, c, d—r®), 20 lin. — Br. Mm, 


Benedictiner. 

904 a. Annesiaci, Franc. Pomard, 1548, 
16° — Gräse, Tresor VII, 867. 

905. Parie, Jolande Bonhomme, 1544, 
16°. — Br. V 1626. 

906. Paris, Jolande Bonhomme (Witwe 
Th. Kerver), 1546 (1545, Dec.), 
[1546—69], 8°, (a-s9, 27 lin. — 
Ales S. 471. — Rep. 1896/97, 
Nr. 6621. 


Carmeliter. 


907. Gent, Arn. de Keysere, ca. 1487, 
89, — Copinger II 3055. 

908. Lyon, San Busignan Gorgoni, 1516, 
18. Mai, kl. 8%, 96 fol. — Cat. 
FD. Mai 1879, S. 145. — Br. 
V 1675 f., Suppl. I 621. —- Grasse, 
Tresor VII, 368. (Vgl. Nr. 909.) 

909. Lyon, B. Lescuyer, 1516, 8°, 96 fol. 
(a—m®). — Br. Mm. (Vgl. Nr. 908.) 


Carthäuser. 
910. Paris, Th. Kerver, 1509, 8%. — Br. 
V 1621. — Grässe, Tresor VII, 367. 
910 a. Paris, Witwe Th. Xerver 1527. 
5. Juli, 8%, — ‘Panzer VII, 105, 
1610. 


Cisterclenser. 
911. Paris, Nic. Hygman für Sim. Vostre 
o. J., gr. 89, 104 fol. (a—n$). — 
Rep. 1896/97, Nr. 8231. 


912. Paris, Jolande Bonhomme, 1553, 
89, — Br. Mm. 
Dominicaner. 
918. Paris, für Sim. Vostre [1515?], 


[1513-80], 8°, 120 fol. (a—p®).. 
26 lin. — Br. Mm. 


914. 


'915. 


916. 


917. 


919. 


920. 


921. 


sg 


922. 


923. 


d. Paris, 


— 


Paris, Witwe Th, Kerver, 1529, 
11. März, 8*, (a—v*), 25 lin. — 
Ales S. 522, — Br. V 1685. (Vgl. 
Nr. 915.) 

Paris, Witwe Th. Kerver, 1529, 
11. März, 8%, 176 fol. (A—Y9), — 
Br. Mm. (Vgl. Nr. 914) 

Paris, Witwe Th. Kerver, 1542, 
26. Sept., 89, 192 fol. (A—X, 
A—C*, 22 lin. — Ales S. 528. 
— Br. V 1685. — Rep. 1894,95, 
Sp. 557. — Br. Mm. 

Mexici, in sedibus Petri Ocharte, 
1567, 20. Apr., 4°, 39 fol. — Br. 
III 804. —  Grásse, Trésor VIII, 
972. 


Prümonstratenser. 


für Sim. Vostre, 1506. 
26. März, 8°, 128 fol. — Br. Suppl. 
I 603. 


In anderen Sprachen: 
Deutsch. 


Zu Cleinen Troya (Kirchheim), 
Marc. Reinhard, 1491, 8°, 136 fol. 
(a—f, A—J9), 21 lin. — Br. Mm. 
— Proctor 3210. — Br. Suppl. 
I 620. — Copinger II 3125. 


Griechisch. 


Hagenau, Thom. Anshelmus, [1517 ?] 
Jan. 169, 112 fol. (a—0*), 14 lin. — 
Br. Mm. — Grüsse, Trésor VII, 
880. — Br. III 804 (: 329). 

Rom, Zach. Callierges, [1515 ?], 329, 
144 fol. (a—s*) 13 lin. — Br. Mm. 

Venedig, Aldus, 1497, 5. Dez., 16°, 
112 fol. (a—x*) 14 lin. — Br. 
Mm. — Ren. I S. 86. — Rep. 
1894, Sp. 434. — Br. III 804. — 
Haiu 8830. — Proctor 5560. — 
Firmin - Didot, Alde Manuce. 
Paris, 1875. 8. 92. — Quaritch Cat. 
118, 1891, S. 73. — La Bibliotlia 
IV, 278. 

Venedig, Aldus, 1505, Juli. 32?. 
160 fol. (a—u®), 13 lin. — Br. 


42 


Mm, — Br. III 304. — Ren. I 
116, — Firmin Didot, Alde Manuce. 
Paris. 1875, S. 277. — Grässe, 
Trésor VII, 880. — Panzer VIII, 
877, 811. 
Tübingen, Thom. Anshelmus, 1514, 
169, 112 fol. (a—o*), 14 lin. — 
Br. Mm. — Br. Suppl. I 626. 
Cöln, Eucharius Cervicornus (Hirsch- 
horn, 1517, 8. Okt, 12°. 
Firmin — Didot, Alde Manuce. 
Paris, 1875. S. 598. 
Louvain, Th. Martens, 1517, 16°, 
111 fol. — Firmin-Didot, Alde 
Manuce. Paris 1875. S. 600. 
Hagenau, Thom, Anshelmus, 1518. 
16°, 111 fol, (a—o*), 14 lin. — 
Br. Mm. — Panzer VIII, 85, 147. 
Florenz, Haer. Phil. Giunta, 1520, 
` 820, 160, fol. (a—u*). — Br. Mm. 
Venedig, Andr. Torresani, 1520. 
— Bernoni, Terresani. Milano 
1890. Nr. 262. 
"Venedig, Aldus, 1521, Juni, 824, 
160 fol. — Ren. I S. 221. — Br. 
III 804. — Panzer VIII, 467, 1073. 
Paris, Pierre Vidoue für Jean de 
Brye, 1522, 89. — Cat. FD. Mai 
1879. S. 143. 
931 a. Paris. Pierre Vidoué für Guill. 
` Godard 1528, kl. 8^, 92 FoL — 
Grüsse, Trésor VII, 878. 

931 b. Antwerpen, Mart. Caesar 1528. 
Nov. 12° — Panzer VI, 18, 105. 

932. Paris, Gilles Gormont, 1528, 32%, 
107+1 fol. — Br. Suppl. I 626. 

932 a. Hagenau, Joh. Secer, 1528, 16*. 
— Panzer VII, 101, 271. 

982 b. Venedig, Haeredes Aldi Manutii 
et Andree Asulaui 1529. Okt. 169, 
160 Fol. — Grässe, Tresor VII, 
380. 

983. Paris, Jean Roigny, 1538, 16°, — 
Br. Mm. 

934. Paris, Christian Wechel, 1538, 16°, 
87 fol. — Br. Mm. 

935. Paris, Franc. Stephanus, 1543, 16°, 
95 fol. — Br. Mm. 


924. 


925. 


926. 


927. 


928. 


929. 


930. 


931. 


936. Paris, Jac. Bogard, 1545. 16°, 176 
fol. — Br. Mm. 

987. Paris, Mich. Fezandat, 1547, 16°, 
188 fol. — Br. Mm. 

988. Paris, Jae. Du Puys, 1549, 16°, 
184 fol. — Br. Mm. — Grüsse, 
Tresor VII, 379. 

989. Paris, Guill. Merlin, 1554, 16°. — 
Br. Suppl. I 625. 

940. Paris, Ben. Prevot, 1559, 16°, 206 
fol, — Br. Mm, 

941. Paris, Hieron. de Marnef, 1585, 16°, 


191 fol. — Br. Mm. 


Italienisch. 


942. Venedig, G. Giolito de' Ferrari. 
1570. 12v, — Br. Suppl. I 627. 
942 a. Venedig, Gebr. Giolito de' Ferrari. 
: 1972, 129, — Grässer, Tresor VII, 
382. 


Hollándisch. Viaemisoh. Getijden. 


943. Delft [H. Eckert v. Hombergh] [ca. 
1490], 8*, 120 fol., 17 lin. — Camp. 
S. 230. 

944. Leyden v. Dr. [1515 ?], 89. — Br. Mm. 

945. Paris, Th. Kerver, 29. Jan. 85, 

124 fol. (A—Q). — Br. Mm. 

-Delft, (Jac. van der Meer], 1480, 

8. Apr., 4°, 190 fol., 21. lin. —, 
Camp. S. 229. — Grüsse, Trésor 
III, 77. 

947. Brüssel, Fratres Vitae Comm., 1480 
8°, 118 fol, 17 lin. — Copinger 
II 27928. | 

948. Delft, Jacob Jacobszoen v. d. Meer, 
1480, 49, 288 fol. (12 fol, At, 
a-—-I9, y*, aa—ff 9) 21 lin. — Br. 
Mm. 

949. Delft, [Jac. van der Meer], 1484 
19. Jal., 4°. 216 fol, 21 lio. — 
Camp. S. 229, — Grüsse, Trésor 
IH, 77. VII, 830. 

950. Hasselt [Peregr. Bermentlo], 1488, 
8^, 156 fol, (4, &—8), 19 lin. — 
Copinger II 2724. — Camp. 8. 
230. — Grásse, Trésor VII, 839. 


946. 


43 


951. Delft, Chr. Snellaert, 1490—91, 80, 
120 Fol, 17 lin. — Copinger 1I, 
2722. 

952. Antwerpen, Ger. Leeu, 1491, 8°, 
154 Fol. (a, b, a—r°, s$), 21 lin. 
— Br. Mm. — Copinger II, 2725. 

953. Antwerpen, Adr. v. Liesvelt, 1494, 
8°, (a—s). — Copinger II, 2726. — 
Camp. S. 280. 

958 &. Leyden, Hugo Janszoon van Woer- 
den, 1494, 10. Des., (1495, 12. Jan.), 
89, 2 tom., 59-[-71 Fol. — Grüsse, 
Trésor VII, 830. (Vgl. Nr. 954) 

Leyden, Hugo Janszoon van Woerden, 
1494, 10. Dez., 8%, 186 Fol, 
19 lin. — Camp. S. 280 f. — 
Grüsse, Trésor VII, 77. 

Antwerpen, Godefr. Bac. 1495, 16°, 
64 Fol, 14 lin. — Copinger II, 
2720. — Camp. 

Antwerpen, Adr. v. Liesvelt, 1495, 
29. Jul, 89, 152 Fol, 21 lin. 
— Copinger II, 2727. — Camp. 
S. 281 f. — Grüsse, Trésor VII, 
830. 

Leyden, Hugo Janszoon vanWoerden, 
1495, 12. Jan., 80, 184 Fol, 20 bis 
19 lin. — Camp. S. 231. — Pan- 
zer, I. 471, 7. — Hain 7765. 

Goude, ex domo fratrum, 1496, 
— 20. Apr., 80, 160 Fol, 18 lin. 
Camp. 8. 282. — Hain 7766. — 
Panzer I, 445, 40. — Grüsse, 
Trésor VII, 330. | 

Scoenhoven, Canonici von St 
Michael, 1496, 5. Okt., 8°, 112 Fol., 
20 lin. — Copinger II, 2728. 

Paris, Jean Hygman u. W. Hopyl 
für Will. Houtmaert in Antwerpen, 
1497 [1498 —1518], 8^, 164 Fol, 
(16 Fol, a—g, A—D?*, E!0, FS, 
G—L$, Mu, 21 lin. — Br. Mm. 
— Copinger If, 3123. — Cast. 
S. 420. — Proctor 8138. 

Leyden [Hugo Janszoon van 
Woerden] 1497, 8%, 180 Fol., 
20 lin. — Camp. S. 232f. — Br. 
Mm. — Hain 7767. — Panzer I, 


954. 


955. 


956. 


957. 


958. 


959. 


960. 


961. 


— 44 


. 471, 11. — Copinger II, 8124 
(184 Fol.). — Grasse, Trésor VII, 
330. | 

962. Delft, Henr. Eckert v. Homberch. 
1498, 8°. — Copinger II, 2729. 

Camp. - S. 283. -- Grüsse, 
Trésor VII, 330. 

963. Delft. Henr. Eckert van Hom- 
berch, 1498, 8°, — Camp. S. 233. 
— Panzer I, 374, 59. — Hain 
7769. — Grässe, Tresor, VII, 330. 

964. Leyden [H. Janszoon] 1498, 20 lin., 
— Proctor IIl, 45. — Copinger 
II, 2780. 

965. Antwerpen [Adriaen van Liesvelt] 
1498, 8°, Camp. S. 288. — Panzer I, 
18, 88. — Hain 7768. 

966. Buten Scoenhoven inden Hem 
[Mönche von S. Michel] 1498, 
28. März, 8°, 156 Fol., 20 lin. 
— Hain 7761, 7762. — Camp. S. 
233. — Panzer IV, 69, 619; 621. 

967. Paris, Th. Kerver, 1500, 12. dach in 
sporkelle, 8°, 124 Fol., 25 lin. — 
Copinger II, 2782. — Grässe, 
Trésor III, 77. 

967 a. Paris, Wolfg. Hopyl, 1500. 10. 
Sept, 89, 141 Fol. — Grässe, 
Trésor VII, 330. 

968. Leyden [Hugo Janszoon van 
Woerden], 1500, 8% 166 Fol. 
(b—p, b—e, aa—cc) 20 lin. — 
Camp..S. 284. — Copinger II, 
2731. 

969. Gouda, Collacie broeders, 1508, 
16°, 100 Fol. — Rosenthal Cat. 7, 
1902, S. 109, — Grässe, Trésor | 
VII, 330. 

970. Paris, Th. Kerver, 1509, 8°, 124 Fol. 
(a—q). — Br. Mm. — Br. V, 1621. 
— (Grüsse, Trésor VII, 330; 882. 

971. Paris, Wolfg. Hopyl, 1510, 10. Sept., | 
8°, — Br. V, 1669. 





| 
972. Paris, Tb. Kerver, 1516, 80, — | 986. 


Panzer VIII, 33, 880 . — Br. V, 
1621. | 


| 984, 


985. 


Br. V, 1653. — Grüsse, Trésor 
VII, 382. 

974. Paris, Th. Kerver, 1522, 8°, 186 Fol. 
(A--R).— Br. Mm. — Panzer VIII, 
79, 1334. — Br. V, 1621. 

974 a. Paris, Witwe Th. Kerver, 1525. 
49, — Panzer VIII, 92, 1472. 

975. Paris, Witwe Th. Kerver, 1533, 
10. März, 8%, 136 Fol. (A —R*), 
25 lin. — Alès S. 296. — Br. 
Mm. — Grässe, Tresor VII, 330. 


Spanisch. Horas. 


Paris [Guill. Godard für Sim. 
Vostre ?] o. J., 8°. — Br. Suppl. 
l, 612. 

Paris, Nic. Bygman für Sim. Vostre 
[ca. 1510], kl. 8%, 120 Fol. — 
Br. Suppl. I, 612. — Cat. FD, 
Mai 1879, S. 128f. (ca 1507). 
(Vgl. Nr. 978.) 

Paris, Nic. Hygmann für Sim. 
Vostre [1515?], 8°, 128 Fol. 
(a—1r8). — Br. Mm. (Vgl. Nr. 977). 

Valencia, Peter Hagenbach und 
Leonh. Hutz für Jacobus de Villa, 
1494, 21. Febr, 49, 192 Fol. — 
Br. Suppl. I, 620. — Copinger II, 
8126. 

Paris, 1495, 8%. — Hain 8861. 

Paris, Nic. Hygmann für Sim. 
Vostre (1495 —  ], kl. 89, 96 Fol. 
— Maittaire 1599. — Br. V.— 1579. 

Paris,für Sim. Vostre, 1499,20. Nov., 
4*, 119 Fol. — Br. V, 1584. 

Paris, Narcisse Brun, 1500, 18. Febr., 
89. 124 Fol. — Br. V, 1667. 

Paris, Th. Kerver, 1502, 80. Apr. 
kL 89, 186 Fol. (a—r) — Br. 
Suppl. I, 615 f. 

Paris, Th. Kerver, 1507, 9. Aug., 
8°, 186 Fol. (a—r9, 295 lin. — 
Br. Mm. 

Paris, für Sim. Vostre, 1507, 
20. Sept., 8° (a—p®, q*) 27 lin. 
— Alés Suppl. S. 19. 


976. 


977. 


978. 
979. 
980. 
981. 


982. 


983. 


973. Paris, Franç. Regnault [1518—30], 987. Paris, Tb. Kerver, 1527, 8°. — 


8°, 120 Fol. (A— P$), 26 lin. — , 


Panzer XI, 491. — Br. V, 1625. 


— 45 


988. Paris, Th. Kerver, 1529, 8°, 136 Fol. 
(A—R) — Br. Suppl I. 616. 
Grässe, Tresor VII, 382. 

‘989. Paris, Guill, Merlin, 1546, 169, 
184 Fol. — Br. Mm. 


991. Lyon, 1555, 169, 
Mm. 

991 a. Lyon, Jean Fradin, 1555. 4. Jan. 
169. — Grüsse, Trésor WW 982. 
(Vgl. Nr. 991.) 


284 Fol. — Br. 


990. Lyon, Mace Bonhomme für Guill. |992. Lyon, Pierre Fradin für Jac. Giunta 


Roville, 1551, 8°, 8 + 208 Fol. 
— Br. V, 1676. — Br. Mm. — Cat. 
FD, Mai 1879, S. 144 f. — Cat. 
B. S. 49. — Grässe, Tresor VII, 
382. | 


Haer., 1560, kl. 169, 223 Fol., 
Cat. FD, 1883, Nr. 67. — Br. V, 
1676f. — Br. Mm. — B. VI, 
299. Cat. FD, Juni 1808, 
S. 65f. ` 


Indices zu den Livres d'heures für Rom und ohne "mu der 
Diöoese. 


|. Verlegerverzeichnis. 


«Germain Anabat. Nr. 470. 

Ch. Angelier. Nr. 782. 

Jean Barbier. Nr. 497. 

Balth. Bellere. Nr. 802 a. 

Jolande Bonhomme. V: Witwe Thiel- 
man Kerver. E 

Mathias Bonhomme. Nr. 757. 776. 

Magdalene Boursette, V: Witwe Francois 
Regnault. mM 

Jean de Brye. Nr. 246. 247. 248. 5895. 
585 a. 622.623. 683. 648. 649. 656. 660. 

Witwe Jean de Brye. Nr. 665. 666. 
668. 713. | 

Fr. Byrckmann Nr. 621 a. 

Martin Caesar. Nr. 698. 

Antoine Caillaut. Nr. 249. 807. 334. 

Reginald & Claude Calderius. Nr. 760. 

Léon Cavellat. Nr. 796 a. 

.Robin Challot. Nr. 849. 

Ant, Chappiel. Nr. 250. 

Simon de Colines. Nr. 669. 798a. 741.748. 
791. 

Philippe Coste. Nr. 251. 

Léger Delas. Nr. 803. 


Jean Dn Pré. Nr. 252. 253. 294 a. 296. | 


302. 308. 327. 935. 862 a. 481. 498. 
Jacques Du Puy. Nr. 761. 
L. Egmondt. Nr. 657. 


Guill. Eustace. Nr. 254. 255. 876. 391.| 
392. 400. 436. 439. 441, 489. 525a. 534. | 


| Johann Hamman 





589. 548. 558. 580. 598. 600. 621. 624. 
630. 682. 637. 


Abrabam Faber. Nr. 804. 


Michel Fezandat. Nr. 758. 
Jacobus Gazellus. Nr. 752. 


Ulrich Gering & Berthold Rembolt, 


Nr. 858. 360. 

Luc. Anton Giunte. Nr. 255 a, 

Jac. Giunta Haer. Nr. 772. 

Guillaume Godard, Nr. 256. 564. 566 &. 
594. 602—604. 619—015. 625. 634. 
685. 657 a. 668. 669 a. 706 a. 707. 719. 

Robertin Granjon. Nr. 778. 

genannt Hertzog. 
Nr. 418. 

G. Hardouyn. Nr. 
138. 739. 

Germain Hardouyn. Nr. 257 — 259 a. 339. 
390. 400 a. 450. 451. 470 a. 484. 487 a. 
506. 510. 512. 512 a. 513. 561. 567. 568. 
585 a. 599. 605. 620. 626 a. 686. 6839. 
640. 650. 651. 655 a. 658. 660 a. 661. 

. 661a. 667. 670—674. 679. 681. 685— 
690. 694—697. 701 — 703. 706 b. 709 a. 
710. 714.714a. 715. 717. 720—723. 726. 
728. 731. 788. 784. 786. 737.. 752 a. 


645. 727. 730. 735. 


Witte Germain — Nr. 740. 750. 


. 260—264 a. 
387.396. 442. 452. 486 — 488. 492—494. 
514. 544. 546—548 5506. 558a. 902. 





562 a. 569. 570. 580. 587. 588. 595. 
595 a. 606. 607. 610. 616—619. 207. 
628. 646. 652. 658. 718. 

Gilles & Germain Hardouyn. Nr. 265. 
266. 458-456. 501. 580. 581. 545. 
571. 572. 581. 596. 597. 641. 

Jean Hardouyn. Nr. 755. 

George Herolt. Nr. 267. 

Martin Jaquin Nr. 799 a. 801 a. 

Etienne Jehaunot. Nr. 268. 386. 397. 

Ade Keysere Nr. 269 a. 

Jacques Kerver, Nr. 765. 788. 789 —791. 
796. 

Thielman Kerver. Nr. 269. 882 2.383. 885. 
894. 898. 401. 418. 416. 417. 419. 429. 
482, 487. 448. 461. 479 a. 489 a 495. 
502. 505 a. 508. 509. 511. 515. 517. 
518. 519 a. 520. 521. 528. 520. 527. 
585. 540. 557. 559. 568. 565. 574— 

76. 578. 588. 592. 600 a. 609. 629. 
631. 688. 642—644. 659; — 683. 718. 
764. 775. 787. 

Witwe Thielman Kerver. Nr. 658 a. 662. 
668 a. 699. 708. 716. 758. 754. 769. 774. 

Gnillaume de La Noue. Nr. 801. 802. 

Jean Leeoq. Nr. 798. 800. 

Gherardus Leeu Nr. 380. 

Jean Le Marchant. Nr. 729. 

Guillaume Le Rouge. Nr. 270. 271. 298. 
838 a. 560. 

Pierre Le Rouge u. Vincent Commin. 
Nr. 844. 

Adriaen Liesvelt. Nr. 361. 

Guillaume Maillet. Nr. 781. 

Olivier Mallard (Maillard). Nr. 741. 742. 
745. 

Rob. Mallard. Nr. 799. 

Aldus Manutius u. Andreas de Asula. 
Nr. 705. 

Marnef Nr. 271 a. 

Enguilbert u. Geofroy de Marnef. Nr. 
278. 809. 338. 

Geofroy de Marnef. Nr. 272, 331. 347. 
847 a. 350. 356. 

Jerome de Marnef u. Witwe Guillaume 
Cavellat. Nr. 797. 


46 


Matthias Moravus. Nr. 294. 

Henr. Petrus. Nr. 724. 

Jean Petyt. Nr. 675. 732. 

Laurent Philippe. Nr. 351. 852. 857. 

Philippe Pigouchet. Nr. 274. 775. 810 — 
818. 840. 845. 359. 365. 426. 464. 499. 

Christoph Plantin. Nr. 784—786. 792. 793. 

Jean Poytevin. Nr. 406. 407. 420. 421. 
427. 490. 

Jean Pychore u. Remy de L'Aistre, Nr. 
899. 481. 500. 

François Regnault. Nr. 682. 725. 766. 

Witwe Francois Regnault. Nr. 768. 766. 

Marcus Reinhard. Nr. 275 a. 276. 886. 338. 

Gilles Remacle. Nr. 409. 434. 483 a. 457. 
458. 465. 467. 480. 483. 504. 505. 507. 

Witwe Pierre Ricoart. Nr. 788. 

Pierre Roffet. Nr. 664. 

Jean de Roigny. Nr. 767. 

Guillaume Roville. Nr. 762. 768. 770. 771. 

Louis Royer. Nr. 277. 278. 661 b. 665. 
666. 668. 795. | 

Jean Ruelle, Nr, 746. 

Johann Schönsperger. Nr. 601. 

Geofroy Tory. Nr. 676—678. 691—693. 
704. 706. 709. 711. 712. 743. 744. 749. 
767. 

Michel de Vascosan. Nr. 779. 780. 

Antoine Verard. Nr. 279 — 286.291.294 b. 
808. 314—322. 826 a. 329. 832. 397. 
869 a. 408. 409. 415. 422— 494. 485. 
438. 440. 444— 447. 466. 482. 485. 491. 
496. 503. 516. 524. 536 — 598. 541. 563 a. 

Pierre Vidoue. Nr. 680. 

Nic. Vivien. Nr. 588. 577. 579. 590. 


591. 598. 
Simon Vostre. Nr. 287. 288. 290. 295. 


298—300. 804—806. 328—836. 3828. 
842. 843. 345. 348. 858. 854. 362—364. 
866. 868—375. 377 — 382. 384. 388. 889. 
404. 405. 408. 409 a. 410-412. 414. 
425. 429 a. 430. 433. 448. 459. 460. 
462. 463. 468. 469. 471—479. 483 a. 
519. 522. 528. 529. 532. 542. 549—555. 
578. 589. 608. 611. 620. 647. 658 a. 
654. 655. 


Guillaume Merlin. Nr. 278 a. 756. 759. | Thomas Wesalie. Nr. 582. 


772. 794. 


Georg Wolf u. Thielman Kerver. Nr. 428. 


— 47 


2. Almanach-(Ostertafel-) Verzeichnis. 


1487—1507: Nr. 849. 
1487— 1508: Nr. 885. 
1487—1520: Nr. 887. 428. 486. 


1488—1508: Nr. 295. 296. 800. 303. 
942. B45. 346. 853. 354. 
362— 364. 370. 872. 874. 875. 378—881. 


805—3826. 


884. 386. 388. 889. 407. 410. 425. 
Nr. 412. 

Nr. 828. 338. 350. 

Nr. 388. 427. 

Nr. 888. 394, 

Nr. 867. 869. 


1488 — 1518: 
1489 — 1508: 
1490 —1508: 
1494— 1520: 
1495— 1508: 


1497 —1520: Nr.876. 300—392. 899 — 404. 
416. 417. 429. 436. 451. 467. 480 — 488. 


485. 488. 492—495. 507—509. 
1500—1520: Nr. 450—456. 
1500—1521: Nr. 466. . 
1501—1520: Nr. 459. 468. 464. 


1502—? : Nr. 470. 470 a. 478. 416. 
1502—1520: Nr. 469. 471. 472. 475. 
477—479. 


1502— 1580: Nr. 474. 


1508— 1520: Nr. 490. 491. 516. 526. 587. 


588. 541. 566. 
1504— 1519: Nr, 500 a. 
1504— 1520: Nr. 501. 
1505—1520: Nr. 506. 
1505— 1525: Nr. 512. 512 a. 513. 
1506— 1520: Nr. 519. 
1506— 1521: Nr. 508. 
1506—1580: Nr. 

574. 576. 592. 
1507—1520: Nr. 
1507—1526: Nr. 
1507—1527: Nr. 
1508—? : Nr. 
1508—1512: Nr, 
1508—1520: Nr. 
1508— 1525: Nr. 
1508—1527: Nr. 
1509—1520: Nr. 
1508—1528: Nr. 
1509—1524: Nr. 
1510—?  : Nr. 
1510—1520: Nr. 
1910—1525: Nr. 


580. 531. 
582. 
522. 
542. 
545. 546. 547. 
048. 556. 

591. 

534. 543. 

562 a. 

549 - 555. 

561. 562. 

569. 

572. 

568. 


529. 


515. 520. 521. 526. 557. 


1510 —1580: Nr. 
578. 
1511—1521: Nr. 
1511—1580: Nr. 
1512—1523: Nr. 
1512—1524: Nr, 
1512— 1527: Nr. 
1519— 1580: Nr. 
1518— 1522: Nr. 
1518—1528: Nr. 
1513— 1525: Nr. 
1513—1527: Nr. 
1518—1529: Nr. 
1513—1580: Nr. 
1514—1527: Nr. 
1514—1529 : Nr. 
1514— 1580: Nr. 
1515—1525: Nr. 
1515—1580 : Nr. 
1516—1527 : Nr. 
1516—1530 : Nr. 
1516—1588: Nr. 
1516—1541: Nr. 
1517—1525 : Nr. 
1517—1527 : Nr. 
1517— 1528 ; Nr. 
1518—1525 : Nr. 
1518—1582 : Nr. 
1519—1588: Nr. 
1520—1530: Nr. 
1520—1581 : Nr. 
1520—1532: Nr. 
1520—1536 : Nr. 
1521—? :Nr. 
1521— 1583: Nr. 
1521—1536 : Nr. 
1522—1584: Nr. 
1592 —1586 : Nr. 
1522—1538 : Nr. 
1522—1544: Nr. 
1523—1533 : Nr. 
1523—1587 : Nr. 
1523—1545 : Nr. 
1523—1551: Nr. 
1524—1583 : Nr. 
1524—1587 : Nr. 


566a. 567. 570. 571. 


580. 

581. 582. 
585 a. 587. 
586 a. 588. 
586. 600. 
589. 

484. 


594. 


590. 598. 
596. 599. 
995. 

595 a. 597. 
605. 

606. 607. 
6029 — 604. 608. 
617. 
612—616. 618 - 640. 
622. 628. 

621. 624. 625. 627. 628. 
626. 

620 a. 

686, 

638. 684. 

685. 

640, 

689. 641. 

644. 718, 

652. 653. 

648. 649. 

650. 651. 

654. 655, 

658. 

657, 657 a. 
656. 

661. 661 a. 
659. 

660. 

661 b. 

605. 666. 668. 
667. 

664. 

671. 

663. 
672—674. 


— 48 — 


1594 —1538 : Nr. 675. : 11589—1554 : Nr. 736. 731. 
1525—1536 : Nr. 679. 681. 1589—1555: Nr. 735. 
1526—1587: Nr. 690. - 1589—1560: Nr. 734. 
1526—1541: Nr. 687. 688. 1540—1555: Nr. 738. 
1526—1542 : Nr. 689. 1542—1572 : Nr. 744. 
1526—1546: Nr. 682. . 1548—1550.: Nr. 745. 
1527—1541 : Nr. 695—697. 1543—1562: Nr. 750. 
1527—1545: Nr. 694. . 1543 —1568 : Nr. 748. 
1598—1540: Nr. 703. - 1544 —1552: Nr. 752 a. 
1528—1548: Nr. 709. 1546 —1562 : Nr. 755. 
1598—1545 : Nr. 701. 102. 1549 —1556 : Nr. 764. 
1529—1536; Nr. 706 a. 1549— 1561 : Nr. 768. 766. - 
1530 —1547 : Nr. 707. . 1549—1574 : Nr. 760. 
1531—1546: Nr. 710. 1550—1570 : Nr. 768. 
1531—1560: Nr. 709. 712. 1556 —1563 : Nr. 775. 
1532—? : Nr. 7l4a. 1556 —- 1572: Nr. 773, 
1532—1545 : Nr. 714. 715. ` 1558—1574 : Nr. 776. 
1584— 1546 : Nr. 719. 720. — |1571— 1582: Nr. 795. 
1584—1552 : Nr. 721— 728. 1580—1589 : Nr. 798. 
1536—1546 : Nr. 728. - 1584 —1594: Nr. 799 a. . 


1586—1548 : Nr. 727. 1595 —1614; Nr. 802a. . 
1538—1555 : Nr. 788. | ; 


3. Zellen-Verzeichnis. 
14 Zeilen: Nr. 601. 28 Zeilen: Nr. 280. 282. 844. 407. 415. 


16 Zeilen: Nr. 257, 294. 581. 599. 627. 666. 

19 Zeilen: Nr. 858. 29 Zeilen: Nr. 256. 971. 817. 820. 400. 
20 Zeilen: Nr. 281. 793. - | 499. 455. 457. 407. 480. 506. 531. 
21 Zeilen: Nr. 252. 312. 338. 355. 362 a. | 574. 577. 614. 650. 656. 


367. 479. 529. 704. 


:21—22 Zeilen: Nr. 275 a. 338. : 
99 Zeilen: Nr. 428. 442. 445. 452. 465 | 3 Zeilen: Nr. 807. 853. 474. 534. 556. 


489. 483. 507. 515. 520. 594. 570. 586. 600. 606. 607. 618. 619. 


22—25 Zeilen: Nr. 802a. . | 0. 632. 708. 
23 Zeilen: Nr. 885. 851. 352. 357. 478. | 31 Zeilen: Nr. 481. 487. 488. 621. 
023. 758. 32 Zeilen: Nr. 391. 416. 417. 419. 440. 
24 Zeilen: Nr, 211. 840. 345. 572. 605. 475. 537 a. 538. 541. 
642. 657. 697. 38 Zeilen: Nr. 308. 816. 376. 887—390. 
25 Zeilen: Nr. 247. 309. 846. 350. 354. 396. 402. 410. 411, 425. 492. 561. 
389. 893. 427. 519..527. 628. 664. 562. 595. 677. 
26 Zeilen: Nr. 216. 305. 362. 369. 370. 34 Zeilen: Nr. 261. 
373. 378. 878a. 380. 382 b. 384. 35 Zeilen: Nr. 397. 
886. 426. 436. 461. 491. 495. 509.'36 Zeilen: Nr. 305. 663. 
929. 597. 989. 592. 662. 680. .97 Zeilen: Nr. 262. 547. 696. 
21 Zeilen: Nr. 278. 296. 297. 315. 374. 44 Zeilen: Nr. 493. 
379. 381. 412. 448. 463. 479. 471. 
533. 


29—31 Zeilen: Nr. 553. 


re E EI 


Dr. H. Bohatta. 


— 49 — 


Über schwedische Bibliotheken. 
 Reiseerinnerungen. 


Der Titel meines Berichtes muß näher bestimmt werden. Dieser ist 
von vornherein auf die wissenschaftlichen Bibliotheken Schwedens zu be- 
schränken. Und auch diese kann ich nicht gleicherweise berücksichtigen, 
sondern muß vor allen die vier großen wissenschaftlichen Bibliotheken 
Schwedens in Betracht ziehen: die Königliche Bibliothek in 
Sto ckholm, die Universitäts-Bibliotheken in Uppsala und Lund, 
die Stadtbibliothek in Göteborg (Gotenburg). Diese Aufzählung ging 
von der Hauptstadt aus, nicht von der ältesten und größten Bibliothek des 
Landes. Denn diese ist die Universitäts-Bibliothek in Uppsala und ihr reihen 
sich nach dem Umfange zunächst die Königliche Bibliothek, dann die 
Universitäts-Bibliothek in Lund, endlich die Stadtbibliothek in Göteborg an. 
Aber auch diese vier Bibliotheken kann ich nicht gleicherweise behandeln, 
sondern muB der Kóniglichen Bibliothek den Vorrang lassen: einmal, weil ich 
diese eingehender zu besichtigen Gelegenheit hatte, als die beiden Universitäts- 
Bibliotheken (die Stadtbibliothek in Göteborg habe ich nur von außen 
gesehen), und dann, weil mir in unserer Hofbibliothek mehr Literatur über 
die Königliche Bibliothek zu Gebote stand als über andere schwedische 
Bibliotbeken. Außerdem ist die besondere Berücksichtigung der Königlichen 
Bibliothek noch durch den Umstand gerechtfertigt, daß diese Bibliothek 
die eigentliche Nationalbibliothek Schwedens darstellt, nämlich jene Bibliothek, 
worin die schwedische Literatur alter und neuer Zeit in größter Vollständigkeit 
bewahrt wird. — Für die persönliche Einsichtnahme in die drei genannten 
‚Bibliotheken in Stockholm, Uppsala und Lund bin ich den dortigen Biblio- 
thekaren zu wärmstem Danke verpflichtet. Denn nur ihrer nie versiegenden 
Liebenswürdigkeit, Gefälligkeit und Bereitwilligkeit gebührt das Verdienst, 
daß meine nun folgenden Mitteilungen, bei all ihrer Unvollständigkeit in 
Einzelheiten, doch auf absolute Zuverlässigkeit Anspruch erheben wollen. 
Auf den Anteil der einzelnen schwedischen Bibliothekare an meiner Arbeit 
werde ich noch im folgenden zurückkommen. 


Einleitungsweise sei mir gestattet, zu erwähnen, wie ich nach 
Schweden kam. 


Durch die außerordentliche Güte meines hochverehrten Chefs, des 
Direktors der Hofbibliothek, Herrn Hofrates Prof. Dr. Josef Ritter v. 
Karabacek, sowie durch das Wohlwollen des hohen Oberstkämmereramtes 
Sr. Majestät wurde mir im Sommer 1904 im Anschlusse an die sechs- 
wöchentlichen Bibliotheksferien noch ein besonderer Urlaub von drei Wochen 
bewilligt, zu dem Zwecke der Verwirklichung eines längst gehegten Traumes, 

4 


— 50 — 


zur Ausführung einer Reise nach den skandinavischen Ländern, mit deren 
Sprachen und Literaturen ich mich seit Jahrzehnten innig beschäftigt hatte. 
Mit Genehmigung meines Chefs wählte ich den Monat August 1904 für 
meine Reise nach dem Norden und machte mir für meinen dreiwöchentlichen 
Aufenthalt auf skandinavischem Boden folgenden genau einzuhaltenden 
Reiseplan: 

Von Wien über Dresden und Berlin nach Swinemünde mit der 
Eisenbahn. Von dort mit dem Dampfer „Odin“ nach Göhren auf Rügen 
und weiter mit dem Dampfer „Arkona* nach Saßnitz auf Rügen. Hier 
Einschiffung auf dem prächtigen Salondampfer „Imperator* zur Seefahrt 
quer über die Ostsee nach Trelleborg, der südlichsten Stadt Schwedens. 
Dann gleich weiter mit dem Zuge nach Malmö, der drittgrößten Stadt 
Schwedens. Von Malmö mit der Eisenbahn nach der Universitätsstadt Lund 
und wieder zurück nach Malmö. Nun über den Sund mit dem Dampfschiff 
nach Kopenhagen und von der dänischen Hauptstadt mit der Eisenbahn 
nach Helsingör, und von hier auf der „Dampffähre“, im Zuge und auf 
der See zugleich, über den Öresund nach Helsingborg an der Westküste 
Schwedens. Längs dieser weiter mit dem Zuge über Varberg nach Göteborg. 
Von Göteborg mit der Eisenbahn nach Trollhätta (oder Trollhättan) — so 
heißen sowohl die berühmten Wasserfälle als das daranliegende Dorf. Von 
Trollhatta wieder zurück nach Göteborg und von da mit der Eisenbahn 
nach Kristiania. Von Kristiania mit der Eisenbahn nach N. O. über 
Charlottenberg nach Stockholm. Von hier mit dem Zuge nach der ältesten 
schwedischen Universitátsstadt Uppsala und wieder zurück nach Stockholm. 
Endlich von Stockholm in 13stündiger Eilzugsfahrt zurück nach Malmö 
und weiter nach Trelleborg, und von hier auf dem schwedischen Raddampfer 
'„Svea“ wieder über die Ostsee nach Saßnitz. Von den drei Wochen in 
Skandinavien habe ich zehn Tage in Schweden zugebracht und in dieser 
kurzen Zeit die drei größten Städte des Landes: Stockholm, Göteborg 
und Malmö, dann die zwei alten Universitätsstädte Uppsala und Lund, ferner 
den vielbesuchten Seebadeort Varberg, endlich ein ganz kleines schwedisches 
Dorf im Herzen der skandinavischen Halbinsel, Charlottenberg (an der 
schwedisch-norwegischen Grenze) gesehen. Eine wenn auch noch so kurze 
Schilderung der eigenartigen Landesnatur Schwedens muß ich mir versagen. Es 
möge mir nur gestattet sein, auf zwei der besten neueren Reisewerke über 
Schweden hier zu verweisen: Egon Zöller, Schweden, Land und Volk 
(Lindau 1882) und Louis Passarge, Schweden, Fahrten in Schweden, 
‚besonders in Nordschweden und Lappland (Berlin 1897). Indes kann ich 
mich nicht enthalten, meinen Eindruck von den Bewohnern Schwedens in 
aller Kürze hier wiederzugeben: ich habe während meines zehntägigen 


em. BE d 


Aufenthaltes in Schweden nur durchaus sympathische, liebenswürdige, 
gebildete und streng rechtliche Menschen gefunden. Insbesondere muß die 
Zuvorkommenheit der Schweden gegen Fremde, ihre Gastfreundschaft im 
weitesten Sinne, ihre Gefälligkeit in jeder Hinsicht hervorgehoben werden. 
Diese nationalen Eigenschaften des schwedischen Volkes werden mir für 
immer unvergeßlich bleiben. Der Umstand, daß ich durch meine vieljährige 
Lektüre schwedischer Bücher mich einigermaßen imstande sah, mit den 
Leuten in der Landessprache zu verkehren, berührte das patriotische Herz 
der Schweden jederzeit sympathisch. Denn, um dies noch zu erwähnen, 
soviel aufrichtige Vaterlandsliebe, solch edlen Patriotismus und eine so 
gediegene Volksbildung, wie in Schweden, dürfte es in keinem zweiten Lande 
Europas geben. Dazu kommt noch die patriarchalische Freiheit, welche 
aber mit strengstem Sinn für Ordnung, Recht und Gesetz Hand in Hand 
geht. Der König spricht seine Untertanen mit „Du“ an. — In großes 
Erstaunen versetzte mich ferner die vollkommene Beherrschung des Deutschen in 
Wort und Schrift seitens aller schwedischen Bibliothekare, mit welchen ich die 
Freude ‚hatte, zu verkehren. Hiermit muß ich meine Reiseeindrücke be- 
schließen, um auf mein eigentliches Thema überzugehen. 


* * 
* 


„Schweden kann mit Stolz darauf zurückblicken, was es in der Welt 
des Geistes ausgerichtet hat.“ Dieser Ausspruch des dänischen Literarhistorikers 
Frederik Winkel Horn, womit dieser in seiner zum ersten Male deutsch 
geschriebenen „Geschichte der Literatur des skandinavischen Nordens“ den 
Abschnitt über die schwedische Literatur beschließt, gilt auch für die 
schwedischen Bibliotheken. 

Besitzt zwar das kleine Dänemark mit seinen 2 Millionen Einwohnern 
die größte Bibliothek aller drei skandinavischen Königreiche (Det store 
Kongelige Bibliothek in Kopenhagen), so hat dafür Schweden mit seinen 
über 5 Millionen Einwohnern vier große, allgemein wissenschaftliche 
Bibliotheken und eine so große Anzahl kleinerer Fach- und Volks- sowie 
Privatbibliotheken, daß es unser Erstaunen erregen muß. 

Ich beginne mit der Königlichen Bibliothek (Kungliga biblioteket) in 
Stockholm aus den bereits angeführten Gründen. Ihre Lage ist eine ideale. 
Das äußerst zweckentsprechend, durchaus modern im Rechteck erbaute 
Bibliotheksgebäude erhebt sich im südlichen Teile des schönsten Parkes von 
Stockholm, des Humlegärden, im Stadtteile Östermalm, in genau nördlicher 
Richtung vom königlichen Schlosse. Das gegenwärtige Gebäude wurde aus 
vom schwedischen Reichstage bewilligten Staatsmitteln von Professor F. 
G. A. Dahl in den Jahren 1871 —1877 erbaut, im Herbste 1877 vollendet 

4* 


uus. DO n 


und am 2. Jänner 1878 eröffnet. Die Baukosten beliefen sich auf 928.528 
scheed, Kronen (1 schwed. Krone = 1 österr. Kr. + 40 h). Die innere 
Einrichtung entspricht allen zeitgemäßen Anforderungen : eisernes Magazin- 
system mit verschiebbaren Bücherbrettern, elektrische Beleuchtung, Zentral- 
heizung mittels Heißwasserröhren. Das Gebäude hat nur ein Stockwerk. 
In der Mitte des unteren Traktes sind : der Vorraum, das Garderobezimmer, 
die Ausleihabteilung und neun Arbeitszimmer. Der östliche Seitenraum enthält 
den Ausstellungssaal (visningssalen) und den Lesesaal. Dieser erhält sein 
Tageslicht durch acht Fenster auf der Nordseite. Er hat 43 Sitzplätze, für 
jeden Leser einen Tisch. Er ist gemeinsam für Bücher- und Handschriften- 
leser. Über jeden Tisch hängt eine elektrische Lampe, welche nach Bedürfnis 
emporgezogen oder herabgelassen werden kann. Auf der Ostseite des Lese- 
saales ist der Platz des die Aufsicht führenden Beamten; bei diesem werden 
auch die für die weitere Benützung zu reservierenden Bücher abgegeben. 
Der Lesesaal enthält auch eine reiche Handbibliothek (Heferensbibliotek) 
zur freien Benützung seitens der Leser. Im Souterrain unterhalb des Lese- 
saales befindet sich das Magazin für die schwedischen Zeitungen, welche 
von den Dienern geordnet werden. Ein Aufzug verbindet sowohl das Zeitungs- 
magazin als auch die Ausleihabteilung mit dem oberen Trakt (erster Stock). 
Der westliche Teil des unteren Traktes beherbergt in zwei gleich großen 
Sälen die gesamte schwedische Abteilung. (Ich muß gleich hier vorgreifend 
eine den großen schwedischen Bibliotheken gemeinsame Eigentümlichkeit 
erwähnen ; ihre Bücherstände — und auch die Handschriften — zerfallen 
in zwei Hauptabteilungen, nämlich die schwedische und ausländische Abteilung, 
wovon später mehr.) 

Das ganze obere Stockwerk ist für die ausländische Abteilung bestimmt. 
— Alle Büchermagazine sind durch eiserne Traversen mehrfach unterteilt, 
so daß kein Bücherregal die Höhe von 2 m überschreitet, eine Einrichtung, 
welche das Ausheben und Einstellen der Bücher ungemein erleichtert. Nun 
zum Bestande der Königlichen Bibliothek. 

Nach der von dem jetzigen Direktor (öfverbibliotekarie) der Königlichen 
Bibliothek Dr. Erik Wilhelm Dahlgren (seit 1. Oktober 1903 als Nach- 
folger des am 19. Mai 1903 verstorbenen Direktors Grafen Karl Snoilsky, 
des bekannten schwedischen Dichters) gleich nach seinen Amtsantritte vor- 
genommenen Zählung, beziehungsweise Schätzung belief sich der Bestand der 
Königlichen Bibliothek am 31. Dezember 1903 auf nahezu 300.000 Bände 
Druckwerke inklusive ca. 700 Inkunabeln, daneben fast 11.000 Portefeuilles 
(portföljer eller kapsler) mit zirka !/4 Millionen Broschüren, d. h. nicht 
eebundene Druckschriften von unter 100 Seiten Stärke, und rund 10.500 
Handschriften. In Berücksichtigung des Zuwachses der Jahre 1904 und 


tn ES E 


1905 stellt sich der gegenwärtige Bestand -der Königlichen Bibliothek auf 
rund 400.000 Bände Druckwerke (inklusive Inkunabeln) mit fast 1 Million 
Broschüren und ca. 11.000 Handschriften heraus. Dieser Bestand gliedert 
sich wie bei den Universitäts-Bibliotheken in Uppsala und Lund in drei 
Hanptsammlungen: die schwedische Büchersammlung, die ausländische 
Büchersammlung und die Handschriftensammlung. Dazu kommt noch eine 
Landkarten- und Kupferstichsammlung. Zur schwedischen Sammlung gehören: 
1. sämtliche in Schweden gedruckte Bücher; 2. Bücher schwedischer Ver- 
fasser oder in schwedischer Sprache, welche außerhalb Schwedens gedruckt 
sind; 3. Bücher ausländischer Verfasser, welche das schwedische Land und 
dessen Verhältnisse oder einzelne Schweden betreffen ; 4. die altschwedische 
Literatur, die nordische Altertumskunde und Mythologie; 5. alle Bücher 
über Finnland oder in finnischer Sprache. — Ein Werk, welches keiner 
der fünf angeführten Kategorien anzehört, wird der ausländischen Sammlung 
zugewiesen. | 


Was nun dieAufstellung der Bücher anbelangt, so begegnet hier 
der österreichische Bibliothekar einer ihm besonders auffälligen Erscheinung, 
die allen größeren schwedischen Bibliotheken gemeinsam ist: die Bücher 
haben keine lokalen Signaturen. In allen Büchersammlungen ist 
die Aufstellung eine systematische, aber jede Sammlung hat, ent- 
sprechend ihrem Bestande, ein besonderes Schema. Die Hauptklassen beider 
Schemata zerfallen je nach Bedarf in Unterklassen und in jeder nicht mehr 
unterteilten Abteilung werden die Bücher alphabetisch nach den Namen des 
Verfassers oder, bei Anonymen, nach dem systemgemäßen Schlagwort auf- 
gestellt. Eine Ausnahme von dieser Aufstellung bilden die einzelnen Dramen, 
welche nicht nach dem Namen des Dichters, sondern alphabetisch nach dem 
Schlagwort des Titels aufgestellt werden. An die Stelle der lokalen Signaturen 
(Kastensignaturen oder numeri currentes) tritt hier die abgekürzte Bezeichnung 
der wissenschaftlichen Hauptklasse, beziehungsweise noch Unterklasse, welcher 
das einzelne Buch seinem Inhalte nach angehört. Diese äußerlichen Bezeich- 
` nungen der Bücher erscheinen auch gleicherweise in den Katalogen, worüber 
später noch mehr zu sagen sein ‚wird. Hinsichtlich der Formate werden | 
Quarto, Oktavo und kleinere Formate ohne Unterscheidung zusammengestellt. 
Foliobände unter 50 cm Höhe bilden besondere Serien der Aufstellung, 
gewöhnlich unterhalb der kleineren Formate desselben Faches; gleicherweise 
auch größere Folianten (über 50 cm Höhe), also insbesondere Atlanten, 
dann auch Querfoliobánde (Liggande folio). Am Schlusse jedes Faches 
erscheinen die Broschüren unter 100 Seiten Stärke, in Portefenilles gesammelt 
und alphabetisch geordnet wie die. Bücher. 


— Zeit 


Was die schwedische Sammlung betrifft, so ist es die Haupt- 
aufgabe der Königlichen Bibliothek, diese in größter Vollständigkeit zu 
erhalten, und in der Tat besitzt auch die genannte Bibliothek die vollständigste 
Sammlung schwedischer Drucke alter und neuer Zeit. Gemäß dem jetzt 
geltenden „Reglement für die Königliche Bibliothek“ (Reglementet för Kungl. 
biblioteket) vom 9. November 1877 muß vor allem die schwedische Abteilung 
berücksichtigt werden und dürfen deshalb nach 8 8 desselben Reglements 
Spezialarbeiten „in jenen Wissenschaften, wofür besundere Bibliotheken in 
der Hauptstadt vorhanden sind“, für die ausländische Abteilung nicht 
angekauft werden. Als solche Fachwissenschaften, welche die Königliche 
Bibliothek nicht zu berücksichtigen hat, werden dann angeführt: Natur- 
wissenschaften, Medizin, offizielle Statistik, Numismatik, Agrikultur, Tech- 
nologie, Mathematik und Kriegswissenschaften. Diejenigen Wissenschaften, 
welche in der ausländischen Abteilung zu kultivieren sind, sind daher: 
Geschichte und Biographie im allgemeinen und besonderen, Geographie, und 
Reisewerke, Sprachwissenschaft, Kunstgeschichte und Kunstwissenschaft, 
schöne Literatur. Zu den Spezialitäten der ausländischen Abteilung der 
Königlichen Bibliothek gehört die reiche Sammlung Japonica, welche von 
Adolf Erik Freiherrn v. Nordenskjöld während der Fahrt auf der ,Vega* 
(1878—1879) für die Königliche Bibliothek erworben wurde — eine der 
großartigsten Sammlungen japanischer Druckwerke in Europa. 

Das Schema für die wissenschaftliche Aufstellung der schwedischen 
Abteilung findet sich abgedruckt im Kungl. bibliotekets arsberättelse 1903 
(Stockholm. P. A. Norstedt. 1904), S. 29—31. Charakteristisch ist, daß 
auch die schwedische Abteilung in zwei Unterabteilungen zerfällt: 1. die 
„Hauptsammlung“ (hufvudsamlingen), 2. „Besondere Sammlungen* (särskilda 
samlingar). Das Systemder schwedischen Abteilung suchtwissenschaftliche 
Gliederung mii rein bibliographisch-praktischen Rücksichten zu verbinden, 
So beginnt die „Hauptsammlung* mit: Literatur des 16. und 17. Jahr- 
hunderts. Und dann folgen : Bibliographie, Auktionskataloge, Enzyklopädie, 
Polygraphen (wir sagen: Polyglotten), schwedische Literaturgeschichte, 
allgemeine Literaturgeschichte, Zeitschriften, Zeitungen, Abhandlungen ge- 
lehrter Gesellschaften, Vereinsschriften, Dissertationen, Theologie, schwedische 
Kirchengeschichte, allgemeine Kirchengeschichte, ^ Religionswissenschaft, 
Philosophie, Pädagogik und Unterrichtswesen ... . dann viel später, den 
bisherigen Abteilungen koordiniert: Tegneriana . . . Schriften in finnischer 
Sprache, Leichenreden etc. Die „besonderen Sammlungen* enthalten u. a.: 
die schwedische Handbibliothek des Lesesaales (Svenska referensviblioteket), 
die ,Prachtsammlung^ (d. i. Sammlung von Prachtwerken), die Reichstags- 
verhandlungen, die königlichen Verordnungen, die bivgraphische Literatur 


xu. EE. et 


und ,Diverse*. Das wissenschaftliche Schema der ausländischen 
Abteilung ist von der Kénigl. Bibl. separat herausgegeben u. d. T. 
Öfversigt öfver utländska afdelningens uppställning (Stockholm 1885). Im 
Vorworte dazu heißt es u. a.: „Dieses Schema beabsichtigt nicht, ein 
wissenschaftliches Bibliothekssystem aufzustellen, sondern ist eine zum 
praktischen Gebrauche ausgeführte Übersicht der. gegenwärtigen Bücher- 
aufstellung. Demgemäß ist die reale Gliederung mehr oder weniger aus- 
führlich, je nachdem der Büchervorrat innerhalb eines Faches größer oder 
kleiner ist.* (Es ist dies derselbe Grundsatz, welcher auch von mir bei 
der Gliederung des Realkataloges der k. k. Hofbibliothek durchgeführt 
worden ist.) Da nun die Kön. Bibl., wie schon erwähnt, nicht alle Wissen- 
schaften gleichmäßig berücksichtigen kann, so werden jene Wissenschaften, 
welche bei Einkäufen prinzipiell außer Betracht kommen (die bereits oben 
aufgezählten), nicht ausführlicher unterteilt. Im Ganzen ist das wissen- 
schaftliche System der ausländischen Abteilung weit ausführlicher gegliedert, 
als jenes der schwedischen Abteilung. Doch wechseln auch hier reale und 
formale Einteilungsgründe miteinander ab. Das ganze System, in der vor- 
genannten Öfversigt (S. 5—77) mitgeteilt, hat auch ein alphabetisches 
Register (ebend. S. 67— 82). Die Anlage ist derart, daß in der Mitte 
jeder Seite die wissenschaftlichen Hauptklassen, eventuell Unterklassen 
und weitere Subdivisionen stehen, links hievon große lateinische Buchstaben 
und arabische Ziffern die Lokalitäten (Sektionen) bezeichnen, worin die den 
vorstehenden Hauptklassen, bez. Unterklassen und sonstigen Subdivisionen 
angehörigen Bücher aufgestellt sind, und rechts die abgekürzten 
schwedischen Bezeichnungen für die Haupt- und Unterklassen beziehungs- 
weise Subdivisionen angeführt werden, welche gleichzeitig als Fachsignaturen 
(= wissenschaftliche Signaturen) für die Bücher dienen. Ein Beispiel wird. 
dies klarer machen. Das Schema für die ausländische Abteilung beginnt 
mit der Klasse Geschichte (Historia), und zwar in der untersten Etage des 
ersten Stocks. Diese führt die Lokalbezeichnung G und wird durch 1a, 
1b, 2a, 2b u. s. w. in kleinere Sektionen zerteilt, welche zwar im 
Schema, nicht aber auf den Büchern ersichtlich sind. Die Klasse „Geschichte“ 
(ohne vorangehende Numerierung) zerfällt zunächst in vier Unterklassen : 
1. Allgemeine Geschichte (Allmän), 2. Geschichte der alten Zeit (Gamla 
tiden), 3. Geschichte des Mittelalters (Medeltiden), 4. Geschichte der neueren 
and neuesten Zeit (Nyare tiden). Diesen vier Klassen schließen sich dann 
koordiniert und in rein alphabetischer Anführung die Spezialgeschichten 
der einzelnen europäischen Länder an, also: 5. Dänemark, 6. England, 
7. Frankreich, 8. Griechenland u. s. w. bis 17. Österreich (Österrike), 
welches gemäß dem schwedischen Alphabet zuletzt kommen muß. Als 


as BO 


18. Unterklasse erscheint außerhalb des Alphabets: Judafolket (Geschichte 
der Juden), wobei auch auf Theologie und Biblische Geschichte verwiesen 
wird. Zuletzt erscheinen gleichfalls als koordinierte Unterklassen (19 —22): 
Asien, Afrika, Amerika, Australien. Als Buchsignaturen erscheinen, wie 
schon angedeutet, nur die abgekürzten schwedischen Bezeichnungen der 
Haupt- und Unterklassen, beziehungsweise Subdivisionen ; innerhalb dieser 
erfolgt die schon bekannte Aufstellung der Bücher rein alphabetisch nach 
dem Autor oder Schlagwort. Dieses wird auf dem Titel unterstrichen. 
Beispielsweise bedeutet die Buchsignatur: Hist Gam. Inled. die Haupte 
klasse Geschichte, die Unterklasse derselben „Alte Geschichte“ (Gamla 
tiden), die Subdivision „Einleitende Schriften“ (Inledande skrifter). Die 
Unterklassen werden im Schema mit vorangesetzten römischen Ziffern, die 
weiteren Subdivisionen mit vorangestellten großen lateinischen Buchstaben 
angeführt. Diese Gliederung betrifft nur jene Wissenschaften, welche in der 
Königlichen Bibliothek vornehmlich berücksichtigt werden. Wo dies nicht. 
der Fall, werden eventuelle Unterteilungen nur mit vorangestellten arabischen. 
Ziffern aufgeführt. Zum Beispiel beim Seewesen (Sjöväsende) ist nur folgende 
Gliederung: 1. Allgemeines und Vermischtes (Allmänt och blandadt), 
Signatur: Sjöv. Allm. (d. i. Sjöväsende, Allmànt). 2. Geschichte (Historia), 
wobei bezüglich ,Seekriegsgeschichte* auf ,Geschichte* verwiesen wird; 
Signatur: Sjóv. Hist. 3. Reglements (Reglementen), Signatur; Sjöv. Regl. 
— Dann folgen wie eventuell auch in anderen Fächern: Foliowerke, Atlas- 
folio, Liggandefolio, Broschüren. Siehe Ofversigt etc. S. 58. 

Es ist klar, daß die vorstehend geschilderte Weise der Aufstellung. 
in der Tat keine leichte Sache ist und daher von den Bibliotheksdienern 
nur unter ständiger Aufsicht und Mitarbeit der Beamten exakt durchgeführt 
werden kann. Ferner bedingt diese Art, die Bücher aufzustellen, regel- 
mäßige Verschiebungen und Verrückungen wie auch häufige Umstellungen — 
ein Umstand, den auch der gegenwärtige Direktor der Königlichen Bibliothek 
Dr. Erik Wilhelm Dahlgren in seinem ersten Jahresbericht, den für 1903, 
ausdrücklich hervorhebt. (Kungl. bibl. arsberattelse, 19038, S. 18.) 

Was nun die Kataloge betrifft, so hat sowohl die Königliche 
Bibliothek als auch die Universitäts-Bibliothek in Lund wie die Stadtbiblio- 
tnek in Göteborg je einen alphabetischen (oder Nominal-) Katalog und 
einen systematischen Realkatalog ihrer Druckwerke auf Zetteln; aber alle 
drei genannten Bibliotheken besitzen keinen Standortskatalog. Dieser wird 
überflüssig durch den Realkatalog, in.welchem die Zettel genau so liegen, 
wie die Bücher aufgestellt sind. Nominal- und Realkatalog werden in der 
Königlichen Bibliothek auf Oktavzetteln geführt, welche 20 cm hoch und 
12 cm breit sind, und in Schachteln verwahrt werden. Jedes Werk erhält 


einen Zettel; doch werden mehrere Auflagen desselben auch auf diesem 
Zettel verzeichnet. Der gegenwärtige Zettelkatalog wurde im Jahre 1862 
begonnen und ist dermalen noch nicht ganz auf dem Laufenden. Der früher 
geführte Bandkatalog erwies sich, wie dies Direktor Dahlgren hervorhebt. 
(Arsberättelse 1908, S. 20), mit der Zunahme des Bücherbestandes immer 
weniger. brauchbar und wurde deshalb ganz aufgelassen. Für die De- 
schreibung der Bücher für den Nominalkatalog sind jetzt im allgemeinen 
die „Instruktionen für die alphabetischen Kataloge der: preußischen Biblio- 
theken® maßgebend, jedoch mit gewissen Modifikationen. So werden Ano- 
nyma nach der gewöhnlichen Regel behandelt, falls sie. nicht Abhandlungen 
gelehrter Gesellschaften darstellen; denn in diesem Falle dient der Orts- 
name (der Name des Sitzes der gelehrten Gesellschaft) als Schlagwort. So 
erscheinen z. B. die Abhandlungen der Smithsonian Institution unter dem 
Schlagworte Washington im Nominalkataloge der Druckwerke. (Wir in der 
Hofbibliothek tun solches im Realkataloge.) Bemerkenswert ist, daß die 
Inkunabeln nicht in einem besonderen Kataloge zusammengefafit, sondern 
mit den übrigen Büchern zusammen katalogisiert, aber abgesondert auf- 
gestellt werden. - Auch die Handschriften, für die ein besonderer Katalog 
besteht, werden analog den Büchern aufgestellt. 

Die Königliche Bibliothek ist an jedem Wochentage von 10—3 ung 
von 5—7 Uhr geöffnet. Der Ausstellungssaal mit den größten Kostbar- 
keiten der Bibliothek ist unentgeltlich zur Besichtigung zugänglich. Auf 
diese Zimelien werde ich noch später zurückkommen. - 

Der Status der Königlichen Bibliothek ist gegenwärtig: 1 Direktor 
(öfverbibliotekarie), unmittelbar vom König ernannt, mit 6400 schwed. Er. 
Anfangsgehalt, nach 5 Jahren auf 7000 schwed. Kr. (= 9240 österr. K} 
steigend. Dann 2 Bibliothekare (bibliotekarie) mit 4500 schwed. Kr. Gehalt 
(= 5940 K) und 2 Quinquennalzulagen à 500 schwed. Kr.; ferner 5 Ama- 
nuenses (Amanuenser) mit 3000 schwed. Kr. Anfangsgehalt und gleich- 
falls 2 Quinquennien à 500 schwed. Kr. Außerdem eine nicht bestimmte 
Anzahl ven außerordentlichen Amanuensen (extraordinarie amanuenser), 
augenblicklich 4, mit 1000—2000 scheed Kr. Jahresgehalt und nur 
2 Dienststunden. Seit 24. November 1905 ist auch zum erstenmale eine 
Dame als außerordentlicher Amanuensis an der Königlichen Bibliothek an- 
gestellt: Fräulein Dr. phil. Alfhild Valfrid Palmgren, die Tochter des be- 
- rühmten schwedischen Pädagogen und Rektors der Palmgrenska Samskolan 
K. E. Palmgren. Außerdem ist neuestens eine Maschinschreiberin auf- 
genommen worden. Einen Rechnungsbeamten (wie unsere Hofbibliothek) 
besitzt die Königliche Bibliothek nicht. Die Rechnungsführung und Kassa- 
verwaltung ist derzeit einem der beiden Bibliothekare angehängt. Bibliotheks- 


— 58 — 


diener (vaktmästare) sind gegenwärtig 5, worunter einer als Garderobier, 
einer als Maschinenmeister bei der Heizung tätig ist. Der erste Diener 
erhält jährlich 1100 scheed. Kr., die übrigen Diener erhalten je 800 
scheed, Kr. und nach 5 Jahren 900. Die Beamten der Königlichen 
Bibliothek müssen nach Vollendung des 65. Lebensjahres in Pension gehen. 
Die Pensionen betragen je nach dem Dienstalter für den Direktor: 4100 
bis 5000 schwed. Kr.; für die Bibliothekare: 3000—4000 schwed. Kr.; 
für die Amanuenses: 1800—2800 schwed. Kr. Der erste Bibliotheksdiener 
erhält, gleich den übrigen Dienern, seine Bezüge nach voller Dienstzeit 
auch in der Pension. Die Königliche Bibliothek ist ein im ganzen sehr 
unabhängiges wissenschaftliches Institut. Sie untersteht zwar auch dem 
schwedischen Ecklesiastikdepartement (d. i. Kultusministerium), der Direktor 
wird jedoch vom Könige ernannt, richtet seinen alljährlichen Bericht über 
die Bibliothek unmittelbar an den König (till konungen) und entscheidet 
unter Beirat der zwei Bibliothekare ganz selbständig und unabhängig über 
alle die Leitung und Verwaltung der Bibliothek betreffenden Angelegen- 
heiten. Seit 1879 veröffentlicht die Königliche Bibliothek alljährlich Ab- 
handlungen unter dem Titel: Kungl. bibliotekets handlingar. (Die k. k. Hof- 
bibliothek besitzt diese vollständig.) Diese Abhandlungen enthalten den 
jeweiligen Jahresbericht und dazu eine bibliographische Arbeit. Der von 
dem Direktor erstattete und unterzeichnete Jahresbericht ist ungemein sorg- 
fältig und übersichtlich verfaßt und zeichnet sich durch reiche statistische 
Angaben aus. Die bibliographischen Arbeiten legen Zeugnis ab von außer- 
ordentlicher, gediegener Sachkenntnis seitens der schwedischen Bibliotheks- 
beamten. Da finden wir unter anderem seit dem Jahre 1886 einen fort- 
laufenden Akzessionskatalog über den Zuwachs in der ausländischen Ab- 
teilung nicht nur der Koniglichen Bibliothek, sondern auch der beiden 
Universitäts-Bibliotheken in Uppsala und Lund. Dann einen Katalog öfver 
kongl. bibliotekets fornisländska och fornnorska handskrifter (1897— 1900, 
vier Teile) von Vilhelm Gödel u. a. m. Bezeichnend für das schüne 
patriarchalische Verbältnis in Schweden ist die Aufschrift: Till konungen 
und die Unterschrift: Underdanigst mit folgendem Namen, womit der Jahres- 
bericht eingeleitet, beziehungsweise geschlossen wird. Ich kann es mir 
nicht versagen, folgenden Passus aus dem Jahresberichte für 1903 
vom Direktor Dr. Dahlgren herauszuheben (in wortgetreuer Übersetzung . 
aus dem Schwedischen): „Anläßlich des freigewordenen Postens (des 
Direktors durch das Ableben des Grafen Karl Snoilsky, ¢ 10. Mai 1903) 
haben Eure Königliche Majestät am 10. Juni vorigen Jahres (1903) den 
Bibliothekar an der Akademie der Wissenschaften Dr. phil. Erik Wilhelm 
Dahlgren zum Oberbibliothekar (= Direktor) ernannt und bestimmt, welcher, 


— — 


nach dem von Eurer 'Königl. Majestät ihm bewilligten Urlaube zur Fort- 
setzung einer schon vor der Ernennung begonnenen Studienreise im Aus- 
lande, am 1. Oktober (1903) zur Übernahme seines Amtes eingetroffen ist.“ 
(Arsberättelse 1903, S. 12—13.) Und nun folgt die Darlegung der ein- 
zeulaen Bibliotheksagenden: Der Direktor selbst leitet die ausländische Ab- 
teilung, der erste Bibliothekar die schwedische Abteilung, der zweite den 
Lesesaal- und Ausleihdienst. Zwei Amanuensen sind der schwedischen, 
zwei der ausländischen Abteilung zugewiesen, der fünfte steht der Hand- 
schriftenabteilung vor. Die drei letztangeführten besorgen nach einem fixen 
Turnus auch den Lesesaaldienst. Die außerordentlichen Amanuenses werden 
bauptsächlich in der Ausleihabteilung und zum Wiedereinstellen der aus- 
gehobenen Bücher verwendet. Am Schlusse des Jahresberichtes pro 1903 
hebt der Direktor noch die Notwendigkeit einer veränderten Anordnung der 
Klosetts hervor sowie einiger Verbütungsmaßregeln gegen Feuersgefahr, und 
fühit dann fort: ,Hierüber veranlaßte Vorschläge ... dürften im gegen- 
wärtigen Jahre der gnädigen Überprüfung Eurer Majestät unterstellt 
werden.“ (A. a. O., S. 23.) In anerkennenswerter Offenheit äußert sich 
der Direktor auch über die noch immer unvollständige Katalogisierung, 
derzufolge noch ganze Bestände der Bibliothek gar nicht katalogisiert seien. 
(S. 21.) Im letzten Jahresberichte (pro 1905) klagt Direktor Dahlgren 
sehr über den immer mehr fühlbaren Personenmangel (wir können in Wien 
mit ihm fühlen) und, bittet den König um Systemisierang noch einer 
Bibliothekars- und noch einer Amanuensisstelle. | 


Die Dotation der Königlichen Bibliothek beträgt seit 1896 jährlich 
34.000 schwed. Kr. Hievon entfallen fast 9000 schwed. Kr. auf die Buch- 
binderei. Über den Einkauf der Bücher für die ausländische Abteilung 
entscheiden der Direktor und die zwei Bibliothekare in den Sitzungen, von 
denen die Amanuenses ausgeschlossen sind. Für den stetigen unentgelt- 
lichen Zuwachs der schwedischen Abteilung ist durch ein Pflichtexemplar- 
gesetz gesorgt, welches bis auf den 22. September 1661 zurückgeht. Nach 
diesem am 9. März 1810 erneuerten Gesetz sind alle schwedischen Buch- 
druckereien dazu verhalten, Pflichtexemplare (arkivexemplar) ihrer Erzeug- 
nisse abzuliefern an die Königliche Bibliothek, die Universitats-Bibliotheken 
in Uppsala und Lund, das Reichsarchiv und die Akademie der Wissen- 
schaften. 


Hinsichtlich der Benützung der Königlichen Bibliothek bringt der 
neueste Jahresbericht derselben folgende Daten. Die Königliche Bibliothek 
hatte im Jahre 1905 Besucher im Lesesaal (und in der Ausleih- 
abteilung): 


zs 60 = 


vormittags (10—3) 22.927 
nachmittags (5— 7) 10.103 
im Ausstellungssaal 3.403 
zusammen 36.433 Besucher. 
Benützt wurden von Druckwerken: 
vormittags 52.580 Bände 
nachmittags 21.129. 4 


zusammen 73.709 Bände 





in der Bibliothek. 

Entliehen wurden: 9863 Bände. 

In der Handschriftenabteilung wurden 975 Volumina benützt. 

Diese Zahlen weisen gegenüber den Vorjahren 1903 und 1904 eine 
stetige und wesentliche Steigerung der Benützung des Bücher- und Hand- 
schriftenbestandes auf. Der Bücherzuwachs im Jahre 1905 war in 
der schwedischen Abteilung über 28.000 Bände, in der ausländischen 
Abteilung über 2800 Bände. Für die Kataloge der Impressenabteilung 
wurden im gleichen Jahre geschrieben 5545 Zettel für den Nominalkatalog 
und 5048 Zettel für den Realkatalog. Daraus ist ersichtlich, daß die 
Katalogisierung mit dem Einlaufe nicht Schritt halten kann, ein Umstand, 
der bei dem geringen Personalstand der Königlichen Bibliothek wirklich 
nicht zu verwundern ist. Es wäre vielmehr wunderbar, wenn die Beamten 
der Königlichen Bibliothek ihrer Überbürdung gewachsen sein könnten. 

Bevor ich einen kurzen Überblick über die höchst merkwürdige 
Geschichte der Königlichen Bibliothek zu geben versuche, mag eine ganz 
knappe Beschreibung des Ausstellungssaales am Platze sein. 

Der Ausstellungssaal hat seinen gegenwärtigen Bestand seit 
Frühjahr 1878. Er soll einen Überblick der kostbarsten Schätze der ein- 
zelnen Sammlungen der Königlichen Bibliothek gewähren. Die Ausstellung 
beginnt mit Handschriften, umfaßt weiter Inkunabeln und sonstige seltene 
oder merkwürdige Bücher und schließt mit einer Auswahl von Autographen. 
Ein überaus sorgfältig gearbeitetes Verzeichnis sämtlicher ausgestellten 
Stücke ist im 7. Jahrgange der Kungl. bibliotekets handlingar (Stockholm 
1885) enthalten. Ich kann daraus nur einige für mich besonders inter- 
essante Stücke hervorheben. Die ganze ausgestellte Sammlung ist in 28 Glas- 
schränken untergebracht. Darin finden sich unter anderen: Glasschrank 
(glesladan) Nr. 1: Codex aureus, eine lateinische Übersetzung der vier 
Evangelien, vor Hieronymus verfaßt, aus der sogenannten Itala des zweiten 
christlichen Jahrhunderts. Die ausgestellte Pergamenthandschrift ist ungefähr 
um 600 geschrieben und stammt aus Italien. Sie ist ein Prachtkodex und 
besteht aus abwechselnd weißen und violetten Blättern, ist mit schwarzer, 


— 64 — 


Gold-, weifer und roter Tinte geschrieben und bat zwei Miniaturbilder der 
Evangelisten Matthäus und Johannes. Die Handschrift ist derzeit die älteste 
der Königlichen Bibliothek und kam im Jahre 1709 in den Besitz jener. 
Vollständig herausgegeben hat sie der bekannte norwegische Bibelforscher 
Jobannes Belsbeim unter dem Titel: Codex aureus sive quatuor evangelia 
anie Hieronymum latine translata, e codice membranaceo..., qui in 
bibliotheca Holmiensi asservatur, .. nunc primum edita. Christiania^. 
1878. 8°. (In der k. k. Hofbibliothek vorhanden.) Der Text dieser Hand- 
schrift ist der bisher vollstándigste bekannte Text der Itala. — Nr. 9: 
Le livre de Marco Polo, citoyen de Venise. Pergamenthandschrift aus der 
ersten Hältte des 14. Jahrhunderts, bildet eine Abschrift des Berichte; 
jenes berühmten Reisenden in Asien, wie er im Jahre 1807 von Marco 
Polo an Thiebault seigneur de Cépoy geliefert wurde. Die Handschrift 
wurde 1882 in photolithographischem Faksimile von Adolf Erik Freilierrn 
v. Nordenskjóld herausgegeben. — Nach dem vierten Glasschranke folgt 
ein besonderer, nicht numerierter Glasschrank (särskild glasläda), welcher 
die berühmte Riesenhandschrift, die größte bis jetzt bekannte 89 cm hohe 
Pergamenthandschrift Gigas librorum, die Teufelsbibel, in sich schließt. 
Diese Handschrift enthält in lateinischer Übersetzung den Text des Alten 
und Neuen Testamentes und außerdem gleichfalls lateinisch des losephus 
Flavius Antiquitates judaicae, dann die Origines oder das Opus etymo- 
logicum des Kirchenvaters lsidor, Bischofs von Sevilla (gest. 636), ferner 
des Cosmas böhmische Chronik, ein Kalendarium u. a. m. Die Handschrift 
zählt 309 ganze Pergamentblätter und drei Fragmente; sie hat große und 
groteske Abbildungen des Teufels und der Hölle. Wahrscheinlich ist sie 
im alten Benediktinerkloster PodlaZic in Böhmen zu Anfang des 13. Jahr- 
hunderts geschrieben worden und kam noch in demselben Jahrhundert in 
das Benediktinerkloster Bfevnov in Böhmen, wo sie als „eines der sieben 
Wunder der Welt* bezeichnet wurde. Nach Zerstörung dieses Klosters im 
Jahre 1420 kam sie nach dem Kloster Braunau (in Böhmen) und blieb 
dort bis zum Jahre 1594; damals wurde sie auf Wunsch Kaiser Rudolfs II. 
nach Prag überführt. Hier fiel sie im Jahre 1648 in die Hände der 
Schweden und wurde nach Stockholm in die Königliche Bibliothek gebracht. 
‘Die beste Beschreibung dieser merkwürdigen Handschrift hat bekanntlich 
ein Österreichischer Gelehrter geliefert: Beda Dudik in den „Forschungen 
in Schweden für Mährens Geschichte“ (Brünn, 1852.). Im 17. Jahrhundert 
war in Böhmen eine Sage im Umlaufe, welche behauptete, ein zur Zellen- 
strafe verurteilter Mönch habe die Handschrift mit Hilfe des Teufels zu- 
stande gebracht. Die darin enthaltene lateinische Übersetzung der Apostel- 
geschichte und der Offenbarung Johannis sind als vorhieronymitische 


— 


Übersetzungen von bisher unbekannter Vollständigkeit separat herausgegeben 
worden, und zwar gleichfalls von dem norwegischen Pastor Johannes Bels- 
heim unter dem Titel: „Die Apostelgeschichte und die Offenbarung Johannis 
in einer alten lateinischen Übersetzung aus dem ‚Gigas librorum‘ auf der 
Königlichen Bibliothek in Stockholm. Zum erstenmale herausgegeben von 
Johannes Belsbeim. Nebst Vergleichung der übrigen neutestamentarischen 
Bücher in derselben Handschrift mit der Vulgata und anderen Hand- 
schriften. Christiania. P. T. Malling. 1879. 8^.* (Gleichfalls in der k. k. 
Hofbibliothek.) — Glasschrank 5, Nr. 6: Vilkina saga oder Thidreks saga 
auch Niflunga saga, eine altnorwegische Handschrift, eines der wenigen 
altnorwegischen Sprachdenkmäler, entbaltend die niederdeutsche Fassung 
unseres Nibelungenliedes, welche in Norwegen aufgezeichnet wurde. Sie ist 
wiederholt herausgegeben worden, zuletzt vom norwegischen Historiker Karl 
Richard Unger unter dem Titel: Saga Didriks konungs af Bern. Fortelling 
om Kong Thidrik af Bern og hans Kemper, i norsk Bearbeidelse fra det 
trettende Aarhundrede efter tydske Kilder. Udgivet af C. R. Unger. Med to 
lithographerede Blade Facsimile-Aftryk. Christiania. Feilberg. 1853. 8”. 
(In der k. k. Hofbibliothek vorhanden.) — Unter den schwedischen Hand- 
schriften ist vor allen herauszuheben Glasschrank 7, Nr. 1: Äldre Vest- 
götalagen, geschrieben um 1285, die älteste schwedische Handschrift, die 
man bisher kennt, zugleich das älteste Denkmal der altschwedischen 
Sprache, (Vgl. Henrik Schück och Karl Warburg: Jllustrerad svensk 
litteratur-historia. Del 1. Stockholm 1896. S. 162.) Die Handschrift, 
welche noch zwei Runen anwendet, ist neuestens im Faksimile heraus- 
gegeben und beschrieben von Otto v. Friesen in: Vär älsta hand- 
skrift pa fornsvenska. Uppsala. 1906. (Enthalten in: Skrifter utgifna af 
K. Humanistiska Vetenskaps-Samfundet i Uppsala, IX. 3. — Auch in der 
k. k. Hofbibliothek vorhanden.) — In demselben Glasschrank Nr. 9: Um 
styrilsi kununga ok hóftbinga (über die Regierung der Könige und Häupt- 
linge), altschwedische Handschrift aus dem 15. Jahrhundert, das einzige 
Manuskript dieses merkwürdigen Literaturproduktes, welches wahrscheinlich 
schon im 14. Jahrhundert niedergeschrieben wurde. „Es ist eine Schrift 
voll mannhafter frischer Lebensanschauung und gediegener Lebensweisheit* 
Fr. Winkel Horn, a. a. O. S. 288.), bestimmt als Erziehungslehre für 
junge Königssöhne. Der Verfasser ist unbekannt. Die Handschrift wurde 
erst im Jahre 1867 im Senatsarchive in Helsingfors gefunden, und zwar 
als Umschlag zu einem Rechnungsbuch vom Jahre 1563. Neueste Ausgabe 
unter dem Titel: Um Styrilsi kununga ok höfthinra. Normaliserad upplaga 
utgifven af Robert Geete. Stockholm. P. A. Norstedt. 1878. (Tn der k. k. 
Hofbibliothek vorhanden.) — Unter den ausgestellten Druckwerken sind 


ue 588. 


zunüchst zwei merkwürdige Inkunabeln, Pergamentdrucke, von besonderem 
Interesse. Glasschrank 11, Nr. 2: Psalmorum coder, der berühmte Pracht- 
druck des lateinischen Psalters zu liturgischem Gebrauch ddo. Main 1457, 
Johann Fust und Peter Schoffer. (Auch die k. k. Hofbibliothek besitzt ein 
Exemplar dieses Psalters, vgl. Hain, Repertorium bibliographicum .. usque 
ad annum 1500 etc. Vol. 2. Pars 2. S. 167, Nr. 18.479.) — Nr. 8: 
Cicero, De officiis et Paradoxa. Mainz. Fust et Schoeffer. 1466. — Ferner 
Glasschrank 15, Nr. 1: Vita Katarine, Holmis. s. a. ei s. i. n. (Barth. 
Ghotan. 1483.) Wahrscheinlich der älteste schwedische Druck, nur in 
drei Exemplaren bekannt. — Nr. 2: Dyalogus creaturarum optime mora- 
lizatus. Stockholmiae. Joh. Snell. 1483. Der erste datierte schwedische 
Druck, von dem gleichfalls nur drei Exemplare bekannt sind. — Nr. 3: 
Aff dyafwlsens frästilse; eine schwedische Übersetzung einer Schrift des 
berühmten Doctor christianissimus Johannes Gerson, Kanzlers der. Univer- 
sitát Paris (gest. 1429) durch Ericus Nicholai, Doktor der Theologie und 
Professor an der Universität Uppsala. Das Buch erschien 1495 in Stockholm 
bei Johan Smed (Faber) und ist das erste in schwedischer Sprache 
gedruckte Buch. — Aus späteren Drucken seien noch angeführt: Glas- 
schrank 15, Nr. 10: Novum instrumentum omne ab Erasmo Roterodamo 
recognitum et emendatum . . . cum annotationibus. (Ad calc.) Basileae. Joannes 
Frobenius. 1516. fol", Die erste gedruckte Ausgabe des griechischen 
Neuen Testamentes, mit lateinischer Übersetzung, dieselbe Textausgabe, 
aus welcher Luther übersetzte. (Auch in der k. k. Hofbibliothek vorhanden.) — 
Glasschrank 17, Nr. 6: Thet Nyia Testamentit pa Swenska. Stockholm. 
s. i. n. 1526. fol. Die erste schwedische Übersetzung des Neuen 
Testamentes, wahrscheinlich von dem schwedischen Reformator Laurentius 
Andreae (gest. 1552). — Nr. 10: Biblia. Upsala. G. Richolf 1540—1541. 
fol?, Die erste vollständige schwedische Bibelübersetzung, größten- 
teils verfaßt von Laurentius Petri, dem ersten lutherischen Erzbischof 
Schwedens (gest. 1573). — Nr. 12: Tobiae Comoedia. Stockholm. 1561. 
Das erste gedruckte schwedische Drama, gedichtet nach der 
biblischen Vorlage von Olaus Petri (Mäster Olof), dem eigentlichen Re- 
formator Schwedens (geb. 1493, gest. 1552). (Eine jüngere Ausga!e 
dieses biblischen Dramas besitzt auch die k. k. Hofbibliothek.) — Die 
Glasschränke 19 — 24 enthalten eine ausgesuchte Bucheinbandausstellung. — 
In den Glasschränken 25—28 finden wir Prof af berömda personers skrift, 
das sind kostbare Autographen. Jch kann hier nur ein Autograph anführen: 
die philosophischen Schriften von John Wiclef und Johann Hus, in eigen- 
händiger Niederschrift des letzteren (?) im Jahre 1398, 


au. Bd. oi 


Die hóchst ereignisreiche Geschichte der Königlichen Bibliothek 
geht bis auf König Gustav I. Wasa (regierte 1523—1560) zurück. Schon 
dieser König legte eine Bibliothek an und sein Sohn Erik XIV. (1560 
bis 1568) vermehrte dieselbe. Ein von einem gewissen „Doktor Benct*® 
und Rasmus Ludvigsson im Jahre 1568 verfaBter Katalog jener Bibliothek 
ist noch vorhanden (abgedruckt in Handlingar rörande Skandinaviens 
historia, Stockholm. 1816—1865. 8°. Del 27.). (Auch in der k. k. Hof- 
bibliothek zu finden.) König Johan III. von Schweden (1568—1592) 
schenkte die ganze Bibliothek dem Gymnasium regium in Stockholm. Aber 
er legte bald darauf wieder den Grund zu einer neuen Bibliothek. Doch 
schenkte einer seiner Nachfolger, König Gustaf IJ. Adolf, der Held des 
30jàhrigen Krieges, einen Teil dieser neuen Bibliothek im Jahre 1621 der 
ältesten Landesuniversität Uppsala (gegründet 1477). Die „Bibliothek der 
‘Krone*, wie sie genannt wurde, erhielt reichlichen Zuwachs durch die 
Beute des 30jährigen Krieges, so aus Würzburg, Olmütz, Prag u. a. Indes 
diese neuerdings bereicherte Königliche Bibliothek erlitt wieder einen furcht- 
baren Schlag, indem die phantastische Tochter Gustaf Adolfs, die Königin 
‘Kristina (1632— 1654), welche 1654 ihre Heimat verließ und in Rom 
zum Katholizismus übertrat, den größeren Teil jener Bibliothek nach Rom 
schaffen und große Bestände derselben der Vatikanischen Bibliothek ein- 
verleiben ließ. Allerdings wurden diese schweren Verluste einigermaßen 
‚wettgemacht durch die Kriegsbeute des großen Schwedenkönigs Karl X. Gustaf 
(1654—1660) sowie durch neue Einkäufe seitens dieses Königs. Aber nun 
‚brach eine neue Katastrophe herein: der Brand des königlichen Schlosses 
im Jahre 1697. Dabei gingen über 17.000 Bände und über 1100 Hand- 
schriften zugrunde. Der Rest, etwa 6700 Bände und 283 Handschriften, 
‚wurde in verschiedenen Privathäusern Stockholms aufgestapelt, bis ihm im 
Jahre 1768 der nordöstliche Flügel des neu erbauten königlichen Schlosses 
eingeräumt werden konnte. Nebst anderen Spenden kamen Ende des 
18. Jahrhunderts zwei höchst wertvolle Schenkungen dazu, nämlich 1792 
die große Bibliothek . des Königs Gustaf III. (1771—1792), bestebend aus 
14.500 Bänden und 228 Handschriften, und am 21. Dezember 1796 die 
Bibliothek des letzten Königs aus dem Hause Wasa: Gustaf IV. Adolt 
xregierte 1792—1809). Zu Anfang des 19. Jahrhunderts umfaßte die 
Königliche Bibliothek über 30.000 Bände, gegenwärtig, wie schon be- 
merkt, ca. 400.000. 

Eine königliche Verordnung des Jahres 1713 bestimmte, daß die 
Königliche Bibliothek täglich gewisse Stunden des Tages geöffnet sein sollte 
für solche, welche gemäß Erlaubnis der königlichen Hofkanzlei die Bibliothek 
benützen durften. Am 13. Dezember 1863 wurde ein besonderes Reglement 


— — 


— 65 — 


für die Verwaltung der Königlichen Bibliothek (Reglementet för kungl. 
bibliotekets värd) erlassen, welches das Entlehnen von Büchern gestattete. 
Heute wird nach höchst liberalen Grundsätzen ausgeliehen. Das heute 
geltende „Reglement für die Königliche Bibliothek“ (Reglementet för 
kungl. bibliotheket) datiert vom 9. November 1877. 

Für die persönliche Besichtigung der Königlichen Bibliothek bin ich 
deren Direktor Herrn Dr. Erik Wilhelm Dahlgren zu allergrößtem Danke 
verpflichtet. Dieser berühmte Gelehrte mit den weißen Haaren, aber jugendlich 
frischen Gesichtszügen, widmete mir in echt schwedischer Liebenswürdigkeit 
weit über eine Stunde der persönlichen Einführung und Erklärung. Gleicher- 
weise bin ich Herrn Bibliothekar Dr. Bernhard Lundstedt, dem aus- 
gezeichneten schwedischen Bibliographen, zu Danke verpflichtet, nicht nur 
für die Beschaffung des für meine Arbeit grundlegenden Materials durch 
großmütige Überlassung seiner Korrekturbogen, sondern auch für seine 


unermüdliche Führung in Stockholm. 


Dr. Heinrich v. Lenk. 
(Wird fortgesetzt.) 


LITERARISCHE BESPRECHUNGEN. 


Bibliografie české Historie [Bibliographie der böhmischen Geschichte] 
Sestavil Dr. Čeněk Zíbrt. Dil III. V Praze, nákladem české akademie císaře 
Františka Josefa pro ředy, slovesnost a umění, 1904—1906. 80°. 737 Seiten. 

Der vorliegende 3. Teil des groß angelegten Werkes umfaßt die gesamte 
Literatur über die Jahre 1419—1500 und die allgemeine über den 30jährigen 
Krieg, also die wichtigste Zeit der Geschichte Böhmens. Mit unsäglichem Fleiße 
hat der Vf. hier 13520 Nummern zusammengetragen und nach allen Seiten hin 
seine nie rastende Aufmerksamkeit gerichtet. „Jeder Forscher auf dem Gebiete 
der böhmischen Geschichte muß zu diesem sicheren und unentbehrlichen Weg- 
weiser greifen, und jeder wird ihm Dank wissen für seine Führung. Und oft genug 
findet er hier Auskunft über Dinge, die er kaum in einer Bibliographie der 
böhmischen Geschichte suchen würde. Nicolaus Cusa z. B. hat verhältnismäßig 
wenig mit Böhmen zu tun gehabt und doeh gibt uns der Vf. eine vollständige 
Bibliographie über den Kardinallegaten (S. 180—132). Solche Ausführlichkeit 
trägt natürlich dazu bei, den Umfang des Werkes bedeutend zu vergrößern, und 
schadet der Übersichtlichkeit, ist aber auch nicht konsequent durchgeführt. Mit 
demselben oder eigentlich mit viel größerem Rechte hätten dann auch alle Werke 
genannt werden müssen, die sich mit Eneas Silvius Piccolomini beschäftigen, 
wäbrend doch der Vf. hier (S. 120—22) nur die Werke aufzáhlt, die Eneas selbst 
geschrieben hat, ohne doch vollständig zu sein ; denn abgesehen davon, daB hier 
zablreiehe Ausgaben und Übersetzungen einzelner seiner Werke übergangen wurden, 
die beiden Werke: Pius II. pont. max. a calumniis vindicatus ternis retractionibus 
ejus quibus dicta et scripta pro concilio Basileensi contra Eugenium PP. IV. 
ejuravit. Recensuit ad mss. codices Carolus Fea. Romae 1823 und: Aeneas Sylvius 
Piccolomini ala Papst Pius II. Sein Leben und EinfluB auf die literarische Kultur 


o 


ge, AE ` due 


Deutschlands . . . Mit 149 bisher ungedruckten Briefen aus dem Autqgr. Codex 
Nr. 3389 der k. k. Wiener Hofbibliothek sowie einem Anhange. Herausgegeben 
von Prof. Dr. Anton Weiß. Graz 1897, hätten an dieser Stelle unbedingt genannt 
werden müssen. Solche Ungleichmäßigkeit der Behandlung des Stoffes findet sich 
wiederholt und sie gehört mit zu den Mängeln, an denen das schöne Werk leidet. 
Und noch auf eine andere Ungleichmäßigkeit sei gleich hier hingewiesen: Bei 
manchen seltenen Druckwerken des 16. Jhs. hat der Vf. den Ort (oft auch die 
Signatur) angegeben, wo sie zu finden sind; hätte er dies überall getan, besonders 
bei den so ungemein seltenen Zeitungen und Flugschriften des 16. Jhs., er hätte 
sich damit doppelten Dank bei allen denen erworben, die wissen, wie schwierig 
und zeitraubend das Aufsuchen einer derartigen Schrift zumeist ist, Und weil 
wir nun schon einmal bei dem leidigen Aufstellen von Wünschen sind, so wollen 
wir sie gleich alle aufzählen. Der eine betrifft das Verweisen auf andere Nummern 
des Buches, das korrekter durchgeführt sein müßte, da es jetzt wiederholt irre- 
führt; so wird bei M. Blochinger Nr. 4562 auf Nr. 5258-9 verwiesen, während 
es richtig 5301—2 heißen müßte. Ebenso wird bei 6508 und 6510 auf Nr. 3082: 
Zach. Theobald: Husitenkrieg 1621 verwiesen, was aber nicht stimmt; man wäre 
geneigt, das Werk unter den Schriften zu suchen, die die Husitenkriege im all- 
gemeinen behandeln, doch auch dort ist das Werk nicht verzeichnet. Man sieht, 
dem Vf. ergaben sich während der Arbeit noch Einschübe, die ihn zwangen, die 
ursprüngliche Numerierung zu ändern, ohne daß die Anderung bei allen Hin- 
weisen durchgeführt worden wäre. Als einen Mangel empfindet man es auch, daß 
die Aufzählung der politischen Lieder einer bestimmten Epoche vom Vf. unter- 
lassen wurde; gehören sie doch mit zu den Quellen der Geschichte, und geben 
oft ein lebendigeres Bild der Ereignisse, als es prosaische Darstellungen ver- 
mögen, welch letztere zudem, wie sich nachweisen läßt, nicht selten ein Lied 
einfach in Prosa umsetzen; sie geben die Stimmung des Volkes wieder oder 
kennzeichnen die Bestrebungen einer politischen Partei. Jungmann hat sie in 
seiner Historie literatury i jazyka teskeho aufgezeichnet; es wäre Zibrt gewiß 
nicht schwer gewesen, die Liste zu vervollständigen; verzeichnet er doch gewissen- 
haft alle Zeitungen, die von Naturereignissen, Mord und Brand und Wuuder- 
geschichten aller Art berichten. 

Wenn ich diesen Wünschen noch einige Ergänzungen hinzufüge, so möchte 
ich nicht gerne mißverstanden sein. Kein Werk wie das vorliegende kann absolut 
vollständig sein und dem, der ähnliche Studien wie der Vf. betrieben, wird es 
immer leicht sein, Nachträge zu liefern. Die wenigen, die ich zu machen habe, 
sind nichts als ein Zeichen meines Dankes an Prof. Zibrt, von dem ich auch in 
diesem 3. Teil seines Werkes wieder viel gelernt habe, S. 243, Nr. 5279: Der 
hier gegebene Titel ist unverständlich; er lautet richtig: Diß büchlein gibt dir 
zu verston / Was etlich priester hondt gethon / In dißem jar in butzen weiß. / Der 
das will wissen leß mit fleyD / Wen es wolt in der naßen beyBen / Der soll zu 
jar sich bessers fleyßen / Vnd sollichs anderwegen lon / So wüßt man sein auch 
müßig gon. / (Vgl. meine Bibliographie d. deutsch, Litteratur Böhmens im 
XVI. Jhr., Nr. 7). — S. 244, Nr 5309. Rappolts Kirchenordnung für Elbogen 
erschien bereits 1522 (vgl. Kuczynski: Thesaurus Nr. 2077), — S. 301 Nr. 6429: 
Die 1. deutsche Konfession der böhmischen Brüder, wie es scheint, allen Forschern 
bisher unbekannt, führt den Titel: Es ist ein Christenliche ordnung gemacht 
worden vnd bestettiget von dem allerdurchleuchtigsten, Großmechtigen Fürsten 


— 67 — 


vund Herrn Künig Ludwig zu Hungarn vnd Boóheim, vnd von dem gantzen land 
der gemayn, Von wegen etlicher artickeln des Christenlichen glaubens wie das 
register ausweist. Ist angefangen am Freytag von enger Frawen Liechtme8. Im 
XXIIII jar. 4*. 5 Bl. o. O. — S. 801 zu Nr. 6482: Die ungemein seltene Kon- 
fession der böhm. Brüder in der Übersetzung Michael Weißes, die ich in keiner 
größeren Bibliothek nachweisen kann und die auch dem böhm. Museum fehlt, 
ist in meinem Besitz; ihr genauer Titel lautet: Rechenschaft / des Glaubens, 
der / dienst vund Cerimo-/nien, der brüder in Behmen vnd Mehrern. / (Am Ende: 
Getruckt zu Zürich bey Chri-/stoffel Froschoncer.) 80%. 46 Bl. o. J. — 8. 327 
Nr. 6811 ist wohl Nachdruck des Prager Originals: Zeitung Von dem erschreck- 
lichen vorhencknus vnd schaden, so durch des Fewers prant auff der clainer 
Stadt Prag vnd Prager schlos sampt dem Ratschin ist ergangen, jm Jare 1541. 
Gedruckt in der Cleiner Stadt Prag durch B. Netolitzky, 1541. — S. 329 Nr. 6859: 
Die Artickel, so auff dem Gemeinen LandBtag zu Prag auff dem SchloB im 
M.D.XXXXIII. jar gehalten, . .. Ia gegenwertigkeyt Königlicher Maiestat .. | 
verwilligt, vnd beschlogen sein. (o. O.) 1548. 49. 9 Bl. (Kuczynski: Thesaurus 
Nr. 182). — 8. 379 Nr. 7886: Die 1. Bergordnung für Joachimatal erschien 
1532: Ordenung des freyen vnd lóblichen bergkwercks in Sant Joachimsthal. 
(Am Ende:) Gedruckt zu Nürmberg durch Friderich Peypuß. Im Jar M.D.XXXII. 
— 4%, 21 Bl. und: Aufgerichte bandlung zu notdurft vnd forderung des 
Bergkwerges bueben zunor angenomner vnd außgegangner Ordnung, In 
S. Joachims Thale. (Am Ende:) Gedruckt zu Nürmberg durch Friderich Peypus 
:M.D.XXXII. 49. 8 Bl. (Wien, Univers. Bibl. I 232505). — 8. 409, d: Schürrer. 
M. Schone, gewisse, bewerte vnd herrliche Kunststück, wie man Pomeranzen, 
Weichsel, Veihel, Rosensirup vnd dergleichen sachen vnd Confect einmacht, 
sammt etlichen herrlichen Rauchungen, auch .. . Tractat zu langer erhaltung 
Menschlicher Gesundbeit, etc. Prag, bey Georg Datzichy, 1576. — 8°, 64 S. — 
S. 486, Nr. 9172: Citardus, Math: Ein christliche tróstliche Predig über vnd 
bey der fürgestellten eingesarckten leich des . . . Kaysers Ferdinands . . . Prag, 
G. Melantrich v. Aventin, 1565. (Hiersemann, Leipzig, Kat. 286 Nr. 227). — 
S. 470, Nr. 9848: Petrus Codicillus: Von einem Cometen. Prag, 1577 (Zürich, 
Kantonsbibl. I Mscr. F 27. — 8S. 472 Nr. 9874: Zalostiwá y hrozná Nowina s 
gednom Bacholatku, narozeném w Mésteéku Werchlabi pod Panem W. Mirkowskym 
z Tropei ... Prag, J. Dagicky. (o. J.; L. Rosenthal, München Kat. 88 Nr 1217). 
— S. 486, Nr. 10183: Newe Zeitung. Vom gliickseligen Sieg wnd Triumpff der 
Christen, im Crabatischen Land vber den Türken ... geschehen den 21. Juny.. 
1593. Jahre. Erstlich gedruckt in der alten Stad Prag, bey Johann Schuman. Im 
Jahr 1598. 4 Bl. 4% (Breslau Univers. Bibl: H. ree. 1V Qu 243). — S. 488 
Nr. 10176: Ein Warhafftige Zeitung aus Vngern von Kassaw, wie der Türck mit 
Achtzehen Tausent starck ... zu Felde gelegen . . . Aber von einem Baweren 
verrahten wardt . . . den fünfften May in diesem 1594. Jar... Gedruckt zu 
Prag, durch Hans Walden, Anno 1594, 8°. 4 Bl. und: Ein Warhafftige newe 
zeatung Aus Ober vnd Nieder Vngern, von dem großen Sieg, so Godt der Al- 
mechtige verliehen hat . . . den 10. Junii vor Grana vnd Hattna . . . Gedruckt 
zu Prage, bey Jacob Bige auff der kleinen seite, Im jar 1594. 89. 4 Bl. (beide 
Zeitungen auf der Stadtbibl. Hannover). — S. 489, Nr. 10190 in deutscher 
Sprache = Nr. 364 meiner Bibliographie, ebenso ist 10191 = Nr. 366 meiner 
Bibl. — S. 498 Nr. 10268: Vngrische Warhafftige newe zeittunge, was sich ... 


5* 


— 68 — 


für Keredes zugetragen . . . Mit bewilligung der Obrigkeyt, zu Prag in der 
altenstat getruckt durch Vlrich Waldawer Anno 1597. (Einblattdruck in 4* auf 
der Stadtbibliothek Hannover) — S. 495 Nr. 10809: Newe, Vberaus fröhliche 
vnd sehr glückliche Zeitung, Wie... die gewaltige Hauptfestung Ofen in 
Hungarn durch den Herrn Adolphen von Schwartzenberg ... erobert .. , 
Erstlich gedruckt zu Wien, Nachmals in der alten Stadt Praga durch Nic. Strauß- 
den 31. Octobris 1598. 8%. 4 Bl. (Gilhofer u. Ranschburg, Wien, Auktion vom 
22. I. 1900 Nr. 1265). R. Wolkan. 


(E. Gordon Duff, The Printers, Stationers and Bookbinders of West- 
minster and London from 1476 to 1585. Cambridge, University Press, 1906.) 
Seit zu Beginn des achtzehnten Jahrhunderts das Interesse an den ersten 
Erzeugnissen der Buchdruckerkunst erwachte, ist wohl jedes Land mit einer Ebr- 
furcht, die anfangs durch keinerlei Kritik angekränkelt war, an die frühesten. 
Regungen des beimischen Buchdrucks herangetreten. Nirgends konnte diese Ehr- 
farcht (und Kritiklosigkeit) stärker sein als in England, in dem der nationale 
Buehdruck zwar ziemlich sp&t (1477) begann, aber in zwei Punkten den meisten 
kontinentalen Ländern voraus war: Englands erster Buchdrucker war ein Eng- 
länder, der im bewußten Gegensatze zu seinen von klassischen und geistlichen 
Tendenzen bestimmten festländischen Berufsgenossen es sich zur Lebensaufgabe 
machte, die profane Literatur seines Landes durch die neue Kunst zu verbreiten. 
Diese nationale Auffassung seiner Stellung hat Caxton bei seinen Landsleuten. 
zu einem Ansehen verholfen, das von Heroenknit picht allzuweit entfernt ist. Die- 
Literatur, die sich mit Caxton, seinen Zeitgenossen und unmittelbaren Nach- 
folgern beschäftigt, ist unübersehbar. In Blades erhielt Caxton um die Mitte 
des vorigen Jahrbunderts seinen berufenen Biographen, dem es dank seiner- 
Fähigkeit, die traditionelle Begeisterung für den nationalen Prototypographus 
durch gründliche Studien zu disziplinieren, gelang, das Denkmal, das England 
Caxton errichtet hatte, von entstellenden legendären Elementen zu säubern und 
in eine Beleuchtung zu rücken, die einer wissenschaftlich gegründeten Unter- 
suchung seines Lebens und seiner Tätigkeit günstiger waren. Aber erst durch 
den früheren Leiter der Universit&tsbibliothek in Cambridge, Henry Bradshaw, 
dessen Begeisterung gleichen Schritt hielt mit seiner eminenten kritischen Be- 
gabung, wurde die Kenntnis von dem Entstehen und der Ausbreitung. des Buch- 
drucks in England auf die unanfechtbare Basis historischer Forschung gestellt. 
Ihm verdanken es nicht nur die Engländer, wenn die neue gleichsam natur- 
wissenschaftliche Methode der Typenforschung und Typenvergleichung zu Ergeb- 
nissen in der historischen Bücherkunde führten, die vorher kaum geahnt werden 
konnten. Die zwei bedeutendsten Schüler Bradshaws haben sich in die zwei 
Arbeitsgebiete des Meisters geteilt. Proctor behielt sich die extensive {Methode 
vor und hat in seinem berübmten „Index“ gleichsam ein Regestenwerk der’Aus- 
breitung der Druckerkunst geschaffen. Duff hat sich nach einer gelegentlichen 
Darstellung des internationalen Buchdrucks eine nationale Aufgabe gestellt: Ent- 
stehung und früheste Verbreitung des englischen Buchdrucks kritisch zu erforschen. 
Im Auftrage der Bibliograpbischen Gesellschaft in Chicago hat er eine neue 
Biographie Caxtons verfaßt, die als Privatdruck leider nur zur Kenntnis eines 
beschrünkten Leserkreises kam. Seine zahlreichen kritischen Arbeiten auf dem 
. Gebiete des englischen Buchdrucks bewogen die Universität Cambridge, ihn zu 


m "UO. i-i 


Vorlesungen aufsufordern und das Resultat seiner beiden Vortragszyklen liegt 
nun in dem oben angeführten Buche vor. Die festländische Kritik hat diesem 
Buch gegenüber einen schweren Stand, da rückhaltioses Lob gerne als ohn- 
müchtiges Waffenstrecken gedeutet wird. Aber die durchaus ernste, auf der 
sieheren Grundlage eines großen und mit Vorsicht gebrauchten Tatsachen- 
materials aufgebaute, dabei sehr anziehende Darstellung sichert dem Buche nicht 
wur eine bleibende Stelle in der wissenschaftlichen Buchgeschichte, sie erhebt 
es auch zu einer sehr anregenden Lektüre. Duff beginnt erst mit einer Würdigung 
der Westminsterpresse und ihren Vertretern Caxton, Wynkyn de Worde (= Wörth 
in Lothringen) und Julian Notary. John Lettou (Litbauen?), William de Machli- 
nia (Mecbeln) und Richard Pynson (aus der Normandie), also lauter Ausläuder, 
führten den Buchdruck in der City ein. Die Tatsache, daß die ersten Erzeug- 
niese des englischen Buchdrucks nur in geringem Ausmaße der Wirksamkeit von 
Engländern entsprangen, ist das charakteristische Moment für den englischen 
Buchdruck im Jahrhundert seines Entstehens. Denn die eigentliche Versorgung 
Englands mit den Erzeugnissen der neuen, sich rapid ausbreitenden Kunst ging 
weit weniger von den im Lande selbst wirkenden Buchdruckern aus als von den 
zahlreichen ,Stationers*, die sich mit dem Vertrieb der festlündischen Druck- 
werke befaßten. Trotz des regional bestimmten Titels zieht Mr. Duff auch die 
ausländischen Beziehungen des englischen Buchhandels heran und mit Recht. 
Aber es ist schwer einzusehen, warum gerade der deutsche Buchhandel, der 
sowohl in England (Koberger !), wie auf deutschem Boden in ziemlich erheblichem 
Ausmaße den Bedürfnissen des englischen Büchermarktes nachzukommen suchte, 
in Mr. Duffs Buch so vernachlässigt wurde. Auf die Bedeutung von Köln als 
Druckort anglo-lateinischer Literatur babe ich in einer holländischen Zeitschrift 
hingewiesen. Aber gerade für die ersten Jahrzehnte des sechzehnten Jahrhunderts 
sind neben den von Mr. Duff ausführlich behandelten französischen und 
holländischen Druckern und Händlern auch die Drucker von Marburg, Zürich 
und Straßburg von großer Bedeutung. In diesen Städten wurde ein bedeutender 
Teil jener Literatur gedruckt, der später es möglich machte, England der Re- 
formation zuzuführen. Wenn hier ganz besonders auch die Druckertätigkeit 
Johann Schotts in Straßburg erwähnt werden soll, so geschieht es aus einem 
lokalen Interesse: die Wiener Hofbibliothek, eines der wenigen kontinentalen 
Institute, die auch eine Anzahl von Caxtons Drucken besitzt, hat — wie ich einer 
freundlichen Mitteilung Dr. Brotaneks verdanke — ein Unikum aus Schotts 
Presse in ibrer Sammlung, das in der englischen Reformationsliteratur eine sebr 
wichtige Rolle gespielt hat: William Royes ,A Brefe Dialoge, bitwene a Christen 
Father and his stobborne Sonne, whom he wolde fayne brynge to the right vnder- 
stondynge of a christen mans lyvynge*. Das Buch ist in Wahrheit eine Über- 
setzung aus einem bisher unbekannt gebliebenen deutschen Original. (Näheres 
bei A. Wolf in den Sitzungsberichten der Wiener Akademie, philos.-histor. kl. 
Bd. 76, S. 891 ff) Von dieser Lücke abgesehen stellt Mr. Duffs Buch eine ein- 
wandfreie und verläßliche Darstellung des englischen Buchdrucks und Buch- 
handels dar, soweit es sich auf London und den im Titel umgrensten Zeitraum 
beschränkt. Ein besonderes Lob verdient Mr. Duffs Verfahren, die chronologische 
Folge der Drucke zu bestimmen, neben der Herkunftsbestimmung das wichtigste 
Moment für die richtige Erkenntnis einer historischen Entwicklung. Dafür bietet 
ine Eigentümlichkeit in den Drucken Wynkyn de Wordes von 1504—1528 ein 


i WO. = 


lehrreiches Beispiel: ein ursprünglich unversehrtes, später beschädigtes und durch 
ein ähnliches ersetztes Signet. Auf die Einbände kommt der Verfasser besonders 
ausführlich zu sprechen. Dabei verrät er uns die seltsame Tatsache, daß die 
vielgerühmten englischen Bibliophilen, z. B. Lord Spencer, die ursprünglichen 
Einbände durch die Arbeiten von Modebuchbindern ersetzen ließen. Eine Bar- 
barei, die vielfach an das ikonoklastische Treiben der modernen Exlibrissammler 
erinnert. Die wenigen illustrativen Beigaben des Buches sind immer charakteristisch 
und aufschlußreich und erhöhen nur den Wert der vortrefflichen Schrift, die man 
nicht ohne den Wunsch. aus der Hand legt, es mögen auch die regional be- 
stimmten Betätigungen des ungleich bedeutenderen festländischen Buchdrucks 
einen Chronisten finden, der sich wie Mr. Duff nicht nur durch gründliche Kennt- 
nisse auszeichnet, sondern auch durch die seltene Gabe, diese Kenntnisse 
geschickt und anziehend zu verwerten. G-A 


Franc Simonič: Slovenska bibliograflja. I. del. Knjige (1550 — 1900). 
Izdala in zaloZila ,Slovenska Matica^. V Ljubljani. 1908—1905. 89. 627 S. (Slo- 
venische Bibliographie. Teil I. Bücher.) 

-Durch das vorliegende Werk des gewesenen Kustos an der Wiener Uni- 
versitütsbibliothek wird eine offene Lücke in der österreichischen Bibliographie 
ausgefüllt. Was durch die leider frühzeitig gescheiterte Unternehmung „Öster- 
reichische Bibliographie“ angestrebt wurde, könnte wohl am leichtesten auf diese 
Art verwirklicht werden, daß sich alle österreichischen Völker eine Inventari- 
sierung ihres Schrifttumes zu ihrer Nationalpflicht machen würden. Durch das 
Werk Simonit’ kommen die Slovenen dieser ihrer Pflicht nach. Eine vollständige 
slovenische Bibliographie hat es bis jetzt nicht gegeben, was nicht nur der 
Spezialforscher der slovenischen Literatur, sondern jedermann, der mit dem 
österreichischen Bücherwesen überhaupt zu tun hatte, empfindlich vermißte. 
Deshalb ist das Werk Simonič’, welches aus der unmittelbaren Beschäftigung 
mit dem Gegenstande im Laufe von melır als 20 Jahren entstanden ist, als eine 
höchst willkommene -Erscheinung zu begrüßen. Das Verdienst des slovenischen 
Bibliographen ist umso größer, als ihm keine bedeutenden, den modernen biblio- 
graphischen Anforderungen entsprechenden Vorarbeiten zur Verfügung standen. 
So wurde z. B. die protestantische Periode der slovenischen Literatur lange Zeit 
vernachlässigt, so daß man von den seltenen Druckwerken des XVI. Jahrhunderts 
erst in den letzten Jahren Kunde bekam. Das Beispiel Schnurrers und Kopitars fand 
eben keine Nachahmer. Es blieb dem im Jahre 1900 verstorbenen Laibacher 
Pastor Th. Elze vorenthalten, das üppig erblühte Schrifttum des slovenischen 
Protestantismus näher zu beleuchten. Der erste mit wissenschaftlichem Ernste 
gemachte Versuch einer slovenischen Bibliographie vom Laibacher Lyzealbiblio- 
thekar -Matthias Cop, geschrieben im Jahre 1831 für den böhmischen Slavisten 
Šafařík, konnte leider erst 1864 von Josef Jiretek veröffentlicht werden. Als 
lediglich biographisches Hilfsmittel kommt auch die voluminöse „Geschichte der 
slovenischen Literatur“ von Prof. K. Glaser (Laibach 1894 —1898) in Betracht, 
nur sind deren Angaben wegen der nachlässig geführten Korrektur mit der 
größten Vorsicht zu gebrauchen. 

Vom Werke Simonié’ ist vorläufig der erste Teil heraus, der die in Bech- 
form von 1550—1900 erschienenen Werke der slovenischen Literatur nach dem 
in der Wiener Universitätsbibliothek üblichen Schlagwortprinzipe enthält. Der 


in le aes 


zweite Teil wird die in periodischen Publikationen enthaltenen wissenschaftlichen 
Aufsätze, nach Fächern eingeteilt, bringen und so einen Realkataleg darstellen. 
Es ist zu erwarten, daß im zweiten Teile auch die von der Kritik (besonders 
von Prof. Petrovskij im russischen Journal des Ministeriums für Volksaufklärung, 
Neue Serie, I, 1906, S. 152—157). gemachten Zusütze zum ersten Bande berück- 
sichtigt werden. 

Wien. Ivan Prijatelj. 


Katalog der Handschriften der Kgl. Öffentlichen Bibliothek zu Dresden. 
Im Auftrage der General-Direktion der Königlichen Sammlungen für Kunst und 
Wissenschaft im Anschlusse an die von Franz Schnorr von Carolsfeld 1882 und 
1883 herausgegebenen Bända bearbeitet von Dr. Ludwig Schmidt, königl. 
Bibliothekar, 3. Band (enthaltend die Abteilungen N—R, a—d), Leipzig B. G. 
Teubner, 1906, 8^, VI, 538 Seiten. 

Es hat lauge gedauert — 23 Jahre — bevor dem 2. Bande des Hand- 
schriftenkataloges der Dresdener Bibliothek der vorliegende 8. Band folgen konnte, 
der die restlichen Bestünde verzeichnet und dem noch ein Supplementheft folgen 
soll mit den Erwerbungen der neuesten Zeit, namentlich der 1885 einverleibten 
Oelser Schloßbibliothek. In der Anlage schließt sich dieser Band den beiden 
früheren an und teilt deren Vorzüge und Fehler; zu den ersteren rechnen wir 
die genauen Angaben über die Geschichte der einzelnen Handschriften, zu den 
letzteren die oft allzu summarischen Angaben über ihren Inhalt; wenn man schon 
den Inhalt oft minderwertiger Sammelhandschriften mitteilt, dann durfte man 
auch nicht zögern, genaueres über einen Kodex, wie 2 97, zu sagen, der Melanthons 
eigenhändige Briefe und solche seiner Zeitgenossen enthält, selbst dann, wenn 
diese schon anderwärts beschrieben sein sollten: ein zu viel schadet da viel 
weniger. als ein zu wenig. Aber — davon abgesehen — wir freuen uns an dem 
Reichtume, den dieser Band uns kennen lehrt. Der Herausgeber der beiden. 
ersten Bände, der jetzt die Leitung der Königl. Bibliothek übernommen hat, 
konnte noch die 183 Handschriften der Bibliothek über Magie und Alchymie 
verzeichnen, unter denen eine Sammelhandschritt des 15. Jahrhunderts (Nr, 101) 
für uns deshalb von Interesse ist, weil sie aus Österreich stammt, wie aus dem 
SchluBvermerk hervorgeht: Completum et scriptum in castro Künigsperge proppe 
Attesin Anno 1485, und sich noch 1594 in der Bibliothek Joannis Baptistae a 
Seepach Austriaci serenissimi archiducis Ferdinandi dapiferi befand. Der Buch- 
stabe O umfaßt die Handschriften in spanischer (O*,) italienischer (O°), 
französischer (0°), englischer (0%) und in den slavischen Sprachen (O°, O'). Unter 
ibnen enthalten namentlich die italienischen Handschriften manche unbekannte 
und wertvolle Stücke, so den ungedruckten Convito d’amori des Marsilio Ficino 
(0* 7), den gleichfalls ungedruckten Dialogo consolatorio des Giannozzo Manetti 
(0^8) in einer Pergamenthandschrift des 15. Jahrhunderts, die unveröffent- 
lichten und für die Geschichte des Jahres 1611 bis 1621 wertvollen Ricordi 
politici des Lelio Maretti aus Siena (O* 9"), eine Handschrift der Comedia Dantes 
aus dem 14. bis 15. Jahrhundert (O^ 25) uud zwei trotz ihrer Wichtigkeit noch 
unbekannte Handschriften der Trionfi des Petrarca, Pg. 15. Jahrh. (O* 26 und 27). 
Weiters finden wir Goldonis eigenbündige Übersetzung Molieres (O^ 42), eine 
unbekannte Übertragung der Historien von Quintus C. Rufus durch den 
Humanisten Leodrisio Crivelli (O* 47) und mehrere Sammelhandschriften 


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worunter namentlich die von Michele Siminetti ans Florenz im 15. Jahrhundert 
angelegte hervorzuheben ist. Ein großer Teil der französischen Handschriften ist 
mit kostbaren Miniaturen reich geschmückt, so die aus dem Besitze des Herzogs 
von Namours, Jaques d'Armagrac (T1477) herrührende Handschrift O* 54, die 
eine Übersetzung von Petrarcas Remedia utriusque fortunae enthált. Dazu gesellen 
sich Übersetzungen des Cassiodor (0°53) und Vegetius (0* 57) das Turnierbuch 
Reguiers d'Anjou (O° 58) eine vielleicht aus dem Besitze des Dauphins Louis XI. 
stammende Sammelhandschrift ca. 1400 (0° 61) S. Gelais' Übersetzung von Ovids 
Heroiden (0°65) mit $1 blattgroBen Miniaturen und der Prosaroman Histoire de 
Charlemagne aus dem 15. Jahrh. einst im Besitze der Grafen von Horn (O° 81). Unter 
den englischen Handschriften interessiert Wiclefs Übersetzung des neuen Testaments 
(G*88), unter den tschechischen eine Bibel des 15. Jahrh. aus dem Besitze der 
Familie von Leskowetz (0* 85.) Handschriften zur sächsischen Geschichte ent- 
halten die vier Abteilungen Q, a, c und d, Vermischtes die Abteilungen P, F 
und b, unter denen R die wertvollsten Bestände enthält, so namentlich die Chronik 
Thietmars von Magdeburg (R 147), Originalbriefe Luthers (R 96) und Melanthons 
(R 97) sowie ihrer Zeitgenossen, das Autograph von Dürers Schrift: Von den 
Proportionen des menschlichen Körpers (R 147), Briefe von Elise v. d. Recke 
(Q 225, 226) und Gedichte ihres Freundes Tiedge (R 256°), die Revolutions- 
novellen Arnold Ruges (R 284") und die berühmte Mayabandschrift (R 320). Eine 
Reihe von Stammbüchern (R 288— 800) bietet eine Fülle von Zeichnungen und 
Versen namentlich aus dem Ende des 18. Jahrh.; den handschriftlichen Nachlaß 
des fleiBigen und verdienstvollen Bibliothekars Friedrich Adolf Ebert bergen die 
Abteilungen R 136-140 und 170—229. R. W. 


Manuskripte des Mittelalters und späterer Zeit, Einzel-Miniaturen: 
Reproduktionen. Mit 23 Tafeln. Leipzig, Karl W. Hiersemann, 1906. 
8°. Katalog 330. [VIII] — 222 Ss. — 10 Mk. 

Wir leben zwar nicht mehr im Zeitalter der libri catenati, aber die wert- 
vollen Handschriften und alten Drucke befinden sich fast ausnahmslos in so 
festem Besitze, daß es heute schwieriger ist denn je, eine öffentliche oder Privat- 
bibliothek mit Seltenheiten aus früheren Jahrhunderten zu bereichern. Dazu kommit 
natürlich noch, daß die Preise für Handschriften und Wiegendrucke gerade in 
der neuesten Zeit ganz gewaltig in die Höhe gegangen sind, so daB selbst gut 
dotierte Öffentliche Bibliotheken in dieser Hinsicht nur selten ihre Kauflust 
befriedigen können. Bedurfte es ja doch eines warmen Aufrufes in der Öffentlich- 
keit, um das Mainzer Psalterium von 1459, für dessen Ankauf die preußische 
Regierung fast die Hälfte des Preises — 40.000 Mark — durch eine außer- 
ordentliche Widmung beigesteuert hatte, für die Königliche Bibliothek in Berlin 
zu erwerben. Unter solchen Umständen muß der Katalog, den Karl W. Hierse- 
mann in Leipzig unter dem oben angeführten Titel in vortreffiicher Ausstattung 
dem bücherliebenden Publikum vor kurzem vorgelegt hat, in ganz besonderem 
Maße die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, denn er verzeichnet eine Anzahl kost- 
barer Handschriften, die ein stattliches Vermögen darstellen. So wird ein 
Breviarium Benedictinum (Nr. 189, 9. bis 10. Jahrhundert, auf den Tafeln 10. bis 
11. Jahrhundert) mit 23.500 Mark, eine Handschrift der Horae Beatae Virginis 
Mariae (Nr. 32, ca. 1350—1380) mit 22.000 Mark, das Original-Manuskript der 
Sonate op. 96 von Ludwig van Beethoven (Nr. 188), das für verschollen galt, mit 


— 78 — 


42.500 Mark bewertet. Aber nicht der materielle Wert ist es, der in wissen- 
schaftlichen Kreisen die Bedeutung dieses Kataloges ins rechte Licht zu stellen 
vermag, sondern der literarische und künstlerische. Besondere Aufmerksamkeit 
erregen namentlich die liturgischen Handschriften im weiteren Siune, deren der 
Katalog eine ganze Anzahl in hervorragender Ausstattung aufführt. 

Die Gruppe der Livres d’heures französischen Ursprunges aus dem 14. und 
15. Jahrhundert, die Hiersemanıs Katalog aufweist, läßt eine Vorstellung auf- 
kommen von der einstmaligen Verbreitung und Wertschätzung dieser Art von 
Literatur. Der Sammeleifer der Gegenwart einerseits und die literarische Be- 
wertung anderseits lassen diese einst mehr von einem gläubigen, heute mehr von 
einem profanen Standpunkte aus gewürdigten Denkmäler wieder stark im Werte 
steigen. In einem dieser Livre d'heures (Nr. 97) wird uus das Bild der ersten 
Besitzerin — sie ist weltlichen Standes — überliefert. Schade, daB wir ihren 
Namen nicht kennen. Denn wir achten heute sorgfältig darauf, gerade bei der 
Durchforschung der hochentwickelten Buchkunst des 15. Jahrhunderts, wer für 
solchen literarischen Besitz besondere Teilnahme an den Tag legte. Eine einzige 
solche Handschrift l&Bt uns oft tiefe Blicke in das Getriebe jener Zeit tun. Be- 
scheidene Andacht und weltlicher Prunk, privater Sammeleifer und Öffentliche 
Politik, hohes künstlerisches Streben und ein mechanisches Arbeiten nach der 
Schablone, all dies und noch anderes zieht seine Kreise um diese Erzeugnisse 
menschlicher Kunstfertigkeit. 

Die Aufmerksamkeit der Germanisten werden besonders zwei Nummern auf 
sich lenken. Das Original-Manuskript des Epos ‘Cäcilie und auderer Gedichte 
von Ernst Schulze, dem Dichter der ‘Bezauberten Rose’ (Nr. 22), und 85 
eigenhündige Briefe desselben an Adelheid Tychsen nebst neun eigenhündigen 
Briefen des Dichters an Adelheids Mutter (Nr. 28). 

Vom österreichischen Standpunkte aus verdienen besondere Beachtung ein 
deutscher Kalender des Johann von Gmunden (Nr. 4, 1470), ein Arzneibuch des 
Bartbolomäus Carichter, der iu Wien tätig war (Nr. 12, 1561) und das Buch ‘von 
der Mahler Kunst’ von Johann Hackhofer (Nr. 14). Vielleicht wird aus dieser 
Handschrift neues Licht auf den Barockmaler Hackhofer fallen, der im Dienste 
des steirischen Chorherrenstiftes Vorau tüchtige Leistungen vollbracht hat. Das 
Jahr der Entstehung der Handschrift ist mit der Angabe zirka 1675 vielleicht 
etwas zu früh angesetzt. 

Aber nieht nur abendländische Kunst und Literatur sind in Hiersemanns 
Katalog vertreten, auch das Morgenland ist darin ganz etattlich anzuschauen. 
Namentlich die indischen und persischen Original-Malereien bieten schon in der 
Beschreibung, wie sie der Katalog enthält, manches Lehrreiche. Darin liegt eben 
der dauernde Wert dieses Kataloges, daß die darin aufgeführten kostbaren Denk- 
mäler der Literatur und Kunst nicht bloß äußerlich beschrieben werden und 
ihr Inhalt kurz angegeben wird, sondern daß man über das Bedeutungsvollste in 
ihnen Ausführlicheres erfährt. Die Angaben über die Miniaturen z. B., wenn sie 
auch naturgemäß knapp gehalten sind, bieten zur Vergleichung mit anderen 
Handschriften maucherlei Anhaltspunkte. Die beigegebenen 28 Tafeln unterstützen 
unser Vorstellungsvermögen wesentlich. 

So stellt sich der Hiersemann'sche Katalog als eine bibliographische Leistung 
dar, auf die nicht nur der Herausgeber, sondern der deutsche Buchhandel über- 
haupt stolz sein kanı, denn er zeigt, wie an dem alten Mittelpunkte des deutschen 


— 74 — 


Buchhandels Kapitalkraft und wissenschaftlicher Ernst mit kräftigem Einsatze 
das literarische Getriebe beleben und fördern. 
Graz. Ferdinand Eichler. 
In dem von Schiffmann und Berger heransgegebenen „Archiv für die Ge- 
schichte der Diözese Linz“ III. S. 184 ff. veröffentlicht der um die Geschichte 
des oberösterreichischen Bücherwesens verdiente Landesarchivar i. P. Dr. Ferdinand 
Krackowizer eine ausführliche Studie über den ersten „Linzer Buchdrucker 
Hans Planck und seine Nachfolger im XVII. Jahrhundert.“ Dem Verfasser ist 
es gelungen, eine Reihe von Aktenstücken zu finden, die über die wenig erfreuliche 
Geschichte des ersten Linzer Buchdrucks volle Klarheit bringen. So veröffentlicht 
Krackowizer daa Gesuch um Druckbewilligung, das Planck am 26. Jänner 1615 
an die obderennsischen evangelischen Stände richtete, aus dem wir erfahren, daß 
der erste seßhafte Linzer Drucker aus Erfurt stammte, sich.in Nürnberg aufhielt, 
und ohne alle Geldmittel nach Linz zog, „weil es nunmehr Zeit wehre, sich 
niederzurichten.^ Die Bewilligung wurde ihm bald erteilt, und am 14. November 
1616.wurde ihm sogar ein Buchladen im Landhaus zugewiesen. Im übrigen aber 
konnte Planck während seines Linzer Aufenthaltes, der sich bis zum Jahre 1628 
erstreckte, am eigenen Leibe spüren, wie es mit der Macht der Stände immer 
mehr bergab ging. Abschlägig beschiedene Gesuche um Verbesserung seiner 
Stellung und Erweiterung seiner Befugnisse und Schulden — davon berichten 
die von Krackowizer veröffentlichten Urkunden in immer neuen Varianten. 
Immerhin konnte Planck eines bescheidenen Nachruhmes sicher sein; in seiner 
Offizin ist eine Reiho der bedeutendsten Schriften Keplers zum erstenmale gedruckt 
worden. Auch über Plancks Nachfolger Crispinus Voytlender (1628—1684), Johann 
Paltauf (1634—1637), die Kürner (1638—1670), Kaspar Freyschmid (1671—1699), 
Johann Jakob Mayr (1674—1682) und Johann Rädimayr (1683—1699) veröffentlicht 
Krackowizer vollkommen neues Material. — Daß auch vor Planck in Linz gelegent- 
lich gedruckt wurde, steht auBer Frage. Krackowizer erwähnt das ausdrücklich 
auf S. 137 f. Doch sind die Angaben des Kompilators der „Bibliotheca Wind- 
hagiana® S. 512 und 845, der schon 1602 und 1609 in Linz Bücher 
drucken läßt, zu korrigieren: Die dort als Linzer Druck bezeichnete Schrift 
Keplers , Astronomia nova arttoAoynzoc sev Physica coelestis tradita commentariis 
de motibvs stellae Martis* trügt nur den Druckvermerk „Anno aerae Dionysianae 
1609* und ist ohne Zweifel in Prag, wahrscheinlich von Paul Sessius gedruckt. 
(Wien U. B. 1II 189145 Adl. Prag U. B. XLIX. A. 6. vgl. Hanslik S. 574. 
wo ea (Prag.) statt Prag heiBen soll.) Der zweite in der Bibl. Windhag. 
angeführte Druck scheint apokryph zu sein, ist wenigstens nicht belegbar. — 
Mit den kümmerlichen Bibliotheksverhültnissen in Linz scheint es zusammen- 
zuhängen, daB Krackowizer in seiner Studie auf eine veraltete bibliographische 
Literatur angewiesen ist. So ist im ersten Abschnitte seiner Einleitung zu 
berichtigen, daß in Brünn schon vor Stahel und Preinlein im Jahre 1485 gedruckt 
wurde, daß nicht Johannes Winterburger, sondern Johannes Helm (Cassis) der 
erste Wiener Drucker war und daß schon drei Jahre vor Brünn in Wien gedruckt 
wurde. Sprachliche Flüchtigkeiten wie der Austriazismus „eine gute Kunde* fiir 
„ein guter Kunde“ (S. 180) stören den Reiz der sonst gewandten Darstellung. 
Ein besonderes Verdienst Krackowizers ist die Zusammenstellung des 
Kataloges aller ihm bekannten aus Plancks Offizin hervorgegangenen Drucke. Als 


—— 


Verleger Keplers und des Historikers Hieronymus Megisers, die beide an der 
evangelischen Landschaftsschule in Linz lehrten, fällt Planck . eine besondere 
Rolle unter den deutschen Druckern des 17. Jahrhunderts za. Krackowizer hat 
daher vollkommen recht, wenn er neben der Aufzählung auch einen Präsenz- 
nachweis der Drucke unternimmt. Soweit die Bestände der Wiener Universitäts- 
Bibliothek, die ausdem Nachlasse Windhags eine besonders große Anzahl Linzer 
Frühdrucke zugewiesen erhielt. der Prager Universitäts-Bibliothek und der 
Bibliothek des British Museum in London in Betracht kommen, sei das Ver- 
zeichnis Krackowizers durch die nachstehenden Angaben ergänzt. Vor allem wird 
die Liste durch Keplers „Prognosticon, von allerhandt bedraulichen Vorbotten 
künfftigen Vbelstands, in Regiments- und Kirchensachen, sonderlich von Cometen 
und Erdbeben, auff das 1618 und 1619 Jahr.^ S. ]. 1619, das sich im British 
Museum (8€10. bb. 38.) befindet, zu erweitern sein. 

2. Wien U. B. (II 189149) aus St. Florian — L. Rosenthal Kat. 111 Nr. 878. 
— Libri Cat. 3987. — London, Br. M. 538. K 3. — Libri Cat. 3983. 

4. Wien U. B. (I 162585). — London Br. M. (587. a. 80.) 

5. Wien U. B. 2 Exemplare (II 189142 und I 189140 Adl.) ersteres aus 
St. Florian. — Prag U.B. (C, 10) vgl. Hanslik S. 276. — Libri Cat. 3984. 
Kollationierung ; 4 ungez. 113 gez., 3 ungez. S. 

8. Prag U. B. (K, 21) vgl. Hanslik 8. 418 (Druckjahr fülschlich ,1616*). 

19. Wien U. B. 2 Exemplare (Il 184158 und I 184159 Adl.), beide unvoll- 
ständig, da nur die ersten 3 Bücher „de sphaericis* vorhanden sind (26 ungez., 
417 gez. S.); — das 4. Buch erschien 1622, das 5.—7. 1621, was Krackowizer 
nicht erwähnt. — Libri Cat. 3985 und 3986 — Recsey, Cat. S. Mart. 1517, 1515. 

22. Wien U.B: (I 199220) unvollständig nur bis Sign. J 4. — Die Schrift 
heißt „Gegründter Notbwendiger Bericht etc.“ und ist datiert (1619). 

23. Wien U. B. 2 Exemplare (II 187119 und II 189148 Adl.) — Prag 
U. B. (B. 83) vgl, Hanslik S. 276. — London Br. M. 2 Exemplare (785 l. 21 
und 48. e. 15.) — L. Rosenthal Kat. 111 Nr. 878. — Libri Cat. 3987. — Keplers 
Harmonices mundi libri V^ wurden ,sumptibus Godsfredi Tampachii Bibl. Francof.* 
gedruckt. Das Werk hat allerdings einen Gesamttitel mit dem von Krackowizer 
bezeichneten Signet; doch besitzen Liber I. 1V. und V. besondere Titel mit dem 
o.-0. Landeswappen. Planck verwendet hier vielfach griechische Typen. Koll.; 
Titel, 6 ungez., 66 + 255 gez. S., 4 astron. Karten, 3 Kartons. 

29. Wien U. B. (I 248648) — Koll.; Titel. 16 gez., 1 ungez. S. 

40. Wien U. B. (I 184678) — Koll.; 14 ungez. S. . Vo 


AUS ÖSTERREICHISCHEN BIBLIOTHEKEN. 


(Von der k. k. Universitäts-Bibliothek in Lemberg.) Im Jahre 1906 
verfügte die Bibliothek über 38.831 K (davon 20.000 X ordentlicher Dotation, 
15.151 X an Matrikeltaxen, die neue Bibliothekssteuer brachte 3672 A ein). Der 
gesamte Zuwachsan Druckwerken — Kauf, Geschenk- und Pflichtexem plaren — belief 
sich auf 5920 Bünde; dem Archive werden zwei geachenkte Urkunden einverleibt 
auch wurden 68 Münzen gekauft. Der Totalbestand am Ende 1906 ergab 191.263 
Bände an Druckwerken, 887 Handschriften, 11.178 Münzen und 502 Medaillen. 
Recht stattlich nimmt sich die Frequenz aus. Benützt wurden 167.350 Bände von 


— 76 — 


53.534 Personen, davon entfallen auf 5576 Entlehner 13.593 Bände. Dazu kommt 
noch der auswärtige Verkehr, der 1282 verschickte und bezogene Bände von 
Drucken und 129. Handschriften umfaßte. Die Bibliothek war dem Publikum an 
243 Tagen 8 Stunden täglich (Sonnabends bloß fünf Stunden vormittags) zugänglich. 
Der Beamtenstatus bestand wie fıüher aus zirka 8 Beamten und einem Volontär 
(für das Referat der Seminarbibliotheken), die Bedienung lag 4 stabilen und 
2 Aushilfsdienern ob. r. k. 


(Von der Universitüts-Bibliothek in Innsbruck.) Verwaltungsjahr 
1905/06: Bücherzuwachs 7044 vol., davon Neuerwerbungen 4654, Fortsetzungen 
2890. Kauf 1056 (neu 307, fortgesetzt 749), Schenkung 5540 (4138, 1407), Pflicht- 
exemplare 412 (187, 225), aus Doublettenaustausch erworben 86 (27, 9). Ein 
neugekauftes Buch ohne Einband kostete durchschnittlich 18:5 K (ein natur- 
geschichtliches 41 X). 30 Werke kosteten über 100 A. Seit 1898 wurden iin 
Doublettenaustausche erworben 1529 vol., abgegeben weit über 7000. Gebunden 
liefen 476 vol. ein, davon im Kaufe 161. Zahl der Leser 13.914. Die Bibliothek 
war an 300 Tagen zugänglich (während 1814 Stunden). Verliehen wurden 11.297 
Bände, im Orte 10.699, nach auswärts 598 vol. Entlehnt wurden aus österreichischen 
Anstalten 692, aus Kroatien 2, Deutschland 289, Schweiz 5, Frankreich 1 vol; 
nach tirolischen Anstalten 273, sonstigen österreichischen 318, nach Deutschland 4, 
Schweiz 1, Italien 1, Frankreich 6. Von den Haudschriften wurden 57 benützt, 
davon 4 versendet. Bücherstand Ende September: 212.485 vol, 1138 Hand- 
schriften. 


VEREINS-NACHRICHTEN. 


Am 9. März d. J. fand ein von Bibliothekar Laschitzer geleiteter 
Vereinsabend: statt, au dem zwei von Vereinsmitgliedern gestellte Anträge zur 
Verhandlung kamen. Der erste von Dr. Frankfurter gestellte Antrag 
lautete: 

Die Feier des zehnjährigen Bestandes des Vereines veranlaßt mich, den 
Antrag zu stellen, der diesjährigen ordentlichen Hauptversammlung oder, falls 
das inopportun erscheint, einer im Juni d. J. abzuhaltenden Vereinsversammlung 
die folgenden schon im Vorjahre beabsichtigten Auträge zur Beschlußfassuug zu 
unterbreiten: 

Die Hauptversanımlung bezw. Versammlung wolle beschließen: 

1. Es werde ein aus fünf Mitgliedern bestehendes Statuten- 
Revisions-Komitee gewählt. 

2. Dieses Komitee habe zu bestehen aus drei Ausschußmitgliedern und 
zwei außerhalb des Ausschusses stehenden Vereinsmitgliedern. 

8. Das Komitee ist unbeschränkt in seiner auf die Revision bezüglichen 
Tätigkeit, doch soll sich diese vornehmlich auf die die Zusammensetzung des 
Ausschusses, seine Tätigkeit und seine Kompetenz, ferner auf die die Vereins- 
versammlungen betreffenden Paragraphe erstrecken. . 

4. Das Komitee berichtet bis längstens sechs Wochen über seine Tätigkeit 
an den Ausschuß, der dann, falls Statutenänderungen vom Komitee vorgeschlagen 
werden, eine außerordentliche Hauptversammlung anberaumt, 
damit die neuen Vereinsstatuten bereits in dem im Oktober 1906 beginnenden 
aeuen Vereinsjahr in Kraft treten können. 


EE ees 


5. Soweit durch die Statutenänderungen Neuwahlen in den Ausschuß nötig 
sein sollten, werden sie in derselben außerordentlichen Hauptversammlung vor- 
genommen. 

Zur Begründung dieser Anträge beehre ich mich folgendes anzuführen: 

Es ist eine unleugbare Tatsache, daß das Interesse an der Vereinstätigkeit 
in den Kreisen der Mitglieder ein sehr geringes ist, es ist ferner feststehend, 
-daß das Vereinsleben, insofern es sich in Vorträgen und Diskussionen, in Ver- 
handlungen über bibliothekarische Fach- und Standesfragen äußert, in den letzten 
Jahren immer mehr abgenommen hat. Die Gründe für diese beiden Tatsachen 
scheinen darin zu liegen, daß die Vereinsmitglieder an der Tätigkeit des Vereine 
nicht genügend Anteil nehmen können, da der Ausschuß, ‚wie es in der Natur 
der Sache liegt und in allen Vereinen und Körperschaften der Fall ist, nur zur 
Exekutive berufen, nicht nur diese, sondern auch sozusagen die Legis- 
lative ausübt. Die in der Versammlung vom 8. Dezember 1895 beschlossenen 
und seither nur in einem Punkte abgeänderten Statuten scheinen schon aus 
diesen Gründen einer Revision bedürftig, die inebesondere zu erwägen haben 
wird, ob nicht durch Änderung der die Zusammensetzung des Ausschusses, seine 
Tätigkeit und Kompetenz, ferner der die Vereinsversammlungen betreffenden Be- 
stimmungen die Hebung des Interesses der Mitglieder und ihrer Mitarbeit an 
den Aufgaben des Vereines gesichert werden könnte. Es ist ganz natürlich, daß 
die bei der Gründung eines Vereines beschlossenen Statuten ihre ErsprieBlich- 
keit erst erproben müssen und ebenso ist der Versuch berechtigt, nach einem 
Dezennium die ersten Statuten an der Hand der gemachten Erfahrungen einer 
Überpräfung zu unterziehen. Mit den Intentionen, die die Vereinsgründung ver- 
anlaßten, als ein Anreger und an den Vorarbeiten Beteiligter wohl vertraut, darf 
ich gewiß für mich das Recht beanspruchen, festzustellen, daß tatsächlich die 
von mir selbst in der Versammlung vom 8. Dezember 1895 vertretenen Statuten 
in wesentlichen Punkten revisionsbedürftig sind. Mit meinen Anträgen will ich 
lediglich mein Interesse an der Sache bekunden und ich glaube umso eher auf 
ihre Annabme rechnen zu dürfen, als sie nicht nur berechtigt, sondern 
auch vollkommen unpräjudizierlich sind. 

Der Antrag, der dem Ausschusse zur Beratung vorgelegen war, eine Be- 
ratung, in der auch der Antragsteller dem Ausschusse zugesogeu war, hatte zur 
Einsetzung eines Subkomitees geführt, das Dr. Weiß zum Referenten bestellt 
hatte. Mit dem Tode des Referenten war eine Stockung der Beratung einge- 
treten. Endlich wurde Dr. Doublier zum Referenten bestellt, der im Namen 
des Ausschusses für die Ablehnung des Antrages eintrat; in seinem Referate wies 
er kurz darauf hin, daß eine Belebung des Vereines nicht von Statuten und Ge- 
scháftsordnung, sondern von dem Interesse der Mitglieder ausgehen müsse. In 
Erwiderung auf die Ausführungen des Referenten führte Dr. Frankfurter 
in zwei Reden am Beginne und am Schlusse der Diskussion etwa folgendes aus: 

„Wenn es noch eines Beweises für die Berechtigung meiner Anträge, von 
denen allerdings einige längst gegenstandslos geworden sind, bedarf, so wird er 
meines Erachtens gerade durch die Ausfübrungen des Herrn Referenten vollauf 
erbracht. Ich kann freilich nicht leugnen, daß ich durch diese Ausführungen 
nicht nur überrascht worden bin, weil ich sie nicht erwartet hatte, sondern daB 
sie mich auch peinlich berührten. Die Ausführungen des Referenten setzen näm- 
lich eigentlich ganz andere Anträge voraus als jene, die ich gestellt habe, oder 


— 78 — 


sie legen meinen Antrágen eine Tendenz und einen Sipn bei, die in ihrem Wort- 
laut weder ausgedrückt noch angedeutet sind. Ich muß mich deshalb zunächst 
dagegen verwahren, daß meine Anträge hauptsächlich von einer Opposition gegen 
den derzeitigen Ausschuß, ja auch nur von einer Kritik seiner Tätigkeit diktiert 
sind. Nicht etwa, daß ich nicht vielleicht an manchen Dingen Kritik üben könnte 
oder daß ich nicht den Mut hätte, es zu tun. Ich bin gewohnt, meine Ansicht 
offen zu sagen. Aber es ist nicht meine Art, faktióse Opposition zu machen. 
Deshalb haben auch meine Anträge keinerlei persönliche Spitze. Und deshalb 
haben auch alle einschlägigen Ausführungen des Referenten mit meinen Anträgen 
eigentlich nichts zu tun und ich unterlasse es daher, auf sie im einzelnen ein- 
zugehen. Ich erkläre vielmehr, daß es mir einfach unverständlich ist, wie meine 
so klar gefaßten Anträge so mißdeutet werden konnten und daß es mir unfaßbar 
ist, daB sie überhaupt abgelehnt werden können. 

Ich habe lediglich die tatsächlichen Verhältnisse, die Sie mit mir beklagen, 
zum Anlasse meiner Aktion genommen. Ich sagte mir, wenn es wahr ist — uud 
Sie bestreiten es ja nicht — daß das Interesse für den Verein im SchoBe seiner 
Mitglieder, wie die schwache Teilnahme an den Versammlungen zeigt, gering ist, 
80 verdient erwogen zu werden, ob nicht diese Zustände durch eine andere 
Organisation behoben werden könnten. Ich sagte mir: es hat keinen Zweck, etwa 
den Ausschuß anzuklagen oder an seiner Tätigkeit Kritik zu üben, sondern es 
empfiehlt sich, die Organisation des Vereines, d.i. die Statuten, 
einer Revision zu unterziehen, um zu prüfen, ob man nicht durch Änderungen 
dieser Statuten eine Besseruug erzielen könute. Das und nichts anderes ist das 
Ziel meiner Auträge, die bereits ein Jahr, bevor ich sie einbrachte, im Hinblick 
auf den bevorstehenden Abschluß des ersten Dezenuiums formuliert waren, jedoch 
erst angesichts der beabsichtigten zehnjährigen Feier des Bestandes des Vereines 
eingebracht wurden. Ich habe damals seitens mehrerer Kollegen Zustimmungen 
erfahren, auch Herr Regierungsrat Haas hat ihnen durchaus beigepflichtet, nur 
war es sein Wunsch, daß ich aus praktischen Gründen von einer Beratung dieser 
Anträge in der feierlichen Hauptversammlung absehe. Diesem Wunsche habe ich 
Rechnung getragen und es dem Ausschusse überlassen, die Anträge eventuell in 
einer dazu einzuberufenden Vereinsversammlung verhandeln zu lassen. Daß dies 
erst heute geschieht, liegt nicht nur an der beklagenswerten Tatsache, daß der 
früher bestellte Referent inzwischen gestorben ist, sondern eigentlich an der 
ganzen Behandlung, der Sie im Ausschusse die Anträge unterzogen haben. Meiner 
Ansicht nach boten meine Anträge, die lediglich formaler Natur sind, über- 
haupt kein Substrat für eine über die Anträge hinausgehende meritorische Be- 
ratung im Ausschusse. 

Ich war absichtlich bemüht, meine Anträge, denen ausschließlich, 
wie schon ihre Textierung zeigt, sachliche Motive zugrunde liegen, so zu 
formulieren, daß sie weder eine Veranlassung zu einer Vorberatung im Ausschusse 
noch die Möglichkeit einer Ablehnung bieten sollten. 

Wenn ich früher sagte, daß die Ausführungen des Referenten einen anderen 
Antrag zur Voraussetzung haben als jenen, den ich gestellt habe, so möchte ich 
mir gestatten, dies ein wenig zu erläutern. Die Ausführungen des Referenten 
müssen bei jedem Unbefangenen die Vorstellung erwecken, ich habe beantragt, 
der Vorstand möge erwägen, ob und welche Änderungen der Statuten zum Zwecke 
der Hebung des Vereinslebens sich empfellen u. s. w. Hätten meine Anträge so 


I 3 — 


gelautet, dann würe es begreiflich, daB der Ausschug in die meritorische Be- 
ratung eingehen und, wenn er zur Überzeugung gelangt ist, daß überhaupt Ánde- 
.rungen der Statuten den genannten Zweck nicht haben können und daß er sich 
praktische Änderungen nicht denken könne, die Ablehnung dieser Anträge be- 
antragt. Mein Antrag lautete aber: Es möge in einer Vereinsversamm- 
lung ein Statutenrevisions-Komitee gewählt werden, das aus 5 Mitgliedern, und zwar 
zwei außerhalb des Ausschusses stehenden und drei dem Ausschusse angehörenden 
besteht; dieses Komitee soll in seiner auf die Revision gerichteten Tätigkeit un- 
umschrünkt sein. Ich babe absichtlich es unterlassen, konkrete Abänderungs- 
auträge zu stellen, und mich darauf beschränkt, die Paragraphen anzudeuten, 
auf die sich die Revision vornehmlich erstrecken sollte. Ich hätte natürlich 
ganz bestimmt formulierte Änderangen vorschlagen können, denn ich habe ja 
nicht aufs Geratewohl und ohne reifliche Überlegung und ohne mir selbst klar 
darüber zu sein, welche Änderungen zweckdienlich wären, die Anträge eingebracht. 
Allein ich wollte der Beratung im Revisions-Komitee in keiner Weise vorgreifen 
und nach meiner Intention sollte erst aus der Beratung dieses Revisions-Komitees 
das Substrat für eine weitere Beratung im Ausschusse und im Vereine hervor- 
gehen. Die Berechtigung des Gedankens an sich, nach zehn Jahren die Frage 
einer Statutenrevision aufzuwerfen, kann doch kaum bestritten werden. Auch der 
weise Solon hat die Athener nur verpflichtet, die von ihm gegebenen Gesetze 
zehn Jahre lang unverändert zu lassen. Warum soll daher ein Verein die Er- 
fahrungen des ersten Dezenniums sich nicht zunutze machen und erwägen dürfen, 
ob nicht die Statuten, sei es in ihrer Gänze, sei es in einzelnen Teilen, einer 
Revision bedürftig sind? 

Anstatt nun das von mir beantragte Statutenrevisions-Komitee wählen zu 
lassen und diesem Komitee die Erwägung, ob und welche Änderungen an den 
Statuten vorzunehmen seien, vorzubehalten, hat der Ausschuß es für richtig be- 
funden, selbst ein Subkomitee mit der Beratung dieser Anträge zu betrauen. 
Dieses Subkomitee wurde in einer Ausschußsitzung gewählt, zu der ich ein- 
geladen war; obwohl der heutige Referent damals selbst beantragt hatte, mich 
den Beratungen des Subkomitees, soweit es sich mit meinen Anträgen beschäftige, 
beizuziehen (denn dem Subkomitee war auch der Antrag Schubert zugewiesen, 
zu den Beratungen über diesen Antrag sollte nach dem Antrage Dr. Doubliers 
selbstredend Dr. Sch. beigezogen werden), wurde ich zu den Beratungen nie be- 
rufen. Ich konstatiere lediglich diese Tatsache. Ohne deshalb irgendwelche Rə- 
kriminationen zu erheben, denn ich erkläre ganz offen, daß ich die Einsetzung 
eines Subkomitees für unrichtig und in meinem Antrage nicht begründet hielt, 
und daß ich auch im Subkomitee keine bestimmt formulierten Änderungsanträge 
gestellt hatte, weil nach meiner Intention das nach meinem Antrage einzusetzende 
Statutenrevisions-Komitee die Beratung pflegen sollte. Das Subkomitee ist nun, 
wie aus dem heutigen Referate hervorgeht, in eine meritorische Beratung der 
supponierten Änderungen eingetreten und der Referent hat sich sozusagen meinen 
Kopf zerbrochen. Er sagte sich, jene von mir angedeuteten Paragraphen ins Auge 
fassend, was kann denn Dr. F. für Änderungen meinen? oder was soll denn da 
geändert werden? und da er keine Änderungen fand, namentlich für den Zweck, 
den ich als Ausgangspunkt nahm (obwohl mir das durchaus nicht die 
Hauptsache ist), so sprach er sich überhaupt gegen jede Änderung aus, und 
deshalb beantragt der Ausschuß die Ablehnung meiner Anträge. 


— 80 — 


Ich kann nach dem Gesagten trotz der Ausführungen des Referenten meine 
Anträge nur aufrechthalten und ihre Annahme Ihnen wärmstens empfehlen. Sie 
sind so gefaßt, daß sie nach keiner Richtung prüjudisieren. Lassen Sie doch das 
Komitee zusammentreten und in ruhiger, unbefangener Prüfung erwägen, ob es 
nicht zu bestimmten Formulierungen gelangt. Ich glaube dadurch allein schon das. 
rein sachliche Interesse bekundet zu haben und dadurch deutlich genug bewiesen 
zu haben, daß den Anträgen nicht das Motiv der Opposition gegen den der- 
zeitigen AusschuB innewohnt, daB ich in dem zu wählenden Komitee den aus 
dem Ausschusse zu entsendenden Mitgliedern die Majorität sichere. Was ist denn 
damit riskiert, daß das Statutenrevisions-Komitee gewählt wird und sicb an den 
Beratungstisch setze? Kommt das Komitee zum Resultate, daß von Statuten- 
änderungen abzusehen sei, nun, so wird es in diesem Sinne an die Versammlung 


berichten. 


Wegen des unpräjudizierlichen Charakters meiner Anträge will ich es auch 
unterlassen, im einzelnen bestimmte Abänderungsanträge zu stellen. Offen ge- 
standen, könnte ich es im Momente auch nicht. In meiner Motivierung habe ich 
bereits im allgemeinen die Materie angedeutet. Aber, wie bereits bemerkt, die 
Tätigkeit des Komitees soll unbeschränkt sein. Es wird z. B. auch den § 1 (Zweck 
des Vereines) zu erwägen haben; vielleicht gelangen wir jetzt zu einer anderen 
Formulierung und schon dadurch zu einer anderen Organisation des Vereines. 
Vielleicht gelangt man zur Überzeugung, daß von der Veranstaltung von Vor- 
trägen überhaupt abzusehen ist und jährlich nur eine Hauptversammlung zu ver- 
austalten sein wird oder man betont den Charakter dee Fachvereines stärker, 
dann müssen die Vortragsabende anders organisiert werden. Auch die Bestim- 
mungen über Zusammensetzung, Wahl und Kompetenz des Ausschusses werden 
vielleicht eine schärfere Formulierung finden. Derzeit sind manche Paragraphen 
zu unbestimmt. Kurz, ich möchte auf das Einzelne jetzt, als zwecklos, nicht näher 
eingehen, da wir ja nicht in eine meritorische Beratung momentan eintreten 
können und auch die heutige Debatte nur formalen Charakter hat. 


Trotz der Ermunterung des Referenten will ich keine Oppositionsrede 
halten, weil ich sie, offen gestanden, für erfolglos halte (auch der von Dr. Doublier 
erwühnte Oppositionsredner hat ja nie einen Erfolg erzielt), ich halte überhaupt 
' dafür, daB nur dae Sachliche betont und alles Persönliche, das ja in 
einer richtigen Oppositionsrede nicht unberührt bleiben kann, ferngehalten werden 
sollte. Dr. Doublier hat ja meines Anteils an der Vereinsgründung und meiner 
Betätigung im Vereine mit Anerkennung gedacht und eo bitte ich Sie, überzeugt 
zu sein, daß auch bei meinen in Verhandlung stehenden Anträgen lediglich das 
Interesse für die Sache, die gedeihliche Entwicklung unseres 
Vereines, für mich maßgebend war und deshalb bitte ich Sie um Annahme 
meiner Anträge, zu deren näherer Motivierung ich nur auf meine, den Anträgen 
beigefügte Begründung verweisen kann. 


In der Debatte begründeten Dr. Himmelbaur und in wiederhoiten 
Ausführungen Dr. Doublier die ablehnende Haltung des Ausschusses, während 
Dr. v. Sterneck die Verschleppung des Antrages durch den Ausschuß be- 
mängelte und lebhaft für den Antrag eintrat. Regierungsrat Meyer nahm eine 
vermittelnde Stellung ein. Schließlich wurde der Antrag abgelehnt. 


zS EE zu 


Als zweiter Punkt der Tagesordnung folgte die Beratung des Antrages 
Dr. v. Sternecks, der dahin geht, die Einführung von Kanzleibeamten im 
Bibliotheksdienst bei der Unterrichtsverwaltung in Vorschlag zu bringen, 

Zur Begründung führt Dr, v. Sterneck aus, daß im Bibliotheksdiensto 
wie in jedem Zweige des Verwaltungsdienstes die zu leistende Arbeit ver- 
schieden sei, indem ein Teil der Arbeit ausschließlich mechanischer Art sei, 
während der andere Teil der Arbeit akademische Bildung des Beamten voraus- 
setze. Indem für die Leistung mechanischer Arbeit ein nicht akademisch ge- 
bildeter Beamter geeigneter erscheine als ein akademisch gebildeter. und das Ge- 
halt des ersteren geringer sei ale das des letzteren, bedeute die Einführung von 
Kansleibeamten im Bibliotheksdienste einen doppelten Vorteil, nämlich eine 
größere Leistungsfähigkeit der Bibliotheken einer- und geringere finanzielle 
Opfer der Staatsverwaltung anderseits. Als Personen, aus welchen sich die Kanzlei-. 
beamten zu rekrutieren hätten, kämen nur Unteroffziere mit. Beamtenzertifikat 
in Betracht. 

Dem Kansleibeamten wäre zuzuweisen : 

1. Die Katalogisierung, soweit hiebei nicht akademisches Fachwissen in 
Betracht komme. 

2. Das Reklamieren der Pflichtexemplare. 

3. Das Versenden der von Bibliotheken oder anderen Ämtern — 
Werke. 

4. Das Reklamieren entlehnter Werke sowie die Übernahme der zurück- 
gestellten Werke. 

5. Der Nachschlagedienst inbetreff der begehrten Werke. 

Dem akademisch gebildeten Beamten wäre zuzuweisen: 

1. Die Überwachung der im vorstehenden unter 1 bis 5 genannten Dienste, 

2. Die wissenschaftliche Katalogisierung. 

3. Die Beurteilung des Inhaltes der anzuschaffenden Werke. ` 

4. Der schriftliche Verkehr mit den Behörden. 

5. Die Erteilung von fachlichen Auskünften an das Publikum. 

6. Eingehendes Studium der Literaturnachweise, Besprechungen in Zeit- 
schriften usw. 

Unter den verschiedenen Amtsgeschäften des Kanzleibeamten bedürfe die 
Katalogisierung besonderer Bemerkung, Die Katalogisierung bestehe beispiels- 
weise an der Wiener Universitäts-Bibliothek aus folgenden Einzelgeschäften : 

1. Herstellung des Grundblattes und eventuell der Vorweisungen, 

2. Eintragung desselben in das Inventar. 

8 : = „ den Bandkatalog. 

4. * » » das Zuwachsverzeichnis. 

5. » die Handkataloge. 

6. Manipulation bezüglich des Einbands, 

7. Eintragung des neuen Bandes, sowie der einzelnen Nummern von Zeit- 
schriften und anderen Fortsetzungswerken in besondere Verzeichnisse. 

Der Überlassung der hier unter 1 bis 7 angeführten Geschäfte an Kanzlei- 
beamte stehe kein Bedenken entgegen, da in mehr als 19 Zwanzigstel aller Fälle 
die Herstellung des Grundblattes weder akademische Bildung noch auch be- 
sondere Sprachkenntnisse erfordern, indem diese Herstellung des Grundblattes 
nach einfachen fixen Regeln in ganz mechanischer Art durchgeführt werde, Das 


6 


— 82 — 


Eruieren beispielsweise von Vornamen eines Autors kann auch der akademisch 
gebildete Beamte nur durch Nachschlagen in einigen wenigen Werken des so- 
genannten bibliographischen Apparates und falls dieser im Stiche läßt, durch 
schriftliche Anfrage an den Verleger bewerkstelligen, Methoden, die ganz 
mechanisch angewendet werden. Von den übrigen Funktionen der Katalogisierung 
gelte dies noch in höherem Maße. 

Für die Einführung von Kanzleibeamten gerade für die Katalogisierung 
seien zahlreiche Analogien in anderen Verwaltungszweigen von entscheidender 
Bedeutung. Die Herstellung dew Grundblattes sei mechanisehes Kopieren und 
erfordere wohl nicht so viel geistige Tätigkeit, wie etwa die Eintragung eines 
Aktes nach verschiedenen Gesichtspunkten des Inhaltes desselben in verschiedene 
Protokolle, welche Arbeit bei den verschiedensten Behörden von Kansleibeamten 
geleistet wird. Die Bedeutung des Grundkataloges sei nicht größer als die des 
Grundbuches, welches die Grundlage des gesamten Realkredites bildet und eben- 
falls von nicht akademisch gebildeten Beamten geführt wird. 

Ungeachtet des Umstandes, daß nach Einführung von Kanzleibeamten 
der akademisch gebildete Beamte zur Anwendung seiner Fachbildung viel mehr 
Gelegenheit hätte und er einen weit größeren Teil seiner Amtszeit auf geistige 
Arbeit verwenden konnte, würden die Amtsstunden doch nicht ausgefüllt und es 
wäre daher bei der hohen Unterrichtsverwaltang zugleich mit der Kinféhrang 
von Kanzleibeamten die Verminderung des Status der akademisch gebildeten 
Beamten su erbitten. | 

In der dem Antrage und seiner Begründung folgenden Diskussion wurde 
von verschiedenen Rednern, in besonders ausführlicher Weise von Dr. Him mel- 
baur, die grundsätzliche Neigung der Bibliothekare, den mechanischen Teil 
ihrer Agenden von Kanzleibeamten besorgt zu sehen, festgestellt. Doch begegnete 
der Umfang der Tätigkeit, wie er vom Antragsteller gezogen wurde, mehrfachem 
Widerspruch. Dr. Frankfurter betonte, daß diese Angelegenheit nur im Zu- 
sammenhange mit der Frage der Bibliotheksprüfungen erledigt werden könne. 
Wegen der allzu vorgeräckten Stunde wurde die Debatte abgebrochen. 

* * 
* 

Am 18. März fand abermals ein Vereinsabend statt, der ausschließlich dem 
Antrage Dr. v. Sternecks gewidmet war. Der Vorsitzende Bibliothekar 
Laschitzer übertrug die Leitung des Abends an Dr. Himmelbaur, da 
er sich selbst an der Debatte beteiligen wollte. Nach Eröffnung der Versammlung 
erstattete Bibliothekar Laschitzer folgendes Referat: _ 


Wenn ich zu der Frage, die uns heute beschäftigt, das Wort zu ergreifen 
mich gedrängt fühle, so liegt der Grund in der Beobachtung, die mir die Dis- 
kussion in der letzten Versammlung bet. Aus den Worten der Redner schien 
mir die Geneigtheit hervorzuleuchten, dem Antrage des Kollegen Dr. v. Sterneck 
beizustimmen. Da ich die Anmahme des Antrages aber für überaus gefährlich 
halte, möchte ich beizeiten ver der Annahme desselben warnen, und zwar warnen 
in der eindringlichsten Weise. Vielleicht gelingt es mir, die Herren Kollegen 
umzustimmen, sum mindesten aber die schwankendeu zu meiner Ansicht zu 
bekehren, wenn ich die Gründe, die mich veranlassen, gegen den Antrag ent- 
schieden Stellung zu nelimen, des náheren auseinandersetze. 


— 83 — 


Von drei Hauptgesichtapunkten aus muß der Antrag ins Auge zen 
werden: 

1. Vom Gesichtspunkte des bibliothekarischen — 

2. vom Gesichtspunkte des bibliethekarischen Standes im —— und 

8. vem Gesiehtspunkte der gegenwürtig dienenden Beamtenscheft und da 
wieder insbesondere mit Rücksicht auf die gegenwärtigen Anwärter auf die 
Beamtenschaft, die Praktikanten. 

Bei jedem dieser Punkte müssen wir uns die Frage vorlegen, welche Vor- 
"telle würde die Sehaffang der neuen Beamtenkategorie für denselben mif sich 
"bringen,. aber vielmehr noch müssen wir uns zp vergegenwürtigen trachtep, 
‘welche Nachteile aus derselben erwachsen würden, dann müssen wir die Vorteile 
amd Nachteile gegeneinander abwügep, und wir werden dem Antrage damn bei- 
stimmen können, wenn wir finden, daß die Vorteile überwiegen; finden wir aber 
das Gegenteil, so werden wir den Antrag abweisen müssen, und zwar umso ent- 
'$chiedener, je größer uns die Nachteile erscheinen. 

^ Also betrachten wir den ersten Punkt: welche Vor- und Nachteile bietet 
die Annabme und Durchführung des Antrages in Bezug auf den bibliothekarischen 
‘Dienst? Im verhinein sei zugegeben, . daß ep im bibliothekarischen Dienste 
manche Agenden gibt, zu deren klagloser Durchführung gerade nicht Beamte 
«nit akademischer Vorbildung notwendig sind, Manipulstionsbeamte etwa mit 
Mittelschulbildung könnten sie sbensogut versehen. Solche Agenden wären meines 
Erachtens folgende: 
1. Die Abwicklung mancher reinen Kanzleigeschäfte, als das Kopieren und 
Registrieren der Akten und dgl, daam die meisten der E der Verrechnung 
zusammenhängenden Arbeiten, 

2. die Kontrolle der Buchbinderarbeiten, nachdem die wichtigeren Be- 
stimmungen, wie über die Art des Einbsndes, über den Rückentitel, über die 
Beilagenbehandlung und anderes mehr von den Fachreferenten getroffen worden sind, 

8. die Kontrolle über die Binlieferang der periodisch erscheinenden Pfliicht- 
exemplare und die Evidenzhaltung der Periodika und der Fortsetsungswerke 
überhaupt, 

4. der Ausleihedienst, 

5. der Überwachungsdienst und endlich 

6. alle reinen Kopierarbeiten bei der Katalogisieruug. 

Der Antrag ist jedenfalls hauptsächlich im Hinblicke auf eine Entlastung 
der akademisch gebildeten Beamtenschaft von diesen mehr oder weniger rein 
manipulativen Arbeiten entstanden und er wird für jene sehr sympathisch 
erscheinen, welche von Widerwillen gegen derlei Manipulationsdienste erfüllt 
sind. Es ist non allerdings nicht za leugnen, daß es für einen akademisch 

gebildeten Mann gerade nicht zu den Annehmlichkeiten gehört, solche Dienste 
versehen zu müssen. Allein in einer kleinen Bibliothek sind diese Arbeiten ja 
nicht zahlreich und umfangreich und in einer großen Bibliothek werden sie doch 
uür den jüngsten Kráften zugewiesen, die dann von Zeit zu Zeit mit anderen 
abwechseln. Zudem möge sich ein jeder damit trösten, daß es kaum ein Amt 
geben wird, wo vom Konzeptsbeamtenstatus micht auch Agenden zu verselien 
sind, die dem akademisch gebildeten Beamten unsympathisch und zuwider 
erscheinen werden. Jeder in den Bibliotheksdienst tretende Praktikaat kann 
bereits innerhalb eines Vierteljahres genügend Einsicht in den bibliothekarischen 


6* 


— 84 — 


Dienst gewonnen baben, um sich dann die Frage klar beantworten zu können: 
Passe ich für den bibliothekarischen Beruf oder nicht ? Wird mir derselbe durch- 
die mitzuversehenden notwendigen manipulativen Arbeiten mit der Zeit nicht 
verleidet warden? Und jeder gewissenhafte Mann wird den Beruf sofort ver- 
lassen, wenn er zur Einsicht gekommen ist, daß sein wissenschaftliches Streben- 
und sein wissenschaftlicher Ehrgeiz in demselben die genügende Befriedigung 
nicht finden wird, Entschließt er sich aber für den Beruf, nun so wird er eben 
wie jeder andere auch die minder zusagenden Arbeiten mitmachen müssen und 
er wird es als einsichtiger Mann auch widerspruchsios und pflichtgemäß zum- 
Nutzen der Gesamtheit tun, Aber trotzdem will ich es gerne zugeben, daß eine 
Entlastung von diesen Arbeiten von Vorteil und zu begrüßen wäre, wenn sie 
sich eben ohne schwere Schädigung anderer Interessen leicht durchführen liesse. 

Die früher angeführten und unter den sechs Punkten zusammengefaßten 
Arbeiten. sind, wie ich glaube, alle, die Manipulatiensbeamten überlassen werden 
könnten. Um diese tadellos durchzuführen, würden nach meinem Ermessen an 
der Wiener Universitäts-Bibliotbek etwa vier Beamte notwendig sein, an den 
übrigen Universit&ts-Bbiliotheken würden zwei(in Prag und Graz) oder einer (in 
Innsbruck und Czernowitz) genügen. Dazu käme dann noch je einer an der 
hiesigen technischen Hochschule und an der hiesigen Akademie der bildenden 
Künste.. Ganz auszuschalten wären die Studienbibliotheken und alle übrigen 
kleineren Bibliotheken mit einem Beamtenstatus bis zu drei Personen, weil in 
diesen der Manipulationsbeamte nicht genügend beschäftigt werden könnte, Im 
ganzen würden demnach ungefähr zwölf Beamte der neususchaffenden Beamten- 
kategorie notwendig sein. Ich frage nun: Ist es notwendig, wegen dieser geringen 
Anzahl ein ganz neués Element in den gegenwärtig einheitlichen und gleich- 
artigen Beamtenkörper hineinzubringen ? Ich denke nicht. 

Anders würde sich die Sache allerdings dann gestalten, wenn man so weit 
gehen wollte, wie Kollege v. Sterneck es angedeutet hat, indem er auch den 
größten Teil der Katalogisierungsarbeiten, den Nachschlagedienst und mehreres 
andere dem Manipulationsbeamten zuweisen möchte. Dann würde zum mindesten 
die Hälfte der Bibliotheksbeamten der neuen Kategorie zuzuweisen sein und im 
allen kleineren Bibliotheken mit zwei Beamten würde der eine der neuen Kate- 

orie angehören. 

Nun sehen wir uns die nachteiligen Folgen an, welche die Einführung 
eines nenen Beamtenelementes für die ruhigere Abwicklung des bibliothekarischen 
Dienstes mit sich bringen würde. Sie werden mir zugeben, daß sich der Dienst 
in einem gleichartigen und einheitlichen Beamtenkörper, so wie es gegenwärtig 
der bibliothekarische ist, viel ruhiger und klagloser abwickelt als in einem un- 
gleichartigen, in einem geteilten. Die Agenden des einen Beamtenkörpers werden 
sich selbst bei der von mir angegebenen Beschränkung doch nie ganz strenge 
von denen des anderen Beamtenkörpers abgrenzen lassen, besonders aber dann 
nicht, wenn man in der Aufteilung der Arbeiten weiter gehen würde, als ich es 
angedeutet habe, Auf diese Weise werden sich immer Reibungsflächen darbieten. 
wo die eine Beamtenkategorie sagen wird, diese oder jene Arbeiten gehören 
der anderen Kategorie zu und umgekehrt. Die beiden Beamtenkörper werden 
sich gar bald feindlich gegenüberstehen. Ein harmonisches Zusammenwirken wird 
dann unmöglich sein. Der Stand der Bibliotheksleiter der geteilten und ungleich- 
artigen Beamtenschaft gegenüber wird ein entschieden schwierigerer werden als 


es BE e 


er es gegenüber der gleichartigen und einheitlichen Beamtenschaft ist, und der 
Dienst wird sich gewiß nicht in so klagloser und harmonischer Weise abwickeln, 
als es gegenwärtig geschieht, Dazu kommt, daß der Dienst der beiden Beamten- 
kategorien. sich auch schon äußerlich ünd räumlich nicht so strikte trennen ließe, 
wie dies in anderen Ämtern, 3. B. im politischen und Justisdienst oder in den 
Ministerien der Fall ist. Also schon bei dem ersten Punkte treffen wir auf einen 
sehr schwerwiegenden Nachteil. 

Und nun zum zweiten Punkt, zur Betraehtnug der Konsequenzen für den 
bibliothekarischen Stand im allgemeinen. Der staatliche Bibliothekarstand, . ob- 
wohl durchaus an eminent wissenschaftlichen Instituten beschäftigt, fand von 
jeher nicht jene Wertschätzung, die ihm gebührt und findet sie, wie ein jeder 
von Ihnen es erfahren haben wird, auch heute noch nicht, Das kommt teilweise 
davon her, daß früher öfter verbummelte Existenzen bei ihm Unterkunft fanden, 
und teilweise davon, daß das große Publikum nur den äußeren manipulativen ` 
Dienst zu beobachten Gelegenheit hat, von den eigentlichen wissenschaftlichen 
Arbeiten aber nichts sieht und darum davon auch die merkwürdigsten Vor- 
stellungen hat. Das ist nun in der letzteren Zeit zum Teil nach beiden Rich» 
tungen. hin etwas besser geworden, seitdem für den Eintritt in den Bibliotheks 
-dienst die- Absolvierung akademischer Studien gefordert wird und infolge davon 
fast alle Herren, welche den äußeren Dienst versehen und mit dem Publikum 
in dienstliche Berührung kommen, den Doktortitel führen. Und nun sollen die 
Stellen, mit denen das große Publikum hauptsächlich in Berührung kommt, 
durchaus mit Beamten besetzt werden, welche vielleicht nicht einmal Mittel- 
schulbildung haben, denn wer garantiert Ihnen, daß mit der Zeit in diese Stellen 
nicht auch Zertifikatisten kommen? Vielleicht könnte der Leobener Feldwebel- 
staudpunkt dann auch bei uns Anerkennung finden. Das Eine ist gewiß: Das 
Ansehen des Bibliothekarstandes würde durch die Einführung der neuen Beamten- 
kategorie in keiner Weise gewinnen, sondern vielmehr um eine Stufe tiefer 
heruntergedrückt werden, denn das große.Publikum wird nur zu geneigt sein, 
von den ‚Beamten aus, mit denen es verkehren muß, auf die ganze Beamten- 
schaft zu schließen, und da würde auch eine noch 80 differenzierende und die 
Arbeiten charakterisierende Scheidung der beiden Kategorien durch Titel oder 
Amtsrock nichts helfen. Mit dem gegenwärtig staatlich allgemein anerkannten 
Standpunkt eines geschlossenen wissenschaftlichen Bibliothekarstandes würde es 
sein Ende haben und ein großer Teil unseres Standes würde heruntersinken auf 
das Niveau der Angestellten an den allgemeinen Volksbibliotheken. . 

Einen Vorteil für den bibliothekarischen Stand im allgemeinen kann ich 
durch Einführung der Manipulationsbeamtenkategorie aber nirgends finden. Bleibt 
also nur der Nachteil. 

‘Und nun komme ich zum dritten, dem wichtigsten und ausschlaggebenden 
Punkte, zur Betrachtung der Folgen, welche die Einführung der neuen Beamten- 
kategorie für die gegenwürtig dienende Beamtenschaft im allgemeinen, für die 
Anwärter ‚auf die Beamtenschaft, die Praktikanten aber insbesondere nach sich 
ziehen würde. Nehmen wir den günstigsten aber unwahrscheinlichsten Fall: Das 
Ministerium würde diese neuen Beamtenstellen, wenn auch nur in dem von mir 
‚angedeuteten geringen Ausmaße — zirka zwölf Posten — als notwendig 
anerkennen und ins Budget entweder auf einmal oder nach und nach. neu ein- 
stellen, ohne ‚dabei .den gegenwärtigen Beamtenstatus der ersten Kategorie zu 


— — 


verkürzen, glauben Sie, daß es dann daneben auch nech möglich sein wird, die 
Neusystemisierung auch nur eines Postens der Beamten der ersten Kategorie zu 
erlangen ? Gewiß nicht! Das Avancement müßte also in dem gegenwärtigen Status: 
durch viele Jahre, sicher aber durch einen Zeitraum von sehn Jahren, nur nach 
Maßgabe der erfolgten Pensionierungen und des Absterbens der Beamten vor 
sich geben. Ich habe Ihnen schon bei der Besprechuung der Praktikantenfrage 
dargelegt, daß in diesem Falle erst nach ungefähr zehn Jahren vielleicht ein. 
Drittel von den 89 Praktikanten, die am Ende des Jahres 1906 vorhanden waren, 
darangekommen sein wird, zu ‚avancieren. Wann kämen dann erst die beiden 
anderen Drittel daran? Und .nun nehmen Sie den ungünstigeren und: wahr- 
scheinlicherea Fall, daß, wenn auch nicht alle, so doch ein Teil dieser Mani- 
pulationestellen auf Kosten des gegenwärtigen Konzeptsstatus geschaffen wärden. 
d. h., daß gegenwärtige Konzeptsposten aufgelassen und dafür Manipulations-- 
posten errichtet würden, wie würde es erst da mit dem Avancement aussehen ? 
Es ist nicht schwer vorauszusehen, dad, wenn die Sache einmal initiiert und im 
Gange sein wird, das Ministerium aus Ersparuugsrücksichten stets bestrebt sein 
wird, Beamtenstellen der niederen Kategorie in tanlichst groBem.und Beamten- 
stellen der höheren Kategorie in tunlichst geringem Ausmaße zu kreieren. 

‘Noch auf eine andere Gefahr muß hingewiesen werden. Unter den 
intelligenteren strebsameren Beamten der niederen Kategorie wird es gewiß ab 
und zu welche geben, die den Ehrgeiz und die Ambition haben werden, auf 
einen Posten der hóheren Kategorie vorzurücken. Auch unter den Bibliotheks-. 
leitern werden sich solche finden, die das Streben soleher intelligenter, verwend- 
barer und erprobter Beamten unterstützen und fördern werden. Und glauben: 
Sie nicht, daß in solchen Fällen nicht auch das Ministerium geneigt sein wird, 
solche gut qualifizierte, von den Bibliotheksleitern empfohlene Manipulations- 
beamte in den höheren Status aufzunehmen ? Die Gefahr liegt also nahe, daB ab. 
und za immer wieder Einschübe aus dem Status der niederen Kategorie in den 
der höheren nicht nur möglich sein, sondern wirklich auch stattfinden werden, 
wodarch dann die Anwärter auf die Posten der höheren Kategorie, die Prakti- 
kanten, immer wieder zuschaden kommen werden. Selbst durch Einführung der 
Bibliothekspräfung, die bei. Annahme des Antrages Sterneck absolut notwendig 
werden müßte, würde sich diese Gefahr nicht ganz beseitigen lassen. 

Aus all dem geht hervor, daß das Avancement im gansen Konzeptsbeamten-- 
status im allgemeinen immer mehr und mehr verlangsamt und verschlechtert: 
werden wird. Ganz besonders aber wird das Avancement der Praktikanten daven- 
betroffen werden, und zwar so, daß den gegenwärtig jüngsten Praktikanten jede 
Hoffnung benommen sein wird, in absehbarer Zeit einen Amanuensisposten zu. 
erlangen. Praktikanten mit über zehn Dienstjahren weruen dann keine Seltenbeit. 
sein und mancher därfte sein 40. Lebensjahr als Praktikant erreichen. Von den 
neu eintretenden Praktikanten aber wird dann das Wort Dantes gelten: „Lasciate 
ogni speranza voi ch'entrate." 

Ist es darum nicht besser, nieht vernünftiger, man weist gleich im vor- 
hinein den Versuch zurück, solche Zustände überhaupt zu schaffen ? 

Ziehen Sie nun das Fazit aus meinen Darlegungen, so werden Sie finden. 
daß Vorteile nur mit Beziehung auf den ersten Punkt sich ergeben, daB aber- 
auch schon da sehr bedenkliche Nachteile sich zeigten. Nämlich: die Einheit- . 
lichkeit und Gleichartigkeit des Beamtenkörpers würde zerstört, die Abgrenzung: 


zx. By. est 


des Dienstes würde zu Reibungen führen und die beiden Beamtenkategorien 
würden sich bald feindselig gegenüberstehen. Bezüglich des zweiten und dritten 
Punktes aber sind nur Nachteile zu verzeichnen: der bibliothekarische Stand 
würde beim großen Publikum und in der Öffentlichkeit gewiß au Ansehen nicht 
gewinnen, denn es steht zu befürchten, daß die Konzeptsbeamten mit den Mani- 
pulationabeamten bald in einen Topf geworfen und mit den letzteren gleichwertig 
eingeschätzt werden würden. Und endlich für die gegenwärtigen Bibliotheks- 
beamten und die älteren Praktikanten würde die Einführung der neuen Beamten- 
kategorie eine Verschlechterung des Avancements zur Folge haben, für die jüngeren 
Praktikanten aber würde es geradezu eine vernichtende Katastrophe sein. es 
bliebe ihnen nichts übrig, als den Bibliotheksdienst, weil ein Fortkommen in 
demselben völlig aussichtslos wäre, sofort zu verlassen. 

Die Sache liegt demnach so, daß selbst in dem Falle, wenn das Ministerium 
uns um unsere Meinung in dieser Angelegenheit fragen würde, wir nichts anderes 
tun könnten, als dem Vorschlage entschieden entgegenzutreten. Um so verfehlter 
erachte ich es, wenn wir selbst die Sache anregen und mit einem Vorschlage an 
das Ministerium herantreten würden. Ich kann Sie nur eindringlichet davor warnen, 
tun Sie es nicht, sondern lehnen sie den Antrag im Interesse des bibliothekari- 
schen Dienstes, im Interesse des bibliothekarischen Standes und im Interesse der 
Beamtenschaft, ganz besonders aber im Interesse der Praktikanten mit einer 
nicht mißzuverstehenden Einhelligkeit ab und Sie werden ein gutes Werk voll- 
bracht haben. 

Die Einwände Bibliothekar Laschitzers suchte Dr. v. Sterneck Punkt 
für Punkt zu eptkräften, indem er sich von der grundsätzlichen Erwägung 
bestimmen ließ, daß eine Reform im Bibliothekswesen in erster Linie vom Stand- 
punkte des Institutes und nicht der Beamten gewürdigt werden müsse. Die Be- 
rechtigung, dem Kanzleipersonale der Bibliotheken alle jene Katalogieierungs- 
arbeiten zuzuweisen, die er in der Begründung seines Antrages aufgezählt habe, 
erblicke er in dem Arbeitsausmaß des Kanzleipersonales anderer Berufskategorien, 
z. B. der Polisei und der Grundbuchführung. Daß die Katalogisierung schwieriger 
su behandelnder Werke auch in Zukunft den wissenschaftlich qualifizierten 
Beamten zufalle, sei selbstverständlich. — Die Diskussion, die ziemlich lebhaft 
wurde, und an der sich u. a. Regierungsrat Meyer und Dr. Doublier in längeren 
Ausführungen beteiligten, drehte sich im wesentlichen nicht um die grundsätzliche 
Frage der Einführung des Kansleipersonales in den Bibliotheksatand, als um die 
Agenden, die dieser noch nicht existierenden Beamtenklasse zugewiesen werden 
sollen. Schließlich machte der Vorsitzende auf diese willkürliche Verschiebung 
der Frage aufmerksam und brachte den Vorschlag, den Antrag Dr. v. Sternecks 
a limine abzuweisen, zur Abstimmung. Dieser Vorschlag wurde mit allen gegen 
zwei Stimmen abgelehnt. Mit demselben Stimmenverhältnis wurde der Antrag, 
die Frage an den Ausschuß zu leiten, mit der Weisung, darüber in tunlichst 
kurzer Zeit an das Plenum zu berichten, angenommen. 





Am nächsten Vereinsabende, der am 6. April unter dem Vorsitze Biblio- 
thekar Laschitzers stattfand, mußte der angekündigte Vortrag Dr. v. Lenks 
wegen Unwohlseins des Vortragenden entfallen. Ein Antrag Dr. v. Sternecks, 
die Hofbibliothek zu ersuchen, sich mit einer Firma für mechanische Staub- 
reinigung in Verbindung zu setzen und zur Besichtigung der Versuche dem Verein 


— 88 — 


aufzufordern, wurde trotz der Einwände Dr. Himmelbaurs, der auf die 
fragwürdigen Ergebnisse bei der Reinigung von Bibliotheken durch Staubsaug- 
apparate hinwies, angenommen. Ebenso wurde einem zweiten Antrage Doktor 
v.Sternecks, die Liste der EES in der Zeitschrift des Vereines 
zu veröffentlichen, zugestimmt. 





Am 22. April d. J. fand ein gut besuchter Vereinsabend unter dem 
Vorsitze Hofrats v. Karabacek statt, an dem der Kustos I. Kl. der 
Hofbibliothek Dr. Heinrich v. Lenk über seine auf dem Gebiete des 
Bibliothekswesens gewonnenen Reiseeindrücke in Schweden sprach. Der oben 
abgedruckte Vortrag fand die lebhafteste Zustimmung des Auditoriums. 





Am 31. Mai fand eine Ausschußsitzung unter dem Vorsitze 
Regierungsrates Haas statt, in der die diesjährige Generalversammlung auf den 
21. Juni d. J. anberaumt und das Programm der Wanderversammlung in Graz 
beraten wurde. Ferner wurde beschlossen, wegen Herausgabe einer größeren 
Publikation an den Verein heranzutreten und an das Unterrichtsministerium 
das Ersuchen zu richten, erledigte Stellen im Bibliotheksdienst auch in Zukunft 
nur mit Bibliotheksbeamten zu besetzen; zu diesem Schritte wurde der Verein 
durch einen in jüngster Zeit erstatteten Vorschlag bestimmt. 





Dr. Frankfurter bittet um Aufnahme folgender Mitteilung: „Der vom 
Referenten vertretene Ausschuß-Antrag wurde angenommen und damit wurden 
meine Anträge abgelehnt. Gleichwohl wurde mir sowohl von AusschuBmitgliedern 
als auch von Mitgliedern außerhalb des Ausschusses nahegelegt, die Auträge in 
irgendeiner Form nochmals einzubringen. Ich darf wohl daraus schließen, daß 
sie in der Sache nicht unbegründet sind. Für die Verwirklichung jener Anregung 
wäre es nun für mich von besonderem Interesse, zu erfahren, wie sich die aus- 
wärtigen Herren Kollegen dazu stellen. Ich richte daher an sie die Bitte, mir 
diese Ansichten, im allgemeinen und im einzelnen, freundlichst mitzuteilen. 
Das wird auch für mich maßgebend sein, vb und in welcher Form ich ` die 
Angelegenheit wieder aufnehme.“ 


Der Kustos der Bibliothek der Technischen Hochschule in Graz Doktor 
Emil Ertl macht darauf aufmerksam, daß die Zahl der Bibliothekspraktikanten 
nicht 89 beträgt, wie Bibliothekar Laschitzer in seinem Referat (M. d. 6. V. f. 
B. X. 164) angibt, sondern 42. 


. Verzeichnis 
der Mitglieder des Üsterr. Vereins für Bibliothekswesen.*) 
A. Ehrenmitglieder. | 5. Modern, H., Dr., Wien. 
1. Reyer, E., Dr., Prof., Wien. 6. Universitätsbibliothek Prag. 


2. Meyer, J., Reg.-Rat, Wien. 
u 7. Rost, L., Abt des Schottenstifts, Wien. 
B. Unterstützende Mitglieder. P wi 
3. Unger, J., Dr., Geh. Rat, Wien. 8. sonn, Dre 
4. Schachinger, R., Dr., P., Melk. 9. Pauli, H. (Gerold & Komp.), Wien. 
*) Nach dem Stande vom 1. Juni 1907: U. B. = Universitätsbibliotbek. H. B. = Hof- 


bibliothek. St. B. = Studienbibliothek. T. B. — Bibliothek der Technischen Hochschule. H., H. u. 
St. A. = Haus-, Hof- und Staatsarchiv. 





48. 
49. 


50. 


. Ahn, F., Dr., 
. Andorfer, C., Wien. 

. Antoine, E., Dr., Wien U. B. 
. Asenstorfer, F., P., St. Florian. 
. Battisti, C., Dr., 
. Baumhackl, F., Dr., Brünn T. B. 
. Beer, R., Dr., 
. Bielohlavek, C., Dr., 
. Bobisut, O., Dr., 
. Bohatta, J., Dr., Wien U. B. 
. Boreckf, J., Dr., Prag U. B. 
. Bratanié, St., 
. Brotanek, B., Dr., 
. Burger, M., Dr., 
. Crüwell, G. A., Dr., Wien U. B. 
. Dörnhöffer, F., Dr., Wien H. B. 
. Donabaum, J., Dr., Wien U. B. 
. Doublier, O., Dr., Wien H. B. 

. DreBler, A., Dr., 
. Ebert, O. E., Dr., Wien U. B. 

. Egger v. Mollwald, F., DER Wien 


. Felin, J., Dr., 
. Fiedler, F., P., Admont. 
. Frankfurter, S., Dr., 
. Freudenthal, Erzherzogl. Bibliothek. 
. Fürth, E. v., Dr., 
. Galvagni, E., Dr., 
. Geyer, R., Dr., Prof., Wien H. B. 
. Giamara, K., Dr., Innsbruck U. B. 
. Gläser, H., Dr., Prag U. B. 

. Goldmann, A., Dr., 


. Grienberger, Tb. v., Dr., 


C. Ordentliche Mitglieder 
Graz U. B. 


Wien U. B. 
Wien H. B. 


Graz U. B. 
Graz U. B. 


Dr., P. Wien U. B. 
Wien H. B. 
Wien U. B. 


Wien U. B. 


H. B. 


. Eichler, F., Dr., Graz U. B. 
. Eisenmeier, J., Dr., 
- Emler, J., Prag U. B. 
. Engmann, W., Dr., 
. Ertl, E., Dr., 
. Estreicher v. Rozbierski, K., Hofrat, 


Prag U. B. 


Wien St. B. 
Graz T. B. 


Krakau. 
Graz U. B. 


Wien U. B. 


Wien. 
Wien U. B. 


Wien H. H. u. 

St. H. 

Prof., 
Czernowitz U. B. 

Grolig, M., Wien, Patentamt. 

Györy de Nadavar, A., Dr. 
H. H. u. St. A. 

Haas, W., Dr. Reg. Rat, Wien 
U. B. 


Wien 


51. 
52. 
53. 
54. 
55. 
56. 


57. 
98. 


99. 
60. 
61: 


62. 
63. 
64. 
65. 
66. 


67. 


Hainisch, M., Dr., Wien. 

Heek, K., Dr., Krakau U. B. 
Herzig, W., Dr., Preg U. B. - 
Himmelbauer, J:, Dr., Wien U. B. 
Hittmair, A., Dr., Innsbruck U. B. 


Hofmann v. Wellenhof, Y. Dr., 


Wien, Fin. Min. 
Hohenauer, F., Wien U. B. 
Hübl, A., Dr., P., Wien, Schotten- 

stift. a um 
Jokl, N., Dr., Wien U. B. 
Junker, K., Wien. 

Karabacek, J. v., Dr., Prof., Hofrat, 

Wien H. B: 

Kaukusch, K., Dr., Wien U. B. 
Kinter, M.. Dr., P., Raigern. 
Klement, R., Czernowitz U. B. 
Kluch, J., Wien H. B. 
Korzeniowski, J. v., Dr., Krakau 
: U. B. 

Kotula, R., Dr., Lemberg U. B. 


68. Kukula, R, Dr., Reg. Rat, Prag 


69. 
70. 
71. 


72. 
73. 
74. 


. Merklas, J. L., 
. Mitis, O., Frh. v., Dr., Wien H.H. 


U. B. 
Kuziela; Z., Dr., Wien U. B. 
Lampel, Tb., P., Voran. 


-Laschitzer, e. Dien: Akademis d. 


b. K. 
Lenk, H., Dr., Wien H. B. 
Lesiak, E., Dr.; Graz U. B. 
Lipiner, S., Dr., Reg. Rat, Wien, 
Reichsrat. 


. Lorenz, K., Wien U. B. 
. Mandyczewski, E., Wien, Ges. d. 


Mus. 


. Mankowski, B., D: habes U. B. 
. Matosch, A., Dr., Wien, Geol. R. 
. Mayer, A., Dr., Wien, Landesarchiv. 
. Mayr, L., Dr., Salzburg, St. B. 

. Mayrhofer, J., Wien, T. B. 

. Menger, 


C., Dr., Prof., Hofrat, 
Wien. : 


Dr., Wien, Reichsrat. 


u. St. A. 


. Müller, W., Olmötz, St. B. 

. Müns, B., Dr., Wien, Isr. Kult. 
. Nentwich, M., Dr., 
. Ortner, M., Dr. 


P.. Tepl. 
Klagenfurt, St. B. 


— 90 —. 


89. Peisker, J., Dr., Graz U. B. 116. Stefan, K., Dr., Laibach, St. B. 
90. Pfeiffer, H. A., P., Klosterneuburg. |117. Sterneck, O. v., Dr., Wien U. B. 
91. Pintar, L., Laibach, St. B. 118. Stich, J., Dr., Wien H. f. Bod. 
92. Pöck, G., Dr., Abt von Heiligen- | 119. Strastil, Th. v., Dr., Wien U. B.. 
kreuz. 120. Strehle, R. v., Salzburg, St. B. 
93. Poestion, J., Reg. Rat, Wien, M.|121. Strobl, J., Dr., Prof., Wien. 
d. I. 122. Sutnar, J., Dr., Wien U. B. 
94. Pötzl, W., Dr., Wien U. M. 198. Tille, W., Dr., Prag U. B. 
95. Prusík, B., Dr., Prag U. B. 124. Tobolka, Z. V., Prag U. B. 


96. Renner, C., Dr., Wien, Reichsrat. |325. Trenkler, F., Dr., Graz T. B. 
97. Röllig, F, W., Dr, Wien U. B. |126. Troll, O. v., Dr., Wien U. B. 
98. Röttinger, H., Dr., Wien Albertina. | 127. Universitätsbibliothek Czernowitz. 


99. Rolny, W., Dr.. Lemberg U. B.  |198. Universit&tsbibliothek Innsbruck. 
100. Roretz, C. v., Dr., Wien H. B. 129. Valenta, A., Prag T. B. 


101. Saar H., Wien. | 180. Vetter v. d. Lilie, G., Graf, Wien,. 
102. Schiffmann, K., Dr., P., Urfahr- Kriegsarchiv. 

Län, 181. Vielhaber, G., P., Schlägel. 
103. Schilder, S., Dr., Wien U. B. 132. Wagner, W., Dr., Olmütz, St. B. 
104. Schilling, K. v., P., Göttweig. 133. Weidenau, Priesterseminar. 


105. Schlossar, A., Dr., Graz U. B. 134. Wien, Stadtbibliothek. 
106. Schnerich, A., Dr., Wien U. B. 185. Witasek, St., Dr., Prof., Graz U. B.. 
107. Schnürer, F., Dr., Wien Fid. Bibl. | 186. Wolkan, R., Dr., Wien U. B. 


108. Schram, W., Dr., Brünn Franz. | 137. Zibert, J., Dr., P., Wien U. B. 


109. Schwab, A., Dr., Wien. 138. Zimmermann, H., Dr., Reg. Rat, 
110. Semkowicz, A., Dr., Prof., Lemberg. Hofmuseum. 

111. Simonié, F., Dr., Radkersburg. 139. Zmavo, J., Dr., Prag U. B. 

112. Skala, R., Dr., Wien U. B. 140. Zmigrodzki, M. v., Sucha. 

118. Spari, G., Dr., P.,, St. Lambrecht. | 141. Zoepfl, G., Dr., Klagenfurt St. B. 
114. Starser, A., Dr., Wien Statth. 142. Zwittau, Ottendorfer'sche Volks- 
115. Stastny, J., Prag U. B. bibliothek. 


PERSONAL- NACHRICHTEN. 


(Dr. Karl Neubauer +.) Was ein Mensch durch die Energie eines starken 
Willens über einen widerstrebenden hinfälligen Körper vermag, dafür hat der- 
Verstorbene ein glänzendes Beispiel gegeben, indem er trotz jahrelanger Krank- 
heit, oft von den heftigsten Schmerzen gequält, wiederholt zu nahezu völliger 
Unbeweglichkeit verurteilt, sich eine wissenschaftliche Ausbildung von seltener 
Gründlichkeit und Weite aneignete und eine literarische Produktion als Kritiker 
und Dichter entwickelte, welche schöne Früchte zeitigte und noch Bedeutendes 
erwarten ließ. Im persönlichen Verkehr war er eine in jeder Hinsicht vornehme- 
Natur, von einer Bescheidenheit und Liebenswürdigkeit, um derentwillen ihn alle, 
die ihn kennen gelernt hatten, liebgewannen. Karl Neubauer wurde am 30. Juli 
1877 zu Protiwin in Böhmen geboren, studierte in Wien zuerst Jurisprudenz und 
nach seiner Promotion (1899) germanische und romanische Philologie; nachdem 
er auf Grund einer wertvollen Studie über die Quellen von Gryphius’ Cardenio- 
und Celinne (in M. Kochs Studien zur vergleichenden Literaturgeschichte, II. Bd.. 
(1902) zum Dr. phil. promoviert hatte (1903), wendete er sich dem Bibliotheks- 


— 91 —. 


dienste zu. Vorher war er während des Wintersemesters 1902/8 als Snpplent an- 
einer Wiener Privatrealschule tätig und hatte unter schwierigen disziplinären 
Verhältnissen ein großes pädagogisches Geschick bewährt. Doch aus Rücksicht 
auf seinen leidenden Zustand entsagte er dem anstrengenden Lehrerberufe, welchem 
er sich ursprünglich widmen wollte. Am 29. Mai 1908 wurde er zum Praktikanten 
an der Bibliothek der k. k. technischen Hochschule ernannt, doch blieb der 
Bibliotheksdienst für seinen regen Geist nicht die einsige Betütigung und só 
entwickelte er gerade in den letzten Jahren eine lebhafte literarische Produktion. 
Bereits 1908 erschien bei Pierson in Dresden ein Band ,Gedichte*. Ein feines 
Kunstverständnie, dem die Schulung in der philologischen Methode nicht (wie 
sonst öfters) ein Hemmnis war, befähigte ihn in ausgezeichneter Weise zum 
Kritiker, wofür eine Reibe von Rezensionen und Essais in verschiedenen Zeit- 
schriften (Bühne und Welt, Türmer, Euphorion, Literarisches Zentralblatt, Welt und. 
Haus, Hamburger Nachrichten, Wiener Fremdenblatt) zeugen. Als von der Berliner 
„Woche* 1906 eine Preiskonkurrenz für die besten Balladen veranstaltet wurde, 
erhielt unter 2000 eingesendeten Arbeiten sein Gedicht „Friesenblut“ einen 
Preis. Aus einem schaffensfrohen Leben riß ihn ein jäher Tod hinweg, nachdem 
er sich vor wenigen Monaten verehelicht hatte, Einem ungewöhnlich tückischen 
Anfall seines Leidens erlag er am 7. April 1907 nach viertägigem Krankenlager. 
In seinem Nachlasse befinden sich ein großes historisches Trauerspiel aus der 
Ottonenseit, ein Einakter, der einen tmgischen Konflikt in der Technik des 
analytischen Dramas behandelt, Gedichte und literarhistorische Essais, unter 
denen einer über Brentano und Heine besonders hervorragend ist. Darin wird 
die vielfach behauptete Abhängigkeit Heines von Brentano, für welche aber 
bisher noch niemand einen vollständig geführten Beweis erbracht batte, quellen- 
mäßig nachgewiesen. Es wäre sehr zu wünschen, daß dieser Aufsatz und anderes. 
von Neubauers dichterischen und kritischen Arbeiten in einem Sammelband ver- 
öffentlicht würde, der einem weiteren Kreise darlegte, welch ein reiches Leben 
durch ein grausames Schicksal zu frühe zerstört wurde. F. X. T. 





An der Universitits-Bibliothek in Wien wurden der mit dem Titel und 
Charakter eines Kustos bekleidete Skriptor Dr. Josef Donabaum und der 
Skriptor Dr. Alfred Schnerich zu Kustoden, der Praktikant Dr. Theodor 
Strastil v. Stra&enheim sum Amanuensis und der Slavist und Ehtnologe 
Dr. Zeno Kusziela zum Praktikanten ernannt. — An der Universit&ts- Bibliothek 
in Prag wurden der Skriptor Privatdozent Dr. Wenzel T ille zum Kustos, der 
Amanuensis Privatdozent Dr. Spiridion Wukadinovid zum Skriptor und 
Dr. Ottokar Fischer, Dr. Ottokar Theer, Dr. Hugo Bergmann und 
Dr. Ladislaus Vycpálek zu Praktikanten ernannt. — Der klassische Philologe 
Dr. Josef Bick und der Kuusthistoriker Dr. Franz Martin Haberditzl 
sind als Volontäre in die Hofbibliothek eingetreten; dem Assistenten desselben 
Instituts Privatdozenten Dr. Hermann Egger wurde ein einjähriger Urlaub 
bewilligt — An der Universitäts-Bibliothek in Krakau sind Dr. Ludwig 
Kolarkowski und Dr. Adalbert Gielecki, an der Universitäts-Bibliothek in 
Lemberg Dr. Wladimir Zägorski und Dr. Adam v. Skalkowski, an der 
Universitüts-Bibliothek in Czernowitz Dr. Maximilian Hakmann, Doktor 
Maximilian Holzer und Dr. Gustav Leiblinger, an der Studienbibliothek in. 
Salsburg Dr. jur. Ottu Kunz als Praktikanten eingetreten. 


— 92 — 


VERMISCHTE NACHRICHTEN. 


Vom 28. bis 30. Juni d, J. findet in Graz eine Wanderversammlung 
des Österreichischen Vereins für Bibliothekswesen statt. Anmeldungen zur 
Teilnahme werden entweder an den Ausschuß des Vereins oder an die 
Universitäts-Bibliothek in Graz erbeten. Mit dieser Versammlung wird einer 
freundlichen Einladung der Grazer Kollegen entsprochen. Für nächstes Jahr 
ist Prag in Aussicht genommen, von wo dem Vereine gleichfalls eine lieben® 
würdige Aufforderung zukam. Es ist dringend zu wünschen, daB nach der 
Versammlung in Admont, auch die Grazer und Prager Versammlungen zahlreich 
beschickt werden.. 


Die akademische Kommission für Herausgabe der mittelalterlichen 
Bibliothekskataloge Deutschlands versendet folgende Mitteilung: 


Die im Kartell vereinigten fünf Deutschen Akademien haben beschlossen, 
die Herausgabe der mittelalterlichen Bibliothekskataloge Deutschlands als ein 
Kartellunternehmen durchzuführen. Die Aufgabe ist in der Weise geteilt worden, 
.daß die Kaiserliche Akademie der-Wissenschaften in Wien, die bereits vor längerer 
Zeit an diese Aufgabe herangetreten ist und der die Anregung zu dem ganzen 
Unternehmen verdankt wird *), die Kataloge Österreichs bearbeitet, die Kgl. 
Bayerische Akademie der Wissenschaften, unterstützt von der Kgl. Preußischen 
Akademie der Wissenschaften zu Berlin, der Kgl. Gesellschaft der Wissenschaften 
zu Göttingen und der Kgl. Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig, 
die Kataloge des übrigen deutschen Kulturgebietes übernimmt. 


Die Publikation wird nach den heutigen Grundsätzen der Wissenschaft 
eingerichtet werden. Sie muß sich also, außer der für die Literatur- und die 
Bibliotheksgeschichte gleich wichtigen exegetischen Behandlung der Kataloge, 
vor allem der Herstellung authentischer Texte zuwenden. Demgemäß kann sie 
sich mit einer Sammlung und Wiederholung älterer Abdrücke nicht begnügen, 
sondern wird jedesmal auf die handschriftliche Quelle zurückzugehen haben; 
daneben ist die planmäßige Aufsuchung bisher unbekannten Materiales ins Auge 
gefaßt. Es leuchtet ein, daß ein so hochgestecktes Ziel mit den Kräften, über 
die das Kartellunternehmen verfügt, allein nicht angestrebt werden kann; erreichbar 
wird es nur dann sein, wenn alle Bibliotheken und Archive zu fördernder Unter- 
stutzung bereit sind, in denen mittelalterliche Bücherverzeichnisse liegen. 


Die gleichmäßige Durchführung des Unternehmens verbürgt eine Kom- 
mission (,Bibliothekskommission*), die sich aus Vertretern der kartellierten 
Akademien zusammensetzt. Sie besteht aus den Herren Burdach- Berlin. 
Schröder-Göttingen, Hauck-Leipzig, Traube - München (f), von Otten- 
thal- Wien. Die Kgl. Bayerische Akademie der Wissenschaften hat ihrerseits 
mit der Leitung des von ihr übernommenen Teiles der Arbeiten eine aus den 
Herren Traube, Grauert und Vollmer bestehende Kommission betraut. 
Der von dieser engeren Kommission eingesetzte Generalredakteur, an den auch 
alle Zuschriften zu richten sind, ist Dr. S. Hellmann, Privatdozent (München 23 





*, Vgl. M. d. 9. V. f. B. X., 45. 


— 93 — 


Kaiserplatz 12/1); daneben behält sich dieselbe Kommission vor, für einzelne- 
Bibliotheken besondere Vertreter in dieser Angelegenheit zu bezeichnen und: 
ihnen die selbständige Bearbeitung eines Teiles des Materials anzuvertrauen. 


— 


. In einem gefällig ausgestatteten Flugblatte hat Dr. Frankfurter nit 
Wärme und Verständnis auf die Möglichkeit einer neuen Einnahmsquelle unserer 
öffentlichen Bibliotheken hingewiesen: die Bibliotheksschenkungen 
(Wien, Fromme). Darunter versteht der Verfasser private Überweisungen von. 
Geldmitteln an die Verwalter öffentlicher Bibliotheken, die, bisher allein auf die 
nicht allzureichlich sprudelnden Staatsdotationen angewiesen, der wachsenden 
literarischen Produktion gegenüber oft genug eine zaghafte Haltung einnehmen 
mußten. Das Flugblatt hat in den Spalten des Wiener Tagblattes „Zeit“ eine 
Ergänzung gefunden: Zustimmungskundgebungen von Persönlichkeiten, deren- 
Meinungen infolge ihrer gesellschaftlichen, staatlichen oder wissenschaftlichen 
Stellüngein gewisses Gewichtzukommt. Diese Zustiinmungskuudgebungen, dieje nach 
dem Standpunkte ihrer Verfasser verschieden gefürbt waren, hatten Eines gemein: 
ihre Selbstverstándlichkeit, Wer wollte auch den überzeugenden Ausführungen Dr. 
Frankfurters seine Zustimmung versagen, leugnen, daB private und bedingungslos. 
zur Verfügung gestellte Geldmittel die immer. stürker klaffenden Lücken der 
groBen Bibliotheken besser zu schlieBen imstande würen, als Bücherspenden, die 
ja für die Erweiterung der älteren Bestände oft von unschätzbarem Werte sind, 
die Aufgaben der Bibliotheksverwaltung dagegen, das Publikum jederzeit mit 
den modernsten Forschungsergebnissen auf allen Wissensgebieten su versorgen, 
nur wenig erleichtern können? So verdienstlich es aber auch ist, daß von einem 
erfahrenen Bibliothekar weitere Kreise davon unterrichtet werden, daß die 
Möglichkeiten, die Kaufkraft unserer Öffentlichen Bibliotheken zu stärken, durch- 
aus noch nicht erschöpft sind, so muß doch die Hoffnung, daß Frankfurters- 
Anregung zu positiven Ergebnissen führen könne, als sehr schwach bezeichnet 
werden. Dieser kleinmütige Glaube stützt sich weniger auf die noch eines Be- 
weises bedürftige materielle Leistungsunfähigkeit unserer Mäcene, noch auf die 
Bereitwilligkeit, ihre Leistungsfäbigkeit einer Belastungsprobe zu unterziehen,. 
als auf eine Erwägung, deren Mangel in der Argumentierung Dr. Frankfurters 
eine Lücke erkennen läßt. In dem Flugblatte wird stets auf das Beispiel hin- 
gewiesen, das englische und vor allem amerikanische Privatleute durch ihre 
geradezu fürstlichen Bibliotheksschenkungen gegeben haben. Die Anwendung 
dieses Vorbildes auf unsere Verhältnisse ist nicht zutreffend. Bei uns unterstehen. 
Gründung und Verwaltung öffentlicher Bibliotheken der staatlichen Fürsorge.. 
Dadureh wird jeder einzelne Staatsbürger nach seinem Vermögen zur Beitrags- 
leistung herangezogen und glaubt das Seine satis superque getan zu haben. Iu 
England und in den Vereinigten Staaten aber sind, von einselnen Ausnahmen 
abgesehen, Bibliotheken Schópfungen von Privatleuten, die nur durch groBe 
Stiftungskapitalien oder nie erlahmende private Unterstützung bestehen können. 
Diese ‚Stiftungen sind in den meisten Fällen Betätigungen eines bewunderns- 
werten Gemeinsinnes, denen aber der Wunsch, dem Namen des Stifters 
Dauer, ja Unvergeßlichkeit zu sichern, nicht abgesprochen werden kann. 
Dieser zugleich hochherzige und kleinliche Zug kehrt in allen diesen 


— 94 — 


“Gründungen immer wieder. Auch dem sorgfältigsten Chronisten dieser 
Schenkungsakte wird es kaum gelingen, Geldspenden an englische oder 
amerikanische Staatsbibliotheken zu entdecken. Wir aber haben nur 
solche Institute und so wird das Vorgehen des Herrn Heichelheim, der der 
Universitäts-Bibliotbek in Gießen einen Geldbetrag überwies, wenig Nachahmer 
‘finden. Um aus dem Vorkommen dieser versprengten Schwalbe schon auf die 
Nähe des Sommers zn schließen, dazu gehört leider weit mehr Optimismus, als 
das in unseren Himmelsstrichen noch sehr gering ausgebildete Staatsgefühl des 
Einzelnen anzunehmen berechtigt. Nichts würde dem Schreiber dieser Zeilen 
willkommener sein, als durch Tatsachen von der Haltlosigkeit seiner Befürchtungen 
überzeugt zu werden. 


(Bücherzoll.) Zum Kapitel der willkürlichen mit dem Gesetze der B&cher- 
zollfreiheit in Widerspruch stehenden Auslegung der Zollbehürden teilt uns 
Bibliothekar Laschitzer zwei Fälle mit: Bei dem Werke „Die Raumkunst 
in Dresden. Berlin, 1906*, einem in Lieferungen erscheinenden Tafelwerke, wurde 
bei der ersten Lieferung (Preis K 8:40) ein Zoll von X — 50, bei dem Werke 
„Lange, Gartengestaltung der Neuzeit. Leipzig, 1907*, wurde bei einem Preise 
von K 14:40 ein Zoll von K 1:70 eingehoben. Noch gravierender sind zwei Fälle 
die uns der Bibliothekar des Prämonstratenserstiftes Schlägl in Oberösterreich, 
P. Gottfried Vielhaber, mitteilt: Bei Berck „Monographien zur Welt- 
- geschichte“ berechnete der Linzer Sortimenter dem Stifte für jeden Karton des 
um K 480 bezogenen Bandes einen Zoll von X — 12. Bei dem vom Jugend- 
'schriften-Ausschusse des allgemeinen Lehrerverbandes in Düsseldorf heraus- 
gegebenen „Hausschatz deutscher Kunst der Vergangenheit“ mußte das Stift für 
jedes Heft (Preis K —:96) einen Zoll von X —:80 d. i. 81 Prozent bezahlen. 
Dem Stifte, das selbstverständlich gegen diese exorbitante Maßregel protestierte, 
wurde vom Sortimenter mitgeteilt, daß das Zollamt in Linz in der Ausübung 
derartiger Interpretierungskünste geradezu berühmt sei. — Angesichts solcher 
‘Zollplackereien ist es wohl eine Notwendigkeit, die Unterbehürden auf die Ua- 
gesetzlichkeit derartiger Praktiken aufmerksam zu machen. 


Die achte Sektion des Internationalen Kongresses für historische 
Wissenschaften, der vom 6. bis 12. August 1908 in Berlin tagen wird, 
umfaßt die historischen Wissenschaften, darunter auch das Bibliothekswesen. 
Dem weiteren Organisationskomitee des Kongresses gehören auch der General- 
Direktor und der Erste Direktor der König]. Bibliothek in Berlin an. 


-e — 


(Vom antiquarischen Büchermarkte.) Der bekannte Antiquar Leo S. 
"Olschki in Florenz versendet soeben zugleich mit seinem Bulletin mensuel 
A. XX], Nr. 58 ein ,Avis important*, das uns interessant genug erscheint, um 
mit einigen Worten darauf hinzuweisen. Herr O. erklärt seinen Kunden in etwas 
holprigem Französisch: „Nos Bulletins mensuels, par l'immense variété des ouvrages 
‚qui y sont annoncés, paraitraient devoir étre utiles à tous les genres. d'études. et 


— 95 — 


s'adresser à tous les bibliophiles soucieux de compléter leurs collections. D'autre 
part, notre clientèle ne devrait pas tire arrététe par les priz auzquels 
ces ouvrages sont marqués, car ces prio peuvent etre 
qualifiés d'extrümement modiques pour peu que l'on considère 
les frais dimprescion et d'expédition des bulletins, ettout le 
travail que leur confection entraine. Et cependant, la plupart des 
cliente particuliers ot des bibliothtques auxquels nos bulletins sont envoyés ne nous 
honorent point de leurs commandes, alors que par une simple lecture supperficielle, 
tout emateur pourrai! y trouver des Gtree de livres propree & exciter son intérét. Il 
faut donc croire qu'une grande partie de notre clientMe n'éprouve aucune. nécessité 
à les recevoir, et c'est pourquoi, pour nous épargner dee frais inutiles, nous ne lei 
enverrons dorénacant pius qu'à ceun qui coudront bien nous en faire le demande 
€t & ceux qui nous honorent réguliórement o« de temps à l'autre de leurs commandes®. 
Nun wissen wir endlich, warum die antiquarischen Bücher täglich im 
Preise steigen! Nicht ihre zunehmende Seltenheit, nicht die amerikanischen 
Bibliophilen sind Schuld daran, sondern die ungeheueren Spesen, die dem Antiquar 
aus der Herstellung und Versendung der Kataloge erwachsen. Da wird aber doch 
die Frage gestattet sein, ob es denn wirklich notwendig ist, daß die Antiquare 
statt einfacher Bücherlisten fürmliche bibliographische Studien mit kostspieligen 
Repreduktionen in großen Auflagen herstellen und an alle Welt verschenken. 
Erinnert man sich an die deutschen Antiquariatskataloge, wie sie vor etwa 80 bis 
40 Jahren selbst von den angesehensten Antiquaren ausgegeben wurden, so wird 
man gerne gestehen, daß jene Verzeichnisse von den modernen Prachtkatalogen 
weit übertroffen werden. Gerne würde man auch diesen Fortschritt freudig 
begrüßen, wenn er nicht aus den Taschen der Bücherkäufer bezahlt werden müßte. 
Denn je vornehmer der Katalog, desto höher die Preise, und je höher der Antiquar 
seine Ware ansetzen will, deste splendider muß der Katalog sein. Daß die 
modernen Antiquarpreise in der Tat durch die enormen Regieauslagen bedingt sind, 
läßt sich nicht leugnen. Der Antiquar muß beim Preisansatze so kalkulieren, daß 
er nicht bloß sein Geschäftskapital anständig verzinst, sondern auch die gesamten 
Auslagen wieder hereinbekommt. In diesem Kalkül spielt der faktische Wert der 
Bücher die allerletzte Rolle. Wenn bleß die Herstellung eines Kataloges mit 
etwa 1000 Nummern mehrere tausend Mark verschlingt, dann kann man sieh 
leicht ausrechnen, daß jedes einzelne darin angekündigte Bach eine ziemlich 
große Quote der Katalogskosten decken muB, und daB trotz der enorm hohen 
Bücherpreise doch nur ein geringer Gewinn für den Verküufer resultiert, weil 
er viele Hunderte von Katalogexemplaren an Leute verschenkt, die ihm nichts 
zu verdienen geben. Infolgedessen muß aber auch jeder Käufer nicht bloß das 
Bueh, das er kauft, bezahlen, sondern auch den Katalog, den er anscheinend 
kostenlos erhält, ja, er muß auch für jene bezahlen, die nichts bestellen, sondern 
den Katalog einfach ungelesen wegwerfen oder als billiges Nachschlagewerk 
ihrem bibliographischen Apparate einverleiben. Wäre es unter solchen Umständen 
nicht weit rationeller, wenn man wieder zu einfacheren Katalogen zurückkehren 
würde, in denen nichts weiter als die schlichten Büchertitel und der Preis ange- 
geben wäre? Ohnehin haben die bibliographischen Reklamenotizen nur einen 
sehr bedingten Wert, weil der Kundige sich auch ohne dieselben zurechtfindet 
und der schon so verwöhnte Laie sich auch von der längsten Beschreibung und 
den verlockendsten Reproduktionen kaum mehr imponieren läßt. Der praktische 


er OG? ues 


Bücherfreund kauft am liebsten dort, wo die Bücher gar nicht katalogisiert 
sind, wie etwa bei den italienischen Büchertrödlern, die unter freiem Himmel 
ihre Schätze feilbieten, gerade so wie der Weinkenner den Wein in jenen Kneipen 
am besten findet, wo man den Luxus der Tischtücher nicht kennt. In den 
pompösen Katalogen kann er höchstens noch eine vom Antiquar und seinem 
gelehrten Generalstabe übersehene Seltenheit aufschnappen, was aber leider immer 
seltener vorkommt. Freilich ist wenig Hoffnung vorhanden, daß wir die Rückkehr 
zu einfacheren Katalogen noch erleben, denn da nun die protzenhafte Ausstattung 
einmal um sich gegriffen hat und vielfach als das Kennzeichen eines großartigen 
Geschüftsbetriebes angesehen wird, kann auch der ehrliche und das Interesse 
der Kunden berücksichtigende Antiquar nicht leicht im allgemeinen Wettbewerb 
zurückbleiben, ohne seinem Ansehen zu schaden. Die Unvernunft muB sich erst 
selbst gründlich ad absurdum geführt haben, bevor die anspruchslose Bächerliste 
wieder müglich sein wird. A. G—nn. 


Bei der Feier des hundertjährigen Bestandes des österreichischen B u c h- 
und Kunsthändlergremiums am 1l. Juuid. J. war die Wiener Universi- 
täts-Bibliothek durch den Direktor Regierungsrat Haas und der österr, Verein 
für Bibliothekswesen durch das Ausschußmitglied Dr. Himmelbaur ver- 
treten. 


An der achten Versammlung deutscher Bibliothekare, die am 28. und 
24. Mai in Bamberg stattfand, nahmen von österreichischen Bibliothekaren 
Dr. Gottlieb (Wien, Hofbibliotbek) und Dr. Eiehler (Graz, Universitäts- 
Bibliothek) teil. 


Von dem in diesem Hefte abgedruckten Aufsatze Dr. Bohattas „Versuch 
einer Bibliographie der Livres d'heures* sind eine Anzahl 
Exemplare durch die Firma Gerold & Komp. zu beziehen. 


(Zur Beachtung.) Abonnenten, welche die „Mitteilungen“ nicht vollständig 
gesammelt haben und nur einzelne Nummern derselben besitzen, werden höflich 
ersucht, dieselben der Redaktion zur Verfügung zu stellen, da dadurch die Zahl. 
der wenigen noch vorhandenen Exemplare der ersten vier Jahrgänge vergrößert 
würde und für das Vereinsorgan neue Abonnenten gewonnen werden könnten.. 


Veraatwertlicher Redakteur: Dr G.A. Crüwell. Druoa &. Kalns vorm. J. B. Walllshausser, Wien. 


MITTEILUNGEN 


Österr. Vereins für Bibliothekswesen. 





.XI. Jahrgang. Juni-September 1907. — Nr. 3. 





Beiträge zur Wieland-Bibliographie.*) 
3. Der Tod Adams von Klopstook. 

Vor 26 Jahren fand ich in der Königl. Bibliothek in Berlin einen 
handschriftlichen Nachtrag Meusebachs zu Kochs Kompendium I, 288: 
eine Ausgabe von Klopstock, Der Tod Adams 1757 enthalte einen Neuen 
Vorbericht von Wieland; bei diesem Neudrucke seien die im ersten Drucke 
angezeigten Druckfehler unberücksichtigt geblieben. 

| Diese Nachricht schien mir trotz der Autoritàt Meusebachs aus ver- 

schiedenen Gründen so wenig glaubwürdig, daß ich nach kurzem vergeb- 
lichen Suchen die Nachforschung aufgab. Erst im vergangenen Jahre nahm 
ich die Notiz wieder vor und auf eine Anfrage teilte mir Franz Muncker 
freundlich mit, daß die Universitätsbibliothek in München den Druck be- 
sitze. Herr Dr. Schnorr v. Carolsfeld sandte ihn mir gütig zu. Meine Er- 
wartung, es sei hier mit Wielands Namen Mißbrauch getrieben worden, 
erwies sich nun als irrig. 

Der Titel des Büchleins lautet: Der / Tod Adams. / Ein serie 
Zweyte Auflage. / 1757. Weder Verlags- noch Druckort ist angegeben; 
die Form der Frakturlettern gleicht der Schrift, die damals Orell & Cie. in Zürick 
verwendeten. S. 3—5 steht der Vorbericht Klopstocks; hier allein ist sein 
Name genannt. S. 6, 7 folgt mit kleineren Lettern und kompreß gesetzt: 


[6] Neuer Vorbericht. 


Es ist nicht meine Absicht die Schönheiten dieser Tragödie hier 
critisch zu entwikeln und anzupreisen. Die zärtlichen Rührungen, in welche 
sie alle Leser, die ein menschliches Herz haben, sezen, und die frommen 
Thränen, die sie nicht nur weiblichen Augen entloken wird, sind ein Beweis 
von der Vortreflichkeit eines Werks von dieser Art, der jeden andern un- 
nöthig macht. Es soll hier nur berichtet werden, daß das ungemeine Ver- 
gnügen, mit welchem ich selbiges las, mich verlangen machte, dieses Ver- 


*) Vgl. IX. Jahrgang (1906), 2. Heft. 


— 98 — 


gnügen unverzüglich allen andern Liebhabern geistreicher Werke mitzutheilen: 
weil aber nur etliche wenige Exemplare hiehergeschikt worden, hielt ieh 
für das Beste, eilends eine kleine Auflage zu veranstalten, durch welche 
das wartende Verlangen der Liebhaber, in unsern Gegenden, so schnell als 
möglich, befriediget werden könnte. Ich zweifle nicht, daß vielen dadurch 
ein freundschaftlicher Dienst erwiesen worden sey. Mich dünkt, man werde 
schwerlich unter den alten und neuen Tragödien eine finden, welche allge- 
meiner gefallen müsse als diese. Plato sagt überhaupt von der Tragödie, 
sie sey unter allen Werken der Dichtkunst dasjenige, welches am geschik- 
testen sey, den meisten zu gefallen; und die Seele mächtig zu bewegen; 
und ich getraue mir zu sagen, der Tod Adams sey es unter allen mög- 
lichen tragischen Sujets am meisten. Um hier gerührt zu werden, muß 
man [7] nur Mensch seyn. Und wie sehr hat der Dichter alle die zartesten 
Saiten unsers Herzens zu rühren gewußt! Ist jemals die ursprüngliche 
schöne Einfalt der Natur in Empfindungen, Sitten, und selbst in der Sprache, 
getreuer nachgeahmt worden? Die Menschlichkeit, die in jenen 
ältesten Zeiten, da Adams Kinder noch Eine Familie ausmachten, sich im 
höchsten Grade äussern mußte, athmet gleichsam durch dieses ganze Stük; 
und sie ist es, die ihm diese feinern Schönheiten giebt, die nur von den 
edelsten und besten Seelen gefühlt werden können — — Doch ich erinnere 
mich meines anfänglichen Vorsazes. Man darf es kühnlich dieser Tragödie 
selbst überlassen, fähigen Lesern alle ihre besondern Vorzüge empfindlich 
zu machen. Wieland. 


Es ist außer Frage, daß hier Christoph Martim Wieland spricht; Inhalt 
und Form sind ihm gemäß; die Erwähnung Platos entspricht ihm. Klop- 
stocks Namen nennt er nicht, aus Rücksicht auf Bodmer. Da er aber 
damals sich von dem Gönner löste, scheute er sich doch nicht mehr, das 
Werk zu rühmen, wie es auch in den Freymüthigen Nachrichten 1757, 
S. 219f.,, man muß nun fragen, ob nicht von Wieland, gelobt wird. Aus 
seiner Bewunderung nimmt er das Recht zum Nachdruck: es seien zu wenig 
Exemplare hieher, d. h. nach Zürich gekommen; um das Verlangen der 
Liebhaber in der Schweiz zu befriedigen, habe er eilig eine kleine Auflage 
herstellen lassen. 

Die Eile mag Meusebachs Beobachtung erklären, daß die im Original 
angemerkten Druckverbesserungen nicht beachtet sind. Es ist aber auch 
möglich, daß das Blatt dem von Wieland benützten Exemplare fehlte; denn 
es ist mit einer anderen Umrandung als der Text selbst verziert und dem 
letzten Halbbogen angeklebt: es kann also erst nachträglich dazu gekommen 
sein, nachdem die ersten Exemplare schon versandt waren.*) 


ui *) Auch in der Góschenschen Ausgabe der Sämtlichen Werke Bd. 8, 1823, 
st nur die erste, am leichtesten zu findende Verbesserung vorgenommen. 





— 99 — 


Vorlage (72 SS. + 1 Bl.) und Nachdruck (64 SS.) stimmen nicht 
durchaus überein. Die Orthograpbie ist in den Orellschen Brauch um- 
‚gesetzt, also z statt tz, k statt ck, ss für B (z. B. grossen); die Jnter- 
punktion weicht wenig ab. Entgegen dem Original sind 24 Wörter durch 
Sperrdruck hervorgehoben; Wieland liebt in seinen Schriften das Unter- 
streichen, da wird also sein Stift gewaltet haben. 8mal setzt der Nach- 
(druck vollere Formen für gekürzte: höret, ebe, überschauen, unsere (für 
unser), entfliehen, Bräutigam, schlummere, freue; 2mal die kürzere: sehn, 
-erschrekt (statt erschreckte). Wie dies, so fällt dem Setzer zur Last: hin- 
giengst (für hineingiengst), euern (für euren), der Lippe (für der kalten 
Lippe), ist nicht (für ist auch nicht). Der Druck ist also nicht allzu song: 
fältig, wirklich in Eile hergestellt. 

‘Ich hasse den Nachdrucker, und liebe den Nachdruck; lässt sich wohl 
mit Recht sagen. Nachdrücke machen oft theure Werke wohlfeil, und seltene 
gangbar.’ So beginnt eine Rezension in der Erfurtischen gelehrten Zeitung 
1772, S. 131, die vielleicht Wieland zum Urheber hat. Noch milder muß 
er 1757 über das Nachdrucken gedacht haben, da er sich des guten 
Zweckes wegen offen dazu bekennt. Später, als er selbst unter dem Nach- 
druck litt und darüber klagte, mußte er sich von dem Nachdrucker seines 
"Teutschen Merkur gefallen lassen, an diesen Ubergriff erinnert zu werden, 
auf der 4. Seite einer Zuschrift An das Publikum, die das Juliheft des 
Merkurnachdruckes bringt, heißt es: wenn Wieland die Ursachen für diesen 
nicht gelten lassen wolle, ‘so mag Er sie mit seinen eigenen zusammen 
halten, die Er vor einigen Jahren m der Schweiz anführte, als Er für gut 
fand, einen. Nachdruek von Klopstocks Tod Adams zu veranlassen und zu 
entschuldigen.’ 

In diesem Zusammenhang kann auch eine Erklärung für eine dunkle 
Briefstelle gesucht werden. Zellweger sehreibt an Bodmer, 14. November 
1757: 'quel Cyrus a Mr. Wieland en vue, le vieux ou le jeune, en veut 
jl ecrire l'Histoire ou quelque Piece dramatique? a't j| abandonné l'Adam 
mourant?’ Sollte Wieland selbst einen Tod Adams haben schreiben wollen? Das 
ist in dieser Zeit nicht mehr wahrscheinlich. Ich vermute, daß Zellweger 
eine Nachricht über die Ausgabe der Klopstockschen Dichtung mißverstanden 
und auf ein Originalwerk Wielands bezogen hat. 


4. Verteidigung der Comiscohen Erzählungen. 


Max Morris machte mich freundlich aufmerksam, daß im Allgemeinen 
Sachregister über die wichtigsten deutschen Zeit- und Wochenschriften (von 
Beutler und Gutsmuths), Leipzig 1790, S. 100, bemerkt ist, Wieland habe 
Anteil an der Lindau 1768 erschienenen Wochenschrift Der neue Recht- 


"rue * 
er... s 


— 100 — 


schaffene gehabt. Die Königl. Landesbibliothek in Stuttgart, die mir Morris 
‘als Besitzerin nannte, gab mir in dankenswerter Weise diese Zeitschrift. 
‘und ihre Vorgängerin, Den Rechtschaffenen, in die Hand. 

. . Der Rechtschaffene, eine satyrisch-moralische Wochenschrift in ge- 
bundener und ungebundener Scehreibart erster Theil. Lindau, bey Jacob 
Otto 1765, und ebenso zweiter Theil 1766, ist, wie die Vorrede des Verlegers 
anzeigt, von Geßler herausgegeben. Vgl. Goedeke 4, 54, Nr. 31; der 3. 
hier verzeichnete Teil existiert wohl nicht, weil 1767 beim gleichen Verleger 
sich anschloß! Der neue Rechtschaffene, dessen zweiter Theil Lindau und 
Chur, bey der typographischen Gesellschaft 1768 verlegt ist. Am Schluß 
des 2. Bandes verabschiedet sich der Herausgeber des Neuen Rechtschaffenen 
vom Leser. Er ist Johann Christian Heinrich Seidel (Goedeke 4, 118, 
Nr. 38), wird aber nirgends genannt; die Vorrede unterzeichneten ‘Die 
Verfasser’; in einer Nachricht im 1. Stück nennt er sich David Bieder- 
mann. | 

Zum Rechtschaffenen, einer rückstándigen, den Freigeistern abholden 
Wochenschrift mit viel Reimereien in Alexandrinerversen und Strophen, 
hat Wieland sicher nichts beigetragen. Und auch der Fortsetzung hat er 
nur einen Brief zukommen lassen. ‘Den guten Geschmack und mit ihm die 
Tugend in unsern Gegenden auszubreiten, ist. der Entzweck dieser Schrift.” 
So beginnt die Vorrede zum Neuen Rechtschaffenen. Und im ersten Stück 
heißt es: ‘Wir Schwaben haben von je her den Ruhm gehabt in Ausbildung 
unsers Geschmacks und der dadurch verfeinerten Sitten die letzten zu 
seyn .... Es kränket meine patriotische Seele, wenn ich in die Nacht 
hinsehe, die noch über mein Vaterland mit bleyernem Zepter herrschet. 
Und noch mehr muss es mich kränken, wenn ich es von seinen aufge- 
worfnen Führern, an statt an das Licht, in eino noch größere Finsterniss 
geführet sehe.’ Darum habe sich der Herausgeber unter den Haufen wöchent- 
licher Sittenlehrer gemischt. Und es sei ihm eine Erscheinung geworden; 
Schwabens Genius habe zu ihm gesprochen in reimlosen Versen, obwohl 
viele nur Gereimtes für Verse erkennen u. s. f. 

Man sieht, die literarische Lage war in Schwaben noch so wie um 
das Jahr 1750, obwohl von da an die Versuche gingen, das Neue einzu- 
bürgern (vgl. Euphorion 14, 23 ff.). Die Verfasser des Neuen Rechtschaffenen 
schreiben moralisierend, reichlicher in Prosa als in Versen, oft in Brief- 
for, wobei einige echte Zuschriften sich finden mögen,.über Freundschaft, 
Ehe, Frauenbildung, Gesellschaft, Kartenspiel u. s. w., also über die alten 
Themata der moralischen Wochenschriften. Der Messias wird gerühmt, 
Motti von Huber, Gemmingen, Kleist, Lange, Uz, Gellert, Zachariae, Cronegk, 
Wieland und anderen den Stücken vorangestellt. Der neue Rechtschaffene 


— 101 — 


ist gewiß neumodischer als der alte, aber nicht weniger unbedeutend. So 
wüßte es erstaunen, Wieland unter den Beiträgern anzutreffen, wenn seine 
Spende eine freiwillige gewesen wäre. Und selbst daß er sich durch dieses 
Wochenblättchen zur Abwehr herausgefordert fühlte, bleibt noch erstaunlich: 
es beweist, daß Seidels Rechtschaffener eine so unerwartete Verbreitung 
-oder ein solches Ansehen unter den Landsleuten genoß, daß Wieland dessen 
Tadel, mindestens seinem heimatlichen guten Rufe, für gefährlich hielt. 

Der Genius nämlich hatte Seidel eine Reihe berühmter Schwaben 
genannt, darunter auch Wieland: ‘Stolz ist sein Nam’. — Ach batt’ er 
sich nicht vergessen!’ So sprach der Genius, ‘seufzt’ und schwieg’. Hiezu 
macht Seidel zwei Anmerkungen: ‘Mein Mistrauen geht so weit nicht, dass 
ich glauben sollte, es sey dieser berühmte Name nicht den meisten zum 
wenigsten dem Gerüchte nach bekannt. Und: ‘Wer die Komischen Er- 
zählungen kennt, wird mich hier leicht rechtfertigen.’ 

Das empfand Wieland als eine ‘sehr impertinente Censur’, bei der 
er nichts weniger als gleichgültig sein könne, und wünschte zunächst, daß 
jemand anderer als er selbst die Apologie der Erzählungen verfasse, etwa 
Waser (Denkwirdige Briefe 1, 51 f.). In seinem Verdruße und gemäß 
der Ungeduld seines Wesens schrieb er aber etwa fünf Tage später doch 
selbst eine Zuschrift an den Herausgeber, die in das 6. Stack, S. 51—55, 
-eingerückt wurde. Schon die Anrede ‘Mein Herr Biedermann’ ergibt, daß 
sie ein offener, kein privater Brief war. Zuerst spendet Wieland dem Vor- 
haben und der Geschicklichkeit des Biedermanns Lob, schließt sich seiner 
Klage über den Geschmack des Vaterlandes an, an den man sich nach 
zwanzig Jahren mit Widerwillen erinnern werde. Doch biete ja schon die 
Gegenwart Stoff auch zu einem Loblied, der Herausgeber solle nur aus- 
harren, die Beförderung des Geschmacks zu veredeln. Damach fährt 
Wieland fort: | 
[S. 54] Hier, mein Herr, kónnte ich für diesesmal endigen (denn ich stehe 
Jhnen nicht dafür, daß sie nicht öfters mit meinen Zuschriften heimgesucht 
werden werden [!] möchten), wenn ich mich nicht genötbiget fände, eine 
kleine Beschwehrde gegen ihren Genius zu führen, welche ich nirgends 
als bey ihnen anzubringen weiß. Es betrift eine Tibereilung, welche ich 
einem Genius weniger als einem andern verzeyhen würde, wenn es mir 
‚möglich wäre, einem Genius, der in so schönen Versen spricht, etwas übel 
aufzunehmen. Ich ersuche Sie also, mein Herr, ihm zu sagen, daß man. 
keinem Schriftsteller, er mag einen berühmten oder unberühmten Namen 
führen, eine Schrift, (am allerwenigsten eine solche, von welcher man, zur 
nemlichen Zeit, ungünstig urtheilet) namentlich zuschreiben soll, wofern 
dieser Schriftsteller sich nicht selbsten öffentlich zu dieser Schrift bekannt | 


— 102 — 


hat. Ich weiß alles was Ihren Genius dißfalls entschuldigen kan; die- 
Frage ist auch itzo nicht, ob ich wirklich der Verfasser der comischen: 
Erzehlungen [!] bin; wann ich es bin, so werde ich mich Öffentlich dazu 
bekennen, sobald ich es für gut ansehen werde; und wofern ichs nicht 
bin, so ist sehr wahrscheinlich daß der Verfasser sich einmal nennen wird; 
vielleicht, sobald sie in demjenigen Stand seyn werden, worein er sie mit 
Hülfe des Urtheils der Kenner zu bringen gedenken mag. Dem sey wie 
ihm wolle, so hat so lange bis der Autor das gethan haben wird, weder 
Mensch noch Genius das Recht irgend einen ehrlichen Mann namentlich 
als der [!] Urheber eines solchen anonymen Werkes aufzuruffen ; und ich 
halte das für eine so ausgemachte Sache, daß ich sie zu beleidigen glaubte, 
nur noch ein Wort deshalben zu verliehren. Ein anders ist es, ob der 
Genius Recht daran gethan hat über die comischen Erzählungen zu seufzen ; 
und ob sie Recht daran gethan haben, in der Note unter dem Text sich wegen 
der Rechtmäßigkeit dieses Seufzers auf alle diejenigen zu beziehen, welche 
die bemeldten Erzählungen gelesen haben. Ich sehe wohl, daß auch die 
Genii zuweilen ihre Launen haben; und die Wahrheit zu sagen, möchte der 
]hrige von diesen Erzählungen meinet wegen so viel böses gesagt haben 
als er gewollt hätte, wenn sie nur einer kleinen allgemeinen Pflicht gemäß, 
für gut befunden hätten, meinen Namen nicht ins Spiel zu mengen. Jndessen 
ge-[55]stehe ich Ihnen doch gerne, daß ich, nebst noch vielen andern wackern 
Leuten, die ich Ihnen nennen könnte, die comischen Erzählungen für Gedichte 
halte, deren sich ihr Verfasser, er mag auch seyn wer er will, nicht zuschämen hat. 
Ich weiß nicht in wasfüreinem Lichte sie von denjenigen betrachtetwerden, welche 
sich daran ärgern; aber das weis ich, daß ich meines Orts sie niemalen 
für etwas anders als satyrische Gemälde habe ansehen können, bey denen 
eine moralische Absicht (eben diejenige welche bey aller Bespottung der 
Thorheiten und Laster der Welt herrschen soll) so deutlich in die Augen 
fällt, daß ich nicht begreife, wie man es macht um sie nicht za sehen. 
Doch darüber haben wir keinen Streit; es ist ihnen und einem jeden eben 
so erlaubt anders hievon zu denken, als mir, zu glauben, daß Sie Sich 
irren. Vielleicht fällt es der comischen Muse, (von der ich gestehe, daß sie 
eine von meinen Bekantschaften ist) einmal ein, ein Werk, welches sie 
eingegeben hat, Ihrem Genius in einem günstigen Lichte zu zeigen; und 
mich zu ihrem Wortführer dabey zu gebrauchen. Bis dahin erlauben sie- 
mir, mein Herr, Ihnen die kleine Vorrede zur Meditation zu empfehlen 
welche der geistvolle Prior dem Paul Purganti, einer von seinen eignen 
comischen Erzählungen, vorgesetzt hat. Ich müßte mich sehr irren, ‚wenn 
sie einem Manne von so vieler Einsicht, wie sie zu seyn scheinen, nicht. 
zu genauerer Bestimmung des eigentlichen Gesichtspunkts, woraus man 


— 108 — 


dergleichen Werke beurtheilen soll, verhelfen könnte. Wie sehr, mein Herr, 
wünschte ich daß Ihr Genius mich nicht in die Notwendigkeit hätte setzen 
wollen, diesen andern Theil meiner Zuschrift an Sie zu schreiben! Da es 
nun aber geschehen ist, so erlauben Sie mir nur noch den Wunsch bey- 
zü fügen, daß doch diejenigen, welche dem Dienst der Musen obliegen, durch 
die armseligen Streitigkeiten, Verunglimpfungen, und welchselsweise Vor- 
würfe, welche fast zu allen Zeiten unter ihnen geherrschet haben, der Welt 
nicht selbst Anlaß geben mögten, sie selbst zusamt ihrer Kunst und ihren 
Talenten zu verachten. 
Ich bin 
Mein Herr, 
Biberach den lOten. Jan. 1767. _  ]hr Verehrer und Freund 
Wieland. 

Wieland hat seine Hauptabsicht doppelt versteckt, um nicht sein 
eigener Apologet zu werden. Die größere Hälfte des Schreibens befaßt sich 
mit dem Rechtschaffenen und der schwäbischen Literatur und mahnt, mebr 
anzuerkennen als zu tadeln, wie auch der Schluß kritischen Streit verwirft, 
an dem er sich doch selbst ein Jahrzehnt früher eifrig beteiligt hatte. Dann 
stellt er in einem Anhang das Verlangen, die Anonymität eines Schrift- 
stellers zu achten, und verwahrt sich, daß man ihm die Comischen Er- 
zählungen zuschreibe. Sollte wirklich sieben Vierteljahre nach deren Er- 
scheinen sein geschicktes Spiel zwischen Bekennen und Leugnen jemand 
noch über seine Verfasserschaft haben irre führen können? Endlich kommt 
er wie nebenher auf das, was allein ihn drückte: die Verteidigung der 
Erzählungen. Er schiebt sie Prior zu, der sein Gedicht Paulo Purganti 
and his wife mit folgenden Versen eingeleitet hatte : 

Beyond the fix’d and settl’d rules 

Of vice and virtue in the schools, 
Beyond the letter of the law, 

Which keeps our men and maids in awe, 
The better sort should set before’em 

A grace, a manner, a decorum; 
Something, that gives their acts a light; 
Makes 'em not only just, but bright; 
And sets 'em in that open fame, 

Which witty malice cannot blame. 

Seidel, der dem Schreiben ein Vor- und ein Nachwort beisetzte, war 
nicht so blind, zu verkennen, daß das zuerst gespendete Lob nicht die 
Ursache der Zuschrift war, wie Wieland glauben machen wollte; er erklärt, 
er würde stolz auf die náhere Bekanntschaft und den Beifall eines Mannes 


— 104 — 


sein, den er schon lange mit dem empfindlichsten Herzen verehre, wenn 
er seine gütige Zuschrift mehr auf Rechnung eines Verdienstes, als eines 
Fehlers schreiben könnte;') er sei traurig, Wieland beleidigt zu haben, 
und gestehe gerne, daß er gefehlet habe, D..h. daß er Wielands Name 
genannt babe. Sein Urteil über die Comischen Erzählungen aber nimmt 
er weder zurück noch hält er es aufrecht, auf Prior läßt er sich nicht ein. 

Wenn also Wieland erwartet hatte, durch seine Schmeichelei ein 
Organ zu seiner Verteidigung zu gewinnen, so mußte er enttäuscht sein. 
Seidels Höflichkeit allein konnte ihm nicht genügen. Und so unterblieben 
denn auch weitere Zuschriften. 


5. Erfurtische gelehrte Zeitung. 


Wielands Anteil an der Erfurtischen gelehrten Zeitung ist noch nicht 
untersucht. Boxberger hat in seiner Darstellung von Wielands Beziehungen 
zu Erfurt (Jahrbücher der königl. Akademie gemeinnütziger Wissenschaften 
zu Erfurt 1870) ihn kaum beachtet. Das liegt an der Seltenheit der Zeit- 
schrift, aber auch an der Schwierigkeit, die anonymen, nur ausnahmsweise 
mit einem Buchstaben unterzeichneten Artikel ihren Verfassern zuzuweisen. 


Wieland lebte von Anfang Juni 1769 bis Mitte September 1772 in 
Erfurt. Vorher ist seine Beteiligung an der Zeitung nicht zu erwarten, 
obwohl er mit deren Leiter Justus Riedel in Briefwechsel stand. Nach der 
Abreise ist sie nicht ausgeschlossen, da Wieland mit Meusel, der nach 
Riedels Abgang nach Wien (Mai 1772) Redakteur war, in Verbindung 
blieb und von ihm noch 1773 die Zeitung erhielt (Ausgewählte Briefe 3, 
129). Erst nachdem er im Merkur von 1773 an sein eigenes Organ besaß. 
hat seine Mitarbeit sicher ein Ende gefunden. 

Im Jahre 1769 hat Wieland eine einzige Anzeige geliefert über 
Wasers Lucianübersetzung (Denkwürdige Briefe 1, 100). Anfang Dezember 
1769 erklärt er, keinen Teil an der Zeitung zu haben (Ausgewählte 
Briefe 2, 340). Am 3. Juni 1770 versichert er abermals, er habe außer 
dem Artikel über Waser keinen Anteil an ihr (ebenda 2, 371)?); damit 
wird Johann David Michaelis Verdacht, Wieland sei der Verfasser einer 
Anzeige über Mendelssohns Schreiben an Hrn. Diakonus Lavater in Nr. 16, 17 





1) Hieraus erklärt sich der witzelnde Titel des Stückes im ‘Inhalt’ 
Bl. 8 a: ‘Ein Brief von Hr. Wieland, den er [= der Herausgeber] durch ein 
Verdienst verdient zu haben wünschte.’ 

2) Die Äußerung gegen Jacobi vom 19. März 1770, er wärde eine Kritik 
gegen ihn schreiben, wenn Riedel nicht schon eine geschrieben hätte und wenn 
Jacobi sich dafür nicht bei seinen Grazien rächen könnte (Ausgew. Briefe 2, 360), 
ist als Scherz aufzufassen. 


— 105 — 


von 1770 hinfällig (Göttinger gelehrte Anzeigen 1902, S. 561). Am 
26. Juli 1771 schreibt Wieland, er habe seit sieben bis acht Monaten kein 
Blatt der Zeitung anders als etwa zufallsweise zu Gesicht bekommen, habe 
weder direkter oder indirekter Weise Anteil, dermalen ganz und gar keinen 
Einfluß darauf (Morgenblatt für gebildete Stände (Stuttgart 1862, Nr. 10 
S. 222 f.). Erst im September veranlasst ihn die Entrüstung über J. Benjamin 
Michaelis' Pastor-Amor-Brief zu einer mit dem Anfangsbuchstaben seines 
Namens unterzeichneten Erklärung in der Zeitung (Ausgew. Briefe 3, 73; 
Gruber, Wieland-Biographie 3, 61 ff. hat die Recension abgedruckt). Und 
am 9. Januar 1772 schreibt er an J. G. Jacobi: "Unsrer hiesigen gelehrten 
Zeitung wünschte ich in Halberstadt einigen Debit. Ich arbeite für den 
gegenwärtigen Jahrgang selbst mit an ihr und habe bereits Sulzers Theorie 
recensiert und den Braunschweigern geantwortet’ (Ausgew. Briefe 3, 103). 
Professor Dr. Bernhard Seuffert. 
(Wird fortgesetzt.) 


——— 


Die Wiegendrucke der Stiftsbibliothek in Schlierbach. 





Cen D in Dn 


Vorwort. 

Es wird im folgenden eine Beschreibung der Inkunabeln unserer Stifts- 
bibliothek geboten. Das Zisterzienserstift Schlierbach ist im Jahre 1355 als 
Frauenkloster dieses Ordens gegründet worden. Eberhard III. v. Walsee, 
Landeshauptmann von Oberösterreich, hat sein Landgut Schlierbach in ein 
solches umgewandelt. Zur Zeit der Reformation löste sich der Nonnenkonvent 
auf (1554). Bis zum Jahre 1620 stand nun das verlassene Kloster unter 
verschiedenen Administratoren, zuletzt unter der Verwaltung der Krems- 
münsterer Äbte, bis daß Kaiser Ferdinand II. in diesem Jahre das Kloster 
wieder restituierle und es mit Zisterziensermönchen aus dem Stifte Rein 
besetzte. Der VI. Abt des neuerstandenen Klosters, Nivard 11. Dürer, hat 
neben anderen Bauten auch ein schönes Bibliotheksgebäude erstehen lassen, 
das im Jahre 1712 vollendet wurde und das noch heute den Bücherschatz 
des Klosters beherbergt.. Schrank V dieser Bibliothek .füllen die Wiegen- 
drucke aus. Welches mag ihre Geschichte sein? Etwa ein Drittel der 117 
Inkunabelbánde weist Namensinschriften aus, die Kunde geben von früheren 
Besitzern. Der Name Enenkel, der sich in vielen älteren Büchern der 
Bibliothek findet, kommt 8mal vor. Dieses Drittel wurde also erst später, 
wahrscheinlich durch Ankauf der Äbte, hie und da vielleicht auch einzelne 
Bände geschenkweise erworben. Sollte von den übrigen gar keine Inkunabel 
aus der Nonnenzeit stammen und die Administration überdauert haben? Da 
noch einige Manuskripte vorhanden sind, die sicher aus dem Nonnenkloster 


— 106 — 


stammen, da ferner die Urkunden aus jener Zeit erhalten blieben, so kann 
man daraus auch auf die Bücher schließen. Eine völlig sichere Feststellung 
der Herkunft und Vergangenheit der Inkunabeln ist allerdings auf Grund 
dieses Schlusses nicht zu gewinnen. 

Die Inkunabeln sind wie die übrigen Bücher in 4 Katalogen ver- 
zeichnet und, wie Schreiber dieses erst nach getaner Arbeit entdeckte, im 
systematischen Kataloge (Palaeotypa) und im NEN: auch mit den 
Hainnummern bezeichnet. 

Zum Schlusse fühlt sich der Unterzeichnete verpflichtet, denen, welche 
die Arbeit gefördert haben, den gebührenden Dank auszusprechen. Vor 
allem Sr. Gnaden Abt Gerhard Haslroither, der dem Gefertigten die nötige 
Mußezeit zur Verfügung gestellt hat; dann dem Inkunabelkenner Sr. Hoch- 
würden Herrn Professor Reininger in St. Pólten, der das Manuskript durch- 
gesehen und ergänzt hat, und dessen Publikationen als Vorbild dienten; 
ferner Herrn Dr. Crüwell in Wien, der die Veröffentlichung der Arbeit 
ermöglichte; schließlich den bochwürdigen Herren Bibliothekaren der Stifte 
St. Florian, Schlägl, Melk und Kremsmünster, welche die nötigen, hier 
fehlenden Hilfsbücher zur Verfügung gestellt und freundlichen Rat gespendet 
haben. 

A. Bestimmte Druckwerke. 
Augsburg. 
l. Günther Zainer. 
1. — n. d. — Guillermus, Episc. Parisiens,, de fide et legibus. — Fol. — 

H.* 8817, Pr. 1556. 

Das Ma8 und das perlenlose J würden nach Haebler eher auf Bámler 
schlieBen lassen. 
2. — n. d. — A. v. Eyb, Ob einem Manne zu nehmen ein ehelich Weib. — 


Fol. — H.* 6827, Pr. 1562, Haebl. Type 2. 
3. — n. d. — Biblia Germanica. — Fol. — H.* 8133, P. 1577. 


2. S. Ulrich und A fra. 
4. — n. d. — Historia Friderici Imperatoris. — Fol. — H.* 8718, Cop. II. 
2589, Pr. 1633. 
o. — n, d. — Nic. de Janua, compendium morale. — Fol — H.* 9359, 
Pr. 1634. 
3. Anton Sorg. 
6. — 1481. — Sachsenspiegel. — H.* 14075, Pr. 1682. 


7. — 1488. — Wenger, belligraphia. — 4. — H.* 2762 = H C.* 16157, 
Pr. 1707. 

8, — 1488. — Cicero, de proprietatibus terminorum. — 4. — H. C.* 5853, 
Pr. 1708. 

9. — 1490. — Caracciolus, sermones de laudibus sanctorum. — Fol. — H. C.* 


4486, Pr. 1714. 
10. — 1492. — Lavacrum conscientiae, — 4. — H.* 9958, Pr. 1721. 


— 107 — 


4. Johann Froschauer. 


11. — 1496. — Methodius, revelationes. — 4. — H. C.* 11120, Pr. 1821. — 
F. 1. a, b statt Druck Handschrift, ebenso F.2. a untere Hälfte, 
5. Erhard Ratdolt, 2. Presse. 
12. — 1489. — Caracciolus, sermones de laudibus sanctorum. — 4. — H. C.* 


13. 


14. 
15. 
. — 1490. — Augustinus, de trinitate. — Fol. — H. C.* 2089, Pr. 7586. 
17. 


18. 


19. 


20. 


4478, Pr. 1888. Das Register fehlt. Beginnt mit F. 18. a. 
— 1495. — Breviarium Pataviense, Pars hiemalis, — 8. — 
H. 3876 erwähnt den dazugehdrigen Pars aestivalis. Schachinger 
beschreibt das unvollstándige Melker Exemplar. 


Bis F. 14. a stimmt das Buch völlig mit Hain * 38878. F. 14. a (c, 
s. 1 et n. 802) rubro: Hystoria de btä maria vir || gine infra nativitatez 
xpi z || puri ficationévirgIs marie. | Ad vesperas super ps án. || F. 16. a col. 2., 
lin. 26, rubro; ut supra in primis vesperis. | F. 16. b u. F. 17. vacant. F. 18. a 
rubro; De cómemoratione sancti || stephani pthomartyris ad || vesperas super 
psalmos ai ||. F.25.b vacat. F.26. a (c. s. a et n. 1.) rubro: Incipit psal- 
terium cz brevi || arium fcm chorum ecclesie | Patauieh. Dicis diebus || ad 
matut Invitatorium. F. 58—60 vacant. F. 66. a (c. s. f. et n. 41): Ne forte 
dieät in gentib? || etc. F. 94. a (c. s. k. et n. 69) rubro : Incipit pars hyemalis 
fcm f| modernü breviarli ecclesie || Patauien. In adudtu dii || ete. F. 324. b, 
col. 2., lin. 28. rubro: omnia ut supra. F. 325. vacat. F, 826. (c. a A el n. 1) 
rubro: Incipit cómune de fanctis || In vigilia apostolorum nó || ete. F. 351. b 
in fine rubro: Cómune de fanctis fedm || chorum ecclesie Patavieh || etc. 
wie bei H. 3876 und Schachinger p. 48. 


ll. Basel. 
1. Johann von Amerbach. 


— 1487. — Panormitanus, lectura super quinque libros Decretalium. Vol. IT., 
III., IV. — Fol. — H. C.* 12815, Pr. 7578, 7574. 
— 1490. — Augustinus, de civitate dei. — Fol. — H. C.* 2066, Pr. 7585. 


— nach 21. IV. 1494. — Joh. Reuchlin, de verbo mirifico. — Fol. — H. C.* 
13880, Pr. 7600. Haebler Type 17. 
— 1496. — Petrarcs, opera. — Fol. — H. C. 12749, Pr. 7608. 

Das Buch beginnt: F. 1. a (c. s. a) : Tractatu ac capitulorà primi libri 
de Rebus Memorandis : Clarissimi uiri || Frácisci Petrachae Poetae Laureati: 
collecta : ordinata: enumeratinag ánotatio || F. 4. a (c. s». a,): Frücisci 
Petrarchae Poetae Oratorisg Clarissimi: Rerü Memoran | darum Liber 
primus Incipit || das folgende wie bei H. 12749. 

— n. d. — Alphonsus Diaz Montalvo, repertorium super Abbatem Panormi- 
tanum. — Fol. — H. C.* 11566, Pr. 7628. 

Bei Hain F. 207. a (c. n. CCVIII) in Wirklichkeit aber (c. n. 
CCXVIII). Cop. erwähnt 222 ff., Hain gibt richtig 211 ff. an. Bei Haebler 
kein für Amerbach zeugendes Maß. 

— n. d. — Petrus Lombardus, sententiarum libb. IV cum conclusionibus 
Henr. Gorichem. — Fol. — H. C.* 10193, Pr. 7643. 

Bei Haebler stimmt das Maß nicht genau für Amerbach, besser 

für Wolf v. Pforzheim oder Froben. 


— 108 -— 


2. Nikolaus Kessler. 


21. — 1488. — Meffret, sermones de tempore et de sanctis. — Fol. — H. C.* 

11006. 
F. 1.a tit.: — Meffreth alias || ortulus, regine pars hyemalis |] 

Das Folgende stimmt genau mit Hain* 11000 Vol. II. Nur hat dieses 
Exemplar nicht wie bei Hain F. 2. a (c. s. Aj), sondern (c. s. a&,). Pars 
aestivalis fehlt. Vol. III. = H.* 11006. Nur heißt es nicht wie bei Hain 
F. 2. a (l) Audato, sondern (l) Audate. 

22. — 1489. — Petrus Lombardus, sententiarum libb. IV cum conclusionibus 
Henr. Gorichem. — Fol. — H.* 10196, Pr. 7676. 

28. — 1500. — Franciscus Philelphus, epistolarum libb. XVI. — 4. — H. C.* 
12948, Pr. 7695. F. 1. fehlt. 


8. Jakob von Pforzheim. 


24. — n. d. (nach 1. März 1499.) — Decreta concilii Basiliensis. — 4. — H.* 
5605, Cop. II. 1736, Pr. 7707, Haebler Type 5. 


4. Michael Furter. 

25. — 1494. — Nikolaus de Orbellis, expositiu logicae. — 4. — H. C.* 12044 
Pr. 7725. 

26. — 1494. — Nikolaus de Orbellis, cursus librorum philosophiae naturalis. 
— 4. — A. C. Reichling IT. 5864, Pr. 7726. Stimmt genau mit Reichliug, 
nur ist bei vorliegendem Exemplar die Mathematica und Geometria anstatt 
am Schlusse vorne dazugebunden. 


5. Johann Froben von Hammelburg. 
27. — 1493. — Gratianus, decretum cum. apparatu. — 4. — H. C.* 7912, 
Pr. 7757. i 
lil. Bologna. 
1. Franciscus Plato de Benedictis. 
28. — 1493. — Herodianus, historiae Romanae Libri VIII, Angelo Politiano 
interprete, — Fol. — H. C.* 8467, Pr. 6598. 


2. Benedictus Hectoris. 
29. — 1497. — Censorinus, de die natali etc. — Fol. — H. C.* 4847, Pr. 6633. 


8. Johannes Jakobus de Fontanetis. 
90. — 1497. — Andreas Barbatia, lectura in tit. de probationibus. — Fol. — 
H.* 2451. 
4. Ugo Rugerius, 5. Presse. 
81. — 1499. — Ludovicus Bologninus, consiliorum Vol. I. — Fol. — H.* 3457. 


IV. Florenz. 
1. Antonio Miscomini. 
32. — 1489. — Marsilius Ficinus, de triplici vita. — Fol. — H. C. (I. u. III )* 
7065, Pr. 6151. F; fehlt. o 
V. Köln. 
1. Johann KOlhoff sen. 
33. — 1490. — Flores poetarum. — 4. — H.* 7179 — H. C. 7180, Pr. 1082. 
Haebler Type 17. 


— 109 — 


2. Konrad Winters von Homborch. 


984. — n. d. — Aeneas Sylvius, de amoris remedio. — 4. — cop: II. 48, Pr. 1190, 
Haebler Type 1. — 25 u. 27 lin. 


3. Heinrich Quentell, 2. Presse. 


35. — 1495. — Formularium instrumentorum ad usum Curiae Romanae. — 4. — 
H.* 7288. Tabala (F. 181—186) fehlt. | 

86. — 1500. — Johannes de Garlandia, synonyma et aequivoca..— 4. — H. C.* 
7476, Pr. 1868. 

97. — n. d. — Johannes Versor, quaestiones super metaphysicam Aristotelis. — Fol. 
— H. C.* 16051, Pr. 1389. 

38. — n. d. — Antonius Andreas, quaestiones super XII libb. metaphysicae 
Aristotelis. — Fol. — H. C.* 974. 

Ist mit vorausgehender Nummer zusammengebunden und weist die- 

selben Typen auf. 

99. — n. d. — Hortus sanitatis. — Fol. — H. C.* 8491, Pr. 1447, Suppl. 1902 
p. 11., Voulliame 2383, Haebler Type 8. 


Vi. Leipzig. 
I. Drucker des Capotius. (Martin Landsberg.) 
40. — n. d. — Flores poetarum. — 4. — H. 7175 = 14680? Voull., Haebler 
Type 1. 

F. 1. atit.: Egregie sentécie five Jocüdi flores | docto?J poetarti. In quibu. 
digna || laus vitutü et acerrima effulmina || tio vitiorum egregie continetur || 
F.1.b vacat. F.2. a: Tabula Circa Flores poetarü De || virtutibus et vitiis as 
donis fancti | spiritus. Incipit feliciter. Tabulae finis F. 8.a. F. 8. b: Hec 
fat noia poeta% d h allegátur || F. 9. a: Incipit prohemium de Cómendatione 
huius operis. || F. 9. b !in. 5: Explicit prohemium. || Incipit liber primus 
qui tractat de supbia etc. PF. 94. b lin. 9: Explicit liber Octavus, alias. 
Nonus Incipit decim? || etc. lin. 26: ordinem in ultimo libro Anticlaudiano 
Alani. ch. g. ff. 94, U. 31, sign. A-M, marg., s. c. & pp. num. 


2. Martin Landsberg. 
41. — n. d. — Dominicus Mancinus, carmen de passione Christi. —- 4. — IT. 10637? 
Cop. IL 8810, Pr. 3098. Haebler Type 1. Sonst kein Beleg für Landsberg. 
F. 1. a: Tractatus de Passione Domini. | Dominici Mancini de 
passione domi || ni nostri Jesu Christi liber incipit. 


9. Melchior Lotter. 

42. — n. d. — Conradus Wimpina, praecepta coaugmentandae rhetoricae orationis 
8 ars epistolandi. — 4. — H. 16202 = 13315, Reichling I. p. 205- 
(circa 1490). 

Reichling teilt den Druck Lotter zu. Bei Haebler die Type nicht 
gefunden, am ehesten nach Haebler Drucker des Capotius 1. 


Vil. Lyon. 
1. Nicolaus de Benedictis und Genossen. 


43. — 1500. — Felinus Sandeus, lectura de officio et potestate judicis delegati.. 
— Fol. — H.* 14308. 
s. l. 


44. 


45. 


46. 


47. 


49. 
90. 


51. 


52. 


58. 


54. 


se i9 e 


— 1499. — Felinus Sandeus, super IV. & V. decretalium. — Fol. — H.* 14283. 
Burger Index. | 

F. 1. a vide H. 14283. F. 9. b lin. 26: Finit lectura domini Felini 

fandei ferrarésis fup titulo de [ fposalibus cum privilegio etc. F. 10. 5: 

Finis. F. 1f. a tit.: Tabula fuper quinto libro decretalium. (g) Uid sit 


accussatio 3 e l| (c. s. A.) F. 138. b: Finis Tabule. F. 74. a: Felini 


Sandei Ferrariésis lectura peregrina : z optie || digesta, Super titulo de 
accusationibus cQ alijs titulis se || quentibus etc. (c. s. a et n. 1) F. 48. a 
(c. n. 36): Finis. Laus Deo. Virginig gloriose eius matri. | Sequitur Rubrica 
De calumniatoribus. F. 48. b vacat. F. 49. a (c. s. a et n. 1) tit.: De calum- 
niatoribus. Continua ut hic per Ana.z inter alia no. ter. in l. j. in [| ete. 
F. 66. b lin. 12. tit: De magistris. Rubrica. F. 79. b (F. 79. a c. n. 80) tit. 
De homicidio volütario vel casoali. Rubri. F. 101, a (c. n. 40): Expliciunt 
etc. v. Hain 14288. 

— n. d. — Felinus Sandeus, super titulo de rescriptis et nonnullis aliis. — 
Fol. — B. 14301. Burg. Index. 

Bei Hain beschrieben. Aber nicht 129 ff, sondern 179. 


Vill. Mailand. 


l. Leonhard Pachel. 
— 1490. — Bartolus de Saxoferrato, lectura super II. parte digesti veteris. — 
Fol- — B.* 2576 (2), Pr. 5982. 
— 1490. — Bartolus, super I. parte digesti veteris. — Fol. — H.* 2576 (1), 
Pr. 5987. 


. — 1490. — Bartolus, lectura super I. parte infortiati. — Fol. — H. C.* 


2594 (1). 

— 1491. — Bartolus, super If. parte infortiati. — Fol. — H. C.* 2594 (2). 

— 1491. — Bartolus, lectura super II. parte digesti novi. — Fol. — H. C.* 
2611 (2), Pr. 5990. 

— 1491. — Bartolus, super I. parte digesti novi. — Fol. — H. C.* 2611 (1), 
Pr. 5991. 


IX. Mainz. 
1. Peter Schoeffer. 
— n. d. (nicht nach 1469—70) — Leonardus Aretinus, libellus de amore 
Guiscardi et Sigismundae — 4. — H. C.* 1587, Pr. 89. 


2. Erhard Reuwich. 
— 1486. — Bernardus de Breydenbach, Reisen. — Fol. — H.* 3959, Pr. 157, 


X. Mantua. 


]. Vicentius Bertochus. 
— 1498. — Baptista Mantuanus, adolescentia. — 4. — H. 2401 ?, Cop. II, 
857, Pr. 6910. 


Mit Cop. stimmt das Exemplar überein bis auf zwei Abweichungen 
in der Zeilen-Abteilung: F. 2. a... Carmelitae Theologi adole || scentia . .. 
Paridem ceresariü. || 


— 111 — 


XI. Memmingen. 
1. Albert Kunne, 2. Presse. 


55. — 1499. — Paulus Florentinus, breviarium totius juris canonici, — Fol. — 
H. C. 7168, C. III. p. 260, Pr. 2802. 


Xll. Nürnberg. 
1. Anton Koberger. 


56. — 1487. — Jakobus de Voragine, legenda aurea. — Fol. — Cop. III. 6413 — 
6414, Pr. 1987. | 
Das Exemplar brichtab: Desancta Kunegunde F. 271. (c. n. COLXXI) b. 
Das Repertorium Handschrift. F. 1. fehlt. 
57. — 1479. — Biblia latina. — Fol. — H. C.* 3072, Pr. 1993. 
F. 462. b .. . finit feliciter. Weitere Bl&tter fehlen. Schachiuger p. 33. 
Nr. 178, Correctur. 
58. — 1481. — Aeneas Sylvius, epistolae familiares. — Fol. — H. C.* 151, 
Pr. 2008. 
59. — 1488. — Johannes Herolt, alias Discipulus, Ord. Praed., sermones de 
tempore et sanctis cum promptuario exemplorum et de B. Virgine. — 
Fol. — H.* 8487, Pr. 2088. 
F. 1. fehlt. Das Exemplar bricht ab mit F. 377. b. Letzte Zeile: 
vgo gda mire pulcritudis fa ocul' ei? fb'iecit q || 
60. — 1485. — Paulus de Castro, consilia et allegationes. — Fol. — H. C.* 
4641. 
61. — [nach 2. M&rz 1491.] — S. Bonaventura, perlustratio in libb. IV sententiarum. 
— Fol. — H. (P. III. & 1V.) C.* 3540, Pr. 2068. Kleindrack Haebler 
Type 19. 
62. — 1492. — Johannes Herolt, sermones de tempore et de sanctis. — Fol. — 
H.* 8502, Pr. 2079. 
F. 306. b bricht das Exemplar ab. Bei Haebler das entsprechende 
MaB nicht gefunden. 
63. — 1498. — Hartmannus Schedel, liber chroniearnm. — Fol. — H. C.* 14508, 
Pr. 2084. 
Nach F. 275. (c. n. CCLVIII) ein leeres Blatt (c. n. CCLXI). Also 
2 Blütter herausgerissen. Das Exemplar bricht ab F. 310. (c. n. CCXC) b. 
Folgen 40 leere Blätter. 
64. — 1493. — H. Schedel, Buch der Chroniken. — Fol. — H.* 14510, Pr. 2086. 
F. 11. (c. n. L) fehlt. 
65. — 1494. — Johannes de Verdena, sermones dormi secure, de sanctis. — 
Fol. — H. C.* 15979, Pr. 2087. 
Cop. gibt Sign. c!9 an, es findet sich aber nur c®. Das Exemplar bricht 
F. 69.b ab. Letzte Zeile: Lucas quod interpretatur consurgens vel eleuäs || 
(De Sancto Luca Evangelista.) Vielleicht gilt für dieses Exemplar die 
Anmerkung Hains zu 15977: (Conjunct. inveni ... .), weil es zu 15977 
gebunden ist. Der Beschreibung nach stimmt es aber anfangs völlig mit 
15979. 
66. — 1494. — Reuchlin, vocabularius breviloquus. — 4. — C. III. 6297. 
Vouiliéme gibt irrig C. III. 6267 an. Haebler Type 19. 


— 112 — 


67. — 1494. — Henricus Institoris, malleus maleficarum. — 4. — H. C.* 9245, 
Pr. 2090. 
| F. 144. (c. n. CCOXXXVII) 1 col, die 2. weggerissen. Finis tabulae 
F. 7. b. Entweder irrt Hain oder es fehlt hier ein Blatt. 
68. — 1496. — Henricus Institoris, malleus maleficarum. — 4. — H.* 9246, 


Pr. 2108. 

69. — 1497. — Juvenalis, satirae c. commentariis Domitii Calderini, Ant. 
Mancinelli et Georgii Vallae. — Fol. — H. C.* 9711, Pr. 2116. 

70. — 1498. — Johannes de Verdena, sermones dormi secure, de tempore. — 
Fol. — H. C.* 15977, Pr. 2120. 

71. — 1498. — Angelus de Clavasio, summa angelica de casibus conscientiae. — 


Fol. — H.* 5400, Pr. 2121. 


2. Friedrich Creußner. 


12. — 1478. — Johannes de Turrecremata, quaestiones evangeliorum de sanctis. 
— Fol. — H.* 15711, Pr. 2144. 
73. — 1478.— Johannes de Turrecremata, quaestiones evangeliorum de tempore. 


— Fol. — H. C. 15712. 

74. — n. d. — Diogenes Cynicus, epistolae. — Fol. — H.* 6192, Pr. 2166. 

79. — n. d. — Michael Lochmaier, parochiale curatorum. — 4. — H. C.* 101€7. 
Pr. 2189, Haebler Type 4. 

76. — n. d. — Bulla aurea germanice. — Fol. — H. C.* 4077, Haebler Type 1. 


9. Peter Wagner. 


77. — n. d, — Cassandra Fidelis, oratio pro Bertucio Lamberto. — 4. — 
H* 4553, Pr. 2257, Haebler Type 1. 2 Exemplare vorhanden. Eines 
rubriziert. 


4. Georg Stuchs. 


78. — [1497?] — Directorium breviarii Salisburgensis. — 4. —(H.* 6269.), Pr. 2281. 
Fol. 1. a:... Arte sua Georgius Stochs nos pressit in urbe || Nurn- 
berga celebri... 
XIII. Paris. 
1l. Guido Mercator. 
79. — [1493—94] — Christoph Columbus, epistola de insulis nuper repertis. — 
4. — C. IT. 1695, Pr. 7988. 
F. 1.a tit, F. 1. b: Epigramma ... darunter ein Holzschnitt. F. 2. a 
(c. s. a3): Epistola Christophori Co || lom u. s. w. ganz wie Cop. 1I. 1696 
bis auf die Signatur und den Titel. 


XIV. Passau. 
1. Johann Petri. 
&0. — n. d. — Paratus, sermones de tempore et de Sanctis. — Fol. — H. C.* 
12405, Pr. 2832. 
Mit Cop. stimmt die Signatur. Zu Hain 12405 paßt nur der I. Teil, 
de tempore. H. hat F. 165. a vacat. Vorliegendes Exemplar F. 165. a 
(c. s. A. et n. i): Paratus continés fermones de ||fanctis p circulu anni 
incipit feliciter. | etc. F. 250. a (c. n. LXXXI) col. 2: Paratus cótinés 
fermones de | fanctis per anni circulus finit feliciter. || (Sign. A—M. 
Vielleicht H.* 12405 + 12407? 


— 113 — 


81. — 1491. — Paulus Wann, sermones de tempore. — Fol. — H. C.* 16144, 


Pr. 2840. 
':82, — n. d. — Michael Lochmaier, sermones de sanctis — Fol. — H. C.* 
10172, Pr. 2845. Haebler Type 4 gibt das Maß zu gering an. 


XV. Reggio. 
1. Franziscus de Mazalibus. 
83. — 1494. — Appianus, de bellis civilibus romanis, Jat. a P. Candido Decembrio. 
— Fol. — H. C.* 1309, Pr. 7254. / Sé 
84. — 1499. — Scriptores rei rusticae cum comment. Ph. Beroaldi. — Fol. — 
H. C.* 14570, C. III. p. 287, Pr. 7257. 


XVI. Rom. 
1l. Apud S. Marcum. (Vitus Puecher. 


85. — 1476. — Petrus de Monte, repertorium utriusque iuris. I. u. IT. P. — 
Fol. — H.* 11587. 2 Vol. 


2. Eucharius Silber. | 
86. — n. d. — Fenestella, de Romanorum magistratibus ete. — 4. — H. C. 


Reichling (I.) 6959. 
F. 44. a (c. 8. Bu De Saturnino, nicht wie Hain: De Saturno. 


XVII. Scandiani. 
l. Peregrinus Pasquale. 3. Presse. 
87, — 1495. — Appianus, historia. Traductio P. Candidi. — Fol. — H. C. 1310, 
Cop. III. p. 240, Pr. 7825. 
Die Vorrede fehlt bei diesem Exemplar. Ist mit Nr. 83 zusammen- 


gebunden. 
XViil. Straßburg. 


1. Adolf Rusch. (R-Drucker.) 
88. — n. d, — Biblia latina. — Fol. — H C.* 3034, Pr. 234, Haebler Type 1. 


2. Johann Reinhardt von Grüningen. (J. Grüninger.) 

89. — 1490. — Carolus Maneken, epistolae s. epistolarum formulae. — 4. — H.* 
10675. Voulliéme Nr. 2281 teilt es Grüninger zu. Haebler Type 21. Aber 
das U mit Perle nicht zu finden. 

F. 1. fehlt. Das Exemplar bricht F. 81. b (c. n. LXXVII) ab. 

90. — 1496. — Antoninus, Archiep. Florent, summae theologicae P. III. — Fol. 
— H. C.* 1249, C. III. p. 240, Pr. 469. 

Hain gibt F. 7. a die Sign. a an, vorliegendes Exemplar hat b. 

91. — 1496. — Antoninus, Archiep. Florent., summae theologicae P. 1V. — Fol. 
— H. C.* 1249, Pr. 471. 

Hain führt F. 4. a mit Signatur A,,,, an, dieses Exemplar hat a,,,,. 

92, — 1497. — Hieronymus Baldung, aphorismi compunctionis theologicales. — 
4. — H. C.* 2270, C. III. p. 244, Pr. 477. 

93. — 1498. — Horatius Flaccus, opera cum annotationibus Jak. Locher Philomusi. 
— Fol. — H. C.* 8898, Pr. 485. 

94. — 1498. — Sebastianus Brant, varia carmina. — 4. — H.* 3732, C. III. p. 
248, Pr. 487. (Burger Index irrig H. 3722.) | 

2 


— 114 — 


95, — 1499. — Bartholomaeus Sibylla, speculum quaestionum peregrinaram. — 
4. — H. C.* 14720, Pr. 490. 
F. 1. fehlt. F. 264. b (c. n. CCLIILI) nicht wie Hain (c. n. CCLIII. 


89. Johann PrüB. 


96. — 1488. — Fasciculus temporum. — Fol. — H. C.* 6987, C. III. p. 260, 
Pr. 533. 
97. — 1493. — Frater Peregrinus, sermones de tempore et de sanctis. — 4. — 
H. C.* 12585, Pr. 550. Haebler Type 8. 
Das Exemplar bricht F. 211. b ab. Letzte Zeile: (De sancta Katherina) 
col. 2: cuncto% debilia mébra fanat || 


98. — [nicht vor 1490. Burger Index.] — Fasciculus temporum. — Fol — 
H. C.* 6915, Pr. 571. 
99. — n. d. — Johannes Berberius, viatorium utriusque iuris. — 8. — H. C.* 


9798, Pr. 572, Voullióme Nr. 2367, Haebler Type 10. Für Basel 9 Type 2 
würde die einfache Divise sprechen. | | 

Hain gibt an: F. 2. & (c. 8. an); vorliegendes Exemplar fir F. 2.a 
keine Signatur. | 


4. Drucker des Jordanus von Quedlinburg. 148. 


100. — 1496. — Jacobus de Voragine, legenda aurea. — Fol. — C. III. 6467, 
Pr. 630, Voulliéme Nr. 2463, Haebler Type 3. 


101. — 1496. — Guillermus Textor de Aquisgrano, sermones tres de passione 
Christi. — 4. — C. III. 5778, Pr. 641, Voulliéme Nr. 2460, Haebler 
Type 4. 


102. — 1490. — Johannes Gritsch, quadragesimale. — Fol. — H.* 8075, Pr. 659, 
Voull. Nr. 2442, Haebler Type 5. 


5. Martin Flach. 
103. — 1496. — Raymundus de Sabunde, theologia naturalis, s. liber creaturarum. 
— Fol. — H. C.* 14069, Pr. 703. 
104. — 1494. — Vocabularius iuris utriusque. — Fol. — C. III. 6371, Pr. 786, 
Schachinger Nr. 849. F. 1. fehlt. 


.6. Drucker der Casus breves decretalium. 1493. 


105. — 1495. — Johannes Gritsch, quadragesimale. — Fol. — H. C.* 8078, 
Pr. 739. 
7. Georg Husner. 2. Presse. 

106. — 1498. — Tractatus, contra vitia clamans. — 4. — H.* 15594, Pr. 744. 


8. s, t y p. n. 


107. — 1487. — Johannes Herolt, sermones de tempore et de sanctis, cum. 
promptuario exemplorum et de B. Virgine. — Fol. — H.* 8495. 
F. 439. fehlt. Etwa Haebler 12, 2? 


XIX. Treviso. 
1. Joh. Rubeus. 


108. — 1485. — Bartholomaeus s. Baptista Platina, vitae pontificum. -- Fol. — 
H. C.* 13048, Pr. 6498. — F. 1. fehlt. 


— 115 — 


XX. Tübingen. 
1. Job. Otmar, 2. Presse. 


109. — 1499. — Guillermus Episc. Parisiens., sermones. — Fol — H.* 8828. 
Pr. 3230. 

110. — (nicht vor 1499.) — Gabriel Biel, epitoma expositionis canonis miseae. 
— 4. — H. C.* 8181, C. III. p. 246, Pr. 3233. 


XXI. Turin. 
1l. J&kob Suigus 5. Presse mit Nikolausde Benedictis. 
111. — 1490. — Felinus Sandeus, super prooemio decretalium et tit. constitutionum. 
— Fol. — H. C. 14288. 
XXII. Uim. 
1. Johann Zainer. 
112. — 1478. — Heinrich Steinhöwel, Chronik. — Fol. — H.* 15054, Pr. 2498. 


XXIN. Venedig. 
1l. Nicolaus Jenson. 


118. — 22. Nov., 10. Dez., 21. Juli, 17. Aug., 18. Sept. 1477. — Nicolaus Panor- 
mitanus, lectura super quinque libros decretalium. — Fol. — H.* 12810, 
Pr. 4105 —4111. Vol. I. — IV. 


2. Johann v. Kóln und Johann Mauthen. 


114. — 1477. — Aeneas Sylvius, historia rerum ubique gestarum. — Fol. — 
H.* 257, Pr. 4822. 


115. — 1480. — Nicolaus Panormitanus, glossae Clementinae. — Fol. — H. C.* 
12889, C. IIl. p. 279, Pr. 4341. 


3. Erhard Ratdolt mit Bernhard Pictor und Peter Loeslein. 
116. — 1477. — Appianus, historia Romana, — 4. — H. C.* 1807 P. II, Pr. 4367. 


4. Reynaldus de Novimagio. 


117. — 1480. — Gregorius Magnus, moralia s. expositio in. Jobum. — Fol. — 
H Ces 7930, Pr. 4437. 


9. Johannes u. Gregorius de Gregoriis. 


118. — 1490. — Abhumeron Avenzohar, theicrisi .... c. Colliget Averrois. — 
Fol. — H.* 2186, Pr. 4513. 

119. — 1496. — Baldus de Ubaldis, lectura super quatuor libros institutionum 
Justiniani. — Fol. — H. 2276. 

F. 1. a tit.: Accutissimi iuris utriusg doctoris consuma || tissim 
domini Baldi de perusio super In {| stitutidibas commenti. Ineipit Cal 
quibusdam eiusde3z Baldi consi || lijs. z repetitionibus clarissi | morus iure 
consultorü do || minorü Angeli. z Bar || tholomei de salice || to. nouiter || 
Impres || sis. || F. 1. b: Incipiunt rubrice Institutionum. F. 2. a (c. s. A ij) 
Accutissimi Juris utrinsp doctoris consumatissimi || etc. F. 66. a (c. n. 66): 
Explicit Lectura Bal. utrius inris interpretis subti || lissimi fup quatuor 
libris Institutionü. maximis qdé labo||rib? correcta ac nouiter impfia 


Qe 


— 116 — 


Venecijs p Joàne; z Gre || goriu | de Gregorijs fratres. 1496. die XXIII. De- 
cembris. | Registrum. S. A — L, 66 ff, 62 num.,. 6 non num., zweimal die 
Nummer 40, zweimal 56. 


6. Baptista de Tortis. 


120. — 1498. — Guillelmus Duranti, speculum iudiciale. — Fol. — Ri 6515, 
Schachinger 321, p. 56. Das Repertorium ‘fehlt. 

191. — 1495. — Justinianus, codex. — Fol, — H. 9617, Reichling I. p. 160. 

122. — 1499. —. Guillelmus Duranti, repertorium ad speculum iudiciale. — Fol. 
— H. C. 6516. 


128. — 1499. — Justinianus, institutiones. — Fol. — H.* 9589, Pr. 4666. 
124. — 1500. — Justinianus, novellae. — Fol. — H.* 9637, Pr. 4674. 


7. Johann Herbort. 2. Presse. 


125. — 1481. — Franziskus de Zabarellis, lectura super Clementinas. — Fol. — 
H. C.* 16252, Pr. 4676. 


126. — 1481. — Biblia latina cym postillis Nicolai de Lyra. — Fol. — H.* 3164, 
Pr. 4681. 


8.Andreas Torresanus. 
127. — 1489. — Justinianus, codex. — Fol. — H. C. 9612. 


128. — 1495. — Baldus de Ubaldis, lectura super digesto infortiato et novo. — 
Fol. — H. 2305. 


9. Hermann Lichtenstein. 4. Presse. 


129. — 1484. — Johannes Tortellius Áretinus. commentariorum grammaticorum 
. de orthographia dictionum e Graecis tractarum opus. — Fol. — H C.* 15569, 
Pr. 4787. 


180. — 1487. — Antonius de Rosellis de Aretio, Monarchia sive de potestate 
Imperatoris et Papae. — Fol. — H. C.* 13974, Pr. 4789. 


10. Peregrinus Pasqualis. 2. Presse. 
181. — 1489. — Lanfrancus de Oriano de Brixia, repetitiones etc. — Fol. — 
H.* 9883. 


F. 1. fehlt. F. 2, a (c. 8. a4): Incipit solemnis repetitio famosissimi 
utrius iuris docto || ris. domini Lanfranci de oriano de Brixia fuper c. 
quoniam || contra falsam || (q) Uoniam con || etc. 
182. — 14983. — Diogenes Laertius, vitae et sententiae philosophorum etc. — 
Fol. — H.* 6205. 


1l. Georgius Arrivabenus. 


133. — 1489. — Angelus de Clavasio, summa angelica de casibus conscientiae. 
— 4. — C. II. 1662, Pr. 4916. 
F. 1. fehlt. 


19. Bernardinus Hhizus. 


184. — 1490, — Jakobus Philippus Bergomensis, supplementum chronicarum. — 
Fol. — H. C.* 2808, Pr. 4954. 


— 117 — 


13. Bonetus Locatellus. 
185. — 14983. — Quintilianus, institutiones oratoriae cum annotationibus Raphaelis 
Regii. — Fol. — H. C.* 13652, Pr. 5045. 
14. Joh. Rubeus. 2. Presse. 


136. — 1490. — Junianus Maius, de priscorum proprietate verborum. — Fol. — 
H..C.* 10545, Pr. 5126. | 

187. — 1494. — Strabo, geographiae libb. XVI. — Fol. — H. C.* 15090, 
Pr. 51835. Hinter Nummer CXLVI zwei leere Seiten. Dann Nummer CXLVIIII. 


15. Paganinus de Paganinis. 


138. — 1499. — Angelus de Clavasio, summa angelica de casibus conscientiaen 
— 8. .— H. C.* 5401, Pr. 5177. 
139. — 1499. — Salis s. Trovamala, summa casuum D dicta Rosella 


seu Baptistiniana. — 8. — H. C.* 14186, Pr. 5178. 


16. Philippus Pincius. 


140. — 1493. — Cicero, de officiis libb. II] cum commento Petri Marsi to, — 
Fol. — H. C.* 5279, Pr. 5298. Kein Register. 

141. — 1496. — Philippus de Franchis, lectura super titulo de mn 
et nullitatibus sententiarum, — Fol. — H.* 7819. 


17. Johannes Tacuinus, 


142. — 1500. — Diomedes et alii grammatici veteres. — Fol. — H. C.* 6225 
2 Exemplare. 


18. Petrus de Quarengiis. 


148. — n. d. — Jakobus Philippus Bergomensis, confessionale seu interrogatorium. 
— 8. — (Cf. H. C. 2815.) 

F. 1. a tit.: Confessionale: sen Inter || rogatorium : aliorum omnium 
nouissimü: Reverendi pa || tris: fratris Jacobi philippi: oï || bus 2 fitentibus 
maxime || neceffarii: nouiter || excogitatus. || F. 1. 5: FraterJacobuf philippus 
Bergomensis ordinis | Heremita?) etc. F. 2. bL incipit Tabula. F. 4. b Ez- 
plicit Tabula. F. 5. a (c. n. 5): Incipit nouissimü Herithoma feu inter- 
rogatoriü | a venerando etc. 7. 72. a (c. n. 72) : Imp-efífu Venetijs p Petrum 
Bergomensem. 

19. Aldus Manutius. 
144. — 1498. — Angelus Politianus, opera et alia lectu digna. — Fol. — 
H. C.* 13218, Pr. 5567. 

Nach ,monodiam* noch sechs Blatter „Liber Epigrammatum“. 

Letzte Linie F.6. b: Omnia namque igni sunt infecta illius arma || brieht ab : 


In lau. 
145. — 1499. — Scriptores astronomici veteres. — Fol. — H C.* 14559, Pr. 5570. 
146. — 1499. — Nicolaus Perottus, cornucopiae linquae latinae. — Fol — 


H.* 12706, Pr. 5572. 


20. Jakobus Pentius deLeucho. 


147. — 1498. — Petrus Reginaldettus, speculum finalis retributionis. — 8. — 
H. C.* 13766 — H. C.* 19771, Pr. 5580. 


— 118 — 


21. Otinus de Luna. 


148. — 1496. — Thomas de Aquino, commentaria in libros perihermenias e 
posteriorum Aristotelis et eiusdem fallaciarum opus. — Fol. — H. C. 1495, 
C. III. p. 241. 

149. — 1500. — Marsilius ab Inghen, quaestiones super libris Aristotelis de 
generatiene e$ corruptione, — Fol. — H.* 10782, Pr. 5611. 

Ä 8. typ. n. 

150. — 1478. — Nonius Marcellus, de proprietate latini sermonis etc. — Fol. — 

H. C. 11902 (-+- H. 7041? vide Burger Index), Pr. 5659. 


XXIV. Wien. 
1. Johann von Winterburg. 
151. — 1499. — Missa de requiem. — Fol. — H. 11247. 


B. Unbestimmte Druoke. 
152. — 1490. — Agenda in usum ecclesiae Pataviensis. — Fol. — B.* 372. 

Schachinger führt unter Nr. 11 eine Ag. i. us. eccl. Pat. vom Jahre 
1498, gedruckt durch Joh. Hamman, Venedig, an. Vielleicht auch diese 
frühere Ausgabe in Venedig gedruckt? 

153. — n. d. — Avianus, compotus. — 4. — H. C.* 2195, Pr. 8820. (Frankreich.) 
F. 9. b kein Holzschnitt, leer. 
154. — n. d. — Leonardus Aretinus, de nobilitate — 4. — H. 1576. 

F. 1. a: Leonardi aretini opufculum ad illa || ftr@ ac clarü pricip& 
Guidáthonium || montiffereti comitem nobilissimum || () Put maiores nostros 
fepe || ete. F. 2. a ln. 5: Sequitur declamande controversie [ titulus 
de nobilitate. || 

(e) Tate illa floreniffima qua || Iclitd romano® impit adoleuit || etc. 
— F. 24. b; tétia relinquitur AMEN. — 24 ff., s. c. «t a. et n. Zusammen- 
gebunden mit Nr. 86, dasselbe starke Papier, dieselbe Rubrizierung. 
Eucharius Silber ? 

155. — ». d. — Virgilio centones veteris et novi testamenti. — 4. — 

F. 1. a tit.: Virgilio centonef veteris et || novi testamenti. | F. 7. b 
leer. F, 2.8: Nolo dum breue hoc opus ||intueberis auidissime lector || 
Maraonem ipsum noftre reli || gionis vatem me dixisse intellexeris. illü ém 
apollinià fpi||ete. F. 2. b lin. 12: Vale optime lector z|| F. 3. a:) 
Entones apud gmaticos vocari folent qui de car || minibus homeri feu 
maronis ad +pa opa more cé|| tenario ex metris hincinde opositis in unt 

. farciüt corpus || etc. . . . din. 8 beginnt der Vere; () Am dudum temerafíe 
duces pia federa pacis || F. 20. a letzte Linie: Hac casti maneant in relligione 
nepotes) || F. 20. b leer. 20 ff, 20 lin., s. c., sign. & num., c. margin. 
Anfangsbuchstaben rot und blau rubriziert. Da zugleich mit den Num. 40 
41, 42, 77, 52, 34, 8, 79 zusammengebunden, doch wohl eine Inkunabel, 
Bei Haebler kein entsprechendes Maß. Typen und Rubrizierung ganz wie 
Nr. 40 u. 42. Also offenbar ein Leipziger Druck. Entweder Melchior 
Lotter, Haebler, Type 6 u. 8, oder Drucker des Capotius, Type 1. 


P. Florian Zeller. 


— 119 — 


Über schwedische Bibliotheken. 


Reiseerinnerungen. 
(Schinß.) 


Die Universitäts-Bibliotheken in Uppsala und Lundhaben mit der 
Königlichen Bibliothek gemein: 1) die Trennung der Bücher und Hand- 
schriften in je zwei Abteilungen: die schwedische und die ausländische 
Abteilung ; 2) die systematische Aufstellung. Die Universitäts-Bibliothek in 
Uppsala, wie schon bemerkt, die älteste und größte Bibliothek Schwedens, 
befindet sich seit 1841 in dem Gebäude, welches den Namen Carolina 
Rediviva trägt. Dieser Name hat folgende Geschichte: König Karl IX. von 
Schweden (reg. 1599—1611) schenkte der im Jahre 1477 gegründeten 
Universität in Uppsala das alte Domkapitelhaus der Stadt, welches eine 
Zeitlang das vornehmste Gebäude der Universität blieb und später nach 
dem königlichen Spender Carolina benannt wurde. Ende des 18. Jahrhunderts 
wurde der Bau, weil seinem Zwecke nicht entsprechend, niedergerissen, und 
als 1841 das gegenwärtige Universitätsgebäude entstand, der Name Carolina 
mit dem: Zusatze Rediviva darauf übertragen. Vgl. hierüber das Prachtwerk:: 
Upsala universitet 1872 — 1897. Festskrift med anledning af konung 
Oscar II:s tjugofemárs regjeringsjubileum den 18 September 1897. Enligt 
det större akademiska konsistoriets uppdrag utgifven af Reinhold Geier, 
Upsala 1897. fol.! Hierin findet sich im zweiten Teile, S. 41—67 eine 
Geschichte der Universitäts-Bibliothek in Uppsala in dem angegebenen Zeitraum 
aus der Feder des verstorbenen Bibliotheksdirektors Claes Annerstedt, nebst 
ausführlichem Literaturverzeichnisse betreffend die Geschichte der Universitüts- 
Bibliothek. (Das kostbare Werk wurde durch gütige Vermittlung des Vize- 
bibliothekars der Universitäts-Bibliothek in Uppsala Dr. Aksel Andersson über 
mein Ansuchen der Hofbibliothek zum Geschenk gemacht.) In den Jahren 
1888— 1892 wurde das Innere der Bibliotheksräume modernen Anforderungen 
entsprechend umgebaut; doch herrscht schon Raummangel. Nach der Záhlung 
beziehungsweise Schätzung der Universitäts-Bibliothek in Uppsala vom Jahre 
1903 hatte diese Bibliothek im Dezember desselben Jahre einen Bestand 
von ca. 340.000 Druckwerken und 14.000 Handschriften. Bei den Druck- 
werken sind die Broschüren von unter 100 Seiten Stärke mitgezählt, 
welche wie in der Königlichen Bibliothek in Portefeuilles aufbewahrt werden. 
Sowie damals (1903) übertrifft auch heute die Universitäts-Bibliothek in 
Uppsala an Umfang die Königliche Bibliothek. Die Jahresdotation jener 
für Büchereinkauf, Buchbinderei und Kanzleiauslagen ist seit 1896 auf 
24.000 schwed. Kr. bestimmt worden, also um 10.000 Kr. weniger als 
die Königliche Bibliothek. Die schwedische Abteilung in Uppsala ist nicht 
viel geringer an Umfang als jene der Königlichen Bibliothek; dagegen ist 
die Handschriftensammlung in Uppsala jener in Stockholm überlegen. Was 


— 120 — 


die ausländische Abteilung in Uppsala betrifft, so hat sie in den Fächern: 
Theologie, Pädagogik, Sprachwissenschaft, orientalische Literatur (die 
Japonica ausgenommen), Mathematik, Astronomie, Naturwissenschaften und 
Medizin (aus früher angegebenen Gründen) einen stärkeren Bestand auf- 
zuweisen als die Königliche Bibliothek, und auch Inkunabeln und Ab- 
handlungen gelehrter Gesellschaften sind in der Universitäts-Bibliothek in 
Uppsala stärker vertreten als in der Königlichen Bibliothek. Dagegen 
dürften beide Bibliotheken in Geschichte, Biographie, Rechts- und Staats- 
wissenschaften, Philosophie und schöner Literatur gleicherweise gut bedacht 
sein. Die sogenannte „Referenzbibliothek* des Lesesaals umfaßt in Uppsala 
ca. 6000 Bände. Der Lesesaal selbst ist in Uppsala zu klein, er hat nur 
30 Tische, für jeden Leser einen. Es wird aber in Uppsala weit mehr 
nachhause entliehen, als in der Bibliothek selbst gelesen. Außerdem herrscht 
in Uppsala der Brauch, daß jeder ernster forschende Leser auf einem besonderen 
Tisch soviele Bücher für längeren Gebrauch aufstellen darf, als er benötigt. 
Die Universitäts-Bibliothek in Uppsala ist gleich der Königlichen Bibliothek 
von 10 bis 3 Uhr geöffnet; es wird aber den Universitätsstudenten auch 
außerhalb der Amtsstunden mit außerordentlicher Liberalität der Zugang zum 
Lesesaal. gestattet, selbst wenn gar kein Beamter zugegen ist. Und trotzdem 
versichert Herr Vizebibliothekar Dr. Aksel Andersson, der ausgezeichnete 
Kenner des Altschwedischen, dem ich für alle die Universitäts-Bibliothek 
in Uppsala betreffenden Mitteilungen sowie für die persönliche Besichtigung 
dieser Bibliothek zu allergrößtem Danke verpflichtet bin, in seinem trefflichen 
Essay „The research libraries of Sweden“ (Library journal, 1904, dec.), 
daß er sich während seiner langjährigen Dienstzeit an keinen Verlust eines 
Buches erinnern könne. — Im Jahre 1903 war der Lesesaal in Uppsala 
von 8265 Personen besucht, welche über 34.000 Bände und über 
6000 Handschriften benützten. Wenn man bedenkt, daB die kleine Uni- 
versitätstadt Uppsala nur ca. 24.000 Einwohner mit etwa 1600 Studenten 
zühlt, so sprechen die eben angeführten Zahlen für ein sehr reges geistiges 
Leben. Freilich kennt der schwedische Universitätsstudent keine Paukerei, 
keine Mensur (der Zweikampf gilt in Schweden seit 200 Jahren als gemeines 
Verbrechen und wird mit Zuchthaus bestraft) und auch keine Kneipe, daher 
Studentenexzesse dort eine Seltenheit sind. — — 

Der Status der Universitäts-Bibliothek in Uppsala ist gegenwärtig: 
l Direktor (bibliotekarie), 2 Vizebibliothekare (vicebibliothekarie), 4 Amanu- 
enses (amanuenser) und eine nicht bestimmte Zahl von auferordentlichen 
Amanuenses (extraordinarie amanuenser), gewöhnlich 5, Bibliotheksdiener 
(vaktmästare) sind nur 3, von denen einer auch noch die Heizung zu 
besorgen hat. Alle diese Angestellten beziehen etwas geringere Gehälter als 


— 121 - 


ihre Kollegen in der Königlichen Bibliothek. Der Direktor hat in allem und 
jedem die Stellung eines ordentlichen Universitätsprofessors. Die Katalogs- 
einrichtungen der Universitäts-Bibliothek in Uppsala sind in mancher Be- 
ziehung verschieden von der Königlichen Bibliothek. Die Universitäts -Biliothek 
in Uppsala besitzt keinen Realkatalog. Für den älteren Bücherbestand bis 
1796 existiert ein gedruckter Nominaikatalog in 3 Quartbinden. Dieser 
bildet noch immer den Handkatalog für die ältere Literatur, obschon dessen 
Büchertitel nach und nach in den gegenwärtig bestehenden Bandkatalog 
übertragen werden. Die Blätter dieses Bandkataloges sind 27 cm hoch und 
22 cm breit. Jeder Autor hat ein Blatt — zum wenigsten. Die Titel eines 
mehr oder vielschreibenden Autors werden gewóhnlich so eingetragen, wie 
die Bücher 'einlaufen. Nur zahlreiche Werke großer Schriftsteller wie 
z. B. Aristoteles, Cicero, Luther u. a. werden in Sektionen geteilt und jede 
Sektion erhält dann ein Blatt, eventuell ein 2. oder 8. . . Ein zu umfangreich 
gewordener Band wird in zwei Bände gebunden. Innerhalb des Band- 
kataloges sind drei Alphabete zu unterscheiden: 1 für die Verfassernamen, 
1 für die Anonyma und 1 für die Abhandlungen der gelehrten Gesellschaften, 
welche jedoch, wie bereits bemerkt, nach dem Alphabete der Ortsnamen 
eingetragen werden. Vizebibliothekar Dr. Aksel Andersson in Uppsala bezeichnet 
als wunden Punkt der dortigen Universitäts-Bibliothek die Katalogisierung 
der Anonyma in dem alten gedruckten Bandkatalog: darin sind die Anonyma 
nach einem wissenschaftlichen Schema eingetragen und innerhalb jeder 
Abteilung desselben chrouologisch. Dieses Verfahren ist in dem gegenwärtigen 
Bandkataloge aufgegeben worden. Dieser hat unter anderem die Eigen- 
tümlichkeit, da8 nur die schwedischen, nicht aber die ausländischen 
Dissertationen in denselben aufgenommen werden. Für die ausländischen 
Dissertationen besteht ein separater Zettelkatalog. — — | 
Die Geschichte der Universitäts-Bibliothek in Uppsala hängt mit 
der Gründung der ältesten Universität des Landes daselbst, im Jahre 1477, 
enge zusammen. Über die Bücherbestände im 15. und 16. Jahrhundert ist 
sehr wenig bekannt. Erst im Jahre 1620 (oder 1621) erhielt die Uni- 
versitäts-Bibliothek einen mächtigen Zuwachs durch die schon erwähnte 
große Schenkung König Gustaf II. Adolfs. Derselbe König fügte im Jahre 
1631 den größten Teil der im Dreißigjährigen Kriege erbeuteten bischöflichen 
Bibliothek in Würzburg als weitere Schenkung hinzu. König Karl X. Gustaf 
(1654—1660) schenkte die auf seinen Kriegsziigen in Polen erbeuteten 
Büchersammlungen der Universitäts-Bibliothek in Uppsala, und Karl XI. 
(1660—1697) fügte noch Schenkungen hinzu. Infolgedessen hatte die 
Bibliotbek bereits einen solchen Umfang gewonnen, daß ihr bisheriges Lokal, 
ein westlich vom Dome in Uppsala gelegenes, später niedergerissenes Ge- 
bäude nicht mehr ausreichte. Deshalb ließ auch Karl XI. auf eigene Kosten 


==. (499 Zu 


das obere Stockwerk des sogenannten Gustavianums (eines von Gustaf II 
Adolf errichteten und nach ihm benannten Universitätsgebäudes) zu Bücher- 
'sälen einrichten und die Universitäts-Bibliothek dahin trantsportieren. Dort 
blieb sie bis zu ihrer Überführung in das noch heute bestehende Uni- 
versitátsgebáude, die schon genannte Carolina Rediviva, im Jahre 1841. 
Außer von schwedischen Königen erhielt die Universitäts-Bibliothek in 
Uppsala auch von anderen Staatsmännern und Gelehrten Schwedens große 
Schenkungen. Die bedeutendste ist die von dem schwedischen Universitäts- 
kanzler Magnus Gabriel de la Gardie (geb. 1622, gest. 1686) gemachte 
Handschriftenspende. Darunter befindet sich die größte Kostbarkeit der 
Bibliothek: der Codex Argenteus, die 4 Evangelien in der gotischen Über- 
setzung des Bischofs Ulfila, gest. 381. Der in Gold und Silber auf Purpur- 
pergament geschriebene Kodex wurde bei der Einnahme von Prag 1648 
von den Schweden erbeutet und von dem vorgenannten Universitätskanzler 
gekauft. Später schenkte er ihn der Universitäts-Bibliothek in Uppsala. 
Im Visningssal (Ausstellungssaal) habe ich ihn gesehen. 

Unter den Handschriften, welche De la Gardie geschenkt hat, befindet 
sich auch ein höchst wertvoller isländischer Kodex, die berühmte sogenannte 
Uppsala Edda, eine der wenigen Handschriften der jüngeren oder prosaischen 
Edda Snorri Sturlusons, wohl noch aus dem 13. Jahrhundert, nicht die 
älteste, aber die vollständigste Handschrift. Die Universitäts-Bibliothek 
in Uppsala veröffentlicht seit dem Jahre 1876 gedruckte Jahresberichte, 
welche den jährlichen Berichten der Universität unter dem Titel „Redogörelse 
für kungl. universitetet i Uppsala atgifven af dess rektor* einverleibt sind. 

Die dritte der großen wissenschaftlichen Bibliotheken Schwedens ist 
die Universitäts-Bibliothek in Lund. Sie befindet sich derzeit noch im 
Gebäude der alten Universität (gegründet 1668), im Parke Lundagàrd, 
dicht am Dome von Lund, der ältesten Metropolitankirche nicht nur 
Schwedens, sondern des ganzen skandinavischen Nordens. Am 18. April 
1902 wurde der Grund gelegt zu einem neuen Bibliotheksgebäude, auf 
dem sogenannten Allhelgonabacken, und in dieses jetzt nahezu fertige Ge- 
bäude soll die Universitäts-Bibliothek im Frühjahre 1907 ihren Einzug 
halten. (Diese Mitteilung entnehme ich einem liebenswürdigen Briefe, womit 
mich der Direktor der Bibliothek Dr. Carl af Petersens vor einiger Zeit 
beehrte.) Die Universitäts-Bibliothek in Lund umfaßt gegenwärtig zirka 
200.000 Bände Druckwerke, darunter zirka 6000 Broschüren (unter 
100 S.) in Portefeuilles, und nahezu 5000 Handschriften. Ihre jetzige 
Dotation ist 27.300 schw. Kr. Ihr Status: 1 Direktor (bibliotekarie), 
2 Vize-Bibliothekare (vicebibliotekarie), 4 Amanuenses (amanuenser) und 
eine nicht bestimmte Zahl von außerordentlichen Amanuenses, gegenwärtig 7, 
Diener sind nur zwei. Die Bezüge dieser Beamten sind gleich jenen in 


— 123 — 


Uppsala. Die Katalogseinrichtungen beider Universitäts-Bibliotheken diver- 
gieren insoweit, als man in Lund sowohl einen Nominal- als auch einen 
Realkatalog hat, wie in der Königlichen Bibliothek, doch werden, abweichend 
von dieser, die Inkunabeln in einem separaten Katalog beschrieben. Die 
Kataloge werden auch in Lund auf Zetteln geführt. Die Bibliothek ist an 
jedem Wochentage von 10—2 Uhr geöffnet. Einen Visningssal Sn 
stellungssaal) hat man in Lund nicht. 

Im Jahre 1905 wurde die Universitäts-Bibliothek in Lund von über 
12.700 Personen benützt, welche über 38.000 Bände im Lesesaale im 
Gebrauch hatten. Ausgeliehen wurden in demselben Jahre über 15.000 
Bände. Der Zuwachs der schwedischen Abteilung war 1905: über 600 
Sendungen (sändningar), jener der ausländischen Abteilung über 8600 
Bande. Die Handschriften-Sammlung wurde 1905 um drei Nummern ver- 
mehrt. — — 

Der Grundstock der Universitäts-Bibliothek in Lund ist die Bibliothek 
der Domkirche (domkyrkobiblioteket) in Lund, welche jener als Schenkung 
zufiel. König Karl XI. (1660-1697) beschenkte auch die Universitäts- 
Bibliothek in Lund reichlich und sowie in anderen schwedischen Biblio- 
theken taten auch hier Schenkungen das meiste zum Zuwachs, bis die 
anfangs spärliche Dotation im Jahre 1903 auf 27.000 schw. Kr. erhöht 
wurde. Gleichwie in Uppsala veröffentlicht auch die Universitäts-Bibliothek 
in Lund ihre Jahresberichte (unter dem Titel Lunds universitets biblioteks- 
arsberattelse) innerhalb des jährlich erscheinenden Universitätsberichtes und 
separat. Die Jahsesberichte beider Universitäts-Bibliotheken zeichnen sich 
durch große Sorgfalt und Gründlichkeit ihrer Abfassung aus. Die 
statistischen Übersichten sind musterhaft und ungemein anschaulich. Die 
Tätigkeit jedes einzelnen Bibliotheksbeamten, vom Direktor abwärts, wird 
fachmännisch klar, schlicht ohne jede Verbrämung dargelegt. Die Gesamt- 
zahl aller in einem Jahre geschriebenen Katalogszettel sowohl für den 
Nominal- als auch für den Realkatalog, wird am Schlusse angeführt — 
ohne Angabe, wieviel jeder einzelne Bibliotheksbeamte geschrieben hat. In 
der Universitäts-Bibliothek in Lund wurden im letzten Jahre (1905) 
9690 Zettel für den Nominalkatalog, 4729 Zettel für den Realkatalog 
geschrieben. Im Ganzen gewinnt man aus den Jahresberichten den Eindruck 
einer sehr sorgfältigen, zielbewußten, streng gerecht und gleichmäßig 
gehandhabten Bibliotheksverwaltung im Großen wie im Kleinen — trotz des 
empfindlichen Personalmangels. 

Für alle über die Universitats-Bibliothek in Lund gemachten An- 
gaben sowie für die persönliche Besichtigung dieser Bibliothek bin ich 
dem Direktor derselben, Herrn Dr. Carl af Petersens zu ganz besonderem 


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Danke verpflichtet. Dieser Gelehrte, bekannt als ausgezeichneter Fachmann 
auf dem Gebiete des Altnordischen, stellte sich mir nicht nur als Führer 
der von ihm geleiteten Bibliothek in eigener Person zur Verfügung, sondern 
liatte auch die große Liebenswürdigkeit, alle von mir später an ihn gestellten 
Anfragen, betreffend Einzelheiten über die Verwaltung der Universitäts- 
Bibliothek in Lund, in ausführlichster und erschöpfender Weise zu beant- 
wortlen. — — — 

Die jüngste unter den vier groBen Bibliotheken Schwedens ist die 
Stadtbibliothek in Göteborg (Gotenburg). Sie ist zugleich auch die 
Bibliothek der im Jahre 1891 gegründeten Gotenburger Hochschule (Göte- 
borgs högskola), einer Universität, welche vorläufig nur aus einer philo- 
sophischen Fakultät besteht. Die Bibliothek zählt heute schon über 100.000 
Bände und hat eine Jahresdotation von 10.000 schw. Kr. Es war mir 
leider nicht vergönnt, sie während meines Aufenthaltes in Göteborg zu 
besichtigen. Ihr Status ist: 1 Direktor (bibliotekarie) mit 4500 schw. Kr. 
Jahresgehalt, 2 Amanuenses mit 2—3000 schw. Kr. Gehalt, 3 außer- 
ordentliche Amanuenses und 3 Diener. Seit 1900 befindet sich die Goten- 
burger Stadtbibliothek in einem neuen dreistöckigen Gebäude, in vorzüg- 
licher, für Erweiterung geeigneter Lage. Sie hat einen Lesesaal mit 
41 Tischen, für jeden Leser 1 Tisch, dazu eine treffliche „Referenzbibliothek *. 
Elektrische Beleuchtung und Warmwasserheizung sind auch vorhanden. 
Die Katalogseinrichtungen stimmen im wesentlichen mit jenen der vor- 
genannten Bibliotheken überein. 

Ich versuche schließlich eine Übersicht der wichtigsten kleineren fach- 
wissenschaftlichen und anderer Bibliotheken Schwedens. Da sind von denen 
in Stockholm anzuführen: | 

Kungl. vetenskaps akademiens bibliotek (Bibliothek der kóniglichen 
Akademie der Wissenschaften) für Naturwissenschaften, Mathematik und 
Astronomie, gegründet 1739, im Stiftungsjahre der Akademie. Sie besitzt 
gegenwärtig fast 100.000 Bände, ca. 30.000 kleinere Schriften (Broschüren 
unter 100 Seiten), eine kleinere Handschriftensammlung, welche haupt- 
sächlich Briefe schwedischer Naturforscher enthält. Das Personal besteht 
aus einem Direktor und einem Amanuensis. Seit 1893 ist die Bibliothek 
täglich drei Stunden geöffnet. — Karolinska mediko-kirurgiska institutets 
bibliotek (die Bibliothek des Karolinischen medizinisch-chirurgischen Instituts) 
enthält die größte Sammlung medizinischer Literatur in Schweden (ca. 35.000 
Bände.) Svenska läkaresällskapets bibliotek (die Bibliothek der schwedi- 
schen Gesellschaft der Ärzte), ebenfalls nur medizinische Literatur, aber 
hauptsächlich Zeitschriften. Veterinär institutets bibliotek (Bibliothek des 
Tierarzneiinstituts) ca. 10.000 Bände. Farmaceutiska institutets bibliotek 


ae 


(Bibliothek des pharmazeutischen Instituts) für Pharmazie und Chemie 
(2500 Bände). Gymnastika centralinstitutets bibliotek (die Bibliothek des 
gymnastischen Zentralinstituts) für Turnkunst, physische Erziehung, Ana- 
tomie und Physiologie (5500 Bände). Tekniska högskolans bibliotek 
(Bibliothek der technischen Hochschule) für technische Literatur (26.000 
Bände). Landbruksakademiens bibliotek (Bibliothek der landwirtschaftlichen 
‘Akademie far Landwirtschaft, Viehzucht und Verwandtes, 10.000 Bände), 
Nordiska museets bibliotek (Bibliothek des Nordischen Museums) für 
Kulturgeschichte und Völkerkunde (8000 Bände). Svenska akademiens 
Nobelbibliotek (die Nobelbibliothek der schwedischen Akademie) für aus- 
ländische Literatur und Literaturgeschichte sowie für Enzyklopädie (30.000 
Bände). Akademiens för de fria koristerna bibliotek (Bibliothek der Aka- 
demie für die freien Künste) für Kunstliteratur (4000 Bände und 11.000 
Kupferstiche). Musikaliska akademiens bibliotek (Bibliothek der Akademie 
für Musik) für theoretische Musik und Notenwerke (10.000 Bände) Riks- 
dagens bibliotek (die Bibliothek des Reichstages) für Rechts- und Staats- 
wissenschaften nebst Parlamentsakten des Auslandes (32.000 Bände und 
über 1000 Handschriften). Statistika centralbyräns bibliotek (Bibliothek des 
statistischen Zentralbureaus) für offizielle Statistik und Staatenkunde (35.000 
Bände). Patent- och registreringsverkets bibliotek (Patent- und Registraturs- 
bibliothek) für technische Literatur und Patentbeschreibungen (6000 Bände 
mit 700.000 Stück  Patentbeschreibungen). Krigsvetenskapsakademiens 
bibliotek (Bibliothek der Akademie für Kriegswissenschaften) mit 8000 
Bänden. Generalstabens bibliotek (Bibliothek des Generalstabes), gleichfalls 
für Kriegswissenschaften und Topographie (über 22.000 Bände). Flottans 
stabs bibliotek (Admiralitätsbibliothek) für Seekriegswissenschaft (über 
5000 Bände). Endlich Pedagogiska biblioteket (pädagogische Bibliothek) 
für Pädagogik, Lehr- und Unterrichtsbücher (15.000 Bände). 

Außerhalb Stockholms finden sich bei allen 82 schwedischen Mittel- 
schulen Bibliotheken, worunter die bedeutendsten sind in: Linköping 
(100.000 Bände mit 1000 Handschriften), Skara (32.000 Bände), Strängnäs 
(80.000 Bände), Väksjö (30.000 Bände mit 600 Handschriften), Norrköping 
(26.000 Bände), Göteborg (20.000 Bände), Västerås (20.000 Bände), 
Karlstad (18.000 Bande) und Kalmar (17.600 Bände). Auch die 30 Volks- 
hochschulen (folkhögskolor) Schwedens haben eigene Büchersammlungen. 
Außerdem gibt es noch im ganzen Lande verstreut eine Menge Pfarrbiblio- 
theken (Sockenbibliotek) und Volksbibliotheken (folkbibliotek) sowie Privat- 
büchersammlungen auf einzelnen Landgütern, so auf Bergshammar, Brokind, 
Eriksberg, Finspong, Främmestad, Koberg, Trolleholm u. a. 

Dr. Heinrich v. Lenk. 


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Rangliste der Beamten der österreichischen Bibliotheken. 


Die nach Rangklassen und Dienstalter geordnete Zusammenstellung 
aller der k. k. Unterrichtsverwaltung unterstehenden Bibliotheksbeamten, 
die Dr. Schubort in seinem Aufsatz „Ziffern und Streiflichter zu einigen 
die k. k. Bibliotheksbeamten betreffenden Standesfragen* veröffentlichte, hat 
so große Zustimmung gefunden, daß die Redaktion dieser Zeitschrift, der An- 
regung zahlreicher Vereinsmitglieder folgend, sich bestimmt fand, eine Neu- 
auflage dieser Tabelle zu veranstalten. Die Direktionen der elf Hochschul-, 
der vier Studienbibliotheken und der Bibliothek der Akademie der bildenden 
Künste hatten die Güte, der Redaktion genaue Aufzeichnungen ihres Status 
zu senden und trugen so werktätig dazu bei, die Schubert'sche Tabelle zu 
ergänzen und zu berichtigen. Immerhin sind mögliche Fehlerquellen vor- 
banden. In einzelnen Fällen scheinen über das Datum des Dienstantrittes 
und der Ernennung in der gegenwärtigen Rangklasse verschiedene Auf- 
fassungen geherrscht zu haben, indem die Volontarjabre und die Provisorien 
zu verschiedenen Angaben Anlaß gaben. Der Kompilator der Tabelle ging 
von der Ansicht aus, daß zwar die provisorische Ernennung als ent- 
scheidend anzusehen sei, die Volontärjahre dagegen — dem bis- 
‚herigen bedauerlichen Usus entsprechend — nicht anzurechnen seien. Ebenso 
war der Eintritt in den staatlichen Bibliotheksdienst für die Datierung 
des Dienstantrittes ma